Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Familie und Karriere
Espressa
12.03.2021, 15:50
Naja Frauen in Elternzeit machen sich schließlich ein gemütliches Leben und drücken sich vor der Arbeit, Männer in Elternzeit sind bewundernswerte Helden die diese ach so komplexe Aufgabe der Kinderaufzucht so bravourös meistern.
*ironieoff*
Colourful
12.03.2021, 15:57
Na ja, das Narrativ ist ja wirklich oft so.
Ist in der öffentlichen Wahrnehmung leider wirklich so. Da braucht es keine Ironie.
Alleine Reaktionen, die mein Mann mit Kind in der Trage bekommt. Allesamt voll von Bequnderung und Verzückung.
Ich kriege meistens eher Ignoranz oder Gemotze.
Klientel identisch.
Ich hatte ähnlich Sorgen als ich mit 30 als kinderloser Single beworben habe. Hatte auch meinen Familienstand und erst eine mögliche Familienplanung mit seinem Wort erwähnt und es kam auch in keinem Bewerbungsgespräch zur Sprache.
Mein Chef hat aber innerhalb von 18 Monaten 9 kinderlose Frauen zwischen 28 und 33 eingestellt. Dazu noch eine Mutter bei der klar war, dass in absehbarer Zeit ein zweites Kind folgen soll. Zur Sicherheit hat er dann aber doch danach mal ein paar Männer eingestellt ;-)
Rhiannon
12.03.2021, 16:28
Als Frau kannst du noch so kompetent und engagiert sein, dein männlicher Vollhonk-Kollege wird trotzdem zuerst Oberarzt werden. Weil er ein Mann ist.
Genau so grad bei uns erlebt.
Nix gegen diese Remoteverbindungen mit dem Krankehaus, das taugt vor allem für Oberärzte, die Bilder, Labor und Verlauf zu Hause schauen möchten, Für Tumorkonferenzen ist es z.B. für Radiologie OÄ schon zu unzuverlässig oder langsam. Allein schon der Start dauert ca. 5-7 Min.
Das liegt aber an eurer Klinik. Jetzt durch Corona werden fast alle TuKos bei uns (> 20 Stück die Woche) remote gehalten inklusive der radiologischen Bilddemonstration. Zusätzlich arbeiten mehrere Fach- und Oberärzte von zuhause im Regelbetrieb.
PrinzessinAmygdala
12.03.2021, 16:43
Ich werde es ja bald sehen. Habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht. Zum Thema Alter habe ich immer nur gedacht, dass es ja nicht so schlimm sei, da man ja doch noch einige Jahre bis zur Rente vor sich hat. Aber jetzt, wo man sich konkret Gedanken über die Bewerbung, mögliche Fragen und die eigene Zukunftsplanung der nächsten Jahre macht, kommen doch so einige Fragen zum Vorschein. Das blöde ist ja dass ich viel jünger aussehe als ich bin. An sich falle ich üverhaupt nicht auf, dass ich schon zu den Älteren gehöre. Aber leider gehört ja das Geburtsdatum in den Lebenslauf bzw. man sieht es ja auch an der "Karriere", selbst wenn einer nicht so genau auf's Datum geguckt hätte.
Ist in der öffentlichen Wahrnehmung leider wirklich so. Da braucht es keine Ironie.
Alleine Reaktionen, die mein Mann mit Kind in der Trage bekommt. Allesamt voll von Bequnderung und Verzückung.
Ich kriege meistens eher Ignoranz oder Gemotze.
Klientel identisch.
Das habe ich auch schon häufiger so beobachtet. Und mein Bruder (als Vollblutpapa) berichtet immer wieder ähnliches. Sozialisation von Frauen bedeutet eben immer noch, sie zur Fürsorge zu erziehen; sie haben sich zu kümmern. Man(n) erwartet einfach von Frauen diese Care-Arbeit zu leisten; und am besten ohne aufzumucken. Übernehmen Männer diese Aufgaben, fällt es viel mehr auf, da es immer noch etwas Besonderes ist; eben viel zu selten. Und dann wird da rumgelobt bis zum Erbrechen; ein Lob für die Mutter gibts nicht. Da wird auch nicht gefragt, wie man das alles als Frau/Mutter eigentlich gewuppt bekommt. Aber warum auch...Frauen machens ja gerne, gehört zum Frausein schließlich dazu. ;) Erwerbsarbeit wird in unserer Gesellschaft leider nach wie vor deutlich höher bewertet und wertgeschätzt, als die viele unbezahlte Care-Arbeit.
