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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welcher Facharzt? Operativ, aber nicht zu "stressig"



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daCapo
18.01.2020, 19:57
Was ich insgesamt damit sagen will, O/U ist ein tolles, abwechslungsreiches, spannendes Fach mit vielen Nischen. Es ist aber auch eher ein arbeitsintensives und aufwendiges Fach. Wenn man sich da nicht wirklich für interessiert und eigentlich nur eine ruhige Kugel schieben will halte ich es aber für die falsche Wahl.

Das entspricht auch meiner Beobachtung als Außenstehender, finde das Fach sehr interessant.



[truba][;2124011']Da sprechen meine z.T. durchgearbeiteten 24h+ Dienste definitiv dagegen.
Auch da kommt es ziemlich auf die Abteilung an

So kenne ich es auch nur aus der Beobachterperspektive, Nierenstau/Harnverhalt/Urolithiasus, Urosepsis, Verletzungen, OPs der Allgemeinchirurgen, wo plötzlich noch ein Urologe gebraucht wird o.ä.; das passiert alles gerne auch mal abends und nachts

anignu
18.01.2020, 22:26
Und was die Strahlenbelastung angeht. Ja, wir röntgen intraoperativ tatsächlich mehr als andere Fächer, aber das trifft ja nicht auf alle OPs zu, außerdem ist man als Assistent nicht so viel im OP wie als PJler und man ist (zumindest für sehr lange Zeit) auch nicht derjenige, der bei der Kontrolle der Osteosynthese bei Radiusfraktur seine Hand in den Bildwandler hält ;) Für den Rest hat die Schutzkleidung ggf inkl. Brille ihre Funktion.
Süß. Schonmal was von Gefäßchirurgie gehört? Hast du ungefähr eine Ahnung was eine fEVAR ist und was eine reine Durchleuchtungszeit von mehr als zwei Stunden bedeutet?
Aber dafür haben wir zusätzliche Bleiwände und die Hand in den Strahlengang zu halten ist mir innerhalb des letzten Jahres nur ein einziges Mal passiert als ich zu faul war den Katheter umständlich richtig zu platzieren und stattdessen den einen Gefäßabfluss zugedrückt hab.

Gefäßchirurgie war bisher noch nicht ausgeschlossen.


Ein spannendes Fach
Arbeitsbelastung im Rahmen
Wenn möglich: Operatives Fach
Möglichkeit der Niederlassung
Ausschluss: Gyn, Uro, Derma

Spannend ist es allemal.
Arbeitsbelastung ist in der Weiterbildung schon gegeben. Aus zwei Gründen: die Patienten sind schwer krank brauchen also auch auf Station eine gewisse Aufmerksamkeit, die kannst du nicht so einfach rumliegen lassen wie das unsere Unfallchirurgen machen, und die OPs dauern so lange bis die Abschlussangio gut ist. Und der Zeitraum Schnitt bis Abschlussangio (nicht zu verwechseln mit Kontrollangio zwischendrin) ist manchmal bissl variabel. Oder wie es der Unfallchirurgische Kollege heute ausgedrückt hat nachdem ich in ihm einer mehrsekündigen aber klaren Mitteilung zu verstehen gegeben hab dass er sich seine komische Osteosynthese erstmal aufschieben kann weil wir Gefäßchirurgen jetzt erstmal in den OP gehen "ok, also braucht ihr jetzt erstmal zwei bis fünf Stunden".
Operativ? Unbedingt! Wir machen so viele OPs das glaubst du kaum. Und wenns sein muss am gleichen Patienten ;-)
Möglichkeit zur Niederlassung: einigermaßen. es gibt tatsächlich niedergelassene Gefäßchirurgen. Dabei muss man unterscheiden zwischen Vollblut-Gefäßchirurgen die auch als Belegärzte noch offene Aorten operieren (das gibt es tatsächlich!) und den Gefäßchirurgen die dann ihr Spektrum reduziert haben. Das komplette Spektrum der Diagnostik ist weiterhin möglich, bei geeigneten Strukturen kann man interventionell tätig sein oder man reduziert sich auf den lukrativen Bereich der Varizenchirurgie. Alles möglich.

daCapo
19.01.2020, 08:14
Ja Gefäßchirurgie ist spannend, die OPs komplex, meist trifft man die wirklich schwer kranken Patienten am Folgetag beim Rauchen. Kann man ja mal hospitieren eine Woche und schauen ob es passt.

