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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Realität und Meinung- Die ewige Diskussion um Geld und Wirtschaftliche Denkweisen



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FirebirdUSA
18.04.2020, 18:08
Ich halte eine Reichensteuer auch für kontraproduktiv, Umsatzsteuererhöhung fände ich da durchaus sinnvoll.
Wer sich mit Würth, Aldi, etc vergleicht kann aber natürlich nicht erwarten das gleiche Geld als Arzt zu verdienen.
Ich finde weiterhin unser Grundgehalt in der Klinik für adäquat, aber ND Zuschläge, WE Zuschläge sind viel zu niedrig.

Was mir eher Sorge macht ist die steigende Aufspreizung zwischen höheren und niedrigen Einkünften. Und nein die Leute sind nicht alle faul (in der USA sieht man jetzt schon wo das hinführt). Eine Lösung dafür habe ich nicht, aber es führt zu zunehmender Unzufriedenheit, zunehmende Radikalisierung.

Bonnerin
18.04.2020, 18:33
Was mir eher Sorge macht ist die steigende Aufspreizung zwischen höheren und niedrigen Einkünften. Und nein die Leute sind nicht alle faul (in der USA sieht man jetzt schon wo das hinführt). Eine Lösung dafür habe ich nicht, aber es führt zu zunehmender Unzufriedenheit, zunehmende Radikalisierung.

Ich werde nie vergessen, wie in meinem Pflegepraktikum eine Pflegekraft aus - ich glaube - Bosnien, die einen deutschen Mann geheiratet hatte und darum die Staatsbürgerschaft hat stolz erzählt hat, dass sie jetzt die AFD gewählt hat bei der letzten Wahl und dass das die einzigen wären, die was tun würden etc. Dass die AFD besagte Pflegekraft mit Wurzeln außerhalb von Deutschland sicherlich nicht in ihren politischen Plänen miteinschließt war ihr nicht klar.
Es gab auch einen sehr traurigen Zeit-Artikel nach einer Landtagswahl, wo Menschen berichtet haben, wie sie aus Überzeugung rechts gewählt haben oder weil sie keine Alternative sehen (ich schaue mal, ob ich den finde...schon passiert: https://www.zeit.de/campus/2019-10/junge-afd-waehler-erfurt-thueringen-landtagswahl ).

Das Problem ist, dass die Politik es seit Jahren versäumt hat, diese Menschen zu erreichen und jetzt nicht damit anfangen wird. Die ewige Reichensteuer-Diskussion sollte man sich bitte einfach mal sparen, das ist genau das gleiche Stimmungsmacher-Niveau wie bei der AFD immer an den Tag gelegt wird.

Und wer hat überhaupt die Nettoeinkommensgrenzen bezüglich „reich“ festgelegt? Meine Mutter kommt aus der mittleren Mittelschicht, mein Vater hat sich dahin hochgearbeitet (nach den Zahlen zugeordnet), beide haben Ausbildungsberufe. Gehaltstechnisch wäre ich dann angeblich nach einem eventuell erfolgreichen Studienabschluss in der oberen Mittelschicht. Ist klar. Ich sehe nicht, dass ich mir (auch auf lange Zeit hin) das Lebensniveau meiner Eltern (selbst gebautes Eigenheim in recht guter Lage, inzwischen abbezahlt) auch nur ansatzweise leisten können werde, wenn ich nicht eine Frau oder einen Mann heirate, die mindestens ebensoviel oder eher noch mehr verdienen als ich.
Aber dennoch stünde ich angeblich gesellschaftlich „besser da“. Da frage ich mich halt schon, was man mit der Zuteilung nach Nettoeinkommen so erreichen möchte, außer, dass man am Ende so tut als wäre die Mittelschicht (die ja immer weiter zerbröselt) halt schon rich enough um damit mehr Steuern zahlen zu müssen...

Autolyse
18.04.2020, 19:51
Ach, wir sind wieder way behind the Curve. Die Realität hat uns schon eingeholt.

Der Eurogruppenchef Centeno schlägt eine EU weite Steuer zur Finanzierung der "Corona Krise" vor.
“It’s clear that we can be more imaginative,” Centeno said at a parliamentary hearing in Lisbon. “There has been a huge debate in Europe and in other international forums, such as in the OECD, about taxes that may be of a European nature.”

