PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dienste auf IMC ohne ITS-Erfahrung



Seiten : 1 2 [3] 4

Sebastian1
24.10.2016, 21:49
Das kann man mit dem alten Spruch 'Gefäßerkrankungen sind systemische Erkrankungen' ganz gut erklären. Die Patienten sind da ja meist nicht mehr so gaaaanz gesund. Wobei da natürlich nicht jeder Bypass auf intensiv landet...

Und es gibt ganz klar gute und schlechte Intensivstation, Fachabteilungen und einzelne Leute die viel falsch machen.
Und ich stimme zu, das alle Beteiligten durch Fehler gewaltigen Schaden anrichten können.

anignu
24.10.2016, 21:56
Bleibt irgendwie die Frage was so einen Patienten auf eine Intensivstation verschlägt!? Ich dachte immer, da liegen Patienten mit Organversagen und nicht welche mit nem Heparinperfusor und nem kranken Fuß...
Bei uns kommt jeder mit einer Gefäßrekonstruktion kommt bei uns für eine Nacht auf Intensiv oder IMC. Wohin genau entscheiden die Anästhesisten. Je nach Vorerkrankungen, Risikoprofil und Bettenkapazitäten. Meist gehen die Leute auf IMC.
Das eigentliche Thema war ja auch IMC und nicht Intensiv. Dass jetzt drüber gesprochen wird "es müssen ja nicht alle auf Intensiv". Sag ich ja nicht. Die kommen halt auf IMC für eine Nacht.

16matti
28.10.2016, 11:08
Hey Prosit-wie ist es denn jetzt weitergegangen bei euch,hab ihr eine gute Lösung gefunden?

@Moorhühnchen-ich bin seit einem Monat in der Anästhesie.Bis jetzt machts viel Spass.

Viele Grüsse,
Matti

John Silver
28.10.2016, 21:03
Ich habe das Gefühl, dass die meisten Kommentatoren hier keine Ahnung haben, wie es auf einer IMC zugehen kann. Ich kann das nach einem Jahr ITS und einem Jahr IMC, sowie weiterhin regelmäßig 2-3 IMC-Diensten pro Monat gut beurteilen, denke ich. Wir haben eine rein operative IMC, und ich sage euch, dass ihr eine IMC unterschätzt. Das ist nicht bloss eine reine Überwachungsstation für Patienten, die für die "richtige" ITS zu gesund sind - so ist diese Station nur gedacht. Denn sobald eine IMC da ist, werden Betten auf der ITS abgebaut, weil die "zu gesunden" dort nicht mehr hinkommen, und jedes eingesparte ITS-Bett der Klinik in der Bilanz sehr weiterhilft. Das wiederum führt unweigerlich dazu, dass die ITS früher oder später damit anfängt, ziemlich kranke Patienten auf die IMC zu verlegen, um noch kränkere aufzunehmen; denn weder wird ein Schockraum abgelehnt, noch wird eine Op abgesetzt, nur weil die ITS kein Bett hat. Ehe man sich versieht, liegen plötzlich doch Patienten mit Katecholaminen, Flowblender, CPAP kurz vor Intubation und allem, was dazu gehört, auf der IMC. Hausinterne Notfälle kommen auch, sofern es keine Rea mit Intubation ist, auf die IMC; solche Notfälle werden von den Stations- und Dienstärzten gerne falsch eingeschätzt. Wenn der Patient kränker geschätzt wird, als er eigentlich ist, hat man Glück; aber es kommt auch gerne umgekehrt, und man steht plötzlich vor einem schwerkranken, instabilen Patienten. Ich hatte meine ITS-Zeit vor der IMC, und hatte keine Probleme; besetzungsbedingt haben wir aber zunehmend Anfänger auf der IMC. Sie können keine arteriellen oder zentralvenösen Zugänge legen, sie können nicht reanimieren, sie können nicht intubieren, sie verstehen die Krankheitsbilder oft nicht, sie kennen sich mit intensivmedizinischer Therapie nicht aus, sie haben keinen Blick für drohendes Ungemach, kurzum: sie sind nicht in der Lage, die Patienten adäquat zu betreuen, sobald's etwas komplizierter wird, als eine bloße Überwachung nach Gyn-Lappenplastik. Welche Konsequenzen das bisweilen für Patienten hat, kann man sich denken.

