Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Offtopic aus dem Corona-Thread
Selbst in Großstädten gibt es mittlerweile einen Mangel. Wer sich aus Idealismus in der Pampa als Allgemeinmediziner niederlässt um den Menschen zu helfen, der wird natürlich nicht das große Geld machen.
Kann es sein, daß der Mangel (der, wie Du richtig erkannt hast, nun auch in den Großstädten angekommen ist) einfach daran liegt, daß sich auch dort nicht genug niederlassen wollen? Wie in der Pampa eben auch? Und woran könnte das denn liegen?
Das will ich sehen, wie sie die Stellen mit Beamten besetzen. Das Klischee wäre ja, dass die sich alle in null-komma-nix da für Krankschreiben lassen.
Wenn die ÖGD-Ärzt*innen und MFAs beamtet wären, dann wäre der Mangel schon mal nicht ganz so groß. "Verbeamtung" ist aber mittlerweile aus der Mode gekommen, es sei denn, für absolut unersetzbares Personal wie z.B. Lehramt Grundschule oder AOK-Bezirksleitung
GelbeKlamotten
04.12.2020, 01:39
Komisch, ich komme derzeit sogar mit nur Krankengeld über die Runden. Und ich hab noch mein Kind bei mir wohnen. WAS genau willst du uns also nun sagen? Dass man mit nur Grundgehalt nicht klar kommt? Sorry, aber das ist echt mal Jammern auf ganz hohem Niveau, das du hier betreibst.
Ja. Über die Runden kommst du. Habe auch nicht behauptet, dass das nicht der Fall wäre. Und wie gesagt, ein bisschen was zur Altersvorsorge zurücklegen kann man auch, damit man später nicht von Altersarmut betroffen ist. Viel mehr aber auch nicht.
Und das ist dann fair, auch im Vergleich zu anderen Akademikerberufen? Dafür hast du mehr als 6 Jahre studiert und reißt dir jeden tag den hintern auf?
Klar, jetzt kommen wieder alle und behaupten, andere würden auch nicht mehr verdienen. Und dann werden wieder irgendwelche verkorksten Statistiken rangezogen.
Ich hab neulich mal eine anwaltliche beratung in anspruch genommen. Hier mal ein screenshot der rechnung. Aber Hauptsache wir machen weiter unsere Nachtdienste für 30 Euro brutto die Stunde. Reicht ja schließlich um über die Runden zu kommen. Wenn dann in einer Pandemie jeder Azubi und Praktikant im Bundestag einen Bonus bekommt, man bei uns Ärzten aber nicht mal darüber nachdenkt, dann heißt es aus den eigenen Reihen noch, dass wir ja eh nicht noch mehr bräuchten. Manchmal bin ich echt fassungslos. Und wie gesagt, leider sind es häufig frauen, die sich so sehr unter wert verkaufen.
DrSkywalker
04.12.2020, 04:31
Man kann in der niederlassung richtig viel Geld verdienen. Sehr viel. Auch als Hausarzt auf dem Land, teilweise sind das die spitzenverdiener. Ein Stundensatz von einem spezialisierten fachanwalt ist auch als Hausarzt realistisch. das Problem ist eher die Verantwortung und arbeitsbelastung, Personal und politische Willkür..
Es lügen sich doch ziemlich viele in die Tasche. Legt man die notwendige private Altersvorsorge mit einem Betrag von 300-500/Monat noch als weiteren Abzug zugrunde (egal ob ETF oder was anderes), dann schaut es schon nicht mehr so entspannt aus mit dem Nettoeinkommen.
Dass andere Einkommensgruppen ebenfalls nicht oder nur unzureichend fürs Alter vorsorgen, ist kein Argument.
Die meisten, die hier entspannt zum Besten geben, daß ihr Gehalt locker für alles reicht und noch ein paar goodies wie Reisen, Autos, größere Tiere...tun das, da bin ich mir ziemlich sicher, auf Kosten ihrer Altersvorsorge.
Oder gehen davon aus, daß es ihnen ihr Kerl irgendwie richten wird, um es mal so zu formulieren.
Wer persönlich meint, daß er zuviel verdient, kann ja jederzeit einen Teil des Einkommens spenden und Gutes tun, anstatt dafür zu sorgen, daß berechtigte Forderungen unterlaufen werden und somit dem weiter um sich greifendem Ärztemangel weiter Vorschub geleistet wird.
