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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anlaufstellen bei psychischen Problemen



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JazzKo
24.04.2015, 12:07
Hallo Zusammen,

ich habe lange darüber nachgedacht ob und wie ich dieses Thema eröffne. In den vergangenen Semesterferien hat sich ein Studien,- und Fachschaftskollege unseres Fachbereichs (VetMed) das Leben genommen. Seit dem gab es jede Menge Gesprächsbedarf an unserem Campus und wir (die Fachschaft VetMed Giessen) überlegt sich derzeit wie man solch einen Schritt hätte verhindern können. Aus Gesprächen mit anderen Kommilitonen habe ich erfahre, dass das Angebot des AStA Gießen bezüglich der psychologischen Erstberatung nicht optimal ausgearbeitet sei. Wie geht man bei Euch mit sowas um?

klar kann jeder Google bedienen, aber habt Ihr von Eurem Fachbereich aus eine Anlaufstelle für Leute mit Problemen (welchen Ursprungs auch immer) ohne dass man gleich zum Hausarzt muss bzw. ohne dass gleich die Studienfähigkeit in Frage gestellt wird? Ich weiß eben von mindestens zwei Leuten, die hier in Gießen nahezu allein gelassen wurden, obwohl sie gewillt waren sich Hilfe zu suchen. Diese beiden Menschen waren stark genug um eine Lösung für sich zu finden, aber das kann man ja nicht von jedem erwarten….

Mich lässt diese ganze Geschichte seit Tagen nicht los und ich bin wütend darüber, dass sowas passieren muss…

Bin gespannt auf Eure Infos und Anregungen. Vielleicht habt Ihr ja eine Idee.

Lg

Absolute Arrhythmie
24.04.2015, 12:19
Hi, ich finde das Thema auch sehr wichtig. Viele kennen leider die Beratungsstellen gar nicht und denen sie würden bei Problemen gleich als zu doof abgestempelt oder müssten zum Psychiater - und lassen sich dann lieber gar nicht helfen.

Bei uns an der Uni Bonn gibt es gleich mehrere Anlaufstellen. Sowohl die Uni selbst als auch die Asta bieten eine psychisoziale Beratungsstelle an.

Auf sowas wird man leider von Seiten der Lehrenden nicht hingewiesen :-(

JazzKo
24.04.2015, 12:45
Und wie meinst Du könnte man das am besten verbreiten?!?! Hatten an eine Art Amt in der Fachschaft gedacht… so ne Art allererste Anlaufstelle um das "Du bist nicht allein" Gefühl zu vermitteln.. Bei uns gibt es viel zum Thema Prüfungsangst, aber es gibt ja sicherlich Probleme, die darüber hinaus gehen.

davo
24.04.2015, 12:51
In Gießen sind mir vier entsprechende Angebote bekannt:

- psychologische Studierendenberatung des AStA
- Beratung durch die psychosomatische Ambulanz der Uniklinik
- Studiencoaching durch das ZfbK
- psychologische Beratung durch Dipl.-Psych. Dr. Rolf Deubner (nur für Studierende des FB 11)

Erstere macht ja auch oft per e-Mail an alle Studenten Werbung, und auf zweitere wurden wir im Rahmen von Berufsfelderkundung (ich studiere Humanmedizin) mehrmals hingewiesen.

Absolute Arrhythmie
24.04.2015, 12:54
Und wie meinst Du könnte man das am besten verbreiten?!?! Hatten an eine Art Amt in der Fachschaft gedacht… so ne Art allererste Anlaufstelle um das "Du bist nicht allein" Gefühl zu vermitteln.. Bei uns gibt es viel zum Thema Prüfungsangst, aber es gibt ja sicherlich Probleme, die darüber hinaus gehen.

Glaubst du jemand möchte mit seinen Kommilitonen darüber reden? Also ich denke nicht dass das funktioniert.
Ich wurde das eher über Flyer und Hinweise auf Facebook/Fachschaftsseite versuchen. Man muss ja schon die Chance haben unbemerkt von seinen Kommilitonen dahin zu gehen.
Toll fände ich es auch wenn Profs da ab und zudrauf hinweisen würden, anstatt immer zu meckern dass wir alle dumm und faul sind.