Man kann sich mal überlegen, was er mit "man müsse kreativer" sein, meint.
https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-europe-centeno/eurogroups-centeno-ponders-bloc-wide-taxation-in-coronavirus-crisis-idUSKBN21Y36L
Das ist aber Artikel 5 Absatz 1 EUV vor. Die Union hat keine Kompetenz für eigene Steuern und damit ist das Thema durch.

freak1
18.04.2020, 19:57
Vermutlich ist der nächste Schritt diese nervige Regelung auszusetzen. So ein kleiner Paragraph kann ja wohl nicht der Grund sein, dass die europäische Antwort gegen das Virus versiegt?

Natürlich geht es nicht darum später weitere Steuern einzuführen. ;-)

Bombenbauer
18.04.2020, 20:13
Was meinst du mit "bösem erwachen" ? Es wurde doch gesagt dass keine STeuern erhöht werden. Warum sollte das einen normalen Arbeiter interessieren wenn er es bei der Besteuerung nicht merkt ? Denkst du du musst jetztden Corona-Kredit abbezahlen ? Oder wie stellst du dir das vor ?

Fr.Pelz
18.04.2020, 20:18
Was die Umverteilungsfans aber übersehen: es gibt in Deutschland nur insgesamt 114 Milliardäre-
ACH DU SCHEIßE! Nur 114 Milliardäre! Nee sorry, also da bin ich raus.

Ansonsten: Ja, Vollzugsdefizit, Steuerflucht kostet mehr als Flüchtlingskrise. Bin weder für Sozialismus, noch für Reichensteuer, was mir hier immer in den Mund gelegt wird. Meine Rede ist nur: als Arzt verdient man genug, Forderungen nach mehr Gehalt wären mir peinlich. Und die oft wiederholte Ansage "Wenn wir den Reichen Geld wegnehmen (=Reichensteuer etc) wird das dazu führen, dass sie fliehen", finde ich scheinheilig. Wenn man das für wahr hält, ist es einfach nur traurig, denn es bedeutet ja, dass Tausende Menschen ihre Heimat, ihre Familien, ihre Verwurzelung hinter sich lassen, nur um nicht mehr von ihrem vielen Geld abgeben zu müssen. Ich denke aber nicht, dass es wahr ist. Und ja, ich habe das verlinkte Paper zu den Franzosen gesehen - allerdings wurden da 2008
die Einnahmen bis 2007 ausgewertet, meine Hypothese wäre, dass man da zu früh geguckt hat und dann Korrelation aber nicht notwendigerweise Kausalität gesehen hat.

freak1
18.04.2020, 20:22
Und die oft wiederholte Ansage "Wenn wir den Reichen Geld wegnehmen (=Reichensteuer etc) wird das dazu führen, dass sie fliehen", finde ich scheinheilig. Wenn man das für wahr hält, ist es einfach nur traurig, denn es bedeutet ja, dass Tausende Menschen ihre Heimat, ihre Familien, ihre Verwurzelung hinter sich lassen, nur um nicht mehr von ihrem vielen Geld abgeben zu müssen.

Diese Leute müssen nicht fliehen und ihre Familien zurücklassen. Die haben die besten Consultants und Anwälte auf Retainer die dafür sorgen, dass das Vermögen plötzlich verschwindet und derjenige am Ende noch viele Millionen vom Staat zurückbekommt. Außer du gehst hin und pfändest alles der letzten 10 Jahre mit Beugehaft (falls sie ins Ausland fliehen => USA Style Navy SEALs hinterher und mit Kapuze über dem Kopf zwangs-extrahieren) und co wirst du da nie hinterher kommen.

GelbeKlamotten
18.04.2020, 20:25
Was meinst du mit "bösem erwachen" ? Es wurde doch gesagt dass keine STeuern erhöht werden. Warum sollte das einen normalen Arbeiter interessieren wenn er es bei der Besteuerung nicht merkt ? Denkst du du musst jetztden Corona-Kredit abbezahlen ? Oder wie stellst du dir das vor ?

Stimmt, die vielen Milliarden, vermutlich Billionen Euro, die die ganze Sache kostet, werden sich völlig unbemerkt von selbst zurückbezahlen. Auf keinen Fall wird das Volk damit irgendwas zu tun haben.

Bombenbauer
18.04.2020, 20:27
Nein es hieß doch dass man das mit Sparen in Ordnung bekommt.
WIe stellst du dir das vor ? Wie sollen die Bürger das zahlen ?

