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Feuerblick
01.04.2019, 13:38
Wer behauptet bitte, dass man für ein Medizinstudium naturwissenschaftlich talentiert sein und zur Elite gehören muss? Diese ewig Gestrigen sollten wirklich langsam mal die Klappe halten.
Ja, das Studium ist anstrengend, fordernd und oft auch einfach nur nervig. Aber Überflieger muss man dafür nicht sein. Du brauchst eher Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, dir auch komplett uninteressante Dinge in kürzester Zeit in den Kopf zu prügeln. Fleiß ist definitiv wichtiger als Talent für dieses Studium. Und nebenher leben geht in aller Regel problemlos, wenn man ein klein bisschen organisiert ist.

nie
01.04.2019, 14:07
Cool, ich wollte schon immer mal zur naturwissenschaftlichen Elite gehören. Nur wird diese vermutlich jeden Mediziner auslachten, der denkt er würde zu dieser Elite gehören.

Jeder Studium ist anstrengend, nervig und erfordert Durchhaltevermögen. Meiner Meinung nach sollte man sich weniger Gedanken und das Studium machen sondern mehr schauen, was einen nach dem Studium erwartet.

epeline
01.04.2019, 15:07
Also für das technische Studium meines Mannes hätte ich definitiv mehr Talent gebraucht als für Medizin.
Woher diese komische Ehrfurcht kommt, weiß ich auch nicht.

davo
01.04.2019, 16:07
Ich versteh das auch nicht so ganz. Ich fand mein Erststudium deutlich anspruchsvoller als das Medizinstudium. Und das naturwissenschaftliche Niveau ist im Medizinstudium doch wirklich sehr niedrig - das ist im Endeffekt Bio, Chemie und Physik auf Abi-Niveau, mehr nicht. Zur "absoluten Elite" gehören in meinem Semester vielleicht ein, zwei Leute - wenn überhaupt. Ja, kräfteraubend ist das Medizinstudium zum Teil schon, v.a. in der Vorklinik - aber nichts was man nicht schaffen könnte.

Deine große Ehrfurcht vor dem Medizinstudium halte ich deshalb ganz eindeutig für unangebracht. Die solltest du ganz schnell ablegen - es ist ein Studium wie jedes andere auch. Mehr nicht.

WackenDoc
01.04.2019, 16:19
Naturwissenschaftliche Elite finde ich lustig. Grundlegendes naturwissenschaftliches Verständnis ist sicher hilfreich, Beharrlichkeit, intrinsiche Motivation, hohe Frustrationstoleranz sind deutlich wichtiger.

Medizin ist eine Mischung aus Natur- und Geisteswissenschaften. Es heisst ja nicht ohne Grund HeilKUNST. Da steckt einiges an Wahrheit drin.

Ein extremer Vorteil an der Medizin ist einfach, dass man 1. damit gut Geld verdienen kann und das auch mit Einschränkungen und bis in´s hohe Alter und 2. so ziemlich jeder seine Nische finden kann, weil es so viele Möglichkeiten gibt.

Feuerblick
01.04.2019, 18:53
Also für das technische Studium meines Mannes hätte ich definitiv mehr Talent gebraucht als für Medizin.
Woher diese komische Ehrfurcht kommt, weiß ich auch nicht.
Ich glaube, das wurde quasi über Jahrhunderte in den Gehirnen festzementiert. „Arzt“ ist gleichbedeutend mit „kann alles, weiß alles, ist hochintelligent und Elite“. Völlig bescheuert eigentlich. Aber hey, sonnen wir uns doch ne Runde in der Bewunderung der anderen Leute... Zur Elite wollte ich schon immer mal gehören! :-))

GelbeKlamotten
01.04.2019, 22:50
Hallo, ich bin es nochmal. Vielen Dank für die vielen Antworten.

Eine Pro- und Contra-Liste habe ich bereits erstellt.

