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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium mit 33 / Arzt noch Traumberuf?



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hexxer
04.01.2018, 21:59
Hallo zusammen,

danke für euren Input. In bin ich über das Zweitstudium ins Studium gekommen. Habe somit keinem Ersti den Platz weggenommen sondern höchstens einem anderen unschlüssigen Zweitstudenten, da das Zweitstudienkontigent fix ist.
Ich hatte die Hoffnung nach einigen Monaten im Studium klarer zusehen was ich will...

Beweggrund wie gesagt ist vor allem der Wunsch nach einer praxisnahen und kontaktfreudigen Arbeit. Wie schon geschrieben scheint der Umgang mit Patienten heutzutage wohl eher anstregend da zu dicht gepackt.

In der Tat würden sich eine Tätigkeit in der Nuklearmedizin/Strahlentherapie anbieten. Hatte hier vor Jahren schon ein Praktikum gemacht und empfand die Tätigkeit extreme PC-lastig. Zudem werden hier auch öfter 2 Fachärtze gemacht ?

Euren Empfehlung nach scheint es klüger zu sein sich mit seiner aktuellen Qualifikation nochmal anderweitig um zusehen.
Vielen Dank euch

Nessiemoo
05.01.2018, 06:06
Also den Studium zu schmeissen, da paar Leute in Internet dazugeraten haben, ist auch nicht das klügste (Auch wenn die Berichte und Ratschläge schon auch sinnvoll waren).

Alles hat Vor- und Nachteile. Wenn Medizinstudium dir gefällt und die finanzielle Situation einigermaßen gesichert ist, probier es doch aus und guck was passiert. Überlege, ob wenn du nach 7 Jahren Studium es schmeißt- wirst du trotzdem froh sein für die Erfahrung/kenntnisse auch wenn aus dir kein Arzt wird oder wirst du (und deine Familie) es bereuen? Ratschläge hin oder her, meistens muss man schon erst im 4. Jahr sein um einigermaßen ein Fachwunsch äußern zu können. Ich finde allemöglichen Praktika vorm Studium stellen kein ausreichendes Bild dar. Wenn es vertretbar ist, guck was die das Studium bringt, häufiger findet man irgendwelche Fächer, die man vorher gar nicht wusste, dass die existieren dann doch sehr interessant. Vielleicht findest du nach 3 Famulaturen Patientenkontakt schrecklich und gehst in die Patho? Vielleicht magst du Patientenkontakt und nimmst paar Jahre Nachtdienste in Kauf und wirst dann doch Allgemeinmediziner? Und wenn alle Stricke reißen, ist ein Physiker mit Medizinabschluss aufjedem Fall begehrt auf dem Arbeitsmarkt.

flopipop
05.01.2018, 08:12
Ich hatte die Hoffnung nach einigen Monaten im Studium klarer zusehen was ich will...


du wirst während des studiums kein realistisches bild des arztalltags bekommen, schon gar nicht nach einigen monaten und wahrscheinlich auch nicht nach einigen jahren. der einzige weg, zu spüren was man will, sind die praktika, wo man möglichst viel machen darf und auch macht. wenn du den kontakt zu patienten wünschst, dann geh am besten irgendwo in die zna (am besten internistische) - und mach dort an einem tag probehalber 30 aufnahmen oder in der radiologie 30 aufklärungen und schau, ob es dir dann noch spaß macht.
im fernsehen und in den studentenkursen sind die patienten so nett, dankbar,differenziert, riechen gut und sind vor allem WENIGE, aber in der realität:
Patient sind alle alt und krank und nerven nur.

Lava
05.01.2018, 08:32
Naja, man muss ja jetzt nicht nur das Schlimme hervorheben ;-)

Notaufnahme macht mir eigentlich meistens schon Spaß. Da kann man in der Unfallchirurgie doch relativ viel Gutes tun. Station finde ich schlimmer.

hexxer
05.01.2018, 08:48
Hallo zusammen,
ich gebe euch Recht, dass eine realistische Einschätzung des Arbeitsalltages erst nach einiger Erfahrung im Job selbst möglich ist. Ging mir bzgl. Physik genauso.

Aktuell bin ich mir leider nicht mehr sicher, ob meine Vorstellung, dass der Arztjob die Erfüllung bringt nicht zu hochgepokert ist. Mit 38 komplett unten anzufangen und zu merken, dass es doch nichts ist wäre fatal... Und dann mit 44 und Facharzt ins richtige Arbeitsleben einzusteigen um endlich mal seinen Lebensunterhalt zu verdienen...
Dennoch glaube ich, dass der Arzt den Luxus hat relevante Arbeit zu verrichten. Man hat ausreichend zu tun, ist beschäftigt und kann meistens noch aktiv werden, sei es auch nur das Legen einer Nadel.

