Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angststörung und Panikattacken
Arrhytmicin
21.02.2016, 09:39
Hallo Leute,
seit Monaten hab ich mich nicht mehr viel hier rumgetrieben, aber jetzt muss ich einfach mal um Rat fragen..
Seit Beginn des Studiums im Oktober erkenne ich Wesenszüge an mir, die ich vorher nie kannte. Ganz alltägliche Sachen bereiten mir auf einmal große Probleme und ich weis langsam nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.
Mal von vorne:
habe mich wie verrückt gefreut, als der Studienplatz nach 14 WS endlich sicher war. Bin voll motiviert ins Studium gestartet, habe schnell Anschluss gefunden, alles war super.
Dann, nach kurzer Zeit, habe ich beobachtet, dass ich auf einmal jeden morgen auf dem Weg zur Uni sehr.."aufgeregt" war...saß immer mit Bauchgrummeln und Herzklopfen in der Bahn. Gut, dachte ich, das ist einfach die Aufregung und Freude über die neue Lebenssituation. Wurde jedoch nicht besser, konnte dann nur noch mit Beruhigungstees in den Tag starten.
Paar Wochen später: ich sitze in der VL und bekomme aus heiterem Himmel die erste Panikattacke meines Lebens. Zittern, Schwitzen, Herzklopfen. Konnte leider nicht raus, weil ich genau in der Mitte saß und so alle hätte "hochscheuchen" müssen und ich wollte nicht so viel Unruhe in den HS bringen und vor allem nicht die Aufmerksamkeit auf mich lenken.
Die kommenden VL habe ich mich an den Rand gesetzt, wo ich zwar immer noch sehr mit mir zu kämpfen hatte, aber wenigstens konnte ich eine VL lang "durchhalten".
Das gleiche Problem trat dann kurz später während eines Seminars auf. Wieder Angst, Zittern, Übelkeit und irgendwie der Drang, auf Toilette zu müssen.
Mittlerweile habe ich Probleme, Bahn zu fahren, zum Friseur zu gehen, Termine wahrzunehmen. Ich habe ständig völlig irrationale Angst und bekomme heftige körperliche Symptome. Alles in mir schreit nach Flucht.
Ganz schlimm sind auch Prüfungssituationen. Nicht vor der Klausur an sich habe ich Angst (weil ich mich meist gut vorbereite), sondern vor dem Eingeschlossen-Sein mit vielen Leuten in diesem Raum. Dass ich der Situation nicht entfliehen kann in diesem Moment.
Ich hatte noch nie in meinem Leben Prüfungsangst und bin eigentlich immer souverän aufgetreten in allen Situationen. Jetzt ist es mittlerweile so, dass ich am liebsten zu Hause bleiben möchte, weil ich ständig vor allen möglichen Situationen Angst habe. Es ist furchtbar.
Habe schon an eine Agoraphobie gedacht, allerdings ist es schon sehr auffällig, dass die Probleme mit Beginn des Studiums aufgetreten sind.
Hab es schon mit Atemübungen versucht (helfen nur bedingt, muss ich dabei auch sehr konzentrieren und kann z.B. der VL nicht mehr folgen), mit progressiver Muskelentspannung, Bewegung (mit dem Rad zur Uni, um den Stress abzubauen) und Rescue-Tropfen. Hilft alles nicht wirklich.
Ich habe große Angst, dass ich meinen Studienerfolg irgendwie gefährde. Denn ich habe das Gefühl, es wird immer schlimmer mit diesen Panikattacken und ich kann ja nicht immer allen Situationen aus dem Weg gehen, habe ja viele Pflichtveranstaltungen und muss dort anwesend sein.
Habe mich schon an einen Psychologen gewandt, allerdings sind die Wartelisten ziemlich lang. Nächste Woche möchte ich zu meiner Hausärztin und fragen, ob es denn nicht auch eine medikamentöse Lösung gibt, um zumindest die Stresssymptome zu lindern (Betablocker).
Was kann ich sonst noch tun? Bin echt ein bisschen verzweifelt, denn normalerweise bin ich eine selbstbewusste, selbstsicherer Person und auf einmal läuft da gewaltig was schief.
Wer bis hierhin gelesen hat, bekommt schon mal meinen größten Dank, vielleicht hat ja jemand das selbe durchgemacht und kann mir erzählen, was ihm geholfen hat!
Liebe Grüße
Erstmal: :knuddel:
Ich finde deine hier skizzierte Vorgehensweise genau richtig... also zeitnah psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und dazu sich (haus-) ärztlich besprechen.
