Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freier Wille und Glaube
Gegenfrage an dich; denkst du also, Menschen haben freien Willen, Tiere auch, und das ganze hat mit Gott nichts zu tun? Alles hat sich eben so entwickelt irgendwie zufällig, und Gott schaut einfach nur unbeteiligt zu oder wie? Oder welche Rolle spielt er dann überhaupt (für dich)?
Das fasst ziemlich gut zusammen, was ich denke. Nur, dass ich glaube, dass es gar keinen Zuschauer gibt. Dass es nichts höheres gibt und das Leben keinen Zweck oder Sinn hat.
Ich glaube, Religion hat an sich daher den Zweck, über eben dieser Sinnlosigkeit nicht zu verzweifeln und Trost zu spenden. Das ist sogar etwas, worum ich gläubige Menschen etwas beneide. Ich denke, gewisse Schicksalsschläge sind mit einem Glauben an ein Paradies, an eine höhere Macht und an einen Sinn leichter zu verkraften.
Die Tatsache, dass wir nicht alles steuern können, beweist doch weder das eine, noch das andere. Auch eben Zufälle können wir nicht steuern, genauso wenig wie andere Menschen. In meinen Augen ist einfach alles irgendwie, so wie es eben ist. Aber nicht, weil es irgendwie sein soll.
pineapple
08.12.2019, 11:42
[QUOTE=
Aber ich denke, dann weiß ich auch, warum Globuli helfen. Die muss Gott gesandt haben. :-wand[/QUOTE]
Da müsstest du eher in den Bereich Mythologie und Anthroposophie
Heerestorte
08.12.2019, 11:47
Das fasst ziemlich gut zusammen, was ich denke. Nur, dass ich glaube, dass es gar keinen Zuschauer gibt. Dass es nichts höheres gibt und das Leben keinen Zweck oder Sinn hat.
.
Genau so denke ich auch. Und deswegen bin ich dieses Jahr auch aus der Kirche ausgetreten, was ich schon vor vielen Jahren hätte machen sollen.
Glaube und Spiritualität sind ja was sehr persönliches, daher sollten sie auf dieser Ebene auch bleiben. Das hat aber nichts mit Logik zu tun, schließt sich sogar teilweise aus. So kann man durchaus gläubiger Christ und erfolgreicher Wissenschaftler sein, solang man die beiden Dinge voneinander trennt (Massenpsychose ist schlichter Unsinn).
Dann wiederum haben aber weder Glaube noch Wissenschaft etwas mit Ethik zu tun, und das alles wird ja gerne durcheinander geworfen, so auch in diesem Thread;
- Ethik folgt gesellschaftlichen, also menschengemachten Gesetzen und Moralvorstellungen, auch wenn die gerne mit Göttlichkeit verbrämt werden, teilweise auch aus Denkfaulheit.
- Glaube bleibt jedem selber überlassen, ob er jetzt an den Rauschebart mit seinen Harfenspielern oder an das fliegende Spaghettimonster glaubt, das ist per definitionem unbeweisbar und unüberprüfbar. Und deswegen MUSS es persönlich bleiben, sonst kommt am Ende ein Krieg dabei heraus.
- Wissenschaft folgt Logik und entsprechende Hypothesen müssen auf Falsifizierbarkeit überprüft werden können, eine Sinnfrage ist davon strikt zu trennen.
tragezwerg
08.12.2019, 12:05
Genau so denke ich auch. Und deswegen bin ich dieses Jahr auch aus der Kirche ausgetreten, was ich schon vor vielen Jahren hätte machen sollen.
Das entspricht auch meinem "Glauben". In der Kirche war ich nie (bin nicht getauft), wäre aber auch ausgetreten.
pineapple
08.12.2019, 12:29
Ich glaube, dass es da noch was anderes gibt. Ich glaube sogar, dass das Leben hier iwie nur eine Art Zwischenzeit ist.
Ich denke jedes Leben hat einen Sinn, jedes Leben ist gleich viel wert und ich glaube auch, dass manche Begegnungen „geplant“ sind und dass es eine Art Engelwesen gibt. Aber wieso was passiert, weiß ich nicht, das werde ich irgendwann einmal hoffentlich erfahren.
Diese ganze Tierdiskussion hab ich gar nicht angeschaut, sie sind schließlich genauso Lebewesen wie wir und sie haben mit Sicherheit einen freien Willen.