Feuerblick
05.01.2018, 09:31
Ähm... du verdienst auch als Assistenzarzt deinen Lebensunterhalt. Der Gehaltssprung zum Facharzt ist jetzt nicht soooo riesig - insbesondere dann nicht, wenn du dich als angestellter FA niederlässt und/oder keine Dienste mehr machst...

Wieso glaubst du, dass dich der Arztberuf erfüllen würde? Und warum muss dich ein Beruf überhaupt erfüllen?
Der Arztberuf ist ein Job wie jeder andere auch. Nix sonst!!! Zuviel Leidenschaft und Erfüllung schadet in der Regel nur.

Und ob man sich mit Ende 30 wirklich noch sein Sozialleben mit Nacht- und Wochenenddiensten oder Schichtdienst ruinieren möchte, muss man sich auch kritisch fragen. Vom Stress, von nervigen, anspruchsvollen (im Sinne von Ansprüche stellend) Patienten, viel Bürokratie (jaa, auch am Computer...immer mehr sogar!) und Routinearbeiten en masse etc. mal ganz zu schweigen. Das Gras ist auf der anderen Seite immer viel grüner.
Ich an deiner Stelle würde mir ein paar Hospitationen in entsprechenden ärztlichen Abteilungen in Krankenhäusern antun. Da wirst du schnell sehen, wie langweilig der Arztberuf eigentlich meistens ist und wie schön es manchmal ist, KEINEN Patientenkontakt zu haben...

Ich würde mir das an deiner Stelle echt nicht antun, um mit Anfang 40 dann zu merken, dass es auch nicht besser ist als dein bisheriger Job - nur halt anders doof. Such dir lieber in deinem Fach eine Nische, bei denen du mit ausreichend Menschen zu tun hast. Das reicht garantiert aus.

roxolana
05.01.2018, 12:32
Dennoch glaube ich, dass der Arzt den Luxus hat relevante Arbeit zu verrichten. Man hat ausreichend zu tun, ist beschäftigt und kann meistens noch aktiv werden, sei es auch nur das Legen einer Nadel.

Ich denke, das ist eine Illusion, die sich schnell verflüchtigen wird, sobald du wirklich relevante Erfahrung gesammelt hast. Leider kann man sich als Außenstehender meistens nicht vorstellen, wie sinnlos sich die ärztliche Tätigkeit oft anfühlt.

hexxer
05.01.2018, 13:03
Ich denke, das ist eine Illusion, die sich schnell verflüchtigen wird, sobald du wirklich relevante Erfahrung gesammelt hast. Leider kann man sich als Außenstehender meistens nicht vorstellen, wie sinnlos sich die ärztliche Tätigkeit oft anfühlt.

Ein guter Freund meinerseits ist Augenarzt (4. Assistenzjahr) und empfindet die Arbeit meistens als "gut". Möglicherweise weil er gerade operieren lernt... Vielleicht verflüchtigt sich dieser Eindruck bald sobald man in die Routine einsteigt.
Oder die Begeisterung für den Arztberuf im Alltag ist stark gestreut...

Feuerblick
05.01.2018, 13:09
Dann hat er Glück, dass er operieren lernt. Ist gerade in diesem Fach NICHT die Regel. Und der Rest des Jobs ist zwar nett, aber Routine und gerade die Gespräche mit bestimmten Patienten bzw. einem bestimmten Patientenklientel sehr, sehr sinnlos.

Es ist alles Routine - egal in welchem Beruf. Wenn man das vorher verstanden hat, ist man nachher nicht mehr so enttäuscht vom Job.

tragezwerg
05.01.2018, 13:12
Als sinnlos würde ich meine Arbeit auch nicht bezeichnen...und abgesehen von den Nachtdiensten mache ich sie auch nach über 5 Jahren noch gerne. Ich würde tatsächlich keinen anderen Job wählen.
Das ist ja alles massiv vom Fachbereich abhängig...in der Anästhesie ist die Bürokratie aus meiner Sicht gar kein Problem, und ich habe sehr oft das Gefühl, etwas "Gutes" zu tun.
Ich würde empfehlen, viel zu hospitieren, bevor du die Flinte ins Korn wirfst. Dann gewinnst du am ehesten einen Einblick im den klinischen Alltag verschiedener Fächer und kannst danach immer noch entscheiden.

