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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Diagnostische Radiologen in 10 Jahren nicht mehr gebraucht? Thema KI



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McLaren422
03.12.2019, 21:58
mein letztes Tertial ist in der Radiologie, also werde ich noch genug Zeit dafür haben :D Aber klar, ich werde natürlich berichten :)

alex1
05.12.2019, 20:47
Gutes Beispiel, wie Big Data und KI eines Tages in der Intensivmedizin für weniger Komplikationen sorgen könnten

https://www.medinside.ch/de/post/wie-das-unispital-mit-big-data-die-intensivmedizin-verbessern-will


Übrigens nach einem Gespräch mit ein paar unserer Radiologen in unserem Spital habe ich Folgendes erfahren:

Unsere Radiologie-Dienstärzte leisten Dienst für 4 andere Spitäler seit ein paar Jahren mittels Teleradiologie. Früher hatte jedes kleines Spital nachts einen Dienstarzt für alle mögliche Sachen (freie Luft im Abdomen, CT für Lungenembolien, usw...). Nun gibt’s nur 2 Personen (1x AA vor Ort & 1x FA zuhause), die alles per Computer für 5 Spitäler machen. Macht aus 5 Dienstärzten nur noch 2.

John Silver
05.12.2019, 20:55
Schön, was hat die KI dazu beigetragen?
Eine Konzentration radiologischer Leistungen ist in gewissem Umfang machbar, aber sie hat ihre Grenzen. Unsere Klinik wurde eine Weile aus einem anderen Haus radiologisch versorgt. Jetzt haben wir wieder Radiologen vor Ort. Nur weil etwas technisch machbar ist, ist es nicht automatisch die beste Lösung.

freak1
05.12.2019, 21:11
@alex1
Völlig normales Prozedere auch in DE. Wir decken nachts als Uni 6 kleinere Krankenhäuser ab, der Hamm in Berlin glaube ich sogar >20. Die Uni wird damit Nachts vernünftig ausgelastet und die kleinen Häuser sparen sich die Kosten für den eigenen Nachtdienst. Das sorgt in kleinen Abteilungen häufig für eine deutlich bessere Arbeitsatmosphäre (3 Assis müssten sonst 30 Dienste besetzen) und die Uni freut sich über zusätzliche Moneten.

Muriel
05.12.2019, 21:13
KI und Teleradiologie sind doch wirklich zwei verschiedene Paar Schuhe.
Es gibt schon durchaus interessante Aspekte an dem Thema. Und in Ländern, in denen die Facharztdichte nicht so hoch ist wie bei uns, kann ich mir durchaus Einsatzgebiete vorstellen. In der Augenheilkunde die OCT-Befundung kann tatsächlich bei gewissen Indikationen, wo der Weg zu Augenarzt nicht mal eben zu bewältigen ist, wo aber recht enge Kontrollintervalle von Nöten sind, wirklich hilfreich sein. Screeningboxen strategisch günstig aufgestellt, in UK durchaus Realität, und dort wird einem durch die KI dann mitgeteilt, ob Interventionsbedarf besteht oder nicht. Sehr hilfreich für alle Seiten. Angst, in meiner beruflichen Existenz bedroht zu sein, habe ich dadurch ganz sicherlich nicht.

tarumo
06.12.2019, 15:07
Wie schon gesagt, hat Teleradiologie 0,0 mit KI zu tun. Was die Situation in Deutschland angeht, geht der Trend in die umgekehrte Richtung und die großen Kliniken kündigen den kleinen die Verträge. Grund dafür ist neben der bescheidenen Vergütung die zunehmende Arbeitsbelastung und in erster Linie die Novellierung der StrlSchv /Teleradiologieverordnung, die dieses Szenario ausdrücklich untersagt. Der Teleradiologe muss nämlich im Notfall vor Ort sein können, was bei einer Einteilung in einen Vordergrunddienst anderswo regelmäßig nicht der Fall ist.

alex1
06.12.2019, 21:00
Schön, was hat die KI dazu beigetragen?
Eine Konzentration radiologischer Leistungen ist in gewissem Umfang machbar, aber sie hat ihre Grenzen. Unsere Klinik wurde eine Weile aus einem anderen Haus radiologisch versorgt. Jetzt haben wir wieder Radiologen vor Ort. Nur weil etwas technisch machbar ist, ist es nicht automatisch die beste Lösung.
Absolut nichts. Aber Teleradiologie senkt den Bedarf an Ärzten vor Ort.
Das war der Punkt.