Matzexc1
18.04.2020, 20:27
ACH DU SCHEIßE! Nur 114 Milliardäre! Nee sorry, also da bin ich raus.

. Und die oft wiederholte Ansage "Wenn wir den Reichen Geld wegnehmen (=Reichensteuer etc) wird das dazu führen, dass sie fliehen", finde ich scheinheilig. Wenn man das für wahr hält, ist es einfach nur traurig, denn es bedeutet ja, dass Tausende Menschen ihre Heimat, ihre Familien, ihre Verwurzelung hinter sich lassen, nur um nicht mehr von ihrem vielen Geld abgeben zu müssen. Ich denke aber nicht, dass es wahr ist. Und ja, ich habe das verlinkte Paper zu den Franzosen gesehen - allerdings wurden da 2008
die Einnahmen bis 2007 ausgewertet, meine Hypothese wäre, dass man da zu früh geguckt hat und dann Korrelation aber nicht notwendigerweise Kausalität gesehen hat.

Du verwechselt die wirklich Reichen mit dem gehobenen Mittelstand, die wirklich Reichen haben so viele Steuersparmöglichkeiten das sie durch eine Reichensteuer weniger getroffen werden als alle denken. Allein die SPD schafft gerne Sparmöglichkeiten, siehe zum Beispiel Finanztransaktionssteuer.
Betroffen von alldem ist der Mittelstnd und noch die untere Mittelschicht und alle die in diese Bereiche aufsteigen.

Wenn die Rahmenbedingungen unerträglich werden ist jedem die Verwurzelung egal, zu den Rahmenbedingungen zählt halt eben auch die Belastung durch Abgaben.

Matzexc1
18.04.2020, 20:29
Nein es hieß doch dass man das mit Sparen in Ordnung bekommt.
WIe stellst du dir das vor ? Wie sollen die Bürger das zahlen ?

Seit wann sparen Politiker? Wir haben einen superteuren Luxusbundestag und die Herrschaften können keine Wahlrechtsreform zustande bringen, weil sie Angsta haben benachteiligt zu werden.

Und wie die Bürger das zahlen wollen? Das ist denen völlig egal

freak1
18.04.2020, 20:37
Die Finanztransaktionssteuer war eh das lächerlichste aller Zeiten. Wer wird ausgenommen? Der Hochfrequenzhandel, also genau der um den es geht. Und dann die "Finanzexperten" von der SPD, die auf YT zeigen, dass sie die Grundbegriffe des Aktienhandels (Rendite, Index, etc) nicht verstanden haben.

Relaxometrie
18.04.2020, 20:44
Und wenn sie nicht gestorben, ausgewandert oder so kolossal verarmt sind, daß sie sich keinen Internetanschluß mehr leisten können, diskutieren sie noch in 100 Jahren im Kreis :-D

Kackbratze
18.04.2020, 20:44
Scheinheilig.
Schweden hat die Reichensteuer eingeführt und selbst Astrid Lindgren hat ihren Pass abgegeben.
Frankreich hat es durchgeführt und man konnte die Kapitalflucht nachweisen.

Wenn jemand an mein Erspartes will, werde ich gehen. Mit & Familie.
Wenn es euch emotional hilft, dann stellt euch mich vor, wie ich heimlich mit meiner Familie in Kik-Klamotten getarnt in einem geliehenen Up! Über die dänische Grenze fliehe.
Vermutlich werden wir dann an einem Flughafen boarden, wie jeder andere auch.
Nur ohne Rückflugticket.

GelbeKlamotten
18.04.2020, 20:46
ACH DU SCHEIßE! Nur 114 Milliardäre! Nee sorry, also da bin ich raus.

Ansonsten: Ja, Vollzugsdefizit, Steuerflucht kostet mehr als Flüchtlingskrise. Bin weder für Sozialismus, noch für Reichensteuer, was mir hier immer in den Mund gelegt wird. Meine Rede ist nur: als Arzt verdient man genug, Forderungen nach mehr Gehalt wären mir peinlich. Und die oft wiederholte Ansage "Wenn wir den Reichen Geld wegnehmen (=Reichensteuer etc) wird das dazu führen, dass sie fliehen", finde ich scheinheilig. Wenn man das für wahr hält, ist es einfach nur traurig, denn es bedeutet ja, dass Tausende Menschen ihre Heimat, ihre Familien, ihre Verwurzelung hinter sich lassen, nur um nicht mehr von ihrem vielen Geld abgeben zu müssen. Ich denke aber nicht, dass es wahr ist. Und ja, ich habe das verlinkte Paper zu den Franzosen gesehen - allerdings wurden da 2008
die Einnahmen bis 2007 ausgewertet, meine Hypothese wäre, dass man da zu früh geguckt hat und dann Korrelation aber nicht notwendigerweise Kausalität gesehen hat.

