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rafiki
08.12.2017, 20:22
LOL! Das wird ja immer absurder :-))

Jo, hast recht, ist leider absurde Realität im deutschen Gesundheitswesen.

flopipop
08.12.2017, 22:01
Aber vielleicht hat ja jemand noch einen guten Vorschlag . Mir wichtig sind:
-kein/kaum chirurgischer Anteil
-kein "Riesenfach" wie z.B. Innere in der Uniklinik
-realistische Option der Niederlassung/Arbeiten außerhalb der Klinik mit fairer Vergütung
-Fach mit Zukunft
-kein kompletter Exot

was ist eigentlich mit kinderradiologie? hat das zukunft? ok, niederlassung eher schlecht, aber die übrigen o.g. punkte könnten doch passen....weiß nicht, wie die arbeitsbedingungen dort sind

Kandra
09.12.2017, 09:23
was ist eigentlich mit kinderradiologie? hat das zukunft? ok, niederlassung eher schlecht, aber die übrigen o.g. punkte könnten doch passen....weiß nicht, wie die arbeitsbedingungen dort sind

Das Kinderkrankenhaus in dem ich PJ gemacht habe, hat nichtmal einen (Kinder-)radiologen. Allerdings auch kein CT.

FirebirdUSA
09.12.2017, 09:32
Kinderrad ist eine Schwerpunktbezeichnung. Also erst Radiologie erforderlich.

Telerad aus Indien ist in Deutschland (bisher) verboten.

Pattern algorithm: das größte Problem ist wohl die fehlende Farbe. Die ganzen Algorithmen funktionieren auf Graustufenbilder nicht richtig. Da gibt es noch viel Arbeit...

flopipop
09.12.2017, 12:56
Kinderrad ist eine Schwerpunktbezeichnung. Also erst Radiologie erforderlich.


Lohnt es sich, diese zu erwerben? wie sind da die arbeitsbedingungen? sind die dienste da genauso anstrengend wie in der allgemeinen radio? kann man dort karriere machen (also oa werden, habilitieren usw) oder werden in zukunft die abteilungen mit der allgemeinen radiologie fusioniert und keine kinderradiologen mehr gebraucht?
ist ja eigentlich eine schöne möglichkeit, eine klinikkarriere zu machen.. und 3 stündige interventionen gibts dort auch nicht:-oopssoder gibts da einen haken, den ich übersehe?

FirebirdUSA
09.12.2017, 18:32
Lohnt es sich, diese zu erwerben? wie sind da die arbeitsbedingungen? sind die dienste da genauso anstrengend wie in der allgemeinen radio? kann man dort karriere machen (also oa werden, habilitieren usw) oder werden in zukunft die abteilungen mit der allgemeinen radiologie fusioniert und keine kinderradiologen mehr gebraucht?
ist ja eigentlich eine schöne möglichkeit, eine klinikkarriere zu machen.. und 3 stündige interventionen gibts dort auch nicht:-oopssoder gibts da einen haken, den ich übersehe?

Wenig Stellen, genutzt eigentlich nur an großen Kliniken, Da du als Radiologe ja immer auch Kinder beurteilen darfst. Für eine gute Befundqualität bei Kindern sinnvoll.

tarumo
09.12.2017, 22:02
Kinderradiologie ist, wie schon ausgeführt, eine Zusatzbezeichung. Expertise ist immer gut, nur ist die Situation so, daß nach meiner Kenntnis weder im stationären noch im ambulanten Bereich die Leistungen besser vergütet werden, als wenn sie ein "Normalradiologe" durchführen würde. Insofern ist das wirtschaftliche Interesse bei potentiellen AG daran "gleich Null". Macht sich nur gut auf der Visitenkarte.
Bei den Interventionsradiologen ist das ein wenig anders, zumindest im KH können einige recht lukrative DRG beansprucht werden. Ein paar Unterschriften im Logbuch machen noch keinen Interventionsradiologen, solange das noch keine anerkannte Zusatzbezeichung ist, bleibt nur bei Interesse entsprechende Erfahrung erwerben und damit gezielt "Hausieren" gehen. Umgekehrt spielt das für eine Praxistätigkeit keine Rolle.
Die paar wenigen KH-Kinderradiologen, die ich kenne, "schwimmen" so in den normalen Dienstplänen mit und haben somit genau die gleichen Rahmenbedingungen wie die Kollegen.

tarumo
10.12.2017, 19:55
http://www.karista.de/berufe/psychiater/gehalt/ bzw. http://www.karista.de/berufe/facharzt-radiologie/gehalt/ Sind die Daten denn realistisch? Bzw. gibt es plausiblere Zahlen?

