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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gründe für Kindstaufe



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Trianna
16.09.2017, 12:00
Naja, militant bin ich sicherlich nicht. Ich stelle für mich die Sinnhaftigkeit der Verwebung von Kirche und staatlichen Angelegenheiten in Frage.

Das Argument "Das war aber schon immer so" finde ich nicht sonderlich kraftvoll.

Und es glauben auch sicherlich ein paar mehr nicht.

Wobei es mir nicht um den Glauben geht (spannend wäre sicherlich auch die Erhebung, ob jeder, der getauft ist, auch gläubig ist - sicherlich nicht).

Feuerblick
16.09.2017, 12:05
Du möchtest aber etwas abschaffen, das Teil der Gesellschaft ist und das dich stört. Das ist missionarischer Eifer, denn du willst anderen deinen Nicht-Glauben damit aufzwingen.
Es steht dir frei, nicht zu glauben. Es steht dir frei, entsprechende "kirchlich" geführte Einrichtungen zu meiden. Sie aber abschaffen zu wollen, belästigt diejenigen, die Kirchenmitglieder sind, gläubig sind etc.

Leben und leben lassen...

Solara
16.09.2017, 12:12
Nicht-Gläubige Angestellte sicher in Bayern, muslima kenne ich persönlich jetzt keine, kann aber bei ernsthaftem Interesse gerne rumfragen. Übrigens war mein damaliger Kindergarten (kathol) von offen in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebender Leitung geführt worden. Und ich bin jetzt keine 20 mehr ;-), ist also schon vor einiger Zeit so gewesen. Auf dem Land. In Bayern.

Trianna
16.09.2017, 12:14
Und das ist eben das Argument, was ich für nicht kraftvoll erachte.

Dass Frauen beispielsweise nicht wählen durften, war auch Teil der Gesellschaft, bis es irgendwann in Frage gestellt wurde.

Was ist daran verwerflich, wenn ich persönlich Religion und Glauben als Privatsache ansehe, die mMn nicht mit staatlichen Angelegenheiten verwoben sein sollte und für mich diesbezüglich ein Redebedarf gesellschaftlich vorliegt.

Feuerblick
16.09.2017, 12:18
Du wirst immer irgendetwas finden, was früher so war und dann abgeschafft wurde. Diese Argumentation hinkt nicht weniger. Wir leben ja auch nicht mehr in Höhlen.

Bleibt dir unbelassen, dass du da Redebedarf siehst.
Ich sehe keinen...

Trianna
16.09.2017, 12:23
K


Lala (sonst darf ich nicht abschicken ^^)

Relaxometrie
16.09.2017, 17:30
Aber warum bewirbt man sich dann an einer Einrichtung, die "kirchlich" ist, wenn man das doch so absolut ablehnt?
Weißt Du, ohne nachzulesen, was die "Staatsleistungen" sind?

Feuerblick
16.09.2017, 17:34
Was hat das mit dem Grundgedanken der Einrichtung zu tun?

Evil
16.09.2017, 17:53
Eben. Ein privater oder kommerzieller Träger wird ja auch seine eigenen Regeln machen. Und dann halt nur die Leute einstellen, die dazu passen.

Feuerblick
16.09.2017, 18:01
Und in einem Sozialstaat muss man leider auch damit rechnen, dass das gezahlte Steuergeld für Dinge draufgeht, die man nicht gut findet. Mein Bundesland hat beispielsweise gerade beschlossen, alle Kindergartenplätze kostenlos zu machen. Ich hab keine Kinder und will keine. Für mich also rausgeschmissenes Geld (überspitzt formuliert).

Auch staatliche Einrichtungen entscheiden frei, wen sie einstellen und wen nicht. Falsche Körpergröße, zu schlechte Augen? Tja, Pech gehabt - Polizei is nich...
Dass der Staat etwas bezahlt, bedeutet nicht zwingend, dass die jeweilige Einrichtung nicht bestimmen könnte, wer dort mitspielen darf. Die einen tun es offen und weisen darauf hin, die anderen nehmen das Hintertürchen und lehnen Bewerber einfach so ab.

Dafür muss man sich nicht künstlich an kirchlichen Einrichtungen hochziehen. Es sei denn, man möchte eigentlich einen Feldzug gegen die Kirche führen, weil die einem irgendwann mal irgendetwas getan haben und man daher auf eine Art Rache sinnt. :-nix

Und außerdem sind wir damit schon länger Off-Topic.

