Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berechtigte Gründe für das Aufsuchen einer Notaufnahme
Ich (damals noch kein Medizinstudent) habe einmal meine Mutter mit in die NA gebracht (wie sich später herausgestellt hat, war das eine Blinddarmentzündung) und wir mussten 1,5 Stunden lang warten, weil Menschen mir Problemen wie "das tut weh seit einem Monat" gekommen sind. Deswegen denke ich jetzt, dass es für die anderen Patienten, die wirklich Hilfe brauchen und wirklich leiden, noch schlimmer ist als für die Ärzte
Bandwurm
17.07.2014, 13:56
Patientin 18 Jahre mit Rückenschmerzen in der neurologischen Notaufnahme. Etwas hysterisch aufgedreht mit riesigen Anhang - glaube waren 6 Leute-. Rückenschmerzen seit drei Tagen zunehmend. Ich war recht genervt, bissele Schmerzmittel per Infusion gegeben, körperliche Untersuchung, Labor abgenommen. Mädchen hatte eine ausgewachsene Pankreatitis und war die nächsten 3 Wochen auf der Inneren. Ich dachte auch nur: Puuuh, Glück gehabt, dass ich sie nicht weggeschickt habe und ne Grunddiagnostik gemacht habe.
John Silver
17.07.2014, 20:54
Es gibt immer wieder Fälle, in denen eine schwerwiegende Erkrankung sich zunächst eher harmlos präsentiert, und deshalb übersehen wird. Diese Fälle rechtfertigen jedoch keineswegs, dass jeder Depp mit irgendwelchem banalen Blödsinn in die Notaufnahme marschiert. Die Menschen nehmen den Hausarzt und den kassenärztlichen Notdienst viel zu selten in Anspruch. Die Notaufnahme ist mit begrenzten Kapazitäten ausgestattet, und Idioten nehmen diese Kapazitäten in Anspruch, ohne darüber nachzudenken, dass sie damit die Behandlung derer, die wirklich dringend ärztliche Hilfe brauchen, verzögern.
Ferner sollte man bedenken, dass eine Notaufnahme für eine Klinik ein schwerwiegendes Verlustgeschäft ist. Eine große ZNA reißt der Klinik ein Loch von gut und gerne 3 bis 4 Millionen €, mancherorts auch mehr, in das sowieso schon defizitäre Budget. Die gedankenlose Inanspruchnahme der ZNA ohne ausreichenden Grund (und darunter fällt gefühlt mindestens die Hälfte aller Patienten) trägt also ganz wesentlich zur Verschlechterung der Behandlungsqualität in den Krankenhäusern bei, die gezwungen sind, die Verluste der ZNA in anderen Bereichen auszugleichen, meist durch Personalabbau.
ehemaliger User_11062015
17.07.2014, 21:25
und Idioten nehmen diese Kapazitäten in Anspruch, ohne darüber nachzudenken, dass sie damit die Behandlung derer, die wirklich dringend ärztliche Hilfe brauchen, verzögern.
auch wenn ich mich gleich selber ins Jenseits jeglicher Sympathie ins aus befördere...,
bin ich der Meinung, dass erst an der Ausbildung der ''Idioten'', deren Aufgabe es ist, Lage und Situation eines Patientens einschätzen zu können, um dann zu entscheiden, ob denn nun ein Notfall vorliegt oder nicht, gearbeitet werden muss.
Denn es kann nicht nicht sein, dass bei einer ü80 jährigen Patientin nach einem schweren sturz aus mehreren Metern, Atemnot und starken rippenschmerzen auf der rechten seite, die brilliante Diagnose 'holen sie uns später nochmal, falls es schlimmer werden sollte' gestellt wird, während sie fast an einem Pneumothorax erstickt.
das ist meiner Mutter mit meiner Großtante vor ca. 3 wochen passiert.
John Silver
17.07.2014, 21:31
Das ist sicher unschön, was Deiner Großmutter passiert ist, aber was hat meine Aussage mit Deiner Geschichte zu tun? Hier geht es um das genaue Gegenteil dessen, was Du schilderst. Es geht nicht um Patienten, deren Erkrankung trotz offensichtlicher Symptome unterschätzt oder fehlgedeutet wird, sondern um Patienten, die die Notaufnahme in Anspruch nehmen, ohne einen ausreichenden Grund dafür zu haben.
ehemaliger User_11062015
17.07.2014, 21:43
im grunde nichts. ich hab mich nur über das wort 'idioten' geärgert.. es kann auch ganz schnell ernst werden, da fand ich das einfach ein bisschen unangebracht und wollte ein anderes negativ-Beispiel darlegen.
