PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mit Anästhesie einsteigen?!



Seiten : 1 2 [3]

tragezwerg
22.07.2016, 13:55
Ich kann Brutus da nur zustimmen.
Narkose ist nämlich auch nur dann eventuell mal langweilig, wenn der Patient sehr gesund ist und der Eingriff klein. Je nach Klinik kommt das eher selten in dieser Konstellation vor. Und Narkosen bei Säuglingen, EF <20% oder im Gesicht voroperierten Patienten sind definitiv spannend. Und die Regionalanästhesie, die ist nicht nur interessant, sondern man muss die auch können (Da braucht es dann schon Hirn für ;-) )
Und: Der Anästhesist darf gleich eigenverantwortlich arbeiten, nicht erst nach Jahren der Weiterbildung. Bedeutet viel Verantwortung, aber auch viele Vorteile.

BetterCallSaul
22.07.2016, 14:16
Finds ja immer geil, wie Leute, die mal auf der Anästhesie-Seite waren, meinen beurteilen zu können, was in dem hauptverantwortlichen Anästhesisten vorgeht und wie langweilig das alles ist.

McDreamy
24.07.2016, 00:20
Finds ja immer geil, wie Leute, die mal auf der Anästhesie-Seite waren, meinen beurteilen zu können, was in dem hauptverantwortlichen Anästhesisten vorgeht und wie langweilig das alles ist.

Detto. Wer Anästhesie langweilig findet, hat definitiv null Ahnung von Anästhesie.

LasseReinböng
24.07.2016, 11:16
Der Spruch "hours of boredom, minutes of terror" hat schon seine Berechtigung in der Anästhesie, finde ich. Die allermeisten Narkosen verlaufen ja zum Glück ohne Komplikationen. Man leitet ein, fährt in den Saal, hilft beim Lagern, macht zig Striche auf seinem Narkoseprotokoll, fährt den OP-Tisch hoch und runter, spielt Telefonist für den Operateuer, wechselt Perfusorspritzen und Ringerflaschen, leitet aus und das dann 4-5 mal pro Tag.

Sehr sehr viele Tage vergehen so in der Anästhesie. Natürlich gibts dann auch die großen Eingriffe mit großen Einleitungen, Regionalanästhesien, intraop TEE, Massivtransfusionen + Cellsaver usw. aber das ändert nichts daran, daß es im OP-Alltag leider viel Monotonie auf der Anästhesieseite gibt. Der Operateur, der die hundertste Lap-Galle operiert, mag das sicherlich auch nicht mehr spannend finden, konzentrieren muß er sich trotzdem auf seine Tätigkeit. Als Anästhesist sitze ich hingegen da und habe bei solchen Eingriffen nach der Einleitung de facto nichts zu tun, hier und da drehe ich am Gastopf, gebe noch mal etwas Sufenta nach oder mal ne Atropin...insgesamt überschaubar, hihi. :-)

BetterCallSaul
24.07.2016, 16:05
- Einleitung inkl. vorherigem Studium des Patienten, Installationen etc.
- Lagerungshilfe
- Rein in den Saal
- Mit der Fernbedienung spielen
- Team Time Out
- Schnipp
- intraoperative Blutverluste abschätzen und therapieren, ggf. Antibiotikaprophylaxen wiederholen
- Verfolgen der Operation, Abschätzen der voraussichtlichen Dauer, Diskurs mit Operateur, Bestellung des nächsten Patienten
- Schmerztherapie / Narkosetiefe / Postoperatives Schmerztherapie-Regime beginnen
- PONV-Prophylaxen
- Kreislauf- und Atmungs- sowie Atemwegsmanagment, Infusionsmanagment
- Protokoll (Computer hier, phew!)
- Postoperative Verordnungen
- Ausleitung

Selbst das braucht Anwesenheit, Aufmerksamkeit und Verantwortung. Man kann jeden Job "absitzen". Mir macht das o.g. auch Spaß.

Übrigens: Hours of boredom, minutes of thrill, seconds of terror.

