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Lilium92
30.07.2015, 15:07
Hallo liebe Leute,

Ich habe ein Problem , dass ihr bestimmt schon 10XXX mal gehört haben müsst, allerdings möchte ich es trotzdem versuchen :D

Ich bin momentan 23 Jahre alt habe bisher 6 Semester Biologie studiert und eine DN aus dem Abi von 3,2. Eigentlich wollte ich ja Medizin studieren, aber mit meinen 20 Jahren und direkt nach dem Abitur dachte ich naiverweise, dass die Sache eh gestorben ist und ich ja was Ähnliches machen kann --> Also Biologie-Studium.
Während der 6 Semester ist mir allerdings aufgefallen, dass mir das Theoretische absolut Spaß macht - es ist nah an der Medizin dran - aber der Praktische Job danach - den find ich total ätzend. Selbst nach ein paar Praktika in der medizinischen Forschung - eigentlich weiß ich seit dem 3. Semester Bio wird es nicht - Medizin ist immernoch hochaktuell - zumindest auf emotionaler Ebene.

Letztendlich ist mir bewusst geworden, dass ich , sofern ich den Bachelor mache - so gut wie keine Chance mehr habe in Humanmedizin reinzukommen, da Zweitstudienquote. Ohne Begründung und einem Erststudium von 1,0 eher unwarscheinlich.

Meine Motivation ist auf jeden Fall seit dem 3. Semester gegen 0 gegangen. Statt mich aufs Studium zu konzentrieren habe ich mich immer mehr auf Humanmedizin verbissen. Deswegen habe ich nun entschieden - Biologie abzubrechen mir einen Ausbildungsplatz im Medizinischen Bereich zu suchen und habe nun zum 1.10. einen Ausbildungsplatz in der Krankenpflege.

Krankenpflege wählte ich deswegen, weil relativ gut bezahlt. Sicherer Job (um damit das Medizinstudium zu finanzieren) und weil ich meinen Bafögsatz den ich ebenfalls naiverweise beantragt habe zurückzahlen muss. Wir reden hier von ca 11 000 Euro. Momentan Wartezeit von ca. 14 WS - Tendenz steigend. Ich rechne damit erst mit 31-32 anzufangen. Ich wäre 38 wenn ich aufhören und 43 wenn ich Facharzt bin (Tendenz momentan richtung Notfallmedizin/Neurologie oder Radiologie)

Persönlich merke ich, dass ich mit keinem Studium wirklich glücklich werde, da ich Medizin einfach dauerhaft Thema bleibt, weil ich mich seit ich 8 jahre alt bin dafür interessiert habe. Deswegen will ich den harten Weg versuchen. Besser als mit 40 zu sagen ("Hättest es mal gemacht")

Was mich wiedderum zweifeln lässt ist allerdings:

Abitur mit 3,2 --> Mein Lernverhalten ist momentan eher Mist. Keine Struktur - Eher der Prokrastinierer - ich lerne nur das was mich wirklich brennend interessiert - das dagegen super schnell. Und im Biostudium merkte ich dass das nur für die medizinisch relevanten Themen zutraf.

7-9 Jahre aus dem Lernen rauszusein - ob ich das Medizinstudium überhaupt schaffe ist die weitere Frage - ich wäre 32 wenn ich anfange - wenn dann etwas schief geht - tja dann wars das mit Karriere.

Familie ist eher unwarscheinlich mit diesem Lebensentwurf vereinbar - selbst als fertiger Arzt dann. Davor sowieso nicht und momentan liegt meine Freundin mir in den Ohren in Bezug auf Heirat und Kinder. Und ich kann einfach keinen Konsens finden wie ich das schaffen soll.

Ich muss mir das Medizinstudium komplett selbst finanzieren (Daher auch die Krankenpflege) - ist das überhaupt möglich v.a. in der Vorklinik?

Medizin ist mein Wunschstudium - aber meine rationale Seite (inklusive meiner Familie) sagt, dass mein Plan Wahnsinn ist.


