Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anlaufstellen bei psychischen Problemen
KalleTheDog
24.04.2015, 19:30
Ich denke genau deshalb fragt JazzKo ja nach Ideen. Wir sind Veterinärmediziner und da wird (obwohl das auch für die Besitzer-Kommunikation oftmals ratsam wäre) keine Psychologie als Fach.
Wie bei EVT ist es hier auch: es wurde in der VL und im Blockpraktikum Psychiatrie gesagt, dass man auch jederzeit dort mit der Lehrkoordinatorin (die ist dort Psychologin) sprechen kann, egal was das Problem ist.
Das ist dann aber auch nur ein einmaliges Gespräch und keine Verhaltenstherapie über 30 Sitzungen. Bei einer ernsthaften Depression kann das nicht mehr als die Einleitung einer richtigen Therapie sein.
KalleTheDog
24.04.2015, 20:07
Ab wann würdet Ihr denn versuchen etwas zu unternehmen, wenn Ihr das Gefühl habt, dass ein Freund/Bekanter gefährdet ist? Man geht ja auch nicht gleich davon aus, dass derjenige sich das Leben nimmt nur weil er manchmal komisch ist. Ich kannte den Student nicht persönlich aber habe in den letzten Tagen die kuriosesten Gerüchte gehört auf dem Campus. Wenn das alles stimmt (bezweifle ich stark) ist es durchaus traurig, wenn das niemandem aufgefallen ist. Zumindest scheinen hier in Gießen gerade alle etwas genauer aufeinander zu achten. Wird aber wie alles wahrscheinlich auch bald vergessen sein.
Feuerblick
24.04.2015, 20:11
Was meinst du denn mit "etwas unternehmen"? Du kannst einen Freund/Bekannten/Kollegen/Wasauchimmer ja nicht zu einer Therapie oder einem ersten Gespräch zwingen. Ansprechen vielleicht, aber wenn du auf Nachfragen gesagt bekommst "Alles okay"? Was willst du dann machen? Und wie soll man bei Unbekannten (wer kennt die Mitstudenten wirklich gut genug?) überhaupt bemerken, ob etwas anders oder seltsam ist?
Ich denke, entsprechende Beratungsangebote sollten per Aushang, Flyer und notfalls auch für alle Studienanfänger mit den Einschreibungsunterlagen publik gemacht werden. Ob und wie man sie annimmt, muss jeder selbst entscheiden.
Rhiannon
24.04.2015, 20:44
Das ist dann aber auch nur ein einmaliges Gespräch und keine Verhaltenstherapie über 30 Sitzungen. Bei einer ernsthaften Depression kann das nicht mehr als die Einleitung einer richtigen Therapie sein.
Ne, klar. Aber es hieß halt, dass man dann - wenn nötig - von dort weitergeleitet wird, aber so zumindest mal weiß, wohin man nen ersten Schritt machen kann im Akutfall.
Danke erst mal für Eure Anregungen… wir werden das mal in der Fachschaft weiter diskutieren.
WackenDoc
28.04.2015, 21:32
Ihr werdet über eure Fachschaft keine umfassende psychiatrische Versorgung sicherstellen und auch nicht jeden Selbstmord verhindern können.
Solange über die schwarzen Bretter und auf den üblichen Homepages auf das Hilfsangebot hingewiesen wird, reicht das doch.
Wir haben z.B. ein umfangreiches Angebot des psychosozialen Netzwerkes. Die Angebote hängen an so ziemlich jedem schwarzen Brett- und trotzdem haben wir immer mit Suiziden zu tun. Es lässt sich nicht verhindern. Wie schon geschrieben wurde, bringen sich auch Patienten in stationärer psychiatrischer Behandlung um.
Mal davon abgesehen ist die Uni und die Fachschaft auch nicht der primäre Ansprechpartner für psychische Probleme. Es ist gut, wenn es Beratungsangebote gibt- aber die Problematik gehört in professionelle Hände über die Haus- und Fachärzte.
Nessiemoo
30.04.2015, 17:09
Hm, ich glaube es ist einfach wichtig möglichst viel/überall darauf hinzuweisen. Wir haben zB auch so ein Nightline, die von geschulten Studenten besetzt wird, man kann da anrufen und mittlerweile auch per mail/skype/whatsapp über probleme anonym reden. Da sind Poster in jeder Klokabine usw drin.
Auch gibt es über Studentenwerk eine psychosoziale Beratung, wo Psychologen teilweise schon so richtig Psychotherapie machen können, aber sind halt keine Ärzte, so dass die Schwelle kleiner ist. Das haben schon recht viele aus unserem Semester benutzt wegen Prüfungsstress/Beziehungsstress benutzt.
Hm, ich glaube es ist einfach wichtig möglichst viel/überall darauf hinzuweisen. Wir haben zB auch so ein Nightline, die von geschulten Studenten besetzt wird, man kann da anrufen und mittlerweile auch per mail/skype/whatsapp über probleme anonym reden. Da sind Poster in jeder Klokabine usw drin.
