Reduziertes Pneumonierisiko dank verbesserter Mundhygiene?

16. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Mundhygiene bei hochbetagten Senioren – das war lange Zeit ein Wasserglas auf dem Nachttisch, in dem die Zahnprothese mit der Reinigungstablette die Nacht verbrachte. Mundspülungen zur Reinigung der Mundschleimhaut oder Zunge, wurden selten verwendet. Da gar die ätesten Menschen immer mehr eigene Zähne haben, erfordert die Reinigung eines voll- oder teilbezhanten Gebisses nun einen völlig anderen Ansatz.

Heute übliche Rekonstruktionen benötigen oft komplexe und vor allem zeitaufwendige Hygienemaßnahmen. Dies gilt besonders dann, wenn Implantate integriert wurden. Die Reinigung solcher Prothesenkonstruktionen, die man Schöntals „High-Tech“ bezeichnen kann, übersteigt oft die Kmpetenzen des Pflegeprsonals aber auch die eigene Bereitschaft des Patienten, viel Zeit in die Mundhygiene zu investieren. Selten zeigen die Senioren genügend Motivation für ihre Mundhygiene, besonders, wenn zahlreiche chronische Krankheiten im Alltag vorrangig sind. Erschwerend kommt hinzu, dass manuelle Fähigkeiten und der Visus imAlter deutlich reduziert sind. Daher resultieren in den meisten Mündern alter und sehr alter Patienten erhebliche bakterielle Belastungen, die ein hohes Karies-, Infektions- und Parodontitisrisiko zur Folge haben.

Bereits vor 20 Jahren haben japanische Wissenschaftler Bakterien des Mund-Rachen-Darm-Trakts mit dem Auftreten einer Aspirationspneumonie in Verbindung gebracht. Dort konnte dann auch nachgewiesen werden, dass bei professioneller wöchentlicher Mundhygiene die Zahl der Lungenentzündungen sank [Yoneyama et al., 1999; Yoneyama et al., 2002]. Dieser Zusammenhang induziert ein Umdenke hinsichtlich der Umsetzung der Mundhygiene hochbetagter Senioren und Pflegefälle, auch in Bezug auf deren allgemeine Gesundheit und Lebensqualität.

Lungenentzündungen sind für die älteren Menschen häufig eine Bedrohung, da diese mit einer Häufigkeit zwischen 24 und 44 Fällen je 1000 zu Hause lebenden Rentnern und 33 bis 114 Fällen pro 1000 Bewohner von Senioreneinrichtungen auftreten [Janssens et al., 2004].
Hierbei wird zwischen erworbenen Pneumonien (CAP) und den in Pflegeheimen erworbenen Pneumonien (NHAP) unterschieden. Zudem stellt die Lngenetzündung mit einer Häufigkeit von 13-48% die häufigste Infektion in Pflegeheimen und zusätzlich die häufigste Todesursache durch Infektionen ü65 dar [El-Solh, 2011]. Mortalitätsraten von bis zu 48% müssen allerdings in Kombination weiterer Morbiditäten gesetzt werden, die im Alter gehäuft auftreten [Welte et al., 2012].

Symptome einer Lungenentzündung bei erwachsenen Patienten sind i.d.R. starke Erschöpfung, starker Husten, oft verbunden mit eitrigem Auswurf sowie Fieber, Schwitzen, starke Schmerzen oder gar Erstickungsanfälle. Sehr alte Menschen zeigen statt der üblichen Symptome eher Stürze und Verwirrtheitszustände [Janssens et al., 2004].

Aspirationspneumonien werden durch Fremdmaterial ausgelöst, welches über die Bronchien in die Lungen gerät. Hierbei handelt es sich meist um Speichel oder Nahrungbestandteile, die versehentlich aspiriert werden. Keime befinden sich im Speichel oder werden bei der Nahrungszerkleinerung aus dem Biofilm gelöst. Auch gesunde Erwachsene können während des Schlafes keimbelasteten Speichel versehentlich aspirieren. Sie haben jedoch Hustenreflexe und einen intakten Flimmerhaartransport, sodass Fremdkörper wieder aus den Bronchien entfernt werden können. Zudem besitzen sie eine intakte Immunabwehr. Alle Faktoren bedeuten einen weitgehendenSchutz der Atemwege. Je älter der Mensch, desto stärker lassen Immunsystem und Funktion der Flimmerhaare nach.Deswegen sind alte und multimorbide Patienten deutlich anfälliger für eine Lungenentzündung. Weiter Risiken für Aspirationspneumonien sind kognitive Einschränkungen wie z.B. Nach einem Schlaganfall oder Erkrankungen, die das Schlucken beeinträchtigen [van der Maarel-Wierink et al., 2011].

