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1. Editorial |
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Hallo
und herzlich willkommen zu unserer neusten Ausgabe des Newsletters von MEDI-LEARN. Heute starten wir eine neue kleine Artikelserie, in der wir dir den Siegerbeitrag des Schreibwettbewerbs, den der Selbshilfeverein Morbus Wilson e.V. im letzten Jahr ausgerufen hatte, präsentieren. In lebendigem, unterhaltsamem Stil liest du heute den ersten Teil der Praxisfamulatur von "Sine Tempore".
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Ein studentischer Bericht über eine Innere-Famulatur in Ghana, eine Meldung über neue minimal invasive Methoden zur Behandlung von Magenkrebs, der aktuelle Jobticker und eine weitere Folge aus dem Weblog von Peter stehen heute ebenso auf dem Programm wie eine neue Runde "Lachen bis die Rippen krachen" mit unserem Cartoon und Witz der Woche.
Viel Spaß bei der Lektüre wünschen dir
Thomas, Jens und Christian
Redaktion MEDI-LEARN
Der Blick in die Zukunft: In der nächsten Ausgabe der Onlinezeitung liest du am 10.02.2009:
o Cartoon der Woche: Zucker
o Auf den Spuren der Königin - Ein PJ-Bericht
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| 2. Hartmannbund begrüßt Unterstützung beim Kampf um PJ-Verbesserung
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Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudenten im Hartmannbund, Andreas Klär, hat eine kürzlich in Berlin von Ärzten und Medizinstudenten vorgestellte Kampagne zum Praktischen Jahr (PJ) als wichtigen Baustein im Kampf um die Verbesserung der PJ-Qualität bewertet. „Wir begrüßen ausdrücklich jeden Partner, der sich bei diesem wichtigen Thema an unsere Seite stellt“, sagte Klär.
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In diesem Zusammenhang verwies Klär auf nachweisbare Erfolge entsprechenden Engagements im Hartmannbund. Durch eine Reihe von Aktionen in den vergangenen Jahren sei es bereits gelungen, viele Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser im Sinne der PJ-Qualität zum Umdenken zu bewegen. Da die PJler zunehmend als künftige Mitarbeiter statt als vorrübergehende, billige Hilfskräfte erkannt werden, stiegen sie in der Wertschätzung der Häuser.
Konkrete Daten, wie sich die Ausbildungsstätten gegenüber deren PJ-Studenten erkenntlich zeigen, hätte der Hartmannbund nach umfangreichen Recherchen in einer bundesweit einmaligen Übersicht zusammengefasst. Der Verband habe somit einen Wettbewerb unter den Kliniken entfacht, der sich positiv auf die Lehre äußere.
Der Hartmannbund vertritt als einziger politischer Verband die Belange aller Ärzte, Zahnärzte und Medizinstudenten in Deutschland und setzt sich für ihre wirtschaftlichen, beruflichen und sozialen Interessen ein. Darüber hinaus bietet er seinen Mitgliedern neben qualifizierten Beratungen zu rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Fragen auch Fortbildungen und ein umfangreiches Informationsangebot.
Quelle: Hartmannbund.de
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| Autor(in): Petra Schroeter ([email protected]) |
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3. (Nicht) Jedem dünkt sein Kupfer Gold Teil 1: Herr Copper stellt sich vor
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Der in Deutschland erstmalig durchgeführte Schreibwettbewerb für Medizinstudenten war ein überragender Erfolg, berichtet der Veranstalter, der Selbsthilfeverein Morbus Wilson e.V..
50 angehende Mediziner aus insgesamt 24 Universitäten des ganzen Bundesgebiets machten sich an die Recherche, verfassten Beiträge zum Thema „Klinische Erscheinungsformen und Diagnosestellung des Morbus Wilson“ und reichten diese beim Veranstalter ein. „Die Zahl der Wettbewerbsteilnehmer übertraf deutlich unsere Erwartungen“, so Beate Rasp, Vereinsvorsitzende. Wir präsentieren dir hier im Newsletter den Siegerbeitrag von Astrid Alexandra Gildemeister und Katharina Vogt in Form einer mehrteiligen Artikelserie.
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Einleitung – Die Woche beginnt
Montagvormittag – strahlend blauer Himmel und Sine Tempore ärgert sich insgeheim,
dass sie ausgerechnet zum Frühlingsbeginn ihre obligate 30-tägige Praxisfamulatur
absolviert. Genau wie in der vergangenen Woche erwartet sie – zu dieser feucht-kalten
Jahreszeit nicht gerade verwunderlich – ein überfülltes Wartezimmer in der Arztpraxis
des PD Dr. Cum Laude vorzufinden mit Patienten, die über allgemein bekannte
Erkältungssymptome klagen.