Reflex
29.10.2016, 05:47
Ich glaube eher, dass eure Klinik ein immenses Struktur-/Organisationsproblem hat, wenn solche Patienten regulär auf einer IMC liegen, wie du es beschreibst, als das die anderen keine Ahnung haben. Das typische Stroke Unit Patientenklientel entspricht ungefähr dem gewünschten IMC Klientel und die wirklich lebensbedrohlich erkrankten instabilen Patienten kamen nur sehr begrenzt vor und alles was Kathecholamin pflichtig wurde, Ateminsuffizient etc. wurde immer frühzeitig auf die ITS verlegt. Es war auch nicht gewünscht, dass wir dort arterielle oder zentralvenöse Zugänge etc. legen, obwohl es technisch möglich gewesen wäre. Reanimiert habe ich in der Ambulanz deutlich mehr als auf der Stroke Unit und da habe ich bestimmt 2- 2,5 Jahre meiner Weiterbildungszeit verbracht.

Brutus
29.10.2016, 08:03
Ich habe das Gefühl, dass die meisten Kommentatoren hier keine Ahnung haben, wie es auf einer IMC zugehen kann. Ich kann das nach einem Jahr ITS und einem Jahr IMC, sowie weiterhin regelmäßig 2-3 IMC-Diensten pro Monat gut beurteilen, denke ich.
Hui, mal eben aus der Hüfte ein Schnellschuß, Hauptsache breit gestreut? Ich könnte genauso behaupten, dass hier keiner Ahnung von einer "richtigen" Intensivstation, einer "richtigen" IMC, einem "richtigen" AWR hat. Aber vielleicht gibt es das gar nicht? Vielleicht sollte man erstmal definieren, was eine Intensivstation, was eine IMC und was ein AWR ist? ;-)


Wir haben eine rein operative IMC, und ich sage euch, dass ihr eine IMC unterschätzt. Das ist nicht bloss eine reine Überwachungsstation für Patienten, die für die "richtige" ITS zu gesund sind - so ist diese Station nur gedacht. Denn sobald eine IMC da ist, werden Betten auf der ITS abgebaut, weil die "zu gesunden" dort nicht mehr hinkommen, und jedes eingesparte ITS-Bett der Klinik in der Bilanz sehr weiterhilft.
Das ist aber etwas kurz gedacht. Natürlich kostet eine Intensiv Geld. Hoher Personalschlüssel, Geräte, Medikamente... Aber auf der anderen Seite kostet eine IMC auch Geld. Der Personalschlüssel ist ähnlich hoch, es gibt ebenso Geräte, die angeschafft und benutzt werden müssen. Aber es gibt eben nur auf der Intensiv die entsprechende Komplexbehandlung, für die natürlich die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden müssen, aber wenn die da sind, rechnet sich auch eine Intensivstation. Zumal in den DRG die Intensivbehandlung ja auch mit eingerechnet ist...


Das wiederum führt unweigerlich dazu, dass die ITS früher oder später damit anfängt, ziemlich kranke Patienten auf die IMC zu verlegen, um noch kränkere aufzunehmen; denn weder wird ein Schockraum abgelehnt, noch wird eine Op abgesetzt, nur weil die ITS kein Bett hat.
Das wiederum ist ein mindestens strukturelles Problem, wenn nicht ein Organisationsverschulden. Klar kenne ich das, es werden Thoraxchirurgiepatienten auf die IMC verlegt, sobald der Tubus raus ist, egal ob da Katecholamine laufen oder nicht. Aber das sind dann auch die Kliniken, aus denen regelhaft Patienten zu Revisionsoperationen kommen, weil die Versorgung auf der IMC eben nicht der einer Intensiv entspricht.


