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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : NEF/RTW: Kopfschmerzen und Bewusstseinsverlust



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Miss_H
19.06.2017, 20:54
Draußen können wir wenig für sie tun. Sie muss also ins KH und ich würde in ein Haus fahren mit Neurochirurgie und Gefäßchiurgie. Und ich würde auch mit Partylicht und -musik fahren.
Natürlich würde ich die Patientin vorher noch anmelden und direkt ein CT mit KM klar machen. Wir wollen ja sehen was in ihrem Kopf so los ist. Anmeldung: "Pat. mit rezidivierendem Bewusstseinsverlust bei bekannter Carotisstenose und Z.n.Schlaganfall".
Außerdem würde ich mir schon mal ein Diazepam aufziehen lassen.

abcd
19.06.2017, 21:18
Weiß die Pat., warum sie eine OAK nach Schlaganfall bekam? Evtl. auffällige Thrombophilie-Diagnostik? Eine Sinusthrombose ist sicher auch eine der DD.

ehem-user-11022019-1151
19.06.2017, 21:23
Außerdem würde ich mir schon mal ein Diazepam aufziehen lassen.

Warum genau Diazepam? Oder geht es generell um Benzos?

WackenDoc
19.06.2017, 21:35
Diese Bewusstlosigkeiten passieren aber nicht immer dann, wenn sie den Kopf dreht, oder?

Miss_H
19.06.2017, 21:37
Warum genau Diazepam? Oder geht es generell um Benzos?
Ist mir als erstes eingefallen. Wenn es was anderes gibt, dann auch das.

ehem-user-11022019-1151
19.06.2017, 22:17
Okay alles klar, dachte, das habe einen bestimmten Grund :)

Sebastian1
20.06.2017, 07:28
Draußen können wir wenig für sie tun. Sie muss also ins KH und ich würde in ein Haus fahren mit Neurochirurgie und Gefäßchiurgie. Und ich würde auch mit Partylicht und -musik fahren.
Natürlich würde ich die Patientin vorher noch anmelden und direkt ein CT mit KM klar machen. Wir wollen ja sehen was in ihrem Kopf so los ist. Anmeldung: "Pat. mit rezidivierendem Bewusstseinsverlust bei bekannter Carotisstenose und Z.n.Schlaganfall". Außerdem würde ich mir schon mal ein Diazepam aufziehen lassen.

Können wir tun. Gefäßchirurgie haben beide Häuser; wichtigstes Unterscheidungsmerkmal wäre die NCH. Tatsächlich habe ich mich im Verlauf dafür entschieden, das Haus ohne NCH anzufahren....
Diazepam gibt's auf dem NEF nicht, an Benzos wären Midazolam und Lorazepam da.


Weiß die Pat., warum sie eine OAK nach Schlaganfall bekam? Evtl. auffällige Thrombophilie-Diagnostik? Eine Sinusthrombose ist sicher auch eine der DD.

Nein, da war sie leider recht undifferenziert...


Diese Bewusstlosigkeiten passieren aber nicht immer dann, wenn sie den Kopf dreht, oder?

Nein. Lageunabhängig.

Im weiteren Verlauf berichtet die Patientin noch, dass sie nach dem Schlaganfall durch Verlust der Arbeit und des damaligen Partners depressiv geworden sei. Sie habe dann bis vor einem Jahr Fluspirilen-Depotspritzen erhalten, diese dann aber in Absprache mit ihrer Hausärztin dann bei stabilisierter Situation abgesetzt.
Auf explizite Nachfrage meinerseits wurde eine Psychose oder schizoaffektive Erkrankung verneint, es habe sich "nur" um eine Depression gehandelt....

Die Patientin wird wieder bewusstlos, wir sind kurz vor dem Krankenhaus. Die Extremitäten fallen schlaff herunter. Arm heben - fallen lassen - fällt herunter. Arm über das Gesicht der Patientin heben - fallen lassen....oh, der wird ja gehalten.

WackenDoc
20.06.2017, 07:43
An sowas dachte ich auch. Gerade dieses plötzlich Bewusstlos werden und dann zack mit nem dicken Schnaufer wieder wach werden.
Aber ich finde das präklinisch immer etwas schwer abzuschätzen.