Manche Anfänger müssen auch irgendwo mal beginnen, und finden sich dann im Laufe der Zeit zu Recht.

Heerestorte
19.01.2020, 08:43
Hallo liebes Forum,

ich überlege schon ziemlich lange und kann mich einfach nicht entscheiden. Eine Information vorweg: Ich möchte es nicht allzu stressig haben und die Option haben, mich bei Bedarf niederzulassen.


Was suche ich?


Ein spannendes Fach
Arbeitsbelastung im Rahmen
Wenn möglich: Operatives Fach
Möglichkeit der Niederlassung
Ausschluss: Gyn, Uro, Derma



Bei den klassischen operativen Fächern (AVC, Unfallchirurgie, etc) ist entweder fehlt die Niederlassungsmöglichkeit oder die Arbeitsbelastung ist einfach zu hoch.


Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben :)


Grüße

Wie wäre es mit Neurochirurgie?
Filigranes präzises Arbeiten (außer bei Notfalltrepanation :-)) ), interessante Patienten, oft lange Nachbetreuung der Patienten, Stress kommt auf die Abteilung an. Und man kann sich auch niederlassen und konservativ/interventionell Bandscheiben etc versorgen.

freak1
19.01.2020, 09:12
Auch da ist die Ausbildung kein Zuckerschlecken. Gibt nicht viele Kliniken und die Stellen sind begehrt. Unsere Neurochirurgen schlafen im Dienst weniger als wir Radiologen.

daCapo
19.01.2020, 09:18
NC= sehr hohe Arbeitsbelastung, eher von abzuraten. Nicht nur Trepanation nachts, auch Shuntrevision, Abszesse, vllt noch ein Aneurysma, viele Notfalllaminektomien bei drohenden Querschnitt

Relaxometrie
19.01.2020, 09:27
Vermutlich läuft die Diskussion ins Leere, weil PJler123 jeden sinnvollen Vorschlag niederquatschen wird.

daCapo
19.01.2020, 09:36
Man kann ja mal mit Innere oder Chirurgie anfangen; kann man sich fast überall anrechnen lassen.

Fände es auch gut, wenn jeder 1/2 Jahre oder 1 Jahr Innere macht als richtiger Arzt (nicht PJ), einfach um die Basics zu können auch in einem patientenfernen Fach ohne Stationen.

freak1
19.01.2020, 09:49
Fände es gut wenn alle Internisten mal 1 Jahr Radio machen müssen damit sie RöTh befunden können in ihrem bildgebungsfernen Fach.;-)

Das einzige, was man mit solchen Pflichtrotationen bewirkt, sind billige Arbeitskräfte die gezwungen werden und das Fach danach abgrundtief hassen. Und wie kommst du darauf, dass ich nach Studium und PJ die "Basics" der Inneren Medizin nicht drauf habe? Bzw. was denkst du, dass 1 Jahr Briefe schreiben und Scheißarbeit machen mir da zusätzlich aufzeigen werden?
Wenn klinisches Jahr würde ich Neurologie oder NC machen, da hab ich wenigstens was von weil ich die relevanten Krankheitsbilder für die Neurorad sehe.

daCapo
19.01.2020, 09:56
Fände es gut wenn alle Internisten mal 1 Jahr Radio machen müssen damit sie RöTh befunden können in ihrem bildgebungsfernen Fach.;-)

Das einzige, was man mit solchen Pflichtrotationen bewirkt, sind billige Arbeitskräfte die gezwungen werden und das Fach danach abgrundtief hassen. Und wie kommst du darauf, dass ich nach Studium und PJ die "Basics" der Inneren Medizin nicht drauf habe? Bzw. was denkst du, dass 1 Jahr Briefe schreiben und Scheißarbeit machen mir da zusätzlich aufzeigen werden?
Wenn klinisches Jahr würde ich Neurologie oder NC machen, da hab ich wenigstens was von weil ich die relevanten Krankheitsbilder für die Neurorad sehe.

