Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 3 Stellen bis zum Facharzt normal?
Bei manchen privaten Trägern ist es wohl so, dass man keine Verlängerung bekommt wenn man zu lange für den FA braucht weil man der Geschäftsführung dann zu teuer wird. Und wenn man häufiger wechselt braucht man naturgemäß länger. Teilweise werden je nach Zahl der OÄ aber auch FÄ angeblich oft nicht verlängert weil sie zu viel kosten würden.
Wie das ist, wenn man vorher eine andere Fachrichtung gemacht hat kann ich nicht sagen - theoretisch wird einem die Zeit auf das Gehalt ja auch angerechnet soweit ich weiß.
Ist das in der Realität schonmal jemandem von euch passiert? Monetäre Überlegungen spielen ja eine immer größere Rolle wie es scheint.
Noch nie gehört, hört sich mehr nach ausrede zur Trennung an
Als Facharzt wär man ja noch teurer als als fortgeschrittener Assistenzarzt und selbstständiger arbeiten darf man (glaub ich) erst als Oberarzt. Ein jüngerer Assistenzarzt wär billiger, aber der kann halt auch nicht so viel und muss von den Oberärzten stärker überwacht werden.
Für die Gehaltseingruppierung zählt jede ärztliche Tätigkeit. Oder sagen wir, jede im Sinne einer Facharztausbildung, Covid-Impfzentrum oder so wär ich mir nicht so sicher.
John Silver
20.02.2021, 19:18
Es ist Quark, dass man keine Verlängerung bekommt, wenn man zu lange zum Facharzt braucht. Man ist als WBA zum Facharzt für XY angestellt, und wenn es „zu lange“ dauert, muss die Klinik halt verlängern, bis es klappt. Wenn nämlich nicht verlängert wird, dann muss die Klinik ggf. vor Gericht begründen, warum die Verzögerung unbedingt und ausschließlich in der Person des WBA lag, was ziemlich schwierig sein dürfte; und wenn die Verzögerung nicht nur am WBA lag, ist es eben das Problem des Arbeitgebers. Im Grunde muss die Klinik einen von Anfang bis Ende durchstrukturierten Weiterbildungsplan vorlegen, sonst ist die Befristung zum Zwecke der Weiterbildung ungültig, und der letzte Vertrag wird entfristet (s. entsprechende Urteile).
Es ist Quark, dass man keine Verlängerung bekommt, wenn man zu lange zum Facharzt braucht. Man ist als WBA zum Facharzt für XY angestellt, und wenn es „zu lange“ dauert, muss die Klinik halt verlängern, bis es klappt. Wenn nämlich nicht verlängert wird, dann muss die Klinik ggf. vor Gericht begründen, warum die Verzögerung unbedingt und ausschließlich in der Person des WBA lag, was ziemlich schwierig sein dürfte; und wenn die Verzögerung nicht nur am WBA lag, ist es eben das Problem des Arbeitgebers. Im Grunde muss die Klinik einen von Anfang bis Ende durchstrukturierten Weiterbildungsplan vorlegen, sonst ist die Befristung zum Zwecke der Weiterbildung ungültig, und der letzte Vertrag wird entfristet (s. entsprechende Urteile).
Kann man nur hoffen, dass sowas selten auftritt
Bonnerin
22.02.2021, 15:44
Als Facharzt wär man ja noch teurer als als fortgeschrittener Assistenzarzt und selbstständiger arbeiten darf man (glaub ich) erst als Oberarzt. Ein jüngerer Assistenzarzt wär billiger, aber der kann halt auch nicht so viel und muss von den Oberärzten stärker überwacht werden.
Ich bitte um Korrektur von Fachärzten, wenn ich hier falsch liege, aber...
So wie ich es immer verstanden habe ist man als Facharzt eben genau zum selbstständigen Arbeiten ohne konstant mögliche Supervision da und eingestellt.
Ein Oberarzt hat halt zusätzlich noch die Supervisions- und in gewissem Sinne Personalverantwortung für die Assistenzärzte und je nach Klinik auch noch Forschung und/oder organisatorischen Kram an der Backe.
