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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Marburger Bund und VKA vereinbaren neuen Tarifabschluss für Ärzte



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Knugs
07.02.2015, 00:07
Ihr solltet euch mal für den Maarburger Bund echt bedanken. Hier in England wird seit mindestens 6 Jahren jährlich zwischen 0% und 1% erhöht. Einer der jetzt anfängt hat verglichen mit jemanden der in 2008 anfing (inflationsbereinigt) 30% weniger Gehalt (auch weil man viel an perks verloren hat). Alle in der Politik geben an dass die Austerity cuts bis mindestens 2020 weiter gehen werden und die schlimmsten "cuts" noch kommen werden. Gleichzeitig ist das Budget des National health system (NHS) viel zu klein und anstatt mehr Geld in die Gesundheit zu pumpen wird verlangt das man effizienter arbeiten soll. Die BMA (british medical association) die auch die Aufgaben des Maarbuger Bund erfüllen sollte kann dagegen nichts tun und somit haben wir hier genau die gleichen Probleme wie in Deutschland (aka Überstunden).


Zum Beispiel der Probleme:
No junior doctor should work more than 72 hours in any seven consecutive days
No junior doctor should work more than four consecutive night shifts of up to 13 hours
Rest days before and after night shifts
The BMA proposed additional safeguards, including:
Facilities for doctors during night shifts (for example, rest facilities and guaranteed access to hot food)
Facilities to support doctors whose night shift over-runs and are not safe to travel home (for example, transport home, or a room to rest in before travelling)
The government was not prepared to include these important safety measures in a future contract.
The government also insisted on a reduction in the breaks that junior doctors are allowed to take during shifts, arguing that it would be safe for doctors to take just one 30-minute break in a ten-hour shift.
The government proposed that plain-time hours should be from 7am to 10pm every day of the week (including weekends).
However, late in the negotiations, the government changed its position, wanting to base our calculations on 2013/14 data. This would have led to a reduction of around 1 per cent in the average gross pay of junior doctors.



Der Einzige Unterschied zwischen den zwei Ländern ist dass man sich hier sowas in Deutschland nicht gefallen lässt und um bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Mir kommt es so vor als würde man das hier in England einfach so akzeptieren und am besten hält man noch den Mund zu weil es einfach so eine Kultur ist wo man sich nicht offen beschwert. UND dazu kommen noch
a) keine Weiterbildung in den ersten 2 Jahren
b) dafür eine der längsten Wege zu egal welchem Facharzt
c) Nicht genug Geld um zu leben (21k Einstiegsgehalt= 17k netto= 1400/monat= keine chance in London, Wohnung 600 Pfund kalt (studenten durschnitt)= 800 uebrig fuer Transport (teuer), Nahrungsmittel, Auto, Leben geniessen? Urlaub? Fuer ein Haus sparen? Achja, Fortbildung zahlt man aus eigener tasche).

War jetzt etwas Off-Topic:-( aber wollte euch nur so sagen dass ihr es Überhaupt nicht so schlecht habt wie ihr denkt. Der Maarbuger Bund ist in meine Augen echt super!

EKT
07.02.2015, 06:24
Und? Sollen uns jetzt die armen englischen Jungmediziner leid tun? Warum kommen die nicht hierher, wo man viel besser für ein Haus sparen kann?

Dr-Pizza
07.02.2015, 09:20
Ich finde die Arbeitsbedingungen zunehmend nervig.Besonders nervig finde ich die häufigen Dienste am Wochenende, wo ich gerne mal "leben" würde. Wir arbeiten im Dienst mit einer Besetzung von vor 10 Jahren, machen aber jedes Jahr mehr Fälle. Bereitschaftszeit im engeren Sinne ist die Ausnahme, eher werden elektive Punkte bis Mitternacht durchgezogen, dann noch echte Notfälle und später noch ein paar Abzesse, die von Chirurgen als Notfall deklariert werden, damit am nächsten Tag alles laufen kann.

LasseReinböng
07.02.2015, 21:22
Ich weiss noch nicht, was ich davon halten soll. Ganz komisch las sich heute die Mobilseite des MB: am 4.2.: "Angebot der VKA absolut inakzeptabel"
am 5.2. "Einigung erzielt".



Darüber habe ich mich auch sehr gewundert, hatte ich doch nach dem Kommentar des MB vom 4.2. mit weiteren Verhandlungen gerechnet.

Na ja, immerhin dürfte man mit den jeweiligen Gehaltssteigerungen über der jährlichen Teuerungsrate liegen. Die Nacht- und Wochenendarbeit sollten sich Ärzte aber schon besser bezahlen lassen. Daß man durch Bereitschaftsdienste ein Minus einfährt, ist an sich ein Unding.