Sebastian1
16.09.2017, 18:43
Wer aber bewusst ausgetreten ist und sich damit bewusst gegen Kirche entscheiden hat, muss ich (und ich finde aus gutem Grund) schon Fragen gefallen lassen, wieso er sich dann ausgerechnet an einer solchen Einrichtung bewirbt.
Ich unterschreibe sonst die meisten deiner Aussagen hier im Thread, Funkel, aber in diesem Punkt ein klares "Jein". Das mag so sein, wenn man sich bewusst (als mündiger Erwachsener) für einen Eintritt uns später für einen Austritt entschieden hat.
Aber wenn ich ein Kind taufe (was für mich übrigens nicht nur eine Entscheidung für das Kind ist, sondern auch für mich als erwachsenen Elternteil), und dieses Kind sich als Erwachsener zum Austritt entscheidet, dann wäre es eigentlich fair, wenn man es ebenso behandelte wie jemanden, der nie getauft wurde. Tut man aber nicht. Das ist dann eine Güterabwägung.
2012 haben wir (nicht nur hier) übrigens eine ähnlich gelagerte Debatte um die rituelle Beschneidung (von Jungen) disktuiert, teilweise fühle ich mich daran erinnert (wobei ich die körperliche Unversehrtheit hier nochmal anders sehe, nichtsdestptrotz gibts da argumentative Parallelen).

Feuerblick
16.09.2017, 18:53
@Seb: Ich konkretisiere das wohl mal. Von mir aus wäre es völlig okay, wenn ein aus der Kirche ausgetretener Mensch an einer kirchlich betriebenen Einrichtung (KiGa, KH) arbeiten würde. Da besteht eindeutig Verbesserungsbedarf.
ABER wenn ein erwachsener Mensch für sich beschließt, Kirche als solche nicht gut oder gar übergriffig zu finden, den Glauben, die Werte als überflüssig zu betrachten und daher auszutreten, dann muss es doch ein wenig verwundern, wenn er für einen kirchlich geführten Betrieb arbeiten möchte. Damit würde er sich ja wieder zur Kirche und deren Werte bekennen, denn die meisten Einrichtungen leben das auf ihre Art und Weise - die einen spürbarer, die anderen subtiler. Das ist für mich einfach ein Widerspruch und da würde ich als Personaler durchaus mal nachfragen. Man würde ja einen ehemaligen Zivi, der sich für eine Bundeswehrlaufbahn bewirbt, auch fragen, wie er jetzt darauf kommt, oder?
Das alles hat aber nichts damit zu tun, ob man nun jemanden einstellt, der aus der Kirche ausgetreten ist. Das ist in der Tat Güterabwägung und bleibt letztlich der Orga selbst überlassen.

Espressa
16.09.2017, 19:33
ich sehe es eigentlich wie Funkel. Mir käme es zB nich in den Sinn, irgendwo arbeiten zu wollen, wo strenger Atheismus oder Scientology-Mitgliedschaft vorausgesetzt würde, egal wie deren Konditionen wären. Bzw fände ich es ok, wenn die mich aufgrund kirchenzugehörigkeit oder Weigerung deren Sekte beizutreten, ausschließen würden.

Was mich aber arg wundert, ist wieso kirchliche (christliche) Häuser zB ohne zu zucken Muslime einstellen, wo doch deren Glaubensprinzipien noch wesentlich weiter abweichen, als die Haltung eines neutralen Atheisten.

Relaxometrie
16.09.2017, 20:54
Aber wenn ich ein Kind taufe (was für mich übrigens nicht nur eine Entscheidung für das Kind ist, sondern auch für mich als erwachsenen Elternteil), und dieses Kind sich als Erwachsener zum Austritt entscheidet, dann wäre es eigentlich fair, wenn man es ebenso behandelte wie jemanden, der nie getauft wurde. Tut man aber nicht.
Genau wegen dieser Ungleichbehandlung ("als Minderjähriger getauft und als Erwachsener aus der Kirche ausgetreten" vs "nie getauft worden") lehne ich die Kindstaufe ab.





2012 haben wir (nicht nur hier) übrigens eine ähnlich gelagerte Debatte um die rituelle Beschneidung (von Jungen) disktuiert, teilweise fühle ich mich daran erinnert (wobei ich die körperliche Unversehrtheit hier nochmal anders sehe, nichtsdestptrotz gibts da argumentative Parallelen).
Diese argumentativen Parallelen sehe ich auch. Beide Handlungen werden aus Glaubensmotiven heraus an Minderjährigen vollzogen. Beide Handlungen sind für den späteren Erwachsener nicht restlos umkehrbar, wenn er eventuell zu einer anderen Einstellung zum Glauben kommt, als sie von den Eltern (wenn auch im besten Wissen) vorgesehen war.

Relaxometrie
16.09.2017, 21:17
Mir käme es zB nich in den Sinn, irgendwo arbeiten zu wollen, wo strenger Atheismus oder Scientology-Mitgliedschaft vorausgesetzt würde, egal wie deren Konditionen wären. Bzw fände ich es ok, wenn die mich aufgrund kirchenzugehörigkeit oder Weigerung deren Sekte beizutreten, ausschließen
Arbeitgeber, die mir von deren Ideologie nicht gefallen, sind mir so lange egal, wie sie sich selbst finanzieren.
Kirchliche Krankenhäuser werden aber weitestgehend so finanziert, wie die Krankenhäuser in nicht-kirchlicher Trägerschaft (duale Finanzierung). Insofern sehe ich nicht ein, daß die Kirche als "großmütiger Träger" die Musik bestimmt und das Arbeitsrecht nach ihren Maßstäben auslegt.

