Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DER Wein-Experten-Thread ;o)
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Espressa
30.12.2015, 13:51
2009er kann man jetzt schon trinken, die 2010er können ruhig noch liegen bleiben.
Und ich meine das Wetter war in der ganzen Region günstig in dem Jahr.
Antracis
30.12.2015, 14:04
100 Euro ist eine schwierige Haunummer bei Bordeaux-Zweitweinen. Die Zweitweine der ganzganz bekannten Namen sind mittlerweile teurer...
Wenn ich daran denke, dass ich beispielsweise eine Flasche 88' Pavillon Rouge 1988 mal für < 40 DM (!) gekauft habe, bevor chinesische Geschäftsleute herausgefunden haben, dass der für Sie erträglich schmeckt, wenn man Cola reingießt...:-wand
mountainview
30.12.2015, 14:25
Wein mit Cola…eine Schande! ;-)
Heerestorte
30.12.2015, 14:46
Wein mit Cola…eine Schande! ;-)
Wieso? Soll doch jeder trinken was ihm schmeckt.
Ich liebe mein kühles Gläschen Korea und am liebsten würde ich sowas mal,
mit einem richtig teuren Roten, vor den Augen eines Sommeliers machen ;-)
Es gibt sicher Weine, bei denen es Schade um den Wein wäre,
aber in Portugal haben wir schön einen 5 Liter Karton Roten für 7 € gekauft
und den Inhalt mit Cola gemischt.
Mumm ist wenn mans macht. Oder so ähnlich :-))
mountainview
30.12.2015, 17:33
Klar, jeder wie er mag. ;-)
Aber für mich klingt das wie ein Argentinisches Steak unter einen Berg Ketchup zu begraben. Mag auch jemand lecker finden, aber schade um das Steak.
Heerestorte
31.12.2015, 12:33
Ich habe noch nie Champagner getrunken, aber ich habe letztens diesen Test gelesen:
http://www.sueddeutsche.de/stil/test-champagner-fuer-alle-1.2782941
und mir deshalb für Heute eine Flasche "Grand Plaisir Brut" beim Edeka gekauft.
Selbst wenn mir das Zeug nicht zusagt, ist es mit 13 € noch verschmerzbar.
Und im Test hat er auch nicht schlecht abgeschnitten.
Flemingulus
31.12.2015, 14:27
Ich liebe mein kühles Gläschen Korea und am liebsten würde ich sowas mal,
mit einem richtig teuren Roten, vor den Augen eines Sommeliers machen ;-)
:-)) Ein Sommelier, der bei sowas auch nur mit der Wimper zuckt, muss allerdings ein Berufsanfänger sein.
Und abseits des Happening-Charakters einer solchen Demonstration bin ich - was den Genussfaktor betrifft - überzeugt davon, dass die Cola ohne den hochpreisigen Rotwein besser schmeckt (sic).
Was die Kombi Cola + preiswerter Rotwein angeht, wäre ich diskussionsbereit - aber einen Wein für unter 3 Euro pro Liter sollte man m. E. in keiner Form, ob nun verdünnt oder unverdünnt, zu sich nehmen. Für mich ist die einzige Rechtfertigung für die Anwesenheit von Ethanol in biologisch wirksamer Menge in einem Getränk, dass das Gesamtpaket einen hohen und nachhaltigen kulinarische Mehrwert besitzt. :-)
Flemingulus
31.12.2015, 14:28
Ich habe noch nie Champagner getrunken, aber ich habe letztens diesen Test gelesen:
http://www.sueddeutsche.de/stil/test-champagner-fuer-alle-1.2782941
und mir deshalb für Heute eine Flasche "Grand Plaisir Brut" beim Edeka gekauft.
Selbst wenn mir das Zeug nicht zusagt, ist es mit 13 € noch verschmerzbar.
Und im Test hat er auch nicht schlecht abgeschnitten.