Turkelton
08.02.2015, 13:24
DHm, Einigung ist OK, mehr aber auch nicht.


Eine halbwegs Vernünftige Gehaltssteigerung sollte das Minimum jeder Tarifverhandlung sein. Das man die Bereitschaftsdienstentgelte angepasst hat finde ich gut, allerdings dürfte sich das ganze bei den Meisten wohl irgendwo nur im zweistelligen Eurobereich auf dem monatlichen Lohnzettel auswirken.


Nebenbei gefragt, wie wirkt sich die Anpassung der Bereitschaftsdienstentgelte eigentlich bei denjenigen aus, die den BD in Freizeit vergütet bekommen?


Von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen leider keine Spur, hier wurde allerdings vom MB auch nicht allzu viel gefordert, meines Erachtens viel zu wenig, sodass man sich nicht wirklich wundern darf, wenn am Ende garnix übrig liebt. Wirkte für mich alles sehr halbherzig.


Neben der Reduzierung der Wochenenden hätte man wohl generell eine Reduzierung von Nacht, Ruf und Bereitschaftsdiensten fordern können, eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung, die Geschichte, dass man durch BD ins Minus kommt endlich mal angehen können, generell den Arbeitszeitverlängerungen durch die Hintertür, und das sind alle ausgezahlten Formen der Arbeit ohne Zeitgutschrift für mich, mal Einhalt gebieten können etc.


Klar wär da vieles nicht durchsetzbar gewesen, aber die Forderungen wären endlich Mal auf dem Tisch und dadurch auch Mal bei den Belegschaften im Gespräch, vielleicht hätte es ja doch beim ein oder anderen Punkt zumindest Kompromissbereitschaft gegeben und nicht zuletzt, steter Tropfen höhlt den Stein, wenn nicht diesmal, vielleicht ist beim nächsten Mal was durchsetzbar

Dr. Jekyll
08.02.2015, 19:30
ich vermute mal wir werden langsam eine Welle von 70%Stellen erleben.
Weil viele einfach kein Bock mehr haben. Verbunden mit der Zeiterfassung wird das noch interessant werden.

Eine Abstimmung mit Füßen.


Ich sehe das wie Turkelton, warum feiert man 75 Cent mehr im BD als Sieg, anstelle die richtigen Probleme anzugehen?
Manchmal denke ich, dass der Marburger Bund denkt, er vertritt Idioten. Oder er verwechselt Gutmütigkeit mit Dummheit.
So arbeitnehmerfreundlich wie sich der MB gibt, sehe ich ihn nicht.

Speranza100
08.02.2015, 20:15
Zitat: ich vermute mal wir werden langsam eine Welle von 70%Stellen erleben.

.... das ist an meiner Klinik tatsächlich gerade absolut im Kommen interdisziplinär.. sehr beeindruckend wie sich das durch die Abteilungen, Geschlechter, Alter, Single oder Familienleben zieht....

anignu
08.02.2015, 20:30
Ist nur ein Problem mit der Weiterbildung. Die verlängert sich halt, man muss es vor Antritt bei der Ärztekammer beantragen, man kommt weniger zum operieren etc...

Ansonsten: klar, ich bin auch schon am Überlegen. Oder 80%/90% -> also nur noch 4 Tage-Woche. Ich mein aktuell mach ich 100% und hab einiges an Überstunden die ich dann wieder abfeiere. Da kann ich auch mit 90% eine 4 Tage-Woche machen. Finanziell machts nicht soviel aus, da man ja für die letzten Euros die meisten Steuern bezahlt und dann ist durch die ständigen Gehaltssteigerungen (da ist der MB schuld) das Gehalt inzwischen schon recht ansehnlich. Durch die Steigerung beim Bereitschaftsdienst komme ich auf eine Gehaltssteigerung von 3 Prozent für dieses Jahr. Und dann kommt noch ein Stufenaufstieg hinzu. Wahnsinn.

Auf der anderen Seite gibts bei uns eine elektronische Zeiterfassung und ich bekomm eh viel frei. Pro Monat sammeln sich 2-3 Tage Überstunden an, dann die nun 30 Urlaubstage, dann die 3 Tage Sonderurlaub weil ich ja gelegentlich Nachtschichten mach... -> im Endeffekt hab ich pro Jahr so um die 60 Tage die ich frei machen kann. Wären da nicht die 1-2 Wochenenden pro Monat wäre es nur noch genial. Und die werden ausbezahlt, damit ich nicht noch mehr frei hab...