John Silver
22.02.2021, 17:39
Jein. In Deutschland ist es halt üblich, WBAs erst ab Facharzt so richtig auszubilden, weshalb viele frischgebackene Fachärzte leider relativ wenig draufhaben und nur sehr begrenzt eigenständig einsetzbar sind. In der Anästhesie mag der Prozentsatz der Fachärzte, die weitgehend selbständig arbeiten können, noch relativ hoch sein; in den meisten anderen Fachrichtungen ist es leider eher selten der Fall.
Bonnerin
22.02.2021, 17:50
Gut, gerade in der Chirurgie ist sicherlich ein Großteil der spezielleren Ausbildung erst für die Zeit als Facharzt vorgesehen, das stimmt natürlich.
Thomas24
22.02.2021, 19:56
@Bonnerin: rein rechtlich gesehen, hast du natürlich Recht. Der FA darf eigenverantwortlich tätig sein, ohne Supervision. In der Praxis (vor allem in den interventionellen bzw. operativen Disziplinen) ist aber leider in vielen Fällen so, wie Silver es darstellt. Halt wie beim Autofahren: nur weil man Autofahren darf, heißt es nicht, dass man es auch kann...
Bzw. man hat einen Führerschein für alle Klasse, theoretisch darf man den 40-Tonner fahren, aber kann nur Golf.
Aber, dass ein FA jetzt unbedingt viel teurer ist...naja; die meisten Kliniken werden sich drüber freuen
Etwas Off-topic: Es gibt auch C4 Univ.-Prof für Radiologie und Neuroradiologie; inkl. Zusatzbezeichnung Neuroradiologie. Die Stelle 1999 angetreten mit Forschungs"expertise" Diagnostik, die können (obwohl Leitung) keine Interventionen: Schon garnicht Thombektomie, Flowdiverter oder Coiing; trotzdem Leitung historisch bedingt und "begründet" sozusagen.
@daCapo: Und jetzt? Und die älteren Urologie-Chefs können teils nicht mit dem DaVinci operieren. Mei. Is halt so. Wer glaubt dass die Medizin so einfach ist, dass jeder Chef sein Fachgebiet incl. aller Neuerungen/Abspaltungen/Subspezialisierungen über Jahrzehnte überblicken kann, der irrt. Und irgendwann kommt im Bereich der Neurochirurgie oder Gefäßchirurgie der Punkt wo manche Dinge einfach körperlich nicht mehr zu schaffen sind. Und jetzt? Neurochirurgiechef rauswerfen weil es körperlich nicht mehr geht? Radiologie-Chef rauswerfen oder Abteilungen aufspalten weil manche Bereiche nicht mehr abgedeckt werden können? Vergiss es.
@John Silver: ich würde es nicht als "Ausbildung" bezeichnen was man mit frischen Fachärzten macht. Eine "Ausbildung" haben sie ja. Wie Trockenschwimmen halt. Richtig Schwimmen lernt man aber erst im Wasser. Von meiner Seite her kann ich sagen dass ich, glaub ich, eine ziemlich solide Facharztweiterbildung bekommen hab. Das hab ich aber auch erst gemerkt als ich dann alleine am Tisch stand und alleine dafür verantwortlich war. Und nachdem das funktioniert hat hab ich auch erst Selbstvertrauen gewonnen dass es doch geht, dass ich doch einiges gelernt hab und dass ich doch operieren kann. Schwimmen halt. Nicht die Trockenübungen wo der OA deine Hand führt. Und die schwierigeren Sachen macht man dann halt erst später.
John Silver
23.02.2021, 22:56
Die meisten Allgemein- und Viszeralchirurgen melden sich zur Prüfung mit gerade so vollem Katalog; und wenn man die Leute nach ihren echten Zahlen fragt, haben so einige nicht mal ansatzweise das operiert, was bescheinigt wurde. Gerade an Uniklinika. Ist leider so.
@daCapo: Und jetzt? Und die älteren Urologie-Chefs können teils nicht mit dem DaVinci operieren. Mei. Is halt so. Wer glaubt dass die Medizin so einfach ist, dass jeder Chef sein Fachgebiet incl. aller Neuerungen/Abspaltungen/Subspezialisierungen über Jahrzehnte überblicken kann (...) Radiologie-Chef rauswerfen oder Abteilungen aufspalten .