Wir sind gespannt auf Erfahrungsberichte. :-)
Ich würde beim Thema Schaumwein zu drei Dingen raten:
1. Quervergleiche. Gerade für den Anfänger ist es schwierig, eine einzelne Flasche Blubberwein zu beurteilen, weil das Prickeln eine differenzierte Analyse behindert und geschmacklich etwas "einebnend" wirkt. Es ist daher sehr hilfreich, einmal eine Flasche Prosecco, einen Rieslingsekt und einen Schampus parallel zu öffnen und zu verkosten (mehr als drei Weine zur gleichen Zeit würde ich einem Einsteiger wiederum auch nicht empfehlen, man verliert sonst leicht den Überblick und am Ende schmeckt wieder alles gleich).
2. Damit Punkt 1 nicht in eine übles Besäufnis ausartet, besorge man sich vernünftige Sektflaschenverschlüsse. Lege artis verschlossen und rechtzeitig wieder in den Kühlschrank verbracht, kann man locker zweidrei Tage an den Schäumern süffeln, ohne dass eine fade CO2-lose Brühe draus wird. Am besten sind Bügelverschlüsse mit Gummidichtung. Zur Not tuns auch die Korkstopfen von geleerten Sherry oder Portflaschen. Normale Korken von Weinflaschen sind oft etwas zu weit und beim gewaltsamen Reindengeln schmirgeln Korkrestchen ab, die dann in den Flascheninhalt plumpsen - kein großes geschmackliches Problem aber perfekte Kristallisationskeime fürs Ausgasen. Nb.: Der Löffel im Flaschenhals ist ein Mythos und komplett wirkungslos.
3. Auf korrekte Trinktemperatur und einigermaßen vernünftige Gläser achten (wenn keine Sektflöten verfügbar sind, tuns zur Not auch nicht zu bauchige Weißweingläser). Ein zu warmer Weiß- oder Rotwein ist meist trotzdem noch genießbar und kann - wenns denn sein muss - vielleicht auch aus einer Tasse getrunken werden. Beim Schäumern wird das Ergebnis dann aber der Kaufinvestition nicht gerecht werden. Gerade wenn man mehr als eine Flasche Blubber auf einmal einkühlt, braucht es schon locker dreivier Stunden, bis der Flascheninhalt von Raumtemperatur auf akzeptable Trinktemperatur gebracht wurde. Durch Einlegen ins Gefrierfach kann der Prozess natürlich beschleunigt werden und daran ist auch önologisch gesehen nichts verwerfliches (ok mit einem gereiften Jahrgangsschampus würd ich das nicht unbedingt machen) - aber dann bitte nicht vergessen... ;-)
Flemingulus; deinen Post zur Adstringenz finde ich richtig gut - plastischstes bisschen Weinprobe-Theorie, das ich je gelesen habe!!! :-)
Ein bisschen unter Zeitdruck hab ich mich jetzt für nen 2ieme cru entschieden, 2009 Brane-Cantenac, 95 Parker Punkte, und angeblich trinkreif.
Espressa
02.01.2016, 09:45
Ein bisschen unter Zeitdruck hab ich mich jetzt für nen 2ieme cru entschieden, 2009 Brane-Cantenac, 95 Parker Punkte, und angeblich trinkreif.
Gute Wahl!
Vorher dekantieren und große Gläser nehmen. :-)
Hat jemand schon mal bei getränkewelt Weiser bestellt?
Hoppla-Daisy
20.01.2016, 14:29
Ich hatte ganz vergessen, dass bei meiner Mutter in der Garage noch Wein von mir war :-oopss. Nun tauchte der wieder auf ;-). Es handelt sich um einen Pfälzer Riesling Kabinett "Asselheimer Goldberg" vom Weingut Lehnhof, Jahrgang 1996.
Ich bin ja mal gespannt, ob DER noch schmeckt :-)). Wäre schade um das leckere Tröpfchen, der er mal war....
Sebastian1
29.02.2016, 22:47
Mo-ment... :-))
29700
Heerestorte
20.04.2016, 22:31
Gibt es hier auch Whisky-Experten? Wenn ja, was empfehlt Ihr einem Einsteiger in Sachen Whisky?
Rauchig, Torfig etc. ist nicht mein Fall. Mehr weiß ich bisher nicht :D
Sollte eher in die süße Richtung gehen.
Denke über den Kauf von Balvenie Double Wood und Glenfarclas 12 yo nach.
