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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #6
    Diamanten Mitglied
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    Bei mir wurde neulich eine Patientin vorgestellt; alt, dement, lebt im Heim. Hatte ein Entropium am Oberlid, für das die einzig sinnvolle Therapie die chirurgische Korrektur ist. Sie will aber keinesfalls operiert werden, bräuchte mangels compliance eh auch Narkose… es kratzt und stört sie zwar, aber der Reizzustand war überraschend gering, die Hornhaut in Ordnung. So sind wir so verblieben, dass es weiterhin so bleiben kann - hat sie schon seit Jahren.
    Dann rief die Tochter an (die Patientin war mit einem Betreuer aus dem Heim da), der erklärte ich das genau so. Da erzählte sie mir, dass es ja früher alles besser war, als sie ihre Mutter selbst gepflegt hatte, weil sie mit ihr immer zu einer Heilpraktikerin ging, die sie „immer gut hinbekommen hatte“ mit irgendwelchen Globuli.
    Das hat mich schon dezent geärgert, wenn zu einer Zeit, zu der eine OP vielleicht noch eher akzeptiert worden wäre, irgendwelche Heilpraktiker konsultiert wurden, die die Leute im Glauben ließen, „eh eine Behandlung durchzuführen“.
    Am Ende ist jeder seines Glückes Schmied; aber immer Mist wenn es einer richtigen Behandlung im Wege steht.



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  2. #7
    Diamanten Mitglied Avatar von Relaxometrie
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    Zitat Zitat von Espressa Beitrag anzeigen
    Da erzählte sie mir, dass es ja früher alles besser war, als sie ihre Mutter selbst gepflegt hatte, weil sie mit ihr immer zu einer Heilpraktikerin ging, die sie „immer gut hinbekommen hatte“ mit irgendwelchen Globuli.
    Es steht der Tochter doch frei, die Mutter weiterhin zum Globuli-Heini zu schleifen. Warum beschwert sie sich bei Dir, dass früher alles besser war. Dämlich.



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  3. #8
    Diamanten Mitglied
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    Zitat Zitat von Relaxometrie Beitrag anzeigen
    Es steht der Tochter doch frei, die Mutter weiterhin zum Globuli-Heini zu schleifen. Warum beschwert sie sich bei Dir, dass früher alles besser war. Dämlich.
    Gemeint war eher, dass es einfacher war als ihre Mutter noch bei ihr lebte. Jetzt im Heim sind Arztbesuche schon ein großer Aufwand; Transportdienst, Rollstuhl etc.
    Aber ich denke genau so entsteht oft der eigentliche Schaden, weil richtige Therapie ausbleibt. Die Leute „tun“ ja etwas, fühlen sich nicht schuldig etwas zu unterlassen. Und unterlassen das sinnvolle eben doch.

    Ich hatte in der Klinik früher auch immer mal Patienten die fragten, ob sie Arnika-Globuli nehmen können, um die postoperative Schwellung gering zu halten. Das war mir an sich recht; sie waren da für die echte Therapie, und wenn sie dadurch glaubten dass es besser heilt, warum nicht.



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  4. #9
    Registrierter Benutzer
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    Danke, danke für eure Antworten. Ich habe eure ganzen Antworten gelesen und kopfnickend zugestimmt, aber anscheinend total vergessen zu antworten? Möchte ich jetzt nachholen. Danke für eure Erfahrungen. Ich finde eben auch, dass das ein schmaler Grat ist zwischen: Unsere Gesundheit ganzheitlich zu betrachten, weil unser Körper und Geist feinstofflich zusammenhängen (und auch tatsächlich ) und dem Gedanken, dass Acerola-Beeren deinen Krebs besiegen werden. Für mich ist es total wichtig, den Patienten nahezulegen, dass man gerne unterstützend Alternativmedizin einsetzen kann, aber eben auch nicht vergisst, dass es ein Privileg ist, moderne Medizin nutzen zu können und diese sich sehr positiv auf die Mortalitätsraten ausgewirkt hat. Befeldung habe ich noch nie gehört, in welchem Bereich wird das denn eingesetzt? @Liselotte1