Solara
05.01.2018, 14:25
Routine und fade Stunden hast du in jedem Job. Auch als Arzt. Viele Gespräche mit Patienten und Angehörigen. Arzt ist nicht mein Traumjob, aber er macht mir immer noch Spaß. Naja, meistens zumindest. Ich wäre aber wohl auch in meinem früheren Job glücklich geworden. Ich bin aber auch jemand, der nicht die Erfüllung und das Glück nicht im Job sucht. Der soll für optimalerweise abwechslungsreich sein, mich nicht nerven, angemessenes Geld bringen und nette Kollegen haben. Das meiste davon passt ;-)

Soll heißen: du musst dir überlegen, was du willst - aber ich würde nichts vorschnell entscheiden. Was (außer Geld) verlierst du denn, wenn du erst mal weiter machst und dir das ganz anschaust?

Pflaume
05.01.2018, 19:01
Ein guter Freund meinerseits ist Augenarzt (4. Assistenzjahr) und empfindet die Arbeit meistens als "gut". Möglicherweise weil er gerade operieren lernt...
Da siehst du aber auch direkt den Unterschied zu dir. Ich schätze mal, dass der auch knapp über 30 ist (oder noch jünger) und jetzt im 4. Weiterbildungsjahr. Glaubst du, dass du, wenn du mit Anfang 40 da anfängst, einer von den wenigen bist, der in der Weiterbildungszeit zum Facharzt tatsächlich operieren lernt? Es fängt schon damit an, dass du möglicherweise nicht mal ne Stelle in der Augenheilkunde bekommen würdest, weil es eine Menge 15 Jahre jüngere Bewerber gibt. Nicht nur irgendwann die Facharztreife bescheinigt zu bekommen, sondern tatsächlich ausgebildet worden zu sein - das sind auch nochmal zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Und auch da bist du mit 40 in einer schwächeren Position als mit 25.

Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr ändert sich erheblich das Bewußtsein der Menschen darüber, wie schnell das Leben vergeht, und daß man nicht unendlich Zeit hat und nicht alles erreichen kann, sondern jeder irgendwann auch mal abwägen muß, was einem wichtig ist.

Das bedeutet aus Chefarzt-Sicht auch, daß man ältere Nicht-Fachärzte (genau wie ausländische Ärzte) für manche Positionen auch besonders gern einstellt, aber nicht unbedingt für die Tätigkeiten, bei denen sie besonders viel lernen. Die kann man ruhig auf Station versauern lassen, denn wer mit 40 noch mit dem Facharzt anfängt, weiß (oder lernt), daß er eh kein interventioneller Kardiologe oder Anästhesist in der Herzchirurgie mehr wird (oder werden will), sondern der will nur die Zeit für den Facharzt (auf dem Papier) absitzen, die nötigen Basics lernen und am Ende bescheinigt haben, daß er angeblich alles kann, damit er zur Prüfung zugelassen wird. So war es zumindest bei allen "alten" Ärzten in Weiterbildung, die ich kennengelernt habe.

Auf der anderen Seite nerven "ältere" Ärzte in Weiterbildung den Chef auch teilweise, weil die sich nicht mehr so alles gefallen lassen, was sie sich nicht gefallen lassen müssen, eben auch deshalb, weil sie wissen, daß sie woanders auch schon mal besser behandelt worden sind, oder weil sie wissen, daß sie eh keine Karriere mehr machen, oder weil sie wissen, daß ihre wenige Lebenszeit auch echt was wert ist. Während so manchem 25jährigen auf dem Weg zum Herzchirurgen noch nicht mal auffällt, daß sein 24h-Dienst an Weihnachten auf der Stunden- und der Lohnabrechnung, die er eh nie anschaut, nicht auftaucht und somit mit 0 Cent bezahlt wird, fällt das dem 35jährigen schon auf und er streitet sich mit dem Chef und der Verwaltung deswegen rum, daß sein sauer verzichtetes Weihnachtsfest nicht vergütet wird. Wenn der 35jährige Facharzt ist und somit auch einiges mitbringt, dann geht das schon so, aber wenn der 35jährige Assistent im 1. Jahr ist, dann nervt einfach nur, dass er so einen Stress macht, bloß weil er für einen Dienst nicht bezahlt worden ist. Was will der eigentlich?

Du kannst ruhig Medizin studieren, ist auch ein interessantes Studium und bereits das Studium bringt viele interessante Erfahrungen mit sich. Nur ist es auch anstrengend, und wenn du fertig bist, wirst du feststellen, dass du auch als Arzt ganz schön viele Kompromisse machen mußt - in deinem Alter noch mehr als andere. Ich halte es für relativ wahrscheinlich, dass du nach einem Medizinstudium oder nach wenigen Jahren als Arzt plötzlich doch in ein mehr oder weniger patientenfernes Gebiet möchtest. Vielleicht findest du auch trotzdem, dass das Medizin-Studium dich weitergebracht hat, und bereust es auch gar nicht. Tendenziell glaube ich, dass du als Physiker dir eher mehr Gestaltungsmöglichkeiten sowohl beruflich wie auch privat erhältst, wenn du dich innerhalb deiner jetzigen Möglichkeiten umschaust, als jetzt noch Medizin dazu zu studieren. Und meiner Meinung nach sind es in erster Linie eigene Gestaltungsmöglichkeiten, die "Erfüllung" bringen, nicht Patientenkontakt oder kein Patientenkontakt oder Arzt oder nicht Arzt.