Ich kann natürlich auch nur aus sicht einer angehörigen urteilen, mir fehlt gänzlich das medizinische wissen in dem bereich, da ich erst im 3. semester bin und auch keine ausbildung in die richtung abgeschlossen habe. auch mit den Finanzen einer Klinik kenne ich mich zu wenig aus, um mir da eine meinung bilden zu können, aber aus zugegebenermaßen emotionaler sicht, ist mir eine mit unnützen fällen 'zugemüllte' Notaufnahme lieber, als ignoriert zu werden..
Meine Tante hätte sich nicht groß gewehrt, ohne meine Mutter wäre sie in der nacht vermutlich erstickt.
etwas emotional. entschuldige. der schmerz sitzt noch etwas tief.
Coxy-Baby
17.07.2014, 21:51
Nur mal aus Interesse, wie stürzt man als ü80 Jährige aus mehreren Metern höhe?
WackenDoc
17.07.2014, 21:59
Das Problem ist, dass Notaufnahmen nur eine begrenzte Kapazität haben. Und wenn es zu viele Patienten gibt, die da nicht hin gehören, werden Patienten gefährdet, für die sie eigentlich da sind.
Man muss ja auch nicht immer boese Absichten unterstellen, was fuer uns banal erscheint, kann den Patienten ganz schoen Angst machen.
Aber klar, manche/viele/keine Ahnung, wie viele genau, gibt es dazu Zahlen? ;-) kommen aus Faulheit in die Notaufnahme.
ehemaliger User_11062015
17.07.2014, 22:07
Nur mal aus Interesse, wie stürzt man als ü80 Jährige aus mehreren Metern höhe?
ich weiß was darauf jetzt gleich von dir kommen wird, es sei aber gesagt, dass wir das auch nicht toll fanden.
Sie war der Meinung, dass man mit ü80 problemlos den Kirschbaum mittels Leiter hochklettern kann. Die Leiter ist weggerutscht als sie nach irgendeinem Zweig greifen wollte, und schon wars geschehen.
Das Problem ist, dass Notaufnahmen nur eine begrenzte Kapazität haben. Und wenn es zu viele Patienten gibt, die da nicht hin gehören, werden Patienten gefährdet, für die sie eigentlich da sind.
mh ich kenn mich hierbei wirklich zu wenig aus, was bedeutet denn im Falle der Notaufnahme Kapazitäten? Behandlungsräume, Zeit, Personal? sind die Zahlen der aus Faulheit kommenden wirklich so hoch, dass es zu einer ''Kapazitätenüberlastung'' kommt? Gibts dazu irgendwas informatives für mich als Laie, was ihr mir empfehlen könnt? mich interessiert das.
John Silver
17.07.2014, 22:33
Unter "Kapazität" versteht man die vorgehaltenen Ressourcen pro Zeit. Wenn man nur einen Arzt hat, kann man nicht erwarten, dass dieser Arzt 20 Patienten pro Stunde lege artis behandelt. Der Arzt kann nur sagenwirmal 5 Patienten pro Stunde sehen, das ist dann die Kapazität.
Ich arbeite in einem Haus der Maximalversorgung in einem Ghetto einer Großstadt. Im Dienst besetzen wir die ZNA. Wir sehen chirurgische, kinderchirurgische, unfallchirurgische und orthopädische Patienten, versorgen Schockräume, alle Stationen und den OP. Es ist leider Usus, dass Patienten bis zu 4-5 Stunden warten müssen, bis sie von einem Arzt gesehen werden. Der Ansturm vom ca. 100 Patienten pro 24 Stunden, plus Stationen und OP, überfordert unsere Kapazitäten. Dabei sind es nach meinem Gefühl ca. 50% aller Patienten, die in der Notaufnahme nichts zu suchen haben, und zwar aus objektiven, auch für einen Laien durchaus nachvollziehbaren Gründen, wie z.B. Menschen, die Bauchschmerzen seit Wochen haben, und immer ausgerechnet am Samstag um Mitternacht aber unbedingt sofort einen Arzt deswegen konsultieren wollen. Dabei muss ein Kind mit gebrochenem Arm 2 Stunden warten, bis es von einem Arzt gesehen wird. Das ist traurig, und ich behalte mir das Recht vor, diejenigen, die einfach aus Bequemlichkeit, Dummheit und Egoismus ohne Grund in die Notaufnahme gehen, als Idioten zu titulieren.
