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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hohe Dienstbelastung Radiologie, alternative Berufswahl?



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sioux25
20.06.2021, 10:08
Ich habe generell kein Problem mit Diensten. Man lernt selbstständig zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen. Allerdings darf das Ausmaß meiner Meinung nach nicht zulasten der eigenen Gesundheit bzw der das Patienten gehen. Ich denke langfristig und letztendlich hat man nur eine Gesundheit und einen Körper, der nur zu einem gewissen Grad belastet werden kann, wenn man frühzeitigen Burnout vermeiden möchte.

sioux25
20.06.2021, 10:10
@Sim 85: Radiologie ist wie gesagt Stand jetzt mein Favorit. Bin gerne an deiner expliziten Meinung interessiert ;)

davo
20.06.2021, 10:22
Das Fach scheint dich zu begeistern. Bist du dir sicher, dass es in deiner Gegend nicht eine andere Radiologie mit einem besseren Dienstmodell und/oder besseren Arbeitsbedingungen gibt? Mit Strahlenmedizin hast du viel weniger geographische Flexibilität als mit Radiologie. Und auch die Arbeitsmedizin ist ein deutlich kleineres Fach als die Radiologie. Nur deswegen zu wechseln, halte ich für riskant. Vielleicht gefällt dir am neuen Fach dann ja irgendwas anderes nicht. Vielleicht möchtest oder musst du in zehn Jahren umziehen. Etc.

Sim85
20.06.2021, 10:32
Ich bin seit 3 Jahren Facharzt und hab das Problem, dass ich an meiner derzeitigen Stelle nicht weiterkomme und regional auch keine gute Alternative in einer Praxis finde. Die Dienstsituation hat sich über die Jahre aus verschiedenen Gründen verschärft, das scheint fast überall der Fall zu sein. Kleine Häuser finden keine WBAs mehr, an den großen Häusern werden immer mehr Aufgaben übernommen (z.B. Tele-Rad), die sich in der Dienstbelastung widerspiegeln.
Die Arbeit in der Praxis ist über die Jahre auch nicht mehr so attraktiv geblieben, wie sie mal war. Jedenfalls erzählen das die Kollegen, mit denen ich noch in Kontakt bin. Die Arbeitsbelastung ist enorm, soviel kann ich aus Praxisvertretungen berichten, oft gibt es keine geregelten Arbeitszeiten und u.U. findet man sich auch zur Teilnahme an irgendwelchen Tele-Rad-Diensten verpflichtet.

Es mag irgendwo auch bessere Arbeitsbedingungen geben, aber ich kann mich momentan zumindest nicht bundesweit bewerben.

Ich habe mir ein paar Exit-Strategien überlegt, kann dazu in Kürze berichten.

daCapo
20.06.2021, 11:06
Möglicherweise ein regionales Problem, wenn tatsächlich nix frei ist.

Ich kenne nur Leute, die in Praxen entweder in der Stadt oder im Umland festangestellt sind. Ja, da muss man mehr Untersuchungen schauen als in der Klinik. Das wussten alle vorher. Man kann in der Regel auch nicht die Untersuchungen für den nächsten Tag liegen lassen oder sowas an Kollegen abtreten, um pünktlich in den Feierabend zu kommen.
Dafür hat man ein gutes Auskommen und keine Nachtdienste. Es ist unüblich nochmals von der Praxis in die Klinik zurückzugehen.

Sim85
20.06.2021, 11:12
Wenn du deinem Fach grundsätzlich treu bleiben willst, wäre eine Zusatzausbildung in NUK zu überlegen- das eröffnet neue Perspektiven und verbessert im ungünstigsten Fall zumindest deinen Marktwert. Weiterbildungszeit ist in den meisten Bundesländern 2 Jahre, das erscheint machbar. Strahlentherapie wäre eine realistische Alternative mit vielen Berühungspunkten zur RAD, ist allerdings nicht jedermanns Sache.

Wie in meinem Thread vor ein paar Wochen zu lesen war, wäre für den Fall, dass man der Patientenversorgung den Rücken kehren will, der MDK ein potentiellen Arbeitgeber, dafür wäre aber wohl eine Facharztbezeichnung notwendig. Wenn man grundsätzlich die Arbeit in einer Behörde in Betracht zieht, käme auch eine Bewerbung im öffentlichen Gesundheitswesen in Betracht (momentan sehr gesucht), wobei ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte, wie die Einstiegschancen als Radiologe wären.

Last but not least wäre auch ein Umsatteln auf Allgemeinmedizin denkbar, kenne aus meinem näheren Umfeld mehrere radiologische Weiterbildungskollegen, die den Schritt gewagt haben und nicht unzufrieden sind.