Desweiteren stellen beatmete Patienten eine weitere Risikogruppe für Pneumonien dar, unabhängig ihres Alters [Scannapieco et al., 2003]. Eine Studie an 1.499 zu Hause lebenden Personen, welche aufgrund einer Lungenetzündung im Krankenhaus warnen, zeigte, dass 10% an einer Aspirationspneumonie litten. Bei weiteren 447 im Heim lebenden Pneumonien-Patienten lag der Prozentsatz bereits bei 30% [Shariatzadeh et al., 2006].

Die bakterielle Belastung älterer Patienten ist enorm
Bei hospitalisierten Pneumonien-Patienten konnten bei einer bronchoalveolären Lavage Parodontitis-assoziierte Mikroorganismen aus dem oralen Biofilm nachgewiesen werden [Imsand et al., 2002].  Quagliarello und seine Mitarbeiter beschreiben, dass eine schlechte Mundhygiene einen der häufigsten Risikofaktoren für Pneumonien bei Pflegeheimbewohnern darstellt [Quagliarello et al., 2005]. Von neun untersuchten modifizierten Risikofaktoren waren nur „unzureichende Mundhygiene“ und „Schluckstörungen“ signifikante Aspirationspneumonie-Risikofaktoren. Ein weiterer Bericht zeigt, dass Patienten mit zehn oder mehr natürlichen Zähnen und parodontalen Sondierungstiefen von 4mm ein 3,9-fach höheres Risiko haben, an einer Lungenentzündungen zu sterben, als Probanden ohne parodontale Vorerkrankungen [Awano et al., 2008]. Das Risiko kann erstaunlicher Weise, durch die Extraktion natürlicher Zähne nicht vermieden werden. Bei zahnlosen Patienten kann z.B. keimbelasteter Zungenbelag ebenfalls ein als Risikoindikator für eine Aspirationspneumonie angesehen werden [Abe et al., 2008].

Zahnmedizin in der Pflege

9. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In Deutschland gibt es knapp 13.600 Pflegeheime. Die pflegebedürftigen Bewohner müssen jedoch auch zum Zahnarzt, können diesen aber nicht mehr selbstständig aufsuchen. Um diesem Problem entgegen zu wirken, hat mittlerweile fast jede fünfte Einrichtung einen Kooperationsvertrag mit einer Zahnarztpraxis vor Ort geschlossen. Die Tendenz ist weiter steigend. Neben den Menschen in stationärer Betreuung versorgen die Kollegen auch Pflegebedürftige im häuslichen Umfeld. Jedoch steht die Alterszahnmedizin vor einigen Problemen.

Denn die Patienten sind oft krank und gebrechlich, teilweise dement. Motivation und Compliance sehr niedrig. Zusätzlich muss das benötigte zahnärztliche Equipment am besten auch noch in eine Tasche passen.

Trotz all dieser Probleme haben sich 2016 Zahnärzte 902.000-mal auf den Weg gemacht, um alte oder behinderte Menschen im Heim oder Zuhause zu behandeln. In den kommenden Wochen folgen Beiträge zu folgenden Themen: -wie die „aufsuchende Betreuung“ im Alltag aussieht, – die Möglichkeiten mobiler Prothetik, – Gründe für gute Mundhygiene bei Prothesenträgern und – über die Rolle des Netzwerkes.

 

Weltweit erste Endo bei einem Delfin in Hongkong durchgeführt

26. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Zum Abschluss des Jahres haben wir noch einmal einen unterhaltsamen Beitrag für euch. In Hongkong wurde nun die weltweit erste endodontische Behandlung an einem Delfin durchgeführt. Dumisa ist der Name der acht Jahre alten Delfinkuh. Nötig gemacht hatte diese Behandlung der allgemeine Abrieb ihrer Zähne. Damit die Behandlung auch durchgeführt werden konnte, wurde im Ocean Park Hongkong monatelang trainiert.