Die Verträge für angestellte KH-Ärzte sind für alle Fachrichtungen gleich, wenn man was "DRG"-Relevantes kann, darf man aber eher mit einer Beförderung rechnen, oder mehr Poolbeteiligung. Interessant ist in dem Zusammenhang, daß die Stufen für eine AT-Vergütung in den Tabellen je nach AG unterschiedlich hoch liegen. Wobei "AT" jetzt nicht immer von Vorteil sein muß. In den Praxen und z.T. auch MVZ (zumindest solange der MB seine Finger nicht drin hat) sind die Gehälter frei vereinbar und hängen sehr stark von den Rahmenbedingungen vor Ort ab (davon abgesehen, werden die Spielregeln ständig verändert). Es macht also schon einen Unterschied, ob Du in einer fiktive Psychiatrie-Privatpraxis am Starnberger See arbeitest oder als Radiologe in der Uckermark...
94 000 EUR für einen Facharzt Radiologie würde ich im Ausland nicht Spitzengehalt nennen wollen...
Und nochmal zum Thema Automatisation:
-aktuell bist Du ja verpflichtet, einen Gesprächs/Aufklärungsbogen zu unterzeichnen, die Untersuchung mit Facharztstandard zu unterzeichnen und das ganze vielleicht auch nochmal mit KV-Genehmigung, damit Geld fließt. Die Radiologie-OA, die ich kenne, berichten, daß es länger dauert, einen Befund von jemand anders zu korrigieren, als ihn selbst zu erstellen. Es braucht also in jedem Fall einen ganzen Schwung FA/OA für die Abteilung, und ein KH-Geschäftsführer müßte dann entscheiden, ob er 50-100.000 EUR in fragwürdige Software-Applikationen steckt oder doch lieber fürs gleiche Geld zwei Assistenzärzte beschäftigt (die man dann auch noch zum Braunülen legen, Gespräche führen oder ähnliches verdonnern könnte).
So ähnlich, wie die Automatisation in fast 200 Jahren Eisenbahn nicht über ein paar U-Bahnen und Flughafenshuttles hinausgekommen ist, wird das ganze auch durch die nicht mögliche Standardisation scheitern. Eine Abdomen-Untersuchung z.B. läßt sich praktisch nicht standardisieren, kein Computer der Welt kann aus "Pat. bekannt", "bitte Bericht" "Labor liegt noch nicht vor" oder "Ileus, Ischämie, Steine, Abszess, Tumor" ein brauchbares Protokoll generieren. Und natürlich wird der Progammierer nicht für seinen Algorithmus haften wollen und ein Radiologe, der klar im Kopf ist, auch nicht für Entscheidungen der Maschine unterschreiben wollen. Von der Auswertung ganz zu schweigen.
Als Ausnahme sehe ich Programme (gibt es schon), die z.B. eine übersichtliche und standardisierbare Untersuchung wie ein CCT im Rahmen der Stroke-Diagnostik auswerten. Der Computer kann ein ischämiesuspektes Areal in ein paar sec. erkennen, das ganze geht dann per smartphone zu einem ebenfalls nicht vor Ort anwesenden Neurologen und der gibt dann Handlungsanweisungen. Ich glaube, wenn sich das durchsetzt, werden 1000e von Radiologen nachts wieder ruhig schlafen können;-) Aber in deutschen Kliniken wird das eher nicht kommen: es muß ja ohnehin jemand eingeteilt werden, und da Radiologen eher BD arbeiten und nicht Schichtdienst, ist es auch für die Klinik supergünstig (Stichwort: "Minusstunden"). ich glaube nicht, daß irgendein Geschäftsführer einer deutschen Klinik einen hohen fünfstelligen Betrag für eine Software + Wartungskosten ausgibt, damit das ärztliche Personal nachts nur noch halb so oft geweckt wird...
Bestes Beispiel für Automatisation in der Medizin sind die Labormediziner (außerhalb vom KH). Da wird über Hunderte Kilometer Blut oder andere Patiententeile eingesammelt und das ganze landet dann in vollautomatischen Laborstraßen. Trotzdem werden gerade die sehr stark gesucht (und dürften nach meiner persönlichen Einschätzung mit Abstand die besten Gehälter aller angestellten FA bekommen). Der Grund ist simpel: ohne entsprechendes Volumen an angestellten FA, auf die man dann die KV-Genehmigungen laufen lassen kann und damit Geldfluß auslösen (der -nebenbei gesagt- unbudgetiert und damit sehr ordentlich ist) kann, bringen alle Automaten nichts. Ich habe auch noch nie von einem Anruf von einem Kollegen aus so einer Laborfabrik gehört, geschweige denn auf einer Tumorkonferenz oder so einen gesehen.

