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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Versorgunsstärkungsgesetz - wieder Unsinn in Paragraphenform



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Herzkasperl
13.04.2015, 15:15
Naja, ich kenne eine Menge Kollegen - mich eingeschlossen - die aus verschiedensten Gründen die Niederlassung scheuen, die aber sehr wohl angestellt ambulant arbeiten wollen. Die erreicht man nur im Angestellten-Verhältnis.



Nun würde mich interessieren, ob Du bereit wärst in die typischen unterversorgten Gebiete zu ziehen.

Da beißt sich für mich die Katze in den Schwanz: Die Mediziner, die gerne angestellt arbeiten, sind häufig auch genau die, die in ihrer Partnerschaft die Zuverdiener-Rolle spielen. Die ziehen also in der Regel dem/der Hauptverdiener/in hinterher. Und dass es nun die Hauptverdiener gerade nach Mecklenburg-Vorpommern zieht, kann ich mir angesichts der dortigen Arbeitsmarktlage gelinde gesagt nur schwer vorstellen.

Für die unterversorgten Gebiete gibt es nur eine, an sich einfache Lösung: Geld. Dann bekommt man die Leute, die ihre ganze Familie einfach verfrachten und auf Grund des Geldes zufrieden sind. Alle anderen "Lösungen" sind kompliziert und werden noch dazu scheitern - sie lassen schlicht die Lebenssituation der Partner außer Acht. Und wer Single ist, geht erst recht nicht in die Pampa.

Dass die Patienten (gerade die mit viel Zeit und wenig Geld) zu viel Zeit in Arztpraxen verbringen ist der Kern des Problems. Wird aber mit dem Gesetz in keinster Weise adressiert, ganz im Gegenteil: Die Leute sollen noch schneller einen Termin bekommen auf dass sie noch mehr die Praxen bevölkern! Mit nur geringen Zuzahlungen ließe sich da sicher etwas machen, aber oh je....

Christoph_A
13.04.2015, 16:45
Das Problem von uns Niedergelassenen wurde bereits ausreichend oft hier thematisiert. Es wird einfach jede Blähung zu einem geschickt, 80% des Tages verbringe ich damit, Normalbefunde zu erstellen, daß da die Bude voll ist, ist logisch. Hier müsste die Poltiik ansetzen, aber da wird ein Schnitt gescheut. Vor der Erweiterung der klinischen Ambulanzen hab ich als 3 fach Facharzt jetzt nur bedingt Angst, wie Evil schon sagte, 5h Warten auf den osteuropäischen Arztazubi mit Sprachproblematik führt bei fast allen Patienten dazu, doch beim 2.-3. Versuch wieder den good old Niedergelassenen anzusteuern, erlebe das gerade sehr eindrucksvoll in meiner Praxisumgebung.
die Politik muß M.Mn. nach einfach mal fördernd den Kollegen unter die Arme greifen, die in strukturschwache Räume wollen und nicht versuchen, hier irgendwelche DDR Poliklinik reloaded Experimente durchzuführen. Zumal durch den fortwährenden Abbau der Klinikkapazitäten hier an 2. Front zusätzlich eine Patientenbetreuungsmöglichkeit eingedampft wird.
@ Herzkasperl: Ein angestellter Facharzt, z.B. in nem MVZ, ist jedoch bestimmt nicht unbedingt der Zuverdiener, das finde ich, als Angestellter eines MVZ, geradezu lachhaft, wenn ich auf meinen Lohnzettel schaue.

Christoph_A
13.04.2015, 16:46
Da hatte sich der Fehlerteufel bezgl Doppelpost eingeschlichen, sorry.

hiddl
13.04.2015, 17:32
.
@ Herzkasperl: Ein angestellter Facharzt, z.B. in nem MVZ, ist jedoch bestimmt nicht unbedingt der Zuverdiener, das finde ich, als Angestellter eines MVZ, geradezu lachhaft, wenn ich auf meinen Lohnzettel schaue.
Das wollte ich auch gerade schreiben ;-).
Fakt ist sicher, dass heutzutage in vielen Beziehungen beide Partner anspruchsvolle Jobs haben und daher das Paar weniger flexibel örtlich ist, unabhängig vom Verdienst. Gerade dann ist es aber schön, wenn man sich aufgrund einer Praxisübernahme nicht gleich bis zur Rente örtlich festlegen muss, sondern als Angestellter auch einfach wieder kündigen und in einen anderen Ort wechseln kann.

Ich glaube aber auch nicht, dass die Abschaffung der Selbständigkeit die Lösung aller Probleme ist.

Letztlich haben wir ein begrenzten Budget für medizinische Leistungen (global- stationär und ambulant) und das Verteilungsprinzip derzeit ist "wer am meisten macht, bekommt am meisten". Wie soll das funktionieren außer damit, dass für den einzelnen Pt. keine Zeit mehr bleibt, dafür aber möglichst viele (technische) Untersuchungen?
Ich erwische mich auch dabei, wenn die Zeit knapp wird, einfach erstmal eine Untersuchung zu machen und dann sehen wir weiter. Heute noch hatte ich eine Patientin zur Befundbesprechung, bei der ich ein im Nachhinein sinnfreies SEP gemacht habe - nach genauerer Anamnese heute war die Diagnose auch ohne jede technische Zusatzuntersuchung zu stellen. Mehr Geld habe ich (bzw. das böse MVZ für das ich arbeite) aber so verdient - das ist doch bescheuert (immerhin habe ich kein EEG gemacht wie vermutlich 75% der Neurologen-Kollegen :-bee

O.g. ist übrigens evtl. auch ein Vorteil angestellter Ärzte für's System - kommt natürlich auf den Vertrag an. Ich habe zwar eine Umsatzbeteiligung, mein Haupteinkommen ist aber fix. Daher hält sich mein Interesse, sinnlose EEGs zu machen, in Grenzen.

