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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Endlich: nach der Landarztquote die Amtsarztquote



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Melina93
09.02.2021, 15:20
Landarzt ist aber schon eher das, was man sich klassisch unter diesem Beruf vorstellt. Während ÖGD halt etwas ganz anderes it. Ich denke diejenigen, die diesen Weg einschlagen haben bereits von Beginn an im Hinterkopf sich irgendwie rauszumogeln, evtl eben zu klagen oder ähnliches.
Selbst bei der Bundeswehr machen das ja noch einige, obwohl man da bspw ja viel mehr Optionen hat.

Dass die Coronakrise dazu führt, dass sich weniger Leute bewerben, glaube ich nicht. Denn dafür war das Ganze zu einsichtig seitens der Pflege medial vertreten. Dass wir auch nur belächelt und moralisiert werden, ist vielen sicher gar nicht so bewusst.

ABCDEF12345
09.02.2021, 15:54
Doch ich glaube zumindest für dieses Sommersemester wird jeder der seinen Studienplatz sicher hat, aufgrund von Abischnitt, TMS oder Wartesemester, sich nicht bewerben sondern die Corona-Situation abwarten.

Ich kenne zumindest jemand der mit 1,0er Abi jetzt extra ein Jahr "wartet".

Melina93
09.02.2021, 16:51
Ich meinte eher das generelle Interesse an diesem Studium. Denn Bonnerin bezog sich ja auf die allgemeinen Arbeitsbedingungen (sofern ich es nicht missverstanden habe).

ABCDEF12345
09.02.2021, 16:57
Ich meinte eher das generelle Interesse an diesem Studium. Denn Bonnerin bezog sich ja auf die allgemeinen Arbeitsbedingungen (sofern ich es nicht missverstanden habe).

Achso. Dann hab ich deinen letzten Absatz falsch verstanden.

Dooly
09.02.2021, 17:17
Ich hab noch ein paar Gedanken dazu gehabt.

Ich denke schon, dass da noch einigermaßen viel Interesse an diesen Plätzen bestehen wird. Manche wollen halt einfach "Arzt" werden, egal wo oder wie.Ich hätte gesagt, dass genau das das Problem ist. Die Zielgruppe dieser Quote umfasst eben genau diejenigen, die unbedingt Arzt werden wollen und konventionell keinen Studienplatz bekommen. Und meiner Meinung nach haben genau die eine höhere Wahrscheinlichkeit unzufrieden mit dieser Berufswahl per Quote zu werden. Es ist ja nicht prinzipiell etwas schlechtes dran Landärztin oder Landarzt zu sein und selbst der ÖGD ist vielleicht für manche genau das richtige.
Jetzt überlege ich aber, ob diejenigen mit jahrelanger obsessiver Fixierung aufs Arztsein mit Quotenarzt/-ärztin nicht doch besser dran sind, als mit irgendwelchen Alternativen. Natürlich werden nicht alle Quoten-Studis auch solche extremen Problemfälle sein, aber ich kann mir vorstellen, dass zumindest manche mit der Quote den Umständen entsprechend noch am besten fahren. Es gibt einfach auch viel schlechtere Karrieren.
Aber natürlich bleibt diese Quote voll der Assimove.

Dooly
27.08.2021, 21:37
Bin zufällig auf den folgenden Artikel gestoßen und hab mich wieder an diesen Thread erinnert.
https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/130-Kandidaten-fuer-Landarzt-und-OeGD-Quote-in-Bayern-422197.html
115 haben nen Platz in der Landarztquote angenommen, 15 Leute in der ÖGD Quote. Beworben haben sich doppelt so viele.
Im letzten Jahr waren es 812 Bewerbungen für die Landarztquote.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/112301/Landarztquote-Bayern-vereinfacht-Vergabe-von-Studienplaetzen

Nefazodon
27.08.2021, 23:33
@ Dooly: Ich bin ja gespannt, was passieren wird, wenn es die ersten Erfahrungen von fertigen Absolventen, die auf dieser Quote studiert haben, gibt.

Bin gespannt, wie zufrieden die Leute sein werden.

In der Medizin gibt es soviele verschiedene Disziplinen und Subspezialisierungen. Und eigentlich lernt man die erst im Studium kennen, wenn überhaupt. Ich finde es schade, dass die Leute schon auf einen Bereich festgelegt werden, bevor sie die anderen Bereiche überhaupt kennenlernen konnten.

