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tarumo
15.12.2020, 08:24
Das Problem ist z.B. auch schon lange aktenkundig im Landtag NRW (von 2016, hat also mit AfD gar nichts zu tun). Unter anderem mit dokumentierten Todesfolgen wg. mangelnden Sprachkenntnissen

https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST16-3365.pdf

Seit 2016 sind nicht nur die Zuwanderungszahlen hochgegangen, auch die Situation, daß behauptete Abschlüsse aus "dubiosen" oder Bürgerkriegsländern nicht überprüft werden (können) , hat sich kaum geändert.
Der Vorschlag, wenigstens ein einheitliches Staatsexamen für nicht-EU-Ausländer einzuführen, um einen halbwegs einheitlichen Bildungsstand zu gewährleisten, ist ja auf dem Ärztetag 2018 vom Marburger Bund torpediert worden.

Das ganze hat übrigens zu 0,0% mit Rassismus zu tun. Sondern mit der Frage, aus welchen Ländern die Immigration nach ´schland überhaupt attraktiv ist.

escitalopram
15.12.2020, 17:51
Oh, ich wäre der Erste, der eine einheitliche Prüfung für Nicht-DE-Absolventen unterstützen würde. Und selbst bei Abschlüssen innerhalb der EU ist es teilweise schwierig, Stichwort gekaufte Zeugnisse aus Osteuropa etc. Finde es auch schade, dass da nicht auf die Qualifikation geachtet wird. Aber unter den deutschen Absolventen will halt kaum jemand Chirurg werden. :-nix Da sind die Auswahlkriterien in diesen Fächern nun einmal niedrig.

tarumo
15.12.2020, 18:09
Finde es auch schade, dass da nicht auf die Qualifikation geachtet wird. Aber unter den deutschen Absolventen will halt kaum jemand Chirurg werden. :-nix Da sind die Auswahlkriterien in diesen Fächern nun einmal niedrig.

Was macht man, um einen nicht so populären Arbeitsplatz wie eine Bohrinsel zu besetzen? Qualifikation runter?

Mometasonfuroat
15.12.2020, 18:31
Kann hier aber Tarumo nur beipflichten und sind auch meine gemachten Erfahrungen. Manche "Kollegen" gehen sogar sehr offen damit um, dass man in Osteuropa oder auch insbesondere Indien die Abschlüsse problemlos erwerben kann. Teilweise werden wir Mitteleuropäer sogar dafür belächelt, sechs oder sogar mehr Jahre unseres Lebens mit Lernen zu verbringen ohne Einkommen wohingegend man sich die Zertifikate mit gutem Geld doch einfach kaufen könnte.
Ich erinnere mich auch schmerzlichst an meine PJ Zeit in Brandenburg mit "eingekauften" Ärzten die nicht mal in der Lage waren Infusionen anzuhängen, Flexülen zu legen oder Ports anzustechen, da wurden dann gerne wir PJler gerufen mit den Worten "Da, machen-ich kann nicht".

escitalopram
15.12.2020, 18:40
Ich erinnere mich auch schmerzlichst an meine PJ Zeit in Brandenburg mit "eingekauften" Ärzten die nicht mal in der Lage waren Infusionen anzuhängen, Flexülen zu legen oder Ports anzustechen, da wurden dann gerne wir PJler gerufen mit den Worten "Da, machen-ich kann nicht".

Ich bin zum Glück "verwöhnt" weil ich in der Uni einer beliebten Großstadt arbeite... aber meinst du das jetzt wirklich so oder übertreibst du etwas? Mir ist klar, dass in vielen Fächern und gerade in kleineren, unbeliebten Städten Mangel herrscht... aber sowas?

Mometasonfuroat
15.12.2020, 18:55
Ich bin zum Glück "verwöhnt" weil ich in der Uni einer beliebten Großstadt arbeite... aber meinst du das jetzt wirklich so oder übertreibst du etwas? Mir ist klar, dass in vielen Fächern und gerade in kleineren, unbeliebten Städten Mangel herrscht... aber sowas?

Übertrieben habe ich nicht, es sind meine gemachten Erfahrungen in einem Krankenhaus Konzern im Brandenburger Norden und hat sich während meiner PJ Zeit mehrfach abgespielt in der Rettungsstelle. Das man Abschlüsse problemlos im Ausland erwerben kann, hatte ich allerdings erst in meiner Assistenzarztzeit erfahren.

davo
15.12.2020, 19:29
Ich erinnere mich auch schmerzlichst an meine PJ Zeit in Brandenburg mit "eingekauften" Ärzten die nicht mal in der Lage waren Infusionen anzuhängen, Flexülen zu legen oder Ports anzustechen (...)

