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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirurgisch, C2-Intox und blutende Wunde



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WackenDoc
12.10.2014, 16:11
Neee, mit nem Kopfschuss, der so ne Blutung verursacht, ist der Patient neurologisch nicht so gut. Und Messer steckte nicht im Rücken.

KoPlaWus bluten ja schon ordentlich, aber so einen See hab ich auch noch nicht gesehen. Welche Grundkrankheit, die man evtl. aufgrund der Anamnese annehmen kann, könnte denn ursächlich sein?

Und welche Bewegungsmuster wären ein Alarmzeichen, dass es dem Patienten nicht wirklich gut geht?

Wir haben den unterwegs etwas sediert. 2,5mg Dormicum- also eigentlich homöopathisch. Nur dann war öhm der Muskeltonus plötzlich weg und der Gute hat aufgehört zu schnaufen.

Absolute Arrhythmie
12.10.2014, 16:17
Vllt hat der Patient aufgrund seines Alkoholkonsums nen leberschaden und deshalb Probleme mit der Gerinnung?

WackenDoc
12.10.2014, 16:31
DAS wäre eine Erklärung. (Bzw. das war das worauf ich hinaus wollte).
Aber was machen wir nun mit dem nicht mehr schnaufenden Patienten?

][truba][
12.10.2014, 16:46
Ich würde ihn nun intubieren. Was machen denn die Augen? (Denke da jetzt bei Apnoe nach so geringer Menge Sedativum an ne Einklemmung?)

P.S: Bin aber etwas irritiert. Hattest du nicht geschrieben, du hast ihn nicht beatmet in´s Krankenhaus gebracht? Oder ist das jetzt hier alternativ?

Brutus
12.10.2014, 18:07
Naja, 2,5mg Dormicum bei C2-Intox reichen, um die Atmung einzustellen. ;-)
Entweder ich mach jetzt Nägel mit Köppen und mach jetzt eine gescheite Narkose und beschnorchel ihn.
Oder ich ärger ihn ein bißchen und ziehe am Unterkiefer, auf dass er wieder anfängt zu schnaufen, oder man gebe ihm Anexate. :-))
Den Kopf kann man ja leidlich in den Kopfschalen der Strykertragen fixieren. Ich hätte ich aber zumindest auf der Trage mit der Vakuumschine gelagert. Allerdings hätte ich ihn auch mit dem Bergetuch aus dem Treppenhaus geholt, übrigens auch ohne Stiffneck. Ganz einfach vor dem Hintergrund: WENN der anfängt zu kotzen, dann möchte ich den Kopf zumindest so drehen können, dass die Kotze nicht in die Lunge läuft...
Allerdings hätte ich wohl auch bei der bevorstehenden Fahrt von knapp einer Stunde über den Schnorchel nachgedacht und wohl auch versenkt. Aber gut, es führen ja viele Wege nach Rom.
Und da der Patient ja mehr oder weniger wach in der ZNA abgegeben wurde, hat er ja anscheinend den Atemantrieb auch wiedergefunden... ;-)

WackenDoc
12.10.2014, 18:18
Wir hatten 25min Fahrt. Wir hatten uns ja gegen das eigentlich abgemeldete Haus durchgesetzt.

Und der Brutus hat recht- C2-Intox, Blutverlust, da hat tatsächlich schon das bisschen Dormicum gereicht. Wendel wäre mein Favorit gewesen, auch wenn man bei nem SHT vorsichtig sein muss. Güdel hätte er definitiv wieder ausgekotzt.
Also mal a weng am Kiefer gezogen und siehe da, völlig normale Atmung. Nach 5min war der Spuk auch wieder vorbei.
Der Vorteil ist, dass Alkoholiker so nen Zeug ratz fatz verstoffwechseln.

Und so haben wir ihn spontan atmend mit einer GCS von glaub ich 10 abgeliefert. Deswegen war die Idee IM Krankenhaus dann zum CT bei unruhigem Patienten eine Narkose zu machen, sicher die richtige und ich hoffe, dass die nicht nur sediert haben.