Eine Sache: Die Unis haben meist eine (anonyme) psychologische Beratungsstelle, die dich ggf. auch unterstützt bis ein Platz bei einem Psychologen frei ist (zumindest an meiner Uni). Das kann durchaus auch mal helfen.
el suenio
21.02.2016, 11:31
Hallo Arrhytmicin,
das tut mir echt leid, lesen zu müssen, dass du dich nach so langer Zeit des Wartens in so einer Lage befindest. Deshalb möchte ich dir auch auf jeden Fall etwas schreiben. Ich finde es auch sehr gut, dass du dich so schnell bemühst, Hilfe zu finden und auch annehmen kannst. Natürlich ist dein Leidensdruck da sehr hoch, sodass dieser Schritt leichter wird, ich finde es aber dennoch mutig von dir. Den Hinweis mit der Beratungsstelle der Uni finde ich auch sehr richtig. Dort können zwar sicherlich keine Wunder vollbracht werden, aber zumindest hast du dort erst mal einen Ansprechpartner.
Ansonsten gibt es deinen Lösungsstrategien eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Eine medikamentöse Hilfe bis zum Therapieplatz ist sicherlich erst einmal die beste Idee, um schnellstmöglich zumindest die Symptome in den Griff zu bekommen. Solche Attacken sind ja sehr eindrücklich und machen dann auch nachhaltig noch mehr Angst, bis man schließlich Angst davor hat, Angst zu haben und das ist der Kreislauf. Deshalb ist es aber sehr gut, dass du so schnell reagierst und dir Hilfe suchst. Was plötzlich gekommen ist, kann auch plötzlich wieder verschwinden und das am besten, bevor es zu oft eingetreten ist und verankert wurde.
Ich kann dir aber eine klare Sache versprechen: Auch, wenn du das Gefühl hast, dass die Panik so groß ist, dass du es nicht mehr aushältst und dir vorstellst, gleich umzufallen...Angst steigert sich niemals bis ins Unermessliche. Ist ein gewisses Ausmaß erreicht, nimmt die Angst wieder ab und pendelt sich auf einem Niveau ein. Dass du der Situation entfliehen willst, ist auch eine ganz natürliche Reaktion. Der Körper kennt im Grunde nur Kampf oder Flucht als ursprüngliche Reaktion und mit zunehmenden negativen Erfahrungen entscheidet er sich für Flucht und du verlässt die Situation. Da es ja häufig so ist, dass weder Kampf, noch Flucht gewählt werden können (zu viel Menschen...), entscheidet sich der Körper für die Furcht, um sich vor'm Angreifer zu schützen. Dass in deinem Fall keine reale Gefahr mehr besteht (durch einen Angreifer), weiß dein Körper ja nicht, weil es ein Urinstinkt ist.
Ich schreibe dir das jetzt auch nur, dass es für dich vllt. etwas weniger eindrücklich wird, wenn du weißt, dass es eigentlich eine natürliche Reaktion ist. Das Problem liegt darin, dass sich dein Körper aus irgendwelchen Gründen zu oft den Angreifer vorstellt, der nicht existiert. Das solltest du dann in einer Verhaltenstherapie bearbeiten.
Ich kann das sooo gut nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn man sich ständig selber im Weg steht mit seinen Ängsten. Falls du Fragen zur Therapie hast, kannst du mir gerne schreiben, wenn du magst. Ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht und du zurück zur alten Kraft gefunden hast! Alles Liebe für dich!
WhiteMountains
21.02.2016, 12:07
alles gute auch von mir.
blut würd ich aber dennoch mal abnehmen lassen, von wegen schilddrüse und so lässt sich ja leicht ausschliessen - wird der ha aber vermutlich eh machen.
el suenio
21.02.2016, 12:19
Genau. Normalerweise macht das der Hausarzt spätestens dann, wenn man einen Konsiliarbericht für die Psychotherapie braucht. Aber wohl wahr, eher schadet sicher nicht. Manchmal können Ärzte den Weg zur Therapie auch beschleunigen. Ein Bekannter von mir hat so sehr schnell einen Platz bekommen. Vllt. klappt das ja auch durch die Beratungsstelle der Uni besser? Einen Versuch ist es wert.
Hallo Arrhytmicin,
die medikamentöse Behandlung leitet am besten ein Psychiater ein, Hausärzte sind in dem Thema meist nicht so fit. Psychiater haben Notfalltermine, die dir am besten der Hausarzt vermittelt.