Feuerblick
28.08.2021, 08:15
Sehe ich ähnlich. Selbst ich, die ich eigentlich für ein ganz bestimmtes Fach studiert habe, hatte während des Studiums Phasen, in denen ich mir auch was anderes hätte vorstellen können.

Dooly
14.11.2021, 14:01
Natürlich immer noch keine Absolvent:innen aber zwei Erstis, einer FAU die andere München, haben sich von der Süddeutschen interviewen lassen. Wäre cool, wenn die beiden regelmäßig weiter befragt werden würden.
https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-medizinstudium-landarzt-1.5448186?fbclid=IwAR3mX_5dvi1Xq0uLDO4TsIAiHzORDxz CjWOcfIpiFJrVfKxWYkBr8BBUPPc

Dooly
23.12.2024, 23:26
Alter Falter, drei Jahre später … bei mir taucht in letzter Zeit wieder vermehrt das Thema Landarztquote auf. Die ersten Quotis sind im letzten Herbstturnus ins PJ gegangen und somit nächstes Jahr fertig. Mir wurde folgender Bericht vorgeschlagen, in dem es um eine aktuell 31-jährige geht, die in der LAQ einen Studienplatz angetreten war und F2026 plant fertigzuwerden. Sie ist zum Ende der WB bereits 40 und muss dann irgendeine Praxis übernehmen und bis mind. 50 dort malochen, wahrscheinlich dann für immer. Als sie das Studium aufgenommen hat, war sie dann 26/27, einfach völlig irre, wenn ich mir vorstelle, ab dann schon so einen festgesteckten Weg bis 50, vielleicht fürs ganze Arbeitsleben, zu haben.
https://www.lokalkompass.de/duesseldorf/c-politik/letzte-chance-genutzt_a2009953

Dann habe ich auch noch folgendes gesehen:
https://www.landundforst.de/niedersachsen/region-hannover-mittelweser/gegen-aerztemangel-norden-alle-60-landarzt-studienplaetze-besetzt-572481
In Nds werden erst seit letztem Jahr Studienplätze in der LAQ vergeben. Letztes Jahr waren nur ca. 75 % der Zugelassenen auch angetreten. Dieses Jahr 100 %. Ein paar weitere Details zum Verfahren in Nds findet man auch hier. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/156001/60-Landarztstudienplaetze-in-Niedersachsen-vergeben

In Hessen sei das Interesse an der LAQ verhältnismäßig niedriger. https://www.forschung-und-lehre.de/politik/aerztliche-versorgung-auf-dem-land-draengendes-problem-6347
Angaben zu tatsächlichen Einschreibungen habe ich nicht gefunden. Dort waren in zweiter Instanz aber 22 Stdienplatz-Einklagende gescheitert. https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/medizinstudent-in-marburg-exmatrikuliert-110163487.html

Nrw und Bay sind anscheinend urglücklich mit ihren Quoten.

rafiki
24.12.2024, 06:25
Alter Falter, drei Jahre später … bei mir taucht in letzter Zeit wieder vermehrt das Thema Landarztquote auf. Die ersten Quotis sind im letzten Herbstturnus ins PJ gegangen und somit nächstes Jahr fertig. Mir wurde folgender Bericht vorgeschlagen, in dem es um eine aktuell 31-jährige geht, die in der LAQ einen Studienplatz angetreten war und F2026 plant fertigzuwerden. Sie ist zum Ende der WB bereits 40 und muss dann irgendeine Praxis übernehmen und bis mind. 50 dort malochen, wahrscheinlich dann für immer. Als sie das Studium aufgenommen hat, war sie dann 26/27, einfach völlig irre, wenn ich mir vorstelle, ab dann schon so einen festgesteckten Weg bis 50, vielleicht fürs ganze Arbeitsleben, zu haben.
https://www.lokalkompass.de/duesseldorf/c-politik/letzte-chance-genutzt_a2009953


Warum so negativ? Es ist doch egal, ob du dir das "Malochen" vorstellen kannst, denn für die zitierte werdende Kollegin ist es offensichtlich ihre Erfüllung.

Dooly
24.12.2024, 07:01
Klar ist das egal, was ich mir vorstellen kann. Menschen haben einfach unterschiedliche Ansprüche.