    Zitat Zitat von Liselotte1 Beitrag anzeigen
    Hallo Susi, meinem Empfinden nach hängt das total von der Art des Patienten ab.
    Meiner Meinung nach darf man nicht unterschätzen, welche Auswirkung die eigenen Glaubensansätze auf die Art und Weise haben können, ob und wie etwas wirkt. Einige meiner Patienten sind sehr rational, wie auch ich. Denen empfehle ich beispielsweise bei innerer Unruhe Ashwagandha, da das bewährt ist. Andere meiner Patienten sind immer auf der Suche nach weiteren Heilungsmethoden, insbesondere wenn sie teilweise 'austherapiert' sind. Dann erwähne ich auch die Frequenztherapie nach Broers (Informationen dazu beziehe ich von der Seite von Dr. Fleckenstein). Ich kenne persönlich Menschen, denen es geholfen hat. Meinem eigenen Verständnis entzieht sich das ebenfalls, aber das gesellschaftliche Interesse scheint (in manchen Kreisen jedenfalls) vorhanden zu sein. So gibt es neben dem Befeldungsgerät nach Broers ja mittlerweile Geräte wie den Healy. Das Befeldungsgerät nach Broers ist immerhin ein zertifiziertes Medizinprodukt, deshalb würde ich immer eher darauf verweisen. Stimme insgesamt ProximaCentauri zu. Man muss genau abwägen und vor allem darauf achten, dass es nichts verschlimmern kann.



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  5. #10
    Registrierter Benutzer Avatar von OldBones
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    11.09.2022
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    Zitat Zitat von susi323 Beitrag anzeigen
    Herzlich willkommen in der Runde!
    Ich habe diesen Thread eröffnet aus Neugier bezüglich eurer Haltung zu alternativen Heilmethoden im Rahmen der modernen Medizin. Aus meiner subjektiven Wahrnehmung scheint es, dass Ansätze wie die chinesische Medizin, Naturheilkunde oder sogar die Frequenztherapie mitunter zu restriktiv betrachtet werden, anstatt als zusätzliche Optionen in Erwägung gezogen zu werden. Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Meinungen und bitte darum, sich freundlich auszutauschen. Gerne anekdotisch, gerne evident.
    Herzlichst
    Es gibt alternative Heilmethoden, die ihren Stellenwert haben.

    TCM, v.a. die Akupunktur, ist bspw. bei chronischen Knie- und LWS-Beschwerden bereits Kassenleistung.
    Die Wirksamkeit liegt im Okay-Bereich.

    Ebenso kann bei bestimmten Verspannungsphänomen Osteopathie helfen; obwohl die Evidenz dünn ist.

    Stoßwellentherapie hat ihren Nischen-Stellenwert in manchen orthopädischen Bereichen; obwohl die Evidenz dünn ist.

    Phytotherapie kennen wir in Deutschland als Erfahrungsmedizin; es gibt keine Evidenz, aber in der Regel ist die Wirkung pharmakologisch schlüssig.


    Das sind aber alles Verfahren, die zumindest einen pathophysiologischen Erklärungsansatz haben.


    Dann gibt es zahlreichen Unsinn, der sich in keiner Weise wissenschaftlich auch nur ansatzweise erklären lässt:
    Homöopathie, diese komischen Geräte, wo die Leute zwei Elektroden in die Hand nehmen und die ihnen dann ihre Diagnosen auflisten (klappt genauso gut mit einem Stück Holz oder nem Pfund Mett!), irgendwelche "Energieverfahren", Pendel und so weiter.

    Das ist Hokuspokus und sollte auch aktiv nicht unterstützt werden.


    Wer mir mit seinem Homöopathen kommt, dem sage ich klar: Es gibt keine Wirkung über Placebo, ich verschreibe sowas nicht (auch nicht auf Privatrezept, damit die Leute es von ihrer Kasse bekommen) und ich möchte davon nichts wissen, da es wissenschaftlicher Schwachsinn ist.


    Man darf nicht nur, man muss als Arzt sogar aktiv nicht-wissenschaftliche Verfahren ablehnen; denn berufsrechtlich ist jeder Arzt dazu verpflichtet, nach dem anerkannten wissenschaftlichen Stand zu diagnostizieren und zu behandeln.


    Dass Homöopathie und solcher Schwachsinn überhaupt erlaubt ist ärztlich praktiziert zu werden, ist letztlich vertraglich möglich. EIGENTLICH müsste jeder Arzt, der so einen Unsinn anbietet, genau über die relative Wirkungslosigkeit aufklären. Passiert aber so gut wie nie.
    Stattdessen werden Heilsversprechen gemacht, die berufsrechtlich, landeten sie vor einem Gericht, die Approbation bedrohen würden. Aber solche Fälle landen praktisch nicht vor Gericht (oder SEHR selten).



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