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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Helios als Arbeitgeber



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mbs
02.07.2021, 19:44
Hier in dieser Diskussion will ich mich nur einen Eindruck darüber verschaffen wie die Lage bei Helios allgemein ist. Was standortspezifisches Problem ist und was tatsächlich ein Problem von einem Klinikkonzern ist hinter dem ein börsennotiertes Unternehmen steht. Relevant ist das insofern, als dass dieses Unternehmen für den Gesundheitsmarkt immer relevanter wird. Helios kauft ja auch eine Klinik nach der anderen auf.

ehem-user-02-08-2021-1033
02.07.2021, 20:14
Wie sieht es da eigentlich mit Altersvorsorge aus? Der öffentliche Dienst hat ja VBL.

mbs
04.07.2021, 09:56
Habe ich mich noch nicht mit auseinandergesetzt, scheint mir eher ein nachrangiger Aspekt zu sein.

Weiß eigentlich jemand wie man die Umsatzzahlen der letzten Monate sehen kann? Da Fresenius eine Aktiengesellschaft ist müsste man das ja irgendwo finden können. Davon hängen vermutlich auch Vertragsverlängerungen ab. Was eigentlich widersinnig ist, da Personalbedarfsplanung ja einen Horizon von mehreren Jahren umfasst, und nicht von Monat zu Monat betrieben werden kann. Wobei Helios ja auch Halbjahresverträge macht, scheint gar nicht so ungewöhnlich zu sein. Aktuell ist es sicher auch schwer vorauszusagen wie sich die Lage nach COVID entwickeln wird, ob man fallzahltechnisch wieder auf das alte Niveau zurückkommen wird.

juke5489
04.07.2021, 11:14
Finanzberichte und Quartalszahlen sind auf der Fresenius Homepage zu finden.

Brutus
04.07.2021, 11:48
Wie sieht es da eigentlich mit Altersvorsorge aus? Der öffentliche Dienst hat ja VBL.
Da muss man schön vorsichtig sein. Ich war ja auch mal bei einem privaten Träger. Da war es so geregelt, dass es genau die gleichen Förderungen bezüglich der Altersversorgung gab, wie bei der Kirche. Sprich, 4 % vom Gehalt wurden als betriebliche Altersvorsorge über eine private Versicherung realisiert. Aber Vorsicht. Diese Versicherung wird erst dann gültig, wenn man 5 Jahre in dieselbe eingezahlt hat. Sprich, wenn man nach zwei Jahren kündigt, oder der Arbeitgeber pleite geht., dann kann es sein, dass die ganzen ein gezahlten Beiträge im Nirvana verschwinden.

ehem-user-02-08-2021-1033
04.07.2021, 11:51
Habe ich mich noch nicht mit auseinandergesetzt, scheint mir eher ein nachrangiger Aspekt zu sein.


Also die VBL sind bei einem kompletten Berufsleben in der Klinik über 1000 Euro monatlich im Alter.

milz
04.07.2021, 13:03
Die VBL erhöhen auch die Steuerlast (= weniger netto) und bei Auszahlung wird nocheinmal versteuert plus Krankenkassenbeitrag. Meiner Meinung nach ist das eine Mogelpackung, aber das muss jeder selbst für sich durchrechnen. Im Zweifel hat man eh nicht die Wahl.

mbs
04.07.2021, 17:15
Man muss erstmal bis zu einem potenziellen Endpunkt des Berufslebens überleben. Verträge verlängert bekommen, oder den Job einfach nur aushalten ohne dabei kaputt zu gehen. Letzteres ist meiner Meinung nach das allerwichtigste - wer weiß was die Zukunft bringt, man muss jetzt irgendwie klarkommen.

Und ich finde es einfach zum Teil grenzwertig wie bei kommerziell orientierten Trägern mit Mitarbeitern, die ja scheinbar nur ein Kostenfaktor sind, umgegangen wird. Hier laufen demnächst ein paar Verträge aus, mal sehen wie es dann weitergehen wird, wer am Ende noch übrig bleibt. Angeblich will Helios ja keine Fachärzte, aber auch keine erfahrenen Assistenzärzte. Scheinbar ist da der Kosten-Nutzen-Faktor nicht optimal.

Wie groß bei solchen Fragen die Macht der Chefärzte ist hab ich aber nach wie vor noch nicht durchschaut. Hängt sicher auch von den Zahlen ab die eine Abteilung liefert. Wobei letztere ja immer gewissen, teilweise auch unbeeinflussbaren oder saisonalen Schwankungen unterliegen, Personalbedarfsplanung aber eigentlich einen Horizont von mehreren Jahren umfassen sollte - allein schon weil jeder Mitarbeiter eigentlich einen Planungshorizont braucht um auch privat mal ein paar Entscheidungen treffen zu können.