Gibt ja sogar einen (wenn auch toten) Whisy-Fred:
http://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?t=73051
Flemingulus
26.04.2016, 16:43
Gibt es hier auch Whisky-Experten? Wenn ja, was empfehlt Ihr einem Einsteiger in Sachen Whisky?
Rauchig, Torfig etc. ist nicht mein Fall. Mehr weiß ich bisher nicht :D
Sollte eher in die süße Richtung gehen.
Tststs... kaum ist man hier mal sub-aktiv, schon driftet der Thread in Richtung der Ingestion brennbarer Flüssigkeiten... o tempora...
Merke: No nation is drunken where wine is cheap; and none sober, where the dearness of wine substitutes ardent spirits as the common beverage. It is, in truth, the only antidote to the bane of whiskey. Die weisen Worte eines amerikanischen Präsidenten und Verfassungsvaters, der in der Weinwelt manche Spur hinterlassen hat... :-)
Zu Tortes Frage fällt mir aber auch noch was Inhaltliches ein :-) Wenn Torf, Rauch & Brenzelaromen nicht so gewünscht, Süße hingegen favorisiert wird, wäre m. E. (klassischer) (schottischer) Whisky viell. grundsätzlich eine etwas kontraintuitive Wahl oder? Wär da nicht ein Bourbon eher angezeigt als ein Whisky? Blanton's Original Single Barrel (46,5 %) wäre eine Empfehlung (& dabei der "Special reserve" mit 40 % vorzuziehen). Oder der Baker's 107 proof (53,5 %). Letzteren trotz ruppigem Alkoholgehalt nicht mit H2O verdünnen... ;-) (erstgenannten selbstredend erst recht nicht mit Wasser kontaminieren, nur damit keine Missverständnisse aufkommen).
Oder... noch besser... ein schönes Weinchen süffeln... :-))
Flemingulus
26.04.2016, 17:12
Und noch zwei Weinverkostungen hinterher:
Georg Breuer 2002er Rüdesheim Estate, Rheingau
Rüdesheim ist (trotz Bus-Touristischer Anfechtungen) ein großer Name im Rheingau dank der Gloriole der Rüdesheimer Spitzenlagen mit dem Zusatz "Berg" (z. B. Rüdesheimer Berg Schlossberg oder Rüdesheimer Berg Roseneck). Der Rüdesheim Estate ist allerdings "nur" ein bescheidener Ortswein ohne Grand Cru Anspruch aber doch mit Ambition.
Verkostung: Natürlich aufgrund der Flaschenreife ein vertiefter Gelbton, aber heller als erwartet. Klar und glänzend, deutliche Schlierenbildung am Glasrand aber nicht besonders ölig. Im Geruch nur relativ dezente petrolige Reifenoten. Im Geschmack wunderbar weich, in seiner nussigen Süße beinahe schon an einen Meursault erinnernd. Die Riesling-Mineralität ist zwar da, bei einer Blindverkostung wäre die Rebsorte aber nicht so easy rauszuschmecken. Insgesamt sehr harmonisch, nur im Abgang vielleicht etwas kürzer als ein "großer" Wein. Dennoch überaus genussstiftend. 15,5/20 FP.
1998er Callaghan Vineyards Buena Suerte Cuvee, Arizona
Die USA haben in Sachen Wein deutlich mehr zu bieten als Kalifornien, Washington State und Oregon - an der Ostküste geht mit innovativen jungen Weingütern ordentlich die Post ab und Texas ist schon länger ein verlässliches und signifikantes Erzeugerland. Mittlerweile gibt es Weinanbau aber von Alaska bis Florida. Arizona ist im Vergleich so in der Mittelposition, bei weitem nicht so ein Exot wie Hawaii oder Südalaska, aber auch noch nicht ganz in der ersten Reihe mit dabei. Der vorgestellte Wein beweist aber, dass hier schon seit geraumer Zeit Profis zu finden sind. Der Wein ist ein klassischer Meritage-Verschnitt, so nennt man die Cuvées, die auf der Rebsortenzusammensetzung von Bordeaux (Cabernet Sauvignon, Merlot & evtl. Cabernet Franc, Petit Verdot u. Malbec) beruhen.