Pro:

-interessanter und abwechslungsreicher Beruf
-sicherer Beruf
-solides Einkommen
-keine örtliche Gebundenheit ( sehr wichtig)
-viele Spezialisierungsmöglichkeiten
- Chance, auf für längere Zeit im Ausland zu arbeiten

Contra:

-sehr hartes Studium (?)
- ich habe kein großes Talent in den Naturwissenschaften
-z.T. die Arbeitsbedingungen

Meine größte Angst ist sicherlich, dass ich etwas studiere, dass nicht meinen Fähigkeiten entspricht und die liegen nun leider nicht im naturwissenschaftlichen Bereich. Mathe (10-12 pkt.) und Bio (14) sind noch ganz in Ordnung, aber für Chemie und Physik habe ich einfach kein Händchen. Ich werde also im Studium sehr hart arbeiten müssen, wenn ich überhaupt eine Chance haben will. Medizin ist halt ein naturwissenschaftliches Studium. Wie gesagt, den Beruf finde ich interessant, sinnvoll und vielseitig. Was mir sehr wichtig ist, ist halt dass ich mit einem Medizinstudium auch im Ausland arbeiten könnte. Ein Teil meiner Familie lebt in Südamerika und es wäre mich wichtig, dort auch für eine gewissen Zeit arbeiten zu können. Diese Freiheit habe ich mit kaum einem anderen Beruf.

Es ist halt irgendwie einschüchternd, wenn alle immer sagen, dass man für das Medizinstudium zur absoluten Elite gehören muss und dass man naturwissenschaftlich sehr talentiert sein muss, wobei das Studium dann immer noch total anstrengend ist und fast das gesamte Leben einnimmt. Ich weiß, dass die Behauptungen ein bisschen übertrieben sind, aber sie haben ihre Wirkung auf mich.

Ein paar Anmerkungen von mir zu deinen Überlegungen:

1. Wie schon andere geschrieben haben: Vergiss das mit den Naturwissenschaften. Die naturwissenschaftlichen Fächer in der Vorklinik sind in der Regel nicht auf höherem Niveau als die Oberstufe in der Schule und danach gibts gar keine reinen Naturwissenschaften mehr. Anstrengend in der Vorklinik ist z.B. Biochemie und Anatomie. Bei beidem muss man einfach große Mengen an Fakten auswendig lernen. Das erfordert schon einen gewissen Zeitaufwand, ist aber letztlich für fast jeden irgendwie zu schaffen.

2. Das Studium hat seine anstrengenden Zeiten, das ist richtig. Der Berufsalltag danach wird aber noch deutlich anstrengender. Schau lieber in deinem Praktikum, ob der Berufsalltag was für dich ist, anstatt solche Überlegungen zum Studium anzustellen. Ich habe als Studentin im Schnitt sicher weniger als die Hälfte an "Arbeitszeit" gehabt wie jetzt als Ärztin und trotzdem mein Studium mit einer 1 vor dem Komma abgeschlossen. Das Studium ist definitiv machbar.

3. Die örtliche Ungebundenheit wird sehr oft als Vorteil des Arztberufes angeführt. Das kann ich nur sehr bedingt nachvollziehen. Du kannst als in Deutschland approbierter Arzt auch in anderen Ländern arbeiten, das ist prinzipiell richtig, aber es ist schon mit einem recht großen organisatorischen Aufwand verbunden und oft ist es auch erst nach dem Facharzt sinnvoll möglich. Und dann steht andererseits die Frage an, ob du überhaupt im Krankenhaus bleiben willst (d.h. weiterhin ständig Dienste schieben, an der Notfallversorgung beteiligt, etc.) oder ob du in eine Praxis willst. Sobald du Praxis(mit)inhaber in Deutschland bist, ist es aus und vorbei mit den Auslandsplänen. Dann zahlst du Miete, Angestellte, zahlst uU teure Geräte ab, musst deinen KV-Sitz halten, etc. Dann noch ins Ausland gehen? Vergiss es. Du wirst selbst bei jedem Urlaubstag daran denken, was du durch deine laufenden Kosten für ein Minus machst, wenn du zu lange wegbleibst. Erst ins Ausland und dann eine Praxis? Kann man machen, aber kostet dich einiges von deinem Lebensgesamtverdienst, denn in der Regel steht eine erhebliche Anfangsinvestition an, die erst mal wieder reingeholt werden muss. Eine eigene Praxis für 30 Jahre bringt unter Umständen insgesamt den doppelten Reingewinn wie eine eigene Praxis für 20 Jahre.

