Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Papas Praxis oder eigenes Ding
Die Allgemeinarztpraxis umbauen für plastische chirurgie ist so nicht möglich. Zudem ist mein Vater 62 und möchte bald in Rente. Also nach 5 jahren Weiterbildung Allgemeinmedizin könnte ich in die Praxis einsteigen und er würde sich zurückziehen (mit 67). Für plastische Chirurgie würde man schon länger in der Klinik bleiben müssen ... Und ich würde schon auf längere Sicht mich selbständig machen wollen.
mal so ein Gedankenansatz als absolut dummer Laie:
ist die Praxis deines Vaters, lieber TE, denn so auf allgemeinärztliche Tätigkeiten spezialisiert, dass ein Umbau/Umspezialisierung in eine chirurgische Praxis denkbar unmöglich ist?
also ich weiß nicht, ob der Gedanke absolut naiv und unlogisch ist, aber wenn du gerne in die chirurgie möchtest, du dir eine Niederlassung auch gut vorstellenkannst, geht das dann nicht, dass man versucht die Praxis, also das Lebenswerk des Vaters für sich selbst so umzumodifizieren, dass beide eiten, sprich du und dein Vater, mit der Lösung zufrieden sind?
oder geht das standortsgesehen, rechtlich, finanziell eher nicht?
zieht es dich eher in die Klinik mit größeren chirurgischen Aufgabenspektrum?
also ich glaub es kommt echt drauf an, was du persönlich mal machen willst. Ich würde mich auch eher für mein Wunschfach entscheiden.. mind. 6 lange Jahre lang studieren, um dann in einem bereich zu arbeiten, wenn das Herz für was anderes schlägt, stelle ich mir sehr schwer vor :/
wenn es ein gesperrter bezirk ist, kann man einen allgemeinarztsitz nicht einfach in einen chirurgensitz umändern. die versorgung muss sichergestellt sein.
kann dein vater nicht noch ein, zwei jährchen länger arbeiten? wenn ihm die übernahme so wichtig ist ;-)
Kackbratze
31.07.2013, 06:01
Er kann den Antrag auf längere Arbeit stellen oder den Kassensitz erstmal behalten und über angestellte Ärzte die Praxis weiterlaufen lassen bis der Nachwuchs aufschlägt.
Herzkasperl
31.07.2013, 09:07
Das mit dem "Übernehmen" sollte man sich ohnehin nicht so rosig vorstellen. Tatsächlich wirst Du alles anders machen wollen, dann sind die Praxisgehilfen stinkig, dann passts hier nicht, dann dort.
Und das Wichtigste: Der Wert der Praxis bleibt ja an sich gleich. Ob Dein Vater nun das Ding verkauft und Dir das Geld zusteckt für ne andere Praxis, die Du kaufst oder ob Du seine Praxis "übernimmst" (siehe oben) ist finanziell theoretisch erstmal dasselbe. Zumal so Allgemeinarztpraxen ohnehin nicht besonders wertvoll sind. Da kann der Wert auch schnell mal unter Null liegen, wenn da Mietverträge und (überbezahlte) Arbeitsverträge dranhängen.
Und noch was: Die Kosten Deiner Chirurgiepraxis werden zu vermutlich >70% von der Einrichtung und den Geräten bestimmt, die Du haben wollen wirst. Da brauchst Du aber auch keine Angst vor zu haben, die Zinsen sind so lächerlich niedrig und außerdem steuerlich absetzbar...
Ehrlich gesagt bemitleide ich die Leute, die Mamis oder Papis Praxis (oder Kanzlei, selbes Spiel bei den Rechtsanwälten, da kenne ich noch mehr Beispiele) übernehmen regelmäßig. Es schränkt die Leute dermaßen ein in ihrer persönlichen Entwicklung, das ist schon übel teilweise.
Um noch ein paar Zahlen zu nennen: Allgemeinarztpraxen bekommst Du für deutlich unter 100k, das sind pro Monat ein paar Hundert Euro Belastung - vor Steuern!! Das merkst Du gar nicht. Aber wenn dann Deine Angestellten kommen und mehr Geld wollen, das merkst Du. Also mach Dir keinen Kopf.
Mach das was Du willst, nicht das was Dein Vater möchte. Fang in der Chirurgie an, falls Du doch noch Gefallen an der Allgemeinmed. findest, Du kannst Dir mind. 18 Monate in den meisten Bundesländer n anrechnen lassen. Kredite sollten nicht das Argument sein, die kann man stemmen, eine unglückliche Fachrichtungswahl nicht so gut.
ehem-user-02-08-2021-1033
31.07.2013, 17:17
Und noch was: Die Kosten Deiner Chirurgiepraxis werden zu vermutlich >70% von der Einrichtung und den Geräten bestimmt, die Du haben wollen wirst. Da brauchst Du aber auch keine Angst vor zu haben, die Zinsen sind so lächerlich niedrig und außerdem steuerlich absetzbar...