Dr. Cedric Tut, ein südafrikanischer Tierarzt mit Kenntnissen auf dem Gebiet der tiermedizinischen Zahnheilkunde und Oralchirurgie erklärte nach dem Eingriff, dass Trainer und Tierärzte im Ocean Park Hongkongs über Monate hinweg mit Dumisa gearbeitet hätten, um sie an zahnmedizinische Instrumente zu gewöhnen. Zudem wurde ihr beigebracht, die Schnauze geöffnet zu lassen und Röntgenaufnahmen der Zähne zu tolerieren.

Zum Training wurden Attrappen, wie z.B. das Modell eines fahrbaren Röntgengerätes und elektrische Zahnbürsten verwendet. Dies half der Delfindame zu verdeutlichen, dass die Behandlung ihr keinesfalls schade. Dumisa litt unter einem allgemeinen Zahnabrieb. Zum Teil waren die Zähne so stark abgenutzt, dass die Pulpa freigelegt war. Zuvor gab es keine andere Möglichkeit, als die Zähne zu ziehen. Nun jedoch konnte Dumisas Gebiss durch eine Wurzelkanalbehandlung mit dem Einsatz eines Spezialzements erhalten werden. Dieser Zement fördert zusätzlich die Heilung des Knochens rund um die Wurzel.

Insgesamt wurden 19 Zähne behandelt, einer davon endodontisch. Die Sitzung dauerte mehrere Stunden und wurde ohne jede Art von Betäubung oder Fixierung durchgeführt.

Ein Video dazu könnt ihr euch hier ansehen:

Zahnärztliche Fluoridierung in Schwangerschaft ungefährlich

23. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In einer kürzlich veröffentlichten Studie beschrieben kanadische Forscher den Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme von Schwangeren und der Intelligenz ihrer Kinder. Demnach führe eine erhöhte Fluorid-Exposition in der Schwangerschaft zu einem niedrigeren IQ der Kinder.
Allerdings ist die Studie mit einigen Mängeln behaftet und hat daher keine Relevanz!

Durchgeführt wurde die Studie in Mexiko-Stadt. Um die Fluoridbealstung der Schwangeren abzuschätzen, wurden Urinproben, die während der Schwangerschaft genommen wurden, tiefgefroren. So konnten sie später bzgl. der Fluoridkonzentration analysiert werden. Die Kinder wurden Intelligenztests unterzogen. Im Alter von vier und im Zeitraum von sechs bis zwölf Jahren.

Bestimmt wurden der General Cognitive Index (GCI) imALter von vier Jahren und im späteren Alter noch der Intelligenzquotient nachWechsler (IQ). Es gelang, insgesamt 299 vollständige Mutter-Kind-Datensätze zu erheben, mit denen die Überprüfung eines statistischen Zusammenhangs zwischen dem Fluoridgehalt im mütterlichen Urin und der Intelligenz ihrer Kinder möglich wird. Hierbei handelt es sich um Daten für 287 vierjährige und 211 sechs- bis zwölfjährige Kinder.

Die statistische Analyse der Daten ergab einen signifikanten Zsammenhang zwischen Fluoridkonzentration im Urinder Schwängern und denkognitiven Leistungen der Kinder. So geht mit einer um ca. 0,5 mg/L höheren Fluoridkonzentration ein um 3,15 Punkte niedrigerer GCI bzw. Ein um 2,5 Punkte niedrigerer IQ einher.  Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine höhere Fluoridaufnahme in der Schwangerschaft zu niedrigeren kognitiven Funktionen der Kinder führt. Mit einem solchen Fazit verwundert es nicht, dass in der öffentlichen Interpretation umgehend eine Kausalität abgeleitet und augenblicklich der Bezug zum Zähneputzen mit fluoridierten Zahnpasten hergestellt wird.

Klarzustellen ist jedoch, dass eine derartige Interpretationder Studie nicht einmal im Ansatz gerechtfertigt ist. Die Verwendung von Fluorid zur Kariesprävention bleibt sowohl für Schwangere als auch für Kinder indiziert. Im Folgenden soll detailliert dargestellt werden, wieso die Studienergebnissefür die Maßnahmen der Kariesvorbeugung irrelevant sind,

Zugute gehalten werden muss der Studie, dass sie eine große Anzahl von Mutter-Kind-Paaren umfasst und dass in der Analyse mögliche Verzerrungen durch z.B. Elemente wie Blei und Quecksilber oder auch Störfaktoren, wie z.B. die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, berücksichtigt wurden.