Ob das zu beneiden ist, bin ich mir nicht sicher- schließlich gelte ich deshalb unter meinen Mitmenschen als Spinner und man wird gemobbt und auch jeder hier im Forum wird mich deswegen auslachen, was schon weh tut. Ich erzähle deshalb grundsätzlich nichts davon.
Hab oft gezweifelt, aber dann passieren immer so Dinge, die mir die Zweifel nehmen.
So was wie Liebe und Gewissen etc. ist jedem Menschen ins Herz gelegt bzw man erfährt es durchs Umfeld, egal ob man glaubt oder nicht. Naja, zu glauben, dass da noch was anderes ist, hilft Vlt schon manchmal, in Trauer als auch Freude, und nur so kann ich Leid auf der Welt überhaupt „verkraften“.
Mitglied in der Kirche bin ich auch nicht mehr, aber religiös und gläubig sind eh zwei paar Schuhe.
Die Frage, ob es einen Gott gibt, lässt sich nicht lösen. Man kann nur für sich die Existenz oder die Nicht-Existenz wahrscheinlicher halten. Ich persönlich halte meist die Existenz für wahrscheinlicher, weil es Phänomene in der Welt gibt, die mich daran glauben lassen, dass es einen Gott gibt und dazu gehört neben Liebe die Wahrnehmung von Ewigkeit und von Geborgenheit und auch die Tatsache, dass offenbar ein Großteil der Menschen schon Gotteserfahrungen welcher Art auch immer gemacht hat. Trotzdem gibt es Tage, an denen ich zweifle, genauso wie es umgekehrt auch Nicht-Gläubige gibt, die an ihrem Nicht-Glauben immer wieder zweifeln (mit einem davon bin ich verheiratet).
Welcher Gott nun der richtige ist - nun ja. Ich persönlich bin mit dem Glauben an den christlichen Gott groß geworden und der ist es auch, der mir am nächsten ist. Die Kernaussage ist in meinen Augen übrigens nicht Mitleid oder Nächstenliebe oder so, sondern dass wir erlöst sind. Erlösungsbedürftig werden wir durch dieses Problem mit dem freien Willen und dass wir, obwohl der Mensch von sich aus sicher gut sein will, es nie völlig sind.
Ich fühle mich in meiner Kirche sehr wohl, erlebe - trotz Katholizismus - auch kein "die da oben - wir hier unten", sondern freue mich immer sehr, dort auf Menschen zu treffen, die ähnlich denken und leben wie ich und ähnliche Fragen stellen.
Mir hilft der Glaube auch im Alltag sehr. Klingt komisch, aber ich versuche jeden Patienten als Jesus anzusehen. So nervig, blöd, anstrengend er auch ist "ich habe gehungert und Du hast mir zu Essen gegeben". Seit ich das versuche umzusetzen, komme ich mit vielem und vielen besser klar.
Gerade als Arzt stößt man doch so oft an die Grenzen des Lebens, da drängt sich die Frage doch unweigerlich auf. Ich bin sehr froh, sie meist mit "ja" beantworten zu können. Das gibt Sinn. Ich kenne übrigens sehr viele gläubige Ärzte, die scheinen überzufällig häufig zu sein.
Ich denke Gott will, dass Menschen sich dafür entscheiden können, ihn zu lieben, denn nur dann ist es wertvoll. Wenn sie müssten weil sie nicht anders können, wäre das doch ziemlich langweilig, oder?
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Ok, das Argument habe ich jetzt verstanden -aber im umkehrschluss hiesse das ja immer noch nicht, dass nur weil wir einen freien Willen haben, es Gott geben muss.
Ich glaube auch an einen freien Willen, auch bei den höheren Wirbeltieren -da gibt es einfach zu viele Dinge, die sich nicht mit Trieben erklären lassen (hab ja auch Katzen :-D ) Zb von Elefanten und Haustieren weiß man, dass sie trauern beim Verlust eines Verwandten oder des Besitzers...
aber das heißt ja wiederum nicht, dass es Gott nicht gibt.
Mein Glaube ist der: ja er ist da, ja er beschützt uns und trägt uns- und stellt uns auch vor Prüfungen und Herausforderungen- leider verhindert sein Wirken nicht all das Unrecht auf der Welt.