Auch niedrige Zinsen und steurliche Absetzbarkeit verhindern bei einer wirtschaftlichen Fehlplanung nicht die Insolvenz.
Ehrlich gesagt bemitleide ich die Leute, die Mamis oder Papis Praxis (oder Kanzlei, selbes Spiel bei den Rechtsanwälten, da kenne ich noch mehr Beispiele) übernehmen regelmäßig. Es schränkt die Leute dermaßen ein in ihrer persönlichen Entwicklung, das ist schon übel teilweise.
So sehe ich es auch. Und das ist mein Problem. Es schränkt mich in meiner persönlichen Entwicklung ein. Ich hab mir beispielsweise vor Jahren Operationsatlas, Skalpell, Nadelhalter und Knochenknabberzange schenken lassen. Seitdem habe ich zB jedes Jahr zu Weihnachten immer bis spät Nahttechniken, Z-Plastiken, VY-Plastiken usw. geübt (an Schweinpfoten). Mir liegt es einfach das "handwerkliche".
Mit der Allgemeinmedizin kann ich mich zwar anfreunden. Ist aber irgendwie nicht der Weg, den ich ohne dieses Angebot gehen würde. Ich hätte aber, wenn ich mich gegen Allgemeinmedizin entscheiden würde das Gefühl, dass ich mir das eine gute Chance entgehen lasse bzw. denke ich warum den langen schweren Weg, wenn ich es auch "einfach" haben kann. Aber das mit dem "einfach" ist wahrscheinlich auch nicht so einfach, wie meine Eltern mir das immer "verkaufen". Die Weiterbildung zum Facharzt (mit 18 Monate Innere) und Zusatzbezeichnungen muss man sich ja auch erstmal erarbeiten.
Zu dem Wert der Praxis: Es stimmt, dass ein Verkauf der Praxis nicht viel einbringen würde. Aber die Praxis so fortzuführen, wie sie momentan läuft und ausgelegt, würde sich wirtschaftlich lohnen und ist auch ein Anreiz.
Kennt ihr vielleicht jemanden, der in einer ähnlichen Situation war/ist bzw. war/ist von euch jemand in so einer Situation? Würde mich mal interessieren.
Relaxometrie
01.08.2013, 18:59
Ich hab mir beispielsweise vor Jahren Operationsatlas, Skalpell, Nadelhalter und Knochenknabberzange schenken lassen. Seitdem habe ich zB jedes Jahr zu Weihnachten immer bis spät Nahttechniken, Z-Plastiken, VY-Plastiken usw. geübt (an Schweinpfoten). Mir liegt es einfach das "handwerkliche".
Der chirurgische Alltag besteht ja aus viel mehr Dingen, als aus dem reinen Handwerk. Und diese Dinge (Stationsarbeit, Dokumentation, Briefe schreiben) nerven einen wohl um so mehr, je mehr man auf das "Handwerkliche" fixiert ist.
Aber andererseits machst Du die Chirurgie wohl wirklich gerne.
Was hält Dich also davon ab, das Wunschfach erstmal anzugehen und abzuwarten, ob Du dabei bleibst, oder ob es sich dann doch als gar nicht so toll entpuppt?
Sieh die Praxis Deiner Eltern doch einfach als eine Möglichkeit unter vielen, aber ohne Dich unter Druck zu setzen? Wieviel Druck üben Deine Eltern bzgl. der Praxisübernahme denn aus?
Kackbratze
01.08.2013, 20:01
Deine handwerkliche Begabung in allen Ehren, Chirurgie besteht primär nicht aus dem hübschen Nähen, sondern aus der korrekten Indikation und dem postoperativen Management, insbesondere bei Komplikationen.
Den Nadelhalter-Messer-Teil kann jeder mit ein bischen Übung (wie Du es selbst beschreibst bei Dir).
So wie Du es schilderst, wirst Du am Anfang eine herbe Enttäuschung erleben, wenn Du plötzlich mit dem "Drumherum" der Chirurgie konfrontiert werden wirst und das Handwerk erst viel später auftaucht.
Sei darauf vorbereitet!
:-meinung
Kyutrexx
02.08.2013, 05:42
Je nach Klinik und Praxistyp wird mancher das Gefühl haben, von der ganzen Bürokratie regelrecht erschlagen zu werden.
Das muss man sich auch erstmal ansehen, ob einem eine eigene Praxis da überhaupt zusagt: der Bürokratieanteil ist dort deutlich höher als in einer Klinik.