Ich möchte dir keine zusätzliche Angst bereiten, aber je eher alles seinen Gang geht, desto besser. Weder Medikamente noch eine Therapie helfen sofort. In den Semesterferien jetzt hast du Zeit alles in Angriff zu nehmen. Besorge dir eine Liste von Therapeuten, frag u.a. auch in der Psychiatrischen Klinik der Uni nach. Und dann telefoniere ALLE durch. Informiere dich auch, ob es einen Therapeuten gibt, der sich neu niedergelassen hat. Die haben eher noch freie Plätze.
Und vielleicht vor dem ersten Termin eine BU bzw. andere private Versicherungen abschließen, wenn du sowas haben möchtest.
kekskruemel
21.02.2016, 12:41
Wenn du es schaffts, würde ich dir raten, verschiedene Therapeuten anzurufen.
Die Wartezeiten sind irre lang. Aber: Wenn du deiner Krankenkasse nachweisen kannst, dass du an mehreren Stellen abgewiesen wurdest, kannst du einen Antrag stellen, dass die KK dir eine Therapie bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung bezahlt.
Ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht.
Arrhytmicin
21.02.2016, 16:27
ich danke euch allen für die hilfreichen Antworten !! Fühle mich seit langem nun nicht mehr wie ein Sonderling.
an den SD-Check habe ich noch gar nicht gedacht, wäre aber sicher nicht mal so abwegig, da ich da familiär stark vorbelastet bin (Oma, Papa, Schwester...- falls es überhaupt eine fam. Disposition gibt) und seit des Beginn des Studiums +5 kg drauf hab, was ich allerdings bis jetzt auf den Bewegungsmangel geschoben habe. Ich sprech das auf jeden Fall beim HA mit an!
Sollte ich mich in meinem Fall lieber an Psychiater oder Psychologen wenden? Besteht der Unterschied nur in der Verordnung von Medikamenten seitens des Psychiaters?
@kekskruemel : ein Therapeut ohne Kassenzulassung wäre dann einer mit Privatpraxis oder wie ist das ?
kekskruemel
21.02.2016, 17:40
Ja. Genau ein Therapeut, der privat abrechnet.
Die KK muss dir eigentlich innerhalb von 3 Monaten einen Platz anbieten können. Tun/können sie nicht (was sie natürlich nicht dazu veranlasst, an dieser Situation was zu ändern). Und wenn du nachweist, dass du mehrfach bei Therapeuten abgewiesen wurdest, kannst du diese Hintertür nutzen.
Und manchmal geht es mit einem Platz auch plötzlich ganz schnell. Deswegen auf jeden Fall versuchen. Ich bekam unerwartet nach 3 Monaten schon einen, zum Glück.
http://www.kvs-sachsen.de/arztsuche/
Hier müsstest du eine Liste mit Therapeuten bekommen, die würde ich einfach abtelefonieren.
Nur Ärzte können dir Medikamente verschreiben. Also Psychiater (ich glaub, Neurologe geht auch?).
Es gibt Psychiater die auch Psychotherapie anbieten (ärztlicher Psychotherapeut)
Die meisten Psychotherapeuten dürften aber wohl Psychologen sein (psychologischer Psychotherapeut).
Ich würde also auf jeden Fall auch einen Termin bei einem Psychiater ausmachen. Das kann leider auch etwas dauern.
el suenio
21.02.2016, 18:08
Sollte ich mich in meinem Fall lieber an Psychiater oder Psychologen wenden? Besteht der Unterschied nur in der Verordnung von Medikamenten seitens des Psychiaters?
Du solltest am besten eine Psychotherapie machen, um die Symptome nicht nur zu unterdrücken (durch Medikamente), sondern gedanklich zu bearbeiten. Psychotherapie kannst du nur bei einem psychologischen Psychotherapeuten machen, das ist also der eine Weg. Natürlich dürfen auch Psychiater Verhaltenstherapien o.ä. anbieten, jedoch tun das die meisten nicht. Um die Symptome erst mal zu bekämpfen, solltest du dich parallel an einen Psychiater wenden. Wobei da auch erst mal der Gang zum Hausarzt ausreichen kann, schließlich haben die da auch eine gewisse Routine, weil viele Leute zuerst einmal beim Hausarzt aufschlagen. Mit dem kann man ja auch den weiteren Weg besprechen. Ich persönlich hab aber auch keine guten Erfahrungen mit Psychiatern gemacht, weshalb ich da etwas vorgeschädigt bin. Und ich halte insgesamt ziemlich wenig von Psychopharmaka, weshalb mir immer der Psychotherapeut der bessere Ansprechpartner ist. Aber beide Wege sind möglich, eine Kombination aus beidem ist für dich wohl das beste und man muss sich vorher Gedanken machen, was man möchte oder nicht (bzgl. Medikation).
roxolana
21.02.2016, 18:55
an den SD-Check habe ich noch gar nicht gedacht, wäre aber sicher nicht mal so abwegig, da ich da familiär stark vorbelastet bin (Oma, Papa, Schwester...- falls es überhaupt eine fam. Disposition gibt) und seit des Beginn des Studiums +5 kg drauf hab, was ich allerdings bis jetzt auf den Bewegungsmangel geschoben habe. Ich sprech das auf jeden Fall beim HA mit an!