Zudem ist Arbeiten als Arzt ist im Ausland in der Regel nur zu den Arbeitsbedingungen in dem jeweiligen Land möglich. Wenn du als Ingenieur oder Informatiker ins Ausland willst, dann hast du entweder die Möglichkeit dich direkt dort zu bewerben, oder du hast die Möglichkeit, dich bei einer deutschen Firma zu bewerben, die auch in deinem Wunschland tätig ist. Damit hast du dann teils die Chance, nur hin und wieder für ein paar Wochen oder Monate im Ausland zu arbeiten oder auch für längere Zeit dort zu arbeiten, aber weiterhin bei der deutschen Firma angestellt zu sein. Das bringt dir nicht nur enorme organisatorische Vorteile, sondern in vielen Fällen auch große finanzielle Vorteile. Als Expat einer großen deutschen Firma bekommst du oft z.B. deine Wohnung bezahlt und zusätzlich noch einen netten Zuschuss zum Gehalt. Wenn du als deutscher Arzt in Südamerika arbeitest siehts mit dem Gehalt wahrscheinlich eher schlechter aus als hier.

Ich empfinde es eher als Nachteil am Arztberuf, dass man wenig in der Welt rumkommt. Von meinen Freunden, die etwas anderes Studiert haben, ist fast jeder beruflich ab und zu im Ausland unterwegs. Einige haben sogar die Möglichkeit, frei zu entscheiden, in welcher Niederlassung ihres Unternehmens sie gerade arbeiten möchten. Das hätte ich auch gerne so, aber als Ärztin gehe ich zwangsläufig jeden Morgen in das gleiche schnöde Krankenhaus. Das mag anders sein, wenn du Prof. und Chefarzt bist und von einem internationalen Kongress zum nächsten fliegst, aber so weit musst du erstmal kommen.

4. Sicherer Job und viele Spezialisierungsmöglichkeiten? Jein.
Es gab auch schon Zeiten, in denen es zu viele Ärzte gab. Und es ist durchaus möglich, dass es wieder so weit kommt. Gerade das zur Zeit überall gehypte "Deep Learning" birgt schon das Potential, einen Teil der ärztlichen Aufgaben zu übernehmen, insbesondere in den patientenfernen Bereichen. Zwar sicherlich nicht in den nächsten 10 Jahren, aber in den nächsten 25 vielleicht schon. Computer können jetzt schon besser EKGs lesen als Kardiologen, genauso gut Hautveränderungen einschätzen wie Dermatologen und besser Pneumonien im Röntgenbild erkennen als Radiologen. Was das für die Zukunft bedeutet ist absolut offen. Vielleicht verringert es den Ärztebedarf, vielleicht erhöht es ihn aber auch. Da kann man viel spekulieren.
Und so viele verschiedene Fächer es auch gibt in der Medizin, letztlich muss dir einfach die Patientenversorgung liegen. Ob du jetzt Allgemeinchirurg bist und Blinddärme operierst oder Neurochirurg bist und unter Mikroskopsicht im Hirn vom Patienten rumstocherst, letztlich überschneidet sich doch vieles und die Tätigkeiten weichen meiner Meinung nach nicht so sehr voneinander ab wie die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten eines wirtschaftswissenschaftlers oder Ingenieurs.

davo
02.04.2019, 07:32
Ich halte diese Sichtweise der geographischen Mobilität von Ingenieuren oder Informatikern ehrlich gesagt für (viel) zu optimistisch.