Übrigens ist bei dir nicht freigeschaltet, dass man dir persönliche Nachrichten schreiben kann. Wenn es freigeschaltet wäre, würde ich dir noch was schreiben, was ich hier nicht schreibe.

Solara
05.01.2018, 23:16
Pflaume,
du schließt von einigen wenigen Fällen, die dir bekannt sind, auf alle. Das ist falsch gedacht.
Ich behaupte (aus eigener Erfahrung und dem Freundeskreis) das Gegenteil.

Pflaume
06.01.2018, 00:34
Kann sein. Kann ich nicht bestreiten. Ändert allerdings nichts an meiner Einschätzung im letzten Absatz meines Postings.

(P.S.: Mindestens 39 Jahre alt im 1. Berufsjahr als Weiterbildungsassistent ist schon ne besondere Hausnummer.)

tragezwerg
06.01.2018, 06:57
Aus meiner Sicht spielt das (Einstiegs-)Alter im Berufsalltag keinerlei Rolle (jedenfalls in den Fächern mit Personalmangel (Anästhesie, Innere, Allgemeinmed etc.)). Die sind ja mittlerweile froh wenn sich überhaupt noch jemand bewirbt, der keine unüberwindliche Sprachbarriere mitbringt. Ich habe einige spät eingestiegene Kollegen, die arbeiten genauso gut wie alle anderen. Das dürfte also kein Problem sein.

Feuerblick
06.01.2018, 07:52
Sehe ich wie Tragezwerg. Auch in der Augenheilkunde, die ja hier als Beispiel angeführt wurde, sind Bewerber nicht mehr in Massen vorhanden. Und ob jemand operativ ausgebildet wird, hängt erstmal mit der Philosophie der Abteilung zusammen und dann mit den Wünschen des Chefs, ob und wen er fördern möchte - weniger aber mit dem Alter.

Lava
06.01.2018, 08:34
Ich hatte auch schon einige ältere Kollegen. Manche sind besser zurecht gekommen als andere.

CrashStudios
06.01.2018, 10:43
An unserer Uni studieren auch zwei ältere Kollegen (einer 38 und der andere 42). Deren Alter wurde von uns nie kritisch gesehen. Die beiden gehen sogar auf Partys, machen Auslandsfamulaturen etc. halt wie jeder andere Student auch. Sie wurden halt von Patienten bei Famulaturen öfters für (Ober)Ärzte gehalten, ist aber nie irgendwie negativ gemeint gewesen.

Ich selbst hab erst mit 25 angefangen Zu studieren.

Jan1705
10.01.2018, 18:58
Hallo,
an deiner Stelle würde ich es einfach versuchen. Wenn man 100 Leute fragt bekommt man 100 verschiedene Antworten :-meinung

Bei mir im Studium war ein OP-Pfleger, der mit 33 Medizin studiert hat und glaube ich ein ziemlich guter Chirurg geworden ist und dem sein Job Spaß macht.

Ich bin in der Kardio ziemlich zufrieden, es macht mir im Grunde Spaß und man muss sich mit den Dingen die nicht so toll sind halt arrangieren (Dienste, gelegentlich Überstunden).

In der Summe denke ich hat man als Arzt sehr viele verschiedene "Berufe/Tätigkeitsfelder", die man ergreifen kann, je nach Neigung und Interessen, das kann im Laufe des Berufslebens auch wechseln (Operativ-Konservativ-Klinik-Praxis-Labor-Forschung-Krankenkasse-Betriebsarzt-Amtsarzt....)

Im Grunde ist es auch ein relativ sicherer Job, und wenn man keine ausgefallene Fachrichtung wählt ist man deutschlandweit auch nicht an einen festen Ort gebunden. Ob man jetzt in Hamburg, Berlin oder Buxtehude arbeitet, überall gibt es Kliniken, und die Arbeitsmarktsituation ist wirklich nicht schlecht.

Wenn du dann z.B im Studium merken solltest, dass es nicht das richtige ist, kannst du ja jederzeit wieder als Physiker arbeiten, aber besser so als wenn man sich dann immer wieder fragt ob man es nicht doch lieber versucht hätte.

Viel Glück

:-dance

Miss_H
10.01.2018, 19:26
@Jan: Der Threadersteller studiert schon Medizin...