Das sagt aber weniger über die Qualität der Ausbildung im Ausland aus, sondern eher etwas darüber, welche trivialen Tätigkeiten in Deutschland als ärztliche Tätigkeiten gelten ;-)

Dass es zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung der Verhandlungsposition der im Inland ausgebildeten Ärzte sinnvoll wäre, das M2 von ausländischen Absolventen zu verlangen, ist aber selbstverständlich. Das würde auch einen großen positiven Selektionseffekt erzeugen - je höher die Hürden, desto besser im Durchschnitt die, die es überhaupt versuchen. Siehe USA.

escitalopram
15.12.2020, 19:32
Also dass man in Osteuropa Abschlüsse kaufen kann, wusste ich. Gab auch Reportagen darüber. Aber dass Ärzte mit den o.g. "Qualifikationen" bezahlt werden, war mir neu.

Mometasonfuroat
15.12.2020, 19:45
Also dass man in Osteuropa Abschlüsse kaufen kann, wusste ich. Gab auch Reportagen darüber. Aber dass Ärzte mit den o.g. "Qualifikationen" bezahlt werden, war mir neu.

Den letzten Satz habe ich nicht verstanden, was meinst du genau? Das mit den Abschlüssen kaufen, hat mich damals schon sehr geschockt und mich auch etwas aus meiner "heilen, kleinen Welt" gerissen.

davo
15.12.2020, 19:49
Das ist ja auch in Italien massenhaft üblich.

Aber, ganz ehrlich: So eine große Hürde ist das dt. Medizinstudium ja nun auch wieder nicht.

daCapo
15.12.2020, 20:17
Was macht man, um einen nicht so populären Arbeitsplatz wie eine Bohrinsel zu besetzen? Qualifikation runter?

???
Soweit mir bekannt, locken da ganz gute Gehälter und Arbeitszeiten wie 2 Wochen ON/OFF.
Mit ähnlichen Methoden werden soweit mir bekannt auch Arbeiter in der Ölindustrie in "etwas" entlegene Regionen in Alaska, Australien oder Kanada gelockt. Auch in Rußland lockt für die Arbeit in den Öl-Gasförderstädten ein relativ gutes Gehalt und Privilegien. Je mehr Qualifikation, je besser.

Kenne mich zugegebenermaßen mit den notwendigen Qualifikationen für eine Ölbohrinsel nicht aus.

Autolyse
15.12.2020, 20:30
Tarumo wollte auf Geld hinaus. Eine Hilfskraft auf der Bohrinsel hat schon mehr Netto als der Durchschnittsassistent und es sind zwei Wochen Arbeit im Zweischichtsystem und einen anschließenden Monat frei.

tarumo
15.12.2020, 20:39
Gar nicht so konkret. In einer Marktwirtschaft sollte einfach so lange an den Arbeitsbedingungen und der Vergütung geschraubt werden, bis eine Besetzung lege artis gewährleistet werden kann. Ich bin auch immer wieder ein wenig verstört über diese Bullerbü-Romantik bezüglich Dokumente usw.. Selbstverständlich gibt es Länder, wo alles käuflich ist, Führerscheine, Ämter, Zeugnisse und Diplome. Und natürlich auch ein Medizinabschluss. Und es sind gar nicht mal wenig Länder. Einfach mal im Welt-Korruptionsindex schauen...
Semi-OT:
In Pakistan, auch so eine Bakshish-Gesellschaft, hat sogar jeder dritte Verkehrspilot eine falsche Lizenz und zwar unter den Augen der Regierung:
https://edition.cnn.com/2020/06/25/business/pakistan-fake-pilot-intl-hnk/index.html
Aber die Uniabschlüsse in Medizin oder Facharzttitel aus diesem Land sind zu 100% korrekt. LOL....

mbs
15.12.2020, 21:03
@ escitalopram:
Ich habe nicht den Eindruck, dass so wenige Chirurgie machen wollen oder die Anforderungen da so niedrig wären, im Gegenteil habe ich sogar das Gefühl dass viele Chefs der Meinung sind man bräuchte für dieses Fach überdurchschnittliche Qualitäten.