Auch gibt es über Studentenwerk eine psychosoziale Beratung, wo Psychologen teilweise schon so richtig Psychotherapie machen können, aber sind halt keine Ärzte, so dass die Schwelle kleiner ist. Das haben schon recht viele aus unserem Semester benutzt wegen Prüfungsstress/Beziehungsstress benutzt.
DAS klingt doch mal nach einem Projekt. An welcher Uni ist das? Kannst DU mir mal einen Link oder einen Kontakt (Organisatoren) zukommen lassen? Klingt interessant. Der Gedanke eine Anlaufstelle via Skype oder ähnliches anonym zugänglich zu machen, finde ich prima.
Ich finde das man da mehr oder weniger eh hilflos ist. Man kann ja eh nicht überall sein und informieren. Egal wie viel man versucht, es scheint ja nie genug zu sein. Aber ich finde das Projekt das oben genannt wurde auch sehr gut und hoffe das es beibehalten wird.
Grüße
NolleIsa
05.06.2015, 18:07
Mir tut es immer unendlich leid, wenn ich von solch tragischen Geschichten lese oder höre.
Heutzutage scheinen wir oft, nicht immer, so auf uns selbst konzentriert zu sein, dass wir die Signale anderer Menschen nicht wahrnehmen. Und ob Menschen in schwierigen Situationen auch immer Signale ausstrahlen, sei dahingestellt, da einige dies sehr gut bedecken können.
Erste Anlaufstellen bilden bei uns ein Raum der Stille, wo jeder seinen Platz findet und sich (dank der eher seltenen Nutzung) seine Zeit nehmen kann. Auch für gemeinsame Gespräche nach schweren OPs oder Unfällen dient dieser Raum als Rückzugsort.
Aber auch den nehmen nicht alle in Anspruch.
Klar kann man sich online belesen, aber die intrinsische Motivation in jedem von uns sollte so weit gehen, dass man einen ersten Eindruck bekommt und die restliche Behandlung eher Experten überlässt. Zum Experten zu gehen wäre aber wieder ein neuer, großer Schritt. Wobei es nicht heißen soll, dass es im Internet keine guten Ratgeber oder eBooks gibt. Ein klassisches Beispiels ist das eBook über Burnout von der Hannoversche (https://www.hannoversche.de/beratung/burnout.htm). Mein Cousin ist Arzt an der Charité und die haben derzeit so einiges auszulöffeln. Da machte ihm der Druck und die Situation in den öffentlichen Medien so fertig, dass er nicht nur überarbeitet, sondern auch am Ende seiner Kräfte war. Das eBook traf den Nagel auf dem Kopf und barg Inhalte und Ratschläge, die ihn ein wenig aufrappelten. Heute arbeitet er wieder als Anästhesist dort.
Es gibt viele Wege, wahrscheinlich muss jeder den für sich passenden finden, um seine Situation zu meistern.
Ich hatte so einen ähnlichen Fall im letzten Jahr im Familienkreis. Ds stimmt schon, viele Menschen suchen sich leider nicht rechtzeitig den geeigneten Kanal, um ihrem Druck etwas Freiraum zu lassen..
NolleIsa
07.06.2015, 21:36
Ja, genau dafür entwickeln sich derzeit oft bereits Anlaufstellen im Internet.
Idefix76
29.08.2015, 19:24
Hallo ich bin neu hier und hoffe, dass das hier noch gelesen wird.
Es ist schwer für Betroffene sich Hilfe zu holen. Meist liegt es daran, dass das Umfeld es nicht wahr haben möchte. Wenn einer aus´m Rettungsdienst mal Probleme hat und Depressionen hat und evtl. an Suizid denkt, dann schalten alle anderen ab, aber vielleicht wäre es auch mal hilfreich, wenn auch nur einer mal etwas sieht und denjenigen vielleicht mal anspricht.
Es ist allgemein schwer mit sowas umzugehen und jemand aus´m Rettungsdienst sieht ja auch die Reaktionen anderer und somit ist es dann noch schwerer sich Hilfe zu holen, denn man denkt oder man denkt zu wissen, das einem gar keiner helfen möchte, da keiner mit solch einem Problem umgehen kann.
Die Kollegen würden einen auslachen, die von der Rettungsstelle würden auch nicht drauf eingehen, denn die kenne ja einen, also wie soll man sich adäquate Hilfe holen?? Und wenn man sich dann versucht das Leben zu nehmen und man überlebt es doch, dann hat man den Respekt von den Kollegen verloren und keiner weiß mehr wie man damit umgehen soll, wenn so ein Kollege wieder zurück zum Dienst kommt.
Überlegt doch mal, wie ihr mit so jemanden umgehen würdet, wenn er wieder zurück kommt oder wenn es einen aus euren Familienkreis betrifft.
LG Idefix
WackenDoc
29.08.2015, 20:35
Wieso sollen denn die Kollegen für einen verantwortlich sein und warum sollen das die primären Ansprechpartner sein?
Für was gibt es Seelsorger, Hausarzt, Therapeuten, Telefonseelsorge?