JazzKo
24.04.2015, 13:05
Naja, es wurde darauf hingewiesen… zum Thema Prüfungsangst und Stressbewältigung. Ich kann und will einfach nicht verstehen wie man sich in einer so großen Gemeinschaft so verloren fühlen kann, dass man so einen Schritt wagt… oder anders: wie peinlich ist es doch, dass sowas passieren kann, weil keiner die Warnungen, die gesendet wurden wirklich ernst genommen hat…. einfach traurig.

JazzKo
24.04.2015, 13:07
Naja, es wurde darauf hingewiesen… zum Thema Prüfungsangst und Stressbewältigung. Ich kann und will einfach nicht verstehen wie man sich in einer so großen Gemeinschaft so verloren fühlen kann, dass man so einen Schritt wagt… oder anders: wie peinlich ist es doch, dass sowas passieren kann, weil keiner die Warnungen, die gesendet wurden wirklich ernst genommen hat…. einfach traurig.

davo
24.04.2015, 13:13
Man darf aber auch nicht vergessen, dass es nun einmal Menschen gibt, die sich das Leben nehmen wollen, egal wieviele Beratungsangebote es gibt, egal wie sehr die Freunde und Angehörigen sich engagieren. Sogar bei Patienten mit maximaler Zuwendung, sprich Menschen die in psychiatrischer Behandlung sind, usw., gibt es dennoch öfters Fälle von Suizid. Man sollte also nicht automatisch mit Schuldzuweisungen anfangen, dass es zu wenige Beratungsangebote gab, o.ä.

ehemaliger User_25062015
24.04.2015, 13:20
Bei uns wurden wir in Soziologie darauf hingewiesen, dass es die psychosoziale Beratung für Studenten bei uns gibt. Es hängen auch Flyer aus. Ist hier also durchaus bekannt, dass es dieses Angebot gibt.


wie peinlich ist es doch, dass sowas passieren kann, weil keiner die Warnungen, die gesendet wurden wirklich ernst genommen hat…. einfach traurig.

Diese Aussage ist im großen und ganzen wirklich mit Vorsicht zu genießen. Man weiß nicht was in den Köpfen der Menschen vor sich geht und wie davo schon richtig sagte, gibt es z.B. auch in Psychiatrien Fälle von Suiziden. Und diese Menschen SIND in Behandlung. Ist es da jetzt auch peinlich? Finde ich nicht soo gut solche Aussagen zu treffen.

JazzKo
24.04.2015, 13:25
Diese Aussage ist im großen und ganzen wirklich mit Vorsicht zu genießen. Man weiß nicht was in den Köpfen der Menschen vor sich geht und wie davo schon richtig sagte, gibt es z.B. auch in Psychiatrien Fälle von Suiziden. Und diese Menschen SIND in Behandlung. Ist es da jetzt auch peinlich? Finde ich nicht soo gut solche Aussagen zu treffen.[/QUOTE]

Ja da hast Du allerdings recht. Himmel, ich wollte mich Sicherheit keinen Betreuenden Ärzten, Pflegern oder anderen Personen damit zu Nahe treten… ich denke Du weißt was ich meine.

Ich finde, dass bei uns einfach nicht gut damit umgegangen wurde. Das Semester wurde informiert als ginge es um eine Wahlexkursion und nach einer Schweigeminute, die nicht einmal eine volle Minute gewesen sein soll, ging man zu "erfreulicheren Themen" über… der Pathologie… finde das schon sehr grenzwertig. Einige haben in diesem Moment erstmals was davon gehört und dann knallt man das doch nicht mal eben an den Beginn einer Vorlesung oder?

Evil
24.04.2015, 13:26
...ohne dass man gleich zum Hausarzt muss (...) Ich weiß eben von mindestens zwei Leuten, die hier in Gießen nahezu allein gelassen wurden, obwohl sie gewillt waren sich Hilfe zu suchen.
Das verstehe ich nicht ganz. Wo ist das Problem dabei, sich an seinen Hausarzt zu wenden, wenn man in einer Belastungssituation steckt? Warum sind andere Anlaufstellen besser oder wichtiger?

ehemaliger User_25062015
24.04.2015, 13:29
ich denke Du weißt was ich meine.