Hat jemand ähnliche Erfahrungen machen können und kann dazu etwas sagen? Ich bin momentan ratlos in welche Richtung ich gehen soll - Bio weitermachen und Medizin begraben - und die Forschung find ich persönlich zu langweilig - Alternative wäre Pharamvertreter mit einem abgeschlossenem Bio Studium.

Mein Inneres Kind sagt - ich soll Medizin studieren. Alles andere sagt , das ist totaler Wahnsinn ohne Garantie es wirklich zu schaffen und dann in einem Job zu enden, den ich gar nicht wollte. Ich weiß nichtmal ob ich mit 32 überhaupt noch lernen kann.

Ihr seht es sind viele Zweifel die mich von einer klaren Entscheidung abhalten. Wie ergeht es euch?

Wäre froh wenn mir jemand helfen könnte :)

Lg

Tom

xenopus laevis
30.07.2015, 19:04
Mach was dich glücklich macht. Du hast nur ein Leben. Zum Thema Familie: viele meiner Mit-Warter erledigen es in der Wartezeit und/oder während des Studiums. Viel Erfolg bei deiner Ausbildung. :-)

charmingbaer
30.07.2015, 19:13
Zum Thema Geld: Es ist möglich, sich das Studium und das Leben selbst zu finanzieren. Man hat halt nicht so viel Freizeit wie die anderen, aber gehen tut es. Arbeite auch in der Pflege und im Vergleich zu den normalen Studentenjobs bekommt man doch für das, was man arbeitet, ziemlich viel Geld.

Snowcake
30.07.2015, 21:08
Hör auf Dein Herz :-)
Ich könnte jetzt noch ausführlicher werden, aber mehr ist eigentlich nicht nötig.

Sticks
02.08.2015, 17:42
Mach es!
Du hast den "Fehler" gemacht dich nach dem Abi in "irgendein" Fach einzuschreiben. Dies kannst du nicht mehr ändern, aber du kannst jetzt reagieren.

Mache dir mal um das Lernen keine Gedanken. Ich habe mit 26 Jahren angefangen und habe vorher nie so richtig gelernt (mein Abi war ja nicht umsonst so mittelmäßig). Komme trotzdem gut im Studium klar.

hoppel228
02.08.2015, 18:49
Ich hätte keine Lust solange zu warten. Ich würd schaun in Österreich einen Platz zu bekommen oder mir einen Teil der Zeit in Ungarn etc. finanzieren.

7 Jahre in der Krankenpflege zu arbeiten fänd ich ebenfalls hart - da du ja anscheinend nicht wirklich an dem Job interessiert bist und es nur des guten Anfangsgehaltes wegen machst.

Juergen7633
02.08.2015, 23:51
Hi,
ich kann gut nachvollziehen, wie sich das anfühlt, ich hab ein Verwegenheits-Lehramtsstudium nach 3 Semestern abgebrochen und hab dann erst mal 7 Jahre gewartet (und gearbeitet), um dann hoffentlich im Oktober mit 31 Jahren endlich Medizin studieren zu können. Wartezeit kann lang sein aber die Zeit, die man dann künftig im Hinterkopf "Ach hätte ich doch..." hat, die ist noch viel länger.
Hör auf dein inneres Kind, Kinder wissen am besten, wie man richtig glücklich ist!

JazzKo
03.08.2015, 00:00
Also ich habe meiner Familie mit 22 mitgeteilt, dass ich nochmal zur schule gehe und mein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg mache um dann Tiermedizin zu studieren. Als Wirtstochter und jahrelanger Gastronomielaufbahn erntete ich von Stammgästen und Familie jede Menge Gelächter. Drei Jahre später stand ich mit meinem 1,9er Abi da und hatte großen Bammel keinen Platz zu bekommen und zack war ich drin. Mit 25 zwar noch im Rahmen aber dennoch über dem Altersschnitt musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich noch nie mit so vielen Menschen so wenig gemeinsam hatte. Da meine Eltern schon immer recht erfolgreich waren mit ihrer Gastronomie, gabs bei mir auch kein BaFöG. Ein KfW Studienkredit, ein Onlinejob und diverse Putz- und ja auch wieder Kellnerstellen haben es möglich gemacht, dass ich zwar kein Einser Kandidat bin aber nächstes Jahr Tierärztin und stolz darauf.