Dr. Jekyll
08.02.2015, 20:57
http://www.spieltheorie.de/Spieltheorie_Anwendungen/arzt.htm

Das erklärt die Dynamik gut. Das ist das Nash-Gleichgewicht. (Der von "Beautiful Mind")


Wir kommen langsam an den Punkt, wo man nicht mehr jeden Euro braucht (realitv gutes Gehalt), in Verbindung mit horrenden Steuerabgaben. (70% direkte UND indirekte Steuern).
Der Grenznutzen durch Mehrarbeit sinkt. Da wird Freizeit zu einem wertvollen Gut.
Zumal man im Unkehrschluß auch nichts von Geld hat ohne Freizeit.

Durch die Feminisierung des Arztberufs wird es weiter mehr Teilzeitmodelle geben müssen.
Sonst wird bald kein Arzt mehr in der Klinik arbeiten.

Bloß dann ist nicht mehr genug Arbeitsleistung vorhanden. Das bedeutet entweder
a) Arbeitszwang (schwierig, pluralistische Gesellschaft und so)
b) die Gehälter steigen massiv
c) Endlich kommt es zur Arbeitsentlastung durch Abnehmen nicht-ärztlicher Tätigkeiten

Turkelton
09.02.2015, 10:26
Ist nur ein Problem mit der Weiterbildung. Die verlängert sich halt, man muss es vor Antritt bei der Ärztekammer beantragen, man kommt weniger zum operieren etc...
...

Vermutlich halten gerade diese Rechenspiele mit der Ärztekammer die meisten Ärzte in WB noch vom Reduzieren ab (mich u.a. auch, die Mehrzahl der Fachärzte arbeitet zumindest meinem Gefühl nach weniger als 100%), und gerade das machen sich die Arbeitgeber eben zunutze oder besser nutzen es aus.

Letzten Endes ist es ein Witz, dass man vielerorts auf 80-90% reduzieren muss, um zumindest die eigentlich Vorgesehene 40 Stunden Woche zu bekommen. Hier wurde aber offenbar nicht Mal dran gedacht, etwas zu ändern.

tiw28
09.02.2015, 10:33
Wo kann ich eigentlich nachschauen, ob mein kirchlichen Träger (Caritas) die Tarif -Einigung übernimmt oder nicht?

anignu
09.02.2015, 18:58
in deinem eigenen Arbeitsvertrag möglicherweise.
In meinem stand damals drin, dass ich zwar nach AVR sonstwas gezahlt werde, aber ich die Differenz zwischen TVÄ VKA und diesem speziellen AVR als Bonus bekommen. Beim Monatsgehalt. Bei den Bereitschaftsdiensten nicht...

tiw28
09.02.2015, 19:35
Derartiges gibt's bei mir im Vertrag nicht :/

bipolarbär
09.02.2015, 23:22
http://www.spieltheorie.de/Spieltheorie_Anwendungen/arzt.htm

Das erklärt die Dynamik gut. Das ist das Nash-Gleichgewicht. (Der von "Beautiful Mind")

Was für ein Kokolores. Der Autor ist sicherlich beliebt auf Parties.

Brutus
14.02.2015, 16:56
Ich hätte jetzt doch mal eine Frage, oder besser eine Diskussion:


lies dir den Anhang doch nochmal durch und rechne mit den "richtigen" Zahlen nach. In der Rufbereitschaft bist auch du gemäß Tarifvertrag Entgeltgruppe Ä3 - Entwicklungsstufe III. Daraus folgt:

Arbeitssoll = 365,25 d / Jahr (+ 1 Tag alle 4 Jahre = Schaltjahr) : 7 d / Woche = 52,178 Wochen / Jahr ->
52,178 Wochen / Jahr x 40,0 Arbeitsstunden / Woche = 2.087,12 Arbeitsstunden / Jahr -> entspricht gerundet 173,93 Arbeitsstunden pro Monat.
bei 7.601,00 € Monatsbruttolohn (Ä3/III) : 173,93 Arbeitsstunden pro Monat beiträgt unser Rufbereitschaftsstundenlohn gerundet 43,70 € und nicht 35 € (du kriegts übrigends sogar 38,24 € zwischen 07:30 und 16:00, wenn du es genau nachrechnest).
Die 43,70 € / h sind damit die Basis der Stundenpauschale und auch der Zeitzuschläge (+ 15 % Überstundenzeitzuschlag gibt's immer, evtl. aber auch deutlich mehr). Im ungünstigsten Fall (ohne Nachtzuschlag, ...) müssen wir deshalb wochentags gerade mal 2,25 h und nicht 3,75 h wie von dir errechnet arbeiten um die Pauschale zu rechtfertigen. Wenn man die "gerundete Telefonstunde" abzieht reicht es meiner Rechnung nach aus, wenn man nur einmal wochentags ins Haus muss (siehe unten - mehr als 240 Einsatzminuten für die Standard-OP halte ich für durchaus realistisch).