Und schon wieder verallgemeinerst du deine persönlichen Wertvorstellungen und erhebst sie über offensichtliche volkswirtschaftliche Zusammenhänge.

Du hast hier schon von mindestens 3 Leuten gelesen, die bei einer zu großen finanziellen Ausbeutung durch die Regierung das Land verlassen würden. Tausende Ärzte und auch jede Menge Deutsche aus anderen Berufsgruppen sind aufgrund der wesentlich besseren Verdienstmöglichkeiten in die Schweiz ausgewandert. Umgekehrt besteht ein großer Teil des medizinischen Personals in Deutschland aus Zuwanderern aus dem Ausland, die genau aus dem gleichen Grund hierher gekommen sind. Trotzdem hältst du die Annahme, dass soetwas passieren könnte für „scheinheilig“?

Nichts gegen deine Ideale, aber deine Vorstellungen sind leider in vielerlei Hinsicht fernab jeglicher Realität.

Matzexc1
18.04.2020, 20:48
Und wenn sie nicht gestorben, ausgewandert oder so kolossal verarmt sind, daß sie sich keinen Internetanschluß mehr leisten können, diskutieren sie noch in 100 Jahren im Kreis :-D

Unterschiedliche Lebenskonzepte, feststehende Meinungen und Gefühle. Ich muss sagen das mir die Diskussion hier gefällt.

Relaxometrie
18.04.2020, 20:50
Wenn jemand an mein Erspartes will, werde ich gehen. Mit & Familie.
Wenn es euch emotional hilft, dann stellt euch mich vor, wie ich heimlich mit meiner Familie in Kik-Klamotten getarnt in einem geliehenen Up! Über die dänische Grenze fliehe.
Vermutlich werden wir dann an einem Flughafen boarden, wie jeder andere auch.
Nur ohne Rückflugticket.
Das hast Du ja schon mehrfach geplant. Ziehst Du es jetzt durch?

Kackbratze
18.04.2020, 20:51
Ich suche noch den Up! mit genug Reichweite.
Kik-Klamotten habe ich schon.

freak1
18.04.2020, 21:36
Einfach einen Anhänger mit Dieselaggregat. Dann kannst du während der Fahrt laden! :-))

Thomas24
18.04.2020, 22:41
ACH DU SCHEIßE! Nur 114 Milliardäre! Nee sorry, also da bin ich raus.

Ansonsten: Ja, Vollzugsdefizit, Steuerflucht kostet mehr als Flüchtlingskrise. Bin weder für Sozialismus, noch für Reichensteuer, was mir hier immer in den Mund gelegt wird.

Naja, man könnte auch ehrlicherweise auch mal darüber sprechen, ob man nicht ein Ausgabeproblem hat. Dieses Jahr betrug der Bundeshaushalt über 600 Mrd Euro, und immer ist die Rede von immer mehr und mehr..
Der Staat hat aber nun mal nur das Geld, dass er vorher seinen Bürgern abgenommen hat.


Meine Rede ist nur: als Arzt verdient man genug, Forderungen nach mehr Gehalt wären mir peinlich.

Wie gesagt, was "genug" ist, entzieht sich meiner Bewertung. Meine ich, dass alle Ärzte pauschal mehr Geld verdienen müssen? Nein. Bin ich der Auffassung, dass die Entlohnung sich nach Angebot und Nachfrage einpendeln sollte? Ja. Bin ich der Auffassung, dass eine staatliche Gebührenordnung -die in wesentlichen Teilen aus dem Jahr 1986 stammt und nie der Inflation angepasst wurde, mal der Inflation angepasst werden sollte? Sicher.
Wird das passieren? Nein, die Kassen sind leer und die fetten Jahre vorbei. Ist es trotzdem legitim, wenn Berufsgruppen sich für ihre eigenen Interessen einsetzen, auch wenn es andere Menschen gibt, deren Entlohnungsniveau niedriger ist? Ja. Warum denn nicht? Sollen beispielsweise Piloten nicht streiken dürfen, weil Sie a) genug verdienen oder b) Stewardessen weniger verdienen? Erscheint mir unlogisch. Aber ich respektiere selbstverständlich deine Meinung.