Jedoch muss in erster Linie herausgestellt werden, dass die in Mexiko-Stadt durchgeführte Studie Bezüge aus der Fluoridausscheidung imUrin nach systemischer Fluoridaufnahme herstellt.
In Deutschland sind die, für Schwangere empfohlenen Fluoridierungsmaßnahmen, jedoch allesamt Maßnahmen der lokalenFluoridierung der Zahnoberflächen. Diese können inForm von Zahnpasten, Mundspüllösungenm Gelees oder Lacken vorliegen. Maßnahmen dieser Art können allenfalls kurzfristig eine erhöhte Fluoridkonzentration im Plasma oder imUrin hervorrufen, da die werdenden Mütter die Mittel ausspucken und die professionelle Verwendung von Fluoridlacken nur mit geringen Mengen beim Zahnarzt erfolgt. Schlussfolgerungen zu den gefunden Fluoridkonzentrationen bei den mexikanischen Frauen, die sich in Folge einer systemischer Fluoridierung einstellten, sind daher keinesfalls statthaft.

Aktuelle zahnmedizinische Betreuungskonzepte schwangerer Frauen sehen Kontrollen und besonderePräventionsmaßnahmen vor, die nicht nur der oralen Mundgesundheit der werdenden Mütter dienen, sondern auch die allgemeine Gesundheit des Kindes fördern. Als Maßnahmen sind Professionelle Zahnreinigungen, die mit einer lokalen Fluoridierung der Zähne abschließen, ebenso wie zusätzliche häusliche Fluoridierungsmaßnahmen indiziert. Lokal angewendete Fluoridierungen führen nur kurzfristig zu einer Erhöhung der Plasma- und Urinkonzentration. Auch nach Anwendung eines höher dosierten Fluoridlackes ist die ursprüngliche Plasmakonzentration bereits nach acht Stunden wieder erreicht.
Zudem stellen die Autoren heraus, dass die ermittelten erhöhten Plasmawerte weit von toxikologisch bedenklichen Konzentrationen entfernt sind. Systemische Fluoridierungsmaßnahmen, wie z.B. die Gabe von Fluoridtabletten, werden auch während der Schwangerschaft aus zahnmedizinischer Sicht als ineffektiv betrachtet und werden daher nicht durchgeführt.

Zudem weist die Mexiko-Studie methodische Schwächen auf. Die Fluoridkonzentration im Urin spiegelt die Aufnahme aus verschiedenen Quellen wieder. Über konkrete Quellen gibt es jedoch keine Aussagen. Insbesondere ist in keiner Weise eine Verbindung zu zahnmedizinisch initiierten Fluoridgaben gegeben. Anzunehmen ist, dass das ausgeschiedene Fluorid größtenteils aus demTrinkwasser stammt. Der Publikation von Bashash et al. ist zu entnehmen, dass der Fluoridgehalt in Mexiko-Stadt zwischen 0,15 ppm und 1,38 ppm betrage. Diese Werte sind mit den Gegebenheiten in Deutschland nicht zu vergleichen. In Deutschland enthalten über 90 Prozent der Trinkwässer nicht mehr als 0,3 ppm Fluorid.  Zudem wird die Vergleichbarkeit dadurch beeinträchtigt, dass die Fluoridkonzentrationen im Urin von der Höhenlage des Ortes abhängen, in dem die untersuchte Person lebt. Mexiko-Stadt liegt mit 2.250 Metern über NN deutlich höher als der Durchschnitt der deutschen Städte.

