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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zulassungsreform: Oldies am aussterben?



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Spark
12.05.2018, 09:36
Ich gebe zu: die Rosskur, die der Wartezeitregelung wohl bevorsteht, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Nicht weil ich die Problematik des "Ersitzens" nicht anerkenne, oder es nicht akzeptieren würde dass diese Quote eine Reduzierung erfahren könnte.

Nun sieht es aber danach aus als wenn man sie effektiv ganz abschafft, da eine Begrenzung auf einstellige WS de facto wohl eine verlagerte Notenauswahl bedeuten würde. Sprich, von einer tatsächlichen StudienwahlGARANTIE geht es in Richtung kompletter lebenslanger Absagen? Von Bestandsschutz kann man wohl nicht wirklich ausgehen.

Ich habe keine harten, ökonomischen Argumente dagegen, aber eine gewisse Wehmut. Biografien wie meine wird es in der zukünftigen Ärzteschaft wohl kaum noch geben. Es war bislang praktisch ein deutsches Alleinstellungsmerkmal, dass es Ü30 und Ü40-Studenten geben konnte, und ich bin extrem dankbar dafür. Jetzt wird es eben wie überall sonst: wer mit in der Regel besten Vorbedingungen früh leistungsstark und Auswahl-affin ist, kommt durch, gewürzt mit ein paar Aufsteigerwundern und Krankenschwestern für die soziale Quote.

In diesem Forum dürften besonders viele durch die Neuerungen betroffen sein - was sind Eure Gedanken dazu? Sind wir eine aussterbende Spezies?

Solara
12.05.2018, 15:42
Ich habe es jetzt zweimal gelesen, aber nicht verstanden, was du fragst.

Ü40 -Studenten muss es nicht geben, finde ich.
Muss man wirklich so spät noch ein langes Studium mit ebenso langer, folgender FA-Weiterbildung beginnen.
Ich hatte ein paar Ü40er im Semester, genau einer davon hat das auch wirklich durchgezogen, bei allen andern lief das so nebenher und irgendwie auch nicht ernsthaft.

Man kann halt nicht immer alles machen, wenn man die Zugangsvoraussetzungen nicht erreicht oder die Fähigkeiten nicht hat. Ich würde auch gerne im Eiskunstlauf bei Olympia starten. Leider schaffe ich es nur mit Mühe auf dem Eis geradeaus zu fahren ;-)

Spark
12.05.2018, 17:40
Muss man nicht. Konnte man aber bisher und wird nun vermutlich mehr oder weniger wegfallen. Durchaus ein Oldie-Thema.

Daß dieses Thema vor allem junge Gatekeeper-Charaktere mit Bewertungsanspruch triggert („also ich finde ja MAN sollte so und so..“) ist erfahrungsgemäß einfach so. Der Olympiavergleich ist allerdings auch für hiesige Verhältnisse hanebüchen.

Rettungshase
12.05.2018, 18:57
Wie heißt es so schön?! "Die Statistik ist für das Individuum unerheblich."
Ich bin übers AdH reingekommen, sodass ich altersmäßig zwischen 1er Abiturienten und Wartezeitlern lag.
Ja, die 1er Abiturienten sind bei uns tlws. ganz schön grün hinter den Ohren, naiv und mit einem gewissen Anspruchsdenken an sich und die Welt gestartet. Mittlerweile sind aus vielen von denen - auch sozial - vernünftige Assistenzärzte geworden.
Leider hatten die allermeisten, die im Studium gescheitert sind, ihren Studienplatz die Wartezeit bekommen. Und ja, die meisten waren initial routinierter im Umgang mit Patienten wegen ihres Status' als medizinisches Assistenzpersonal, Lebenserfahrung uswusf.

Aus der Sicht der Triagierung betrachtet:
Bei begrenzten Ressourcen muss man sich überlegen, ob man wirklich jedem ein Stück abgeben soll oder ob man das, was da ist, an die vielversprechendsten Kandidaten verteilt.