Vielleicht gerade WEIL die Menschen einen freien Willen haben, entscheiden sie sich leider auch oft gegen den Weg, den Gott ihnen zeigen möchte.
Mir hilft der Glaube auch im Alltag sehr. Klingt komisch, aber ich versuche jeden Patienten als Jesus anzusehen. So nervig, blöd, anstrengend er auch ist "ich habe gehungert und Du hast mir zu Essen gegeben". Seit ich das versuche umzusetzen, komme ich mit vielem und vielen besser klar.
Wow, danke für deinen Mut!:-top
Echinococcus
09.12.2019, 09:04
Interessantes Thema. Ich bin sehr überzeugter anti-theistischer Agnostiker und habe mir auch schon viele Gedanken um die Themen Moral / Gut / Böse und freier Wille gemacht.
Gott für den Gedanken des freien Willens heranzuziehen ist für mich merkwürdig. Alleine die Widersprüche im Abrahamitischen Religionsdunst was Sünde, Erschaffung des Menschen nach Gottes Abbild und freien Willen angeht ist recht abstrus.
Gott schafft Wesen nach eigenem Bilde, die sich von den Engeln durch ihren freien Willen unterscheiden, und eine der ersten Entscheidungen dieser Wesen ist dann die Frucht der Erkenntnis zu essen. Anstatt sich an der Neugierde seiner neuen Kinder zu erfreuen (die mit freiem Willen einhergehen sollte!) werden sie aus dem Paradies verbannt. Dabei haben sie sich das noch nicht einmal selbst überlegt sondern wurden dazu von jemandem verleitet, der sauer auf Gott war weil er Wesen mit eigenem Willen geschaffen hat. Ziemlich dumm gelaufen für ein angeblich omnipotentes Wesen.
In die Diskussion um den freien Willen gehören für mich ganz andere Mitspieler: Nämlich Laplace's Dämon und Quantenphysik. Ich hab jetzt hier nicht die Zeit das Konzept im Detail zu erklären, aber kurz gefasst: In einem Universum mit festen physikalischen Regeln ist eigentlich ALLES vorbestimmt, freier Wille hat dort keinen Platz. Lest euch mal etwas über den Dämon durch, regt zum Nachdenken an.
Ich finde die Rolle eines "freien Willens" in einem deterministischen Universum für extrem spannend und aktuell ist für mich die einzige Lösung für das Problem in der Quantenphysik zu finden. Ich liebe es, wenn Physik und Philosophie aufeinandertreffen.
Was für mich die Vermittlung von moralischen Werten angeht sehe ich überhaupt keinen Grund, religiöse Gestalten ins Spiel zu bringen.
Moral und auch Ethik sind dynamische Konstrukte, von Konzepten wie "böse" und "gut" sollte man sich bei jeder ernsten Diskussion schnell entfernen.
Generell sind Handlungsweisen innerhalb von Gesellschaften dann zu akzeptieren, wenn sie das System nicht langfristig destabilisieren. Kinder zu essen und sich das Eigentum seiner Nachbarn ungefragt anzueignen sind in den meisten Gesellschaften z.B. ungern gesehene Dinge, weil sie der Gesellschaftsstabilität nicht sonderlich zuträglich sind. Viele dieser Konzepte wie Mord, Ehebruch, 200 km/h vor Kindergärten zu fahren sorgen für massive Probleme in der Gesellschaft und werden deshalb universell gescholten, weil sie in fast jedem System für Ärger sorgen. Das macht sie aber nicht allgemein "böse", es gab durchaus auch Gesellschaften in denen viele Dinge die heute als verwerflich gelten akzeptiert waren.
Wenn ich dann irgendwann vielleicht doch Kindern Werte vermitteln muss würde ich mich in dieser Hinsicht tatsächlich an Kant halten: Ich würde den Kindern beibringen sich so zu verhalten, wie sie es auch von anderen erwarten. Das ist generell für mich das Maß, an dem ich mein eigenes Verhalten messe. Vor "fragwürdigen" Handlungen frage ich mich, wie sehr ich mich über andere Aufregen würde, wenn sie das tun würden und entscheide dann anhand dieser Analyse, ob ich es tue oder nicht ;)
Die Frage nach dem Göttlichen im Allgemeinen kann ich nicht beantworten, auch wenn ich eine bewusste Entität oder ein Pantheon welches das Universum aktiv lenkt für sehr, sehr unwahrscheinlich halte.