Relaxometrie
24.12.2024, 18:20
Ich halte die Landarztquote nach wie vor für fast sittenwidrig, da keine Person, die in der unverrückbaren Idee, Medizin studieren zu wollen, gefangen ist, weiß, worauf man sich als Landarzt einlässt. Da es aber erwachsene und voll geschäftsfähige Personen sind, die den Vertrag unterschreiben....bitte schön.

Bonnerin
25.12.2024, 07:16
Sehr spannender Bereich aus dem hessischen Artikel, hier geht es aber um die Lage in NRW:


Seit Einführung der Quote ist das Interesse zwar etwas abgeflaut, die Erwartungen des Programms werden aber laut NRW-Gesundheitsministerium erfüllt: "Es werden mit jedem Semester motivierte Menschen gefunden, die mit ihrem Einsatz die hausärztliche Versorgung in NRW stärken werden", hieß es aus Düsseldorf. Für die ersten 145 Landarzt-Plätze im Wintersemester 2019/20 hatte es noch 1.312 Bewerbungen gegeben. Im vergangenen Wintersemester hatten sich nur noch 394 Menschen um einen von 154 verfügbaren Plätzen bemüht.

Also knapp mehr als 2 Personen, die sich inzwischen auf einen Platz bewerben. Ich denke, Covid wird da die Leute ausreichend wachgerüttelt haben, was den Zustand des Gesundheitssystems angeht.

Dooly
26.12.2024, 11:55
Oha, ich wusste es gar nicht. Die Anzahl der Bewerbungen für einen Medizinstudienplatz, wird seit 2021 immer weniger. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/studierende-anfaenger-bewerber-sfh.html Liegt das wirklich an der Pandemie? 🤔

Relaxometrie
26.12.2024, 12:22
Liegt das wirklich an der Pandemie? ��
Oder daran, dass sich langsam rumspricht, dass die Arbeitsbedingungen unterirdisch sind. Was natürlich im Zusammenhang zur Berichterstattung während der Pandemie stehen kann.

Peinlich für das statistische Bundesamt: hinter "Medizin" steht noch "(Allgemeinmedizin)". Als ob das ein eigenes Studienfach wäre und alle, die nicht Allgemeinmedizin machen wollen, andere Medizin studieren würden.

Umberax
24.01.2026, 04:22
Viel später nochmal eingehakt:

1. Witzigerweise kann man in Bayern über die LAQ jetzt tatsächlich Pädiater werden ;-)

2. Bin ich schon der Meinung, dass viele Gerüchte über diese Quote im Umlauf sind... So bekommt man (in Bayern) beispielsweise kein Gebiet "zugewiesen", sondern lediglich die Auflage, in einem Bedarfsgebiet Hausärztlich tätig zu sein - und Bedarfsgebiete werden nur nach Landkreisen und Kreisfreien Städten aufgeschlüsselt; wo genau man dann innerhalb der Kreisverwaltungsbehörde hingeht ist egal.
Funfact hierzu: derzeit ist auch die Stadt Coburg (immerhin 40.000 Einwohner) Bedarfsgebiet - so sehr "Land" wie sich das manch einer vorstellt ist es also nicht

Dooly
24.01.2026, 07:49
Die ersten Quotis sind in NRW letztes Jahr fertig geworden und Pädiatrie war dort von Anfang an möglich. Jetzt, Jahre nach Beschluss und Einführung der Quote, ist die Situation gesundheitspolitisch und berufspolitisch verändert. Bislang hört man als Außenstehende nicht viel und ich nehme an, dass alle bisher in die gewählte WB starten konnten. Möglich ist aber auch, dass wenn in fünf bis sechs Jahren die ersten die WB abschließen, formal laut Bedarfsplanung kein Bedarf mehr an z. B. Kinder-/Jugendmedizin besteht. Es bleibt spannend.

Cor_magna
28.01.2026, 08:41
Ich habe eher den Eindruck bei meinen jüngeren Bekannten, dass (wie eigentlich schon vorher) bekannt ist, dass die geforderten Arbeitszeiten deutlich höher sind als in vielen akademischen Bereichen (nicht allen). Und darauf hat die jüngere Generation immer weniger Lust. Home Office und sowas ist meist auch nicht möglich. Familiengründung wird schwierig etc. Ach ja, und es spricht sich langsam rum, dass man insbesondere als angestellter Arzt dafür nicht mal besonders prickelnd entlohnt wird. Und Selbstständigkeit ist auch nicht jedermanns Sache.