Nun hat der Staat aber auch eine gewisse soziale Verantwortung: So kann das verarmte Waisenkind einer heroinabhängigen, einbeinigen nicht-muttersprachlichen Mutter von 13 Geschwistern natürlich nicht die gleichen Voraussetzungen erfüllen wie das Kind, dessen Eltern sich eine teure Privatschule leisten konnten.

Nichtsdestotrotz: Das Medizinstudium ist wahnsinnig teuer für den Steuerzahler. Ich erwarte, dass mit meinen Steuergeldern vernünftig umgegangen wird. Und ich denke nicht, dass man JEDEM einen Studienplatz ermöglichen sollte.
Sonst kann es der post-midlife-chrisis-63jährige ja "auch noch mal wissen wollen", der Gesellschaft aber nie als vernünftiger Facharzt zur Verfügung stehen.

Solara
12.05.2018, 21:14
Muss man nicht. Konnte man aber bisher und wird nun vermutlich mehr oder weniger wegfallen. Durchaus ein Oldie-Thema.

Daß dieses Thema vor allem junge Gatekeeper-Charaktere mit Bewertungsanspruch triggert („also ich finde ja MAN sollte so und so..“) ist erfahrungsgemäß einfach so. Der Olympiavergleich ist allerdings auch für hiesige Verhältnisse hanebüchen.

Bin leider nicht das, was du mir hier unterstellen möchtest, sondern selbst Oldie ;-) - sehe das ganz aber dennoch kritisch.

Arrhythmie
28.05.2018, 07:09
Ich habe es jetzt zweimal gelesen, aber nicht verstanden, was du fragst.

Ü40 -Studenten muss es nicht geben, finde ich.
Muss man wirklich so spät noch ein langes Studium mit ebenso langer, folgender FA-Weiterbildung beginnen.
Ich hatte ein paar Ü40er im Semester, genau einer davon hat das auch wirklich durchgezogen, bei allen andern lief das so nebenher und irgendwie auch nicht ernsthaft.


Naja, so viele Ü40 gibt es ja nun sowieso nicht. Die meisten "Oldies" siedeln sich ja eher so im Bereich Ende 20-Mitte 30 an. (Meiner Beobachtung nach)

Weiß man ja nicht, ob die nicht die Voraussetzung haben/hatten/hätten. Es mag auch Oldies geben, die den Platz in jungen Jahren sofort bekommen hätten und ihn halt nicht annahmen oder aber es aus irgendwelchen Gründen einfach nicht in Erwägung gezogen haben zu der Zeit.

Das mit dem Eiskunstlauf bei Olympia find ich nun auch nicht ganz so passend. Nicht wirklich vergleichbar. Außer wird reden von Extremfällen (pathologisch niedriger IQ) ... Davon werden aber auch die wenigsten ernsthaft Medizin studieren wollen.
Wenn Du auf dem Eis nur mit Mühe geradeaus laufen kannst, dann kannst Du ja - sofern Du wirklich willst - sehr hart üben. Kommt auf Deinen Spirit an. Dass es evtl nicht (mehr) für Olympia reicht liegt Nahe, aber (auf die Medizin gemünzt) - Es will ja auch nicht jeder habilitieren oder eine mega Karriere starten. Sondern vielleicht einfach nur vor sich hinarbeiten... Dafür würds dann vielleicht schon ganz gut reichen. (Also für die lokale Eislaufbahnkarriere...) Ich denke Du verstehst was ich meine.

Feuerblick
28.05.2018, 07:29
Manchmal muss man auch einfach einsehen, dass man nicht immer alles erreichen kann, was man gern hätte. :-meinung
Wenn man in jungen Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, sich aber dagegen entschieden hat, dann muss man auch mal mit dieser Entscheidung und ihren Folgen leben. Daran stirbt man nicht. :-meinung

Solara
28.05.2018, 07:31
Wie bereits geschrieben, arrhythmie, in meinem Semester damals habe ich schon so einige kennengelernt, die über 40 waren - und es waren sicher einige mehr, die ich nicht kannte. Den „jüngeren“ Anteil von dem du sprichst, erkannte man meist gar nicht, weil jung genug ausschauend, um nicht aufzufallen (übrigens die Oldiegruppe zu der ich auch zählte).