Absolut sicher bin ich mir jedoch darin, dass alles, was die aktiven Religionen erzählen kompletter Müll ist. Den / die Gott / Götter, die in den heiligen Schriften der aktiven Sekten auf dem Planeten beschrieben werden existieren nicht. Das ist alles ein Machtspiel, und die Leute fallen auf die Versprechen für ein besseres Leben nach dem Tod herein und helfen den Kirchen jedweder Art ihre Machtposition zu erhalten. Wozu der Konflikt dann führt, sehen wir ja auch jeden Tag auf der Welt. Organisierte Religion ist für mich eines der wichtigsten Geschwüre, die es zu entfernen gilt.
In die Diskussion um den freien Willen gehören für mich ganz andere Mitspieler: Nämlich Laplace's Dämon und Quantenphysik. Ich hab jetzt hier nicht die Zeit das Konzept im Detail zu erklären, aber kurz gefasst: In einem Universum mit festen physikalischen Regeln ist eigentlich ALLES vorbestimmt, freier Wille hat dort keinen Platz. Lest euch mal etwas über den Dämon durch, regt zum Nachdenken an.
Ich finde die Rolle eines "freien Willens" in einem deterministischen Universum für extrem spannend und aktuell ist für mich die einzige Lösung für das Problem in der Quantenphysik zu finden. Ich liebe es, wenn Physik und Philosophie aufeinandertreffen.
Komplett deterministisch kann ein Universum aber nur dann sein, wenn es nicht unendlich ist. Und das wiederum halte ich für nicht gesetzt.
Abgesehen davon hat meines Erachtens kaum jemand die Quantenphysik wirklich verstanden, bestimmt kein Philosoph :-))
Echinococcus
09.12.2019, 12:43
Komplett deterministisch kann ein Universum aber nur dann sein, wenn es nicht unendlich ist. Und das wiederum halte ich für nicht gesetzt.
Abgesehen davon hat meines Erachtens kaum jemand die Quantenphysik wirklich verstanden, bestimmt kein Philosoph :-))
Verstanden hat sie wohl gar keiner, aber nur mit Newton'scher Physik landen wir tatsächlich immer bei einem deterministischen Universum :-)) (insofern eben nicht unendlich, was ja wieder ganz andere Probleme nach sich zieht). Geht ja mit Hilfe der QP eben um die Aussage, dass nicht jeder Zustand genau einen vorhersehbaren Nachfolgezustand hat.
Espressa
09.12.2019, 13:21
In die Diskussion um den freien Willen gehören für mich ganz andere Mitspieler: Nämlich Laplace's Dämon und Quantenphysik. Ich hab jetzt hier nicht die Zeit das Konzept im Detail zu erklären, aber kurz gefasst: In einem Universum mit festen physikalischen Regeln ist eigentlich ALLES vorbestimmt, freier Wille hat dort keinen Platz. Lest euch mal etwas über den Dämon durch, regt zum Nachdenken an.
Genau das meine ich ja; wo Wissenschaft ein zufälliges Weltentstehen und den physikalischen Gesetzen folgendes weiterbestehen postuliert, und damit Gott gewissermaßen „wegerklärt“, kann es dort auch keinen freien Willen geben.
Daher ist freier Wille für mich an Gott geknüpft.
Ich bin auch katholisch erzogen worden und fand ganz vieles äußerst merkwürdig und hielt es eigentlich auch für Quatsch. Ähnlich wie du schreibst, „Fehlplanung“, „Systemfehler“ etc. Trotzdem hatte ich eine Überzeugung dass es Gott geben muss, auch über eben philosophische Auseinandersetzung mit diversen Fragen. Und dann kam ich wieder auf das Christentum zurück und konnte viele Dinge anders, besser einordnen. Finde es inzwischen sogar äußerst stimmig, was ich von anderen Religionen, mit deren Grundsätzen ich mich dann auch befasst hab (hätte ja sein können) nicht behaupten kann.
Zu deinem ersten Absatz: Gott gab den Menschen den freien Willen, aber er wollte dass sie gehorsam sind. Der verbannte sie nicht wegen ihrer Neugier (die du erfreulich findest), sondern wegen Ungehorsam.