Die etwas andere Patientenvorstellung - Herr Copper stellt sich vor
„Recht gehabt“, denkt sich Sine. Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder eine beliebige Kombination dieses
Dreigespanns betreten und verlassen das Arztzimmer gleichermaßen. Gelangweilt schaut die Famula
mehrmals auf die Wanduhr, jedoch ohne die erhoffte Mittagspausenzeit
abzulesen. Diese in Gedanken planend, registriert sie nur am Rande, dass
sich der hüstelnde Herr Müller gerade verabschiedet hat und ein neuer
Patient hereingetreten ist. Vergessen sind Uhr und Pause – aus
unerklärlichen Gründen hat Herr Copper sofort ihre ungeteilte
Aufmerksamkeit. Dieser 18-jährige Patient berichtet, keine ernsteren Beschwerden zu haben. Er trinke
weder Alkohol, rauche, noch nehme er Drogen oder Medikamente – nicht einmal freiverkäufliche
Schmerzmedikamente. Er sei vor zwei Jahren das letzte Mal im Urlaub gewesen. Abends hätte er lediglich
Kniegelenkschmerzen, die, genau wie seine blauen Flecken am Körper, bei Mechatronikerlehrlingen keine
Seltenheit seien. Ihn störe allerdings eine teils übermächtig starke Müdigkeit, die ihm sogar seinen Appetit
verderbe. Auf Dr. Laudes Frage hin berichtet er, in der Vergangenheit bis auf einen leichten Schnupfen
weder erkrankt gewesen zu sein noch familienanamnestisch ernsthafte Krankheiten zu kennen. Nachdem er
aufmerksam zugehört und das Wichtigste notiert hat, beginnt der Arzt mit der
körperlichen Untersuchung und fordert seine Studentin auf, diese zu wiederholen.
Sine untersucht nun Herrn Copper ebenfalls, wobei sie ab und zu auf ihren
Kitteltaschenspickzettel schielen muss. Sie ertastet eine derbe, schmerzlose
Konsistenz unter der Haut im rechten Oberbauch sowie eine vergrößerte Milz.
Interessiert blickt sie auf das Resultat des zuvor abgenommenen Blutes und sieht
einen Anstieg der Transaminasen sowie einen Abfall der Erythro- und Thrombozyten. Sie fragt sich, woher
diese pathologischen Veränderungen kommen könnten. Bevor Sine weiter ihren Gedanken verfolgen kann,
hat Dr. Laude schon sein Sonografiegerät einschaltet. Die eine Hand mit dem Schallkopf auf dem Abdomen
des Patienten und die andere vor dem Bildschirm wild gestikulierend, zeigt er ihr die nun ausgemessene
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vergrößerte Leber sowie Milz und weist auf das deutlich verdichtete
Leberparenchym hin. Herr Copper hatte das Gespräch und die
Untersuchungen, ohne weitere Fragen zu stellen, über sich ergehen
lassen. Doch nun möchte er wissen, was mit ihm los ist sowie das
weitere Prozedere erfahren.
„Herr Copper“, antwortet Dr. Laude, „wir haben in Ihrem Blut erhöhte
Leberwerte und erniedrigte rote Blutkörperchen sowie Blutplättchen festgestellt. Noch wissen wir nicht
genau, was die Ursache dafür ist, ebenso wie wir den Grund ihrer vergrößerten Leber und Milz sowie ihrer
blauen Flecke noch nicht kennen. Nebenbei erwähnten Sie Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Appetitverlust.
Das sind sehr unspezifische Symptome und diese können bei vielen Krankheiten vorkommen. Zunächst
werden wir bei Ihnen nach Hepatitiserregern suchen. Dazu zählen unter anderem die Hepatitisviren A – E
sowie seltenere Erreger wie Cytomegalie-, Adeno-, Coxsackie-, Herpessimplex
und Ebstein-Barr-Viren. Aber auch Toxoplasma gondii, Brucellen
und Leptospiren, also Parasiten und Bakterien, müssen wir in Betracht
ziehen.(1) Eine medikamentös- und alkoholtoxische Leberschädigung
schließe ich bei Ihnen aus, da Sie dergleichen nicht zu sich nehmen. Sollten
wir keine dieser Erreger bei Ihnen finden, müssen wir nach Autoantikörpern
in Ihrem Blut suchen. Diese helfen uns, bei Ihnen Erkrankungen wie die
primäre biliäre Zirrhose, die primär sklerosierende Cholangitis oder die Autoimmunhepatitis I und II
nachzuweisen oder auszuschließen.(1) Die beiden Erstgenannten halte ich für sehr unwahrscheinlich, da ich
in der Sonografie nichts Auffälliges an den Gallengängen gesehen habe. Sollten wir dann immer noch nichts
Krankhaftes gefunden haben, müssen wir Sie noch nach Morbus Wilson, Hämatochromatose sowie Alpha1-
Antitrypsinmangel untersuchen.(1) Ich schlage vor, dass Sie mit meiner Famula dafür in das
gegenüberliegende Krankenhaus gehen. Haben Sie keine Angst. Ich werde auch weiter Ihr
Ansprechpartner bleiben und schaue später bei Ihnen noch einmal vorbei.“
Herr Copper ist einverstanden. Schnell drückt Dr. Laude Sine ein paar Blätter in die Hand
und schon befinden sich beide auf Station, wo ihm Blut abgenommen werden soll.