Und ich bin weiterhin der Meinung, dass nicht jeder Medizin studieren muss, der dann erst mit Ende 40 anfangen kann zu arbeiten und sich dann die Dienste antun muss. Bei einem so kostenintensiven Studium sollte darauf geachtet werden, dass die Absolventen zumindest theoretisch noch lange dem System zur Verfügung stehen könnten als tätige Ärzte.
Dass ein Teil der Menschen ins Ausland verschwindet oder in patientenferne Bereich abwandert ist dennoch Tatsache.

Und klar, es sind wenige, die wirklich alt sind.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass Ü40 nicht mehr beginnen sollte, Medizin studieren sollte. Der Staat muss darauf achten, sinnvoll mit den Ressourcen umzugehen und nicht jeden persönlichen Studienwunsch erfüllen zu müssen.

Und wie Funkel schreibt: es geht eben nicht immer alles, was man sich so wünscht und erträumt - und frühere Entscheidungen (wie abgelehnte Studienplätze ) haben eben Konsequenzen, wie alles im Leben.

Zum sehr hart üben für die Eislaufkarriere, auch wenn es nicht für Olympia reicht ;-): auch in der Medizin gibt es Ausbildungen, die in fortgeschrittenem Alter möglich sind, weil nicht überlaufen. Oder man kann Richtung Heilpraktiker etc überlegen - auch wenn man dann kein Arzt ist. Nicht, dass ich ein Fan von Heilpraktikern bin - aber auch das wäre eine Möglichkeit. Es gibt zig weitere Bereiche, in denen man tätig werden könnte - einige davon werden im Freundeskreis ausgeübt, da keiner sich mehr ein Studium der Medizin antun wollte, auch wenn alle die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt hätten und dank Wartezeit auch sofort einen Platz bekommen hätten.

Arrhythmie
28.05.2018, 09:15
Prinzipiell stimme ich Euch ja auch zu, aber:



Wenn man in jungen Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, sich aber dagegen entschieden hat, dann muss man auch mal mit dieser Entscheidung und ihren Folgen leben. Daran stirbt man nicht. :-meinung

1. Das finde ich einfach zu hart ausgedrückt. Klar stirbt man nicht davon, aber es kann schon extrem belastend sein. Klar, persönliches Pech und so... Aber einfach zu sagen "Jo, ist jetzt halt so" & damit abschließen, das kann nicht jeder. Und dass die Leute, die es nicht können, es nochmal versuchen wollen... Warum nicht? Das sind meist nicht unbedingt die, die dann nach einem Semester wieder aufhören. Wir sprechen hier ja auch von einer ganz kleinen, winzigen Gruppe. (Ü40 und so...) Aber was ist mit denen, die U30 sind?

2. Abgesehen davon kann man das auch nicht unbedingt nachempfinden wie es ist, eine solche Chance -aus welchen Gründen auch immer- nicht wahrgenommen zu haben, wenn man selber nie in der Situation war. Muss man auch nicht. Aber die Formulierungen finde ich persönlich einfach sehr hart gewählt.

Ich selber hab Spätmitte/Ende 20 angefangen, aber wisst ihr ja... Und auch übers Zweitstudium in einer Quote, wo man ja sowieso idR abwinkt und sagt... Jo, geh nach Hause und verabschiede Dich von dem Gedanken. Ich hatte vor gefühlt Milliarden Jahren nach dem Abitur einen Medizinstudienplatz auf ganz konventionellem Weg und habe ihn damals aus persönlichen Gründen nicht wahrgenommen. Wenn ich ihn genommen hätte und es so durchgezogen hätte wäre ich mittlerweile kurz vor dem Facharzt. War aber nicht so, ist anders gekommen (hatte rückblickend auch was Gutes) und ich bin sehr froh, dass ich die 2. Chance bekommen hab, auch wenn sie nur so winzig klein war. Aber ich wollt halt unbedingt und ich glaube seither ans Schicksal. Ja - auch wenn es komisch klingen mag - dass manche Leute diese Chance unbedingt nutzen sollten. Weil es alles einen Sinn hat.
Ich bin echt pseudo-philosophisch heute :-D

Ich fände es einfach schade, wenn diese winzige Chance in Zukunft wegfällt.
Weiß man denn eigentlich schon, was das alles für potenzielle Auswirkungen auf die Zweitstudienquote haben wird?