Espressa
17.09.2017, 07:00
Arbeitgeber, die mir von deren Ideologie nicht gefallen, sind mir so lange egal, wie sie sich selbst finanzieren.
Kirchliche Krankenhäuser werden aber weitestgehend so finanziert, wie die Krankenhäuser in nicht-kirchlicher Trägerschaft (duale Finanzierung). Insofern sehe ich nicht ein, daß die Kirche als "großmütiger Träger" die Musik bestimmt und das Arbeitsrecht nach ihren Maßstäben auslegt.

Hast du dazu Quellen? Ich war schon der Meinung, dass zB die barmherzigen Brüder recht erfolgreich gewirtschaftet haben, und zwar vielleicht von der Kirche bezuschusst wurden, aber das fände ich ok.
Ansonsten funkels Beispiel mit der Polizei, oder evt stellen die parteipolitisch selektionieren - nehmen auch nicht jeden, trotz staatlicher Finanzierung.
Beim Krankenhaus könnte man es selbst mit staatlichen Geldern aber auch so sehen, dass damit nicht die selektionierten Mitarbeiter "bevorzugt" werden, sondern die behandelten Menschen, denen die Medizin ja unabhängig ihrer Konfession zuteil wird.

Evil
17.09.2017, 07:53
Kirchliche Krankenhäuser werden aber weitestgehend so finanziert, wie die Krankenhäuser in nicht-kirchlicher Trägerschaft (duale Finanzierung.
Und wo ist da der Unterschied zu kommunalen oder privaten Trägern, die ebenfalls ihre eigenen Spielregeln haben?

Relaxometrie
17.09.2017, 08:32
Hast du dazu Quellen? Ich war schon der Meinung, dass zB die barmherzigen Brüder recht erfolgreich gewirtschaftet haben, und zwar vielleicht von der Kirche bezuschusst wurden, aber das fände ich ok.
http://www.kirchensteuer.de/node/61

WackenDoc
17.09.2017, 11:59
Gesundheitliche Auswahlkriterien bei Polizei oder Bundeswehr haben Sachgründe die auf den Belastungen des Arbeitsplatzes beruhen. Alleine schon bei Angestellten und Verwaltungsbeamten gibt es so gut wie keine Ausschlüsse.
Allerdings wird das Bekenntnis zur (Landes)Verfassung, beim Bund zur FDGO gefordert.

Früheres Zividasein ist beim Bund kein Problem. Man muss nur seinen früheren Antrag widerrufen (dafür braucht es keine Begründung) und üblicherweise wird das im Bewerbungsgespräch thematisiert- da reicht aber an sich auch "ich war damals jung/bin in einem pazifistischen Umfeld aufgewachsen, jetzt hat sich meine Einstellung geändert".

Das finde ich übrigens auch einen Knackpunkt was kirchliche Arbeitgeber angeht- es würde ja reichen, dass man sich vertraglich zu den vom Arbeitgeber vertretenen Werten bekennt- macht das Rote Kreuz z.B. auch.

AryaStark
20.09.2017, 12:34
Ich selbst bin getauft, aber seit ca. dem 13. Lebensjahr Agnostikerin. Komme aus einer sehr milde evangelischen Familie, sprich: einige Familienmitglieder sind gläubig und gehen ab und zu ganz gern in die Kirche. Andere sind nicht gläubig. Es gibt darüber keinerlei Konflikte, weil keiner irgendwie "extrem" bei der Sache ist. Find ich sehr angenehm.


Da ich selbst nicht religiös bin, hab ich erstmal recht wenig Gründe, potenzielle Kinder taufen zu lassen. Allerdings find ich das Konzept der Paten toll. Bei mir und meinen Geschwistern hatte jeder 2-3 Patentanten bzw. -onkel. Die meisten davon sind nicht mit uns verwandt, sondern einfach gute Freunde meiner Eltern. Es gab schon irgendwie immer einen etwas engeren, besonderen Bezug zwischen Patentante /-onkel und Patenkind.

Darum würde ich für meine potenziellen Kinder eigentlich auch ganz gerne Paten auswählen, aus meinen Geschwistern und engen Freunden. Klar ließe sich das theoretisch auch "einfach so" machen, aber mit der Taufe ist das einfach etablierter. Das wäre für mich persönlich also wahrscheinlich der ausschlaggebende Punkt.

Die Tatsache, dass das Kind ggf. "gegen seinen Willen" getauft wird, finde ich ehrlich gesagt nicht schlimm, und ich kann da ja aus eigener Erfahrung sprechen. Die christliche Taufe ist ja zum Glück völlig harmlos. Es wird keinerlei bleibender Schaden hinterlassen. (Im Gegensatz zu bspw. Beschneidung.) Mal ganz doof gesagt: als nicht religiöse Person ist es mir doch im Nachhinein völlig egal, ob mir damals ein bisschen Wasser übergepleddert wurde oder nicht :-) für meine Familie war es ein schöner Tag, es hat mir vermutlich meine Patentanten näher gebracht, und für mein persönliches Leben jetzt ist es ansonsten völlig irrelevant.