@ amygdala:
Frage mich auch oft was "besser" ist; jünger aussehen oder jünger sein. Manchmal ist es extrem überraschend das Geburtsdatum von Kollegen zu erfahren - entweder weil sie viel älter oder viel jünger aussehen als sie sind. Eine Kollegin hätte ich zehn Jahre jünger eingeschätzt als sie tatsächlich ist - und einen Kollegen zehn Jahre älter. Manche Chefs werten es ja als Manko wenn man älter ist als der Durchschnitt auf dem gleichen Ausbildungsstand. Aber werten sie es auch negativ wenn man viel älter aussieht als dieser Durchschnitt? Wird ein "zu alt" eher verziehen wenn man viel jünger aussieht weil man mental unbewusst in eine andere Kategorie "eingruppiert" wird? Eine Zahl ist ja das andere, wie etwa wirkt oder wie es sich anfühlt was anderes - Bilder scheinen ja eine stärkere Wirkung zu haben als Zahlen.
@ tragezwerg: Danke für dein Feedback. Genau das habe ich befürchtet. Dachte nur, dass manche Tagesmütter unter Umständen - sofern sie viele Kinder betreuen - bezahlbare Preise auch für Betreuung zu ungewöhnlichen Zeiten bieten. Und es gibt ja auch über-Nacht-Babysitter. Nachts müssen die in der Regel ja nicht viel machen. Klar wäre es besser ein Partner würde sich darum kümmern, nur hat niemand die Garantie dass das gut geht und man nicht doch irgendwann allein dasteht. Insofern hat man vielleicht tatsächlich durch ein Kind immer das Risiko berufsunfähig zu werden - da die Kinderbetreuung ja im Vordergrund steht. Schade, dass so viel Qualifikation, so viele Ressourcen so verschwendet werden nur weil es in Deutschland keine vernünftigen oder bezahlbaren Betreuungsmöglichkeiten gibt.
Das liegt aber an eurer Klinik. Jetzt durch Corona werden fast alle TuKos bei uns (> 20 Stück die Woche) remote gehalten inklusive der radiologischen Bilddemonstration. Zusätzlich arbeiten mehrere Fach- und Oberärzte von zuhause im Regelbetrieb.
Ja dann ist es die IT.. Leider nicht austauschbar
Espressa
13.03.2021, 06:29
Naja Frauen in Elternzeit machen sich schließlich ein gemütliches Leben und drücken sich vor der Arbeit, Männer in Elternzeit sind bewundernswerte Helden die diese ach so komplexe Aufgabe der Kinderaufzucht so bravourös meistern.
*ironieoff*
Fairerweise müsste man aber auch anführen, dass Frauen oder gar Mütter mit Karriere oder „guten Jobs“ auch mehr bewundert werden als Männer, da wird ja das wiederum selbstverständlich erwartet.
Als ich selbst als Assistentin mit einem Kind Vollzeit in der Klinik gearbeitet hab, fanden das einige Leute schon „stark“.
Viel höher bin ich karrieremässig nicht gekommen, aber an die anderen Mütter - habt ihr keine Anerkennung für berufliche Ziele bekommen?
wendyrumpf
13.03.2021, 07:25
Ich bin zwar noch nicht soweit
Aber Anerkennung hört sich so nach Applaus während Corona an ... Anerkennung kriege ich und heißt für mich, wenn ich die Stelle auch bekomme, nicht nur von anderen höre, wie stark ich doch sei. Das weiß man ja selbst. Bringt mich aber nicht weiter.
tragezwerg
13.03.2021, 07:39
Anerkennung ist so ne Sache. Meistens gilt in der Medizin ja ohnehin das Motto "nicht geschimpft ist Lob genug".
Bei uns in der Anästhesie ist die Anerkennung eher indirekt: Wer sich gut anstellt, darf z.B. automatisch häufiger die schwierigeren Narkosen machen etc. (was den Berufsalltag zwar interessanter, aber auch ungleich anstrengender macht). Wirkliche Anerkennung im Sinne von "hast du gut gemacht" bekommt man so gut wie nie. Und Anerkennung im Bezug auf Karriere (Beförderung etc.) gar nicht. Befördert werden nicht die kompetenten, sondern die, die am meisten Vitamin B haben.
Ich hab ja mittlerweile mit Kind(ern) von 100% bis runter auf 50% so ziemlich alle Modelle an Arbeitszeiten ausprobiert. Letztendlich hat das aber nix geändert. Nette (und auch fiese) Kommentare hab ich in allen Modellen bekommen, war aber immer absolut chancenlos was z.B. Spezialrotationen angeht. Die Wertschätzung der Alltagsarbeit (denn die Narkosen müssen laufen, auch wenn die Ellbogenfraktion lieber forscht oder Speichel leckt...und wer macht die Arbeit? Genau. Teilzeitmuttis.) ist nur minimal vorhanden bzw. wird nie kommuniziert.
Letztendlich muss man aber auch zugeben, dass ein "hast du gut gemacht" weder meine Rechnungen bezahlt noch mir irgendwas bringt (fürs Ego vielleicht, aber man weiß ja meist selbst ob man es gut gemacht hat oder nicht).