3. Das war alles :-)) Muss nun lernen...

Feuerblick
28.05.2018, 09:35
Es wird immer Menschen geben, die mit irgendwas nicht klarkommen. Davon aber staatliche monetäre Ressourcen abhängig zu machen, halte ich für falsch.
Man muss im Leben lernen, sich zu entscheiden und die Konsequenzen zu tragen. Punkt. Ich hätte auch gerne was ganz anderes gemacht, war dafür aber zu feige und finde das heute noch schade. Dennoch ist die Entscheidung damals gefallen und nicht mehr rückgängig zu machen. Das ist nicht schön, aber auch damit muss man als halbwegs erwachsener Mensch einfach auch mal klarkommen. Diese Mentalität „Ach, heute nicht, vielleicht morgen... weil Papa Staat muss mir ja alles ermöglichen“ finde ich total daneben.
Btw: Ich habe auch erst eine Ausbildung gemacht und dann das Studium begonnen. Hätte das nicht geklappt, hätte ich halt Pech gehabt. Mein Problem, nicht das des Staates.

Arrhythmie
28.05.2018, 10:59
Diese Mentalität „Ach, heute nicht, vielleicht morgen... weil Papa Staat muss mir ja alles ermöglichen“ finde ich total daneben.


Find ich schon krass, dass Du einfach mal prophylaktisch alle über einen Kamm scherst. Das ist so ungefähr wie "Sind die Leute mit `nem Abi jenseits der 1,5 halt selber Schuld, hätten die sich einfach mal mehr angestrengt, waren halt zu faul." Ohne jegliche andere Gründe in seine Überlegungen miteinzuschließen.
Weisst Du, selbst wenn es so ist, dann ist es immer verdammt einfach zu sagen, "hätte ich halt Pech gehabt", wenn man eben nicht Pech hatte und wenn man in seinem gemachten Nest sitzt. (Mich davon mal nicht ausgenommen)

Ich finde, dass man da auch mal ein bisschen weniger hart formulieren kann.
Dem DM2 Patient kannst Du auch nicht vor den Latz knallen, dass er ja selber Schuld ist an seiner Krankheit. Also, kannst Du schon, ist dann halt die Frage ob der nochmal in die Praxis kommt bzw. ob die Praxis nach nem Jahr noch läuft wenn Du es bei den Pat so machst ;-) Man macht sich vielleicht auch mal mehr Freunde, wenn man die Dinge etwas weniger harsch formuliert.
Vieles ist ja wahr, was ihr schreibt.

Feuerblick
28.05.2018, 11:37
Erstens ist ein „schlechtes“ Abi was anderes als eine möglicherweise multifaktoriell bedingte Erkrankung.

Und zweitens: Ja, ich bin der Meinung, dass man auch ein „schlechtes“ Abi schlichtweg hinnehmen sollte, statt rumzujammern, dass man aber doch von Studiengang XYZ schon IMMER geträumt hat. Hätte man das, hätte man sich halt angehen, was ändern oder sich vom Traum verabschieden müssen. Ich bin zudem der Meinung, dass es in unserer Welt viel mehr Menschen geben sollte, die Dinge direkt ansprechen wie sie sind. „Du hast dich anders entschieden/Dein Abi ist zu schlecht - leb damit, man kann nicht alles haben“. Dabei ist es komplett egal, welche Faktoren da mit reinspielen. Es gäbe ja Möglichkeiten von Härtefallausgleich etc, wenn diese Faktoren tatsächlich objektiv nachweisbar wären und nicht nur subjektives Mimimi sind. :-meinung