Weiterhin muss er ab dem kommenden Tag für 24 Stunden seinen Urin sammeln.
M. Wilson e.V.
Aufgrund der Seltenheit wird M. Wilson häufig zu spät erkannt.
Auf der Webseite des Vereins Morbus Wilson e.V. finden sich ausführliche Informationen
[klick hier zum M. Wilson e.V.]
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| Autor(in): Astrid Alexandra Gildemeister und Katharina Vogt ([email protected]) |
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Wohin gehen zum Famulieren im
Ausland? Für mich kam nur ein
englischsprachiges Land in Frage, da ich
mich trotz zwei Jahren Schulfranzösisch
und drei Semestern Spanisch an der Uni
nur im Englischen fit genug fühlte, um
im Krankenhaus zurecht zu kommen.
Es sollte nicht Europa sein, ich wollte
weiter weg. Asien kannte ich teils schon,
Australien und die USA auch, außerdem
sollte es kein westliches Land sein. Südund
Mittelamerika fiel wegen der Sprache
weg. Also blieb eigentlich nur Afrika.
Ein Kontinent, der mir noch völlig fremd
war, der mich aber doch interessierte. Für
Ghana habe ich mich dann wegen seiner
politisch stabilen Situation entschieden.
Ich war gespannt auf ein neues Gesundheitssystem
und besonders darauf, ob
man mit begrenzten Möglichkeiten trotzdem
gute Medizin praktizieren kann.
Außerdem erhoffte ich mir, mehr über
Tropenmedizin zu erfahren. Ein Gebiet
von dem man im Medizinstudium meiner
Meinung nach eher wenig hört, das ich
aber schon immer sehr spannend fand.
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Mitarbeit beim DFA hilfreich
Die Vorbereitung fiel mir relativ leicht,
da Ghana über den dfa (Deutscher Famulanten
Austausch) angeboten wird
und ich selbst als LEO (local exchange
officer) beim dfa in Köln gearbeitet hatte.
Ich kannte die geforderten Unterlagen
und wusste, wo man alles bekommt. Als
da wären: Viermal das Anmeldeformular
(ausgefüllt in Englisch), einen Letter
of Motivation (in Landessprache), vier
Passfotos, das Physikumszeugnis, Letter
of Recommendation (vom Studiendekan),
Sprachzeugnis (vom Spracheninstitut),
Auslandsversicherung (z.B. die
DÄV) und der Einzahlungsnachweis. Alles
über die Unterlagen für den dfa steht
auch auf der Homepage www.dfa-germany.
de bzw. www.ifmsa.com, oder fragt in
eurer Lokalvertretung nach!
Buchtipps vor der Abreise: Es gibt nur
einen deutschsprachigen: Reiseführer
Ghana, Peter Meyer Verlag, Jojo Cobbinah
für circa 25 Euro. Ich habe außerdem
noch ein Kauderwelsch-Buch aus dem
Reise Know-how Verlag mitgenommen,
eine Reihe, die einem helfen soll, eine
Sprache leicht zu erlernen. In diesem
Falle Twi: Das ist einer der Akan-Dialekte,
den etwa 70% der Menschen in
Ghana verstehen. Akan ist die wichtigste
Sprache in Ghana, so dass jeder sofort
begeistert ist und einen ins Herz schließt,
wenn man ein paar Brocken spricht und
versteht. Wenn ihr in der Inneren arbeitet,
kann ich außerdem das Oxford Handbook of Medicine empfehlen. Das benutzen in
Ghana fast alle und es ist einfacher, besprochene
Krankheiten in Englisch nachzulesen,
damit man direkt die englischen
Vokabeln parat hat.
Wenn ihr Euch ans Packen macht, kann
ich Euch nur raten nicht zu viel mitzunehmen,
da ihr auf dem Rückweg garantiert
einiges an Platz für Souvenirs
braucht. Ich wollte noch nie soviel Souvenirs
wie in Ghana kaufen. Im Krankenhaus
erwartet man von den Männern
Stoffhosen, Lederschuhe und (kurzärmelige)
Hemden.
Von den exchange students wird das nicht
ausdrücklich verlangt, aber die einheimischen
Studenten sind alle sehr ordentlich
gekleidet. Bei den Mädels wird das schon
viel lockerer gesehen. Hier sind Hosen
und Röcke, T-Shirts und sogar Flip Flops
erlaubt und möglich!
Früh genug solltet ihr natürlich auch zur
Impfberatung gehen. Hier könnt ihr entscheiden,
welche Impfungen ihr machen
wollt, Gelbfieber braucht ihr auf jeden
Fall. Als Malariaprophylaxe habe ich
Lariam genommen. Repellent in großen
Mengen ist sehr zu empfehlen und ich
würde mir unbedingt ein Spray für die
Kleidung mitnehmen, da die Moskitos
durch alles durchstechen.
