Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : FA Allgemeinm. - Stellen mit möglichst wenig Patientenkontakt
[truba][;2125054'].....
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Naja, ein Allgemeinmediziner in der Praxis, woran man ja erst einmal per se denkt, hat eben viel Patientenkontakt. Und vielleicht sind e auch gar nicht die Patienten selbst die nerven, denn die haben ja oft selbst schwere Schicksale sondern viel mehr das System, dass dir schon fast diktiert eine gewisse Menge an Patienten durchschleusen zu müssen.
Ich denke, es ist eine Mischungvaus beidem. Nervige, unverschämte, egoistische Patienten und auf der anderen Seite Pat., denen man gut helfen könntr, wenn einem das Kassensystem die Möglichkeit dazu geben würde...
@miked:
Ich frag mich ehrlich gesagt schon, wo du da warst, dass du so extrem schlechte Erfahrungen gemacht hast.
Ich war in Summe 6,5 Wochen in Hausarztpraxen, jeweils im kleinstädtischen Bereich, und "nervige, unverschämte, egoistische Patienten" sind mir fast nie untergekommen. Und auch Situationen, in denen man das Gefühl hatte, aufgrund der Regeln der Krankenkassen nicht gut helfen kann, gab es kaum. Bei Pflegegutachten gibt es manchmal solche Situationen, aber sonst?
Dass man viele Patienten durchschleusen muss, ist hingegen korrekt. Ist halt Fließbandmedizin. Aber das ist im Krankenhaus ja nicht anders.
@davo: sozialer Brennpunkt einer Großstadt, da war schon einiges los (Patienten die am Wartezimmer vorbei einfach ins Arztzimmer kamen, unsere MFAs übelst beschimpften, da fielen regelmäßig Schl***e, Fo**e, etc. Und ich konnte Eu- und Ausser-EU- Patienten teilweise nich zu notwendigen OPs einweisen, weil sie keine funtionierende Gesundheitskarte bekamen.. Aber das am Rande, ich empfinde auch das Verhalten vieler Patienten aus "gehobeneren Schichten" als unangemessen. Vielleicht bin ich da auch etwas empfänglich, habe einen sehr ausgeprägten "Gerechtigkeitssinn" und reagierr entsprechend sensibel
roxolana
28.01.2020, 04:08
Das mit DRV finde ich auch interessant gerade. Weiß jemand, wie sich das dort mit dem Gehalt verhält?
Ich glaube TVL E14 ohne und 15 mit Facharzt.
Ich denke, dass jeder seine Nische finden muss und sich kann. Als FA hat man viel Gestaltungsspielraum bezüglich seiner Tätigkeit - gerade bei der aktuellen Stellensituation. Es ist auch möglich verschiedene Tätigkeiten parallel zu machen.
Patienten gehen mir auch oft auf die Nerven und die Gespräche ermüden mich oft. Trotzdem bin ich noch Vollzeit in der Patientenversorgung tätig. Habe gerade eine für mich akzeptable Situation gefunden.
Ich habe das Studium mit sehr viel Idealismus begonnen, aber seit der Approbation versuche ich das auszublenden. Das belastet mich gerade wegen der Ökonomisierung sonst zu sehr.
Ich habe auch den Anspruch verloren Patienten zu heilen. Mag am Fach Innere liegen. Ich sehe mich als Berater bzw. Aufklärer, die Patienten entscheiden. Wenn ich merke, die Patienten interessieren sich für ihre Erkrankung und versuchen sich an die Ratschläge zu halten, motiviert es mich sehr und ich mag die Arbeit. Ansonsten spreche ich Probleme nur kurz an. Ich habe schon zu viele junge Leute sich zu Grunde richten sehen.
WackenDoc
29.01.2020, 05:05
Man muss ja nicht unbedingt mitten im sozialen Brennpunkt arbeiten.
Man muss ja nicht unbedingt mitten im sozialen Brennpunkt arbeiten.
...text komplett überarbeitet wegen zu vielen Tipfehlern und Ergänzungen.....