Vielleicht würde es auch dem Diabetiker helfen, wenn man ihm unverblümt erklärt, dass ihn Sahnetorte, wenig Bewegung und schlechte BZ-Einstellung bei fehlendem Krankheitsbewusstsein umbringen werden... mit allem, was an Komplikationen vorher dazugehört. Viele Menschen glauben nämlich eher den netten Aspekten und nicht den ernsten.
Das ist nicht harsch formuliert sondern die Wahrheit ohne die ganzen Blümchen drumherum. Meine Patienten waren übrigens immer ganz zufrieden mit meinen Formulierungen. :-)

EVT
28.05.2018, 12:23
Selbst als älterer Studieninteressierter kann man ja ins Ausland gehen oder an Privatunis. Ein Weg, der jedem offen steht, auch wenn das Abi etwas schlechter ist. Ich bin auch der Meinung, dass man selber Verantwortung tragen kann, wenn es für die "normale" staatliche Zulassung nicht reicht. Der NC in Medizin ist lange bekannt, da muss man sich als Abiturient eben anstrengen, die Schule wechseln, freiwillig wiederholen etc. oder eben die anderen Möglichkeiten nutzen. Habe ich ja auch, weil ich in der Schule nicht genug getan habe. War meine eigene Verantwortung und ich habe nie rumgejammert.
Viele scheitern ja schon an der Informationsbeschaffung und das ist heutzutage ja wirklich einfach.

davo
28.05.2018, 15:46
Eben, es gibt ja nach wie vor sehr bequeme Lösungen:

In Österreich kann sich jeder mit Abi bewerben und wird nicht durch ein eventuell schlechtes Abi in der Vergabe zurückgehalten, muss keine Studiengebühren zahlen. In Humanmedizin gibt es halt die Quotenregelung, aber in Zahnmedizin inzwischen nicht einmal mehr das.

Und falls man bereits ein Studium absolviert hat kann man z.B. durch ein Medizinstudium im UK in nur fünf Jahren die deutsche Approbation bekommen (vier Jahre graduate entry medicine plus FY1 für die Approbation), also im Vergleich zu einem Studium in Deutschland 1,5 Jahre früher starten (und schon 2,5 Jahre früher wieder ein Gehalt haben).

Der Vergleich mit der Krankheit ist IMHO völlig deplatziert, erstens weil es bei den meisten Erkrankungen auch Faktoren gibt, die man eben nicht selbst beeinflussen kann (auch bei DM2!) und zweitens weil "Nicht in Deutschland Medizin studieren können" eben doch was anderes als eine Erkrankung ist ;-)

Dass es für die "Oldies" schwerer wird, kann man durchaus kritisieren, aber die Politik ist darüber bestimmt erfreut (da effizienter).

Arrhythmie
28.05.2018, 16:43
Der Vergleich mit der Krankheit ist IMHO völlig deplatziert, erstens weil es bei den meisten Erkrankungen auch Faktoren gibt, die man eben nicht selbst beeinflussen kann (auch bei DM2!) und zweitens weil "Nicht in Deutschland Medizin studieren können" eben doch was anderes als eine Erkrankung ist ;-)



Deiner Meinung nach. Ich hab eine andere.
Es gibt auch Dinge -außerhalb von Krankheiten- die multifaktoriell bedingt sind bzw. nicht selber "verschuldet". Genügend. Ansonsten ist der Vergleich für mich genauso platziert/deplatziert wie der Sport Vergleich.

Wie auch immer. Ich sagte ja schon mehrmals - im Grunde habt ihr nicht unrecht. Vor allem nicht, was die Möglichkeiten angeht, ins Ausland zu gehen.

Zu Feuerblick noch: Ich habe nicht von Dir und Deinen Patienten gesprochen, da ich weder Dich noch Deine Patienten kenne... Du musst Dich also persönlich nicht angegriffen fühlen. Das war lediglich ein Beispiel. Ganz unabhängig von Deiner Person.
Ich finde einfach, man kann Dinge so und so formulieren. In dem Fall wär ich eben eher für eine etwas "weichere" Formulierung.