Einer meiner Juristenfreunde arbeiten teils auch 60 h- 70h die Woche, aber der ist auch mit 100k Gehalt in Bayern eingestiegen. Gutes Staatsexamen, aber auch nicht überragend. IG Metall Tarifverträge will ich gar nicht anfangen.

Soviel dazu.

Und jaaaaa ich picke mir die Rosinen raus, ich weiss es gibt viele die da nicht mitschwimmen, aber ich selbst weiss auch, dass ich akademisch leistungsstärker war und bin als meine Freunde, die das alles erreicht haben und der Druchschnittsmedizinstudent hat eben im Regelfall überdurchschnittliche akademische Leistungen.

Nefazodon
10.08.2026, 15:54
Die ersten Quotis sind in NRW letztes Jahr fertig geworden und Pädiatrie war dort von Anfang an möglich. Jetzt, Jahre nach Beschluss und Einführung der Quote, ist die Situation gesundheitspolitisch und berufspolitisch verändert. Bislang hört man als Außenstehende nicht viel und ich nehme an, dass alle bisher in die gewählte WB starten konnten. Möglich ist aber auch, dass wenn in fünf bis sechs Jahren die ersten die WB abschließen, formal laut Bedarfsplanung kein Bedarf mehr an z. B. Kinder-/Jugendmedizin besteht. Es bleibt spannend.

Heute ist ein Artikel auf Zeitonline erschienen zur Landarztquote.
"Damals war ich naiv" https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/medizinstudium-landarztquote-verpflichtung-klage-aerztemangel
Leider hinter einer Paywall.

In dem Artikel wird von einem Studenten berichtet, der schon seit seiner Kindheit unbedingt Medizin studieren wollte, aber mit seinem Abischnitt keinen Studienplatz bekommen hat. Er hat dann einen Platz über die Landarztquote bekommen. Jetzt hat er in einem Praktikum in Afrika seine Liebe zur Chirurgie entdeckt und bereut seine Entscheidung und die Einschränkungen, die damit einhergehen. Er klagt jetzt gegen die Quote.

Das ist genau das, was ich prophezeit habe: 6 Jahre Studium und 5 Jahre Facharztausbildung plus 10 Jahre Niederlassungszwang sind einfach eine zu lange Zeit, um sie als junger Mensch zu überblicken. Und natürlich entwickeln sich die Interessen im Studium teils anders.

Im Artikel steht auch, dass zur Zeit bundesweit 28 Klagen anhängig sind. Klingt nach wenig, aber im Artikel wird auch gesagt, dass erst wenige Studierende am Ende ihrers Studiums sind, und daher, auch von den Bundesländern, mit einer Zunahme der Klagen gerechnet wird.

Für NRW werden konkrete Zahlen genannt. NRW war das erste Bundesland das die Landarztquote eingeführt hat. Und die ersten Studenten der ersten Kohorte werden jetzt fertig. Glaubt man den Zahlen aus dem Zeitartikel klagen dort bis zu einem Fünftel der Studierenden, die ihren Abschluss haben.

Ich finde das Thema nach wie vor sehr spannend. Gleichzeitig regt es mich persönlich auch ein bisschen auf. Es musste doch allen Beteiligten, sowohl den Ländern, als auch den jungen Studierenden, die den Vertrag eingegangen sind, klar sein, dass es so kommen würde.
Es ist und bleibt halt ne Schnapsidee sich direkt nach der Schule für 21 Jahre im Voraus festzulegen.

Einerseits tun mir die Studierenden leid, die sich so früh festgelegt haben, und jetzt mit der Entscheidung unzufrieden sind. Andererseits hätten sie ohne die Quote vermutlich keinen Studienplatz bekommen und Vertrag ist Vertrag. Und ich finde, als 18-jähriger mit Abitur, also attestierter Studierfähigkeit, muss ich irgendwo auch wissen, welche Verträge ich eingehe.

Nun, wir werden sehen, ob die Länder ihre Hausaufgaben gemacht haben, und die Verträge für die Landarztquote vor Gericht bestand haben. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.
Und ich muss auch sagen, ich hätte als junger Mensch diesen Krimi in meinem Leben nicht haben wollen.