Das ist wahr, war auch einer der Gründe für meinen Praxiswechsel während der WB-Zeit; hier ist jetzt kein sozialer Brennpunkt mehr, aber die Patienten (beziehungsweise die Angehörigen), die oft einen höheren sozioökonomischen Status haben, nerven auf ihre Art genauso; mag aber auch an unserer Praxisspezialisierung liegen, haben zwar allgemeinmedizinische Sitze, machen aber keine hausärztliche Betreuung im eig. Sinne, sondern v.a. geriatrische Patienten: ausführliche Assessments, spezialisierte neuropsychologische Testungen zur Demenzabklärung, Gangstörung/ Schwindel, gerontopsychopharmakologische Einstellungen, ambulante Psychotherapie ( haben eigene Psychotherapeuten angestellt) Rehaanträge und bei Ablehnung Widerspruchsgutachten, ebenso beim Pflegegrad, Heil- und Hilfsmittelverordnungen, etc. Das ganze bei ca. 60-70 % der Patienten als Hausbesuch;
Und da nerven die Angehörigen halt, wenn man ihnen zum x-ten mal erklärt, dass Demenz nicht heilbar ist und dass sie selbst an ihren Validationsstrategien arbeiten müssen, wenn sie wollen, dass der demente Opa nicht "ruhiggestellt" wird und trotzdem nicht dauernd ausrastet; und auch, dass es eben keine psychopharmaka ohne NW gibt und insbes
die Neuroleptika die Sturzgefahr erhöhen.... Ist der Pat unruhig/aggressiv, wird man angemault, man mache zu wenig, liegt er sediert im Bett rum oder stürzt, hat man ihn "vollgepumpt".... Sehr gerne auch die Beschwerden, wenn man an einem Hausbesuchstag 10 Patienten anfährt und die Zeiten entsprechend nicht minutiös planen kann; da wird man dann wahlweise angepflaumt, weil man 30 min zu früh kommt und die Herrschaften noch beim Dinieren stört oder weil man 30 min zu spät kommt und doch jetzt der bergdoktor im fernseh kommt...
Aber du hast recht, vielleicht wäre es doch sinnvoll, sich vor einem kompletten wechsel erstmal noch in einer kleinen, schönen Vorortpraxis zu versuchen. ...
Sorry für die ganzen Tippfehler, grad schnell im Auto vor der Arbeit runtergerasselt...
In so einer Praxis würde ich ausrasten, so wichtig genau diese Arbeit auch ist. Das ist wahrscheinlich auf Dauer nur schwer zu ertragen, wenn man nicht exakt dafür gemacht ist. Aber eine "normale" Hausarztpraxis sollte da doch tatsächlich erst mal ein sinnvoller Wechsel sein.
Mukopolysaccharid
29.01.2020, 14:42
Klingt so, als bräuchten die Angehörigen eine Psychotherapie. Familienmitglieder zu pflegen ist weder physisch noch psychisch ein Spaziergang. Da sind viele auch geschafft von, und deshalb sicher die Reaktion... aber einen Heimplatz kostet ein Vermögen.
Klingt so, als bräuchten die Angehörigen eine Psychotherapie. Familienmitglieder zu pflegen ist weder physisch noch psychisch ein Spaziergang. Da sind viele auch geschafft von, und deshalb sicher die Reaktion... aber einen Heimplatz kostet ein Vermögen.
Absolut wahr, oft bräuchten NUR die Angehörigen eine; teilweise machen die sogar bei uns PT ohne ärztlich betreut zu werden; ja, Heimplatz ist teuer und die Zustände teilweise auch echt Katastrofe; wir betreuen ja 5 oder 6 Heime mit und die Visiten dort sind meine absoluten Highlights 🙄
Pflege("fach")kraft: "Der ist unruhig, läuft uns immer hinterher, lehnt teilweise die Körperpflege ab, ist aggr. gegen andere Bewohner, etc. Das kann so nicht weitergehen, da muss was passieren." Ich: Ok, schauen wir doch mal, was wir evtl. an den Medis drehen können..." Pflegekraft: "Ja, ich will aber nicht, dass er noch ein Medikament bekommt und dann ruhiggestellt ist und stuerzt..." >> finde den Fehler 🙈 am Besten ich nehm die schwer fuehrbaren mit zu mir nach Hause ins Paradies der Dementen; Pflege: "Ja, der muss halt mal stationae eingestellt werden" Ich: "Was genau denken sie, wenn er zur "Demenzeinstellung" in die ueberfuellte, oertliche "Psychiatrie" mit dem besten Ruf weit und breit kommt? Genau, die koennen mit so jemandem nichts anfangen, wollen schnell das Bett frei machen und knallen ihn dann halt tatsaechlich mit den "Zombie-Klassikern" der neuroleptischen Palette so zu, dass er als sabbernder, dyskinetischer Supergomer zurueckkommt; aber, er laesst sich wenigstens morgens waschen und laeuft den Pflegern nicht mehr hinterher.....