Die meisten Ingenieure und Informatiker haben keinen IGM-Tarifvertrag, haben keinen coolen, abwechslungsreichen Job in dem sie ständig ein paar Wochen in interessanten Ländern arbeiten können, haben es nicht super leicht im Ausland zu arbeiten - sondern haben irgendeinen langweiligen Job in Deutschland, bei dem jeder Tag gleich ist. So wie die meisten Ärzte halt auch.

Ich kenne schon ein paar Leute, die es geschafft haben, inklusive eines Informatikers bei Google in Kalifornien, aber der Regelfall ist das nicht. Leute, die so etwas schaffen, hätten auch während des Medizinstudiums problemlos gute Ergebnisse auf die USMLE-Examen geschafft und wären jetzt halt auf einer AA-Stelle in den USA.

Ich glaube deshalb zusammenfassend ehrlich gesagt nicht, dass es für Absolventen anderer gefragter Fächer spürbar leichter als für Ärzte ist, im Ausland zu arbeiten. Selbst unter den BWLern gelingt es nur sehr wenigen, sich dauerhaft auf einer guten Stelle in einem lebenswerten Land zu etablieren.

belanglosigkeiten
02.04.2019, 07:34
"Örtliche Ungebundenheit" kann und wird wohl auch auf innerhalb Deutschlands bezogen sein. Ja, mich beruhigt es zu wissen, dass ich nach dem Studium eine Stelle in jeder Gegend der Republik finden kann, egal ob Berlin oder Bodensee. Und wenn ich nach dem Common Trunk nochmal ans andere Ende des Landes ziehen will, hält mich davon grundsätzlich niemand ab. Natürlich kann's sein, dass Derma in der Uckermark schwierig wird, aber vermutlich gäbe es mit viel Willen und ordentlichen Studienleistungen selbst da eine Lösung.
Das war in dem Studienfach, in das ich mich vorher verirrt hatte, ganz anders, trotz "attraktivem" (nicht für mich) Beruf am Ende.

GelbeKlamotten
02.04.2019, 08:51
Ich halte diese Sichtweise der geographischen Mobilität von Ingenieuren oder Informatikern ehrlich gesagt für (viel) zu optimistisch.

Die meisten Ingenieure und Informatiker haben keinen IGM-Tarifvertrag, haben keinen coolen, abwechslungsreichen Job in dem sie ständig ein paar Wochen in interessanten Ländern arbeiten können, haben es nicht super leicht im Ausland zu arbeiten - sondern haben irgendeinen langweiligen Job in Deutschland, bei dem jeder Tag gleich ist. So wie die meisten Ärzte halt auch.

Ich kenne schon ein paar Leute, die es geschafft haben, inklusive eines Informatikers bei Google in Kalifornien, aber der Regelfall ist das nicht. Leute, die so etwas schaffen, hätten auch während des Medizinstudiums problemlos gute Ergebnisse auf die USMLE-Examen geschafft und wären jetzt halt auf einer AA-Stelle in den USA.

Ich glaube deshalb zusammenfassend ehrlich gesagt nicht, dass es für Absolventen anderer gefragter Fächer spürbar leichter als für Ärzte ist, im Ausland zu arbeiten. Selbst unter den BWLern gelingt es nur sehr wenigen, sich dauerhaft auf einer guten Stelle in einem lebenswerten Land zu etablieren.

"Selbst unter BWLern"? Als BWLer dürfte es imho mit am schwierigsten sein, denn nach dem BWL Studium bist du meistens nur ein 0815 Sesselpupser, der kaum wirklich wertvolle Expertise hast (will hier niemandem auf den Schlips treten, aber das ist so. habe selbst einige Zeit lang ein BWL-verwandtes Fach studiert). Wenn du dann auch noch einen deutschlandspezifischen Schwerpunkt (z.B. Rechnungswesen, deutsches Wirtschaftsrecht, etc.) hast, dann siehts natürlich noch schlechter aus. Als VWLer hast du da in der Regel schon mehr Möglichkeiten. Und als Informatiker/Ingenieur erst recht.