John Silver
07.12.2019, 10:11
Absolut nichts. Aber Teleradiologie senkt den Bedarf an Ärzten vor Ort.
Das war der Punkt.

Und steigert ihn woanders. Die Zahl der radiologischen Stellen, die man durch die Teleradiologie einsparen kann, wird deutschlandweit kaum über 200 liegen.

freak1
07.12.2019, 12:11
Der Teleradiologe muss nämlich im Notfall vor Ort sein können, was bei einer Einteilung in einen Vordergrunddienst anderswo regelmäßig nicht der Fall ist.

Das ist bei uns so gelöst, dass bei Ausfall o.ä. ein OA der Klinik, die wir betreuen, reinkommt. Ist bei 6 Kliniken in 2 Jahre noch nie passiert, aber die Möglichkeit ist da. ;)

GelbeKlamotten
07.12.2019, 16:21
Diese Behauptung ist wie das Heilmittel für Typ 1 Diabetes. Seit 30 Jahren erzählen Leute es dauert nur noch so ca. 5 Jahre dann ist die Erkrankung geheilt. Pustekuchen. Aber das Managment hat sich dank der Technologien (CGM, CSII) deutlich gebessert/gewandelt.

Sehr treffender Vergleich. Und auch hier ist die "Arbeit", die Erkrankte und Behandler investieren müssen, durch die technischen Fortschritte nicht etwa geringer geworden, sondern größer. Plötzlich muss man nämlich nicht nur 5 Blutzucker-Messwerte pro Tag und den HbA1c-Wert interpretieren, sondern dank CGM viel komplexere Verläufe. Auf einmal fallen nächtliche Hypos auf und können verhindert werden, die vorher einfach hingenommen bzw. eben gar nicht erst wahrgenommen wurden. Auf einmal ist es möglich, die TIR zu optimieren, die ein viel komplexerer, aber viel besserer Marker für den Behandlungserfolg ist als der 1c. Das Outcome wird wesentlich besser, der Aufwand wird dabei höher.

Genauso wird es vermutlich in der Radiologie passieren. Ein langjähriger Oberarzt erzählte mir mal, dass es ähnliche Bedenken in der Radiologie auch beim Aufkommen der Schnittbilddiagnostik gab. Man braucht ja gar keinen Radiologen mehr, der komplizierte Projektionsbilder mit vielen Überlagerungen interpretieren muss, wenn man im CT ganz easy in 3d sehen kann, was Sache ist. Tja, wurde dann wohl doch nichts ohne Radiologen. Die Radiologie hat sich seit dem grundlegend gewandelt. Die Qualität der Bildgebung hat sich enorm verbessert und die Arbeitslast vervielfacht.

Die KI wird in Zukunft meiner Meinung nach erneut eine ähnliche Entwicklung mit sich bringen. Richtig interessant wird sie denn, wenn sie Ergebnisse liefert, die weit über das hinausgehen, was ein Mensch überhaupt anhand von Bildern wahrnehmen kann. Denkbar wäre z.B. dass eine KI, die nicht nur mit radiologischen Befunden, sondern auch mit histologischen Befunden gefüttert wird, direkt an den radiologischen Bildern erkennt, welche Rezeptoren ein MammaCa oder ein anderer Tumor exprimiert, wie wahrscheinlich der Tumor bereits Mikrometastasen gebildet hat und welche Therapie am sinnvollsten ist. KI wird die Bedeutung der Radiologie enorm steigern. Einen gleichzeitigen starken Rückgang des Bedarfs an Radiologen halte ich für wenig wahrscheinlich.