Ehe man sich versieht, liegen plötzlich doch Patienten mit Katecholaminen, Flowblender, CPAP kurz vor Intubation und allem, was dazu gehört, auf der IMC. Hausinterne Notfälle kommen auch, sofern es keine Rea mit Intubation ist, auf die IMC; solche Notfälle werden von den Stations- und Dienstärzten gerne falsch eingeschätzt. Wenn der Patient kränker geschätzt wird, als er eigentlich ist, hat man Glück; aber es kommt auch gerne umgekehrt, und man steht plötzlich vor einem schwerkranken, instabilen Patienten.
Aber genau das ist ein Organisationsproblem. Das sind per Definition Intensivpatienten, die auf einer IMC nix zu suchen haben. Wenn trotzdem dieses Patientengut auf der IMC aufgenommen wird, dann sollte man sich ernsthaft überlegen, ob man eine Überlastungsanzeige schreibt und mit den entsprechenden Entscheidungsträgern spricht.


Ich hatte meine ITS-Zeit vor der IMC, und hatte keine Probleme; besetzungsbedingt haben wir aber zunehmend Anfänger auf der IMC. Sie können keine arteriellen oder zentralvenösen Zugänge legen, sie können nicht reanimieren, sie können nicht intubieren, sie verstehen die Krankheitsbilder oft nicht, sie kennen sich mit intensivmedizinischer Therapie nicht aus, sie haben keinen Blick für drohendes Ungemach, kurzum: sie sind nicht in der Lage, die Patienten adäquat zu betreuen, sobald's etwas komplizierter wird, als eine bloße Überwachung nach Gyn-Lappenplastik. Welche Konsequenzen das bisweilen für Patienten hat, kann man sich denken.
Also Entschuldigung: ich erwarte von JEDEM Arzt, dass er eine CPR auf die Kette kriegt. Wer das nicht kann, der kommt zur Schulung. Nur wieviele Leute sind nochmal bei der letzten REA-Schulung gewesen? Von der Pflege fast alle. Und Ärzte? Ja genau die, die es eh schon können. Aber rate mal, wieviele Ärzte außerhalb der Intensiv / Anästhesie / Kardiologie gekommen sind. EINER! Und das war ein OA, der das sicher auch schon mal gemacht hat...
Zu den Zugängen: Auf einer IMC muss ich keine Arterien oder ZVK legen. Wenn ich das MUSS, dann liegt der Patient hier falsch.

==>
Die IMC ist das Bindeglied zwischen der Intensivpflegestation mit ihren umfassenden therapeutischen und intensivpflegerischen Möglichkeiten und der Normalstation, auf der aufgrund der niedrigeren Personaldecke keine engmaschige Überwachung des Patienten möglich ist. Die IMC ist für Patienten konzipiert deren Erkrankung einen hohen Überwachungs- und Betreuungsaufwand verursacht, die jedoch nicht im eigentlichen Sinne intensivpflichtig sind, beispielsweise keine künstliche Beatmung benötigen. In einigen Häusern wird die IMC als Zwischenstation zwischen der eigentlichen postoperativen Aufwachstation mit sehr kurzer Verweildauer nach Operationen und der Normalstation eingesetzt.
Die IMC hat in der Regel einen im Vergleich zur Normalstation deutlich höheren Personalschlüssel und dient der Entlastung sowohl der Intensiv- wie auch der Normalstation. Für die Arbeit auf der IMC werden meist Fachpflegekräfte für Intensivpflege und Anästhesie eingesetzt, seit 2008 werden zweijährige Fachweiterbildungen speziell für die IMC angeboten, die in die Ausbildung zur Intensivpflege eingebettet oder daran angelehnt sind. Unterstützt werden die Pflegekräfte von Pflegeassistenten und Stationssekretären. Die medizinische und therapeutische Betreuung der Patienten wird durch Intensivmediziner geleistet.