Übrigens ist ein Sturz aus mehr als 1 m Höhe nach Leitlinien der unfallchirurgischen Gesellschaft ein zwingender Grund für einen Transport in die Notaufnahme mit RTW, sofern einer gerufen wurde; ein Sturz aus 3+ m ist sogar ein zwingender Grund für die Einlieferung mit Notarzt als Schockraum.
mh ich kenn mich hierbei wirklich zu wenig aus, was bedeutet denn im Falle der Notaufnahme Kapazitäten? Behandlungsräume, Zeit, Personal?
ja, ja und ja. Es ist alles nur begrenzt vorhanden und es gibt oft deutlich mehr Patienten als Platz, Zeit und Leute, die sich drum kümmern. Viele Notaufnahmen haben nur einen Arzt zu Verfügung (die Luxusvariante wäre da ein Arzt pro Fachrichtung) und oft sind das auch noch Anfänger, die öfter mal Rücksprache mit dem Oberarzt halten müssen/wollen. Und sobald da der zweite Patient mit einer Erkrankung der enstprechenden Fachrichtung kommt, wirds eng.
Ich kenne Notaufnahmen, die haben 4 Behandlungszimmer und da sitzen zur den besten Zeiten 20 Leute im Wartezimmer.
Und was die Zeit angeht: selbst wenn jeder Patient nur 15 Minuten Zeit bekommet, sieht ein Arzt nur 4 Patienten pro Stunde. 20 Leute im Wartezimmer macht dann schon 5 Stunden und da ist noch nicht mit eingerechnet, dass da dauernd neue dazukommen und auch der Rettungsdienst noch Leute dazwischen schiebt.
sind die Zahlen der aus Faulheit kommenden wirklich so hoch, dass es zu einer ''Kapazitätenüberlastung'' kommt?
ich kann da auch nur gefühlte Zahlen aus dem Rettungsdienst bieten: von 20 Fahrten, die ich in 5 Tagen gemacht hab, haben vielleicht 5 wirklich einen Rettungswagen benötigt. Ich habe Tage, da sehe ich keinen einzigen Menschen, der wirklich zeitnah in die Notaufnahme muss oder einen Rettungswagen braucht. Und das in einer Großstadt.
Ich nehms vielen Leute auch wirklich nicht krumm weil eben viele aus Angst und Unwissen so handeln. Gerade wenn Kinder im Spiel sind. Aber es immer noch genug Ärgernisse, die einfach schnell und bequem alles haben wollen.
Gibts dazu irgendwas informatives für mich als Laie, was ihr mir empfehlen könnt? mich interessiert das.
ich würd wirklich ein Praktikum vorschlagen. Muss ja nicht gleich mehrere Monate sein aber mal so 1-2 Wochen und einfach mal sehen, was so für Leute in die Notaufnahme kommen und wie es dort so läuft. Ich hatte auch immer ganz andere Vorstellungen von Notaufnahmen bis ich in der Ausbildung 2 Wochen Praktikum dort gemacht haben. Die haben damals schon gereicht um mir ein Bild zu machen.
bin ich der Meinung, dass erst an der Ausbildung der ''Idioten'', deren Aufgabe es ist, Lage und Situation eines Patientens einschätzen zu können, um dann zu entscheiden, ob denn nun ein Notfall vorliegt oder nicht, gearbeitet werden muss.
ich kann deinen Frust verstehen aber meiner Meinung tragen all die "überflüssigen Idioten" mit dazu bei, dass Patienten mit richtigen Problemen oftmals nicht mehr ernst genommen werden. Ich sehe im Rettungsdienst auch so viel Affentheater (grad die "Klassiker" Rücken- und Bauweh), dass es da einem oftmals schwerfällt, Patienten mit entsprechender Symptomatik noch ernst zu nehmen. Ich hab in diese Richtung auch schon Lehrgeld bezahlt und mich bös in die Nesseln gesetzt, deshalb bin ich da mittlerweile vorsichtiger. Ist aber eben doch so, dass man erst an Pferde denkt wenn man Hufe hört. Und Rückenschmerzen sind eben oftmal ein chronischen Problem, was zu Hausärzten/Orthopäden gehört und nur selten eine unentdecke Pankreatitis/Lungenemboli/whatever
Mein Highlight war ein damals 19 jähriger der nachts um 3.30 Uhr auf dem Rückweg von der Disco in der NA aufschlug und mal seinen seit 1 Woche bestehenden Husten abgeklärt haben wollte (war ja Licht an in der NA und man sei ja sowieso rund um die Uhr da). So was ist ärgerlich, da macht man sich keine Freunde mit. Manche Menschen sind halt einfach unverschämt, aber das ist nur eine kleine Minderheit. Die weitaus meisten sind in unserer heutigen Panikgesellschaft wirklich besorgt, auch wenn sie eigentlich nichts haben was eine Arztkonsultation rechtfertigt. Es gibt ja ausser dem Internet (in dem dann Symptome ergoogelt werden, die meist zu ganz fürchtlichen Krankheiten führen und bei allen hat es gaaaaaanz harmlos angefangen) kaum mehr jemanden der außerhalb der weissen Zunft Symptome beruhigend einschätzen kann.