LasseReinböng
30.07.2016, 16:27
- Einleitung inkl. vorherigem Studium des Patienten, Installationen etc.
- Lagerungshilfe
- Rein in den Saal
- Mit der Fernbedienung spielen
- Team Time Out
- Schnipp
- intraoperative Blutverluste abschätzen und therapieren, ggf. Antibiotikaprophylaxen wiederholen
- Verfolgen der Operation, Abschätzen der voraussichtlichen Dauer, Diskurs mit Operateur, Bestellung des nächsten Patienten
- Schmerztherapie / Narkosetiefe / Postoperatives Schmerztherapie-Regime beginnen
- PONV-Prophylaxen
- Kreislauf- und Atmungs- sowie Atemwegsmanagment, Infusionsmanagment
- Protokoll (Computer hier, phew!)
- Postoperative Verordnungen
- Ausleitung

Selbst das braucht Anwesenheit, Aufmerksamkeit und Verantwortung. Man kann jeden Job "absitzen". Mir macht das o.g. auch Spaß.

Übrigens: Hours of boredom, minutes of thrill, seconds of terror.

Die lange Version des "hours of boredom" war mir entfallen, mille grazie.

Daß Anästhesie einem Aufmerksamkeit und Verantwortung abverlangt ist doch selbstredend. Und mit einem netten Team kann auch eine unspektakuläre Einbraunülen-Narkose Spaß machen. Trotzdem kenne ich jetzt wenig Kollegen, die nicht selber zugeben, daß die Tätigkeit des Anästhesisten im OP manchmal gruselig langweilig sein kann. Man denke an gewisse HNO oder MKG-Eingriffe, z.B. die Paroidektomie mit ND, Lappentransplantation+ Spalthaut, die zumindest bei uns tagesfüllend sein kann. Es blutet kaum, der HKL bleibt stabil, an der Narkosetiefe gibt es wenig zu modifizieren... Ich kenne Anästhesisten, die sich selbstironisch als "Schlafwagenschaffner" bezeichnen und niemals etwas anderes machen wollen würden, ich habe aber auch schon genug Leute gesehen, die im OP sehr unglücklich waren und so oft NEF/ITS etc. machen wie nur möglich bzw. das Fach dann ganz wechseln.

BetterCallSaul
30.07.2016, 17:55
Wenn die Eingriffe kurz sind widerspreche ich dir bezüglich hours of boredom 100%. Dementsprechend ist deine pauschale Aussage zu meiner Beschreibung meines Erachtens falsch. Und deine arrogante Überheblichkeit (mille grazie) wirkt unangemessen - aber wieder, nur meine Meinung.

Anästhesie ist kein Fach für jeden. Soviel steht fest.

ubm59
31.07.2016, 09:58
Mich würde interessieren wie es ist als Berufsanfänger in die Anästhesie einzusteigen, auch wenn man gar nicht sein PJ dort hatte.
Ich interessiere mich jetzt für Anästhesie- wie sieht denn da für gewöhnlich die Einarbeitung aus?
Ich kann ja leider noch gar nichts. Läuft man dann erst mal mit, um Ein-/ Ausleitung und Narkoseführung u.s.w. zu lernen, ähnlich wie im PJ, oder wie kann ich mir das so vorstellen?
Das geht mir auch so. Ich hatte HNO im Wahltertial. Mir ging es am Ende des Studiums darum die kleinen Fächer genauer anzusehen, da ich mich entweder gerne niederlassen würde, oder eben einen geregelten Tagesablauf in der Klinik möchte. Leider war das Tertial sehr schlecht und ich hab mich geärgert nicht Anästhesie gewählt zu haben. Habe aber mittlerweile von einigen gehört, die garkein Anästhesie im PJ hatten und trotzdem einen guten Einstieg in der Anästhesie hatten.

Richtige Einarbeitung in der Anästhesie ist ja eigentlich auch ein must, oder?! Ich meine als OA wäre es ja ziemlich fahrlässig jemanden einfach mal "machen zu lassen" wenn jener NOCH keine Ahnung hat.