Überlege Dir einfach genau was Du willst. Wenn es immer Thema war, wird es auch in Zukunft nicht von Tisch sein.

"Lebe Deinen Traum und verträume nicht Dein Leben!" --> Ich wollte für keinen anderen Beruf der Welt jeden Morgen aufstehen und für keinen anderen Beruf hätte ich die Hürden und Umwege auf mich genommen. Es gibt immer einen Weg. Zur Not eben aktiv werden in der Fachschaft, in der Hochschulpolitik und für ein Stipendium vorschlagen lassen (mein Plan um die Doktorarbeit zu finanzieren :-)).

Die meisten Unis bieten auch Infos welche Möglichkeiten es zur Finanzierung gibt und dass man als Student die Ansprüche ein wenig runterschrauben muss ist auch klar. Ich drücke die Daumen. Du schaffst das!!!

Lg

eb2911
07.08.2015, 09:32
Letztendlich ist mir bewusst geworden, dass ich , sofern ich den Bachelor mache - so gut wie keine Chance mehr habe in Humanmedizin reinzukommen, da Zweitstudienquote. Ohne Begründung und einem Erststudium von 1,0 eher unwarscheinlich.



ich kenn mich bei der zweitstudienquote nicht so gut aus, aber ich hab ne kommilitonin, die hat vorher mediendesign studiert (und das hat ja mal so gar nichts mit medizin zu tun), dann ein jahr fsj gemacht und dann ohne probleme nen platz bekommen

davo
07.08.2015, 09:40
War wohl im Ausland ;-)

sushee
07.08.2015, 11:55
Die kurze Variante: mach es!

Die lange Variante:
Ich hab mit 26 mein Abi nachgeholt, Physik in Wien studiert (meine Heimststadt), hab in nur drei Jahren mein Diplom gemacht und danach erst 5 Jahre in Österreich, danach 4 Jahre erst in Bayern, danach in Niedersachsen für den gleichen Konzern gearbeitet. Mit zwei Kindern. Alleinerziehend.

Parallel dazu hab ich von 2009-2013 meinen Doktor in technischer Physik an der TU Wien gemacht. Eigentlich wollte ich aber schon seit 2007 Medizin studieren... und hab mich jetzt mit 1.9 und 15 Wartesemestern beworben. Ich bin 38.

Denk mal so herum: ich muss noch mindestens 30 Jahre arbeiten in meinem Leben. Was sind da 6 Jahre Studium für etwas, das mich danach 24 Jahre lang gerne aufstehen lässt?

Studium geht auch mit Kindern. Es ist wirklich anstrengend, verstehe mich nicht falsch, aber es geht. Den richtigen Zeitpunkt für Kinder gibt es nämlich nicht.

Ich mach mir auch tausend Sorgen und ich denke das ist normal und gut so. Aber am Ende des Tages war noch immer alles gut.

eb2911
07.08.2015, 15:43
War wohl im Ausland ;-)

quatsch

EVT
24.08.2015, 13:57
Dann hat sie wohl keinen Abschluss gemacht. Oder Glück bei der Teilstudienplatzverlosung gehabt. Oder es ist schon ewig her.
Zweitstudienquote ist immer hart, mit Mediendesign scheint es mir fast unmöglich zu sein...
Daher kann man solche Aussagen nicht so stehen lassen.