Colourful
13.03.2021, 07:48
@tragezwerg
Aber hast du denn ehrlicherweise Lust auf Schleim und Gelaber? Ich nämlich nicht. Und selbst wenn es keine Wertschätzung vom Chef gibt/gab, meine Arbeitskolleginnen können das schon wertschätzen und das nicht zu knapp.
Highlight war da mal in einer Besprechung mit dem Chef, da meine eine alteingesessene Kollegin, dass das hier ja super klappen würde, wenn ich da wäre, um die Notfälle/Nofallkontakte und Konsile zu machen. Der Chef hat dann gefragt, wer ich denn sei. LOL. War mir aber auch egal, ich habe da wenig Ambition von "alten weißen Männern" gesehen zu werden.
tragezwerg
13.03.2021, 11:21
@tragezwerg
Aber hast du denn ehrlicherweise Lust auf Schleim und Gelaber? Ich nämlich nicht. Und selbst wenn es keine Wertschätzung vom Chef gibt/gab, meine Arbeitskolleginnen können das schon wertschätzen und das nicht zu knapp.
Highlight war da mal in einer Besprechung mit dem Chef, da meine eine alteingesessene Kollegin, dass das hier ja super klappen würde, wenn ich da wäre, um die Notfälle/Nofallkontakte und Konsile zu machen. Der Chef hat dann gefragt, wer ich denn sei. LOL. War mir aber auch egal, ich habe da wenig Ambition von "alten weißen Männern" gesehen zu werden.
Nee, ich kann das gar nicht mit dem Schleimen. Ich hab im Umgang mit Chefärzten und dem ganzen Brimborium immer das Bedürfnis, zu lachen. Diese Typen sind einfach zu absurd, um sie ernst zu nehmen.
Colourful
13.03.2021, 12:46
Eben. Das dachte ich mir doch.
Fairerweise müsste man aber auch anführen, dass Frauen oder gar Mütter mit Karriere oder „guten Jobs“ auch mehr bewundert werden als Männer, da wird ja das wiederum selbstverständlich erwartet.
In einer Studie zum Thema gendergerechte Sprache bei Berufsbezeichnungen kam heraus, dass Kinder (beide Geschlechter) sich typisch männliche Berufe eher zutrauten, wenn sie auch in der weiblichen Form genannt wurden. Typisch männliche Berufe gelten bei Kindern wohl als schwieriger, wichtiger und besser bezahlt. Dementsprechend war auch auffällig, dass Berufsbezeichnungen, sofern sie gendergerecht kommuniziert wurden, bei den Kindern dann als weniger wichtig und schlechter bezahlt galten.
Es gibt noch viel zu tun....
PrinzessinAmygdala
13.03.2021, 16:15
Es gibt noch sehr viel zu tun.
Man wird sich aber wohl oder übel langfristig umstellen müssen in Sachen Familie und Beruf. Es studieren immer mehr Frauen Medizin. Bei mir waren 70-80% der Kommilitonen Frauen. Meine Mit-PJler sind auch in der Mehrzahl weiblich. Wer langfristig seine Stellen besetzt haben möchte, muss umdenken. Es wird nur wieder dauern bis es beim letzten Chef angekommen ist.
Es gibt noch sehr viel zu tun.
Man wird sich aber wohl oder übel langfristig umstellen müssen in Sachen Familie und Beruf. Es studieren immer mehr Frauen Medizin. Bei mir waren 70-80% der Kommilitonen Frauen. Meine Mit-PJler sind auch in der Mehrzahl weiblich. Wer langfristig seine Stellen besetzt haben möchte, muss umdenken. Es wird nur wieder dauern bis es beim letzten Chef angekommen ist.
Alternativ führt man im Sinne einer wirklichen gendergerechten Gleichberechtigung einer Männer-Quote für Medizinstudienplätze ein. Maximal 60:40 Verteilung für ein Geschlecht. Dann löst sich das Problem in ein paar Jahren wieder.
Spaß bei Seite, im Endeffekt wird man im Zweifelsfall einfach noch mehr ausländische Ärzte nach DE holen. Die interessiert Work-Life-Balance und Arbeitszeitschutzgesetzt im Zweifel auch nicht so sehr.
Spaß bei Seite, im Endeffekt wird man im Zweifelsfall einfach noch mehr ausländische Ärzte nach DE holen. Die interessiert Work-Life-Balance und Arbeitszeitschutzgesetzt im Zweifel auch nicht so sehr.
Genau.
Daher werden auch gerne Berufsanfänger genommen, die kennen ihre Rechte nicht. Und ausländische Kollegen stehen unter Erfolgsdruck von zu Hause, kennen ihre Rechte ebenso nicht und lassen sich so alles gefallen.
Dafür fehlt dann das Personal woanders, wo die Ausbildung vom Staat gut bezuschusst wurde.
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