Verkostung: Mitteltiefe Farbe, leicht bräunlich am Rand - wie zu erwarten war. Saubere Nase, ganz sachte Cassisnote, hauptsächlich aber eher pflaumige und diffus beerige Anklänge. Am Gaumen praktisch keine Tanninherbheit (Adstringenz) wahrnehmbar und sehr reife Süßenoten - es würde ins Klebrige tendieren, wenn nicht eine kräftige Bitternote und der feurige Alkohol ein Gegengewicht schaffen würden. Eine sehr runde Sache. Like it! 16,5/20 FP.
Flemingulus
25.05.2016, 17:13
2001er Bodegas Estefanía Bierzo Tilenus Pagos de Posada
Bierzo ist ein spanisches Anbaugebiet, das geographisch und klimatisch zwischen dem verregneten und vergleichsweise kühlen Galizien und dem mediterran-kontinental geprägten kastilischen Hochland liegt. Bei den Rotweinen dominiert die relativ hellfarbige aber aromatische Mencia-Traube, die offenbar auch in dieser Gegend ihren Ursprung hat und anderswo (zumindest unter diesem Namen) kaum anzutreffen ist. Nach molekulargenetischen Untersuchungen ist sie aber identisch mit der Jaen du Dao aus Portugal (und offenbar von Spanien aus ins Nachbarland eingeführt worden).
Verkostung:
Deutliches, ziemlich feinpulvriges Depot in der Flasche. In der (unbegründeten) Befürchtung, es mit einem durch das Flaschenalter schon etwas mürbe gewordenen Veteranen zu tun zu haben, nicht dekantiert sondern aus einer improvisierten Weinwiege ausgeschenkt (in Ermangelung einer richtigen musste eine Blechschüssel passender Größe herhalten, in welcher die Flasche in einem Winkel von ca. 30 Grad zu liegen kam). Sinn der Flaschenhalstieflagerung (gemessen an der üblichen aufrechten Position) ist, dass nach dem Ausgießen ins Glas nur eine moderate Positionsveränderung der Flasche erfolgt, so dass es im Flascheninneren weniger schwappt und mithin weniger des am Flaschenboden versammelten Sediments aufgewirbelt wird. Jetzt aber genug der Präliminarien :-) : Zum Rand hin bernsteinfarbig aufgehellt im Zentrum aber überraschend tiefes Dunkelrot, dabei schön klar – also keine Depotverschleppung ins Glas. Beim Beschnuppern natürlich rote Früchte aber auch sehr würzige Aromen von Liebstöckel und getrocknetem Lorbeer. Am Gaumen wieder beerige Noten plus Maggi plus schwarze Olive und – nach etwas Belüftung im Glas – beinahe schon ein Aroma wie Hackfleischsoße. Wow. Aber dabei nicht unangenehm. Sehr stark abgeschliffene Tannine, zum Glück noch ganz gute Säure, die den Wein lebendig hält. Mittellanger, sauberer Abgang. Als Sologetränk angenehm aber noch nicht umwerfend, jedoch perfekt zu gegrillter Lammlachse (nur mit Salz und schwarzem Pfeffer gewürzt). Der angebrochene Wein hielt über drei volle Tage der Oxidation komplett stand – dürfte also bei sachgemäßer Lagerung in der Flasche echt das Zeug zu jahrzehntelanger Aufbewahrung haben. Summasummarum nicht unbedingt ein Wein für Vegetarier, aber ein wirklich charaktervoller und subjektiv durchaus leckerer Tropfen. Zum Lamm 16,5/20 FP.
2002er Andreas Laible Durbacher Plauelrain Riesling trocken –Achat–
Weiter oben habe ich schon einmal das hohe Loblied auf die Laibles gesungen – nuff said.