Als Optimistin sage ich: Die Radiologie ist nicht durch die KI bedroht, sondern die Radiologie hat unter allen medizinischen Fachrichtungen derzeit mit das größte Zukunftspotential, da sie durch KI enorm vielversprechende Perspektiven bietet.

tarumo
07.12.2019, 19:43
Das ist bei uns so gelöst, dass bei Ausfall o.ä. ein OA der Klinik, die wir betreuen, reinkommt. Ist bei 6 Kliniken in 2 Jahre noch nie passiert, aber die Möglichkeit ist da. ;)

Das geht natürlich nur, wenn die betreffende Klinik auch Rad-OA hat und nicht auch tagsüber fremdbetreut wird. Andersrum wird die Möglichkeit der "Empfängerklinik" , einen Hintergrund-OA (der auch nicht immer geplant ist, z.B. wenn ein FA Dienst hat) als Ausfallkonzept zu benennen, vor den Auditoren keine Gnade finden. Es sei denn, man schafft einen Hintergrund-OA nur für die Teleradiologie an, was das ganze erst recht unwirtschaftlich macht.
Ich gehe sogar soweit und sage, die Teleradiologie schafft unter dem Strich zusätzliche Stellen, nämlich in den neugegründeten Firmen, die sich auf sowas spezialisiert haben und auch kleineren Kliniken ermöglichen, eine CT-Versorgung durchgehend anzubieten.

Wer es genauer wissen will und nicht immer "hätte-wäre-könnte": auf dem RöKo vor zwei Jahren war gleich am ersten Tag ein ausführliches Symposium dazu, wo auch die Zahlen genannt wurden (mit damals schon eindeutigem Trend) und als Gast mit dem Referenten des damals neuen Gesetzentwurfs, der in seinem Vortrag eigentlich gar keiner Zweifel daran gelassen hat, was noch teleradiologisch erlaubt ist und was nicht. Natürlich hält man sich in deutschen Kliniken jederzeit an rechtliche Vorgaben;-)

Für DRG-Mitglieder ist die Aufzeichnung evt. noch abrufbar

tarumo
07.12.2019, 20:06
Nochmal zur KI. Als zwischenzeitlicher Teilnehmer einiger Workshops dazu (u.a. auf dem RSNA) gebe ich erneut meinen Senf dazu.

Auf dem RSNA füllt die KI mittlerweile eine ganze Halle und KEINE, aber wirklich KEINE Firma behauptet, Ärzte ersetzen zu können oder wollen. Beworben wird einzig und alleine die Arbeitserleichterung. Und die ist in der Tat vorhanden. Etwa so, wie der faltbare Stadtplan durchs Navi ersetzt wird, aber einen Fahrer braucht es immer noch.

Die Möglichkeiten, die vorgestellt wurden, beeinhalteten neben dem Erkennen von Lungenherden selbiges in der Leber, gewisse Erleichterungen z.B. beim Erkennen von Frakturen im CT (wer kennt nicht diese grottig degenerativen WS-Befunde wo man schon mal ins Grübeln kommt, was jetzt Fraktur ist oder nicht) und das Hinweisen auf mögliche kleine SABs durch Markieren von Dichteunterschieden, was morgens um 2.30h auch schon mal hilfreich sein kann, falls man zu schnell gescrollt hat.
Ich wiederhole: KEINE dieser Programme ist herstellerseitig dafür ausgelegt, einen Arzt zu ersetzen. Und NIEMAND behauptete das von den Referenten.

Meine persönliche Meinung: ein Programm, was definierte Formen oder Werte in einem definierten Volumen findet, ist auch keine KI, sondern schlichte Anwendung von Informatik. KI wäre es dann, wenn es selbstständig Diagnosen stellt (und nicht nur das Lehrbuch/Internetwissen wiedergibt, was jemand anders einprogrammiert hat) , rechtssicher "wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig " Therapien empfiehlt und dann auch noch die Punktion macht...ich glaube, das werden wir nicht mehr erleben.