Es gibt auf jeden Fall eine familiäre Prädisposition. Ich würde mal bei deiner Familie fragen, was sie haben (Hashimoto? Basedow?). Gewichtszunahme, Müdigkeit, Frieren, Obstipation würden zu einer Unterfunktion passen, bei der Überfunktion ist es eher umgekehrt. TSH hat einen zirkadianen Rhythmus, daher am besten morgens Blut abnehmen lassen. Obere Grenze vom TSH ist je nach Labor bei 2.5 bis 4, in diesem Bereich kann schon eine Unterfunktion vorliegen (war bei mir z.B. so mit einem TSH von 3.0, positiven Antikörpern und entsprechender Klinik). Im Zweifel kannst du dich an einen Endokrinologen oder Nuklearmediziner wenden, die meisten davon wenden meiner Erfahrung nach auch den Referenzbereich an, der bis 2.5 geht.
Zur Therapeutensuche: Du kannst dich auch an ein psychotherapeutisches Institut wenden, die können häufig etwas schneller einen freien Platz vermitteln. Die schon angesprochene psychologische Beratung an der Uni würde ich auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Alles Gute für dich!
Arrhytmicin
21.02.2016, 18:58
mir wäre eine nicht-medikamentöse Therapie auch lieber. Aber vor dem Hintergrund, dass das Semester im April schon wieder beginnt und ich bis dahin wohl keine Gesprächstherapie werde anfangen können, würde mir eine medikamentöse Unterstützung sicher erstmal helfen. Wenn ich nur daran denke, dass ich bald stundenlange Chemie- und Physikpraktika haben werde und dann auch wieder in einer Situation "gefangen" bin, dreh ich schon halb durch. :heul: Zumal ich ja dann nicht nur "aushalten" muss, sondern auch Leistung bringen muss.
el suenio
21.02.2016, 19:04
Nein, so habe ich das jetzt auch nicht gemeint, ich verstehe da dein Problem total. Schließlich ging es mir dann irgendwann auch nicht anders und ich habe mich auch so entschieden zumindest kurzfristig. Eine reine Gesprächstherapie nützt dir im Übrigen nicht viel, du brauchst eine (kognitive) Verhaltenstherapie und solltest da auch bei der Therapeutensuche drauf achten. Bei vielen steht das nicht genau dabei, was sie anbieten, die meisten sind aber Verhaltenstherapeuten. Das sollte man vorher in Erfahrung bringen, sonst sitzt man unter Umständen beim Falschen und der Weg und die Mühe waren umsonst.
kekskruemel
21.02.2016, 19:06
Mit dem kann man ja auch den weiteren Weg besprechen. Ich persönlich hab aber auch keine guten Erfahrungen mit Psychiatern gemacht, weshalb ich da etwas vorgeschädigt bin. Und ich halte insgesamt ziemlich wenig von Psychopharmaka, weshalb mir immer der Psychotherapeut der bessere Ansprechpartner ist. Aber beide Wege sind möglich, eine Kombination aus beidem ist für dich wohl das beste und man muss sich vorher Gedanken machen, was man möchte oder nicht (bzgl. Medikation).
Ich habe auch überwiegend schlechte Erfahrungen mit Psychiatern gemacht.
Aber es gibt sie. Die Guten
Und zu den Medikamenten: Hängt stark vom Schweregrad ab. Meiner Meinung nach.
Klar ist es super, wenn man ohne auskommt. Und manchmal braucht es Medikamente, um überhaupt erstmal etwas Stabilität einzubringen und therapiefähig zu sein.
Und wenn sie gut wirken, erleichtern sie vieles. Sie sind eine Krücke.
Nur zu Vollständigkeit: ;-)
Das sind meine eigenen Erfahrungen oder was ich bei anderen miterlebt habe.
Edit: Da war ich zu lahm.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: eine VT bringts nicht immer. Wird gern in Kliniken so gehandhabt und vermittelt.
Und letztlich bring eine Verhaltenstherapie dann etwas, wenn es Verhaltensweisen gibt, die zum Problem führen und die man ändern möchte.