Ambulant sieht es ähnlich aus: wenn die ganzen Hobby- und Teilzeitpraxen, die überhaupt nur existieren, weil sie nicht nach BGB bilanzieren müssen und vom jeweiligen Ehepartner direkt oder indirekt subventioniert werden, verschwinden würden, dann würde der Druck im Kessel nochmal erheblich steigen.
Die meisten, die hier entspannt zum Besten geben, daß ihr Gehalt locker für alles reicht und noch ein paar goodies wie Reisen, Autos, größere Tiere...tun das, da bin ich mir ziemlich sicher, auf Kosten ihrer Altersvorsorge.
Oder gehen davon aus, daß es ihnen ihr Kerl irgendwie richten wird, um es mal so zu formulieren.
Damit hast du dich bei mir disqualifiziert. Und stimmt bei mir zum Beispiel überhaupt nicht.
Man kann in der niederlassung richtig viel Geld verdienen. Sehr viel. Auch als Hausarzt auf dem Land, teilweise sind das die spitzenverdiener. Ein Stundensatz von einem spezialisierten fachanwalt ist auch als Hausarzt realistisch. das Problem ist eher die Verantwortung und arbeitsbelastung, Personal und politische Willkür..
Dann verstehe ich aber nicht in warum meine Aussage dämlich war. Wenn man viel arbeitet und Verantwortung hat (=knechtet), dann macht man Kohle.
Damit hast du dich bei mir disqualifiziert. Und stimmt bei mir zum Beispiel überhaupt nicht.
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Siehst Du, das meine ich mit "in die Tasche lügen".
Armut bei Alleinerziehenden bzw. Altersarmut von weiblichen Alleinstehenden, die dadurch zustande kommt, daß man wegen Ehe, Kinder usw. auf einen Teil oder das ganze Erwerbsleben verzichtet hat, gehört schon seit Jahrzehnten zu den gravierenden sozialen Problemen in Deutschland. Ist sowas von common sense, daß ich das, glaube ich, gar nicht weiter belegen muß.
Kaum zu glauben, mit welcher Nonchalance hier auch solche Probleme ignoriert werden. Aber eigentlich geht es hier um Corona.
ninakatharina
04.12.2020, 07:44
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Oder gehen davon aus, daß es ihnen ihr Kerl irgendwie richten wird, um es mal so zu formulieren.
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Männlicher Chauvinismus ist halt leider auch unter Medizinern noch weit verbreitet, ich denke das ist, was Miss_H auch meinte...
Eigentlich geht es in diesem thread ja auch um was ganz anderes... Und es stimmt schon..überall wird der Ärztemangel beklagt. Dass bereits seit längerem ein eklatanter Pflegemangel besteht, das fällt irgendwie erst jetzt in der Krise in der Öffentlichkeit auf. Der Beruf der Gesundheits-und Krankenpflegekraft sollte politisch viel mehr gestärkt werden.. Mehr Lohn, fairer Arbeitsbedingungen, eine Akademisierung.. Mit gut ausgebildeten Pflegepersonal könnte man eine wesentlich bessere Versorgung hinbekommen und Ärztliches Personal entlasten. Alles Dinge die in Deutschland total verpasst wurden. Den Lohn einer Krankenschwester in Teilzeit kann man echt vergessen... Da geht es uns als Ärzten tatsächlich sehr gut dagegen.
GelbeKlamotten
04.12.2020, 10:18
Männlicher Chauvinismus ist halt leider auch unter Medizinern noch weit verbreitet, ich denke das ist, was Miss_H auch meinte...
Eigentlich geht es in diesem thread ja auch um was ganz anderes... Und es stimmt schon..überall wird der Ärztemangel beklagt. Dass bereits seit längerem ein eklatanter Pflegemangel besteht, das fällt irgendwie erst jetzt in der Krise in der Öffentlichkeit auf. Der Beruf der Gesundheits-und Krankenpflegekraft sollte politisch viel mehr gestärkt werden.. Mehr Lohn, fairer Arbeitsbedingungen, eine Akademisierung.. Mit gut ausgebildeten Pflegepersonal könnte man eine wesentlich bessere Versorgung hinbekommen und Ärztliches Personal entlasten. Alles Dinge die in Deutschland total verpasst wurden. Den Lohn einer Krankenschwester in Teilzeit kann man echt vergessen... Da geht es uns als Ärzten tatsächlich sehr gut dagegen.