Autolyse
15.12.2020, 21:08
Man kann sich ja sogar billig die Unionsbürgerschaft kaufen. (https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2020/EU-Paesse-gegen-Geld,passhandel164.html)
Ad Zivilluftfahrt: Das ist Bus fahren nach Checkliste...

Chirurgische Chefärzte bilden auch Fachärzte für Viszeralchirurgie aus, die nicht einmal einen Blinddarm selbst operiert haben, insofern können die viel erzählen, wenn der Tag lang ist.

mbs
15.12.2020, 21:27
Glaube nicht, dass das in der Praxis vorkommt, auch wenn man das ab und an so hört.
Wer 400 abdominelle Eingriffe zusammenbekommen hat sollte eine Appendektomie eigentlich hinkriegen - und ganz andere Eingriffe as die zusammen haben.

Autolyse
15.12.2020, 21:57
Außer Vac-Wechsel gar nichts selbst operiert, weil tagsüber bis auf so einen Kleinkram immer zwei Oberärzte im Saal stehen. Die sind schneller und das ist für die Boni aller Beteiligten besser. Papier ist geduldig. ;-)

Bei mir in der Pädiatrie sind es eben die Sonos die nur die Oberärzte machen, weil man mit Briefen & Co. schon völlig ausgelastet ist und vorher in der Anästhesie waren es die Regionalen...

daCapo
15.12.2020, 22:34
Außer Vac-Wechsel gar nichts selbst operiert, weil tagsüber bis auf so einen Kleinkram immer zwei Oberärzte im Saal stehen. Die sind schneller und das ist für die Boni aller Beteiligten besser. Papier ist geduldig. ;-)


Kann ich mir nicht Vorstellen. Als Chirurg will man operieren und wenn man nicht zum Zug kommt, wird man Veränderung anstreben.
Klar gibt es FA Chirurgie oder NC, die nur in der Poliklinik später sind ohne OP Tätigkeit, meist mit reduzierter Stelle, aber eher die Ausnahme statt Regel.


Gar nicht so konkret. In einer Marktwirtschaft sollte einfach so lange an den Arbeitsbedingungen und der Vergütung geschraubt werden, bis eine Besetzung lege artis gewährleistet werden kann. Ich bin auch immer wieder ein wenig verstört über diese Bullerbü-Romantik bezüglich Dokumente usw.. Selbstverständlich gibt es Länder, wo alles käuflich ist,

Aber die Uniabschlüsse in Medizin oder Facharzttitel aus diesem Land sind zu 100% korrekt. LOL....

Hm, Krankenhäuser sind jedoch nicht bzw. pseudomäßig einer Marktwirtschaft unterworfen.
Letztendlich entscheidet die Politik über DRG System, Krankenhausbedarfsplan, Vorstände in großen Kliniken, Finanzmittel für Krankenhäuser. Die jetzigen Strukturen können bewahrt werden.

escitalopram
16.12.2020, 13:51
@ escitalopram:
Ich habe nicht den Eindruck, dass so wenige Chirurgie machen wollen oder die Anforderungen da so niedrig wären, im Gegenteil habe ich sogar das Gefühl dass viele Chefs der Meinung sind man bräuchte für dieses Fach überdurchschnittliche Qualitäten.

Echt? Ja gut, vllt. hat sich was geändert. Ich studiere seit 1,5 Jahren nicht mehr. Bei uns wurde nahezu in jedem klinischen Semester gefragt, wer Allgemeinmedizin oder Chirurgie machen möchte. Bei Chirurgie gab es 1-2, die sich gemeldet haben.

LasseReinböng
16.12.2020, 14:53
Ich erinnere mich auch schmerzlichst an meine PJ Zeit in Brandenburg mit "eingekauften" Ärzten die nicht mal in der Lage waren Infusionen anzuhängen, Flexülen zu legen oder Ports anzustechen, da wurden dann gerne wir PJler gerufen mit den Worten "Da, machen-ich kann nicht".

Das habe ich allerdings auch schon mal bei niederländischen Kollegen erlebt. Und ein serbischer Kollege erzählte mir , daß in Serbien kein Arzt jemals auf Idee käme, einem Patienten Blut abzunehmen bzw. ne Viggo zu legen, ist dort einfach eine pflegerische Tätigkeit, zudem hat man dort während des Studiums keinen direkten Patientenkontakt.