Ich mag auch keine Stationsarbeit, aber der PJler ist nicht so wirklich für die Patienten verantwortlich und der Ansprechpartner von Pflege, Angehörige, Oberäzte usw.

Nee dazu würde dann auch Tätigkeit in der Notaufnahme gehören (hier sind wir uns hoffentlich einig, dass man dort viel lernen kann als Anfänger), nicht nur Innere Station. Da lernt man einfach die Basics bei Schmerzeinstellung, Diuretikaeinstellung, Diabeteseinstellung, Hyptonieeinstellung, Pneumonie behandeln, Hauterkrankungen, Abszess, HWI, Urosepsis usw. Das macht auch kein PJler

Ja würde ich empfehlen ein Jahr oder ein halbes Jahr NC oder Neurologie, kenne selber viele Neuroradiologen, die das gemacht haben. Ist natürlich ein saurer Apfel, aber letztendlich wertvolle Erfahrung.

freak1
19.01.2020, 10:06
Die Frage ist natürlich: Was bringt mir das als Radiologe Diuretika, Diabetesmedikamente, Hypertoniemedikamente oder Antibiotika einstellen zu können? Auch mit Hauterkrankungen, HWI, Urosepsis habe ich nur marginal zu tun. Abszesse punktiere ich und Schmerzeinstellung von mir aus, periinterventionell ist das durchaus sinnvoll. ;-)

daCapo
19.01.2020, 10:11
Die Frage ist natürlich: Was bringt mir das als Radiologe Diuretika, Diabetesmedikamente, Hypertoniemedikamente oder Antibiotika einstellen zu können? Auch mit Hauterkrankungen, HWI, Urosepsis habe ich nur marginal zu tun. Abszesse punktiere ich und Schmerzeinstellung von mir aus, periinterventionell ist das durchaus sinnvoll. ;-)

Man erweitert seinen Horizont :-). Manch Radiologe schickt die Patienten wegen einer 1/2 Tavortbl. zur Station, da er sich damit nicht auskennt.
In der NC oder Neurologie erlebt man auch mal die Krankheitsbilder und kennt sie nicht nur aus dem Lehrbuch.

Ist ja auch nur optional.

freak1
19.01.2020, 10:13
Trotzdem sind die 12 Monate mMn besser in meinem eigenen Fach angelegt. Mag für andere klinische Fächer nicht ganz so krass sein, aber der Unterschied zwischen Befundung und irgendwo auf Station/ZNA hocken ist doch riesen groß.

daCapo
19.01.2020, 10:24
War selber auch in der Radiologie, auf die Dauer zu eintönig für mich persönlich. Mag eine gute Abwechselung/Mischung (Station brauche ich aber auch nicht dauerhaft)

anignu
19.01.2020, 10:41
Vermutlich läuft die Diskussion ins Leere, weil PJler123 jeden sinnvollen Vorschlag niederquatschen wird.
Leider. Obwohl Gefäßchirurgie natürlich das beste Fach aller Zeiten ist.

Heerestorte
19.01.2020, 10:43
Auch da ist die Ausbildung kein Zuckerschlecken. Gibt nicht viele Kliniken und die Stellen sind begehrt. Unsere Neurochirurgen schlafen im Dienst weniger als wir Radiologen.