Ins Gepäck gehören außer den normalen
Dingen noch Schnur und Klebeband
zum Befestigen des Moskitonetzes, ein
leichter Schlafsack bzw. ein Bettlaken
als Decke, ein Thermometer (wenn es
einem nicht gut geht, wird der Europäer
in Afrika meist doch etwas nervös), ein
Namensschild, Stromadapter (den englischen)
und Händedesinfektionsmittel
(auf Station gibt es nur ein Stück Seife
und Handtücher!). Dann kann es eigentlich
schon losgehen.
Vorlesung mit
Comedy-Charakter
Wenn ihr die Famulatur über den dfa
macht, müsst ihr euch darum keine Gedanken
machen, denn entgegen mancher
Ankündigungen und eigener Befürchtungen
wurde ich vom Flughafen abgeholt.
Das Team der Ifmsa in Accra ist
eigentlich sehr gut organisiert. Auch die
Austauschstudenten sind wahnsinnig nett
und man findet ganz schnell Anschluss.
Im Krankenhaus werdet ihr einer Gruppe
zugeteilt. Es ist nicht mit einer deutschen
Famulatur zu vergleichen, sondern es ist
eher so, als würdet ihr in Accra studieren.
Da das Studium in Ghana aber sehr praxisbezogen
ist, ist das nicht so schlimm.
Morgens bin ich mit den anderen um acht
Uhr zur Vorlesung gegangen, die hier das
gesamte Semester zusammen hat. Danach
bin ich mit meiner Gruppe (etwa
12-20 Studenten) auf Station gegangen,
wo die Studenten sich selbstständig ihre
zugeteilten Patienten anschauen. Später
kommt dann ein Arzt dazu, am Krankenbett
werden Fälle besprochen. Danach
hat man Mittagspause und es gibt meist
eine weitere Vorlesung am Nachmittag.
Die Vorlesungen sind wie in Deutschland
sehr vom Dozenten abhängig, ich hatte
längere Zeit einen Professor, bei dem die
Vorlesung wirklich Comedy-Charakter
hatte. Er erinnerte mich an Bill Cosby,
und die ghanaischen Studenten kommentierten
alles mit Zwischenrufen! Generell
geht alles etwas lauter zu, sehr amüsant!
Große Probleme hatte ich mit dem Pigdin-
Englisch, das fast überall im englischsprachigen
Afrika gesprochen wird.
Ein ungrammatisches Englisch, gespickt
mit lokalen Wörtern und vor allem mit
einem starken Akzent. Nach einer Zeit
hört man sich ein und es wird leichter.
Leider habe ich fachlich nicht soviel lernen
können, wie erhofft: Ich habe einen
Eindruck des Gesundheitssystems bekommen
und erfahren, wie es ist, wenn
ein Patient jeden einzelnen Handschuh
selbst bezahlen muss, es vielleicht aber
gar nicht kann und die Krankenschwestern
die Medizinstudenten um Spenden
bitten. Ghana baut gerade ein Krankenversicherungssystem
auf, so dass sich
bald vieles bewegen wird.
Das wirtschaftliche Denken
wird aber bleiben: Hier ist ein
CT nicht etwa Geld, was nur das
Gesundheitssystem belastet, sondern
hier kann es sich ein Patient
einfach nicht leisten! Dafür spielt
die Anamnese und die körperliche
Untersuchung eine viel größere
Rolle als bei uns.
An Patienten hätte ich gerne mehr
gesehen, aber die Hälfte der Zeit
meines Praktikums waren die Ärzte
im Streik. Und das bedeutet in Ghana,
dass Patienten, wenn sie nur irgendwie
gehen können, nach Hause
geschickt werden. So waren die ersten
zwei Wochen kaum Patienten
und Ärzte auf Station. Alle Dozenten
und Ärzte waren aber sehr
nett und bemüht. In der Vorlesung
habe ich viel über Tropenkrankheiten
gehört. So manche Krankheit
hat dabei ihren Schrecken für
mich etwas verloren. Malaria beispielsweise:
Afrikaner sind meist
ein wenig amüsiert, wenn sie sehen,
wie panisch Europäer bereits bei
kleinsten Anzeichen werden. Denn
von ihnen hat jeder meist schon
einen oder mehrere Malariaanfälle
hinter sich.
Heiratsantrag inklusive
Ich habe mich in Ghana von Anfang
an sehr wohl gefühlt, was zu einem
großen Teil an der unglaublichen
Freundlichkeit der Menschen liegt.
Ich bin im Anschluss an meine Famulatur
noch zwei Wochen herumgereist,
einmal quer durchs Land
und habe bis auf wenige Ausnahmen
durchweg positive Erfahrungen gemacht
Es gab nie Situationen, in
denen ich mich unwohl oder etwa
bedroht gefühlt hätte. Ghana ist ein
wirklich sicheres Reiseland – auch
für alleinreisende Frauen. Ghana
ist wenig touristisch, was das Reisen
bisweilen etwas anstrengend
macht, es zum anderen aber auch
nicht die unschönen Seiten des
Tourismus gibt. In der Stadt rufen
dir viele „obruni“ (Weißer) hinterher
und winkt, man wird auch
angefasst, Männer machen einem
eventuell Heiratsanträge, aber nie
wurde jemand aufdringlich.