Ne nicht unbedingt. Gab es denn Hinweise/Anzeichen/Hilferufe? Also weißt du davon? Wenn ja, könnte man dich ja genauso fragen, hast du was mitbekommen und evtl ignoriert? Ich finde nicht, dass man so leichtfertig Schuldzuweisungen machen sollte.

davo
24.04.2015, 13:45
Man darf halt nicht vergessen, dass es ohne Fixierung und Überwachung rund um die Uhr keine Möglichkeit gibt, jeden Suizid zu verhindern. (Und manche "schaffen" es sogar trotz Fixierung und Überwachung.) Daraus, dass ein Suizid stattgefunden hat, zu schließen, dass etwas falsch gelaufen wäre, ist also eher zweifelhaft.

Und auf das Hörensagen, dass die psychologische Beratung des AStA nicht optimal wäre, würde ich persönlich auch nicht viel geben. An der Uni gibt es sooo viele unsinnige Gerüchte, die von der Realität völlig losgelöst sind. Gerade im Bereich psychischer Erkrankungen ist die Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung oft vergleichsweise gering, was aber nicht unbedingt an der Behandlung liegt.

Ich würde mich also einfach mal fragen, ob es objektiv betrachtet etwas gegeben hat, was man besser hätte machen können. Irgendeine unspezifische Wut auf die Uni oder sonstwen hilft doch niemandem.

JazzKo
24.04.2015, 13:51
Das verstehe ich nicht ganz. Wo ist das Problem dabei, sich an seinen Hausarzt zu wenden, wenn man in einer Belastungssituation steckt? Warum sind andere Anlaufstellen besser oder wichtiger?

Das Problem ist die amtstierärztliche Laufbahn… beim Hausarzt geht das den offiziellen Weg: Erstgespräch, 5 Sitzungen, Antrag Krankenkasse, etc… wer den Amtstierarzt in Erwägung zieht könnte Probleme bekommen, wenn die Krankenakte ein psychisches Problem in Sinne von Prüfungsangst, Überlastung, etc enthält.


Ne nicht unbedingt. Gab es denn Hinweise/Anzeichen/Hilferufe? Also weißt du davon? Wenn ja, könnte man dich ja genauso fragen, hast du was mitbekommen und evtl ignoriert? Ich finde nicht, dass man so leichtfertig Schuldzuweisungen machen sollte.

Es gab Gespräche innerhalb der Fachschaft und des Semesters bezüglich auffälligen Verhaltens, aber das ist mehr oder weniger "eingeschlafen". Deshalb meine ich ja: Wut, darüber dass das vielleicht hätte verhindern können, wenn man seine eigenen Bedenken ernster genommen hätte. Ich mache absolut keine Schuldzuweisungen. Sowas will ich auch gar nicht vermitteln. Ich versuche Anregungen und Ideen zu sammeln und vielleicht auch ein bisschen meine eigenen Gedanken ein bisschen zu strukturieren. Was könnte man besser machen? Warum hat in diesem Fall der Asta und die bestehenden Angebote nicht gereicht? Klar könnte ich sagen, egal was anders gewesen wäre, wer nicht mehr leben will, will nunmal nicht mehr… aber macht man es sich damit nicht ein wenig leicht?

Ist es verkehrt, sich selbst zu reflektieren ob man selbst zu wenig getan hat? Um in meinem Fall über Schuld zu sprechen kannte ich besagte Person zu oberflächlich. Anderen ein Versäumnis in die Schuhe schieben? Niemals… die Fragestellung bezog sich auf den Überlappungen unserer sozialen Netzwerke.

Absolute Arrhythmie
24.04.2015, 14:03
Im Nachhinein ist man immer schlauer und kann sagen "man hätte es sich bemerken müssen". Siehe aktuell den Fall des Germanwings-Copiloten.
Dass nicht unbedingt andere etwas davon mitbekommen sollen liegt im Wesen vieler psychischer Erkrankungen.
Und ob eine Beratung an der Uni bei einer bestehenden Suizidalität wirklich ausgereicht hätte?
Es macht wohl wenig Sinn den Fall hier zu diskutieren, ich finde es aber gut wenn prinzipiell an unis auf Beratungsstellen aufmerksam gemacht wird. Vielleicht verhindert man damit den ein oder anderen Studienabbruch.
Bei schweren psychischen Erkrankungen ist allerdings der Hausarzt und der Psychiater eindeutig der bessere Ansprechpartner. Da ist dann die eventuelle spätere Karriere mal nachrangig.

