Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schreibt ihr eure Überstunden korrekt auf?
Was passiert mit meinen Überstunden?
Wir haben ein Überstundenkonto. Wir sollen abfeiern in regelmäßigen Freiwochen oder Einsätzen in der Endoskopie (da müssen wir von 8-12 arbeiten, sammeln also "Minusstunden"). Das klappt leider nur nach derzeitigem Personalplan... in der Urlaubszeit oder wenn mehrere Kollegen krank sind klappt es nicht. Daher wird am Ende des Monats jede Stunde >50 vom Konto ausbezahlt, sodass wir nie mit mehr als 50 Überstunden auf dem Konto in den neuen Monat gehen. Ausbezahlen ist natürlich wegen der Versteuerung nicht sooo lukrativ, aber es ist besser als Aufsparen zum St. Nimmerleinstag.
smanpodg
04.01.2015, 13:54
Das hört sich aber wenigstens nach einem fast funktionierenden System an. Nicht so, dass man mit jedem Überstundenzettel zum Chef rennen muss, der dann so tut, als würde man von ihm verlangen, sein Erstgeborenes oder seine linke Niere herzugeben und dann nen Vortrag über korrekte Arbeitsaufteilung etc. hält.... Oder manchmal sogar sagt, dass Überstunden ja normal seien, man müsse ja nicht jede aufschreiben...
BetterCallSaul
04.01.2015, 14:50
Ich schreibe korrekt auf, meist halbe Stunden gerundet (sowohl länger bleiben als auch früher gehen).
SuperSonic
04.01.2015, 16:52
Wir haben eine elektronische Zeiterfassung. Überstunden werden bis 30 min täglich automatisch berücksichtigt, alles darüber hinaus muss vom Chef genehmigt werden.
ninakatharina
04.01.2015, 21:43
Wir schreiben nicht auf, war allerdings in letzter Zeit heiss in der Diskussion... Dafür gibt es (sagen meine Kolegen) großzügig frei für Fortbildungen, Kongresse, etc.
Alle anderen Berufsgruppen haben elektronische Zeiterfassung.
kartoffelbrei
05.01.2015, 17:30
Wir haben ebenfalls eine elektronische Zeiterfassung und dürfen abfeiern oder ausbezahlen lassen. Und zusätzlich gibt es auch noch großzügig frei für Fortbildungen und Co. ;)
UweWoellner
06.01.2015, 18:08
Bei uns wurde bisher (!) jede Überstunde anstandslos ausbezahlt. Mittlerweile sind de facto fast alle Assistenzarztstellen besetzt, so dass Chefs und Verwaltung beschlossen haben, es werden keine Überstunden mehr ausbezahlt. Es soll Freizeitausgleich geben. Zudem wird eine elektronische Zeiterfassung eingeführt. So weit so gut. Dabei stellen sich uns allerdings einige Fragen. Dazu würde ich gerne mal eure Meinung hören:
- Unsere offizielle Arbeitszeit beginnt um 8 Uhr mit der Übergabe. In der elektronischen Zeiterfassung wird (angeblich) automatisch auf 8 Uhr aufgerundet, wenn man sich z.B. um 7:45 Uhr einloggt. Ist sowas gesetzlich zulässig?
- Es gibt bei uns angeordnete Überstunden, z.B. Wochenend-Visiten-Dienste, Tumorkonferenzen,Visite auf Intensiv startet erst 30 Minuten vor dem offiziellen Arbeitsende,...
- unserer Meinung nach wird das System zusammenbrechen, falls die Überstunden wirklich abgefeiert werden. Auf dem Papier haben wir zwar eine gute Besetzung, aber 75% der Kollegen sind Anfänger und/oder der deutschen Sprache nur bedingt mächtig.
Grundsätzlich würde ich es besser finden, wenn die Überstunden abgefeiert werden. Allerdings wird die Besetzung so wesentlich schlechter, ergo bleibt weniger Zeit für die Weiterbildung.