Neben der ganzen Aktenführung und dem was auch in ner Klinik ansteht, kommt ja noch Abrechnung, Versicherungskram, Steuerkram usw. dazu.
@lcp48: da hast du in jedem Falle viel zum drüber nachdenken und dich umschauen.
Je nach Klinik und Praxistyp wird mancher das Gefühl haben, von der ganzen Bürokratie regelrecht erschlagen zu werden.
Das muss man sich auch erstmal ansehen, ob einem eine eigene Praxis da überhaupt zusagt: der Bürokratieanteil ist dort deutlich höher als in einer Klinik.
Neben der ganzen Aktenführung und dem was auch in ner Klinik ansteht, kommt ja noch Abrechnung, Versicherungskram, Steuerkram usw. dazu.
@lcp48: da hast du in jedem Falle viel zum drüber nachdenken und dich umschauen.
Weil man ja auch alles Bürokratische in der eigenen Praxis allein macht. Denk nur mal daran, du musst auch noch an Telefon gehen und Termine in den Kalender eintragen. Also ich würde dir keine eigene Praxis empfehlen.
Feuerblick
02.08.2013, 08:54
Drum kümmern und mit der KV ausfechten muss man in der Tat alleine und das kann ausgesprochen zeitintensiv sein....
Der chirurgische Alltag besteht ja aus viel mehr Dingen, als aus dem reinen Handwerk. Und diese Dinge (Stationsarbeit, Dokumentation, Briefe schreiben) nerven einen wohl um so mehr, je mehr man auf das "Handwerkliche" fixiert ist.
[...]
Wieviel Druck üben Deine Eltern bzgl. der Praxisübernahme denn aus?
Das der chirurgische Alltag auch aus vielen anderen Dingen besteht ist mir bekannt (Famulatur, PJ). Den bürokratischen Teil hat man überall, egal welches Fach und in der Allgemeinarztpraxis erst recht ;) Umso mehr interessiert mich das "handwerkliche" auch wenn dies zum Anfang sicherlich nicht so häufig ist, wie gewünscht.
Meine Eltern üben keinen offenen Druck aus. Sie stellen eher die vielen Vorteile heraus, die es haben kann sich "in ein gemachtes Nest" zu setzten (schneller eigener Chef (gut für Familenplanung und Freizeit/Urlaub), finanzielle Sicherheit - da keine Verschuldung mehr notwendig, wenn Selbständigkeit angestrebt usw.). Ich hab jetzt das Gefühl, dass ich eine unkluge Entscheidung treffe, wenn ich die Praxis nicht übernehmen würde.
Je nach Klinik und Praxistyp wird mancher das Gefühl haben, von der ganzen Bürokratie regelrecht erschlagen zu werden.
Das muss man sich auch erstmal ansehen, ob einem eine eigene Praxis da überhaupt zusagt: der Bürokratieanteil ist dort deutlich höher als in einer Klinik.
Neben der ganzen Aktenführung und dem was auch in ner Klinik ansteht, kommt ja noch Abrechnung, Versicherungskram, Steuerkram usw. dazu.
Das sehe ich auch bei meinen Eltern. Mein Vater hat pro tag ca. 80 Patienten. Pro Patient bleibt da nicht viel Zeit (und immer schön dokumentieren!). Die meiste Zeit verbringt er am Schreibtisch. Zusätzlich Hausbesuche. Die eine oder andere "freundliche" MDK-"Anfrage". Verträge, Abrechnung, Steuer, Praxiscomputersystem, Angestellte, Miete, Praxisgeräte und der neueste Schrei: "Qualitätsmanagement". Da käme einiges auf einen zu. Meine Eltern meinen dazu, dass sie mir anfangs dabei helfen würden und auch zeigen könnte, wie man am besten sich durch die Bürokratie kämpft - ich müsste also nicht bei Null anfangen und würde den einen oder anderen Fehler vermeiden.
Der bürokratische Anteil ist in der Allgemeinmedizin eher als geringer einzuschätzen wie in der Klinik unter der Voraussetzung dass man fitte MFA s und einen guten Steuerberater, sowie eine gute Arztsoftware hat. Die Abrechnung ist in max. 20 min. erledigt so man jeden Tag kurz Fehlerlisten bearbeitet (bzw. bearbeiten lässt von einer entsprechend fitten MFA). Die in der Klinik so geliebten Arztbriefe fallen komplett weg. Anfragen von Versicherungen etc. lassen sich mit guter Software und Dokumentation in kürzester Zeit halbautomatisiert beantworten. Die KV Bürokratie ist kurz nach Übernahme am schlimmsten, wenn man aber erstmal seine Abrechnungsgenehmigungen alle durchbekommen hat, dann ist auch das halb so wild. Bürokratie ist kein Argument gegen eine allgemeinmed. Praxis, da hat es im durchschnittlichen Klinikalltag deutlich mehr von (Arztbriefe, Anmelden von Untersuchungen etc.).