Ab einem bestimmten Level geht es in der Radiologie eh nur noch um das Supervidieren und unterschreiben. Das kann schon aus juristischen Gründen keine KI. Und: ich stelle mir gerade vor, wie eine auch immer geartete KI dann unter das Abdomen CT- schreibt: Erkannt: Leber, Milz, Nieren. Wirbelsäule. Kann auch ein Pankreas enthalten. Kann auch Ileus enthalten. Auf diesem Level sind nämlich die ach so gehypten Bilderkennungsprogramme heutzutage. Bitte einfach aufs Smartphone schauen.

Insofern ist diese ganze KI-Diskussion ziemlich daneben. Und wird- subjektive Einschätzung von mir- m unter dem Aspekt der "Arztersparnis" überhaupt nur in Deutschland so geführt. Ich kann mir- wenn überhaupt- nur vorstellen, daß die Firmen, die ihre teuren Programme in Deutschland verkaufen wollen, dem deutschen Krankenhausmichelverwalter vorrechnen, daß ein Befund nun 5 Minuten schneller erfolgt und sich dann übers Jahr eine rechnerische Einsparung von 0,83 Vollzeitstellen ergibt oder sowas in der Art.

Mit dem Wechsel in der Schnittbilddiagnostik von Film zu Digital (nur hat das niemand als KI bezeichnet) hätte dieser Effekt eigentlich auch auftreten sollen, bloß ist die schnellere Bearbeitung durch die zunehmende Flut an Untersuchungen mehr als wettgemacht worden und es gibt nun mehr Radiologen in Deutschland als vor der Digitalisierung.

Übrigens gibt es über 100 Jahre nach Erfindung der Fotografie und 30 Jahre nach dem Aufkommen von Digitalkameras immer noch professionelle Fotografen. Vielleicht sogar noch mehr als früher. Nur müssen die sich halt mit Computer und Bildbearbeitung auskennen und nicht mehr mit Chemikalien in der Dunkelkammer rummachen.

Man sollte nicht den Fehler machen und immer auf die von interessierter Seite lancierte Behauptung ("in x Jahren brauchen wir euch nicht mehr"- unausgesprochen: daher jetzt und hier bitte keine Ansprüche stellen) reinfallen...

just my 2 cents

ChrisB.Bakon
07.12.2019, 21:35
Die Möglichkeiten, die vorgestellt wurden, beeinhalteten neben dem Erkennen von Lungenherden selbiges in der Leber, gewisse Erleichterungen z.B. beim Erkennen von Frakturen im CT (wer kennt nicht diese grottig degenerativen WS-Befunde wo man schon mal ins Grübeln kommt, was jetzt Fraktur ist oder nicht) und das Hinweisen auf mögliche kleine SABs durch Markieren von Dichteunterschieden, was morgens um 2.30h auch schon mal hilfreich sein kann, falls man zu schnell gescrollt hat.
Ich wiederhole: KEINE dieser Programme ist herstellerseitig dafür ausgelegt, einen Arzt zu ersetzen. Und NIEMAND behauptete das von den Referenten.

Meine persönliche Meinung: ein Programm, was definierte Formen oder Werte in einem definierten Volumen findet, ist auch keine KI, sondern schlichte Anwendung von Informatik. KI wäre es dann, wenn es selbstständig Diagnosen stellt (und nicht nur das Lehrbuch/Internetwissen wiedergibt, was jemand anders einprogrammiert hat) , rechtssicher "wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig " Therapien empfiehlt und dann auch noch die Punktion macht...ich glaube, das werden wir nicht mehr erleben.

