Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfolgreich und dennoch versagt! BWL ist Mist! Neustart Medizin?
mezzo hatte selber gesagt, dass er nicht mehr nur emails beantworten will und von meeting zu meeting hetzen will.
EVT, ich nehme an, dass du dich direkt auf meinen Post beziehst. Ich sehe gerade den Zusammenhang nicht ganz, magst du das näher erläutern?
ne, das war allgemein. irgendjemand hier hatte gefragt, was den te genau an seinem job stören würde und dann kam das mit den power point präsentationen und das bwl natürlich mehr sein kann.
Vielen Dank für die vielen Beiträge und Denkanstöße!
Ich muss versuchen meine Gedanken und Ziele zu sortieren. Ich glaube, es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass ich in gewisser Weise das damalige Ziel (für mich) viel Geld zu verdienen ganz gut erreicht habe. Jetzt merke ich, dass nicht nur der Betrag wichtig ist, sondern auch die Frage womit man das Geld verdient.
Was mich glaube ich im Moment an BWL und meinem Beruf stört ist vorallem die Tatsache, dass mein Wissen und meine "Expertise" so schlecht greifbar sind. Das ist auch das was ich an Medizin so bewundere. Mediziner haben in meinen Augen ein "echtes" Wissen - BWL hingegen betrachte ich inzwischen zum großen Anteil als Gelaber. Gedanklich komme ich dann ganz schnell zu dem Punkt wo ich mich frage, ob das Gehalt überhaupt angemessen ist, wo ich mein Wissen zum großen Anteil als Gelaber betrachte.
Finanziell bräuchte ich mir keine Gedanken machen. Ich habe Ersparnisse und könnte durch einen lockeren Nebenjob sicher 400 Euro im Monat verdienen. Die Opportunitätskosten wären natürlich entsprechend hoch. Ob ich die jemals wieder ausgleichen könnte, bezweifele ich.
Naja, dass nur noch mal als weitere Gedanken...
dann könntest du aber auch Geschichtslehrer werden... Sorry, wenn ich nochmal frage, aber was machst du denn nun genau? Ich meine gerade im Controlling kann man ja auch recht handfeste Dinge machen. Für mich klingt es ziemlich danach als wärest du beratend tätig und vielleicht würde dir einfach mal ein Jobwechsel gut tun? Gerade im Consulting ist ja bei vielen Leuten auch irgendwann einfach die Luft raus.
Primärfiltrat
10.12.2013, 18:00
BWL ist jetzt nicht die schlechteste Nebenqualifikation für die heutige und zukünftige Krankenhauslandschaft.
:-meinung
Alles andere wird dir keiner abnehmen, nur du weißt was eine Summe an finanziellem Verlust für dich persönlich bedeutet. Du musst damit klar kommen, dass du wieder mit 18, 19 jährigen anfängst zu studieren, dich benoten und prüfen zu lassen, 3 Monate Pflegepraktikum, und und und.
Schau dir doch mal Studieninhalte genau an!
Unbekannter
11.12.2013, 14:58
@mezzo: Ich verstehe sehr gut was du meinst. Ich finde auch, dass das was wir als BWLer so machen unglaublich viel Gerede ist. Wir machen oft aus Dingen Probleme, die eigentlich total lächerlich und unwichtig sind und dafür werden wir echt gut bezahlt. Das soll jetzt nicht heißen, dass alles einfach ist was wir tun, es ist oft schon anspruchsvoll. Aber es ist eben nicht besonders sinnvoll (meine Meinung). Ich druecke es immer gerne mit dem folgenden Bild aus: Bei einer Gruppe von Gestrandeten auf einer Insel sind wohl die Ökonomen die allerletzten die man in dieser Situation für irgendwas brauchen kann, da wir eigentlich nichts können, außer die Arbeit von anderen verwalten.
Ob einen das jetzt persönlich stört muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich wünschte mir, ich hätte mir da vor 15 Jahren mehr Gedanken zu gemacht.