Mit telefonieren lässt sich nichts wesentlich aufpimpen, weil alle Telefonate scharf zusammengezählt werden und danach auf die nächste volle Stunde gerundet werden. Ein selbst getätigter Anruf geht selbstverständlich mit ein. Wenn von mir einer erwartet, dass ich die volle Verantwortung für die Patienten übernehme, dann muss er mir auch zwangsweise gestatten, dass ich mich über eine postoperative Laborkontrolle, BGA, ... informiere - oder er kann selber die Verantwortung übernehmen, wenn ihm das zu teuer ist.

Bei den Einsätzen im Krankenhaus ist außerdem Wegezeit = Arbeitszeit, d.h. in meinem Fall knapp 2 Stunden - wird bei dir wahrscheinlich auch nicht wesentlich weniger sein. Da unser Arbeitgeber bei der Einstellung unseren Wohnort kennt, er im Arbeitsvertrag keine Residenzpflicht als Nebenabrede festschreibt und im Tarifvertrag über "zulässige Entfernenungen" nichts steht hat er konsekutiverweise unsere Wegezeiten "stillschweigend akzeptiert". Da bleibt so viel Zeit zum wirklichen Arbeiten gar nicht mehr über, wenngleich ich dir recht gebe, dass wir bei den Wochentags-Pauschalen wahrscheinlich nicht über den Tisch gezogen werden.

Aber:
Ist dir klar, wie beispielsweise eine Feiertagsarbeitsstunde scharf bezahlt werden müsste? 1 h Arbeit = 100%, + 15 % weil es eine Überstunde ist + 135 % weil sie am Feiertag ohne Freizeitausgleich stattfindet + evtl. 15 %, wenn sie das nach 21:00 tut (= mindestens 250 %).
Da wird auch dein Regelarbeits-Stundenlohn von 38,24 € dreistellig, wenns zur Arbeit kommt.
Und für die "Standard-OP" sind mit Warten auf den Patienten, Prämedikation, OP und AWR-Betreuung
- in der Rufbereitschaft kann es ja eigentlich keine anderen Regeln [sofortige ärztliche Erreichbarkeit zur bedarfsweisen Intervention] als tagsüber in der Regelarbeitszeit geben, weswegen wir uns nicht schon nach dem "Entkorken" verpissen können, sondern eigentlich erst nach der Verlegung auf die Station. In der AWR-Zeit werden ja schließlich per Definition bedrohte Vitalparameter gemonitort / behandelt! -
gerundet 5,0 h Arbeitszeit (von Haustür zu Haustür) realistisch. Damit lässt sich bei diesem Stundenlohn schon eine Menge kompensieren.


Ist das wirklich so? Sprich sind die Zahlen für das Wochenende richtig? Das hieße ja, dass die RB-Stunde mit 250% berechnet würde...

test
14.02.2015, 18:30
Ich hätte jetzt doch mal eine Frage, oder besser eine Diskussion:


Ist das wirklich so? Sprich sind die Zahlen für das Wochenende richtig? Das hieße ja, dass die RB-Stunde mit 250% berechnet würde...

Bei mir unter TV-L ist das auf jeden Fall nicht so bezahlt worden bisher. Habe zwar nen höheren Stundensatz, aber die Zuschläge für Sonntag und Nachtarbeit sind deutlich niedriger. :-nix

test
14.02.2015, 19:11
Habe gerade nochmal nachgeguckt. Die Rechnung ist nicht richtig. Zumindest, wenn der Passus nicht geändert wurde.
§12 TV-VKA:
Beim Zusammentreffen von
Zeitzuschlägen nach Satz 2 Buchst. c bis
e sowie Satz 3 wird nur der höchste
Zeitzuschlag gezahlt.

Das heißt die Zuschläge werden nicht summiert.

Brutus
14.02.2015, 19:33
Das ist ja richtig. Aber a) und b) werden doch zu dem Höchsten aus c) bis e) dazuaddiert, oder nicht?
Aber auf die 15 % kommt es mir auch nicht an. Viel wichtiger ist, ob das mit den 200+x% stimmt.
Denn dann wäre es tatsächlich besser, wenn wir real abrechnen und nicht pauschal...

test
14.02.2015, 19:47
Auf über 200% kommt man nur an einem Feiertag, der nicht Silvester oder Heiligabend ist. :-nix An Wochentagen oder "normalen" Wochenenden nicht. :-nix

anignu
15.02.2015, 09:44
Schöne Zusammenfassung zum Tarifabschluss auch im Deutschen Ärzteblatt... http://www.aerzteblatt.de/archiv/168072/Tarifabschluesse-Mehr-als-Prozente