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Flughund80
15.11.2019, 15:41
Sehr schlimm finde ich, wenn das Mobbing von Oberaerzten ausgeht. Ich hab oft die Kombi "lieber Chef" + "bissiger Lt. Oberarzt" erlebt, der dann das umsetzte, was der Chef nicht selbst machen wollte. Was da alles schlecht über nicht anwesende Kollegen geredet wurde, und wie systematisch versucht wurde, Kollegen in Misskredit zu bringen. Auch Chefaerztinnen, die von ihren Oberaerzten gemobbt wurden, hab ich erlebt. Man fragt sich wirklich, ob sich die Klinikkarriere unter solchen Bedingungen überhaupt lohnt.

ehem-user-31-01-2020-1555
15.11.2019, 16:03
Ich finde einige Reaktionen hier auch nicht so prickelnd. Mobbing kann jede/n treffen. Das mit den bissigen Ltd. OA habe ich auch mal erlebt. Der Chef war super. Das schlimme ist, dass manche das Mobbing mitmachen um selbst nicht das nächste Opfer zu sein. Dass sich Mobbing schlecht auf die Arbeitsergebnisse und somit die Patienten auswirkt brauche ich nicht zu erwähnen.

Flughund80
15.11.2019, 16:20
Ich finde einige Reaktionen hier auch nicht so prickelnd. Mobbing kann jede/n treffen. Das mit den bissigen Ltd. OA habe ich auch mal erlebt. Der Chef war super. Das schlimme ist, dass manche das Mobbing mitmachen um selbst nicht das nächste Opfer zu sein. Dass sich Mobbing schlecht auf die Arbeitsergebnisse und somit die Patienten auswirkt brauche ich nicht zu erwähnen.

Das ist die Aufgabe des Lt. Oberarztes😉menschlich sein kannst Du Dir erst dann leisten, wenn Du ganz oben bist

ehem-user-31-01-2020-1555
15.11.2019, 16:51
Das ist die Aufgabe des Lt. Oberarztes��menschlich sein kannst Du Dir erst dann leisten, wenn Du ganz oben bist

Es schafft aber bei weitem nicht jeder LOA irgendwann Chef zu werden. Oft sind sie die Stellvertreter, führen für die Chefs die Privateingriffe durch und der Chef bekommt dafür die Kohle, oder zumindest den größten Anteil. Das kann durchaus frustrieren. Und je nach Fachgebiet ist eine Niederlassung dann auch nicht mehr möglich (gesperrt oder zu alt). Das trifft natürlich nicht auf alle LOA zu. Gibt auch sehr nette

Feuerblick
15.11.2019, 17:54
Ihr habt aber schon gelesen, dass die meisten hier nicht „Mobbing“ gutheißen, aber darauf hinweisen, dass ein blöder Spruch einer Schwester oder eine Schwester, mit der man nicht klarkommt, nicht den Tatbestand von „Mobbing“ erfüllt?
Wer wirklich gemobbt wird, der wird hier durchaus auch Gehör und Hilfe finden. Wer aber ohne jegliche Selbstreflexion behauptet, wer werde seit vielen Jahren überall wo er arbeitet „gemobbt“, der wird sich Nachfragen gefallen lassen müssen. Jemanden des Mobbings zu bezichtigen ist nämlich auch alles, aber nicht fair. Das ist eine schwerwiegende Anschuldigung, die man nicht ohne Überprüfung stehenlassen sollte.

MissGarfield83
16.11.2019, 06:25
Ihr habt aber schon gelesen, dass die meisten hier nicht „Mobbing“ gutheißen, aber darauf hinweisen, dass ein blöder Spruch einer Schwester oder eine Schwester, mit der man nicht klarkommt, nicht den Tatbestand von „Mobbing“ erfüllt?
Wer wirklich gemobbt wird, der wird hier durchaus auch Gehör und Hilfe finden. Wer aber ohne jegliche Selbstreflexion behauptet, wer werde seit vielen Jahren überall wo er arbeitet „gemobbt“, der wird sich Nachfragen gefallen lassen müssen. Jemanden des Mobbings zu bezichtigen ist nämlich auch alles, aber nicht fair. Das ist eine schwerwiegende Anschuldigung, die man nicht ohne Überprüfung stehenlassen sollte.*gefaelltmir*