Ich habe viele Informatiker im Freundeskreis. Einer hat auf eigene Initiative schon zwei mal für ein halbes Jahr in den USA gearbeitet, von seinem deutschen Arbeitgeber aus und mit hervorragender Bezahlung und komfortabler Organisation durch den Arbeitgeber. Ein anderer arbeitet bei einer großen weltweit agierenden IT-Firma und hätte jetzt mit ein paar Jahren Berufserfahrung hervorragende Chancen sich in Auslandsprojekten in fast frei wählbaren Ländern einzubringen, wenn er das wöllte. Nicht dauerhaft, aber jeweils für einige Monate. Die meisten wollen nämlich gar nicht weg. Wer ne Familie mit zwei kleinen Kindern zu hause hat, will halt meistens nicht einfach mal 6 Monate nach Venezuela. Und wenn die Kinder größer sind und man selbst auf die 40 zugeht ohne mal länger das Land verlassen zu haben, dann trauen sich viele das gar nicht mehr zu.
Wenn es nur darum geht, in irgendeinem beliebigen lebenswerten Land außerhalb Deutschlands zu arbeiten, dann sind die Chancen hierfür für ITler, Ingenieure und einige Wirtschaftswissenschaftler hervorragend. Wenn man in ein spezielles Land möchte, dann muss man ggf. gezielt seinen Job danach aussuchen, aber mit etwas Arbeitserfahrung ist auch das dann oft möglich.
Die meisten wollen das nur gar nicht. Ein großer Teil gerade der ITler in meinem Bekanntenkreis sucht ganz im Gegenteil gezielt nach Jobs, in denen sie nicht Reisen müssen und nicht für längere Zeit ins Ausland müssen.

davo
02.04.2019, 09:30
Der Threadersteller würde halt gerne "für längere Zeit" im Ausland arbeiten. Ein paar Monate in den USA sind nicht schwer, klar, aber, wie du ja selbst sagst, wollen das die meisten (verständlicherweise) gar nicht. Dauerhafte Jobs sind viel, viel schwerer zu bekommen - ich kenne genug, die daran gescheitert sind. Und der, der angeblich total flexibel alles überall könnte - so sagt einem das der Arbeitgeber gerne, aber ob das auch tatsächlich so ist, ist eine andere Frage.

In meinem Bekanntenkreis habe ich da sehr viele enttäuschte Hoffnungen erlebt, und mein Eindruck war wie gesagt, dass da nur eine sehr kleine Elite wirklich realistische Chancen auf gut bezahlte, interessante Jobs in interessanten Ländern hat. Hingegen kenne ich viele Ärzte, die völlig unproblematisch interessante Jobs in der Schweiz, in Österreich, in Schweden oder in England gefunden haben, und auch ein paar einzelne, die es, mit ungleich größerem Aufwand, in die USA oder nach Kanada verschlagen hat. Aber es ist natürlich durchaus möglich, dass du da aus deinem Bekanntenkreis einen anderen Eindruck hast.

Mir ist nur bereits wiederholt aufgefallen, dass viele Medizinstudenten und viele Ärzte völlig naive, maßlos übertriebene Vorstellungen von den Karrieremöglichkeiten von Nichtärzten haben. Nachdem Medizin mein Zweitstudium ist, muss ich darüber immer wieder schmunzeln.