Ich kann euch leider (noch) nicht sagen, wie es ausgegangen ist.

Wer von den Anfängern möchte, kann sich ja mal an der Übergabe im Krankenhaus versuchen- also was würdet ihr in welcher Reihenfolge erzählen.

Eine Frage ist noch offen- als der Patient angefangen sich zu bewegen hat meine RA gesagt: "Hoffentlich ist/sind das nicht....."
Was könnte das sein?

Brutus
12.10.2014, 18:27
Strecksynergismen? ;-)

WackenDoc
12.10.2014, 18:32
Der Kandidat hat 100 Punkte. Waren aber keine, sondern nur ganz normale Bewegungen.

Achso und für die lieben Kliniker: Ja, ihr habt uns durchschaut. Zu Dienstbeginn würfeln wir immer aus, welches Haus wir in der Schicht ärgern wollen. Die Auswahl des Hauses folgt dann keinen medizinischen Erwägungen.

inglebird
13.10.2014, 18:56
Interessantes Beispiel, besonders wegen der weniger medizinischen Probleme (Bergung, Welche Klinik ect)

WackenDoc, über welche Entscheidungen warst du nachträglich nicht ganz zufrieden?
Ich muss gestehen, wenn man den Fall so liest, liegt die Intubation nach Bergung in den RTW eigtl nahe. Dass der Patient nach Heben des Drucks wacher wurde, spricht ja auch dafür, dass die Birne währendessen zu wenig Sauerstoff bekommen hat, also man auch einen erhöhten ICP annehmen muss.

Und hast du den Wendel nach Blutung aus dem Ohr wirklich in Erwägung gezogen oder hast du diesen nur erwähnt, weil der Patient einen Wendel nicht toleriert hätte?

WackenDoc
13.10.2014, 19:14
Also mit der Bergung war ich nicht ganz so zufrieden- wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass es mit anderen Mitteln durch´s Treppenhaus wahrscheinlich wirklich Probleme gegeben hätte. Bei so nem Trauma komplett ohne HWS-Immobilisierung zu arbeiten- schwer zu sagen..
Und die Intubation wäre sicher sinnvoll gewesen.

Nun gut, letztendlich ist ja alles gut gegangen.

Den Wendel hatte ich wirklich in Erwägung gezogen, trotz der Blutung aus dem Ohr.

Die organisatorischen Fragen hat man tatsächlich öfter als man denkt. Und die sind in meinen Augen genauso wichtig wie die medizinischen.
Und auch hier hat sich gezeigt, wie wichtig die Teamarbeit ist. (Fleissig sporteln ist auch eine gute Idee- so einen Patienten zu bergen ist körperlich anstrengende Arbeit)

inglebird
14.10.2014, 19:52
Ja, wie so oft, irgendwann landet man meistens in Rom...

Vielen Dank fürs Mitteilen!


Und hast du den Wendel nach Blutung aus dem Ohr wirklich in Erwägung gezogen oder hast du diesen nur erwähnt, weil der Patient einen Wendel nicht toleriert hätte?
Sollte übrigens "Güdel" heißen...

WackenDoc
24.10.2014, 10:53
Ich hoffe, es hat euch etwas Spass gemacht.

Auf meinem aktuellen Kurs war der Wendel bei SHT nochmal Thema. Unserem Ausbilder waren keine entsprechenden Fallberichte bekannt und man was sich recht einig, dass man ja schon einen ordentlichen Schaden braucht, um einen Wendel überhaupt durch den Defekt zu bekommen und dass man dann auch noch zusätzlich bei der Einlage recht grob agieren müsste.

Noch zu meinem Fall: Mir ist im Nachhinein noch eine Maßnahme (nicht medizinischer Art) eingefallen, die sinnvoll gewesen wäre.
Nämlich die Polizei zu informieren. Wir wissen ja nicht wirklich, warum der Patient die Treppe herunter gestürzt ist und er selber kann sich dazu nicht äußern. Kann ja sein, dass er nicht im Suff das Gleichgewicht verloren, sondern auch dass einer der Nachbarn ihn gestoßen hat.