Auch hab ich nirgends von den Leuten mit "großem Traum" geschrieben, die "schon immer" Medizin machen wollten. Sondern einfach von den spät berufenen allgemein...:-?

Solara
28.05.2018, 16:57
Auch hab ich nirgends von den Leuten mit "großem Traum" geschrieben, die "schon immer" Medizin machen wollten. Sondern einfach von den spät berufenen allgemein...:-?

Man kann nicht alles erreichen, was man so will.
Und der Staat muss Sorge dafür tragen, dass Studienplätze Medizin möglichst viel Ärzte generieren, die im System möglichst lange arbeiten können. Und der 50jährige Absolvent tut das nun mal bedeutend kürzer als der jüngere Absolvent.

Wer mit seinem Traum nicht abschliessen kann, hat immer noch die Möglichkeit ins Ausland zu gehen - oder eben mit den Konsequenzen früherer Entscheidungen zu leben und sich, sofern eigene Kompensationsmechanismen hierzu nicht genügen, sich Professionelle Hilfe zu organisieren.

Arrhythmie
28.05.2018, 17:15
Du, ich verstehe das schon. Ich hab nicht umsonst Wirtschaft studiert.

Dass zB gerade ein Zweitstudent ein finanzieller Totalschaden für Väterchen Staat ist, da sind wir uns einig. Sind aber so einige andere Menschen auch. Und die Welt besteht halt nicht ausschließlich aus dem (im Optimalfall) 23-jährigen, fertig studierten, im Ausland gewesenen jungen Erwachsenen mit 5 Jahren, ach was schreib ich, 10 Jahren Berufserfahrung und gelecktem Lebenslauf. Das hat "die Politik" auch zu schlucken und bisher hat es im Zulassungsverfahren für Medizin beispielsweise auch niemanden interessiert wie alt der Studienbewerber ist/war. Da interessierte die Leistung. (Sei es in guten Noten ausgedrückt, oder im sich den Hintern wund warten, oder bei den Zweitstudenten eben übers erste Studium. Aber das Alter an sich war da sehr irrelevant und eher das Sekundärergebnis bei den Wartern und Zweitstudenten.)

Euer fiktiver Studienbewerber wird übrigens immer älter. Jetzt ist er schon 50 als Absolvent. Vorhin war er doch erst 40 bei Studienbeginn. Naja vielleicht schon die Jahre mit eingerechnet, die er länger fürs Studium braucht... Wie dem auch sei.

Mein einziges Ansinnen war, dass man sich nochmal in Gedanken ruft, dass es durchaus auch bereichernde Spätberufene gibt, dass im Leben nicht immer alles Optimal läuft (auch nicht immer selbstverschuldet) - dass man natürlich trotzdem die Konsequenzen tragen muss, ganz klar. Aber dass man Dinge trotzdem auch mal freundlicher und weicher formulieren kann (wenn man will), auch wenn man im gemachten Nest sitzt und das Thema für einen selber keine Relevanz (mehr) hat.


EDIT: Um möglichst viele Ärzte zu generieren, die möglichst lange im System arbeiten brauchts etwas mehr als ein anderes Zulassungsverfahren, denn ich bezweifle dass "der perfekte Medizinstudent" heutzutage möglichst lange im System bleibt... Warum haben wir denn einen Ärztemangel? Sicherlich nicht weil wir zuviele Wartezeitstudenten oder Zweitstudenten haben und zu wenig junge Hüpfer. Letztere gehen ja auch ganz gern mal ins Ausland, haben keinen Bock auf Landarzt-Dasein bzw. gehen forschen... Das nur nebenbei.
Was der Staat will und was er bekommt sind halt zweierlei Paar Schuhe.

Solara
28.05.2018, 17:27
Es mag bereicherndere Spätberufene geben, aber muss deswegen jeder, der das wünscht mit 40 zugelassen werden? Ist das sinnvoll?
Nochmal: bin selbst spätberufen, ich bin sicher gut, in dem was ich tue - aber das sind viele andere auch. Die Welt würde sich sicher ohne mein medizinisches Zutun weiterdrehen.