Was gut und böse angeht - wenn man nach subjektivem Empfinden entscheidet, könnte man sich sagen: von mir aus kann mir einer die Hand abhacken, wenn ich ihn beklaue, ich fände das in Ordnung (weil ich eh alles hab und nicht vorhabe zu stehlen). Ist es dann ok demjenigen der mich beklaut die Hand abzuhacken?
Oder darf ich aus Rache töten, wenn es nie rauskommt, und mir das aber Genugtuung verschafft?
Ist es nicht auch Evolution, wenn die schwachen eben das Nachsehen haben, wäre doch natürlich?
Ich komme sehr schnell an den Punkt wo ich eine übergeordnete Definition von gut und böse hilfreich finde.
Natürlich nicht um mein Leben bestreiten zu können (da gebe ich allen recht, für die meisten müsste das auch ohne Gott mit einem gesunden werteverständnis klappen), aber beim philosophieren find ich braucht’s schon etwas übergeordnetes, ja übernatürliches.
Echinococcus
09.12.2019, 15:20
Genau das meine ich ja; wo Wissenschaft ein zufälliges Weltentstehen und den physikalischen Gesetzen folgendes weiterbestehen postuliert, und damit Gott gewissermaßen „wegerklärt“, kann es dort auch keinen freien Willen geben.
Daher ist freier Wille für mich an Gott geknüpft.
Sorry, das ist nicht logisch. Freier Willen ist genauso Folge der Entstehungsalgorithmen wie jede andere Eigenschaft im Universum. Wie ich erklärt habe, ergibt das sehr viel mehr Sinn als der freie Wille aus abrahamitischen Religionen.
Ich bin auch katholisch erzogen worden und fand ganz vieles äußerst merkwürdig und hielt es eigentlich auch für Quatsch. Ähnlich wie du schreibst, „Fehlplanung“, „Systemfehler“ etc. Trotzdem hatte ich eine Überzeugung dass es Gott geben muss, auch über eben philosophische Auseinandersetzung mit diversen Fragen. Und dann kam ich wieder auf das Christentum zurück und konnte viele Dinge anders, besser einordnen. Finde es inzwischen sogar äußerst stimmig, was ich von anderen Religionen, mit deren Grundsätzen ich mich dann auch befasst hab (hätte ja sein können) nicht behaupten kann.
Mich würde interessieren, wo das monotheistische Weltbild dir die Welt besser erklärt als z.B. die für mich sehr viel attraktivere (aber eben auch nicht "glaubwürdige") nordische oder ägyptische Mythologie. Das ist eine ehrliche Frage. Auch wieso man zu dem Schluß kommt, dass es "Gott" geben muss....dazu gleich mehr.
Zu deinem ersten Absatz: Gott gab den Menschen den freien Willen, aber er wollte dass sie gehorsam sind. Der verbannte sie nicht wegen ihrer Neugier (die du erfreulich findest), sondern wegen Ungehorsam.
Gott, wie in der Bibel geschrieben, ist also ein autoritäres (und nicht sehr cleveres) Arschloch? Den Menschen freien Willen geben, damit sie dann genau DAS tun, was er verlangt? Kein sehr kluger oder anständiger Plan...da sind mir aber die Asen und Vanen um einiges sympathischer...
Der abrahamitische Gott ist, so wie in den Texten beschrieben (ich sage nur Hiob...) echt ein widerlich. Der würde meine Verehrung nicht mal verdienen, wenn es ihn gäbe. Und da ist es mir sehr viel lieber Gottes Existenz zu bezweifeln anstatt im Glauben zu leben, ein dummes Arschloch hätte das Universum erschaffen.
Was gut und böse angeht - wenn man nach subjektivem Empfinden entscheidet, könnte man sich sagen: von mir aus kann mir einer die Hand abhacken, wenn ich ihn beklaue, ich fände das in Ordnung (weil ich eh alles hab und nicht vorhabe zu stehlen). Ist es dann ok demjenigen der mich beklaut die Hand abzuhacken?
Oder darf ich aus Rache töten, wenn es nie rauskommt, und mir das aber Genugtuung verschafft?
Ist es nicht auch Evolution, wenn die schwachen eben das Nachsehen haben, wäre doch natürlich?
Ich komme sehr schnell an den Punkt wo ich eine übergeordnete Definition von gut und böse hilfreich finde.
Natürlich nicht um mein Leben bestreiten zu können (da gebe ich allen recht, für die meisten müsste das auch ohne Gott mit einem gesunden werteverständnis klappen), aber beim philosophieren find ich braucht’s schon etwas übergeordnetes, ja übernatürliches.