firstdayofwinter
04.07.2021, 21:29
Meine persönliche Erfahrung mit dem grünen H war katastrophal. Hab aber auch gehört, dass es nicht an allen Standorten gleich oder ähnlich ist. Das größte Problem, womit ich zuvor nie gerechtet hatte, war das extreme Sparen an nicht ärztlichem Personal sowie Material. In meinem ersten Haus gab es einen Blutabnahmedienst und Butterflies, Dinge ich die ursprünglich für selbstverständlich hielt, gab es im Helioshaus nicht. Es gab auch nicht genug Putzpersonal, sodass die Mülleimer überquollen und die Toiletten mit Exkrementen voll waren. In den meist kaputten Aufzügen hing Dreck an den Tasten. Essensdamen gab es auch nicht, zusätzlich zum Pflegemangel, sodass das Pflegepersonal teilweise wirklich mit den Nerven am Ende waren und du im Notfall nur auf eine mürrische Schwester triffst die die Tür knallt und Essen austeilen geht anstatt dir beim Notfall zu assistieren. Zu guter letzt gab es auch nicht immer saubere Wäsche, die Dienstzimmern wurden nicht geputzt, das Computersystem war natürlich eine Katastrophe.

Habs sogar noch ein bisschen verschönert weil H wirklich gruselig ist...

Hoppla-Daisy
04.07.2021, 21:35
Oh mein Gott! Das deckt sich auch weitestgehend mit den Erzählungen einer Freundin, die als Patientin „zu Gast“ war. Sie musste frisch operiert 3,5 Stunden trotz stärkster Schmerzen auf Analgesie warten. Als sie nach der Bettpfanne fragte, bekam sie diese von der einen Schwester, um von der anderen nachher angeherrscht zu werden, sie müsste aufstehen und selbst zur Toilette gehen. „Wenn es mir möglich gewesen wäre, hätte ich dies wohl getan…..“ erwiderte sie innerlich schon brodelnd. So ging es wohl die ganzen Tage nach ihrer bariatrischen OP…. Traurig!

Thomas24
04.07.2021, 21:37
Wow. Das hätte ich fotodokumentiert und an die Klinikleitung, Geschäftsleitung und Konzern PR geschickt, ob das denn alles so seine Richtigkeit habe. Und wer weiß, wenn sich nichts bessert, könnte manches auch an Presse und Regierungspräsidium durchsickern. Man hört ja so vieles über Whistleblower heutzutage.

firstdayofwinter
04.07.2021, 22:39
Meanwhile lief die Geschäftsleitung als Transportdienst getarnt durch die Flure um zu kontrollieren, ob Mitarbeiter etwa Patientenwasser trinken würden. Hat auch schon jemanden abgemahnt weil er sich einen Kaffee genommen hat. Viel mehr ist da noch passiert, es ist wirklich gruselig.

Hoppla-Daisy
04.07.2021, 22:45
Transportdienst? Der wird hier abgeschafft. Auch anderes nicht medizinisches Personal wurde gekündigt, weil externes Personal günstiger ist.

Nachts darf sich nun die Pflege der Notaufnahme um den Empfang kümmern. Die haben ja nicht schon genug zu tun!

Alles in allem wird der Pflege so viel mehr Arbeit aufgedrückt, dass sich schon nicht wenige überlegen, ob sie sich was Anderes suchen. Und das nach nicht selten 25-30 Jahren im Haus…..

Ausbeutung pur. Zieh mit und halte die Schnauze oder geh :-nix. Das ist die Devise. Jedem, der irgendwie vom Schema abweicht, wird unmissverständlich klar gemacht, dass es doch besser sei, sich was Anderes zu suchen.

Ich bekomme mittlerweile Kotzreiz, wenn ich an das grüne H denke!

Thomas24
05.07.2021, 21:04
Habe ich mich noch nicht mit auseinandergesetzt, scheint mir eher ein nachrangiger Aspekt zu sein.

Weiß eigentlich jemand wie man die Umsatzzahlen der letzten Monate sehen kann? Da Fresenius eine Aktiengesellschaft ist müsste man das ja irgendwo finden können. Davon hängen vermutlich auch Vertragsverlängerungen ab. Was eigentlich widersinnig ist, da Personalbedarfsplanung ja einen Horizon von mehreren Jahren umfasst, und nicht von Monat zu Monat betrieben werden kann. Wobei Helios ja auch Halbjahresverträge macht, scheint gar nicht so ungewöhnlich zu sein. Aktuell ist es sicher auch schwer vorauszusagen wie sich die Lage nach COVID entwickeln wird, ob man fallzahltechnisch wieder auf das alte Niveau zurückkommen wird.