Ja, wenn jemand einen Realschulabschluss macht und dann 3 Jahre ausbildung, dann verdient er weniger als jemand, der Abitur macht und dann 6-7 Jahre studiert. Da steckt schon eine gewisse Gerechtigkeit dahinter. Einen Ausbildungsberuf, in dem man als Angestellter locker in Teilzeit arbeiten kann und trotzdem gut verdient, gibt es abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen (Fluglotsen) nicht und es ist auch nicht möglich, das so zu ermöglichen.
Die Arbeitsbedingungen für die Pflege sollten verbessert werden, das stimmt.
Man muss sich aber auch mal fragen, warum wir Ärzte als einzige studierte Berufsgruppe uns immer wieder diesen Vergleich gefallen lassen bzw. ihn sogar selbst herbeiführen. Glaubst du der Anwalt vergleicht sein gehalt mit dem Anwaltsgehilfen und posaunt dann raus, dass er eigentlich zu viel verdient? Oder glaubst du der Lufthansa Kapitän (Corona mal außen vor) vergleicht sich mit der Stewardess? Ja, Flugbegleiter sind auch wichtig. Ohne sie exikkieren die Fluggäste und sie sind maßgeblich für die Sicherheit der Fluggäste mit verantwortlich. Haben die Piloten daher gesagt: „Hey, wir brauchen unser 200.000 Euro Gehalt gar nicht, 60.000 reichen auch, gebt das Geld lieber jemand anders“? Oder haben sie nicht eher ständig gestreikt, um ihren Status zu halten bzw. zu verbessern?
Es ist nicht unser Problem, dass ein Krankenpfleger schlechte Arbeitsbedingungen hat und es ist auch nicht unsere Aufgabe, brav zuzuschauen wie wir bei sämtlichen Boni und Tariferhöhungen regelmäßig komplett verarscht werden, weil es woanders in der selben Branche vielleicht noch schlechter läuft. Ohne uns würde innerhalb kürzester Zeit die gesamte Gesellschaft in sich zusammen brechen. Diese Karte spielen wir bei Verhandlungen um Gehalt und Arbeitsbedingungen SEHR schlecht aus. Und bei der Naivität die hier teilweise vorherrscht wird sich das leider in absehbarer Zeit auch nicht ändern.
Wieso man eine „Akademisierung“ der Pflege fordert, erschließt sich mir noch weniger. Die Menge an nicht-akademischen Pflegeaufgaben wie Waschen von Patienten, Begleiten, Medikamente verteilen, Vitalparameter überwachen, usw. wird in den nächsten Jahren noch stark zunehmen. Wir BRAUCHEN Pflegekräfte, die diese Tätigkeiten ausführen. Von den angeblich so vielversprechenden Pflegerobottern habe ich zumindest hier noch nicht viel gesehen. Und wir hätten bereits genug ärztliches Personal für die „akademischen“ medizinischen Aufgaben, wenn wir das nicht mit miesen Arbeitsbedingungen verscheuchen würden. Zusätzlich gibt es mit den „Physician Assistents“ bereits eine akademische Zwischenstufe. Warum sollte es also das Ziel sein, das Pflegepersonal von den Aufgaben, bei denen sie am meisten gebraucht werden, wegzuholen, um aus ihnen Schmalspurärzte zu machen? Oder anders gefragt: was bringt es meiner Oma, wenn sowohl der Arzt, als auch der Pfleger sie ultraschallen kann, aber keiner da ist, der sie morgens ins Bad begleiten kann?
Hoppla-Daisy
04.12.2020, 11:15
Ja. Über die Runden kommst du. Habe auch nicht behauptet, dass das nicht der Fall wäre. Und wie gesagt, ein bisschen was zur Altersvorsorge zurücklegen kann man auch, damit man später nicht von Altersarmut betroffen ist. Viel mehr aber auch nicht.
Und das ist dann fair, auch im Vergleich zu anderen Akademikerberufen? Dafür hast du mehr als 6 Jahre studiert und reißt dir jeden tag den hintern auf?