JazzKo
24.04.2015, 14:07
Im Nachhinein ist man immer schlauer und kann sagen "man hätte es sich bemerken müssen". Siehe aktuell den Fall des Germanwings-Copiloten.
Dass nicht unbedingt andere etwas davon mitbekommen sollen liegt im Wesen vieler psychischer Erkrankungen.
Und ob eine Beratung an der Uni bei einer bestehenden Suizidalität wirklich ausgereicht hätte?
Es macht wohl wenig Sinn den Fall hier zu diskutieren, ich finde es aber gut wenn prinzipiell an unis auf Beratungsstellen aufmerksam gemacht wird. Vielleicht verhindert man damit den ein oder anderen Studienabbruch.
Bei schweren psychischen Erkrankungen ist allerdings der Hausarzt und der Psychiater eindeutig der bessere Ansprechpartner. Da ist dann die eventuelle spätere Karriere mal nachrangig.

das setzt aber voraus, dass man sich seiner Probleme bewusst ist… ja man kann es wahrscheinlich tot diskutieren. Im Endeffekt ist es einfach nur traurig!

davo
24.04.2015, 14:21
Jemanden zu behandeln, der sich seiner Probleme nicht bewusst ist, ist halt generell ziemlich schwer. Da würde es wohl nix bringen, das Beratungsangebot auszubauen oder stärker zu bewerben. Da würde es wohl nix bringen, wenn alle Kommilitonen auf diesen Menschen einreden. Das funktioniert nur mit Unterbringung, und die gibts nur bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung.

Evil
24.04.2015, 14:31
Das Problem ist die amtstierärztliche Laufbahn… beim Hausarzt geht das den offiziellen Weg: Erstgespräch, 5 Sitzungen, Antrag Krankenkasse, etc… wer den Amtstierarzt in Erwägung zieht könnte Probleme bekommen, wenn die Krankenakte ein psychisches Problem in Sinne von Prüfungsangst, Überlastung, etc enthält.
Offizieller Weg? Nicht jeder Patient mit Depressionen muß gleich zum Psychotherapeuten geschickt werden, das ist bei aktuell durchschnittlich 6 Monaten Wartezeit für einen Therapieplatz auch gar nicht möglich. Zudem kann ich schlecht ein Drittel meiner Patienten zum Psychotherapeuten schicken.
Das heißt, daß zunächst mal nur der Hausarzt oder evtl ein Neurologe die Behandlung übernimmt, womit eine F-Diagnose, wenn überhaupt, erstmal nur in der Akte des Hausarztes und verschlüsselt in den Abrechnungsdaten der KV vorhanden ist.
Schwerwiegende Fälle mit Suizidgefahr kann man dann immer noch (bzw. muss man sogar) akutpsychiatrisch stationär einweisen, bei allen anderen dürfte da aber nicht viel auftauchen, was eine zukünftige Laufbahn oder Versicherung behindert.

Bei einer Lebenszeitprävalenz einer Depression von 30% in Deutschland glaube ich auch nicht, daß eine stattgehabte depressive Episode in der Anamnese wirklich Schwierigkeiten macht.
In schweren Fällen mit psychotischen Symptomen vielleicht schon, aber da ist das vielleicht auch angebracht dann.

Wenn sich jemand an eine universitäre Beratungsstelle wendet und längerfristig behandelt wird, wird das ja genauso aktenkundig. Psychotherapie ist meines Wissens nicht anonymisiert möglich.

EVT
24.04.2015, 17:28
Bei uns sagen die Psychiater in der Vorlesung, dass man immer zu ihnen kommen kann für Gespräche. Das taucht dann auch nirgendwo auf.
Aber wenn man nicht in der Vorlesung ist oder kein Psychiatrie hat, weiß man sowas natürlich nicht.

Rhiannon
24.04.2015, 18:49
Wie bei EVT ist es hier auch: es wurde in der VL und im Blockpraktikum Psychiatrie gesagt, dass man auch jederzeit dort mit der Lehrkoordinatorin (die ist dort Psychologin) sprechen kann, egal was das Problem ist.