Du hast recht, jede deiner Handlungen ist in einem geeigneten System durch Ethik zu rechtfertigen. Es gibt keine per se schlechten oder guten Taten. Früher war es natürlich, dass die Kranken und Schwachen in schlechten Zeiten als erste aus der Gesellschaft ausgestossen wurden. Da wir mittlerweile eine bessere Ressourcenallokation haben können wir es uns zum Glück leisten, allen in der Gesellschaft ein würdevolles Leben zu ermöglichen (zumindest versuchen wir es).
Früher war das eben anders, was aber bei einem absoluten Wertesystem bedeuten würde, dass früher alle Menschen "schlecht" waren.
Espressa
09.12.2019, 17:39
Also echinococcus, du hast doch vom Laplace‘s Dämon geschrieben und dass Quantenphysik den freien Willen ausschließt? Oder hab ich jetzt einen Knopf im Hirn?
Weiters verehren ja praktisch alle Völker, unabhängig voneinander, irgendwelche Gottheiten. Sprich ich denke es liegt im Menschen, Gott zu suchen, und fast jeder sieht sich irgendwann im Leben mit dieser Frage konfrontiert, ob es noch „mehr“ gibt.
Ich suche mir dann aber nicht aus, was mir grad gut gefällt, sondern ich hinterfrage schon, woher die Informationen über diesen Gott kommen. Ob es sich eben mal jemand so ausgedacht hat, ob es historische Belege gibt, und vor allem ob die Geschichte einem roten Faden folgt, oder weitestgehend ungeordnet und willkürlich ist. Dann natürlich kann man glauben ja auch „ausprobieren“, sich selbst drauf einlassen und sehen was passiert. Beantwortet das deine Frage?
Ich hab auch meine Mühe mit dem alttestamentarischen Gott, der zugegeben grausam anmutet. Alles in allem erscheint er mir schon gerecht, es gibt Vorwarnungen und oft zweite Chancen, und naja, ich finde es nicht verwerflich dass er gehorsam einfordert, wenn damit gleichzeitig das Versprechen einhergeht, dass bei den gehorsamen alles gut ausgehen wird. Man muss ja auch bedenken dass die Menschen genauso doch auch die Möglichkeit hatten, zu tun wie ihnen aufgetragen wurde.
Es hat ja heute auch jeder die Wahl, sich für oder gegen Gott zu entscheiden, und das schöne ist, wer dann ja nicht an ihn glaubt, glaubt ja auch nicht an seine gerechte Belohnung oder Strafe, und muss sich dann auch gar nicht fürchten, weil es das zu fürchtende seiner Meinung nach dann doch gar nicht gibt. Also alles easy!
Es ist dennoch bezeichnend, dass das Christentum die meiste Häme einzustecken hat. Über das Judentum sagt keiner was (will doch keiner ein antisemit sein), über Buddhisten sowieso nicht, weil die sind „in“, über Moslems Kritik zu üben ist gefährlich, traut man sich nicht. Über Christen zu lachen wird völlig akzeptiert, selbst im Eltern-Thread wurde schon unschön kommentiert und dabei finde ich jetzt keins meiner Kommentare wirklich beleidigend.
pineapple
09.12.2019, 18:11
Wie man zum Glauben kommt? Ausprobieren, beten, fragen. Und dann bekommt man die Antwort. Zudem gibt es zahlreiche historische Belege. Kann dich beruhigen, es ist nicht alles „Müll“ was erzählt wird.
Was meinen Gott von anderen unterscheidet?
„dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“
Dass ich als Mensch gerettet werden kann, mir die Schuld genommen wird, einfach so!, das gibt es in keinem anderen Glauben.
Aber das will ja niemand wissen, sondern bezeichnet den Gott eines Gläubigen lieber als dummes Arschloch (Danke für die Messerstiche in mein Herz) und beruft sich wild auf iwelche Bibelstellen aus dem ALTEN Testament.
Gibt auch so paar Familienfeste, zum Beispiel am 24.12. oder an Ostern!!, die wir feiern, die genau deine Fragen beantworten, und eben den Unterschied zu anderen Religionen erklären, aber die sind ja eh nur was für Spinner..