FirebirdUSA
11.12.2017, 19:12
Also die Algorithmen zur ASPECTS Bestimmung im CCT vertun sich sobald die Anatomie abweicht und brauchen nicht Sekunden sondern eher mehrere Minuten (Die ich bisher gesehen habe). Da bin ich wesentlich schneller....

tarumo
12.12.2017, 08:33
Also die Algorithmen zur ASPECTS Bestimmung im CCT vertun sich sobald die Anatomie abweicht und brauchen nicht Sekunden sondern eher mehrere Minuten (Die ich bisher gesehen habe). Da bin ich wesentlich schneller....

Ja, richtig, es ging aber nicht um das hier und heute, sondern um die Zukunft in 15, 20 Jahren. Da geht es sehr wahscheinlich schon schneller und mit weniger Fehlern. Ob sich der Neurologie die Entscheidung für ´ne Lyse von einer Maschine abnehmen läßt, ist dann die andere Frage. Ich bleibe dabei: die Automatisation ist ein Segen in der Laien- und "Nichtexperten"-Hilfe (wie AED), ansonsten werden weiterhin Menschen das Sagen haben, ganz egal was Industrie und Politik behaupten. Und schon gar nicht würde ich die Fachrichtungswahl von deren Gerede abhängig machen.

davo
12.12.2017, 09:12
Wie Niels Bohr gesagt haben soll: It's hard to make predictions, especially about the future. :-)) :-p

Wenn man bedenkt, dass heute ein Handy mehr Rechenleistung und Funktionen hat als vor 10 Jahren ein Desktop-PC, ist klar, dass sich viel tun wird. Dagegen wird man als Arzt, oder kollektiv als Ärzteschaft, auch gar nichts tun können.

Was man kollektiv als Ärzteschaft aber sehr wohl beeinflussen wird können, ist welche Konsequenzen das auf den Beruf haben wird. Wird das dazu führen, dass man Stellen streicht und die Gehälter gleich bescheiden wie heute bleiben? Oder wird das dazu führen, dass man mehr Zeit für die Patienten hat und die Gehälter steigen? Darauf wird die Ärzteschaft sehr wohl einen Einfluss haben können. Aber in Deutschland sind die Ärzte leider stets sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu vertreten. (Was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass man in Deutschland stets kritisch beäugt wird, wenn man wohlhabend ist, sich etwas leisten kann.) Da könnte man sehr viel von den Ärzten in den USA oder in Kanada oder in Australien oder in Neuseeland lernen - die denken stets mehrere Schritte voraus, formen politische Entscheidungen von Anfang an mit, statt immer nur zu schwach und zu spät auf bereits getroffene politische Entscheidungen zu reagieren.

Davon seine Facharztwahl abhängig zu machen sehe ich auch kritisch. Das würde ich nur dann machen, wenn ich ansonsten wirklich genau gleich fasziniert bin.

FirebirdUSA
12.12.2017, 19:36
Ja, richtig, es ging aber nicht um das hier und heute, sondern um die Zukunft in 15, 20 Jahren. Da geht es sehr wahscheinlich schon schneller und mit weniger Fehlern. Ob sich der Neurologie die Entscheidung für ´ne Lyse von einer Maschine abnehmen läßt, ist dann die andere Frage. Ich bleibe dabei: die Automatisation ist ein Segen in der Laien- und "Nichtexperten"-Hilfe (wie AED), ansonsten werden weiterhin Menschen das Sagen haben, ganz egal was Industrie und Politik behaupten. Und schon gar nicht würde ich die Fachrichtungswahl von deren Gerede abhängig machen.

Seh ich genauso

semper_apertus
12.12.2017, 21:52
Kurze Verständnisfrage: Man kann sich beispielsweise schon direkt bei den Kinder- bzw. Neuroradiologen bewerben als Berufsanfänger, oder? Spricht da irgendetwas dagegen, bzw. würde man davon eher abraten? Und sollte man dann darauf verzichten sich bei den "normalen" Radiologen zu bewerben, wenn die sich im gleichen Haus befinden?

Bille11
12.12.2017, 22:34
Warum möchtest Du Kinder-Radiologe werden?
Weil sie so süss sind?