Wesentlich bedeutender ist jedoch die Tatsache, dass die Fluoridbestimmung in Urinproben der Schwangeren erfolgte, die jeweils nur zu einem Zeitpunkt des Abgabetages abgegeben wurden (=”Spoturin”). Die Elementbestimmung in diesem gilt als unzuverlässig, da zum Erhalt valider Daten zumindest die Untersuchung im gesammelten 24-Stunden-Urin gefordert ist. Die Autoren der vorliegenden Untersuchung räumen diesen Mangel ein, schätzen die Auswirkungen jedoch als gering ein. Jedoch besteht der Fakt, dass das Ausmaß der Abweichung zwischen Spoturin und 24-h-Urin in der vorgelegten Studie und damit die Auswirkungen auf das Ergebnis nicht bekannt sind.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass:
– in der Studie statistische Assoziationen, aber keine Kausalitäten beschrieben werden.
– der verwendete Urin zur Bestimmung einer Fluoridexposition ungeeignet ist.
– die, für die Schwangeren relevanten Quellen systemischer Natur sind. Lokale Fluoridierungsmaßnahmen bleiben davon unberührt.
– die aufgezeigten IQ-Unterschiede wenig relevant zu sein scheinen.
– die Studie im Widerspruch zu anderen Untersuchungen steht, die sich mit der gleichen Studienfrage befasst haben.

Abschließend kann man also sagen, dass der in der Studie gefundene statistische Zusammenhang zwischen Fluoridgehalt im Urin werdender Mütter in Mexiko-Stadt und den kognitiven Fähigkeiten der Kinder für unsere zahnmedizinisch begründeten Maßnahmen der Kariesprophylaxe bei Schwangeren, aber ebenso bei Kindern, keine Bedeutung hat. Die zahnmedizinischen Betreuungskonzepte für Schwangere und Kinder bleiben daher unverändert gültig und sicher.

Der originale Beitrag ist in „DIE ORALPROPHYLAXE“ 4/2017  zu lesen. Ein Nachdruck ist hier zu lesen.

Risiko für Speiseröhrenkrebs durch Parodontitiskeime beeinflusst

11. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In einer aktuellen Studie berichten US-Forscher des New Yorker Langone Health‘s Perlmutter Cancer Center, dass ein Zusammenhang zwischen Parodontitiskeimen und dem Risiko für Speiseröhrenkrebs zu beobachten sei. So sollen mindestens drei Bakterienarten, die im Falle einer Parodontitis vermehrt in der Mundhöhle zu finden sind, dafür sorgen, dass das Risiko für Speiseröhrenkrebs steigt oder sinkt.

Dass sich die orale Mundflora durch gewisse Verhaltensweisen, wie Rauchen, starkes Trinken, Zahnfleischprobleme oder auch Magen-Reflux verändern kann, ist bekannt. Auch das Risiko von Adeno- oder Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus wird hierdurch beeinflusst, wie die US-Forscher um Jiyoung Ahn herausfanden.

In der durchgeführten Fall-Kontrolle-Studie dienten Mundspülproben als Ausgangsmaterial. Diese wurden zuvor im Rahmen zweier großer Studien entnommen und archiviert. Insgesamt 122.000 Erwachsene hatten am Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screenings Trial und an der American Cancer Society Cancer Prevention STudy II teilgenommen. Im Verlauf der Studie, welche einen 10-jährigem Untersuchungszeitraum beinhaltete, erkrankten 106 Personen an Speiseröhrenkrebs.

Die Proben dieser Patienten (81 Patienten mit Adenokarzinom des Ösophagus und 25 mit Plattenepithelkarzinom) analysierten die Forscher und verglichen sie jeweils mit der doppelten Anzahl von Kontrollen, die nicht an Krebs erkrankt waren.

Die Forscher fanden signifikante Assoziationen, denn durch Tannerella forsythia erhöht sich das Krebsrisiko für ein Adenokarzinom um 21%. Bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom wurde häufiger Porphyromonas gingivalis gefunden. Beide Bakterien lassen sich bei Patienten mit chronischer Parodontitis in den Zahnfleischtaschen finden. Die Art und Weise, wie sie das Risiko für ein Ösophaguskarzinom erhöhen ist bisher jedoch nicht bekannt.
Im Gegensatz dazu verringern Streptococcusarten und Neisseria-Bakterien das Risiko zu erkranken um bis zu 24%. Bekannt ist, dass Neisseria die Toxine im Tabakraucher abbaut und dass Raucher weniger dieser Bakterien in ihrer Mundflora aufweisen, als Nichtraucher.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse können helfen, Richtlinien zu entwickeln, die Ärzten bei der Risikobewertung und Früherkennung von Speiseröhrenkrebs helfen könnten, so die Autoren der Studie. Jetzt wollen die Forscher die biologischen Hauptfunktionen einiger Bakterien des Mundes analysieren, um zu sehen, wie deren Stoffwechselwege das Krebsrisiko beeinflussen können.