Manchmal geht es aber gar nicht um Verhaltensmuster
Letztlich wird keiner von uns hier sagen können, woher es kommt. Und unabhängig von Therapieform ist das therapeutische Verhältnis viel wichtiger (meines Wissens sogar nachgewiesen, dass das Verhältnis wichtiger als die "eigentlichen Fähigkeiten" des Therapeutens)
Edit 2: Ich würde einfach Therapeuten abtelefonieren und angebotenen probatorische Sitzungen nutzen.
el suenio
21.02.2016, 19:30
Zum Glück gibt es auch kompetente und empathische Psychiater. Ich sehe das ja zum Glück auch täglich, wir haben auch sehr nette. Aber ich bin trotzdem abgeschreckt und war mit dem Weg (Dauermedikation festgelegt nach 10min Gespräch) nicht einverstanden. Deshalb meinte ich, dass man sich überlegen muss, was man möchte.
Dass Medikamente eine Hilfe sein können, seh ich auch so, sonst würde ich nicht in der Psychiatrie arbeiten. Aber ich sehe das in den meisten Fällen nur als eine Übergangslösung an und finde es viel wichtiger, sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen, denn da hat man nachhaltig etwas davon. Das ist jetzt nicht unbedingt bezogen auf diesen Fall hier. Hier wird wohl nur eine medikamentöse Behandlung eine Erleichterung bringen für den Anfang.
Ich kann auch sagen, dass Verhaltenstherapie nicht immer was bringt. Was man jahrelang erlernt hat, wird man nicht innerhalb von 25 Stunden wieder verlernen und auch nicht innerhalb von 50 oder 100 Stunden. Das ist ein Prozess über Jahre. Aber zumindest liefert die VT für mich die sinnvollsten Ansätze. Jetzt werden alle mit tiefenpsychologischer Ausbildung aufschreien :-)) In dem Fall hier geht es ja auch nicht direkt um Verhaltensweisen, die zum Problem führen. Aber es geht darum, besser mit dem Problem umzugehen und es ertragen zu können. Was dahinter steht, ist ja noch mal eine ganz andere Frage. Ein guter Therapeut wird sowieso verschiedene Aspekte einbringen. Ich wollte nur warnen, sich den "falschen" Therapeuten zu suchen. Ich saß zuerst bei einem Tiefenpsychologen, der mir nach 45min Schilderung meinerseits mitteilte, dass er da der falsche Ansprechpartner wäre. Fand ich jetzt nicht wirklich toll und müsste ich kein zweites Mal haben.
Arrhytmicin
21.02.2016, 19:39
Da ich mich noch nie groß mit Psychologie beschäftigt habe, kann ich bei meiner Suche jetzt gar nicht einschätzen, wer mir am besten helfen könnte.
Schreibe aber gerade eine Liste und recherchiere, wer überhaupt freie Termine im Moment (wenn auch mit Wartezeit) anbietet.
Wie lange dauert denn im Schnitt so eine Therapie? Ist sicher völlig unterschiedlich, oder ?
el suenio
21.02.2016, 19:47
Man bekommt erst mal 25 Stunden von der Krankenkasse genehmigt als Kurzzeittherapie. Das könnte man dann überführen in eine Langzeittherapie, aber das erst mal nur der Vollständigkeit halber. Meistens kann man da mit einer Dauer von ca. einem Jahr rechnen, wenn man jede Woche eine Stunde hat. Zu Beginn hat man außerdem jeweils fünf probatorische Sitzungen, in denen man auch unterschiedliche Therapeuten besuchen kann. Das zählt noch nicht zu den Stunden.
Am besten einfach mal alle anrufen und das Problem schildern. Wobei ich es nicht so prickelnd finde, dass die meisten trotz telephonischer Sprechstundenzeit einen Anrufbeantworter geschaltet haben. Das limitiert doch schon ziemlich stark die Möglichkeiten, finde ich. Aber wenn du so mutig bist und Anrufbeantworter besprichst, sollte das kein Hinderungsgrund sein.
WhiteMountains
21.02.2016, 19:56
hat man die 5 probatorischen dann eigtl für jeden therapeuten zum ausprobieren - oder insgesamt 5?
nach einer oder 2 std wird man ja kaum sagen können, ob man mit demjenigen weiterkommt oder?
el suenio
21.02.2016, 20:01
Man hat die fünf probatorischen Sitzungen pro Therapeut. Aber ich muss sagen, dass ich es nicht unbedingt angenehm finde, mein Problem da jedem zu erläutern. Ich entscheide da eher schnell. Obwohl sogar von den Therapeuten empfohlen wird, sich weiter umzuschauen. Also, ruhig machen, wenn es einen nicht stört.
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