Arbeitsmedizin ist eine Option über die ich mir noch nicht soviele Gedanken gemacht habe, ist meine ich nicht so gut für einen Quereinsteiger, da läuft der Weg wohl über die internistische Weiterbildung.

McLaren422
20.06.2021, 11:36
Nein ich bin nicht in Karlsruhe ;)

Karlsruhe is auch nicht Schwarzwald. Ich meinte eine große kommunale Klinik in einer Doppel-Stadt im Schwarzwald. ;)

daCapo
20.06.2021, 11:46
V.-S.

sioux25
20.06.2021, 11:47
@Sim85:
ich sehe, wir haben ähnliche Gedankengänge bezüglich alternative Wege.
Allgemeinmedizin habe ich früher immer ausgeschlossen für mich, mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so unattraktiv. Man kann in eine (eigene) Praxis, sich seine Nische mt Weiterbildungen suchen und hat keine Dienstbelastung. Und hat medizinisch einen weiten Überblick.
Sogar MDK, Facharzt für Hygiene und öffentliches Gesundheitswesen habe ich mir schon angesehen. Leider noch keine Erfahrungsberichte über das Arbeiten dort und die Einstiegsschancen als Radiologen erhalten können.
Arbeitsmedizin sehe ich auch eher als weitere Option nach einer allgemeinmedizinischen Grundausbildung an.

Insgesamt leider traurig, dass wenn man regional unflexibel ist, Interesse am Fach allein nicht reicht, um zufrieden bei guter work-life-balance arbeiten zu können.
Mein Plan ist, mich erst mal in einem radiologischen Praxisnetzwerk in der Region zu bewerben (hier auch teleradiologische Dienste, unterschiedliche Arbeitsstandorte): Frage ist, wie sinnvoll der Einstieg in die Praxis im frühen Stadium als Radiologe? Gerne Feedback dazu von euch.

Falls das nicht klappt, probiere ich es mit der Strahlenmedizin bzw. Allgemeinmedizin, der Einstieg hier ist stellenmäßig ja immer möglich.

ehem-user-25-04-2022-1131
20.06.2021, 12:07
...Last but not least wäre auch ein Umsatteln auf Allgemeinmedizin denkbar, kenne aus meinem näheren Umfeld mehrere radiologische Weiterbildungskollegen, die den Schritt gewagt haben und nicht unzufrieden sind...

Hast du da evtl. mehr Informationen zu ? Denke gerade schon länger über einen solchen Schritt nach - auch aus einem fachlichen Interesse heraus. Falls das OK wäre könnte man ja vl sogar einen Kontakt zu den Kollegen herstellen...

Sim85
20.06.2021, 13:42
@sioux25: mein persönlicher Rat wäre, frühestens als fortgeschrittener WBA in die Praxis zu gehen und auf alle Fälle die Schwerpunkte mitzunehmen, die in der praxis unterrepräsentiert sind (v.a. Angio). Als FA hat man eine bessere Verhandlungsposition; selbstständiges Arbeiten wird in der Praxis erwartet. Dass einem die Befunde supervidiert werden, darf man nicht erwarten.
@watchmerise: konkrete Fragen kann ich ggf. weiterleiten, habe aktuell zu beiden nicht mehr soviel Kontakt. Einen Teil deiner RAD-Weiterbildungszeit wird man dir auch auf Allgemeinmedizin anrechnen können, ob man die Ausbildung ganz ohne 1-2jährige Tätigkeit als Stationsarzt in der Inneren angerechnet bekommt, wage ich eher zu bezweifeln, habe allerdings schon von Kollegen gehört, die sich als Quereinsteiger in einer Hausarztpraxis haben anstellen lassen (meines Wissens ohne größere internistische Vorerfahrung).

mbs
20.06.2021, 21:44
Man hört oft, dass man als AiW in der Allgemeinmedizin so schlecht verdienen würde. Wie sind da eure Erfahrungen? Ist das relativ einheitlich geregelt (so wie die Tarifverträge an Kliniken) oder gibt es riesige Unterschiede zwischen verschiedenen Praxen? Und bringen Zusatzweiterbildungen wie Manuelle Medizin oder ähnliches finanzielle Vorteile?

urinbeutel
20.06.2021, 22:14
wer sagt denn das mit dem schlechten Verdienst. Kenne es in der Regel so, dass man die 5000 Euro Förderung bekommt und in manchen Fällen der Praxisinhaber noch was drauflegt. Hab jetzt schon von der Konstellation 6500 Euro bei 75% Stelle gehört. Wird aber wohl von Ort zu Ort unterschiedlich sein.

daCapo
20.06.2021, 22:38
muss wohl unterschiedlich sein je nach Praxis und Region, gut dass die Weiterbildung irgendwann mal endet

davo
21.06.2021, 06:26
Ja, es gibt große Unterschiede je nach Praxis und Region. Oft ist die Bezahlung aber sehr gut. Dafür reicht es schon, 45min von der nächsten Großstadt entfernt zu sein - wo man dann i.d.R. auch ein viel interessanteres Spektrum hat.