Die Studie ist somit die erste, die unter fast 300 Bakterienarten des Mundes solche identifiziert, die laut Statistik mit dem Risiko verbunden sind, Speiseröhrenkrebs zu verursachen. Denn Speiseröhrenkrebs ist in den USA tatsächlich eine der Top-10-Ursachen für Krebstod und fordert etwa 13.000 Tote jährlich, dies vor allem Männer.

Brandilyn A. Peters, Jing Wu, Zhiheng Pei, Liying Yang, Mark P. Purdue, Neal D. Freedman, Eric J. Jacobs, Susan M. Gapstur, Richard B. Hayes and Jiyoung Ahn: Oral Microbiome Composition Reflects Prospective Risk for Esophageal Cancers DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-17-1296 Published December 2017 in Cancer Research

Erneute Warnung vor Triclosan

6. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Auch das Rostocker Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei empfiehlt nun, auf Triclosan im Privaten komplett zu verzichten.
Der Direktor, Frerk Feldhusen, verwies bei seiner Empfehlung auf die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung: Die Verwendung von Triclosan soll unbedingt auf das notwendige Maß des ärztlichen Bereiches beschränkt werden, da der Stoff seit geraumer Zeit im Verdacht stehe, Krebserkrankungen zu begünstigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Triclosan in Kosmetika, Waschmitteln, Textilien und Lebensmittelverpackungen z.B. für eine antimikrobielle Wirkung in geringen Dosen verwendet wird. Diese Wirkungsmengen reichen häufig nicht aus, um Krankheitserreger abzutöten, fördert jedoch die Resistenzbildung gegen Triclosan, sodass sich diese stärker vermehren als nicht resistente Erreger und so gegen Antibiotika unempfindlich werden.

Man müsse Verbraucher über Triclosan informieren, sodass vor dem Verkaufsregal ein bewusster Verzicht auf Triclosan stattfinde, so Feldhusen. Bei 15 getesteten Zahnpastaproben seien zwar keine Überschreitungen der Höchstdosen gefunden worden, jedoch wurde die Maximaldosis zumeist ausgeschöpft.

Triclosan ist demzufolge also allgegenwärtig. Bei Krankenhauspersonal konnte es im Blut, im Urin und in der Muttermilch von Probanden nachgewiesen werden. Die Konzentration für viele Kosmetika ist in der EU seit 2014 auf 0,3% beschränkt, was von Experten jedoch als zu unsicher für den Verbraucher eingestuft wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt Triclosan als Zahnpastabestandteil als gesundheitlich nicht gefährlich sein, solange die erlaubten Höchstdosen nicht überschritten werden. Allgemein rät BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel aber, Triclosan „nur in Kliniken und Arztpraxen“ einzusetzen und dies auch nur „sehr restriktiv und mit der notwendigen Sorgfaltspflicht“.

Ein Einfluss auf die Industrie ist bisher jedoch nicht zu sehen, da Triclosan überall dort verwendet wird, wo seine antimikrobielle Wirkung geschätzt wird. So auch in Matratzen, Textilien, Müllbeuteln und Spielzeug.

Nach der Norm EU-KVO 1223/2009 muss Triclosan auf der Inhaltsstoffliste z.B. von Zahnpasta ausgewiesen sein. Mögliche Alternativbezeichnungen lauten 5-Chloro-2-(2,4-dichlorophenoxy)phenol (chemischer Name) und CASRN: 3380-34-5.

Anreicherung von Triclosan in Filamenten der Zahnbürste

29. November 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Das in diversen Zahnpasten enthaltene Triclosan kann sich, so einer US-Studie zur Folge, in den Bürstenfilamenten der Zahnbürsten absetzen. Besonders hohe Konzentrationen konnten in Bürsten mit Nylonfilamenten und weichen Bestandteilen festgestellt werden.

Für die Untersuchungen des Teams um den Umweltchemiker Prof. Baoshan Xing von der University of Massachusetts, ob sich das Triclosan in den Borsten anreichere, wurden mit einem Testaufbau 22 handelsübliche Zahnbürsten und sechs triclosanhaltige Zahnpasten verwendet.