Migole
25.08.2015, 02:27
Ich muss ehrlich sagen, ich erkenne mir absolut in dir wieder ;) Habe auch nach dem Abitur erstmal ein Jahr gejobbt, zuerst einen Studienplatz in Psychologie angenommen (kurz nach dem Abi), dann aber doch nicht angetreten und nach dem Jahr dann schließlich Biologie angefangen. Ich fand es auch echt interessant, aber die Medizin blieb irgendwie immer im Hinterkopf und die medizinischen Themen haben mir auch immer am meisten gefallen (Botanik und Ökologie waren hingegen ganz furchtbar). Jetzt stehe ich im 6. Semester und habe alle Kurse absolviert und habe zum Jahreswechsel den Entschluss gefasst "jetzt oder nie". Auch wenn es super ärgerlich so kurz vorm Abschluss ist, aber ich will eben auch nicht irgendwann mal dastehen und bereuen, es nicht probiert zu haben :) Und eventuell kann ich den Rest ja auch noch nachholen, wenn ich es wirklich noch will.

Ich habe den Vorteil, dass mein Abitur von 1,6 mir nun einen Platz über den HamNat bescheren wird (zu 99%), denn noch mal warten würde ich psyschich niemals durchhalten. Wenn du es kannst, dann mach es! (und lege die Familienplanung in die Wartezeit!) Ansonsten würde ich dir nahelegen, dich mal im Ausland zu informieren. Österreich, Ungarn und Riga z.B. sind klasse Optionen, wenn du dich auf so etwas einlassen würdest. Holland vielleicht sogar auch. Aber wenn du dir sicher bist, dann mach es :)

(und ja, ich habe im Moment auch einen Riesenbammel plötzlich wieder von vorne anzufangen mit neuer Uni, neuen Leuten etc., aber ich möchte es nachher nicht bereuen, nur weil ich zu feige war ;) )

EVT
25.08.2015, 12:29
Mit Bio sind die Berufsaussichten ja auch wirklich grottig, da würde mir ein Wechsel, wie spät auch immer, nicht stören.

Lilium92
31.08.2015, 16:10
Naja nach meiner langen Recherche habe ich Bammel davor,

Das Problem dass ich sehe ist die Neustrukturierung des Medizinstudiums, sowie der "Masterplan 2020 des Marburger Bundes" - Ich setze hier defintiv auf die Karte sicherer Studienplatz in X Jahren. Wenn die Wartezeit für mich wegfällt, dann wilkommen Depression mit 30-32 und kaum Möglichkeiten bei einer neuen Berufswahl.

Wichtig ist mir , dass ich IRGENDWANN studieren kann. Wie lange das dauert - nuja - ich schätze wie gesagt nicht umsonst mit 7-9 Jahren - eventuell auch 10. Wenn dann ein Test anstatt der Wartezeit eingeführt wird, dann sehe ich schwarz.

Haltet ihr es für warscheinlich, dass die Wartezeit abgeschafft wird und stattdessen ein Test als Auswahlkriterium genommen wird?

Kiddo
31.08.2015, 16:28
Wie kommst du auf die These mit dem Test? Irgendwelche Anhaltspunkte, die an mir vorbei gerauscht sind?

Lilium92
31.08.2015, 17:18
http://www.hartmannbund.de/uploads/Downloads/2015-07-31_MS_2020_Stellungnahme_Vorschlaege_HB.pdf

Fakt ist - die Regierung versucht momentan einen Masterplan 2020 zu erstellen um die Auswahlkriterien für das Medizinstudium zu verändern.

EVT
31.08.2015, 20:58
Dann würde es aber sicherlich Übergangsregelungen geben. Ich denke, dass sowas dann nur für Neuabiturienten gelten würde.

dr.moep
02.09.2015, 18:19
@Lilium92

Hast du dich schon mal über den Quereinstieg informiert? Ein bekannter von mir hat ein paar Semester Biologie studiert und sich parallel in Pharmazie eingeschrieben. Er hat nur die Kurse belegt, die für die Scheine wichtig waren, die er sich dann für Humanmedizin anrechnen lassen konnte. Nach 2 Semestern hat er dann einen Platz in Göttingen bekommen. Mittlerweile hat er nach Freiburg gewechselt und studiert nun mit mit mir.
Gewusst wie O.o