Shade
16.11.2019, 22:11
In diesem Thread wurde viel richtiges über die Arbeitsatmosphäre in unseren Krankenhäusern genannt. Ich arbeite aktuell glücklicherweise in einer Klinik mit einem sehr guten, respektierenden Verhältnis zwischen ÄrztInnen und Pflege und habe dumme Sprüche im Prinzip gar nicht erlebt, worüber ich sehr froh bin und was die Zusammenarbeit sehr angenehm und wertschätzend macht. In beide Richtungen.

Im Studium erlebt man natürlich viele verschiedene Kliniken und da habe ich sehr oft gesehen, dass gerade die jungen ÄrztInnen den Kopf einziehen, versuchen möglichst nicht aufzufallen, Aufgaben der Pflege übernehmen, oft aus Angst vor der Pflege. Bestes Beispiel: Man ist im Patientenzimmer und ein Patient möchte pflegerische Hilfe - drücke ich da auf den Knopf oder helfe ich da nicht lieber schnell selbst, um bloß keine unangenehme Aufmerksamkeit zu erregen oder als "die ist sich zu fein dafür" zu gelten? Man ist eben oft alleine als Arzt/Ärztin auf Station, aber sieht sich 10 Personen von der Pflege gegenüber, da macht alleine die Unterzahl eine Unterlegenheit.

Noch ein weiterer Denkanstoß: Nach mehreren Praktika im Ausland habe ich auch ein wenig den Eindruck, dass diese schlechte Arbeitsatmosphäre auch ein typisch Deutsches Phänomen zu sein scheint. Ich habe in Finnland im OP an einer Uniklinik famuliert und war platt, wie nett und respektvoll alle - auch unter den verschiedenen Berufsgruppen - miteinander umgehen, auch wenn es stressig wurde. Es geht eben nicht schneller oder läuft besser, wenn man brüllt, ganz im Gegenteil.

Das allgemein oft schlechte Arbeitsklima v.a. an deutschen Unikliniken ist für mich persönlich auch ein Grund, nicht an einer solchen zu arbeiten, auch wenn es mich fachlich reizen würde. Glücklicherweise sind Länder mit Alternativen ja in der Nähe, evtl. auch ein Grund für das Ärzteauswandern.

Shade
16.11.2019, 22:16
Nachtrag: Ich bin froh, dass der Threadersteller das Thema angesprochen hat - ob es sich jetzt um Mobbing oder nur allgemeine Unfreundlichkeit handelt, ist meiner Meinung nach Haarspalterei.
Und ich bin erschrocken, dass einige darauf sehr fies reagieren, auch wenn der erste Beitrag komisch wirken mag.

cartablanca
17.11.2019, 13:17
In diesem Thread wurde viel richtiges über die Arbeitsatmosphäre in unseren Krankenhäusern genannt. Ich arbeite aktuell glücklicherweise in einer Klinik mit einem sehr guten, respektierenden Verhältnis zwischen ÄrztInnen und Pflege und habe dumme Sprüche im Prinzip gar nicht erlebt, worüber ich sehr froh bin und was die Zusammenarbeit sehr angenehm und wertschätzend macht. In beide Richtungen.

Im Studium erlebt man natürlich viele verschiedene Kliniken und da habe ich sehr oft gesehen, dass gerade die jungen ÄrztInnen den Kopf einziehen, versuchen möglichst nicht aufzufallen, Aufgaben der Pflege übernehmen, oft aus Angst vor der Pflege. Bestes Beispiel: Man ist im Patientenzimmer und ein Patient möchte pflegerische Hilfe - drücke ich da auf den Knopf oder helfe ich da nicht lieber schnell selbst, um bloß keine unangenehme Aufmerksamkeit zu erregen oder als "die ist sich zu fein dafür" zu gelten? Man ist eben oft alleine als Arzt/Ärztin auf Station, aber sieht sich 10 Personen von der Pflege gegenüber, da macht alleine die Unterzahl eine Unterlegenheit.