Nicht zu vergessen, auch wir Ärzte (und die Juristen im Klagefall) erziehen unsere Patienten durch Defensivmedizin mit jedem Mist aufzuschlagen, weil wir selber Angst haben mal vor dem Kadi zu stehen, weil der tausendste harmlose Husten halt doch eine Lungenembolie war.
Insgesamt ist das Thema endlos, mit gegenseitigen Beschimpfungen sollte man sich aber zurückhalten (bringt ja auch nix).
wischmopp
18.07.2014, 10:44
Mein Highlight war ein damals 19 jähriger der nachts um 3.30 Uhr auf dem Rückweg von der Disco in der NA aufschlug und mal seinen seit 1 Woche bestehenden Husten abgeklärt haben wollte (war ja Licht an in der NA und man sei ja sowieso rund um die Uhr da).
Während meinem Chirurgie-Tertial durfte ich fast dieselbe Geschichte erleben. Ebenfalls ein junger Kerl, Heimweg von der Disco, hat draußen Licht gesehen und wollte sich seine Hühneraugen entfernen lassen, weil die mittlerweile doch arg schmerzhaft sind.
Der Kollege war dann so frei und hat ihn bis zur regulären Öffnung der Notaufnahme warten lassen (mehrere Stunden, er ist jedoch im Warteraum eingeschlafen) um ihm dann mitzuteilen, dass es dafür geeignete Mittel in der Apotheke gebe.
Daraufhin ist er widerspruchslos abgezogen...
Teilweise durchaus faszinierend, was in Köpfen wohl so vergehen mag...
ich würd wirklich ein Praktikum vorschlagen. Muss ja nicht gleich mehrere Monate sein aber mal so 1-2 Wochen und einfach mal sehen, was so für Leute in die Notaufnahme kommen und wie es dort so läuft. Ich hatte auch immer ganz andere Vorstellungen von Notaufnahmen bis ich in der Ausbildung 2 Wochen Praktikum dort gemacht haben. Die haben damals schon gereicht um mir ein Bild zu machen.
Man kann dafür super die ambulante Famulatur nutzen. Habe ich gemacht und bin immer noch begeistert :)
pesanserinus
18.07.2014, 15:14
Eine Famulatur in der Rettungsstelle zählt als ambulante Famulatur? Also quasi als "Praxisfamulatur"? Ich MUSS NICHT IN EINE PRAXIS? :-wow Das ist ja der Hammer! Hätte ich nicht gedacht, dass man das als ambulante zählt. Ich habe nämlich null Bock auf Praxis, weil ich 7 Jahre als Arzthelferin gearbeitet habe und echt vorerst genug habe von ambulanter Medizin. Ich will erstmal all das sehen und ausprobieren, was man im ambulanten Bereich nicht sieht. Und da ich ja eh die "Hausarztfamulatur" machen muss, bin ich ja da schon wieder in der Praxis. :-kotz
Sry, aber ich spreche von der Notaufnahme. Und die heißt ja schon fast überall "zentrale Notfallambulanz". Man kann in fast allen Ambulanzen seine ambulante Famulatur machen.
pesanserinus
18.07.2014, 15:22
Ist vielleicht ne blöde Frage, aber wo ist der Unterschied zwischen Rettungsstelle und Notaufnahme? Ich hatte bisher keinen Kontakt damit und weiß daher nicht, wie sich das nun genau schimpft. Bisher wurde uns immer suggeriert, dass die ambulante Famulatur in einer Praxis gemacht werden soll. Für mich hat die Rettungsstelle/Notaufnahme (whatever) irgendwie Klinikcharakter, weil sie ja in der Klinik ist. :-nix Deshalb konnte ich mir das nicht vorstellen.
Ich glaube, das sind regionale Unterschiede - meint aber dasselbe.
pesanserinus
18.07.2014, 15:45
Danke, Rico :)
Dann mache ich mich mal schlau, ob das auch von meinem LPA so anerkannt wird. Dann muss ich mich nicht weiter mit dem Gedanken herumschlagen, in welche Praxis ich denn gehen soll. :D
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.