Und die oft wiederholte Ansage "Wenn wir den Reichen Geld wegnehmen (=Reichensteuer etc) wird das dazu führen, dass sie fliehen", finde ich scheinheilig. Wenn man das für wahr hält, ist es einfach nur traurig, denn es bedeutet ja, dass Tausende Menschen ihre Heimat, ihre Familien, ihre Verwurzelung hinter sich lassen, nur um nicht mehr von ihrem vielen Geld abgeben zu müssen.

Gegenthese: Ich denke, dass jedes Jahr Tausende von Menschen bereits jetzt das Land verlassen.
Und nein, ich denke es geht diesen Tausenden von Menschen nicht primär - aber eben auch- um Geld. Ich höre in meinem Umfeld, aber auch vereinzelt von Patienten im Smalltalk, Dass Sie den Deal den Sie derzeit in Deutschland angeboten bekommen, einfach nicht mehr attraktiv genug halten. Dabei geht es oft um Themen wie Respekt vor Eigentumsrechten, um Wertschätzung, um Freiheit, (gefühlte) Sicherheit etc. Die bürgerlichen Freiheitsrechte entstanden übrigens historisch zuerst als Abwehrrechte gegen den Staat ("My home is my castle", "Habeas corpus" etc.). Sieh doch mal den Post von Kackbratze- meinst du, dem geht es nur ums Geld?

Wenn Du dich ein wenig für Geschichte interessierst: in jeder Gesellschaft gab es Phasen, in der man es mit staatlichen Zumutungen mal übertrieben hat und die Bevölkerung dann unzufrieden wurde. Sogar im sozialistischen Arbeiter und Bauernstaat entstand nicht das Paradies auf Erden und es gab sogar einen Volksaufstand, der sich über den noch weiter absinkenden Lebensstandard bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitsleistung entflammte (1953). Schlussendlich musste man eine Mauer bauen, um vor allem qualifizierte Bürger am abwandern zu hindern ("Antifaschistischer Schutzwall" 1961), weil sich zu viele Menschen ein freieres Leben in mehr Wohlstand erhofften. Auch der Slogan "Kommt die DM bleiben wir, kommt Sie nicht, geh´n wir zu ihr!" (1989) zeugte nicht von tief empfundener Zufriedenheit in materieller Gleicheit. Das ist eben ganz normales menschliches Verhalten, Menschen wollen sich fair behandelt wissen und in materiellem Wohlstand und Freiheit leben.

Was die Abwanderung von Kapital angeht: Geld kennt in einer globalen Gesellschaft weder Grenzen, noch eine Nationalität. Es geht schlicht dahin, wo es gut behandelt wird (und wenn man es übertreibt, gehen dann auch irgendwann die Menschen weg, die den Wohlstand erwirtschaftet haben). Aber zunächst ist gar nicht notwendig, dass "die Reichen" das Land verlassen. Die Assets werden in einen Firmen oder Stiftungsmantel gesteckt, und diese juristische Person verlässt dann das Land. Die Familie ist dann noch da, aber ihre Assets sind formell erstmal weg.


Ich denke aber nicht, dass es wahr ist. Und ja, ich habe das verlinkte Paper zu den Franzosen gesehen - allerdings wurden da 2008 die Einnahmen bis 2007 ausgewertet, meine Hypothese wäre, dass man da zu früh geguckt hat und dann Korrelation aber nicht notwendigerweise Kausalität gesehen hat.

Hm...
https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/new-world-wealth-tausende-millionaere-verlassen-deutschland-a-1136470.html

Auch interessant, dass sich die Millionärs- Abwanderung aus Deutschland immer um ein paar Hundert Personen pro Jahr bewegt haben soll und seit 2015 sprunghaft in die Tausender beschleunigt haben soll.

"Die Anzahl der besonders vermögenden Menschen, die die Bundesrepublik verlassen, ist damit laut New World Wealth binnen Kurzem sprunghaft gestiegen: 2015 waren demnach etwa 1000 Millionäre aus Deutschland ausgewandert, in den Jahren zuvor dagegen habe die Anzahl höchstens im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen, teilt das Unternehmen mit."