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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chronisch krank als Arzt



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Kackbratze
15.07.2021, 23:04
Diese "Quote" wird durch gezielte Auswahl von Schwerbehinderten oder gezielte Zahlung von Strafen konterkariert.

Nur für mich zum Verstehen, wer kennt hier eigentlich die tatsächliche Gesetzeslage oder die Strukturen bei Vorstellungsgesprächen oder Stellenbesetzungen? Und wer redet hier bloss Kram, von dem er meint, dass er stimmt?

Per Gesetz ist man nur verpflichtet medizinische Befunde beim Vorstellungsgespräch anzugeben, die die tatsächliche Tätigkeit einschränken, d.h. zum Beispiel die o.g. Epilepsie, körperliche Einschränkungen.
Eine chronische Erkrankung die nicht die Arbeitsfähigkeit einschränkt muss nicht genannt werden, z. B. gut eingestellter Diabetes mellitus, Multiple Sklerose ohne Einschränkung.

Man kann vor der Bewerbung Kontakt zum Schwerbehindertenbeauftragten aufnehmen, wenn man klären will, ob man überhaupt für die Stelle geeignet ist (z. B. Rollstuhlfahrer).

Letztendlich scheinen hier im Thread nur vermehrte Arzttermine die Sorge zu sein. Was das anbetrifft, ist man nicht verpflichtet dies bei der Bewerbung anzugeben.

Die Entscheidung ob und was beim Vorstellungsgespräch angegeben wird, kann ich nicht für den Threadersteller beantworten, ich persönlich würde es auf den Kontext des gesamten Gespräches ankommen lassen. Wenn es passt und man dem Gegenüber genug Vertrauen entgegen bringt, kann man es anbringen. Dann kann das auch positiv gewertet werden. Es ist eine Entscheidung die ich von dem gesamten Gesprächsverlauf abhängig machen würde.

Nefazodon
15.07.2021, 23:16
Die Entscheidung ob und was beim Vorstellungsgespräch angegeben wird, kann ich nicht für den Threadersteller beantworten, ich persönlich würde es auf den Kontext des gesamten Gespräches ankommen lassen. Wenn es passt und man dem Gegenüber genug Vertrauen entgegen bringt, kann man es anbringen. Dann kann das auch positiv gewertet werden. Es ist eine Entscheidung die ich von dem gesamten Gesprächsverlauf abhängig machen würde.

:-meinung

Danke für diesen Post. Seh ich genauso.

GelbeKlamotten
15.07.2021, 23:21
Es gibt aber auch eine Mindestquote für schwerstbehinderte Arbeitnehmer falls die nicht erfüllt ist, sollte man nochmal bessere Chancen haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Erfüllung dieser Quote im Interesse des Arbeitgeber liegt.

Hinzukommt, dass bei sehr beliebten Stellen eh strukturierte Interviews durchgeführt werden, da ist es dann nicht so einfach zu sagen: "Gesicht passt nicht", ich weiß aber nicht wie üblich das ist. Bei Professuren zbs. aber ziemlich sicher.


Hast du dir mal angeschaut, wie "hoch" die Strafzahlungen/Ausgleichsabgaben sind, die geleistet werden müssen, wenn man die Quote nicht erfüllt? Und dann denkst du ernsthaft, dass man deswegen ausgerechnet bei ärztlichen Mitarbeitern bevorzugt Schwerbehinderte einstellen möchte? Um einen möglicherweise nur halb arbeitsfähigen und/oder nie dienstfähigen, dafür aber kaum kündbaren Assistenzarzt in der Abteilung zu haben, damit man 100-300 Euro spart? :-oopss Allein schon die 5 Tage mehr Urlaub, die einem als Schwerbehinderter zustehen, sind für das Krankenhaus u.U. teurer als das.

Da gibt es wesentlich attraktivere Möglichkeiten, die Quote zu erfüllen und zusätzlich von diversen Fördergeldern zu profitieren, was von einigen Krankenhäusern auch ausgiebig genutzt wird.

Und ich würde vorschlagen den zweiten Teil deines Posts vergessen wir einfach wieder.

ProximaCentauri
15.07.2021, 23:37
Hier, ich habe auch einen Morbus Crohn, der ist aber mehr oder weniger aktiv.