Sebastian1
06.01.2015, 21:10
Mit viel Willen geht auch viel. Innerhalb von konsensuellen Absprachen sind die Grenzen für die Möglichkeiten weit gesteckt. Beispiel: Wenn ich mal privat viel vorhabe, dann äußere ich Dienstplanwünsche. In den letzten Jahren konnte ich mich zu nahezu 100% darauf verlassen, dass solche Wünsche dann auch zu 100% umgesetzt wurden, auch, wenn's mal viel auf einmal war. Das ist extrem viel wert. Wenn solche Absprachen möglich sein sollen, dann heisst das im Umkehrschluss aber auch, dass ich mal ungeliebte Wechsel, einen Nachtdienstturnus mehr oder ein Wochenende mehr dran bin. Denn sonst funktioniert das Wünschen für alle nicht mehr. Ebenso ist das mit dem "das System bricht dann zusammen" - du kannst mehr abfeiern lassen, wenn in der Zwischenzeit andere bereit sind, mal mehr tun zu müssen. Das geht natürlich nur in den gesetzten personellen Grenzen, und es macht keinen Sinn, wenn einer 20 Stunden abbaut und dafür 2 andere jeweils 15 aufbauen müssen.
Aber das müssen eure Oberen letztlich auf dem Papier planen.
Zu deiner ersten Frage: Wege- und Umkleidezeiten sind Arbeitszeit. Die muss der Arbeitgeber aber natürlich nur in zumutbarem Umfang akzeptieren, sprich: kommst du immer eine halbe Stunde vor Dienstbeginn, weil es könnte ja Stau sein und man könnte noch einen KAffee trinken, wenn keiner ist, muss er nicht akzeptieren. Wenn du aber sagst, du brauchst 10 Minuten vom Parkhaus in die Umkleide und für das Umziehen, dann ist das legitim und als Arbeitszeit zu werten. Da sollte der AG eine Pauschale zugestehen (wird bei uns in der elektronischen Erfassung auch automatisch zugestanden).
Ich kann nur sagen, ich habe gerade 2 Wochen frei aus Überstunden....(und danach sind die noch lange nicht alle weg ;)
klingelpütz
07.01.2015, 13:40
Eine Frage hierzu an die Anfänger: die Einstellung, Überstunden nicht aufzuschreiben, da man ja langsamer als erfahrene Kollegen sei, finde ich auch doof, denn wir bekommen ja dementsprechend auch weniger Gehalt. Dennoch gibt es manche Situationen, die mit längerer Anwesenheit in der Klinik einhergehen, bei denen ich echt nicht weiß, ob ich das dokumentieren soll. Ich habe mit einem Anfänger quasi gleichzeitig angefangen im Herbst. Wir haben einen total netten und vor allem lehrinteressierten OA, der sich jede Woche mindestens einmal in aller Ruhe mindestens eine Stunde mit uns hinsetzt und ganz strukturiert gewisse Themen durchgeht. Reine Teachingveranstaltung in seiner Freizeit, also nicht, wenn er eh Dienst hat, eben nach Feierabend. Würdet Ihr so etwas aufschreiben? Ich mache das nicht, weil ich enorm davon profitiere und ansonsten eine minutengenaue Dokumentation habe.
Nein, würde ich nicht. Habe ich auch nie gemacht, wenn es für mich freiwillig und nur zum Lernen war (so verstehe ich das). Bin auch selbst zu Anfang mal länger geblieben, um bei der Erstversorgung einer 24. SSW dabei zu sein und habe das selbstverständlich nicht aufgeschrieben, weil ich ja nicht bleiben "musste". Gerade, wenn sich jemand meinetwegen Mühe mscht, würde ich die Zeit nicht aufschreiben.