Ab einem bestimmten Level geht es in der Radiologie eh nur noch um das Supervidieren und unterschreiben. Das kann schon aus juristischen Gründen keine KI. Und: ich stelle mir gerade vor, wie eine auch immer geartete KI dann unter das Abdomen CT- schreibt: Erkannt: Leber, Milz, Nieren. Wirbelsäule. Kann auch ein Pankreas enthalten. Kann auch Ileus enthalten. Auf diesem Level sind nämlich die ach so gehypten Bilderkennungsprogramme heutzutage. Bitte einfach aufs Smartphone schauen.

Insofern ist diese ganze KI-Diskussion ziemlich daneben. Und wird- subjektive Einschätzung von mir- m unter dem Aspekt der "Arztersparnis" überhaupt nur in Deutschland so geführt. Ich kann mir- wenn überhaupt- nur vorstellen, daß die Firmen, die ihre teuren Programme in Deutschland verkaufen wollen, dem deutschen Krankenhausmichelverwalter vorrechnen, daß ein Befund nun 5 Minuten schneller erfolgt und sich dann übers Jahr eine rechnerische Einsparung von 0,83 Vollzeitstellen ergibt oder sowas in der Art.


Da muss ich dir in vielen Punkten widersprechen.
1.) Selbstverständlich kommt keine Firma auf einen Kongress voller Radiologen und erzählt denen dann, dass sie sie in absehbarer Zeit ersetzen wollen. Besser kann man sich nicht unbeliebt machen. Da könnten sie lieber gleich zu Hause bleiben. Das zählt also sicherlich nicht als Argument.

2.) Natürlich ist KI immer eine Anwendung von Informatik. Und nein, eine KI sucht eben nicht nur Muster, die ein Mensch ihr explizit vorgibt. Das ist ja gerade der Unterschied zu früheren Mustererkennungsprogrammen, die sich längst als unbrauchbar herausgestellt haben. Eine KI erarbeitet sich diese Muster selbst anhand von Beispielfällen. Im Prinzip genau wie ein Radiologe in der Ausbildung, nur effizienter und schneller. Eine Punktion vornehmen müsste die KI sicherlich nicht können, um einen großen Teil der Radiologen zu ersetzen.

3.) Du machst typische Denkfehler, die viele Deutsche machen, weil sie den Begriff "Künstliche Intelligenz" missverstehen. Das ist einfach ein sprachliches Problem. Der englische Begriff "intelligence" lässt sich nämlich nicht einfach 1:1 in den deutschen Begriff "Intelligenz" übersetzen. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen, die CIA auf deutsch als "Zentrale Intelligenz-Agentur" zu bezeichnen. KI nach heutigem Verständnis umfasst einfach Methoden, große Mengen an Daten effektiv und effizient computergestützt zu analysieren, automatisiert Kriterien zu erarbeiten und damit automatisiert Einordnungen und Entscheidungen zu treffen. KI-Algorithmen sind GENAU auf das ausgelegt, was ein rein diagnostisch tätiger Radiologe macht. Im englischen Sprachraum würde keiner erzählen, KI müsste erst mal noch xyz können, um wirklich "intelligent" zu sein, denn um intelligentes Handeln geht es bei KI gar nicht. Es geht um Mustererkennung.

4.) Die Diskussion, ob KI Radiologen irgendwann (teilweise) ersetzten kann, wird mitnichten nur in Deutschland geführt, das Thema ist in anderen Ländern - insbesondere auch den USA - mindestens genauso präsent. Einfach mal Googlen. Auch die amerikanische mainstream Presse greift das Thema ausführlich auf.

tarumo
08.12.2019, 08:13
In einer grossen süddeutschen Zeitung ist dieses Wochenende ein grosser Artikel zur KI. Der "Kontra" Artikel ist als "der grosse Bluff" tituliert und selbst im "Pro" Artikel sieht man im wesentlichen nur eine Arbeitserleichterung. Klaro wird die Diskussion auch andernorten geführt, KI als Allheilmittel von Gesundheitspolitikern und Ärztefunktionaeren ist jedoch eine sehr deutsche Spezialität. In der gleichen Zeitung findet sich auch noch ein Artikel über die komfortablen Arbeitsbedingungen von Fluglotsen, analog zur Diskussion weiter unten.