Auch nicht nach einem gemeinsamen
Tanz – und man tanzt sehr
eng in Ghana! Wenn man die Zeit
hat, sollte man unbedingt in den
Norden des Landes fahren. hier ist
es noch am ursprünglichsten.
Der Mole Nationalpark (Elefanten,
Antilopen, Affen, Warzenschweine),
eine zweitägige Bootstour auf dem
Voltasee mit Übernachtung unter
Deck, eine Übernachtung im Borbiri
Wildlife Sanctuary (sehr romantisch),
der heilige Lake Bosumtwi,
Cape Coast, das Stelzendorf Nzuelo,
traumhafte Strände im Westen
des Landes... das sind nur einige
Dinge, die lohnend sind.
Meinen Kontinent
gefunden
Ich möchte diese Erfahrung nicht
missen und mir ist der Abschied
mehr als schwer gefallen, da Ghana
ein wunderbares Land ist und
ich viele neue Freunde gefunden
habe. Afrika mag für manchen ein
Kulturschock sein, aber da Ghana
so sicher und freundlich ist, fällt es
nicht schwer, sich schnell wohl zu
fühlen. Ich persönlich habe wohl
meinen Kontinent für mich gefunden.
Ich bin mir sicher, dass ich
nach Afrika zurückkehren werde.
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|
| Autor(in): Janine Hübl ([email protected]) |
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Fritzchen geht mit seiner Großmutter einkaufen und sagt zu ihr: "Oma, ich möchte einen Handstand machen"
"Nein, Fritzchen. Das geht nicht, dann sieht man doch deine Unterhose."
Nachdem Oma einige Dinge eingekauft hat, kehrt sie zu Fritzchen zurück. Da ruft Fritzchen: "Oma, Oma, ich habe einen Handstand gemacht!"
"Aber Fritzchen, dann sieht man doch deine Unterhose!"
"Nee, Oma, die hab ich ja vorher ausgezogen!"
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| Autor(in): Redaktion MEDI-LEARN ([email protected]) |
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Studium
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Forschung
- GINA sagt: Kontrolle ist besser!
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Medizin
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8. Aus dem Leben eines Erstsemesters: Die ESAG – Erstsemestereinführung Teil 2
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Es gibt rund 80.000 ihrer Sorte in Deutschland, Nachfrage steigend - immer mehr wollen es werden und "auch dazugehören". Die Rede ist von der ganz besonderen Spezies des Medizinstudenten.
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Drei von ihnen stehen bei uns fortan etwas im Rampenlicht: Sonja Herbst ist Medizinstudentin aus Hannover, Peter Artz ist Medizinstudent aus Düsseldorf. Beide haben zumindest zwei Dinge gemeinsam: Sie starten augenblicklich in das große Abenteuer ihres Medizinstudiums. Der dritte im Bunde ist Sebastian aus Göttingen, der von seinen Erlebnissen im Praktischen Jahr berichtet. Das Schöne daran: Sie lassen dich in Tagebuchform an ihren Erfahrungen teilhaben. Wöchentlich bieten wir dir abwechselnd einen Blick über Sonjas, Peters und Sebastians Schulter. Diese Woche steht die nächste Folge von Peter an.
Die ESAG – Erstsemestereinführung Teil 2
Juhu – endlich länger schlafen! 10 Uhr Treffpunkt Cafe Uno. Das ist doch mal eine Aussage. So trudelten wir dann alle nach und nach ein und stimmten uns auf den zweiten Tag ESAG ein, der im Übrigen weniger straff und mit mehr Freiheit geplant war. Auf dem Tagesplan standen die Führung über das Klinikgelände sowie der obligatorische Besuch der Bücherei Lehmanns.
Auf dem Uni-Gelände lernten wir dann das Studiensekretariat sowie Rektorat kennen und wussten, in welchen alten und heruntergekommenen Gebäuden die Berufsfelderkundung bzw. Hausarztpraktikumsbesprechung stattfinden. Außerdem schauten wir uns die Blutspendezentrale sowie den nicht zu übersehenden Neubau der operativen Abteilung an. Gegen zwölf machten wir uns dann auf den Weg Richtung Ausgang Uni Gelände und schauten kurz beim Mooren 18 – der Universitätsstudentenkneipe an der Moorenstraße vorbei, wo heute Abend die erste Fete stattfindet.
Bevor wir aber zum Bier greifen, greifen wir NATÜRLICH zuerst nach den Büchern und das am besten bei Lehmanns, dem Medizinfachbuchhandel am Campus. Dort angekommen wurden wir auch gleich gebührend empfangen: Brötchen, Kaffee und Alt-Bier! Ja – wirklich – alt Bier und dass um fünf vor zwölf mittags. Hier ist was los! Erste Aufgabe: Gewinnspiel, anschließend ging es dann in kleiner Runde in den Laden zur Buchberatung. Ein Pflichtbuch ist der Termibuch, das als einziges Exemplar vorgeschrieben ist. Entsprechend kauften auch ziemlich viele von uns das 10 € teure, kleine Büchlein. Nach gut einer Stunde verließen wir Lehmanns dann mit einer randvoll gefüllten Tasche mit vielen Postern, Kullis, Post-It und vieles mehr. Jetzt nur noch schnell zur Mensa und dann endlich mal ein freier Nachmittag!
