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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gründe und Motivation für eine akademische Karriere



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daCapo
08.06.2021, 17:40
Das solltest du mit deinem Chef besprechen, da kannst du dann gleich den Stand der Weiterbildung ansprechen und wann sie zu Ende ist.

mbs
10.06.2021, 19:36
Der ist ehrlicherweise in der Richtung nicht so wirklich hilfreich. Es soll halt gemacht werden. Bei Bedarf könne ich ja einen der OÄ ansprechen die zuständig sind - sich aber irgendwie nicht zuständig fühlen. Die scheinen manchmal schon den restlichen Kram kaum geregelt zu kriegen den ein OA an einer großen Klinik eben so stemmen muss. Die Hoffnung scheint zu sein, dass sich das irgendwie von selbst erledigt.

anignu
10.06.2021, 23:52
Wichtig in dem Zusammenhang: nicht untätig bleiben. Immer wieder mal mit irgendwelchen Leuten sich besprechen und das entsprechend dokumentieren, oder Mails an die OÄ mit der Bitte um was auch immer schreiben, damit du dokumentieren kannst, dass du was tust.

Ich hab grad ein völlig anderes Problem das der Chef will dass ich bearbeite, es aber einfach nicht geht. Weil es von allen anderen Seiten blockiert wird. Also schreib ich alle ein/zwei Wochen wieder eine Mail in der ich andere Bitte mir den aktuellen Stand mitzuteilen und in dem ich andere Seiten bitte sich zu irgendwas zu äußern. Und nachdem der Chef mich letztens zum Treffen bzgl. des Themas eingeladen hat weil halt nix vorangeht hab ich ihm völlig entspannt zwei Mails weitergeleitet aus denen hervorgeht dass ich ständig dran bin an dem Thema aber völlig ausgebremst werde von anderer Seite. Und zack ist das Thema für mich auf Pause und er kümmert sich drum es über die andere Seite (Geschäftsführung, kaufmännische Leitung etc.) zu machen. Tatsache ist: es war von vornherein Schwachsinn mich auf das Thema anzusetzen weil einfach viel mehr Befehlsgewalt von oben notwendig ist/war die mir in meiner jetzigen Position nicht gegeben ist.

Für mich klingt das was dein Chef will nach einem ähnlichen Schwachsinn. Du sollst als kleines Rädchen im Getriebe was stemmen auf das die OÄ keinen Bock haben, was ohne Unterstützung quasi nicht geht und das dann noch ohne dass du dir Hilfe von denen holen darfst die es regelmäßig machen. Viel Spaß.
Und wieder mal zeigt sich dass man dem Chef nicht immer zeigen darf was man alles kann ;-)

davo
11.06.2021, 05:38
Du sollst also, ohne dass du eine Ahnung hast, ohne dass du Unterstützung bekommst, aus dem Nichts heraus tolle wissenschaftliche Ergebnisse herbeizaubern. Das kann nicht funktionieren. Lass es sein. Nutze deine Zeit für sinnvollere Dinge.

mbs
11.06.2021, 18:52
Problem ist auch, dass bislang gar keine Unterschriften oder Aufklärungen zur Datenauswertung bei den Patienten gemacht wurden. Und ein Teil der Daten irgendwo in der zugrundeliegenden Datenbank des KIS rumgeistert; in der vorhandenen Exceltabelle ist nicht viel Verwertbares dokumentiert. Die Fragestellung ist auch reichlich diffus. Ich soll die vermutlich umformulieren oder präzisieren, je nachdem welche Fragestellung eben "gut" ist. Der Datenschutzbeauftragte reagiert kaum, selbst wenn man anruft. Theoretisch müsste auch ein Ethikvotum von der ÄK eingeholt werden. Was aber nur geht wenn man die Aufklärungen hat und eine Art Beobachtungsstudie aufsetzt. Das wäre aber ein Zusatzzettel und eine Zusatzbelastung fürs Team, sprich die Fußabtreter die die Ambulanz und Station bedienen müssen.

davo
11.06.2021, 19:14
Klingt alles nach einem schönen Lehrbeispiel dafür, wie man Forschung nicht machen soll.

mbs
11.06.2021, 19:36
Es gibt so vieles das eigentlich nicht gemacht werden sollte. Und dennoch gemacht oder gefordert wird weil es eben gemacht werden "soll"...

davo
12.06.2021, 06:30
Da muss man halt frühzeitig nein sagen. Je länger man da mitspielt, desto mehr Probleme macht man sich.