LasseReinböng
30.10.2016, 00:29
Bei uns in der Anästhesie ist die Weiterbildung so organisiert, daß die Assistenten zuerst auf der ITS Erfahrung sammeln und erst später auf die IMC wechseln, weil die Tätigkeit auf der IMC als deutlich anspruchsvoller eingestuft wird. Ich finde das auch plausibel.
Auf der IMC sind die Patienten nicht so engmaschig überwacht wie auf der ITS und es hängt mehr vom "klinischen Blick" ab, was gerade Anfängern ( Anästhesisten, die nur den OP kennen oder Chirurgen, die nur die Normalstation kennen) sehr schwer fällt.

Auf der ITS sind die Patienten maximal verkabelt und mit art. Kanüle, Picco, PAK etc. durchgemessen und dank den Pflegekräften wird man permanent über jeden Alarm und jedes Laktat informiert. Auf der IMC ist das völlig anders und ich habe da schon so manchen Patienten erlebt, der sich rapide verschlechtert hat und man noch so gerade die Kurve zur Intubation bzw. Katecheholamintherapie, Schrittmachereinschwemmung usw. geschafft hat.

tragezwerg
30.10.2016, 08:07
Bei uns in der Anästhesie ist die Weiterbildung so organisiert, daß die Assistenten zuerst auf der ITS Erfahrung sammeln und erst später auf die IMC wechseln, weil die Tätigkeit auf der IMC als deutlich anspruchsvoller eingestuft wird. Ich finde das auch plausibel.
Auf der IMC sind die Patienten nicht so engmaschig überwacht wie auf der ITS und es hängt mehr vom "klinischen Blick" ab, was gerade Anfängern ( Anästhesisten, die nur den OP kennen oder Chirurgen, die nur die Normalstation kennen) sehr schwer fällt.

Auf der ITS sind die Patienten maximal verkabelt und mit art. Kanüle, Picco, PAK etc. durchgemessen und dank den Pflegekräften wird man permanent über jeden Alarm und jedes Laktat informiert. Auf der IMC ist das völlig anders und ich habe da schon so manchen Patienten erlebt, der sich rapide verschlechtert hat und man noch so gerade die Kurve zur Intubation bzw. Katecheholamintherapie, Schrittmachereinschwemmung usw. geschafft hat.

Das sehe ich ähnlich. Ich bin sehr froh, dass ich mit Intensiverfahrung auf die IMC kam. Allerdings schwankt die Definition einer IMC und der Dinge, die dort gemacht werden, schon sehr stark von Klinik zu Klinik.
Bei meinem ersten Arbeitgeber war Arterenol oder ne Arterie Intensivindikation. Hier am Maximalversorger ist das anders. CPAP, Arterenol, sämtliches erweitertes Monitoring inkl. ICP, etc., das ist hier "normal" auf einer IMC. Da ist man als Anfänger nicht gut aufgehoben.
Generell empfinde ich es auch so, dass IMC mehr vom zuständigen Arzt fordert als eine Intensiv.
Und gerade wenn man fachfremde Patienten betreuen soll muss eine ordentliche Einarbeitung her, bevor man eine IMC betreut.

Brutus
30.10.2016, 08:58
Generell empfinde ich es auch so, dass IMC mehr vom zuständigen Arzt fordert als eine Intensiv.
Wenn das wirklich so ist, dann stimmt einfach die Definition der IMC nicht! Dann wird die IMC als Erweiterung der Intensiv missbraucht. Und damit wird schleichend über die Hintertür die Intensivbettenzahl erhöht. Die IMC sollte eigentlich eine "Überwachungsstation" für Patienten mit erhöhtem Pflegeaufwand sein und keine "Intensiv light". Und ein erweitertes Monitoring ist ganz sicher kein Kriterium für eine IMC. Ich kenne es eigentlich auch so, dass Katecholamintherapie ein Aufnahmekriterium für die Intensivstation ist. Genauso wie die Ateminsuffizienz, die nix auf einer IMC zu suchen hat. Wenn man dort in die Verlegenheit kommt, mit Ankündigung intubieren zu müssen, dann war der Patient auf der falschen Station...