JumpRopeQueen
29.01.2020, 15:22
So ähnlich beobachte ich das auch bei uns an Uniklinik in der Inneren. Es werden Patienten eingeliefert, bei denen BZ oder sonst was entgleist ist und muss eingestellt werden und das ganze Personal schimpft über den Hausarzt, weil es ja seine Aufgabe ist... letztendlich bekommt man von allen Seiten Ärger und das fällt mir schon im PJ auf und es steigt dementsprechend die "Vorfreude" auf das künftige Arbeitsleben...
Heute Ende 80-jährige Schwerstdemente und Multimorbide in der Inneren gesehen, die permanent schreit, schon alles mögliche hineingeworfen ohne Effekt - ob sie nicht in die Gerontopsychiatrie verlegt werden könne? Zwei Minuten gesehen: Moribunde mit fast halbminütigen Atempausen, dazwischen verzweifelt rufend. Dass so etwas ohne Analgosedierung in einer deutschen Klinik stattfindet - erschütternd.
escitalopram
29.01.2020, 18:01
@davo: sozialer Brennpunkt einer Großstadt, da war schon einiges los (Patienten die am Wartezimmer vorbei einfach ins Arztzimmer kamen, unsere MFAs übelst beschimpften, da fielen regelmäßig Schl***e, Fo**e, etc. Und ich konnte Eu- und Ausser-EU- Patienten teilweise nich zu notwendigen OPs einweisen, weil sie keine funtionierende Gesundheitskarte bekamen.. Aber das am Rande, ich empfinde auch das Verhalten vieler Patienten aus "gehobeneren Schichten" als unangemessen. Vielleicht bin ich da auch etwas empfänglich, habe einen sehr ausgeprägten "Gerechtigkeitssinn" und reagierr entsprechend sensibel
Äh... Und warum gehst du nicht in eine schöne Privatpraxis in einem gutem Viertel einer Großstadt? In Düsseldorf kann ich zwei Praxen empfehlen - ich weiß natürlich nicht, ob sie aktuell Personal suchen. Aber da weiß ich aus persönlicher Erfahrung, dass die Klientel meistens freundlich, gebildet und generell gesund oder zumindest gesundheitsbewusst ist. Dass fast jeder in der von dir geschilderten Situation frustriert wäre, dürfte jetzt keine Überraschung sein. Gerade als Facharzt hast du jede Menge Möglichkeiten.
Feuerblick
29.01.2020, 18:46
*schmunzel* Escitalopram, ich empfehle dir ein Quartal Privatsprechstunde in deinem Fach. Dann wirst du nie wieder behaupten, in einer Privatpraxis könne man sich, was die Klientel angeht, einen lauen Lenz ohne Anspruchsdenken und Forderungen seitens der Patienten machen. Und leider sind auch Privatpatienten zuweilen intelligenzmäßig unterversorgt... dafür unter Umständen aber deutlich frecher und fordernder. Wenn dann noch Schicki-Micki dazukommt... :-))
Äh... Und warum gehst du nicht in eine schöne Privatpraxis in einem gutem Viertel einer Großstadt? In Düsseldorf kann ich zwei Praxen empfehlen - ich weiß natürlich nicht, ob sie aktuell Personal suchen. Aber da weiß ich aus persönlicher Erfahrung, dass die Klientel meistens freundlich, gebildet und generell gesund oder zumindest gesundheitsbewusst ist. Dass fast jeder in der von dir geschilderten Situation frustriert wäre, dürfte jetzt keine Überraschung sein. Gerade als Facharzt hast du jede Menge Möglichkeiten.