Ich habe mal noch eine Frage: Welche Größe eines Hauses ist theoretisch am besten, wenn man viel intubieren möchte bzw. auch ein paar spannendere Eingriffe mitbetreut? Klar, in der Uni sicher.
Wenn man nicht so auf Uniklinik steht, worauf muss ich bei der Auswahl des Krankenhauses achten, wenn ich nicht nur eine Larynxmaske nach der anderen machen möchte?

Philip_MHH
31.07.2016, 10:12
Die Uni würde ich ( gerade als Anfänger ) absolut meiden. Besser ein chirurgisch breit aufgestelltes mittelgroßes regionales Haus. Mehr eigenständiges arbeiten, besseres Teaching. Jedenfalls nach dem was ich bisher so erlebt habe

tragezwerg
31.07.2016, 10:49
Ich würde auch von ner Unklinik zum Einstieg abraten. An einem mittelgroßen Haus rotierst du schneller durch die einzelnen Abteilungen und machst mehr Narkosen, weil dort mehr kürzere Eingriffe laufen als an der Uni (im Durchschnitt zumindest). Achte aber darauf, dass die Klinik ne Geburtshilfe und ggf ne Ortho hat, dann kommt man zügig zu Regionalen und geburtshilflichen Anästhesien, das ist gerade an großen (Uni)Kliniken regelmäßig ein Nadelöhr.

LasseReinböng
31.07.2016, 11:31
Bin gerade zwecks Rotation an einem kleineren Haus mit einem eher begrenzten operativen Spektrum und muß feststellen, daß die Assistenten dort sehr viel früher zu regionalen Verfahren kommen und diese i.d.R. auch besser beigebracht kriegen als an meinem Haus ( kommunaler Maximalversorger) wo gefühlt 100x häufiger Regionalanästhesien stattfinden aber a) auch unzählige Assistenten dafür Schlange stehen und b) aufgrund des Zeitmangels die Regionalanästhesien i.d.R. durch die OÄ gestochen werden und der Assistent den Patienten fix und fertig in den Saal geschoben bekommt. Ergo groß ist nicht immer gleich besser, v.a. zu Beginn der Weiterbildung.

LasseReinböng
31.07.2016, 11:40
Wenn die Eingriffe kurz sind widerspreche ich dir bezüglich hours of boredom 100%. Dementsprechend ist deine pauschale Aussage zu meiner Beschreibung meines Erachtens falsch. Und deine arrogante Überheblichkeit (mille grazie) wirkt unangemessen - aber wieder, nur meine Meinung.

Anästhesie ist kein Fach für jeden. Soviel steht fest.

Arrogant und überheblich ? Nix !

ubm59
31.07.2016, 11:55
Ich würde auch von ner Unklinik zum Einstieg abraten. An einem mittelgroßen Haus rotierst du schneller durch die einzelnen Abteilungen und machst mehr Narkosen, weil dort mehr kürzere Eingriffe laufen als an der Uni (im Durchschnitt zumindest). Achte aber darauf, dass die Klinik ne Geburtshilfe und ggf ne Ortho hat, dann kommt man zügig zu Regionalen und geburtshilflichen Anästhesien, das ist gerade an großen (Uni)Kliniken regelmäßig ein Nadelöhr.

Das macht Sinn! Danke!

roxolana
31.07.2016, 13:06
Ist es eigentlich realistisch, bei Anästhesie Teilzeit einzusteigen?

tragezwerg
31.07.2016, 19:13
Ist es eigentlich realistisch, bei Anästhesie Teilzeit einzusteigen?

Ja. Kenne einige die das gemacht haben. Manche Chefs möchten allerdings dass man die ersten paar Monate mind. 80% arbeitet, damit die Einarbeitung zügiger geht.
Prinzipiell ist die Anästhesie für den Einstieg in Teilzeit aber ein dankbares Fach, weil man ja meist im OP beginnt und keine Station hat auf der man dann tageweise "fehlt" wie in vielen anderen Fächern.

maria2611
28.08.2016, 21:47
Hallo! Ich suche zum Berufseinstieg ein Haus im Raum Köln für Anästhesie. Auch eher mittelgroß und mit nettem Team. Hat jemand irgendwo besonders gute Erfahrungen gemacht? Würde mich sehr über den ein oder anderen Tipp freuen. ;)