GelbeKlamotten
02.04.2019, 09:56
Der Threadersteller würde halt gerne "für längere Zeit" im Ausland arbeiten. Ein paar Monate in den USA sind nicht schwer, klar, aber, wie du ja selbst sagst, wollen das die meisten (verständlicherweise) gar nicht. Dauerhafte Jobs sind viel, viel schwerer zu bekommen - ich kenne genug, die daran gescheitert sind. Und der, der angeblich total flexibel alles überall könnte - so sagt einem das der Arbeitgeber gerne, aber ob das auch tatsächlich so ist, ist eine andere Frage.

In meinem Bekanntenkreis habe ich da sehr viele enttäuschte Hoffnungen erlebt, und mein Eindruck war wie gesagt, dass da nur eine sehr kleine Elite wirklich realistische Chancen auf gut bezahlte, interessante Jobs in interessanten Ländern hat. Hingegen kenne ich viele Ärzte, die völlig unproblematisch interessante Jobs in der Schweiz, in Österreich, in Schweden oder in England gefunden haben, und auch ein paar einzelne, die es, mit ungleich größerem Aufwand, in die USA oder nach Kanada verschlagen hat. Aber es ist natürlich durchaus möglich, dass du da aus deinem Bekanntenkreis einen anderen Eindruck hast.

Mir ist nur bereits wiederholt aufgefallen, dass viele Medizinstudenten und viele Ärzte völlig naive, maßlos übertriebene Vorstellungen von den Karrieremöglichkeiten von Nichtärzten haben. Nachdem Medizin mein Zweitstudium ist, muss ich darüber immer wieder schmunzeln.

Klar, auf der anderen Seite der Wiese ist das Gras immer grüner. Im Gegenzug haben ja auch viele Nicht-Mediziner die Vorstellung, wir Ärzte würden morgens mit unserem Porsche im Krankenhaus vorfahren, dann 8 Stunden lang heroisch Patienten retten und von allen bewundert werden und dann nach 8 Stunden gemütlich in unsere schicke Penthousewohnung zurückfahren.

Es hängt natürlich alles immer sehr von den individuellen Voraussetzungen und Wünschen ab. Mag sein, dass es als Mediziner unter bestimmten Bedingungen einfacher ist, dauerhaft ins Ausland zu gehen. Wobei das als deutscher ITler oder Ingenieur zumindest für Österreich und die Schweiz und bislang für England auch problemlos ist/war, auch ohne Top Uni Abschluss. Für jedes dieser Länder kenne ich persönlich Beispiele.

Für mich wäre eine (ggf. mehrmalige) zeitlich begrenzte Zeit im Ausland (mit z.B. auch Verbleib im deutschen Sozialsystem etc.) deutlich attraktiver als eine dauerhaftet Tätigkeit im Ausland für mehrere Jahre. Daher mein "Neid". Aber wie gesagt, das kommt ganz individuell auf die eigenen Voraussetzungen und Wünsche an. Ich wollte dem Threadersteller damit jedenfalls einen Denkanstoß geben und sicher gehen, dass er sich da keine allzu falschen Vorstellungen macht.

Kackbratze
02.04.2019, 10:56
Im Gegenzug haben ja auch viele Nicht-Mediziner die Vorstellung, wir Ärzte würden morgens mit unserem Porsche im Krankenhaus vorfahren, dann 8 Stunden lang heroisch Patienten retten und von allen bewundert werden und dann nach 8 Stunden gemütlich in unsere schicke Penthousewohnung zurückfahren.

Ist das bei euch nicht so? Wobei ich das Penthouse gegen eine Villa getauscht habe. Da passen mehr Frauen rein.

davo
02.04.2019, 14:23
:-)) *gefaelltmir*

tantarek
11.04.2019, 15:04
Es geht einfach darum, dass ich gerne die Möglichkeit haben möchte, auch für längere Zeit im Ausland zu arbeiten(insbesondere Südamerika). Dabei möchte ich natürlich auch über einen zumindest akzeptablen Verdienst verfügen. Letztendlich wäre der Arztberuf, der Beruf, der mir diese Freiheit sicherlich am ehesten ermöglichen könnte. Wie ihr bereits gesagt habt, kann man natürlich auch mit anderen Berufen im Ausland arbeiten, doch der Arztberuf scheint mir diesbezüglich die größte Freiheit zu bieten.