Ich habe es in den Vorstellungsgesprächen nie thematisiert, aber auf Arbeit gehe ich ganz offen damit um, einfach weil es einen relevanten Anteil von meinem Leben ausmacht, und ich das schlicht nicht verstecken kann und will. Ich habe bisher eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, und bisher (bis auf etwa 2 Arbeitskollegen) auch keine Probleme bekommen. Ist halt so, dass ich manchmal ausfalle, oder eben zu einem Termin muss, etc., das ist alles irgendwie machbar.
Aktuell arbeite ich im Schichtbetrieb, da lege ich die Termine halt auf die freien Zeiten, als ich "normal" gearbeitet habe, war ich halt eben ab und zu weg, jemand der Kollegen hat meinen Sucher gebabysittet. Das geht alles, weils halt einfach sein muss. Da lasse ich dann auch nicht mit mir diskutieren, die Gesundheit geht vor, und das hat bisher auch noch quasi jeder verstanden.

Absolute Arrhythmie
16.07.2021, 05:26
Ich bin zu meinem Vorstellungsgespräch zu meiner jetzigen Stelle ca. zwei Wochen nach meiner dritten Augen-OP, mit knallrotem blutunterlaufenen Auge hingegangen. Vom Visus her war ich zu dem Zeitpunkt funktionell einäugig und hatte kein räumliches Sehen.
Ich wurde nicht gefragt warum ich so bescheuert aussehe, und ich hab auch nichts gesagt. Und hab die Stelle bekommen.
Noch in der Probezeit musste ich nochmal operiert werden und bin mehrere Wochen ausgefallen. Da hab ich dann den leitenden Oberarzt eingeweiht und sehr positive Unterstützung bekommen. Aber da wusste auch schon jeder dass ich trotz der "Behinderung" uneingeschränkt arbeiten kann.
Ich musste in der Anfangszeit auch häufig zum Arzt. Dafür musste ich mir auch alle paar Wochen frei nehmen, weil man in der Uni-Augenklinik den halben Tag warten kann. Das war auch nie ein Problem.
Kommt also ziemlich auf die Situation und auf die Abteilung an, würde ich sagen.
VOR der Einstellung hätte ich persönlich jedenfalls von mir aus gar nichts gesagt.

Cingulum123
16.07.2021, 10:18
Es gibt aber auch eine Mindestquote für schwerstbehinderte Arbeitnehmer falls die nicht erfüllt ist, sollte man nochmal bessere Chancen haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Erfüllung dieser Quote im Interesse des Arbeitgeber liegt.

Hinzukommt, dass bei sehr beliebten Stellen eh strukturierte Interviews durchgeführt werden, da ist es dann nicht so einfach zu sagen: "Gesicht passt nicht", ich weiß aber nicht wie üblich das ist. Bei Professuren zbs. aber ziemlich sicher.

Darf ich fragen, ob du schon Bewerbungsgespräche als Ärztin hattest? Strukturierte Interviews sind in der freien Wirtschaft Gang und Gebe. In der Medizin hab ich sowas noch nicht erlebt oder gehört. Es werden in der Regel lose Gespräche geführt, Rundgänge durchs Haus, usw.

Ich würde eine chronische Erkrankung vorher auch tunlichst verschweigen. Du bist erstmal ein fremder Mensch als Bewerber, man kennt dich nicht. Niemand kann dich einschätzen und jeder würde das Risiko von potentiell zu übernehmenden Diensten und der höheren Dienstlast sehen und fürchten.

In meiner Abteilung dürfen wir mit abstimmen, welchen Bewerber wir möchten und regelmäßig nehmen wir bei gleicher Sympathie den Mann statt die Frau, denn „die will bestimmt bald ein Kind“. Auch ich, als Frau, kann mich davon nicht freisprechen. Ich habe lieber weniger Dienste als mehr, weil mich einfach Dienste zermürben. Als neuen Kollegen wünsche ich mir also niemanden, der die Dienstmenge für mich selber steigert. Wir stellen durchaus Frauen ein, aber wenn Auswahl besteht ist es häufiger der Mann. Wir haben alle noch böse die Zeiten von 40% Schwangeren im Vordergrund in Erinnerung. Man denkt da eher an sich selber als an den fremden Bewerber, der vielleicht nett wirkt, aber eben das Risiko von Mehrarbeit für alle anderen birgt.