Privatpraxis waere auch eine Option, allerdings ist der Markt hierfuer in meiner Gegend (momentan bin ich ortsgebunden) meines Wissens nach gesaettigt-und privatpat. Koennen auch ganz schoen fordeend sein;; aber du und die anderen haben schon recht, vielleicht sollte ich wirklich erstmal eine "normale" Hausarztpraxis ( mit normalem Spektrum) in einer Gegend mit angenehmerem Klientel ausprobieren; dabei muessen sie von mir aus nicht mal sonderlich gebildet oder gesundheitsbewusst sein. Ich hab auch kein Problem mit dem pavk Iv oder COPD IV patienten, der sich vor der Praxis erstmal ne Fluppe ansteckt; so lange er freundlich zu mir und meinen Mitarbeitern ist und mir nicht die Schuld fuer seine Erkrankung gibt, sondern sich ueber sein eigenes _mit-) verschulden bewusst ist- sucht ist halt sucht- und meiner Erfahrung nach finden sich solche Patienten durchaus, wenn sie ein passendes soziales Umfeld haben....
Feuerblick
29.01.2020, 18:52
Um mal eine Lanze für die Allgemeinmedizin zu brechen: Unser Hausarzt hier wirkt extrem zufrieden mit seinem Job und seinen Patienten. Größeres Dorf, gemischtes Patientengut von jung bis alt und aus jeder Schicht etwas. Seine Kinder werden irgendwann die gutgehende Praxis übernehmen, kennen wie er schon das Patientengut (sind ja wie er hier aufgewachsen) und arbeiten auch schon in der Praxis mit.
Ja, er hat viel zu tun, aber ich glaube, wenn man normal gemischtes Patientengut hat, das man irgendwann kennt und bei dem man schon weiß, dass die meisten benigne unterwegs sind, dann funktioniert der Job gut und ist nicht mehr so wahnsinnig anstrengend wie in speziellen Bereichen. Und er hat sich über die Jahre eben auch den entsprechenden Umgang angeeignet, um nicht jeden Abend am Stock aus der Praxis zu gehen. Vermutlich kann man in so einem Umfeld das Abgrenzen doch irgendwie lernen. Besser als in einer Brennpunktpraxis und besser als in einer Praxis mit schwierigem Schwerpunkt.
Um mal eine Lanze für die Allgemeinmedizin zu brechen: Unser Hausarzt hier wirkt extrem zufrieden mit seinem Job und seinen Patienten. Größeres Dorf, gemischtes Patientengut von jung bis alt und aus jeder Schicht etwas. Seine Kinder werden irgendwann die gutgehende Praxis übernehmen, kennen wie er schon das Patientengut (sind ja wie er hier aufgewachsen) und arbeiten auch schon in der Praxis mit.
Ja, er hat viel zu tun, aber ich glaube, wenn man normal gemischtes Patientengut hat, das man irgendwann kennt und bei dem man schon weiß, dass die meisten benigne unterwegs sind, dann funktioniert der Job gut und ist nicht mehr so wahnsinnig anstrengend wie in speziellen Bereichen. Und er hat sich über die Jahre eben auch den entsprechenden Umgang angeeignet, um nicht jeden Abend am Stock aus der Praxis zu gehen. Vermutlich kann man in so einem Umfeld das Abgrenzen doch irgendwie lernen. Besser als in einer Brennpunktpraxis und besser als in einer Praxis mit schwierigem Schwerpunkt.
Gut die Lanze gebrochen ;👍😁
Feuerblick
29.01.2020, 19:03
Merci! :-))
(Aber ich kann jeden verstehen, der keine Lust auf Patientenversorgung hat... wer, wenn nicht ich? ;-) )
Der Hausarzt bei dem ich damals Blockpraktikum gemacht habe, schien mit sich, seiner Klientel und seinem sonstigen Leben sehr zufrieden zu sein. Und das trotz Sozialwohnungsblock auf der anderen Straßenseite (aber eben kein Brennpunktviertel an sich). Alle Patienten mit denen ich zu tun hatte, waren sehr sehr nett, manchmal natürlich etwas fordernd, manchmal begriffsstutzig aber nie unverschämt sondern eigentlich am Ende immer alle dankbar. Irgendwann kennt man ja auch sein Klientel. "Ach der, der will nur ein bisschen ratschen", "Oh, wenn der kommt, dann hat er wirklich was".
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