flopipop
08.12.2019, 11:44
Ab einem bestimmten Level geht es in der Radiologie eh nur noch um das Supervidieren und unterschreiben


ja, aber braucht man dafür dann die gleiche anzahl an radiologen wie bisher?

die frage ist ja auch wie teuer der spaß dann auch sein wird...ob sich das dann nicht nur die großen kliniken und praxisverbünde leisten können und der kleine niedergelassene unter dem innovationsdruck platt gemacht wird?

selbst wenn der radiologe dadurch nicht komplett ersetzt werden würde, könnte die entwicklung ja bedeuten, dass der schwerpunkt der tätigkeit sich von der diagnostik in richtung der therapie verlagert, sprich der diagnostiker müsste aus seiner stube raus und z.b. angios machen. will das jemand? - ich nicht!

GelbeKlamotten
08.12.2019, 12:59
In einer grossen süddeutschen Zeitung ist dieses Wochenende ein grosser Artikel zur KI. Der "Kontra" Artikel ist als "der grosse Bluff" tituliert und selbst im "Pro" Artikel sieht man im wesentlichen nur eine Arbeitserleichterung. Klaro wird die Diskussion auch andernorten geführt, KI als Allheilmittel von Gesundheitspolitikern und Ärztefunktionaeren ist jedoch eine sehr deutsche Spezialität. In der gleichen Zeitung findet sich auch noch ein Artikel über die komfortablen Arbeitsbedingungen von Fluglotsen, analog zur Diskussion weiter unten.

Also da hätte ich wirklich eine bessere Argumentation von dir erwartet als den Verweis auf einen Artikel aus der Boulevardpresse, der von irgendeinem Journalisten geschrieben wurde, der höchstwahrscheinlich nicht die Spur einer Ahnung von der Arbeit von Radiologen hat.

Da würde ich selbst die Meinung von irgendeinem anonymen Medizinstudenten hier im Forum höher gewichten als das.

GelbeKlamotten
08.12.2019, 13:04
ja, aber braucht man dafür dann die gleiche anzahl an radiologen wie bisher?

die frage ist ja auch wie teuer der spaß dann auch sein wird...ob sich das dann nicht nur die großen kliniken und praxisverbünde leisten können und der kleine niedergelassene unter dem innovationsdruck platt gemacht wird?

selbst wenn der radiologe dadurch nicht komplett ersetzt werden würde, könnte die entwicklung ja bedeuten, dass der schwerpunkt der tätigkeit sich von der diagnostik in richtung der therapie verlagert, sprich der diagnostiker müsste aus seiner stube raus und z.b. angios machen. will das jemand? - ich nicht!

Sollte die Diagnostik wirklich irgendwann fast vollständig automatisiert sein (wie gesagt, daran glaube ich zumindest in unserer Generation nicht), dann wäre das meiner meinung nach das ende der radiologie als solche.

Nur für Interventionen bräuchte man keine extra Fachrichtung. Wenn die Kardiologen ihre Herzkatheter selbst machen können, dann können auch die Angiologen ihre PTA selbst machen. Thrombektomien werden in den USA eh schon von Neurochirurgen gemacht. Und TACE und co sind zu unbedeutend, um eine ganze Fachrichtung zu tragen.

anignu
08.12.2019, 16:09
Nur für Interventionen bräuchte man keine extra Fachrichtung. Wenn die Kardiologen ihre Herzkatheter selbst machen können, dann können auch die Angiologen ihre PTA selbst machen.
Natürlich brauchts nicht unbedingt Radiologen für eine Gefäßintervention. Gefäßinterventionen sind Teil der Facharztausbildung der Gefäßchirurgie, intraoperativ ist es immer häufiger der Fall dass ein Hybrideingriff gemacht wird. Die Gefäßchirurgen oder die Angiologen sind auch üblicherweise die bettenführende Abteilung, die haben die Patienten, machen die Vordiagnostik etc. Es kommt halt drauf an wie es aufgeteilt ist. Aber diese Aufteilungen kann man ja auch ändern im Laufe der Zeit.