Wenn mir jetzt ein Kollege nach einer Weile von seiner Erkrankung berichten würde, würde ich ihm auch niemals übel nehmen das „verschwiegen„ zu haben und wenn sich einer bewährt hat, dann sind auch Ausfälle usw was, was man als Team gemeinsam trägt ohne es übel zu nehmen.

Citrafleet
16.07.2021, 11:06
Hier, ich habe auch einen Morbus Crohn, der ist aber mehr oder weniger aktiv.

Ich habe es in den Vorstellungsgesprächen nie thematisiert, aber auf Arbeit gehe ich ganz offen damit um, einfach weil es einen relevanten Anteil von meinem Leben ausmacht, und ich das schlicht nicht verstecken kann und will. Ich habe bisher eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, und bisher (bis auf etwa 2 Arbeitskollegen) auch keine Probleme bekommen. Ist halt so, dass ich manchmal ausfalle, oder eben zu einem Termin muss, etc., das ist alles irgendwie machbar.
Aktuell arbeite ich im Schichtbetrieb, da lege ich die Termine halt auf die freien Zeiten, als ich "normal" gearbeitet habe, war ich halt eben ab und zu weg, jemand der Kollegen hat meinen Sucher gebabysittet. Das geht alles, weils halt einfach sein muss. Da lasse ich dann auch nicht mit mir diskutieren, die Gesundheit geht vor, und das hat bisher auch noch quasi jeder verstanden.

Hui, na danke erstmal für eure Gedanken und eure Antworten.
@ProximaCentauri, danke, dein Beitrag hat mir schonmal etwas Mut gemacht.
Ich denke nicht, dass ich meine Erkrankung schon im Vorstellungsgespräch offenlegen werde, denn wie gesagt, der Crohn ist jetzt seit einiger Zeit in Remission und ich hatte zum Glück auch im PJ keine Probleme. Natürlich habe ich aber keine Glaskugel, die mir sagen kann, ob oder wann ich wieder einen Schub bekomme. Aber die hat ja niemand.
Es geht mir, wie von einigen hier vermutet, wirklich eher um die Arzttermine. Im PJ konnte man ja eher sagen "Ich muss heute wirklich pünktlich bzw. 10 Minuten früher gehen", ich denke einfach gerade in der Anfangszeit kommt das nicht so gut an, wenn man vielleicht noch Arbeit liegenlässt.
Dazu kommt, dass meine jetzigen Ärztinnen (sowohl Hausärztin als auch Gastro) recht unflexibel sind, bzw. eher die Sprechstundenhilfen. Und man eben trotz Termin oft noch lange wartet. Dazu kommt - und das sind eben die kleinen Feinheiten die eher chronisch Kranke erleben - dass man recht viel Lauferei hat, jedes Quartal Überweisung, Rezept, dann ggf. nochmal irgendeinen Mangel, der substitutiert werden muss, Medikamente die die Apotheke gerade nicht vorhält etc. Sind natürlich alles Kleinigkeiten, aber für jede dieser Sachen muss man wieder irgendwo hinfahren, ggf. wieder warten. Und da wäre meine Frage, wie ihr (chronisch kranken) das so geregelt bekommen habt.

Meine Strategie wäre jetzt auch erstmal zu zeigen, dass ich genauso mitarbeite wie alle anderen und keinen "Freifahrtsschein" will, aber wenn ich wirklich krank werde, ist das leider so. Sich im Studium mit Fieber in ein sinnloses, anwesenheitspflichtiges Blockseminar zu schleppen fand ich auch schon ziemlich ätzend.

roxolana
16.07.2021, 17:08
Zum Thema Medikamente: Mittlerweile bestelle ich das meiste in der Onlineapotheke per Arztausweis auf eigene Kosten. Bei Biologika wär mir das zu teuer, aber meine Medikamente kosten maximal 50 Euro und wenn ich die Fahrerei + Wartezeit in der Praxis mit meinem Arztgehalt in der verschwendeten Zeit gegenrechne, dann lohnt es sich wegen der 50 Euro eher nicht, nur für das Rezept zur Praxis zu dackeln.

anignu
16.07.2021, 22:51
@roxolana: kann das die Kasse nicht übernehmen? Hast du mal nachgefragt?