Verkostung:
Immer wenn ich mich auf einen gereiften und nicht mehr so ohne weiteres nachkaufbaren Wein besonders freue, ist mir beim Korkenziehen bang, ob auch keine Trichloranisol-Müffeligkeit…
Ugh! Nach dem Entfernen des Stopfens füllte sich der Raum mit jenem Odeur, das dem Weintrinker so willkommen ist wie einem verirrten Wanderer die Begegnung mit einem Stollentroll. Korkfehler. Anschließend – wie so oft, wenn die Enttäuschung eine eitle Hoffnung nährt: Transfer in den Kühlschrank & Warten auf ein Wunder. Dabei ist es erfahrungsgemäß so, dass die muffige Korknote nach dem Flaschenöffnen keineswegs verfliegt sondern eher immer schlimmer wird. Trotzdem wurde mit der fraglichen Flasche nach Ablauf von 24 h ein zweiter Expositionsversuch gestartet (diesmal sogar mit Verkostung), der zu großer Verwirrung des Chronisten führte. In der Nase ein wunderbar reiches Potpourri einheimischen Kernobstes unterlegt von einer ganz sachten Bienenwachsnote und einem irgendwie störenden Ton, der etwas an einen mäßig gelüfteten betonierten Keller erinnerte. Dabei aber nicht mehr (wie beim ersten Öffnen) die typische schimmelige Pappkartonhaftigkeit eines klassischen Korkfehlers. Im Geschmack seltsam hohl trotz der durchaus vorhandenen Apfel-Birnen-Quitten-Note mit eher kurzem Abgang. Wirkte schon irgendwie fehlerhaft, aber richtig korkkrank eben auch wieder nicht. Über die nächsten Tage wurden die Fehltöne dann merkwürdigerweise immer schwächer, ohne dass der Wein zu richtig großer Form auflief. Letztlich dürfte es sich doch um irgendeine atypische Art eines Weinfehlers handeln… sehr schade… Keine Wertung.
Piper-Heidsieck Champagne Brut Rosé Sauvage
Der Name Heidsieck taucht in der Champagne bei den Häusern Piper-Heidsieck, Charles Heidsieck und Heidsieck & Co. Monopole auf. Die beiden erstgenannten gehören mittlerweile zur einem Unternnehmen für Luxusprodukte (EPI Holding), letztgenanntes Haus ist Bestandteil der Vranken-Pommery-Gruppe. Jetzt zum verkosteten Piper-Heidsieck:
Verkostung:
Erschreckend dunkel coloriert – Farbtiefe wie ein elsässer Pinot Noir alter Prägung, wirkte alles andere als subtil und dämpfte schonmal die Vorfreude. Etwas grobperlige CO2-Ausgasung. Nase durchaus mit der typischen, mineralischen "Weinigkeit" von Champagner (schwer zu beschreiben, flaschenvergorene Sekte anderer Provenienz haben oft weniger Körper und daher drücken wahlweise vordergründige Fruchtnoten oder schlicht das hefige Gäraroma stärker durch, so dass es einfach nicht wie ein "richtiger fertiger Wein" riecht). Am Gaumen aber doch ziemlich enttäuschend: unsubtile und aufdringlich süße Fruchtaromen, als wär ein ordentlicher Schuss Rotkäppchensekt in die Cuvée geflossen. Flacher und ziemlich kurzer Abgang. Insgesamt schwach. 12/20 FP.
Flemingulus
08.07.2016, 16:01
Verkostung von diversem Blubbrigem:
NV Andres & Mugler Chardonnay Auxerrois, Pfalz
Edles Flaschendesign mit interessanter Variante zum Thema Agraffe (das ist der Ausdruck für das Drahtgedöns, das bei Sektkorken eine Exkorkatio praecox verhindert). Hellfarbig. Initial etwas hektische Ausgasung, nach ein paar Minuten aber eine schöne gleichmäßige Perlage. Geruch relativ zurückhaltend, leichte Hefenote, zarte Nussigkeit. Dürfte ruhig etwas mehr weinigen Umpf aufweisen. Am Gaumen recht griffige aber nicht übertriebene Säure. Gewisse Bitternoten fungieren als geschmackliches Geländer für eine zarte Traubigkeit mit einer leicht rauchigen Note, einem Hauch Schinkenspeck und einer fast homöopathischen Mandelmadeleine-Beigabe. Könnte auch am Gaumen mehr Dichte vertragen. Etwas mehr aromatischer Tiefgang hätte die Bitternoten besser ausbalanciert und damit einen harmonischeren Gesamteindruck erbracht. Insgesamt nicht ganz auf dem Niveau handwerklich produzierter non-vintage Champagner, allerdings auch nur halb so teuer und summasummarum gar nicht verkehrt. 14,5/20 FP.