Idefix76
29.08.2015, 21:16
Naja die Kollegen, sind Kollegen und meist auch wie eine kleine Familie und manchmal würde das einen vielleicht auch zeigen das man nicht allen egal ist. Bzw. Nicht verantwortlich, sondern einfach mal auf den anderen Mitmenschen einfach mal etwas achten. Telefonseelsorge ist ja echt gut aber haste da mal selbst angerufen oder gemail?? Seelsorge das ist immer leicht gesagt, aber versuch doch mal einen zu finden, der wirklich Interesse hat einem zuzuhören und zu helfen. Das alles ist immer leicht gesagt, aber wenn einer keine wirklich guten Freunde hat, dann fallen diese halt mal schnell runter. So ist das wirkliche Leben
Naja die Kollegen, sind Kollegen und meist auch wie eine kleine Familie und manchmal würde das einen vielleicht auch zeigen das man nicht allen egal ist. Bzw. Nicht verantwortlich, sondern einfach mal auf den anderen Mitmenschen einfach mal etwas achten. Telefonseelsorge ist ja echt gut aber haste da mal selbst angerufen oder gemail?? Seelsorge das ist immer leicht gesagt, aber versuch doch mal einen zu finden, der wirklich Interesse hat einem zuzuhören und zu helfen. Das alles ist immer leicht gesagt, aber wenn einer keine wirklich guten Freunde hat, dann fallen diese halt mal schnell runter. So ist das wirkliche Leben
Leider hast Du Recht….
WackenDoc
02.09.2015, 10:09
Natürlich ist es für Betroffene schwer, sich Hilfe zu holen- das hängt u.a. an krankheitstypsischen Gedankenmustern. Natürlich ist es wünschenswert, wenn das nähere Umfeld mehr auf einen achten würde- das kann man aber nicht erzwingen und selbst dann kann der Betroffene oft eine entsprechende Hilfe nicht annehmen.
Das hat aber nichts damit zu tun, dass es keine Hilfsangebote gibt. Sie werden nur oft nicht genutzt.
Es ist ein Trugschluss, dass man sich keine adäquate Hilfe holen kann ,wenn die Kollegen oder das Umfeld (vermeintlich) kein Verständnis hat. Das Umfeld können zwar unterstützen und Verständnis haben, aber gerade wenn es schon um Selbstmordversuche geht, ist professionelle Hilfe gefragt.
Wie gesagt- das hat auch was mit Eigenverantwortung zu tun. Aber das Abgeben von Verantwortung ist durchaus auch eines der Problemfelder einer Depression.
Natürlich ist es für Betroffene schwer, sich Hilfe zu holen- das hängt u.a. an krankheitstypsischen Gedankenmustern. Natürlich ist es wünschenswert, wenn das nähere Umfeld mehr auf einen achten würde- das kann man aber nicht erzwingen und selbst dann kann der Betroffene oft eine entsprechende Hilfe nicht annehmen.
Das hat aber nichts damit zu tun, dass es keine Hilfsangebote gibt. Sie werden nur oft nicht genutzt.
Es ist ein Trugschluss, dass man sich keine adäquate Hilfe holen kann ,wenn die Kollegen oder das Umfeld (vermeintlich) kein Verständnis hat. Das Umfeld können zwar unterstützen und Verständnis haben, aber gerade wenn es schon um Selbstmordversuche geht, ist professionelle Hilfe gefragt.
Wie gesagt- das hat auch was mit Eigenverantwortung zu tun. Aber das Abgeben von Verantwortung ist durchaus auch eines der Problemfelder einer Depression.
Auch Dir muss ich damit in allen Punkten Recht geben, dennoch finde ich es unterirdisch, wenn Leute erst mal abweisend oder Schuldzuweisungen reagieren. Jeder geht anders damit um und wenn sich jemand Hilfe bei Arbeitskollegen erhofft, dann fände ich es sinnvoller nach der Erwartung und dem Warum zu fragen als zu sagen "die sind doch nicht für Dich verantwortlich"… aber man hat mir auch schon oft genug meine viel zu stark ausgeprägte soziale Ader zum Vorwurf gemacht. Als Humani muss man da glaube ich auch etwas mehr Abstand nehmen.
Idefix76
03.09.2015, 18:10
Ich finde schon, das ein Arbeitskollege, doch wenigstens mal zuhören kann und denjenigen dann zu den entsprechenden Hilfen schicken kann. Meist reicht schon eine kleine Stütze, ein kleinen anstoß, um jemanden Mut zu machen, sich die richtige Hilfe zu holen.
Meist zieht es doch den Betroffenden noch mehr runter, wenn er denkt das es so zu sagen keinen Interessiert und das fängt leider schon bei den Arbeitskollegen an.
Ist einer gefragt also hoch angesehen, dann würde jeder sofort helfen, aber wenn jemand so zu sagen unscheinbar ist, dann fällt er schnell runter und wenn dann was passiert dann heißt es, dass keiner etwas gemerkt hat und dabei waren genug anzeichen da.
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