Und gerade wenn man fachfremde Patienten betreuen soll muss eine ordentliche Einarbeitung her, bevor man eine IMC betreut.
Gut, dazu habe ich eine ziemlich eindeutige Meinung: Schuster, bleib bei Deinen Leisten! Der Chirurg begibt sich m.M.n. auf ziemlich dünnes Eis, wenn er internistische Patienten im Dienst betreut. Genauso wie der Internist, der operative Patienten betreut. Im Falle eines Schadens wird eben der Facharztstandard des betreffenden Fachgebietes verlangt und da zweifel ich jetzt mal an, dass das gegeben ist. Insofern würde ich mich da sehr zurückhalten, und im Zweifel bei jeder Frage den entsprechenden Hintergrund anrufen, wenn man nicht gewillt ist, eigenes Personal zu stellen...

John Silver
30.10.2016, 10:55
Schön für alle, bei denen eine IMC dem entspricht, was sie sein soll. Das ist bei Maximalversorgern meist nicht der Fall. Eine Arterie oder ZVK gehören nur in einen ITS-Patienten hinein? Klar, offiziell werden auch mein Chef und die Geschäftsführung dem zustimmen; auf der anderen Seite wird aber ein indirektes Zumeldeverbot ausgesprochen, und damit eine Situation geschaffen, in welcher lieber kranke Patienten auf der IMC landen, als dass man sich zumeldet. Es soll nicht wirtschaftlich sein? Haha! Man nenne lediglich die IMC nicht IMC, sondern ITS2, und schon kann man die intensivmedizinische Komplexbehandlung wunderbar abrechnen; und ein IMC-Bett kostet in der Vorhaltung deutlich weniger, als ein Bett auf der ITS, weil man weniger Ärzte benötigt, diese an sich weniger kosten, weil sie nicht im Schichtdienst arbeiten, und weil man auf die IMC lauter Pflegeanfänger stecken kann, wohingegen auf der ITS bevorzugt die Erfahrenen eingesetzt werden. Überlastungsanzeige? Damit wischt sich die Geschäftsführung den Hintern ab, reibt sie dann unserem Chef ins Gesicht; und der Chef interessiert sich für nichts, außer dafür, dass seine Klinik läuft, damit er sich weiterhin als der geilste Hengst fühlen kann, weil er, wie die allermeisten chirurgischen Chefs an großen Kliniken, sonst nichts im Leben hat. Dreimal darf man raten, wofür dann der Chef sorgen wird.
Ich bin gegen diese Zustände. Ich habe euch nur widersprochen, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, das Problem des Autors sei eine Kleinigkeit, wie es dargestellt wurde. Wenn er/sie auf eine easy-going-IMC kommt, ist alles ok; aber wenn es eine von unserer Sorte ist, kann man sich damit ganz schön die Finger verbrennen, u.a. im Sinne eines Übernahmeverschuldens; und wehren kann man sich nur, solange die Kiste noch nicht läuft. Als unsere IMC geplant wurde, hat die Geschäftsführung festgelegt, dass sie ärztlich von uns und den Unfallchirurgen betreut werden soll, und zwar ohne zusätzliche Stellen. Ich habe mir fast eine Kündigung eingehandelt, als ich vor versammelter Mannschaft den damaligen ärztlichen Geschäftsführer dafür angegriffen habe; aber ich habe nicht locker gelassen, und wir haben 4 zusätzliche Stellen bekommen. (Dummerweise haben sich die Unfallchirurgen zurückgezogen, und wir dürfen die Kiste nun alleine fahren; aber wenigstens sind die 4 Stellen nun unsere).

Sebastian1
30.10.2016, 10:56
Genau zu der Frage der Haftung gibt es einen ganz guten Artikel in der aktuellen intensiv up to date. Da geht es zwar erstmal um Narkose durch fremde Fachgebiete, aber das ist durchaus auf die intensiv zu übertragen....