Das Ergebnis ist schockierend. Bei einer dreimonatigen Nutzung mit zwei Putzvorgängen pro Tag, reicherte sich bei jeder dritten Zahnbürste die 7- bis 12,5-fache Dosis, der beim einfachen Zähneputzen aufgenommenen an. Besonders stark betrifft dies Bürsten mit Nylonfilamenten oder weichen Bestandteilen.
Die Forscher warnen nun vor einer unkontrollierbaren Triclosanexposition.
Danach wechselten die Forscher auf die Verwendung einer triclosanfreien Zahnpasta, bei der die Borsten der Zahnbürsten den angereicherten Stoff für bis zu zwei Wochen wieder abgaben.
Ein direktes Gesundheitsrisiko für Verbraucher könne zwar nicht abgeleitet werden, jedoch zeigt der beobactete Effekt deutlich, dass es zu einer nicht steuerbaren Triclosanexposition kommen könnte.

Die Forscher sind der Meinung, dass das Design von Körperpflegeprodukten, welche absorbierende Polymerkomponenten enthalten, kritisch überprüft werden sollten, wenn diese während ihrer Benutzung regelmäßig mit Chemikalien in Berührung kommen. Dies gelte auch für andere Zahnpasta-Inhaltsstoffe wie Butylhydroxytoluol, Salicylsäuremethylester und Anethole, deren Anreicherung in den Weichteilen der Zahnbürste nachgewiesen werden konnte.
Zahnbürsten mit einer solchen chemischen Belastung seien als Bestandteil des Hausmülls eine bisher nicht beachtete Gefahrenquelle für die Umwelt.

Jie Han, Wei Qiu, Elizabeth C. Campbell, Jason C. White, Baoshan Xing: Nylon Bristles and Elastomers Retain Centigram Levels of Triclosan and Other Chemicals from Toothpastes: Accumulation and Uncontrolled Release, in: Environ. Sci. Technol., 2017, 51 (21), pp 12264-12273 DOI: 10.1021/acs.est.7b02839 Publication Date (Web): October 25, 2017

Gute Zähne nicht vererbbar

27. November 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

“Ich habe da aber auch echt schlechte Anlagen. Ich kann machen, was ich will. Ich habe immer ein neues Loch im Zahn.” – Sätze, die wohl jeder schon einmal gehört hat. Doch das stimmt überhaupt nicht, wie Forscher jetzt herausfanden.
Ein Team vom J. Craig Venter Institue in La Jolla, Kalifornien, um Mikrobiologin Karen E. Nelson verglich Mundflora und Zahngesundheit von 280 zweieiigen und 205 eineiigen Zwillingspaaren im Alter von 5-11 Jahren.
Zwar wiesen eineiige Zwillinge viel häufiger eine ähnliche Bakterienflora in der Mundhöhle auf, jedoch waren unter den gemeinsamen Bakterien vor allem solche, welche überhaupt nicht mit Karies assoziiert sind.

Die Übereinstimmung sank jedoch bereits in den ersten Lebensjahren. Je älter die Kinder wurden, desto stärker beeinflussten Ernährung und Zahnpflege das Auftreten einer Karies.

Festzuhalten ist also, dass die bakterielle Zusammensetzung der Mundflora zwar genetisch festgelegt ist, ihre Wirkung jedoch auf das frühe Kindesalter begrenzt ist. Zudem bezieht sich dieser Fakt vor allem auf Bakterien, die mit der Zahngesundheit nicts zu tun haben. Potentiell kariogene Taxa werden wahrscheinlich nicht durch genetische Faktoren kontrolliert.
Je älter also ein Mensch wird, desto mehr steigt der Einfluss von Zahnpflege und Ernährung auf die Zahn- und Mundgesundheit.

Karen E. Nelson et al., Host Genetic Control of the Oral Microbiome in Health and Disease, in: Cell Host & Microbe, Volume 22, Issue 3, p269-278.e3, 13 September 201


(Bildquelle)

Hoffnung für abgebrochene Knochen oder Zähne

22. November 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Forschern der Technischen Universität Berlin ist es gelungen, eine Art Superkleber herzustellen, der die Möglichkeit des Anklebens abgebrochener Knochen und Zähne verbessern soll. Hierbei handelt es sich um Muschelproteine, die von umprogrammierten Darmbakterien hergestellt werden. Laut Prof. Nediljko Budisa stellen sie die „Chemiefabrik“ dar, die den Superleim produziert. Er entwickelte zusammen mit ein biotechnisches Verfahren, welches die Herstellung des biologischen Unterwasserklebstoffes von Miesmuscheln ermöglicht.