Man sollte erst den allgemeinen FA des Fachgebiets erwerben, bevor man sich in Spezialgebiete vortastet. Diese kommen im Lauf der Allgemeinzeit schon auf einen zu, bzw. man erarbeitet sie sich zu dem Zeitpunkt. Plan doch erstmal mit ‚Radiologe‘

FirebirdUSA
12.12.2017, 22:36
In der Regel wird such vor der FA Prüfung nur 1 Jahr als Weiterbildung anerkannt. D.h. spätestens nach einem Jahr musst du wieder Wechseln.

semper_apertus
12.12.2017, 22:43
Ok, Danke erstmal für eure Antworten. Im PJ hab ich Berufsanfänger in der Neuroradio gesehen, die eben direkt dort angefangen hatten nach dem Examen, daher dachte ich „das sei normal“. Das man rotieren muss ist mir bewusst, ich dachte halt, man habe dann einfach die Neuroradiologie als „Basisstation“, v.a. perspektivisch gesehen, wenn man weiß, dass man dort später eh bleiben möchte. Also würdet ihr nicht empfehlen sich dort direkt zu bewerben sondern erstmal in der allgemeinen Radiologie anzufangen, auch mit dem Wissen, dass es euch zu den Neuroradiologen zieht.

tarumo
13.12.2017, 07:35
Kurze Verständnisfrage: Man kann sich beispielsweise schon direkt bei den Kinder- bzw. Neuroradiologen bewerben als Berufsanfänger, oder?

Bewerben kannst Du Dich immer, nur ob Du genommen wirst...Sinn macht es, wie gesagt nicht. Zumal es ja immer darum geht, im Rahmen der "Normaldiagnostik" schnell "dienstfähig" zu werden, was den üblichen Methoden der Kinderradiologie eher diametral entgegenläuft. Daß Anfänger gemäß Deinen Beobachtungen in die Neuroradiologie rotieren, kann dagegen schon Sinn machen, weil die Neurodiagnostik einen nicht unbeträchtlichen Teil der "Dienst"-Arbeit ausmachen wird und obendrein noch zeitkritisch ist, so daß man sich nicht für jedes CCT erst mal telefonisch rückversichern sollte.

semper_apertus
13.12.2017, 16:54
Danke für deine Einschätzung tarumo! Ich hatte damals den Eindruck, dass die Neuroradiologen primär den größten Teil der WB-Zeit in der Neurorad verbracht haben (der Chef hatte soweit ich weiß die maximale WB-Ermächtigung) und es gen Ende dann nur noch pro forma zu einer Rotation in die normale Radiologie kam. Aber vielleicht hab ich das wirklich nur falsch wahrgenommen! Nachfragen werd' ich trotzdem mal :-)

tarumo
14.12.2017, 07:34
Selten so einen Unfug gelesen. Tele-Psychotherapie kann für einen sehr begrenzten Personenkreis mit sehr umschriebenen Indikationen infrage kommen. Das meiste, was fundierte Psychotherapie leistet, ist nur in der direkten persönlichen Interaktion möglich.

Es ging dann doch ganz schnell. Bißchen Ärztemangel hier, bißchen Bettenknappheit da und ein wenig "Geldzuckerl" von der GKV (ich meine, es wären 10 EUR Stundenzuschlag im Raum gestanden) und schon hat die erste Klinikkette den Videochat bei Depression:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/prien-video-chat-gegen-depression-1.3791044
Der zweite Schritt ist dann, das ganze nach Indien oder sonstwohin abzugeben, selbstverständlich "qualitätsgemanagt" (solange die GKV das finanziert, wüßte ich nicht, was sonst rechtlich gegen einen Videochat mit einem Psychologen sprechen würde, zumal das ärztliche Fernbehandlungsverbot auch gerade aufgeweicht wird).
Und dann machen wir das ganze im Sinne der GKV-Minimalstbehandlung nach SGB 5 verpflichtend, hat den Vorteil für die GKV, daß man dann wieder die Bettenzahl in den Kliniken nach unten drücken kann.

rafiki
14.12.2017, 08:23
Es ging dann doch ganz schnell. Bißchen Ärztemangel hier, bißchen Bettenknappheit da und ein wenig "Geldzuckerl" von der GKV (ich meine, es wären 10 EUR Stundenzuschlag im Raum gestanden) und schon hat die erste Klinikkette den Videochat bei Depression:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/prien-video-chat-gegen-depression-1.3791044
Der zweite Schritt ist dann, das ganze nach Indien oder sonstwohin abzugeben, selbstverständlich "qualitätsgemanagt" (solange die GKV das finanziert, wüßte ich nicht, was sonst rechtlich gegen einen Videochat mit einem Psychologen sprechen würde, zumal das ärztliche Fernbehandlungsverbot auch gerade aufgeweicht wird).
Und dann machen wir das ganze im Sinne der GKV-Minimalstbehandlung nach SGB 5 verpflichtend, hat den Vorteil für die GKV, daß man dann wieder die Bettenzahl in den Kliniken nach unten drücken kann.

Ja, die Schön-Kliniken sind eine der Haie, die den Leuten ganz ungeniert das Geld aus der Tasche ziehen und das so geschickt tun, dass man oftmals von Patienten hören kann, welch tolle Therapieangebote die doch hätten und wie gut ihnen die Behandlung getan habe. In Fachkreisen ist man diesbezüglich skeptischer.