Robotik ist nur ein Teil der Urologie. Da gibts noch viele andere Felder (z.B. Kinderurologie, Neurourologie, Uroonkologie (konservativer Teil), Interventionen wie Hifu oder Kryo. Sowas kann der "robotische" Chirurg möglicherweise nicht ganz so gut.
Neuroradiologie war lange Zeit meist Diagnostik und ein wenig Intervention wie Coiling, was auch halb elektiv gemacht werden konnte und auch zum Teil von der NC versorgt wurde. Mit der Thrombektomie und der Schlaganfallversorgung hat sich das aber geändert. Da ist einiges hinzugekommen in der interventionellen Neuroradiologie, was sozusagen Brot&Butter ist und was kein Neurochirurg oder Neurologe übernimmt und nicht elektiv (ischämischer Insult...) gemacht werden kann. Damit ist es ein wenig anders als in der Uro.
Lediglich MRT/CT auswerten wie 1998 zur Leitung eines Instituts für Radiologie&Neuroradiologie ist nicht ausreichend als Qualifikation.
Ja Aufspaltung des Instituts und besetzten der Stelle mit jmd., der das kann und sich damit beschäftigt ist ne gute Idee, vor allem wenn ein gewisser Qualitätsanspruch vorhanden ist.
Wenn bei Mercedes-Benz ne neue Abteilung geschaffen wird oder sich ergibt, besetze ich die auch nicht mit jmd. der das garnicht kann oder noch nie gemacht hat. Und wenn doch, geht es mit Mercedes-Benz bergab.
In einem Wirtschaftsunternehmen ist auch garnicht unüblich sich von jmd. , der nicht mehr leistungsähfig ist und nicht mehr den Qualifikationen des Jobs entspricht zu trennen; entsprechend dem Leistungsprinzip.
Die meisten Allgemein- und Viszeralchirurgen melden sich zur Prüfung mit gerade so vollem Katalog; und wenn man die Leute nach ihren echten Zahlen fragt, haben so einige nicht mal ansatzweise das operiert, was bescheinigt wurde. Gerade an Uniklinika. Ist leider so.
Ja schade.
Kenne nur den Aspekt (nicht in Chirurgie), dass manche Untersuchung/Therapie, die 2001 noch durchaus häufig gemacht wurde, inzwischen seltener gemacht wird und daher manche nicht auf die gewünschte Zahlen in Teilen des Logbuchs kommen. Wäre mal die Aufgabe der Ärztekammer zu schauen, ob die Zahlen der medizinischen Entwicklung entsprechen.
Thomas24
23.02.2021, 23:31
Und was hat das jetzt mit dem Ursprungsthema zu tun?
Und was hat das jetzt mit dem Ursprungsthema zu tun?
Keine Regel ohne Ausnahme.
Wir waren schon vom Thema weg, als es um das eigenverantwortliche Arbeiten ging und ob für eine Klinik Fachärzte zu teuer sind.
Feuerblick
24.02.2021, 09:10
Dann wäre das doch ein wunderbarer Anlass, zum Thema zurückzufinden. :-)
Damit ist das Thema aber eigentlich auch beendet. Die Frage die ja schon in der Überschrift steht kann man ganz einfach mit "ja" beantworten und fertig.
Feuerblick
25.02.2021, 05:51
Dann ist es halt beendet. Oder steht irgendwo geschrieben, dass man Threads, deren Frage beantwortet wurde, endlos weiterführen muss?
Physioanatom
14.03.2021, 11:28
Vielen Dank für die ganzen Antworten!
Dann bin ich ja beruhigt, dass die Mehrheitsmeinung ist, dass 3 Stellen bis zum Facharzt nicht auffällig viele sind.
Noch ne Frage: Wie mache ich das dann mit der Anrechnung der bisher gelernten Inhalte auf den Facharzt? Steht das alles im ausführlichen Arbeitszeugnis? Oder muss man es separat beantragen ?
Danke im Voraus
Sowohl im ausführlichen Arbeitszeugnis (tabellarischer Nachweis der bisher erlangten Fähigkeiten (122 EKG, 12 ZVK, 2 Reanimationen,...) dem Chef/in mit vorlegen, wenn es dem Zeitpunkt der Erstellung des Zeugnisses näher rückt) als auch im Logbuch des geltenden Weiterbildungsfeldes - mit Chef/in jährliche Gespräche/Zahlen unterschreiben (lassen).
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