Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fachkunde im Strahlenschutz
Moorhühnchen
11.06.2019, 22:17
Ende vom Lied: Unfallchirurgie ist jetzt mangels Fachkunde bei der Leitstelle abgemeldet. Zwei Fußgänger wurden weitergeschickt mangels Diagnostikmöglichkeit. Der unfallchirurgische OA kann sich jetzt wahrscheinlich über nen ruhigen Dienst freuen.
Wie sieht das ganze eigentlich rechtlich aus, wenn man die Fachkunde besitzt, übernimmt man auch die Verantwortung für Fehldiagnosen bei übersehenen Frakturen z.B.?
John Silver
13.06.2019, 21:21
Die Indikation für eine Untersuchung und die Befundung derselben sind zwei Paar Schuhe. Befunden muss eh ein Radiologe.
Du stellst die rechtfertigende Indikation für die Untersuchung, das hat afaik nichts mit dem Befund an sich zu tun.
Die Indikation für eine Untersuchung und die Befundung derselben sind zwei Paar Schuhe. Befunden muss eh ein Radiologe.
Das stimmt so nicht. Es darf im Prinzip jeder einen Befund machen, der sich das fachlich zutraut. Ansonsten könnten Kliniken ohne radiologische Hauptabteilung, die verbleibenen Arztpraxen mit eig. Röntgen oder Zahnärzte dichtmachen...
Natürlich sollte die Befundungsqualität hinreichend sein, keine groben Fehler zu produzieren und auch die allfälligen Überprüfungen durch die Ärztliche Stelle zu überstehen.
Ein wenig kniffliger ist dann die Frage der Leistungsabrechung, wo hier tatsächlich ein "FA für Radiologie" als Maßgabe vorgesehen sein kann. Zum Beispiel dürfen Internisten mit Zusatzqualifikation jederzeit Cardio-MRTs durchführen und befunden, aber eben nicht zu Lasten der GKV abrechnen.
FirebirdUSA
13.06.2019, 22:04
Natürlich musst du von dir indizierte Bilder auch beurteilen können oder zeitnah jemand an der Hand haben der es befundet... im übrigen ist eine Fehlbeurteilung eines Bildes rechtlich weniger schlimm als das nicht durchführen einer eigentlich indizierten Untersuchung, siehe https://www.anwalt.de/rechtstipps/der-grobe-befunderhebungsfehler-im-arzthaftungsrecht-als-beweiserleichterung-fuer-patienten_124689.html
Moorhühnchen
13.06.2019, 22:12
Natürlich musst du von dir indizierte Bilder auch beurteilen können oder zeitnah jemand an der Hand haben der es befundet... im übrigen ist eine Fehlbeurteilung eines Bildes rechtlich weniger schlimm als das nicht durchführen einer eigentlich indizierten Untersuchung, siehe https://www.anwalt.de/rechtstipps/der-grobe-befunderhebungsfehler-im-arzthaftungsrecht-als-beweiserleichterung-fuer-patienten_124689.html
Inwiefern stehe ich dann als einziger Fachkunde-Inhaber und im Haus Anwesender in der Pflicht?
Ich bin Anästhesistin und sehe irgendwo nicht ein, mich für jeden internistischen und chirurgischen Patienten, der nachts ein Röntgen braucht, rausklingeln zu lassen, nur weil sonst keiner der im Haus Anwesenden die Fachkunde hat - so nebenher zu Intensiv, IMC, OP und Kreißsaal-Bereitschaft.
Die sagen natürlich, "Wir können ja nicht für jedes Röntgen den Hintergrund reinholen" (Ja, aber den Anästhesisten rausklingeln, das geht wohl oder wie?) :-(
schnix25
13.06.2019, 22:18
Da für die Fachkunde ja offiziell auch die Sachkunde erworben wurde, sollte man schon aufpassen wenn kein Radiologe nachts da ist, der alles befundet. Offiziell wurden ja z.B. für die Notfallfachkunde 600 Untersuchungen durchgeführt ("in angemessenem Verhältnis von Indikation, Durchführung, Befundung). Zu behaupten man hat nie befundet, weil das ja der Radiologe macht funktioniert jedenfalls nicht mehr wenn man die Fachkunde hat. Iwie musste die Sachkunde ja erworben werden (wenn auch nur offiziell ;))
Die sagen natürlich, "Wir können ja nicht für jedes Röntgen den Hintergrund reinholen" (Ja, aber den Anästhesisten rausklingeln, das geht wohl oder wie?) :-(
Na Hühnchen, das war ja noch nie ein Problem ... :-)):-oopss:-?