Echinococcus
09.12.2019, 18:22
Also echinococcus, du hast doch vom Laplace‘s Dämon geschrieben und dass Quantenphysik den freien Willen ausschließt? Oder hab ich jetzt einen Knopf im Hirn?
Quantenphysik ist die Lücke, die einen freien Willen ermöglicht ;) Weil man nur dadurch dem System quasi einen...hmm...Zufallseffekt zufügt, der es nicht deterministisch macht. Reine newton'sche Physik ermöglicht das nicht.
Weiters verehren ja praktisch alle Völker, unabhängig voneinander, irgendwelche Gottheiten. Sprich ich denke es liegt im Menschen, Gott zu suchen, und fast jeder sieht sich irgendwann im Leben mit dieser Frage konfrontiert, ob es noch „mehr“ gibt.
Ich suche mir dann aber nicht aus, was mir grad gut gefällt, sondern ich hinterfrage schon, woher die Informationen über diesen Gott kommen. Ob es sich eben mal jemand so ausgedacht hat, ob es historische Belege gibt, und vor allem ob die Geschichte einem roten Faden folgt, oder weitestgehend ungeordnet und willkürlich ist. Dann natürlich kann man glauben ja auch „ausprobieren“, sich selbst drauf einlassen und sehen was passiert. Beantwortet das deine Frage?
Tut es, aber bei dieser Argumentation fällt einem schon auf wie merkwürdig es ist, dass man in der Regel die Religion seines Kulturkreises annimmt ;) Niemand stellt sich in Indien auf den Marktplatz und schreit trotz seiner Hinduistischen Hintergrundkultur auf einmal "Gott ist mir erschienen, die Christen haben doch Recht!".
Auch du bist ja in einer christlich geprägten Gesellschaft aufgewachsen schätze ich, wirklich ausgesucht hast du Dir den Glauben also auch nicht. Würdest du jetzt Anubis Opfergaben bringen hätte das noch eine Bedeutung, aber so ist das doch primär kulturell geprägt, egal wie du das interpretierst.
Konvertierte entstehen immer durch Kontakt mit anderen Gläubigen...merkwürdig, dass anscheinend Gott / andere Götter niemandem einfach so die Erleuchtung schenken. Und wieder ein Beispiel für die Ungerechtigkeit Gottes, denn wie sollen die Leute den rechten Pfad finden, wenn sie in einer völlig "unerleuchteten" Gesellschaft aufwachsen?
Ich hab auch meine Mühe mit dem alttestamentarischen Gott, der zugegeben grausam anmutet. Alles in allem erscheint er mir schon gerecht, es gibt Vorwarnungen und oft zweite Chancen, und naja, ich finde es nicht verwerflich dass er gehorsam einfordert, wenn damit gleichzeitig das Versprechen einhergeht, dass bei den gehorsamen alles gut ausgehen wird. Man muss ja auch bedenken dass die Menschen genauso doch auch die Möglichkeit hatten, zu tun wie ihnen aufgetragen wurde.
Er ist omnipotent, wie narzisstisch muss er dann sein, wenn er von seinen kleinen Fleischgeschöpfen solches Gehorsam erwartet? Egal wie man es dreht oder wendet, gerecht, gütig oder auch nur sympathisch ist dieser Gott nicht. Mit Dionysos würde ich mich auf einen Drink treffen, Yawhe kann mir gestohlen bleiben mit seiner widerlichen Art und Weise.
Es hat ja heute auch jeder die Wahl, sich für oder gegen Gott zu entscheiden, und das schöne ist, wer dann ja nicht an ihn glaubt, glaubt ja auch nicht an seine gerechte Belohnung oder Strafe, und muss sich dann auch gar nicht fürchten, weil es das zu fürchtende seiner Meinung nach dann doch gar nicht gibt. Also alles easy!
Da stimmt ich dir komplett zu! Nur schade, dass viele junge Menschen in einigen Kulturen so stark indoktriniert werden, dass ihnen diese Wahl nicht wirklich bleibt...
Es ist dennoch bezeichnend, dass das Christentum die meiste Häme einzustecken hat. Über das Judentum sagt keiner was (will doch keiner ein antisemit sein), über Buddhisten sowieso nicht, weil die sind „in“, über Moslems Kritik zu üben ist gefährlich, traut man sich nicht. Über Christen zu lachen wird völlig akzeptiert, selbst im Eltern-Thread wurde schon unschön kommentiert und dabei finde ich jetzt keins meiner Kommentare wirklich beleidigend.