Fr.Pelz
30.10.2016, 11:09
Die IMC sollte eigentlich eine "Überwachungsstation" für Patienten mit erhöhtem Pflegeaufwand sein und keine "Intensiv light".

Wo steht sowas eigentlich? Bei uns ist die IMC definitiv ITS light. Alles was nicht beatmet wird liegt dort und ein ZVK ist quasi das Wilkommensgeschenk für jeden akuten Zugang. Katecholaminperfusoren hängen da mindestens an einem Drittel der Patienten und meist ist es so, dass ein Patient, der nicht mehr beatmet werden muss, sehr schnell von ITS auf IMC kommt und sobald die Katecholamine ein paar Stunden draußen sind, ist er "fit" für Normalstation...

Ich habe aber auch niemanden, auch nicht den OA der IMC darüber klagen hören. Über einzelne Patienten die zu früh von ITS kommen ja, aber nicht generell darüber, dass Katecholaminpflichtiges nicht auf eine IMC gehört.

Brutus
30.10.2016, 16:23
Wo steht sowas eigentlich?
Zum Beispiel hier:

Monitoring
In bezug auf das Monitoring lassen sich zwi-
schen dem Intermediate-Care- und Intensiv -
therapie-Bereich nur unscharfe Grenzen zie-
hen. Nichtinvasives Monitoring, d.h. Detek -
tion von
• Arrhythmie/ST-Strecke
• Hypoventilation
• Hypoxie sowie
• Blutdrucküberwachung
sind essentielle Monitoringformen für beide
Bereiche. Auf einer Intermediate-Care-
Station sollte im Bereich des invasiven
Monitorings die Messung des zentralen
Venen druckes sowie die arterielle Druck -
messung möglich sein. Eine Bilanzierung, die
üblicherweise auf einer Intensivtherapie -
station durchgeführt wird, muß auf einer
Intermediate-Care-Station mehrfach (minde-
stens dreimal) täglich möglich sein. Auf einer
Inter mediate-Care-Station kann maximal
eine vasoaktive Substanz intravenös appli-
ziert werden. Eine neurologische Überwa-
chung muß auf jeder IMC möglich sein.
Beatmung, sei es als invasive oder nichtinvasi-
ve Technik, kontinuierliche extrakorporale
Verfahren sowie jedes erweiterte Monitoring,
z.B. Pulmonalis katheter, bedürfen in jedem
Fall einer Intensiv therapie.
==> https://www.bda.de/docman/alle-dokumente-fuer-suchindex/oeffentlich/empfehlungen/602-intermediate-care-entwicklung-definition-ausstattung-organisation-und-moegliche-loesungen/file.html

Und ich glaube, der folgende Satz beschreibt am Besten, welcher Patient auf eine IMC und welcher auf eine ITS gehört:

Letztlich gehören alle Patienten, die einer
unmittelbaren therapeutischen Maß -
nahme bedürfen, auf eine Intensiv thera -
piestation. Ein Patient, der nur einer kon-
tinuierlichen Überwachung bedarf, ist aus-
reichend sicher auf einer Intermediate-
Care-Station versorgt.
:-meinung

anignu
31.10.2016, 16:19
Das finde ich mal eine gelungene Unterscheidung. Für mich fehlt halt noch Nierenersatzverfahren/Hämofilter. Den würd ich auch rein auf ITS sehen.

LasseReinböng
31.10.2016, 20:07
Das Klientel auf der IMC ist in der Tat extrem unterschiedlich. Arterie, ZVK, ICP-Sonde, Dialyse..prinzipiell auch auf IMC ok bei uns wenn Spontanatmung ok. Arterenol auch kein Problem, NIV-Pflichtigkeit dito.