Aber in deiner Situation ist das ja ganz anders. Du hast ja offenbar überhaupt keinen Druck, da mitzumachen, sondern es ist lt. deinem ursprünglichen Beitrag vom 07.05.2021 DEIN Wunsch, weil du dir erhoffst, so aus der Klinik rauszukommen. Ich finde übrigens auch diese Hoffnung fehlangebracht. Aus meiner Sicht willst du, aus eigenem Antrieb heraus, etwas machen, was wissenschaftlich nicht seriös ist, was eine Erfolgswahrscheinlichkeit nahe null hat, weil du dir erhoffst, damit etwas zu erreichen, was du damit, selbst wenn du es schaffen würdest, wahrscheinlich gar nicht erreichen könntest. Ich halte deshalb dieses komplette Unterfangen für völlige Zeitverschwendung.

Überleg dir zuerst einmal mal, was du überhaupt willst. Ein anderes Fach mit dem du dich leicht niederlassen kannst (z.B. Allgemeinmedizin), ein anderes Fach mit wenig Patientenkontakt (z.B. Pathologie), die Pharmaindustrie, etc. Und dann überlegst du dir, wie du dort am besten hinkommst. Für Allgemeinmedizin könntest du ja z.B. einfach, für maximale Flexibilität, deinen aktuellen Facharzt abschließen und dann in zwei Jahren den Quereinstieg machen, in einem Fach wie Patho oder Radio könntest du dich einfach bewerben, dasselbe in der Pharmaindustrie. Ein wissenschaftliches Projekt, noch dazu ein sehr schlecht konzipiertes ohne jegliches Vorwissen und ohne jeglichen institutionellen Support, bringt dir IMHO für keines dieser Ziele etwas.

urinbeutel
12.06.2021, 10:17
Da muss man halt frühzeitig nein sagen. Je länger man da mitspielt, desto mehr Probleme macht man sich.

Aber in deiner Situation ist das ja ganz anders. Du hast ja offenbar überhaupt keinen Druck, da mitzumachen, sondern es ist lt. deinem ursprünglichen Beitrag vom 07.05.2021 DEIN Wunsch, weil du dir erhoffst, so aus der Klinik rauszukommen. Ich finde übrigens auch diese Hoffnung fehlangebracht. Aus meiner Sicht willst du, aus eigenem Antrieb heraus, etwas machen, was wissenschaftlich nicht seriös ist, was eine Erfolgswahrscheinlichkeit nahe null hat, weil du dir erhoffst, damit etwas zu erreichen, was du damit, selbst wenn du es schaffen würdest, wahrscheinlich gar nicht erreichen könntest. Ich halte deshalb dieses komplette Unterfangen für völlige Zeitverschwendung.

Überleg dir zuerst einmal mal, was du überhaupt willst. Ein anderes Fach mit dem du dich leicht niederlassen kannst (z.B. Allgemeinmedizin), ein anderes Fach mit wenig Patientenkontakt (z.B. Pathologie), die Pharmaindustrie, etc. Und dann überlegst du dir, wie du dort am besten hinkommst. Für Allgemeinmedizin könntest du ja z.B. einfach, für maximale Flexibilität, deinen aktuellen Facharzt abschließen und dann in zwei Jahren den Quereinstieg machen, in einem Fach wie Patho oder Radio könntest du dich einfach bewerben, dasselbe in der Pharmaindustrie. Ein wissenschaftliches Projekt, noch dazu ein sehr schlecht konzipiertes ohne jegliches Vorwissen und ohne jeglichen institutionellen Support, bringt dir IMHO für keines dieser Ziele etwas.