@LotF: Das oben genannte gilt mMn übrigens auch für Controlling, Rechnungswesen, etc. Das ist nämlich der Bereich in dem ich so feststecke. :-)
Herzkasperl
12.12.2013, 08:31
Unter der Prämisse, dass man bei einem 20h/ Woche Job (falls man den denn bekommt) noch die Hälfte verdienen, aber 1/3 länger für sein Studium braucht und von den Gehaltserhöhungen ausgeschlossen wird (Herzkasperl - zerreis mir das Konstrukt hier jetzt bitte nicht), würde man über diese 8 Jahre (Lohnerhöhung nach 4 Jahren) schon einen Bruttoverlust von 336k Euro beziffern und das ganz ohne Kapitalerträge.
(Eine eigene Praxis habe ich hier aufgrund der Vergleichbarkeit des unternehmerischen Risikos bewusst außer Betracht gelassen.)
Das sehe ich genau so - bis auf das Drittel :-) Das ist abhängig davon, wie die 20h über die Wochen und Monate verteilt sind und von der eigenen Persönlichkeit. Ich weiß, es geht u.U. auch ohne Zeitverlust, aber ich lege derzeit wegen Praktikum und aus persönlichen Gründen eine Pause ein. Erfahrungsgemäß wird man mit 2-5 Mehrsemestern rechnen müssen.
Und die 0,25-0,35Mio brutto erscheinen mir plausibel - netto also ~200k€ Verlust. Das holt man nicht mehr auf. In einer eigenen Praxis (nach 12-15 Jahren Ausbildung....) verdient man auch nicht zwingend mehr als die 130k, auch mal gerne weniger. Man kann also einfach mal von Kosten in Höhe von 200k€ netto (zu heutigen Preisen) für den Jobwechsel ausgehen.
P.S.: Wenn man bedenkt, was so manche Ehe über die Jahre und dann erst bei der Scheidung kostet, fast ein Schnapper...
P.P.S.: Aber das alles ist dem lieben mezzo ja klar. Ich kann nur sagen: Der Weg ist in den USA durchaus üblich: BWL, Kohle verdienen, Gürtel enger schnallen und an die Medschool, wegen Sinn und so
Wenn man bedenkt, was so manche Ehe über die Jahre und dann erst bei der Scheidung kostet, fast ein Schnapper...
haha, dito ... und die Geldfrage naja, erzähl das mal den Leuten, die in Ungarn 100.000 € für ihr Studium hinblättern...
warum unterschreibt ihr denn alle so schlechte Eheverträge? ;P
Colourful
12.12.2013, 13:11
warum unterschreibt ihr denn alle so schlechte Eheverträge? ;P
Das frage ich mich auch - aber ich suche ja auch noch immer Gründe, warum man überhaupt heiraten sollte, aber das ist ja ein anderes Thema.
Zum Thema Einkommensverlust durch das Studium - es gibt doch diese schöne Studie, dass mehr Geld ab einer gewissen jährlichen Summe (ich glaube so ca.70.000 Brutto) auch nicht glücklicher macht. Und wenn man sowieso genug Geld (Rücklagen) hat, dann ist es vielleicht sinnvoller (und lebensqualitätmaximierender) sich einen Job zu suchen, den man als sinnvoller und erfüllender empfindet.
Das ist natürlich leichter gesagt als getan.
LG!
aber vllt holt man einen teil der kosten durch die rente wieder rein? was ich da bei meinem vater in der ärzteversorgung mitbekomme, würde man als normaler angesteller niemals bekommen.
bei uns wird es wahrscheinlich schon schlechter sein, aber immer noch besser als normal oder?
man kann auch länger als bis 67 arbeiten, dann hat man die 200.000 wieder drin. in der praxis sollte das doch möglich sein, ab 65 muss man auch keine notdienste mehr machen ;-)
Herzkasperl
13.12.2013, 13:08
aber vllt holt man einen teil der kosten durch die rente wieder rein? was ich da bei meinem vater in der ärzteversorgung mitbekomme, würde man als normaler angesteller niemals bekommen.