Den Lebensraum der Miesmuscheln stellen die Gezeiten- und Schelfbereiche der Meere dar. Sie müssen dort dem Salzwasser und den dort herrschenden starken Strömungen standhalten. Hierfür nutzen sie einen Superkleber, um sich am Meeresboden festhalten zu können. Dieser Verbund muss auch dann noch halten, wenn die Muschelbänke nicht mehr von Wasser bedeckt sind.

Der Superkleber ermöglicht es der lebenden Muschel, sich beinahe an allen Oberflächen festzuhalten. Fäden, die aus einem Proteinkleber bestehen, scheidet sie an ihrem Fuß aus. 3,4-Dihydroxyphenylalanin, kurz DOPA, eine Aminsäure, stellt den wichtigsten Bestandteil des Proteinklebers dar.

Um den Kleber herzustellen wurde in zunächstein spezielles Enzym in Escherichia coli eingeführt, sodass aus dem Bakterium Methanocaldococcus jannaschii gewonnen werden und von den Forschern verändert werden konnte. Im Anschluss wurde das veränderte Darmbakterium mit der Aminosäure ONB (ortho-Nitrobenzyl)-DOPA gefüttert. In diesem sind die Dihydroxyphenyl-Gruppen geschützt, welche für die starke Klebewirkung verantwortlich sind – ähnlich der Schutzfolie, die die Selbstklebefläche von Aufklebern schützen.
Das so umprogrammierte Bakterium baut die Aminosäure, welche nun mit einer “Art Schutzfolie” versehen ist, in Proteine ein, sodass die Forscher ein Haftprotein erhalten, dessen Klebestellen noch geschützt sind.

Erst, wenn das geeschützte Haftprotein aus den Bakterien herausgelöst und gereinigt wurde, können die Schutzgruppen mittels Licht einer bestimmten Wellenlänge von 365nm entfernt werden, sodass die Klebestellen des  Haftproteins aktiviert werden und das Protein zielgerichtet als Klebstoff verwendet werden kann.

Bisher ist die Isolierung dieser Bio-Leime aus den Muscheln jedoch ineffizient und teuer, da sich den Wissenschaftlern zufolge aus 10.000 Miesmuscheln nur 1-2 Gramm des Superklebers gewonnen werden können. Zudem kann das Klebstoffprotein aus den Muscheln nicht homogen gewonnen werden. Jede der Chargen ist unterschiedlich. Ein weiteres Problem ist, dass das Haft-Protein der Miesmuschel wegen seiner Klebeeigenschaften quasi sofort verwendet werden müsste.

 

Veröffentlicht wurde der Bericht von: Matthias Hauf, Florian Richter, Tobias Schneider, Thomas Faidt, Berta M. Martins, Tobias Baumann, Patrick Durkin, Holger Dobbek, Karin Jacobs, Andreas Möglich, and Nediljko Budisa: “Photoactivatable Mussel-Based Underwater Adhesive Proteins by an Expanded Genetic Code”. ChemBioChem 2017, 18, 1819 – 1823, doi: 10.1002/cbic.201700327

Zahnarzt wagt den Selbstversuch

11. November 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Sein Instagramprofil hat fast 34.000 Follower, die er regelmäßig mit spannenden Fällen aus seiner Praxis versorgt, doch was er nun geteilt hat, verschlug wohl dem ein oder anderen den Atem.

„Er“ ist Rustam Yakhyaev, sein Instagramprofil doctor_yakhyaev. Nun hat er sich selbst einen Weisheitszahn gezogen – vor dem Spiegel. Selbst die Leitungsanästhesie legte er sich selbst.

Nach der erfolgreichen Eigen-OP performte er mit einer Helferin den Danceofwisdomtooth („Tanz des Weisheitszahns“).

Wer das Video sehen will, kann gerne auf seinem Instagram-Account vorbeischauen oder sich das Video auf YouTube ansehen.
Viel Spaß!

 


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