Wahr Worte, die man sehr ernst nehmen sollte. Man sollte sich immer fragen, warum man etwas tut.
So wie das klingt, kann es praktisch gesehen einfach nicht gut gehen. Infrastruktur ist in der Forschung einfach alles.
Das heißt, wenn du auf eigene Faust alles machst, arbeitest du mit einem sehr schlechten Verhältnis von Aufwand und Ergebnis.
Und wenn man nach der Pfeife vom Chef tanzt, denkt man, man erlangt seine Gunst, an Ende gerät man jedoch in die Gefahr der offizielle Arbeitsesel zu werden.

daCapo
12.06.2021, 12:00
Davo, Anignu und Urinbeutel haben Recht. Insbesondere die fehlende Unterstützung ist hier das Hauptmanko. Dieses Forum ist nicht geeignet dafür Ersatz zu bieten.
Sinnvoller wäre es sich auf den Abschluss einer Weiterbildung zu konzentrieren anstatt seine Zeit mit Forschung ohne Unterstützung hochwahrscheinlich zu vergeuden.

mbs
13.06.2021, 21:52
Es lief so, dass der Chef das wollte, und ich es eigentlich gut fand weil ich mir erhoffte wieder in die Dinge reinzufinden die mir den Weg Richtung "Alternativen zur Klinik" ebnen könnten. Sonst hätte ich vermutlich gleich dankend abgelehnt oder meine Position klarer gestellt. Ehrlicherweise habe ich eben deshalb auch eine nach wie vor ambivalente Haltung dazu. Tendiere aber immer mehr dazu eher ein anderes Fachgebiet als Alternative anzustreben denn einen wirklichen Quereinstieg in eine andere Branche versuchen zu wollen. Insofern ist es mittlerweile tatsächlich so, dass jegliche Form von paraklinischer Ambition mit nicht allzu viel intrinsischer Motivation verbunden ist. Nur mit extrinsischer Erwartungshaltung von oben.

daCapo
13.06.2021, 23:09
Wichtig wäre es zeitnah eine Entscheidung zu finden, und weder seine Zeit in der unpassenden Weiterbildungsstelle noch in wenig zielführender Forschung ohne Ansprechpartner zu verschwenden

mbs
17.06.2021, 20:12
Solange man aber noch keine Alternative hat sollte man sich wohl auch nicht zu sehr querstellen. Und wie gesagt, vielleicht wäre es auch positiv sofern man einen Quereinstieg in was anderes erwägt.

daCapo
17.06.2021, 23:14
Musst du für dich selbst entscheiden. Nur um die Zeit ist es schade.

mbs
18.06.2021, 22:26
Nicht nur das ist Zeitverschwendung - bei weitem nicht...

daCapo
19.06.2021, 10:07
Ja, dann umsomehr ein Argument für eine Veränderung.

npspammer
07.02.2022, 16:14
Liebe Forengemeinde,

ich hole den alten Thread noch einmal mit einer Frage hoch. Ab wann ist man eurer Einschätzung nach zu alt für den Start/das Fortsetzen einer akademischen Karriere? Ich bin aktuell 32 J, stehe vor einem Fachrichtungswechsel (im aktuellen Fach forscherisch wenig gemacht) und habe bislang zwei Erstautorenschaften in meinem alten Fachgebiet. Wäre es vielleicht sinnvoll mich mit der klinischen Erfahrung direkt auf eine PhD Stelle zu bewerben, z.B. auch in der Industrie oder an einem reinen Forschungsstandort? Oder sind diese Stellen sehr kompetitiv?

Motivation: ich will längerfristig gesehen weg aus der Patientenversorgung (stationär und ambulant) und in die Pharmaindustrie mit Facharzt und ggf. Habil. Danke für die Einschätzung.

RussianAngel
07.02.2022, 21:14
Also ich denke, dass man nie zu alt für eine "akademische Karriere" ist. Natürlich hängt es davon ab, wie man das definiert. Das einzige was einem beim Alter im Weg stehen könnte:
- Altersbegrenzungen bei Habilitationen oder Drittmittel an manchen Unis/an manchen Stiftungen
- Preise etc. haben auch meist eine Altersbegrenzung
- das scheint mir aber der wichtigste Punkt: überambitionierte, sehr engstirnige und steife Chefs, die einen ab einem bestimmten Alter weniger fördern oder sich eben bedroht fühlen, falls man im ähnlichen Alter selber ist wie der Chef

Ansonsten kannst Du ja auch ja auch mit Rentenalter forschen, solange Du Dein Plätzchen findest/erarbeitet hast.
Dies ist meine etwas naive Sicht der Dinge, vielleicht kann jemand auch was anderes berichten. Bis jetzt hatte ich stets das Gefühl, dass alle Chefs bei forschungswilligen aufblühen und sowieso tausende Projekte nebenher haben, für die nie genug Leute da sind (an grossen Unikliniken mindestens, wo ich meist unterwegs war).