Ich bin sehr für eine Stärkung des Hausarztes, der sich nicht als "Überweisungsverteiler" versteht. Eigentlich ist das wirklich der anspruchsvollste Job im System.
Ich hatte neulich einen Mitte 20jährigen Patienten, der wegen Schwindel kam, immer wenn er aus der Hocke aufstand oder sich stark körperlich anstrengte. Vorbefunde: HNO (kalorische Spülung), Orthopäde (HWS-MRT), anderer Neurologe (Ultraschall hirnversorgenden Gefäße)... kein Witz. Da wäre ein Hausarzt vielleicht nicht schlecht gewesen.

JPT
13.04.2015, 18:03
@ christoph @hiddl
wie viel verdient man denn in einem MVZ als Facharzt?
ich hab mal was von oberarztgehalt gehört (sicher, kann man nicht pauschalisieren), aber bezweifle das stark... ich mein der Stress und die Dienste als OA müssten sich doch mehr rechnen... oder?

Thomas24
13.04.2015, 18:50
Sagen wir mal so, ich bin seit ein paar Jahren als OA tätig (einige Jahre Uni, jetzt kleineres Waldkäferkrankenhaus in der Provinz). Und die angestellten FA Kollegen (sei es Großpraxis oder MVZ) verdienen alle entweder mindestens mehr als ich, bzw. einige (falls Umsatzbeteiligung) deutlich mehr als ich.

Christoph_A
14.04.2015, 07:47
Dito @ Thomas

JPT
14.04.2015, 08:42
@ Christoph kann man da auch aufsteigen tariflich (wie im kh durch berufserfahrung)?
Ist das einstiegsgehalt verhandlungsabhängig oder gibt's auch nen internen Tarifvertrag?

JPT
14.04.2015, 09:01
Und kann man irgendwann auch partner werden in nem mvz?

Christoph_A
14.04.2015, 09:59
@ JPT: Klar kannst Du Dich einkaufen, ist halt immer eine Frage, was man will. Wie schon von Vorrednern beschrieben, ist man als "reiner" Angestellter halt flexibler als bei einer Teilhaberschaft.
Das Gehalt musst Du komplett frei verhandeln, ebenso wie etwaige Nebenabreden (Prozentbeteiligung am gewinn, etc.).
Ansonsten isses wie in der Wirtschaft, alle paar Jahre mal nach mehr Geld fragen schadet sicher nicht :-)

JPT
14.04.2015, 11:07
Ok dann sind ja meine negativen gedanken über MVZs wohl unbegründet. Ich dachte die wollten ärzte in die Anstellung "zwingen". Glaubst du, das mit der teilhaberschaft geht auch bei klinikkonzernen wie rhön oder fresenius (oder nur bei ärztlich geführten?
Habt ihr in mvzs auch ne höchstgrenze an scheinen oder is das anders geregelt?

Herzkasperl
14.04.2015, 16:06
@ Herzkasperl: Ein angestellter Facharzt, z.B. in nem MVZ, ist jedoch bestimmt nicht unbedingt der Zuverdiener, das finde ich, als Angestellter eines MVZ, geradezu lachhaft, wenn ich auf meinen Lohnzettel schaue.

Vielleicht lachst Du noch mehr, wenn Du meine Gewinn/Verlust-Rechnung siehst. :-D

Nichts gegen MVZs, die sind mir grundsätzlich egal. Ich glaube nur nicht, dass sie irgendetwas in den unterversorgten Gegenden ausrichten können. Die meisten MVZ/Einwohner gibt es übrigens in den Ballungsgebieten, also genau nicht in den unterversorgten Bereichen. Berlin ist ganz vorne dabei.

Was mir einfach fehlt sind die Beispiele, dass diese Politik funktioniert. Und so viel auch frage, ich bekomme keine vorgesetzt. Die Leute sind glücklich in Selbständigkeit am Ammersee oder im Berliner MVZ oder auch als OA in Konstanz. Was mir fehlt sind die Beispiele, dass irgendwer wegen diesem ganz Politik-Brimborium in unterversorgte Regionen als Single geht oder seinen Partner mitnimmt.

Christoph_A
15.04.2015, 08:37
Tja, wenig Geld, wenig Musik, sag ich da nur. Wenn der Staat anstatt Zwangsmaßnahmen durchdrücken zu wollen, mehr die Flächenversorgung wirklich fördern würde (und nicht nur salbungsvolle Reden abhalten würde), wäre das sicher für den Einen oder die Andere ein Anreiz dahin zu gehen, wo es vlt nicht so schön ist. Und die Politik sollte sich generell fragen, warum alle aus manchen Regionen wegwollen und wie man diese gezielt fördern kann, unabhängig von der Medizin gedacht.