Auch ich trage Konsequenzen für frühere Entscheidungen und Entwicklungen mit denen ich jetzt leben muss und auch nicht verändern kann. Ist so, kann ich nix machen, muss ich damit leben.
Ein Medizinstudium ist jetzt nichts, ohne das man nicht leben kann. Und wenn man doch feststellt, dass es nicht ohne geht, dann versucht man es im Ausland (wobei da bei vielen schon wieder ein NEIN kommt, weil Ausland und nicht in der Nächstliegenden Stadt).

P.S. Zu dem Absolventen mit 50: zumindest meine späteberufenen Kommiltonen haben das Studium dank Arbeit und zum Teil auch Familie nicht in Regelstudienzeit geschafft.

P.P.S. Weicher formulieren - dann kommt beim Gegenüber leider nicht das an, was ich gesagt habe - man behält den minimalem positiven Teil und blendete das Restliche aus. Und nachher heißt es, das hätte man ja nie gesagt.

Arrhythmie
28.05.2018, 17:39
Keine Ahnung ob es sinnvoll ist. Für wen? Für den Zugelassenen sicherlich, ob es das für das Allgemeinwohl ist bleibt immer abzuwarten. Es gibt allerdings noch viele weitere "sinnlose" Dinge die der Staat sich so leistet und sicher auch noch weitaus sinnlosere, als `nen älteren Menschen zum Studium zuzulassen. Da drehen wir uns halt im Kreis. Wenn der alte Student ne Landarztpraxis aufmacht oder übernimmt ist er vermutlich "sinnvoller" als der 25-jährige Absolvent der nach einigen Jahren ins Ausland abwandert weil er kein Bock mehr auf das Arbeiten in Deutschland hat. Aber weißt Du es im Vorfeld sicher? Nein. Deshalb ist sowas müßig. Ich beschrieb ja bereits den "Idealfall" Mensch, den man so gerne hätte (als Staat) - Aber, das Leben ist kein Ponyhof (um mal Eure Deutlichkeit zu übernehmen) und Menschen tun bisweilen komische Dinge... ;-)


Und wenn man doch feststellt, dass es nicht ohne geht, dann versucht man es im Ausland (wobei da bei vielen schon wieder ein NEIN kommt, weil Ausland und nicht in der Nächstliegenden Stadt).


Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Sicherlich ist einer der Gründe da meist die Unflexibilität aufgrund der Familie/des Jobs. Aber das ändert natürlich nichts an der Tatsache dass sowas dann halt in der Situation nicht geht und man sich dann entscheiden muss. Ganz klar.

Was den Rest angeht: Ich denke man kann etwas auch sehr bestimmt und trotzdem etwas weicher formulieren. Der einigermaßen intelligente Mensch wird es verstehen und der Rest, tja, der versteht ja auch oft ein "Nein" als "Ja"... Und manche wollen es halt auch nicht verstehen.

Übrigens sind zumindest bei mir im Semester mega viele "Junge", die ein Freisemester wegen Promotion, Urlaub etc. nehmen. (Oder was ich auch letztens gehört habe "Ich fühl mich noch zu jung und hab noch keine Lust so bald zu arbeiten...." ok...) und sehr viele "Ältere", die -so wie ich auch- trotz Familie in Regelstudienzeit sind. Meine Promotion mach ich übrigens neben Familie und Studium - Ohne Freisemester.
Aber - das ist ja nur unsere persönliche Erfahrung. Mit unseren n=1-4 Studien können wir glaub keinen Blumentopf gewinnen. Wollts nur mal als Gegendarstellung aufführen.

EVT
28.05.2018, 18:05
Ob wir überhaupt einen Ärztemangel haben oder nur eine fehlverteilung, ist ja auch diskussionswürdig.

Ein Student, der mit 17 oder 18 das Studium beginnt, ist eben auch mit mehreren Freisemestern deutlich länger auf dem Arbeitsmarkt.
Über die Zweitstudiumquote werden ja besonders vorgebildete Leute zugelassen.