Anfrage an Investors Relations
https://www.freseniusmedicalcare.com/de/investoren/ueberblick-investoren/

https://www.freseniusmedicalcare.com/de/investoren/irkontakte/

John Silver
06.07.2021, 08:35
Die Frage nach der Personalentwicklung beantwortet Helios doch prima selbst, zumindest in internen Dokumenten für die Führungsebene. Ich fühle mich so frei, daraus sinngemäß zu zitieren: Für 2021 und folgende Jahre wird mit einer Abnahme der Fallzahlen um ca. 7% gerechnet, woraus ein Umsatz- und Gewinnrückgang von 4 bis 4,5% abgeleitet wird. Da Einsparungen beim Pflegepersonal nicht zu Kosteneinsparungen führen, wird es Einsparungen bei Ärzten und sonstigem nichtärztlichem Personal geben; freilich soll dabei die Leistung weiterhin maximal sein. Insbesondere in kleinen Häusern will man Stellen der Ärzte in Weiterbildung einsparen, indem man interdisziplinäre Dienste einführt und dadurch die notwendige Anzahl der WBAs reduziert, denn bekanntlich braucht man die WBAs planungstechnisch nur für Dienste. Weiteres Einsparpotential, wenngleich in eher geringem Ausmaß, erwartet man von der Substitution der WBAs durch Physician Assistants etc.

Wer denkt, das alles sei durch Corona gekommen, irrt. Die meisten dieser Pläne gab es schon vorher. Corona hat nur die Dringlichkeit der Umsetzung in den Augen der GF in der Zentrale erhöht. Bereits 2018 hatte ich ein Gespräch mit der nunmehr zur konzernweiten Personalvoständin (oder so) aufgestiegenen gewissen Dame, die mir all diese Dinge bereits damals durch die Blume angekündigt hat.

Als Facharzt einer profitablen Abteilung lebt man bei Helios nicht schlecht, wenn man aus einer anderen Klinik kommt und einen guten AT-Vertrag aushandelt. Allen anderen wird es bald mehr oder minder deutlich an den Kragen gehen.

Mukopolysaccharid
06.07.2021, 09:08
Frag mich nur wer dort freiwillig arbeiten will, zumindest als Assistenzarzt
Langfristig kommt der mit dem Konzept doch nicht weiter ? Ich habe genug andere Optionen. Hab mir zum Spaß so ein Haus angeschaut. Maximale Fluktuationen beim Personal… Weiterbildung auch schlecht, gibt keine Fortbildungen etc.

Schön für den Konzern Helios, wenn er Geld sparen kann. Doof wenn da niemand mitmacht. Wobei glaube ich viele ausländische Ärzte die Option Helios als Sprungbrett nehmen, um immerhin einen Arbeitsvertrag zu bekommen …

Endoplasmatisches Reticulum
06.07.2021, 11:34
Naja, der Trend geht halt wie immer zur Monopolisierung. Wenn man irgendwann nur noch die Wahl zwischen Unikliniken, Billigketten oder Umzug und Arbeiten am Arsch der Welt hat, was macht man? Läuft, auch wie immer, eher auf eine weitere Intensivierung des Prinzips "Augen zu und durch" hinaus, was die Assistenzzeit betrifft.

hebdo
06.07.2021, 13:37
Ich denke, dass das System „Helios“ die Zukunft wird. Der Arzt wird in vielen Bereichen als Supervisor agieren: Unterzeichnen und Verantwortung tragen. Ziel wird die Maximierung der Patientenanzahl je Arzt ohne dass der Arzt selbst mehr sondern eher weniger Patientenkontakte haben wird. Der Schlüssel hierzu werden PAs sein. Ich kenne Konzepte sogar für die hausärztliche Versorgung.

Ich bin nur mal gespannt, wie sich die Vergütung und Überversorgung vor allem im Bereich der Behandlungen entwickeln wird.

Nefazodon
06.07.2021, 13:50
Frag mich nur wer dort freiwillig arbeiten will, zumindest als Assistenzarzt
Langfristig kommt der mit dem Konzept doch nicht weiter ? Ich habe genug andere Optionen. Hab mir zum Spaß so ein Haus angeschaut. Maximale Fluktuationen beim Personal… Weiterbildung auch schlecht, gibt keine Fortbildungen etc.

Schön für den Konzern Helios, wenn er Geld sparen kann. Doof wenn da niemand mitmacht. Wobei glaube ich viele ausländische Ärzte die Option Helios als Sprungbrett nehmen, um immerhin einen Arbeitsvertrag zu bekommen …

Tja, irgendwer findet sich immer :-nix

Mediziner sind eben sehr *pflichtbewusst* und leidensfähig...

Ich hatte neulich noch ein Bewerbungsgespräch wo ich mich sehr über die Dienstbedingungen gewundert habe....praktisch Vollarbeit 24h. Aber so lange es da keinen Aufschrei gibt und es die Leute mit sich machen lassen...:-oopss:-nix

Viele empfinden es eben als Privileg Arzt zu sein und zu unmöglichen Bedingungen zu arbeiten

Bonnerin
06.07.2021, 14:58
Naja, aber mal ein bisschen halblang, Leute. Ist ja jetzt nicht so, als wäre im Vergleich zu HELIOS jede christliche Klitsche eine Offenbarung Gottes im Bezug auf die Arbeitsbedingungen. Oder jede Abteilung jeder Uniklinik...
Ich befürworte das System Fresenius auch nicht, aber man sollte mal wieder die richtigen Akteure kritisieren, nämlich unsere Politiker:innen, denen wir diese gruselige Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen überhaupt erst zu verdanken haben.