Nun ja. Das ist wie Kaffeesatzleserei würde ich sagen. Ich selbst bin zum Beispiel schon in einem Versorgungswerk, das die Rentenansprüche/Beiträge nach dem Alter staffelt. Da zahlt sich das frühe Einzahlen besonders aus. Und bei privaten Rentenversicherern ist das auch so. Das spricht also eher dagegen, eine Pause mit Studium einzulegen. Ich persönlich handhabe das so, dass ich trotzdem weiterhin 1500 in meine diversen Versicherungen, davon 1100 ins Versorgungswerk einzahle.
Das frage ich mich auch - aber ich suche ja auch noch immer Gründe, warum man überhaupt heiraten sollte, aber das ist ja ein anderes Thema.
:-)
Zum Thema Einkommensverlust durch das Studium - es gibt doch diese schöne Studie, dass mehr Geld ab einer gewissen jährlichen Summe (ich glaube so ca.70.000 Brutto) auch nicht glücklicher macht. Und wenn man sowieso genug Geld (Rücklagen) hat, dann ist es vielleicht sinnvoller (und lebensqualitätmaximierender) sich einen Job zu suchen, den man als sinnvoller und erfüllender empfindet.
Naja, vielleicht sind es auch eher 90.000? Zumindest in München...
Naja, vielleicht sind es auch eher 90.000? Zumindest in München...
Das könnte auch interindividuell variabel sein. ;-)
Colourful
13.12.2013, 14:51
Naja, vielleicht sind es auch eher 90.000? Zumindest in München...
Ja, ich denke, dass das in der Studie 70-75.000 waren, galt aber in den USA, wo die festen Steuern/Abgaben auch einfach geringer sind, da könnte 90.000 hierzulande und vor allem in großen Städten schon mehr Sinn ergeben.
Was man meiner Meinung nach auch nicht vergessen darf, ist die persönliche Beziehung, die man zum Geld hat, die ist ja auch bei verschiedenen Leuten noch mal sehr unterschiedlich. Ich erlebe das eher so, dass manchen Leuten die mit (viel) Geld verbundene Sicherheit wichtiger ist, als anderen, die vielleicht einer (potentiell?!) erfüllenderen Tätigkeit eine höhere Priorität einräumen.
Da kann man dann soviel Studien zitieren wie man möchte, das muss auch einfach jeder für sich selbst wissen, wie er da tickt und was ihm wichtig ist. :-)
LG!
McDreamy
16.12.2013, 18:10
@mezzo:
ich hab das gemacht, wovon du träumst. Bin dann mit knapp 41 mit Medizin fertig geworden. Ich kann den Einkommensverlust sicher nie wieder wett machen, aber das ist mir sowas von vollkommen egal. Geld ist nicht alles, ich würde sogar soweit gehen und sagen: Geld ist nichts. Wenn du ein Dach über dem Kopf hast, dir Heizung, Kleidung, ein (fahrendes) Auto und ein Telefon leisten kannst, dann hast du exakt den gleichen Lebensstandard wie in deinem BWL-Leben. Alles andere sind Gold-Wasserhähne, die kein Mensch braucht. (Und für Familienplanung bist du am Ende deines Med-Studiums sicher auch noch nicht zu alt!)
Wenn du dann noch etwas tun (oder lernen) darfst, das dich wirklich erfüllt, dann bist du der King. Bei mir hat die Freude ab dem 1. Tag Med-Studium begonnen und 6 Jahre angehalten... jetzt bin ich 1 Jahr als Arzt tätig und die Freude hält noch immer an. Ich bin jeden tag glücklich, dass ich nie wieder an den Schreibtisch zurück muss ;-) (Schreibtische haben wir hier auch, aber nicht mit Anzug u. Krawatte und so... ;-) ).