Inwiefern stehe ich dann als einziger Fachkunde-Inhaber und im Haus Anwesender in der Pflicht?
Ich bin Anästhesistin und sehe irgendwo nicht ein, mich für jeden internistischen und chirurgischen Patienten, der nachts ein Röntgen braucht, rausklingeln zu lassen, nur weil sonst keiner der im Haus Anwesenden die Fachkunde hat - so nebenher zu Intensiv, IMC, OP und Kreißsaal-Bereitschaft.
Die sagen natürlich, "Wir können ja nicht für jedes Röntgen den Hintergrund reinholen" (Ja, aber den Anästhesisten rausklingeln, das geht wohl oder wie?) :-(
Um das Anmelden wirst du dich im Zweifelsfall nicht drücken können, wenn dein Arbeitgeber das so vorsieht. Aber du könntest beispielsweise darauf bestehen, dass z.B. das Sprunggelenk vorher fachärztlich klinisch untersucht wird ;-)
Moorhühnchen
14.06.2019, 06:47
Na Hühnchen, das war ja noch nie ein Problem ... :-)):-oopss:-?
Okay, also lasse ich mir demnächst die vollständige Anamnese inkl. Schwangerschaftsstatus (natürlich labortechnisch abgesichert) vortragen und rufe dann den fachärztlichen Hintergrund an, um mir die vom Assistenten seiner Abteilung gestellte Indikation bestätigen zu lassen. Beim geringsten Zweifel wäre, wie Mano vorachlägt, die körperliche Untersuchung durch den Hintergrund vorzuziehen. ;-) :-))
Vielleicht muss ich ja zwischenzeitlich in den Kreißsaal.
Ende vom Lied: Unfallchirurgie ist jetzt mangels Fachkunde bei der Leitstelle abgemeldet. Zwei Fußgänger wurden weitergeschickt mangels Diagnostikmöglichkeit. Der unfallchirurgische OA kann sich jetzt wahrscheinlich über nen ruhigen Dienst freuen.
KI to the rescue! Gibt doch sicherlich eine Fachkunde-App oder sowas;-)
Würde mich mal interessieren, wie die KI-Gläubigen aus dem Nachbarthread das zu ändern gedenken...
Aber mal im Ernst: eine Hauptabteilung geschlossen wg. fehlender Qualifikation der Diensttuenden und dem Unwillen der Leitungsriege, das kurzfristig zu kompensieren...egal...manchmal hilft nur Lernen durch Schmerz...
Nachdem durch die Sachkundezeit ja eine gewisse Berufserfahrung definiert wird, kann man auch behaupten, daß die zum Dienst eingeteilten nicht mal die gesetzlich vorgeschriebene Mindesterfahrung besitzen, um dort mehr oder weniger alleine arbeiten zu dürfen...es ist ja auch alles haarklein vorgegeben und kommt in keinem Fall überraschend.
Mal eine Frage in die Runde: Wie sieht es mit einem gesamten Sachkundezeugnis für mehrere Teilabschnitte zusammen aus? Ich würde gerne 3.1, 3.2, 3.3 (Skelett, Thorax, Abdomen) und 5.1 (CT) in einem Rutsch beantragen. Mit 16 Monaten WBZ Vollzeit in der Radiologie sollte ich die Zeiten ja voll haben (Zahlen sowieso).
Habt ihr die Erfahrung gemacht das sowas durchgeht oder wollen die Ärztekammern eher für jede Fachkunde ein einzelnes Zeugnis haben?