FirebirdUSA
08.12.2019, 16:22
In AI bezieht sich das 'I' auch im englischen durchaus auf Intelligenz.

Solange sich die Algorithmen nicht stark wandeln werden es aber immer Insellösungen bleiben. Im Moment brauchst du gute annotierte Daten, die gibt es nur wenige. Die Einführung der strukturierten Befundung dient ja u.a. auch dazu bessere Möglichkeiten für AI zu schaffen.
Klar kann man mehrere Netze kombinieren aber die Performance wird dann mäßig. Einen radiologischen Gesamtbefund wird es noch sehr lange nicht von AI geben. Ein automatisiert z.T. vorbelegten Befund mit Markierung 'auffälliger' Areale halte ich da für realistischer. Dann muss wieder ein Mensch es bewerten.
Ich sehe ehrlich gesagt schneller den Einsatz zur Therapieplanung unter automatisierter Beachtung aller Optionen. Aber auch dazu bedarf es noch einiges... ich sehe meinen Arbeitsplatz nicht gefährdet, entwickel aber selbst im KI Bereich mit und hab mit Interventionen noch ein 2. Standbein.

GelbeKlamotten
08.12.2019, 16:59
In AI bezieht sich das 'I' auch im englischen durchaus auf Intelligenz.

Solange sich die Algorithmen nicht stark wandeln werden es aber immer Insellösungen bleiben. Im Moment brauchst du gute annotierte Daten, die gibt es nur wenige. Die Einführung der strukturierten Befundung dient ja u.a. auch dazu bessere Möglichkeiten für AI zu schaffen.
Klar kann man mehrere Netze kombinieren aber die Performance wird dann mäßig. Einen radiologischen Gesamtbefund wird es noch sehr lange nicht von AI geben. Ein automatisiert z.T. vorbelegten Befund mit Markierung 'auffälliger' Areale halte ich da für realistischer. Dann muss wieder ein Mensch es bewerten.
Ich sehe ehrlich gesagt schneller den Einsatz zur Therapieplanung unter automatisierter Beachtung aller Optionen. Aber auch dazu bedarf es noch einiges... ich sehe meinen Arbeitsplatz nicht gefährdet, entwickel aber selbst im KI Bereich mit und hab mit Interventionen noch ein 2. Standbein.


Nein, das 'I' in AI oder KI bezieht sich nicht auf Intelligenz im Sinne menschlicher Intelligenz. Und die engere Fassung des deutschen Begriffes 'Intelligenz' trägt durchaus dazu bei, dass Leute bei der Begriffsinterpretation auf eine falsche Fährte gelenkt werden. Wenn in Deutschland von KI die rede ist, dann haben die meisten so eine Art 'Skynet' wie in Terminator im Kopf und denken es ginge um Software, die eigenständig und kreativ denkt wie ein Mensch. Darauf sind derzeitige KI-Programme nicht im geringsten ausgelegt und der englische Begriff legt das auch weniger nahe.

Die Menge an annotierten Daten wächst rasant. Die big player am Markt beschäftigen längst unzählige Inder und co, die in Akkordarbeit Datensätze annotieren, welche dann von Radiologen überprüft und für die KI freigegeben werden. Siemens hatte in den letzten Monaten mehrfach solche Supervisor-Stellen in verschiedenen indischen Städten für Radiologen ausgeschrieben. Die Chinesen tun das vermutlich in noch größerem Ausmaß, nur wird es dort nicht so sehr öffentlich. Mit dem Lernfortschritt der KI wird auch der Bedarf an Annotationen geringer, der Lernfortschritt wächst überproportional zur investierten Zeit.