Ach, also ich habe kein Problem damit jede Religion zu kritisieren. Im Endeffekt kommt einem hier der Fokus so vor, eben weil das Christentum noch recht präsent ist und es so natürlich als erstes die Kritik einstecken muss. Einige christliche Richtungen sind ja sogar recht progressiv, sowas fehlt dem Islam definitiv. Das Judentum ist mir deshalb sympathisch, weil sie unter sich bleiben und nicht versuchen zu missionieren.
Aber nur weil es politisch korrekt ist, äußere ich mich sicher nicht milder über den Islam. Eine rückständige Religion mit antiquierten Ansichten, die vielerorts den Fortschritt aufhält. Die Welt stünde ohne diese Sekten besser da, da bin ich mir sicher ;)
Was meinen Gott von anderen unterscheidet?
„dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“
Dass ich als Mensch gerettet werden kann, mir die Schuld genommen wird, einfach so!, das gibt es in keinem anderen Glauben.
Aber das will ja niemand wissen, sondern bezeichnet den Gott eines Gläubigen lieber als dummes Arschloch (Danke für die Messerstiche in mein Herz) und beruft sich wild auf iwelche Bibelstellen aus dem ALTEN Testament.
Hmm...
Wohl weiß ich,
daß ich am Windbaum hing,
neun ganze Nächte
speerverwundet
dem Odin geopfert
ich selber mir selbst-
an jenem Holz,
von dem niemand weiß
aus welchen Wurzeln es aufwächst.
Odin gab sein Auge für die Menschen. Finde ich jetzt auch ganz dufte. So speziell ist der Christengott dann doch nicht. Übrigens gab es mit Horus auch schon Jesus 1.0. Da wurde auch viel abgekupfert.
Ihr dürft ja alle glauben was ihr wollt, aber seid doch nicht so naiv und behauptet steif und fest, nur eure gaaaaanz spezielle Religion würde die Wahrheit kennen, während die restlichen Milliarden Menschen unerleuchtet auf die Hölle warten. Sorry, genau solch ein Denken sorgt für die ganzen Konflikte.
der 25.12. ist übrigens eigentlich n römisches Sonnenfest, da hat man dann einfach der Convience halber den Jesusgeburtstag raufgepackt. War einfach praktischer :D Sol invictus!
tragezwerg
09.12.2019, 18:38
Die eigene Religion ist immer die universell gültige und einzig richtige.
Irgendwoher müssen die weltweiten Konflikte ja kommen...
Feuerblick
09.12.2019, 18:39
..und „Familienfeste“ werden in anderen Glaubensrichtungen auch gefeiert. Die feiern halt nicht die christlichen Feste und unter Umständen an anderen Tagen... :-nix Ist kein Alleinstellungsmerkmal.
Und wenn wir ehrlich sind, dann glauben sehr, sehr viele Menschen annähernd gleiche oder sehr ähnliche Dinge - ob sie ihre Religion nun Christentum, Judentum, Wieauchimmer nennen. Da hat doch der eine vom anderen geklaut.
@Kokke: Man hat das geschickterweise so gemacht. Machte das Konvertieren einfacher :-))
Ich bin, wie gesagt, christlich erzogen und glaube an Gott. Was mich aber unfassbar nervt, ist die Besserwisserei - von Christen gegenüber Christen (Katholiken gegenüber Evangelischen, Hochgläubigen gegenüber weniger Gläubigen), von Christen gegenüber anderen, Juden gegenüber Christen, Muslimen gegenüber Christen, Muslimen gegenüber Juden uvm. Himmel, lasst die Menschen doch einfach glauben, was sie wollen. Das kann man für sich schräg finden und man kann auch diskutieren drüber, aber ich werde nie verstehen, warum man missionieren oder gar Kriege führen muss wegen solcher Dinge.
pineapple
09.12.2019, 18:56
Entschuldigung, sollte von mir keine Besserwisserei sein, wollte nur auf die Fragen eine Antwort geben. Ziehe mich sehr gerne hier zurück, hatte eigentlich nie vor hier irgendjemandem meinen Glauben aufzuzwingen, aber kann’s jetzt nicht mehr löschen was ich geschrieben hab :/
(Hatte eher an den Inhalt der Familienfeste gedacht, weniger an das Ritual an sich ...)
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