16matti
01.11.2016, 12:43
Das Problem mit von der juristischen Seite sehe ich auch. Als ich erfahren habe,dass ich auf die IMC rotieren werde,hab ich daher auch erstmal ein Riesenfass aufgemacht,selbst beim CA vorgesprochen(Antwort war dann lapidar "Das schaffen Sie schon")später auch über Assistentensprecher bzw.den OA der IMC,bis es dann vom Ärztl.Direktor so festgelegt wurde,dass ich dorthin soll.Ich habe das ganze dann durchgezogen-ist ja dann schliesslich eine Dienstanweisung, und nachvollziehbar von höchster Stelle abgesegnet. Wenn es allerdings hart auf har kommen würde und nach einem Vorfall auf der IMC geklagt wird habe ich auch keine Ahnung inwiefern eine Klinik dann hinter den zwangsverpflichteten Assistenten steht,und wie sehr den Assistenten so etwas aus der Schusslinie nimmt,oder ob man dann trotz allem wegen Übernahmeverschulden dran ist. Auch bei uns lagen regelhaft Arterien,und Katecholamingherapie war Standard, NIV Therapie auch immer wieder im Einsatz, ect.Ich fand das vor allem am Anfang sehr überfordernd. Ich verstehe da auch jeden der diese Rotation ohne vernünftige Ausbildung, z.B. auf einer ITS abwenden möchte. Die einzige Alternative wäre jedoch die sofortige Kündigung gewesen, ein oder zwei Tage,nachdem ich das erfahren habe( 1.WBJ,4 Wochen zum Monatsende...) Im 2. Jahr hätte es von den Kündigungsfristen schon nicht mehr gereicht...

Brutus
01.11.2016, 15:26
Wer schreibt, der bleibt! Alle Dienstanweisungen schriftliche geben lassen. Dann hast Du im Zweifel Schriftstücke, die man vorlegen kann.
Zu der Kündigung: wenn man wirklich gehen will, kündigen. Wenn es von den Fristen nicht klappt, und man mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, weiterzuarbeiten... ;-)

WackenDoc
01.11.2016, 15:32
Wenn es hart auf hart kommt, wird niemand hinter dir stehen. Und es wird sich niemand an irgendwas Mündliches erinnern.

anignu
01.11.2016, 19:35
Auf der anderen Seite muss man auch sagen: ohne kaltes Wasser kommt man auch nicht voran. Ich hab mich auch ständig mit neuen Situationen überfordert gefühlt. Plötzlich alleine auf Station ohne von irgendwas eine Ahnung zu haben. Alleine Visite zu machen ohne zu wissen wie der Hase läuft. Alleine in der Notaufnahme zu sein ohne überhaupt jemals zumindest die Räumlichkeiten von innen gesehen zu haben. Plötzlich ganz alleine in der Nacht für ein ganzes Haus incl. Intensiv zuständig sein ohne dass noch irgendein weiterer Arzt da ist. Plötzlich vom Chef alleine in den OP geschickt werden für eine OP...
Anders gesagt: man wächst mit seinen Aufgaben. Monatelange Einarbeitungsphasen hab ich nirgendwo erlebt.

Und zum ganzen juristischen Zeugs: man kann im Zweifel jederzeit den Hintergrunddienst anrufen. Facharztstandard. Ich hab zu Beginn meiner Tätigkeit in der Notaufnahme das Telefon sehr oft benutzt. Das ist für den Hintergrund zwar nervig, aber dafür ist er da. Ein Problem bekommst du nur wenn du nicht anrufst und dann Mist machst.

John Silver
08.11.2016, 08:58
Hättest Du gerne als Patient einen Arzt, der mit der Situation überfordert ist, ins "kalte Wasser" geschmissen wurde, nicht weiß, was zu tun ist, und sich eben durchwurschtelt? Stell Dir vor, dass Deine Mutter auf einer IMC liegt, sagenwirmal nach einer Pankreasresektion oder einem Katheter bei schwerem Myokardinfarkt, und von einem überforderten Anfänger betreut wird. Ein gutes Gefühl, nicht wahr? Ein Hintergrund ist schön, solange man ein Problem merkt, und den Hintergrund konsultiert. Das Problem der Anfänger ist häufig, dass sie mangels Wissen und Erfahrung Probleme zu spät erkennen. Dann hilft auch kein Hintergrund.