Klar, jetzt kommen wieder alle und behaupten, andere würden auch nicht mehr verdienen. Und dann werden wieder irgendwelche verkorksten Statistiken rangezogen.
Ich hab neulich mal eine anwaltliche beratung in anspruch genommen. Hier mal ein screenshot der rechnung. Aber Hauptsache wir machen weiter unsere Nachtdienste für 30 Euro brutto die Stunde. Reicht ja schließlich um über die Runden zu kommen. Wenn dann in einer Pandemie jeder Azubi und Praktikant im Bundestag einen Bonus bekommt, man bei uns Ärzten aber nicht mal darüber nachdenkt, dann heißt es aus den eigenen Reihen noch, dass wir ja eh nicht noch mehr bräuchten. Manchmal bin ich echt fassungslos. Und wie gesagt, leider sind es häufig frauen, die sich so sehr unter wert verkaufen.
Du hast aber schon gelesen, dass ich mit dem Krankengeld (= 70 %) über die Runden komme, gelle? Mit 100 % werde ich sogar nur mit dem Grundgehalt nicht nur über die Runden kommen! Davon werde ich auch ab demnächst (ohne Dienste) genug zurücklegen können und für meine Altersvorsorge sorgen. Ich bleibe bei Jammern auf hohem Niveau.
GelbeKlamotten
04.12.2020, 11:23
Du hast aber schon gelesen, dass ich mit dem Krankengeld (= 70 %) über die Runden komme, gelle? Mit 100 % werde ich sogar nur mit dem Grundgehalt nicht nur über die Runden kommen! Davon werde ich auch ab demnächst (ohne Dienste) genug zurücklegen können und für meine Altersvorsorge sorgen. Ich bleibe bei Jammern auf hohem Niveau.
Was anderes habe ich doch gar nicht behauptet. Über die Runden kommen + Altersvorsorge ist gut machbar mit dem Gehalt. Wenn das dein ultimatives Ziel ist, dann ist ja alles gut. Meins ist es nicht.
Ein guter Anwalt (siehe von mir gepostetes Beispiel) verdient dein Grundgehalt innerhalb von drei Tagen. Nein, nicht drei Tage pro Woche, sondern 3 Tage im Monat. Aber wir vergleichen uns ja lieber mit Krankenpflegern...
Wenn man in München wohnen will, dann wirds mit der Altersvorsorge schon eng. Also je nachdem wie die Ansprüche fürs alter sind und wie viele falsche Hoffnungen man ins Versorgungswerk setzt. Ich bin der Ansicht, dass 1000 Euro im Monat für eine vernünftige Altersvorsorge realistisch sind. Wenn dann noch Großstadtmiete abgeht, dann musst du es dir schon mit Wochenenddiensten erarbeiten, wenn du Sonntags mal ein Stück Fleisch essen willst, dass nicht aus der Tiefkühltruhe vom Discounter kommt.
Selbst wenn einem das alles egal ist, sollte man sich schon fragen, inwieweit es Sinn macht, sich als Ärztin öffentlich GEGEN ein besseres Gehalt auszusprechen, wie es hier vor allem die Kolleginnen teilweise tun. Denn eins sollte einem klar sein: wenn man sich nicht für seine Interessen einsetzt, dann wird es nicht nur nicht besser, sondern es wird schlimmer. Wenn man die reale Inflation berücksichtigt, inklusive Investmentgüterinflation, dann ist unser Gehalt in den letzten Jahren massiv gesunken, wir bewegen uns da locker im zweistelligen Prozentbereich an realen Gehaltseinbußen über die letzten 10 Jahre bei gleichzeitig steigender Arbeitsbelastung.
Aber wenn dann jemand mal anmerkt, dass man als Arzt vielleicht auch einen Coronabonus bekommen sollte, so wie jeder Praktikant am Bundestag, der im Home Office Excel tabellen ausfüllt, dann wird sofort aus den eigenen Reihen Geldgier unterstellt. Da muss man echt irgendwann sehr am Verstand des Berufsstandes zweifeln.