LG
Ally
BetterCallSaul
07.01.2015, 22:49
Teaching, was ein Luxus :D
Hoppla-Daisy
07.01.2015, 23:03
Es kommt mir irgendwie bekannt vor.... da war mal was. Ist aber lange her. Luxus kennen wir eh nicht :-(
Narcanti
05.05.2015, 21:39
Hallo!
bei uns gibt es auch die elektronische Zeiterfassung, was ich ganz gut finde. Man muss allerdings noch einen extra Knopf drücken, bevor man die Karte vor den Sensor hält, dass man die geleisteten Überstunden auch in Anspruch nimmt....;-)
Allerdings frage ich mich ,ob es rechtlich in Ordung ist, dass mein Chef den Überstundenabbau anordnet, wann es ihm passt und das dann eine Woche vor den "Abbautagen".
Wie ist das bei Euch?
FirebirdUSA
06.05.2015, 09:59
Allerdings frage ich mich ,ob es rechtlich in Ordung ist, dass mein Chef den Überstundenabbau anordnet, wann es ihm passt und das dann eine Woche vor den "Abbautagen".
Wie ist das bei Euch?
Grundsätzlich darf dein Arbeitgeber bestimmen wann du dein Überstundenfrei zu nehmen hast. Es gibt aber i.d.R. Vereinbarungen mit dem Personalrat, dass der Dienstplan eine gewisse Zeit vor seiner Gültigkeit bekannt gegeben wird und dann auch bindend ist. Ich würde einfach mal bei euch beim Personalrat nachfragen wie die REgelung bei euch ist.
Narcanti
06.05.2015, 20:33
Ok, vielen Dank! Grüße von Dunkelkammer zu Dunkelkammer;-)
Jule-Aline
09.05.2015, 16:05
Hier gibt e s auch elektronische Zeiterfassung.
firstdayofwinter
15.05.2015, 18:29
Das ist in unserer Klinik auch ein großes Streitthema. Die meisten Anfänger schreiben sich keine Überstunden auf, das wird ihnen (uns) auch von den älteren Assistenten gesagt, dass diese anfangst durch ineffektives Arbeiten anfallen. War für mich auch kein Problem. Der Rest schreibt sich meistens auf, was sich "lohnt" sprich ich schreibe meistens auf nach 30 Minuten und mehr, wenn ich mal ne Viertelstunde länger bleibe finde ich es irgendwie komisch, das auf zu schreiben, weil ich ja viell. auch mal 10 Minuten am Tag gequatsch hatte oder sonst irgendwie ne Vierteilstunde verplempert haben könnte. Dafür streiche ich, wenn ich Überstunden aufschreibe, auch gerne mal die Pausen, die automatisch in unserem Dienstplan eingetragen werden, 30 Minuten täglich und bei langem Tag (8 bis 19.15Uhr) noch mal 30 Minuten, wenn ich diese nicht gemacht habe.
Manche Kollegen schreiben sich wirklich jede Minute auf, es gibt auch Kollegen, die extrem loyal sind (kein Witz, die stehen mit Feuer und Flamme hinter allem, was der Chef will, auch Dinge, die ich ethisch moralisch einfach nur noch abscheulich finde), die sind hier schon jahrelang angestellt und wissen noch nicht einmal wie das geht, und machen gut und gerne mal bis 9 Uhr abends. Dafür wird das durch öffentliche Anerkennung vom Chef an anderer Stelle und teilweise Bemühung durch den Chef, diese Personen persönlich weiterzubilden (anrufen bei interessanten Untersuchungen etc.) belohnt.
Manchmal weiß ich nicht, ob diese extrem loyalen Menschen schlau sind. Die haben sich zwar keine Überstunden aufgeschrieben, (und dabei eine Unmenge gemacht), aber abgesehen davon ein besonders gutes Leben (ein so gutes Standing beim Chef dass selbst die Oberärzte sich vor denen in Acht nehmen) mit einem in diesen Fällen sehr bemühter Chef, diese Leute auch weiterzubilden. Bei mir würde der Versuch aber an ethischen Dingen scheitern...
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