Am Abend stand dann noch der obligatorische Kneipenbesuch im Mooren 18 auf dem Programm. Allerdings hatte sich bei mir kurzfristig Besuch angekündigt und ich musste noch schnell Weingläser und Wein besorgen. Also hab ich schon mal mit einer halben Flasche Weißwein vorgeglüht!
Um 9 bin ich dann in Richtung Mooren 18 aufgebrochen und wir haben in der völlig überfüllten Kneipe das ein oder andere Bierchen getrunken und neue Mitstudenten kennengelernt. Die lustige Szene war dann wirklich, als ein Kommilitone und ich auf der Männertoilette am Pissoir standen und sich die Toilettentür auf der Herrentoilette öffnete und ein nettes Mädel lächelnd aus dem Klo stapfte und uns auf die Männlichkeit starrte und feststellte: Huch, war wohl doch die falsche Tür! Wir haben uns vor lachen kaum halten können…es war ein wirklich gelungener zweiter Abend. Aber es war wohl auch das ein oder andere Bier zu viel.
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| Autor(in): Redaktion MEDI-LEARN ([email protected]) |
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Das 3B
Scientific-Anatomiespecial
Gemeinsam mit 3B Scientific, dem
renommierten Hersteller anatomischer Modelle, steht uns ein kompetenter
Partner zur Verfügung, der das Spezial freundlicherweise unterstützt.
Auf den Seiten findet ihr in den kommenden Monaten Beiträge rund um das
Thema Anatomie.
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Der Flieger zum Urwaldeinsatz geht nur bis Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates von Amazonien. Im Amazonasgebiet, das größer ist als der indische Subkontinent und in dessen namensgebenden Fluss mehr als ein Fünftel des Süßwassers auf unserem Planeten drainieren, ist Wasser der Haupttransportweg. Die Entfernungen im Urwald sind weit, Strassen sind mühsam anzulegen und stören das ökologische Gleichgewicht.
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Nicht von ungefähr werden jene kleinen Boote, die den Fluss Amazonas entlang fahren, als „Gaiola“ bezeichnet, dem portugiesischen Begriff für Vogelkäfig. Eng an eng, wie auf einer Hühnerstange, werden die Hängematten aufgespannt, in denen man nun die nächsten Tage bis zur Ankunft verbringt. Die Fahrt ist ebenso lang wie der Name meiner Nachbarin Ahuakuoufeng: drei Tage Fahrt auf engstem Raum geben Zeit und reichlich Muße für ihre Lebens- und – als sie mitbekommt, dass der Hängemattennachbar Mediziner ist – ihre Krankengeschichte. Ziel ist ein kleines Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Santarém, einem der wenigen größeren Orte am Amazonas.
Drei Infektiologen, ebenso viele Chirurgen und zwei Neurochirurgen halten die medizinische Versorgung aufrecht für alle diejenigen, die das Krankenhaus erreichen können. Genau dies ist oft schwierig – weiter entfernt lebende Populationen müssen oft tagelang fahren, bis sie Santarém erreichen. Daher fahren die Infektiologen regelmäßig in entfernte Dörfer, um dort Sprechstunden abzuhalten. Im Urwald Amazoniens treten alle Infektionserkrankungen auf, die weltweit überhaupt existieren, sowie zusätzlich einige, die hier endemisch sind. Das staatliche Gesundheitssystem Brasiliens läuft für lateinamerikanische Verhältnisse recht funktionell. Doch für das AIDS-Versorgungsprogramm muss das Labor für T-Zell-Zahl und Viruslast ins über 1.000 km entfernte Uniklinikum von Belém geschickt werden. Allerdings fehlt es oft an geeigneten Antibiotika; behandelt wird mit dem, was halt gerade zur Verfügung steht. Selbst bei akuten Fällen von Tetanus stehen trotz eindrucksvoller Manifestation des typischen „Risus sardonicus“ bisweilen nicht mal Sedativa zur Verfügung. Von den Infektiologen mitversorgt werden die täglich auftretenden Fälle von Schlangen- und Skorpionbissen. Auch dafür gibt es aufgrund der geringen Inzidenz anderswo derzeit keine adäquate Therapie. Die Entfernungen im Gebiet des Amazonas sind schier endlos.Die Wege zum Krankenhaus in Santarém sind schwer zugänglich – Grund für die örtliche Initiative „Saúde e Alegria“, zu deutsch „Gesundheit und Freude“, auch weiter gelegene Ortschaften in den Tiefen des Dschungels selber aufzusuchen und hier aktiv Prävention zu betreiben. Statt Medikamenten oder Therapien bringen sie die Utensilien für einen Zirkus mit. „Circo Mocorongo“ heißt er stolz, benannt nach Mocorongo: der Name, den die Caboclos, das sind die Nachfahren der portugiesischen Eroberer und einheimischen Indios, dieser Gegend von Santarém gegeben haben. Zusammen mit den Einwohnern der Urwalddörfer üben die Mitarbeiter von „Saúde e Alegria“ ein Programm mit den Dorfeinwohnern ein, mit kleinen Kunststückchen und Sketchen. Sie haben Themen wie Trinkwasserhygiene, Schwangerschaftsvorsorge, gesunde Ernährung oder Zahnpflege zum Gegenstand. Auf spielerische und kreative Weise wird so Vorsorge betrieben in einer Gegend, in der medizinische Versorgung zu weit entfernt ist und in der mit Information weit mehr Nachhaltigkeit bewirkt wird als mit Medikamenten. Abends wird dann das mit Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen eingeübte Programm aufgeführt vor den Dorfeinwohnern. Alle sind Akteure und Zuschauer zugleich – eine willkommene Abwechslung in einer Region, in der der aggregatbetriebene Satellitenfernseher irgendwo in einem entfernten Nachbardorf höchstens mal anlässlich eines Spiels der „Seleccao“, der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, in Betrieb gesetzt wird.