Kyutrexx
02.08.2013, 10:41
@Feuerblick: genau solchen Kram meine ich.
Zudem kann man natürlich theoretisch ALLES ans Personal abgeben.
Die Frage ist: will man das?
Es gibt ne Menge Sachen, die ich nicht ans Personal abgeben wollen würde.
Man macht zwar auch nicht die ganze Abrechnung und derlei Kram selbst, aber es bleibt definitiv ne Menge Kram.
Seien es die Umsatzsteuervoranmeldungen, Versicherungskram, allen Mist der die Ärztekammer betrifft und dann so unregelmäßige Sachen wie Steuerüberprüfungen oder - wenns ganz ungünstig wird - auch mal ne Kostenüberprüfung, weil man übers Budget gerutscht ist.
@Miss_H: ich will ne eigene Praxis, denn ich hab mit dem Bürokratiekam keine Probleme. Hab vor dem Studium insgesamt über 10 Jahre im Büro verbracht (inklusive Ausbildung) und hab da meine Routine drin.
Allerdings sieht das nicht jeder so und für manchen ist das einfach nur abstoßend, sodass er oder sie einfach keinen Bock darauf auf Dauer hat.
@lcp48:
Folgende Überlegungen: da du den handwerklichen Teil der Chirurgie kennst, weißt du ja, was dich da erwartet.
Wie wäre es denn, wenn du dir ne Woche oder so mal die Abläufe in einer chirurgischen Praxis ansiehst?
INKLUSIVE allem, was im Hintergrund abläuft. Ich denke mal, das lässt sich arrangieren.
Dann solltest du ebenso vielleicht mal für die gleiche Zeit - sofern nicht eh schon geschehen - alle Abläufe inkl. denen im Hintergrund das Geschehen in der Praxis deiner Eltern ansehen.
Im Anschluss hast du einen Vergleich und kannst dann entscheiden.
In jedem Falle wäre es halt günstig wirklich zu wissen, was dich erwartet.
Übrigens ... die Frage ist vielleicht auch: welche Art von Chirurgie interessiert dich eigentlich?
Prinzipiell ist es auch als Allgemeinmediziner möglich KLEINERE (!) chirurgische Sachen zu machen, v.a. Wundversorgung und dergleichen.
Vielleicht bist du ja gar nicht der Fan vom "großen" Geschnibbel?
Das hab ich bisher hier noch nicht so ganz rausgelesen.
Man kann ja auch als Allgemeinmediziner diverse Fortbildungen machen, z.B. Sportmedizin usw. - wo du dann ein wenig auf der chirurgischen Schiene reiten würdest.
Das alles solltest du erstmal ERKUNDEN und im Anschluss dann - alleine - entscheiden.
Deine Eltern sind da m.E. nicht objektiv, da sie ja schon ein durchaus vorhandenes Interesse daran haben, dass du ihrem "Vorschlag" folgst.
Edit:
Der bürokratische Anteil ist in der Allgemeinmedizin eher als geringer einzuschätzen wie in der Klinik unter der Voraussetzung dass man fitte MFA s und einen guten Steuerberater, sowie eine gute Arztsoftware hat. Die Abrechnung ist in max. 20 min. erledigt so man jeden Tag kurz Fehlerlisten bearbeitet (bzw. bearbeiten lässt von einer entsprechend fitten MFA). Die in der Klinik so geliebten Arztbriefe fallen komplett weg. Anfragen von Versicherungen etc. lassen sich mit guter Software und Dokumentation in kürzester Zeit halbautomatisiert beantworten. Die KV Bürokratie ist kurz nach Übernahme am schlimmsten, wenn man aber erstmal seine Abrechnungsgenehmigungen alle durchbekommen hat, dann ist auch das halb so wild. Bürokratie ist kein Argument gegen eine allgemeinmed. Praxis, da hat es im durchschnittlichen Klinikalltag deutlich mehr von (Arztbriefe, Anmelden von Untersuchungen etc.).
Kann mir vorstellen, dass das geht - unter optimalen Bedinungen.
Bei der ÜBERNAHME einer bestehenden Praxis möchte ich das hingegen prinzipiell in Frage stellen.
Produkthaftung
02.08.2013, 14:49
Umsatzsteuervoranmeldungen?! § 4 Nummer 14 Buchstabe a des UStG nachschauen!
Kyutrexx
02.08.2013, 15:01
Umsatzsteuervoranmeldungen?! § 4 Nummer 14 Buchstabe a des UStG nachschauen!
LOL, ja. Richtig.
Ich war gedanklich bei einer Anwaltskanzlei ^^.
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