Noch ein weiterer Denkanstoß: Nach mehreren Praktika im Ausland habe ich auch ein wenig den Eindruck, dass diese schlechte Arbeitsatmosphäre auch ein typisch Deutsches Phänomen zu sein scheint. Ich habe in Finnland im OP an einer Uniklinik famuliert und war platt, wie nett und respektvoll alle - auch unter den verschiedenen Berufsgruppen - miteinander umgehen, auch wenn es stressig wurde. Es geht eben nicht schneller oder läuft besser, wenn man brüllt, ganz im Gegenteil.

Das allgemein oft schlechte Arbeitsklima v.a. an deutschen Unikliniken ist für mich persönlich auch ein Grund, nicht an einer solchen zu arbeiten, auch wenn es mich fachlich reizen würde. Glücklicherweise sind Länder mit Alternativen ja in der Nähe, evtl. auch ein Grund für das Ärzteauswandern.

Es gibt an Unikliniken sehr gut und sehr schlecht geführte Abteilungen. So verallgemeinern würd ich das nicht. Am Besten ist man hospitiert mal vorab. Was mich halt ankotzt ist, dass in diesem Land jede noch so überflüssige Regel penibel eingehalten wird, aber auf meine Rechte als Arbeitnehmer scheißt man vom höchsten Schornstein. In meinem ersten Haus habe ich im Dienst immer Station, Notaufnahme und Intensiv gleichzeitig betreut. Das ist eigentlich illegal, da man eine intensivmedizinische Komplexbehandlung nur dann abrechnen darf, wenn ein Arzt 24h ausschliesslich für die Intensiv zuständig ist. Dann Ruhezeiten. Ich hab häufiger Sandwiches gemacht d.h. Dienst auf Dienst - um 8 nach Hause und um 4 nachmittags zum Dienst erscheinen. Eigentlich ist eine Ruhezeit von 11 h vorgesehen. Dann die 24 h Bereitschaftsdienste, die deshalb Bereitschaftsdienste heißen, weil man eigentlich maximal 50 % der Zeit arbeiten sollte und die daher auch geringer vergütet werden. Das war eher die Ausnahme. Häufig hab ich 24 h durch gearbeitet. Und dann noch 2 bis 6 illegale Überstunden drauf gesetzt. Oder die 45 Minuten Pausen, die einem ab 9 Stunden Arbeit zustehen, die man eh nie nimmt. Oder 60 h opt out was regelmäßig in 80 h ausartet. Und dann kommen da noch so Späße wie Verleumdungen von Arbeitskollegen hinzu, die ebenfalls aus gutem Grund illegal sind, weil es nämlich finanzielle und arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Arbeitnehmer haben kann. Meinem Kollegen hat man gekündigt. Ich musste wöchentlich beim Chef antanzen. Wozu gibt es diese ganzen Gesetze und Regeln eigentlich, wenn sich keiner dran hält?

WackenDoc
17.11.2019, 13:23
Weil es Menschen gibt, die es mit sich machen lassen.
Was du beschreibst hat aber nicht wirklich mit Mobbing zu tun.

Feuerblick
17.11.2019, 13:38
Nee. Wer sich so ausnutzen lässt, hält das kranke System, über das er sich beschwert, am Laufen... Aber ich wiederhole mich immer und immer wieder...

ehem-user-31-01-2020-1555
17.11.2019, 13:39
In meinem ersten Haus habe ich im Dienst immer Station, Notaufnahme und Intensiv gleichzeitig betreut.

Und was ist, wenn auf Intensiv ein kritischer Patient sofort Hilfe braucht, gleichzeitig in der Notaufnahme ein extrem kritischer Patient ankommt und auf Station auch eine Situation eintritt, wo sofort gehandelt werden muss? Oder zwei Patienten fast zeitgleich reanimationspflichtig werden? Ist ja durchaus möglich. Wie kann man das mitmachen?

rafiki
17.11.2019, 16:26
@cartablanca
Klingt fast ein bisschen lustvoll, was du da beschreibst. Wofür brauchst du diese masochistische Opferung?