ProximaCentauri
18.07.2021, 14:21
Hui, na danke erstmal für eure Gedanken und eure Antworten.
@ProximaCentauri, danke, dein Beitrag hat mir schonmal etwas Mut gemacht.
Ich denke nicht, dass ich meine Erkrankung schon im Vorstellungsgespräch offenlegen werde, denn wie gesagt, der Crohn ist jetzt seit einiger Zeit in Remission und ich hatte zum Glück auch im PJ keine Probleme. Natürlich habe ich aber keine Glaskugel, die mir sagen kann, ob oder wann ich wieder einen Schub bekomme. Aber die hat ja niemand.
Es geht mir, wie von einigen hier vermutet, wirklich eher um die Arzttermine. Im PJ konnte man ja eher sagen "Ich muss heute wirklich pünktlich bzw. 10 Minuten früher gehen", ich denke einfach gerade in der Anfangszeit kommt das nicht so gut an, wenn man vielleicht noch Arbeit liegenlässt.
Dazu kommt, dass meine jetzigen Ärztinnen (sowohl Hausärztin als auch Gastro) recht unflexibel sind, bzw. eher die Sprechstundenhilfen. Und man eben trotz Termin oft noch lange wartet. Dazu kommt - und das sind eben die kleinen Feinheiten die eher chronisch Kranke erleben - dass man recht viel Lauferei hat, jedes Quartal Überweisung, Rezept, dann ggf. nochmal irgendeinen Mangel, der substitutiert werden muss, Medikamente die die Apotheke gerade nicht vorhält etc. Sind natürlich alles Kleinigkeiten, aber für jede dieser Sachen muss man wieder irgendwo hinfahren, ggf. wieder warten. Und da wäre meine Frage, wie ihr (chronisch kranken) das so geregelt bekommen habt.

Meine Strategie wäre jetzt auch erstmal zu zeigen, dass ich genauso mitarbeite wie alle anderen und keinen "Freifahrtsschein" will, aber wenn ich wirklich krank werde, ist das leider so. Sich im Studium mit Fieber in ein sinnloses, anwesenheitspflichtiges Blockseminar zu schleppen fand ich auch schon ziemlich ätzend.

- Gutes Team an Ärzten: Ich kann kurzfristig Rezepte etc. auch mal per Mail bekommen, bzw. eine Krankschreibung, wenn nötig. Halte ich für absolut zentral. Im Zweifel halt wechseln, ich habe mehrmals Ärzte gewechselt, weil ich mit der Leistung schlicht nicht zufrieden war und es für micch nicht gestimmt hat.
- Gute Apotheke: ich kann bei meiner anrufen, den Kram bestellen, und dann irgendwann in den nächsten X Tagen abholen (und sie liegt auf dem Weg). Auch da: wechseln, wenn die Leistung nicht stimmt.

Die Termine, die eben sein müssen, kündige ich schlicht an. "Ich habe dann einen Termin, werde sicher von X bis Y weg sein.", und dann muss halt die Klinik sagen, wie sie das organisieren - hatte Oberärzte, die dann den Sucher gebabysittet haben, während ich weg war, manchmal waren es Arbeitskollegen, manchmal habe ich frei bekommen weils für die Planung gerade besser war. Die Termine sind halt schlicht nicht verhandelbar. Natürlich versuche ich die im Voraus auszumachen und Randzeiten etc. zu wählen, aber das geht halt nicht immer. Ob das gut ankommt oder nicht - ist halt so. Tut eigentlich häufig dem Team auch mal gut, wenn man zeigt, dass es eben nicht immer OK ist bis zum Umfallen zu arbeiten, sich Zeit für wichtige Dinge zu nehmen und sich nicht durch irgendwelche Klinikadministratoren zu Mehrarbeit gängeln zu lassen.

Und wenn man krank ist: proaktiv kommunizieren dass man krank ist, dass man voraussichtlich X Wochen ausfällt, und dann einfach frühzeitig informieren was/wo/wie. Kann man nichts dran ändern, aber sich unter Druck setzen zu lassen nützt halt auch nichts, und macht das Ganze nicht besser.

Kackbratze
18.07.2021, 17:20
Amen :-top

roxolana
18.07.2021, 17:58
@roxolana: kann das die Kasse nicht übernehmen? Hast du mal nachgefragt?

Ja, ne, machen sie leider nicht. Irgendwann wollte ich eh die Kasse wechseln, da frage ich vorher nach, ob sie es machen würden.