Amazonastypischer Urwalddampfer Auch „Saúde e Alegria“ verfügt über eine eigene Gaiola, den amazonastypischen Urwalddampfer. Er wird über den Zirkus hinaus beispielsweise zur Versorgung von Patienten in Gebieten mit erhöhter Inzidenz an Malaria, für Impfkampagnen in abgelegenen Gegenden oder für Reihenuntersuchungen von Kindern in bekannten Regionen mit Unterentwicklung genutzt. Größter Wert wird dabei auf den präventiven Aspekt der Arbeit gelegt. Wichtige Themen sind hier, in einer Gegend, in der das nasse Element in Übermengen vorkommt, Wasser und Abwasser – damit das Antihelmitikum nicht gleich wieder mit wurmhaltigem Wasser heruntergeschluckt wird. Daher unterstützt „Saúde e Alegria“ auch den Bau einfacher Latrinen. Primär steht die nachhaltige Entwicklung der Bevölkerung in den entlegenden Gebieten im Vordergrund, kurative Einsätze erfolgen gewissermaßen bei Bedarf und bei Gelegenheit.
Die Caboclos des Regenwaldes von Amazonien leben relativ autark als Fischer und Kleinbauern. Ihr Tagesablauf wird vom Aufgehen und Untergehen der Sonne bestimmt. Gesundheit und Krankheit werden hier, fernab von Strom und Kanalisation, als schicksalhaft aufgefasst. Im Rahmen der möglichen Versorgung mit endemischen Naturheilmitteln sind wundersame Wässerchen oft das einzige Mittel gegen Schlangenbisse oder Malaria. Beispielhaft für die noch vorherrschende Auffassung von Gesundheitsversorgung steht die Anekdote einer mitreisenden Zahnärztin: auf die Aufforderung eines Caboclo, ihm doch einen Zahn zu ziehen, gab sie die Auskunft, alle Zähne seien doch in Ordnung. Der Caboclo insistierte jedoch und gab zu bedenken, man müsse die Gelegenheit nutzen und trotzdem einen Zahn ziehen: denn wer wisse schon, wann sich in diese Gegend mal wieder ein Zahnarzt verirrte.Auf den oft tagelangen Gängen durch den Urwald, von Siedlung zu Siedlung ziehend, werden wir von den jeweiligen Dorfvorstehern (zumindest in der Gegend um Santarém sind das nicht selten Frauen) mit Wasser und Verpflegung versorgt. Wir führen lediglich unsere Hängematten zur Übernachtung mit uns und eine alte Werkzeugkiste, die neben Kokosseife zur Beseitigung von Ungeziefer ein wenig medizinisches Material enthält. Allerdings keine Medikamente, da eine regelmässige, kurative Versorgung ohnehin nicht möglich ist und keine dementsprechenden Erwartungen geweckt werden sollen. Information soll die nicht mögliche Medikation ersetzen.
Geheimnisvolles Gerät Ein Blutdruckmessgerät hingegen findet gerade bei Kindern oft großes Interesse. Einmal kommen auf Betreiben der Kinder sämtliche Einwohner eines Dorfes, stellen sich brav in einer Reihe an und drängen darauf, sich einer nach dem anderen den Blutdruck mit diesem geheimnisvollen Gerät messen zu lassen um dann erleichtert mit der Diagnose eines normalen Blutdrucks von dannen zu ziehen. Das Projekt „Saúde e Alegria“ versucht in einem unzugänglichen Gebiet die schwierigen Wege zu gesundheitsversorgenden Strukturen zu bahnen. Aus eigenem Antrieb und mit einfachen Mitteln arbeiten die Mitarbeiter an einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität. Sie nennen ihr Vorhaben „Gesundheit und Freude“, denn, wie sich einer der Beteiligten ausdrückt, „Gesundheit ist die Freude des Körpers und die Freude ist die Gesundheit der Seele.“
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| Autor(in): Dr. Karsten Lunze ([email protected]) |
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idw - Magenkrebs - diese Diagnose bedeutete bislang stets das Entfernen des Magens oder ganzer Teile, mit entsprechenden Folgen für die Betroffenen. Mit einer neuen minimal invasiven Technik können Ärzte jetzt in vielen Fällen während einer Magenspiegelung den Krebs gezielt entfernen, den Magen aber als Ganzes belassen. Möglich macht dies unter anderem die immer frühere und genauere Entdeckung bösartiger Veränderungen.