Wenn Du verschiedene Sachkundezeugnisse von verschiedenen AG hast, wüßte ich jetzt nicht, was dagegen sprechen sollte, die zusammen einzureichen? Wenn die alle vom gleichen AG sind, ist es vielleicht besser, alles in ein einzelnes Zeugnis zu übertragen.
Da Du mit 16 Monaten ja nicht die Vollfachkunde beantragen kannst, bleibt Dir sowieso nichts anderes übrig, als Teilfachkunden zu beantragen. Dann brauchst Du später ja sowieso wieder ein neues Zeugnis. Und ich würde einfach alle beantragen, für die die Bedingungen erfüllt sind. Eine kurze mail an die zuständige ÄK bzw. Ärztliche Stelle , ob das so in Ordnung geht, ist sicherlich nicht verkehrt. Wie wir wissen, ist das je nach Bundesland oder auch schon Sachbearbeiter*in unterschiedlich;-)
Ja genau, es war nur die Frage ob man auch direkt mehrere Teilfachkunden auf einmal beantragen kann. Mehr als konventionell + CT brauch ich für die Dienste eh nicht.
Wie gesagt, ich würde alles beantragen, was Du bekommen kannst. Vielleicht wechselst Du ja den AG, vielleicht wird mal ein neues Gerät gekauft (DVT z.B.) oder Du entdeckst Dein Herz für Intervention. "Zuviel" FK schadet nichts, aber zuwenig kann durchaus Probleme bringen.
Schon allein, weil die Beantragung mit Schreibkram und auch Kosten (die hoffentlich der AG trägt), verbunden ist, würde ich gucken, so viel wie möglich auf einmal zu beantragen und nicht jedes Jahr eine weitere Teil-FK drauf bis zum FA...
Kosten (die hoffentlich der AG trägt)
Nöööö. Genau wie die Strahlenschutzkurse dürfen und müssen wir alles selber zahlen. :-nix
Nöööö. Genau wie die Strahlenschutzkurse dürfen und müssen wir alles selber zahlen. :-nix
WIE BITTE? Rein beruflich induzierte Mehrkosten, die zu 100% dem AG zugute kommen (es sei denn, Du hast zufällig eine Röntgenpraxis im Keller) werden nicht übernommen? Und das im Jahr 2019? Ohne Worte...
Tipp: ich würde die Rechnungen trotzdem einreichen mit entsprechender Begründung. Und vielleicht schlau machen, ob es in den anderen Abteilungen auch so läuft oder ob das eine Marotte des betreffenden Chefs ist.
Übrigens ist die geschilderte Vorgehensweise schlicht illegal: vom AG angeordnete Fortbildungen sind nach geltender Gesetzeslage zu bezahlen. Punktum. Es handelt sich hierbei ja nicht um eine freiwillige Veranstaltung, die Du Dir ausgesucht hast. Ich persönlich würde es mir auch nicht gefallen lassen, den Tag von meinen Fortbildungstagen abziehen zu lassen. Zum Glück scheint es ja doch eher üblich zu sein, daß diese Kosten ohne wenn und aber übernommen werden.
Wie schätzt Du Perspektiven bei einem AG ein, der sich zum einen offen illegal verhält und zum anderen seine "Wertschätzung" dahingegend demonstriert, daß auch schon für Kleinbeträge von vielleicht 300 EUR für einen SSK oder so ein Faß aufgemacht wird? Uni hin oder her..
Übrigens kann es durchaus vorkommen, daß Dich das Finanzamt dann auch noch mal in die Pfanne haut, wenn Du diese Kosten dann geltend machen willst. Es ist durchaus bekannt, daß diese Strahlenschutzkurse obligatorisch sind und daher vom AG zu tragen, es sei denn, Du legst dem Finanzamt einen Schrieb vor, daß die Kosten nicht übernommen wurden. Was der AG aber kaum tun wird, weil er damit zugeben würde, gegen geltendes Recht zu verstoßen.
FirebirdUSA
16.06.2019, 12:29
Ja genau, es war nur die Frage ob man auch direkt mehrere Teilfachkunden auf einmal beantragen kann. Mehr als konventionell + CT brauch ich für die Dienste eh nicht.
Ja das geht
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