Abiturient2010
21.06.2021, 13:55
Sehr interessanter Thread, die Problematik betrifft mich auch.

Ich bin mittlerweile fortgeschrittener Radio-Assi und habe auch schon an mehreren Stellen die Problematik der schlechten bis katastrophalen Arbeitsbedingungen miterlebt (unter anderem bis zu 10x 24h Dienst im Monat).

Wie auch schon erwähnt wurde, läuft es auch in Praxen nicht (mehr) so rosig, hier gibt es eine enorme Arbeitsverdichtung, einhergehend mit ebenfalls schlechten Arbeitsbedingungen.

Weder in meinen verschiedenen Stellen in der Region noch von Bekannten bei (quasi allen noch übriggebliebenen) anderen radiologischen Arbeitgebern in der Gegend habe ich von auch nur annähernd akzeptablen Arbeitsbedingungen erfahren.

Obwohl mir das Fach liegt, es mich sowohl theoretisch als auch praktisch interessiert, ich aber mittlerweile nicht mehr örtlich flexibel bin, habe ich nun den Entschluss zum mittelfristigen Fachwechsel gefasst und werde nach dem Radio-FA (den ich in den nächsten 12 Monaten erlangen sollte) den Wechsel zurück in die direkte Patientenversorgung mit längerfristigem Ziel FA Allgemeinmedizin (ggf. mit ZB Betriebsmedizin) wagen.

daCapo
21.06.2021, 19:25
10x 24h ist viel zu viel, bisher noch nicht gehört von den Kollegen der Uniklinik.

Das mit der hohen Schlagzahl im Vergleich zur Klinik in der Praxis war vor ca . 10 Jahren so. Manchmal mal auch das Motto Quantität vor Qualität, was sich in so manchen Befund von extern widerspiegelt (es gibt natürlich auch Praxen mit Guter Qualität... Mal so und Mal so) .

ehem-user-25-04-2022-1131
21.06.2021, 19:30
Sehr interessanter Thread, die Problematik betrifft mich auch.

Ich bin mittlerweile fortgeschrittener Radio-Assi und habe auch schon an mehreren Stellen die Problematik der schlechten bis katastrophalen Arbeitsbedingungen miterlebt (unter anderem bis zu 10x 24h Dienst im Monat).

Wie auch schon erwähnt wurde, läuft es auch in Praxen nicht (mehr) so rosig, hier gibt es eine enorme Arbeitsverdichtung, einhergehend mit ebenfalls schlechten Arbeitsbedingungen.

Weder in meinen verschiedenen Stellen in der Region noch von Bekannten bei (quasi allen noch übriggebliebenen) anderen radiologischen Arbeitgebern in der Gegend habe ich von auch nur annähernd akzeptablen Arbeitsbedingungen erfahren.

Obwohl mir das Fach liegt, es mich sowohl theoretisch als auch praktisch interessiert, ich aber mittlerweile nicht mehr örtlich flexibel bin, habe ich nun den Entschluss zum mittelfristigen Fachwechsel gefasst und werde nach dem Radio-FA (den ich in den nächsten 12 Monaten erlangen sollte) den Wechsel zurück in die direkte Patientenversorgung mit längerfristigem Ziel FA Allgemeinmedizin (ggf. mit ZB Betriebsmedizin) wagen.

Würde dir gerne eine PN schreiben falls das ok wäre. Bin an einem fachlichen Austausch interessiert :)

GelbeKlamotten
22.06.2021, 06:11
10x 24h ist viel zu viel, bisher noch nicht gehört von den Kollegen der Uniklinik.

Das mit der hohen Schlagzahl im Vergleich zur Klinik in der Praxis war vor ca . 10 Jahren so. Manchmal mal auch das Motto Quantität vor Qualität, was sich in so manchen Befund von extern widerspiegelt (es gibt natürlich auch Praxen mit Guter Qualität... Mal so und Mal so) .

10 24h dienste im Monat gibt es logischerweise nicht an ner uniklinik, sondern an einem kleinen haus, in dem es dann offensichtlich nur 3 dienstfähige kollegen gab.

Dementsprechend nehme ich an war dann aber die Arbeitsbelastung im Dienst vermutlich auch recht erträglich. Könnte sogar (finanziell) attraktiv sein, wenn Bereitschaftsdienst mit sehr wenig Einsätzen, aber keine Rufbereitschaft.

daCapo
22.06.2021, 09:05
Er schreibt katastrophale Arbeitsbedingungen, wahrscheinlich war die Belastung dann doch nicht so niedrig, aber kann der Autor wahrscheinlich besser selbst beantworten.