NC= sehr hohe Arbeitsbelastung, eher von abzuraten. Nicht nur Trepanation nachts, auch Shuntrevision, Abszesse, vllt noch ein Aneurysma, viele Notfalllaminektomien bei drohenden Querschnitt

Das kommt halt sehr auf die Klinik an. Da wo ich gerade bin, hat es etwa 850-900 Eingriffe im Jahr. In den zwei Monaten waren im Dienst maximal zwei Ops. Bei uns sind ruhigere Nächte eher häufiger als stressige. Und das trotz RTH am Haus.

Andererseits hat man halt den Stress mit der Rufbereitschaft, die nicht gut vergütet wird.
Und ja, die Ausbildung ist natürlich sehr stressig.

Aber wie Relaxo sagt, PJler123 sucht die eierlegende Wollmilchsau, die es vermjtlich nicht gibt.

CYP21B
19.01.2020, 11:13
Man kann ja mal mit Innere oder Chirurgie anfangen; kann man sich fast überall anrechnen lassen.

Fände es auch gut, wenn jeder 1/2 Jahre oder 1 Jahr Innere macht als richtiger Arzt (nicht PJ), einfach um die Basics zu können auch in einem patientenfernen Fach ohne Stationen.
In O/U gibt's für Innere nichts angerechnet. Und wäre im Normalfall auch nicht sinnvoll. Die paar Sachen die man braucht um Station diesbezüglich am Laufen zu halten lernt man auch so. Für die meisten dauert der Facharzt sowieso schon > 6 Jahre weil man durch die erforderlichen Rotationen meist doch etwas Zeit liegen lässt. Und ich finde es dann wesentlich wichtiger auch mal was über den Opkatalog hinaus operiert zu haben als theoretisch eine internistische Station führen zu können.

belanglosigkeiten
19.01.2020, 11:49
Leider. Obwohl Gefäßchirurgie natürlich das beste Fach aller Zeiten ist.

Off Topic, aber ich wollte nur mal erwähnen dass die GCh-Werbung in diversen Threads durchaus wahrgenommen wird und auf fruchtbaren Boden stößt (wenn auch meist nicht bei den Fragestellern)!

tragezwerg
19.01.2020, 11:55
Ich glaube so Dinge wie Arbeitsbelastung, Dienstbelastung etc. hängen mehr von der Abteilung als vom Fach an sich ab. Bei uns ist es bei der HNO und Augenklinik sehr entspannt, in der Neurochirurgie wird die ganze Nacht durch operiert und keiner hat Freude an seinem Job.

Feuerblick
19.01.2020, 12:09
Augenheilkunde KANN sehr entspannt sein, muss es aber nicht. Wir hatten neben unserem normalen Dienst auch in den Nacht- und Wochenenddiensten noch den Konsildienst für andere Abteilungen an der Backe. Das konnte dann schon in ordentliche Rennerei ausarten - zumal unsere Augenklinik auch über die ZNA lief, wir also quasi alles bekamen, was auf gut Glück ins Klinikum gefahren ist statt am Wochenende erstmal den normalen Augen-Notdienst aufzusuchen.
Was das Operieren angeht, gibt es solche und solche Kliniken. Meistens darf man als Assistent kleine Lidoperationen, Augenmuskeloperationen und intravitreale Injektionen machen. Katarakte und Co sind dann schon wieder abteilungsabhängig. Die einen machen es, die anderen nicht. Assistenzen im OP gibt es so gut wie gar nicht. Sind fast alles One-Player-OPs. Fünf Jahre Weiterbildung bedeuten eben oft nicht, dass man sich danach niederlassen und fröhlich operieren kann.
Ansonsten plagt man sich wie in allen anderen Fächern auch mit Stations- und Ambulanzarbeit rum.
Ich habe mehrere Kollegoiden erlebt, die zu uns kamen, weil sie meinten, Auge sei einfach und man könne eine ruhige Kugel schieben. Die haben sich meist schon in der Probezeit was anderes gesucht... :-nix