WackenDoc
11.04.2019, 15:26
Hast du dich mal informiert wie eine deutsche Approbation in Südamerika anerkannt wird?

Gesocks
11.04.2019, 15:29
Hast du mal nachgeschaut, ob das tatsächlich stimmt - ist die Anerkennung deutscher Abschlüsse in Südamerika und insbesondere deinen Zielländern dort so einfach? Ich erinnere grob, dass es in Chile recht langwierig und mit mehreren teuren, nicht ganz einfachen Prüfungen verbunden ist.

EDIT:
Mal wieder zu spät! :-))

Kackbratze
11.04.2019, 16:17
Die größte Freiheit weltweit bietet Callboy. Das kannst Du ohne Examen überall praktizieren. Und Geld kannst Du per Masse oder per Klasse generieren. Auch in Südamerika. Das ist als Arzt etwas Anders. Da fallen einem die gebratenen Tauben nicht in jedem Land automatisch in den Mund.

edit: ...und das gottgleiche Staatsexamen aus Germany wird nicht "einfach so" anerkannt!?! Oh mein Gott! Warum bloss?

WackenDoc
11.04.2019, 16:51
Meiner Lebenserfahrung nach hat man als Handwerker oder Ingenieur im Ausland ganz gute Karten. In sehr vielen Ländern wird die deutsche Gründlichkeit und Genauigkeit sehr geschätzt und die Ausbildung ist gut angesehen.
Da hängen auch meist nicht ellenlange Anerkennungsverfahren dran.

GelbeKlamotten
11.04.2019, 17:42
Es geht einfach darum, dass ich gerne die Möglichkeit haben möchte, auch für längere Zeit im Ausland zu arbeiten(insbesondere Südamerika). Dabei möchte ich natürlich auch über einen zumindest akzeptablen Verdienst verfügen. Letztendlich wäre der Arztberuf, der Beruf, der mir diese Freiheit sicherlich am ehesten ermöglichen könnte. Wie ihr bereits gesagt habt, kann man natürlich auch mit anderen Berufen im Ausland arbeiten, doch der Arztberuf scheint mir diesbezüglich die größte Freiheit zu bieten.

Möglich ist es bestimmt. Einfacher als mit anderen Berufen? Das würde ich so wenn dann erst nach ausführlicher Recherche unterschreiben. Mit akzeptablem Verdienst? Auch darüber solltest du dich dann vorher genauer informieren.

Problematisch kann nicht nur die Anerkennung deiner Approbation in Südamerika sein, sondern auch umgekehrt dann die Anerkennung deiner dortigen Assistenzarztjahre in Deutschland, falls du irgendwann zurückkommen willst und nicht mit 40 wieder auf der gehaltsstufe eines kompletten anfängers starten willst. Außer du gehst erst als Facharzt rüber, was dann frühstens in 12 jahre wäre.

In den meisten anderen Berufen würde ein deutscher Arbeitgeber vermutlich bei deiner rückkehr sagen: „oh, der hat mehrere Jahre im Ausland erfahrungen gesammelt, das ist ein Pluspunkt“. Als Arzt wird dein Arbeitgeber sich denken: „Moment mal, der hat in Südamerika gearbeitet. Hat der da überhaupt was gelernt? Wird das anerkannt? Können wir das nutzen und ihn trotz seiner Erfahrung mit einem Einsteigergehalt abspeisen obwohl er ab der ersten woche voll in die dienste mit einsteigt?“

Wenn das Arbeiten im Ausland ein entscheidendes Kriterium bei deiner Berufswahl ist, dann informier dich vorher umfassend. Sonst stehst du nach 6 jahren studium da und merkst, das deine vorstellungen sich hinten und vorne nicht umsetzen lassen.