Feuerblick
20.06.2017, 08:14
Die Frage mit dem Arm hätte ich auch stellen wollen. War ich wohl zu spät. Die Bewusstseinsverluste klingen selbst für ne Schamanin irgendwie seltsam.
Wie ging es denn weiter? Neurologisch abgeklärt und dann in die Psych?

Heerestorte
20.06.2017, 08:44
Die simuliiiiiert :-))
Ich meine, sie hat ja keine greifbaren körperlichen Defizite/Symptome, wenn man die körperliche Untersuchung und Vitalparameter betrachtet und die bewusstlosen Episoden kann sie ja simulieren, wenn sie geübt ist.

Brutus
20.06.2017, 08:45
Hmmm. Ich hab gerade eine Deja-vú... ;-) ;-) :-))
==> http://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?78376-RTW-NEF-Bewu%DFtlose-Person-an-katholischer-Kirche&p=1533661&viewfull=1#post1533661
So ähnlich? ;-)
Okay, dann war es wohl nicht genau so. Bei uns damals ist sie tatsächlich mit der Sättigung bis auf 40% (!) abgerauscht und hat nicht geatmet. Ob die wirklich wieder angefangen hätte, wer weiß...
Aber den Armversuch habe ich m.W.n. damals nicht gemacht. Dafür war mir die Sättigung zu schlecht. Da musste erstmal wieder ruhiges Fahrwasser erreicht werden. ;-)

Aber diese psychogenen "Anfälle" sind immer wieder erstaunlich. Dass man den Patienten wirklich böse Dinge antun kann (siehe die Protituierte aus einem anderen Fallbeispiel, der wurde mit den Fingernägeln in die Nasescheidewand gekniffen / die Ohrläppchen verdreht), und die noch nicht mal mit den Augenlidern zucken, dann aber den Arm elegant neben dem Körper herunterfallen / -führen lassen, das ist schon sehenswert. Und ich verurteile KEINEN Notarzt, der da von einer lebensbedrohlichen Situation ausgeht und die Patienten intubiert und in den "Schockraum" fährt...

Schönes Fallbeispiel Seb. Danke!

Sebastian1
20.06.2017, 09:08
Nach Abklärung in der Klinik - einmal durch die diagnostische Mühle der Neurologie gedreht worden - hat sich die Patientin selbst entlassen. Ein organisches Korrelat der Beschwerden wurde nicht gefunden. Ich habe sie tatsächlich auch bereits mit dem Verdacht auf ein dissoziatives Geschehen dort vorgestellt und war mir da auch präklinisch schon recht sicher, da die Befunde einfach nicht übereinstimmten. Meist hatte ich ja bisher dissoziative Krampfanfälle beobachtet; auch da gibt's ja letztlich häufig Merkmale, die Hinweise geben können. Ist aber nicht wirklich immer einwandfrei einzuschätzen.
Für die Patienten ist das ganze damit natürlich nicht immer einfacher. Denn fehlt das organische Korrelat, dann wird da schnell ein "hat nix" oder "simuliert" draus. Einen Krankheitswert hat das ganze natürlich schon, nur vermutlich eher auf psychosomatischer Ebene.

Das Fallbeispiel habe ich ausgewählt, da die Symptomatik erstmal recht eindrücklich erschien und einen gut auf die falsche Fährte locken konnte. Hier war die Konstellation aus gezielter Anamnese und Diskrepanz zwischen Geschehen und objektiven Befunden schliesslich zielführend.

Danke fürs mitmachen :-)

*milkakuh*
20.06.2017, 09:08
Wobei simulieren und dissoziative Anfälle ja einen Unterschied darstellen.....

Edit: Seb war schneller.

Feuerblick
20.06.2017, 09:24
Solche Fallbeispiele sind schon alleine deshalb immer gut, weil man im Ernstfall vielleicht eher auch mal diese Differentialdiagnose in Betracht zieht...
Danke dafür (auch wenn mich so ein Ernstfall natürlich nie ereilen wird)! :-)