Wenn ich deine Beiträge lese, dann bleiben für mich allerdings noch folgende Fragen: liebst du die Medizin? Interessiert sie dich so, dass du den Stoff aufsaugen willst, am besten noch vor Studienbeginn? Und bist du dir darüber im klaren, wie der Alltag so aussieht als Arzt? Wenn ja, kannst du dir vorstellen, das zu machen? Oder willst nur einfach weg von den Anzugträger-Meetings? Wenn du "nur" auf Sinnsuche bist, dann sei vorsichtig, denn den findet man in der Medizin immer weniger, ja man fragt sogar häufig nach dem wirklichen Sinn des ganzen, schließlich wird unser Leben auch immer mehr von BWLern bestimmt... Aber wenn du meinst, dass dir die Arbeit Freude bereiten würde, dann mach es! Du bist in der glücklichen Lage, dir bis zum Studienbeginn die gesamten Lebenshaltungskosten für die nächsten 6 Jahre ansparen zu können!
Hi McDreamy,
danke für deine ausführliche Antwort. Ich bewundere deine Entscheidung und deinen Weg. Gab es nie einen Moment in dem du deine Entscheidung bereut hast und "zurück an den Schreibtisch" wolltest?
Die Fragen die Du in deinem letzten Absatz stellst sind alle absolut berechtigt. Je länger ich darüber nachdenke umso schwerer fallen mir eindeutige Antworten. Der Stoff interessiert mich, das ist leicht zu beantworten. Ob ich den Arztalltag will weiß ich jedoch nicht so genau. Man hört, dass in Krankenhäusern sehr schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und Ärzte ausgebeutet werden. Ich kann nicht einordnen inwieweit das nur mediales Geschwätz ist. Außerdem ist mir nicht klar, ob das Arztsein im Vergleich zu anderen Berufen tatsächlich schlimmer ist. Jeder Beruf hat letztendlich Schattenseiten. Wie ist deine Meinung dazu - sind das bei den Ärzten übermäßig viele?
Herzkasperl
20.12.2013, 15:05
Mach ein Pflegepraktikum und siehe zu, was die Ärzte so machen müssen, besonders der Stationsarzt. Versuche, mal seinen Tag nachzuvollziehen oder besser nachzulaufen.
ne, mach kein Pflegepraktikum, sondern eben genau das nicht einen Tag: versuchen nachzuvollziehen, was ein Arzt so tut. Klar siehst du auch in 1-2 Wochen nicht alles, aber bekommst imho wesentlich besser mit was so abgeht, als wenn du einen Tag Essen austeilst, Schränke putzt und Betten beziehst. Guck dir wie gesagt den Ablauf in Notaufnahme, OP, (Intensiv-) Station und evt. Auch Praxis/Ambubalnz für jeweils 2-3 Tage an und wenn dir dann immer noch lediglich durch den Kopf geht "endgeil!", dann machs halt. Neudeutsch "yolo" oder so...
Jeanne d`Arc
21.12.2013, 11:53
Hallo Mezzo,
deine Situation kann ich nachvollziehen. Es ist eine individuelle Entscheidung. Ich bin 35 Jahre. Besuche im Sommer das 2. klinische Semester und arbeite als MTA-L. Bisher habe ich meine Entscheidung Medizin zu studieren nicht bereut. Mein bisheriger Studienverlauf hat mich sehr geprägt und verändert. Ich arbeite gerne in der Forschung und Lehre. Aber auch mit kleinen Patienten. Mich fasziniert die Vielfalt und es ist mein Ziel mich in der Medizin weiter zu entfalten. Man trägt ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Frustrationstoleranz gehört auch dazu.
Eine Komillitonin von mir ist Bauingenieurin und macht mit 50 Jahren ihre 2. ärztliche Prüfung. Sie hat in der Schweiz eine Arbeitsstelle in der inneren Medizin angeboten bekommen. Ist Alter somit wichtig?
Wichtig ist doch was Du über Dich selber denkst. Jeder Lebenslauf ist ganz individuell.
VG
Jeanne d`Arc
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