FirebirdUSA
04.12.2020, 12:16
Der Anwalt zahlt davon noch Miete, sein Personal, die Reinigungsfachkraft, der Vergleich mit den 30 Euro/h Nachtdienst hinkt extrem (auch wenn ich völlig übereinstimme das Bereitschaftsdienste nachts völlig unzureichendbezahlt werden). Als Radiologe hast du in der Zeit 3-4 MRTs gemacht, bei P-Patient min. 450 Euro. Sollen wir da jetzt einen Stundenlohn von 1800 Euro ansetzen? Ist auch quatsch...
Inhaltlich gibt es hier einiges was inhaltlich zu diskutieren wäre aber mit den Argumenten disqualifiziert ihr euch.
Unabhängig davon bin ich auch für Coronabonus, wenn man so sieht wer den alles bekommt.
GelbeKlamotten
04.12.2020, 12:25
Der Anwalt zahlt davon noch Miete, deun Personal, die Rrinigungsfachkraft, der Vergleich mit den 30 Euro/h Nachtdienst hinkt extrem (auch wenn ich völlig übereinstimme das Bereitschaftsdienste nachts völlig unzureichendbezahlt werden). Als Radiologe hast du in der Zeit 3-4 MRTs gemacht, bei P-Patient min. 450 Euro. Sollen wir da jetzt einen Stundenlohn von 1800 Euro ansetzen? Ist auch quatsch...
Inhaltlich gibt es hier einiges was inhaltlich zu diskutieren wäre aber mit den Argumenten disqualifiziert ihr euch.
Klar, das ändert natürlich alles. Bei einem Tagessatz von 2000-3000 Euro reißen es die 1000 Euro Miete im Monat natürlich total raus. Und natürlich sind die Ausgaben von einem Anwalt auch direkt vergleichbar mit den Preisen für die Anschaffung und Wartung eines MRTs.
Nehmen wir mal an er hat 70.000 Euro Kosten im Jahr, was schon ziemlich viel wäre. Dann bräuchte er halt 6 Tage statt 3, um das Tarifgehalt eines Facharztes rauszukriegen.
Ich will ihm gar nicht sein Gehalt missgönnen, er macht auch einen guten Job. Aber diese Gehaltsverhältnisse sollten nun wirklich keinen Anlass geben, dass Ärzte sich aktive gegen Tariferhöhungen und Bonuszahlungen aussprechen wie es hier geschieht.
Natürlich ist ein Vergleich Angestellt vs. Selbstständig auch nicht ganz fair. Aber ich möchte mal den Niedergelassenen Arzt sehen, der ohne teure apparative Medizin 300 Euro pro Stunde für die Arbeit am Patient kassiert.
Melina93
04.12.2020, 16:00
Ich muss ehrlich sagen, dass ich es auch absurd finde, dass wir keinen Bonus bekommen.
Auch wir setzen uns zum Teil großer gesundheitlicher Gefahr aus. Bei uns im Haus sind wieder drei Kollegen symptomatisch und positiv getestet. Wer weiß wie sie das vielleicht in ein paar Jahren oder Jahrzehnten zu spüren bekommen. Das ist doch alles nicht trivial und da finde ich schon, dass wir genauso ein Recht darauf haben wie die Pflege.
Mein Spital besteht ja eigentlich fast nur aus Deutschen, Österreichern, Albanern und ab und ein paar wenige Schweizer- von oberster Ebene bis hin zum Azubi in der Pflege. Das kommt ja nicht von ungefähr und wenn man etwas ändern will, muss die Politik mal aktiv werden.
Wenn ich mir mein Gehalt so ansehe und das mit dem in Deutschland vergleiche, bleibt trotzdem einiges mehr übrig- obwohl ich in einer der teuersten Städte der Welt wohne und nicht gerade super extrem sparsam lebe. Und das obwohl ich nicht mal so gut verdiene für Schweizer Verhältnisse. Ich habe einige Freunde in Deutschland, die ganz andere Sachen studiert haben und derlich besser verdienen als jeder Assi im ersten oder zweiten Jahr mit deutlich weniger Freizeit. Wer das fair findet oder zumindest nicht diskussionswürdig, ist entweder komplett ideologisch verblendet, hat reich geheiratet oder lebt gerne auf ganz kleinem Fuß...