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Endoskopische Kameras liefern heute hochauflösende Bilder vom Zustand des Magens und seiner Schleimhaut. Hier liegt die Chance für das neue Verfahren, die endoskopische Submukosa-Dissektion (ESD). Hinter dem Fachbegriff verbirgt sich nichts anderes als das gezielte Abtragen von Teilen der Verbindungsschicht (Submukosa) zwischen Magenschleimhaut und Magenwand. Ist der Krebs bereits in die aus glatten Muskelzellen bestehende Magenwand eingedrungen, ist oft eine Totaloperation notwendig. Wird dagegen ein früher Krebs rechtzeitig erkannt, kann er heute mit dem Endoskop komplett aus dem Magen geschnitten werden, ohne dass die Magenwand mit entfernt werden muss. Dabei ist der Zeitfaktor von entscheidender Bedeutung. Die Tiefe, in die sich Krebsgeschwüre oder ihre Vorstufen in die Schleimhaut und die darunter liegende Submukosa vorgearbeitet haben, entscheidet über den Erfolg der neuen endoskopischen Methode. Auch die Ausbreitung in der Fläche spielt eine Rolle. Generell gilt: je weniger, desto besser die Chance, mit dem minimal invasiven Eingriff den Krebs oder seine Vorstufen zu entfernen und den Magen als Ganzes zu erhalten.
Auch bei Krebs in der Speiseröhre erfolgreich
Die neue Methode lässt sich auch in der Speiseröhre anwenden. In Speiseröhre und Magen bestehen die besten Aussichten auf Erfolg, wenn lediglich die Magenschleimhaut durch Krebszellen befallen ist, die darunter liegende Schicht jedoch noch nicht. Zwar wird auch bisher schon die erkrankte Magenschleimhaut endoskopisch entfernt, wenn sich dort frühe Krebsstadien finden. Das Hauptproblem dieser Methode war jedoch, dass die Mediziner bei größerem Befall den Krebs bisher nicht in einem Stück entfernen konnten, sondern nur stückweise. Indem sie jetzt die unter der Magenschleimhaut liegende Submukosa gleich mit abtragen, können sie das kranke Gewebe komplett aus dem Magen entfernen. Das ist wichtig, um es im Anschluss an die Operation möglichst genau untersuchen zu können. Nur dann kann der Pathologe feststellen, dass kein krankes Gewebe mehr im Magen ist - unerlässlich für den Erfolg der Therapie und den Erhalt des Magens als Ganzes.
So funktioniert die ESD
Mit der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) ist es erstmals möglich, Krebsgeschwüre aus dem Magen in einem Stück zu entfernen. Gegenüber dem bisherigen Abtragen von Geschwülsten auf der Magenschleimhaut geht das neue Endoskopieverfahren eine Schicht tiefer und greift in die Zwischenschicht (Submukosa) ein. Der eigentliche Magenmuskel wird dabei geschont. Um das kranke Gewebe von der Muskelschicht zu trennen, injiziert der Arzt bei dem Eingriff zunächst eine Flüssigkeit in die Submukosa, die die erkrankte Schleimhautschicht vom Untergrund abhebt. Danach schneidet er mit speziellen endoskopischen Schneidewerkzeugen die Magenschleimhaut großflächig um die betroffene Stelle ein. Im nächsten Schritt wird das Bindegewebe darunter, die Submukosa, abgelöst. So lassen sich befallene Stellen großflächig entfernen. Auf diese Weise entstehen zudem saubere Schnitte, es kommt seltener zu Rückfällen. Allerdings dauert der Eingriff länger als bisherige endoskopische Verfahren. Zudem muss vorher geklärt werden, ob in der Submukosa verlaufende Lymph- oder Blutgefäße befallen sind. Idealerweise lassen sich mit der ESD frühe Krebsstadien sicher entfernen und das Risiko für die Entstehung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) sinkt unter fünf Prozent. Für eine endgültige Risikoabschätzung im weiteren Verlauf ist daher die Untersuchung des entnommenen Gewebes maßgebend. Erst sie zeigt, ob die endoskopische Operation ausreichend war. Um in Deutschland eine Übersicht über den Stand der ESD zu gewinnen, haben sich mehrere Kliniken unter Federführung der III. Medizinischen Abteilung der Asklepios Klinik Barmbek zusammengeschlossen, und ein gemeinsames deutschlandweites Register eingerichtet, das Daten über Eingriffe mit dieser Methode verzeichnet. Beteiligt ist auch die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.
Quelle: idw-online.de
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| Autor(in): Jens Oliver Bonnet ([email protected]) |
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