2010er Gusbourne Brut Réserve, W-Sussex, England
Ein weiterer Produzent, der den Schampussen auf der anderen Seite des Kanals vielleicht mal das Fürchten lehrt. Ein edler Jahrgangsschaumwein zum Preis eines non-vintage Champagner. Hellfarbig, sehr feine Perlage. Sehr elegante aber auch sehr zarte Nase - erinnerte mich fast an (exzellente) Pinot-Blanc-Sekte aus Deutschland (mein Schatz widersprach vehement und verortete den Blubberer blind bei den Angelsachsen). Am Gaumen die typische englische Kombination aus Säure und Mineralität (Kalk, Kieselsteine) - ein überaus befriedigendes Substitut für das, was den englischen Schaumweinen im Vergleich zu Champagnern an Cremigkeit fehlt. Köstlich! Mittellanger Nachhall ohne störende Ecken und Kanten - weckt unmittelbar Lust auf den nächsten Schluck. 16/20 FP, bei etwas mehr Flaschenreife vielleicht sogar noch ein bisschen Luft nach oben.
NV Baron Albert Brut Tradition, Champagne
Mit ca. 23 EUR ein ziemlich niedrig-preisiger Schampus. Mittlere Farbtiefe. Etwas grobblasiges, jedoch durchaus langanhaltendes, gleichmäßiges Blubbern. In der Nase eher schwaches, aber sauberes Aroma. Geschmacklich fein und harmonisch, zarte Hefenoten, leichte Sahnigkeit, die dem Mittelgaumen eine schöne Statur verschafft, ein Hauch grüner Apfel steuert etwas Frische bei. Tiptop! Kurzer bis mittlerer Abgang, bis zum Schluss ganz schöne Balance von Frucht und Körper. Für den Preis ein prima Getränk sowohl als Aperitif als auch als Begleiter von kleinen Appetithäppchen oder von nicht zu stark gewürzten Fischgerichten. 15/20 FP.
2008er Baron Albert La Préférence, Champagne
Mit knapp 30 Eur teurer als die Basis-Cuvee von Baron Albert (im Vergleich zu den "normalen" Preisen für Jahrgangs-Schampus aber immer noch ein ganz schön niedriger Preis). Größere Farbtiefe als bei der Brut Tradition und feinere Perlage. Hier ist erkennbar ein größerer Ehrgeiz am Start. Auch in der Nase deutlich mehr Punch, gelbe & grüne Äpfel, Nuss, Hefegebäck, leichte Holznote. Eindrucksvoll aber etwas vorlaut. Am Gaumen sind alle Regler - Säure, Süße, Bitterkeit, Extrakt - nach rechts geschoben. Nur greifen greifen diese ganzen Einzelkomponenten nicht zusammen. Keine Harmonie. Süße & Säure sind keine Verbündeten sondern führen eine Art Ringkampf auf der Zunge auf, die Bitterkeit schiebt sich zu deutlich nach vorne, der höhere Extraktgehalt bewirkt ein irgendwie sättigendes Gefühl. Leider gegenüber dem Basis-Schaumwein eher ein Rückschritt weil überambitioniert und seltsam verbissen. 14/20 FP.
NV Rotkäppchen Alkoholfrei Rosé
Plastikkorken. Schwaches Ploppen beim Öffnen. Grobe, nicht besonders langlebige CO2-Blasen. In der Nase Anklänge an gut durchgespültes Abflussrohr, aber auch traubige Noten. Am Gaumen für einen Alkoholfreien erstaunlich Wein-ähnlich, ganz leichte Rülpsnote, aber auch hier wieder schöne Traubigkeit und erfrischende Zitrusanklänge. Sehr gekonnt eingesetzte Süße! Damit am Mittelgaumen überhaupt irgendetwas passiert, hat ein Hersteller von alkoholfreien Sekten gar keine andere Wahl als etwas mehr Süße zuzulassen - in diesem Fall aber genauso dosiert, dass es nicht limonadig wird und das ganze noch als Durstlöscher funktioniert. Kurzer, sauberer Abgang. Der beste Alkoholfreie, den wir bisher kennen (und der weißen Variante deutlich überlegen). Auf der rein technischen Ebene ca. 11-12/20 FP. An einem heißen Tag ordentlich gekühlt in großen Schlucken genossen 15+/20 FP.