Miss_H
17.11.2019, 17:13
@Hein81: Ich glaube dir fehlt noch ziemlich viel Erfahrung. Warte erst mal ab wie der Alltag als Arzt so ist. Es ist nicht okay, dass man für Intensiv, Notaufnahme und Station zuständig ist. Es ist aber ganz normal für die Notaufnahme und Station gleichzeitig zuständig zu sein. Im Zweifelsfall gibt es auch immer noch andere Ärzte (andere Fachrichtung) im Haus, die sich um die Notfälle kümmern können. Ist in kleinen Häusern normal.

Kandra
17.11.2019, 17:47
Außer du bist wirklich alleine im Haus nachts ^^

Miss_H
17.11.2019, 19:10
Außer du bist wirklich alleine im Haus nachts ^^
Aber welches Haus hat denn eine Notaufnahme ggf. eine Intensiv und nur eine Fachrichtung?

Kandra
17.11.2019, 19:29
Aber welches Haus hat denn eine Notaufnahme ggf. eine Intensiv und nur eine Fachrichtung?

Kinderkrankenhäuser bei denen die Kinderchirurgen nachts nicht im Haus sind ^^

cicely
17.11.2019, 19:34
Oder rein neurologisch/psychiatrische Kliniken... da bist du zumindest als neurologischer Dienstarzt der alleinige somatische Arzt im Haus.

ehem-user-31-01-2020-1555
17.11.2019, 19:52
Wenn man aber wirklich allein im Haus ist oder der Arzt der anderen Fachrichtung gerade auch beschäftigt ist, kann es Probleme geben. Eine Situation wo 2 oder 3 Patienten quasi gleichzeitig meine Hilfe brauchen ist in Zeiten „verstopfter“ Notaufnahmen doch nicht ganz abwegig. Man kann sich ja nicht dreiteilen. Was soll man tun, wenn man keine Verstärkung hat?

@Miss_H: Ja es stimmt, ich bin da noch sehr unerfahren. Bin auch noch im Studium (Ende Klinik).:Weil ich später keine Fachrichtung mit Intensivzeit anstrebe, habe ich bis auf eine 2 Stündige Hospitation auf Intensiv keine Erfahrung damit.

@cicely: Müssen Psychiater keine somatischen Patienten im Dienst betreuen/aufnehmen?

Sorry für meine Fragen, die euch vielleicht nerven, aber ich will mal Erfahrungsberichte von Berufsanfängern hören. Es wird ja gefühlt wöchendlich in diversen TV und Zeitungsbeiträgen von Notaufnahmen berichtet, in denen ein Diensthabender sitzt, der frisch von der Uni kommt. Ich wusste schon vor meinem Studium, dass die Arbeit anstrengend wird. Und auch, dass man oft unterbesetzt ist. Das aber solche Situationen wie die TE geschildert hat (ständige Verstöße gegen geltendes Recht) habe ich für die Ausnahme gehalten. War zu naiv von mir, gebe ich auch offen zu.

Miss_H
17.11.2019, 21:18
Kinderkrankenhäuser bei denen die Kinderchirurgen nachts nicht im Haus sind ^^
Aber dann bist du nicht alleine im Dienst/Haus.


Oder rein neurologisch/psychiatrische Kliniken... da bist du zumindest als neurologischer Dienstarzt der alleinige somatische Arzt im Haus.
Ja und deshalb lehnen die auch häufig Patienten, die auch ein somatisches Problem haben könnten ab. Habe ich schon erlebt.

@Hein: Man lernt schnell zu priorisieren. Du musst halt entscheiden welcher Patient dich am dringendsten braucht. Und dann musst du das nacheinander abarbeiten. Es ist äußerst selten, dass zwei Patienten gleichzeitig sterben wollen und sonst niemand verfügbar ist.
Es bringt dir nix wenn du dich in einem anonymen Forum informierst. Sprich einfach mit den Ärzten im PJ und versuche ein Haus mit guten Bedingungen zu finden. Und lass es ansonsten auf dich zukommen.