Und ja, auch wenn jetzt gleich wieder jemand mit der Moralkeule auf mich einschlägt- wir sollten unsere Monopolstellung besser nutzen. Das würde schon gehen. Wir tun es bloß nicht. Und das System funktioniert in Deutschland nur noch weil es die Leute mit sich machen lassen. Mit entsprechendem Druck müsste sich etwas ändern. Und so wie es in der Politik immer ist, würde das dann plötzlich auch gehen.
Relaxometrie
04.12.2020, 16:17
@Admins:
Könnte diese eh zu nichts führende Gelddebatte in einen anderen Thread verlagert werden?
Relaxometrie
04.12.2020, 16:33
@Admins:
Könnte diese eh zu nichts führende Gelddebatte in einen anderen Thread verlagert werden?
Bitte schnell.
So, losgelöst und den bekloppten Tierarzt bzw dessen Beiträge sind fott.
bonziusbilatis
04.12.2020, 19:20
Was anderes habe ich doch gar nicht behauptet. Über die Runden kommen + Altersvorsorge ist gut machbar mit dem Gehalt. Wenn das dein ultimatives Ziel ist, dann ist ja alles gut. Meins ist es nicht.
Ein guter Anwalt (siehe von mir gepostetes Beispiel) verdient dein Grundgehalt innerhalb von drei Tagen. Nein, nicht drei Tage pro Woche, sondern 3 Tage im Monat. Aber wir vergleichen uns ja lieber mit Krankenpflegern...
Wenn man in München wohnen will, dann wirds mit der Altersvorsorge schon eng. Also je nachdem wie die Ansprüche fürs alter sind und wie viele falsche Hoffnungen man ins Versorgungswerk setzt. Ich bin der Ansicht, dass 1000 Euro im Monat für eine vernünftige Altersvorsorge realistisch sind. Wenn dann noch Großstadtmiete abgeht, dann musst du es dir schon mit Wochenenddiensten erarbeiten, wenn du Sonntags mal ein Stück Fleisch essen willst, dass nicht aus der Tiefkühltruhe vom Discounter kommt.
Selbst wenn einem das alles egal ist, sollte man sich schon fragen, inwieweit es Sinn macht, sich als Ärztin öffentlich GEGEN ein besseres Gehalt auszusprechen, wie es hier vor allem die Kolleginnen teilweise tun. Denn eins sollte einem klar sein: wenn man sich nicht für seine Interessen einsetzt, dann wird es nicht nur nicht besser, sondern es wird schlimmer. Wenn man die reale Inflation berücksichtigt, inklusive Investmentgüterinflation, dann ist unser Gehalt in den letzten Jahren massiv gesunken, wir bewegen uns da locker im zweistelligen Prozentbereich an realen Gehaltseinbußen über die letzten 10 Jahre bei gleichzeitig steigender Arbeitsbelastung.
Aber wenn dann jemand mal anmerkt, dass man als Arzt vielleicht auch einen Coronabonus bekommen sollte, so wie jeder Praktikant am Bundestag, der im Home Office Excel tabellen ausfüllt, dann wird sofort aus den eigenen Reihen Geldgier unterstellt. Da muss man echt irgendwann sehr am Verstand des Berufsstandes zweifeln.
Ich glaube der durchschnittliche Anwalt wird nicht mal auf einen Nettobetrag eines A13 Beamten kommen... Sonst wäre der öffentliche Dienst doch nicht so selektiv mit den Examensnoten.
roxolana
04.12.2020, 19:31
Doch, die Anwälte verdienen oft schon deutlich besser. Mir hat ein Anwalt mal erzählt, dass er das doppelte im Vergleich zu einem Richter verdient. Er hat die Kanzlei trotzdem später für den öffentlichen Dienst verlassen, weil er keine Lust mehr auf den Stress hatte.
bonziusbilatis
04.12.2020, 19:38
Doch, die Anwälte verdienen oft schon deutlich besser. Mir hat ein Anwalt mal erzählt, dass er das doppelte im Vergleich zu einem Richter verdient. Er hat die Kanzlei trotzdem später für den öffentlichen Dienst verlassen, weil er keine Lust mehr auf den Stress hatte.
Sorry aber klingt irgendwie mehr nach: "Das Gras auf der anderen Seite des Hügels ist immer grüner". Gibts irgendwelche Gehaltsreports oder so, die das so bestätigen?
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