Flemingulus
24.07.2016, 19:59
2 x Laible-Weine
Es gibt zwei großartige badische Weingüter, die von Mitgliedern der Familie Laible geleitet werden: Andreas Laible (geführt von Andreas Laible Senior und Junior) und Alexander Laible (geführt vom jüngeren Sohn von Andreas Laible Senior). Beide Weingüter produzieren u. a. absolut probierenswerte trockene Rieslinge (nebst zahlreichen anderen köstlichen Kreationen in weiß und rot).
2013er Alexander Laible Riesling trocken SL
Ein mächtiger Wein. Im Glas ein herrliches funkelndes Gelbgold mit reichlich Glyzerin (dicke Schlieren). In der Nase ausgeprägte mineralische Noten (ein Steinbruch an einem heißen Sommertag) und gelbe Früchte, leider aber auch der aufdringliche Brenzelduft einer Vollbremsung auf Asphalt. Brrr. Dabei keinerlei kohlige oder faule Eier-Noten, insofern kein Mercaptanböckser (eine unerwünschte Reaktion der Schwefelung mit Stoffwechselprodukten der Hefen, die zwar auch in Richtung verbranntes Gummi tendiert, aber eben typischerweise auch ungute Schwefelwasserstoff-artige Pupsdüfte mit sich bringt). Es handelte sich aber wohl auch nicht um ein flüchtiges Schwefelblümchen (erinnert an frisch angebranntes Zündholz), das von freien Schwefeloxiden herrührt und nur sehr kurzlebig nach dem Öffnen der Flasche in Erscheinung tritt). Dieser Brenzelduft hielt sich leider ziemlich lange, obwohl er am nächsten Tag zugegebenermaßen etwas abgeschwächt war. Auch am Gaumen ein irgendwie angesengtes Aroma neben einem reichhaltigen Obstkorb (Äpfel, Quitten, Birnen) und recht strammer Säure. Sehr langer durchaus sauberer Abgang (ohne Brenzelton). Alles in allem ein überaus eindrucksvoller Wein, aber überhaupt nicht my cup of tea. Viele Zeitgenossen werden die angebrannte Note eher als angenehme Rauchigkeit wahrnehmen und den Tropfen einfach wonniglich finden. Ich hab von Alexander Laible aber schon (subjektiv!) vieeel leckerere Tröpfchen gesüffelt und daher gibts nur 13/20 FP. Vielleicht hätte der Wein auch einfach noch etwas Zeit im Weinregal gebraucht.
2013er Andreas Laible Durbacher Plauelrain Riesling trocken "Achat"
Farbe und Textur nicht unähnlich dem Wein von Alexander Laible. Eher noch eine Spur mehr Viskosität. In der Nase eine wahre Schichttorte aus allerlei beerigen und fruchtigen Aromen (ohne in Richtung exotischer Früchte zu tendieren) und unglaublich viel Mineralität (Gesteinsmehl, feuchte Tonscherben). Mir fast schon ein kleines bisschen zu viel des Guten (aber das ist jetzt kleingeistige Mäkelei). Im Mund ebenfalls unglaublich aromatisch und kraftvoll, beinahe athletisch. Durch die kräftige Säure und aromatische Vielschichtigkeit geht’s nicht in Kraftmeierei über sondern bewahrt durchaus eine stilvolle Haltung. Der Wein wurde im direkten Vergleich mit dem SL von Alexander Laible geöffnet und war für mich (und Schatz!) klar der Sieger des Abends. Ich hab aber bei anderen Weinen der zwei Laibles auch schon die umgekehrte Konstellation erlebt… ;-) 16,5/20 FP. Bei Lagerung noch Luft nach oben.
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