Citrafleet
19.07.2021, 10:41
- Gutes Team an Ärzten: Ich kann kurzfristig Rezepte etc. auch mal per Mail bekommen, bzw. eine Krankschreibung, wenn nötig. Halte ich für absolut zentral. Im Zweifel halt wechseln, ich habe mehrmals Ärzte gewechselt, weil ich mit der Leistung schlicht nicht zufrieden war und es für micch nicht gestimmt hat.
- Gute Apotheke: ich kann bei meiner anrufen, den Kram bestellen, und dann irgendwann in den nächsten X Tagen abholen (und sie liegt auf dem Weg). Auch da: wechseln, wenn die Leistung nicht stimmt.


Na ok, das wird auch für mich das Wichtigste sein. Da ich vorhabe in eine größere Stadt umzuziehen, habe ich dann zum Glück auch mehr Auswahl. Da wo ich bis jetzt wohne, ist es eher ländlich, es gibt kaum (Fach-)Ärzte und dementsprechend muss man da nach deren Regeln spielen, an sowas wie Rezepte o.Ä. per Mail ist da gar nicht zu denken. Ebenso bei den Apotheken, manchmal klappt's mit der Vorbestellung, manchmal auch nicht.

Jule-Aline
19.07.2021, 11:43
Darf ich fragen, ob du schon Bewerbungsgespräche als Ärztin hattest? Strukturierte Interviews sind in der freien Wirtschaft Gang und Gebe. In der Medizin hab ich sowas noch nicht erlebt oder gehört. Es werden in der Regel lose Gespräche geführt, Rundgänge durchs Haus, usw.

Ich würde eine chronische Erkrankung vorher auch tunlichst verschweigen. Du bist erstmal ein fremder Mensch als Bewerber, man kennt dich nicht. Niemand kann dich einschätzen und jeder würde das Risiko von potentiell zu übernehmenden Diensten und der höheren Dienstlast sehen und fürchten.

In meiner Abteilung dürfen wir mit abstimmen, welchen Bewerber wir möchten und regelmäßig nehmen wir bei gleicher Sympathie den Mann statt die Frau, denn „die will bestimmt bald ein Kind“. Auch ich, als Frau, kann mich davon nicht freisprechen. Ich habe lieber weniger Dienste als mehr, weil mich einfach Dienste zermürben. Als neuen Kollegen wünsche ich mir also niemanden, der die Dienstmenge für mich selber steigert. Wir stellen durchaus Frauen ein, aber wenn Auswahl besteht ist es häufiger der Mann. Wir haben alle noch böse die Zeiten von 40% Schwangeren im Vordergrund in Erinnerung. Man denkt da eher an sich selber als an den fremden Bewerber, der vielleicht nett wirkt, aber eben das Risiko von Mehrarbeit für alle anderen birgt.

Wenn mir jetzt ein Kollege nach einer Weile von seiner Erkrankung berichten würde, würde ich ihm auch niemals übel nehmen das „verschwiegen„ zu haben und wenn sich einer bewährt hat, dann sind auch Ausfälle usw was, was man als Team gemeinsam trägt ohne es übel zu nehmen.

Also, im öffentlichen Dienst gibt es strukturierte Gespräche. Auch wenn es eine Uniklinik ist und nicht nur ein Amt. Habe ich selbst erlebt.
Frauen: Was macht ihr denn mit denen, die schon Kinder haben?
Und auch keinen Kinderwunsch mehr haben?

Cingulum123
19.07.2021, 14:36
Ich bin selber eine Frau und wurde ja auch eingestellt, ich habe weibliche Kolleginnen, also komplett männlich ist das nicht.

Ich bin einfach ganz ehrlich und ich glaube kaum einer in der Medizin kann sich davon frei sprechen. Wir sind ein kleines Team, die dienstbelastung ist hoch, wenn auch nur einer ausfällt ist sie fast nicht zu ertragen.

Frauen die schon mehrere Kinder haben, wo kein Kinderwunsch anzunehmen ist, sind auch nicht unbedingt die Top Kandidatinnen. Viel Kindkrank, konkurrieren um das frei in den Schulferien, wo es schon genug Eltern gibt, so dass sowieso nicht jeder frei haben kann der gerne würde um Familienurlaub zu haben. Sind nicht soo flexibel bzgl der 24h Dienste wegen der Kinderbetreuung.

Wenn jemand aus dem Team schwanger wird, Kinder kriegt, dann ist das so und jeder weiß dass das kommt und das auch Väter Elternzeit nehmen und ob den Schulferien frei haben wollen etc.

Aber ganz ehrlich - wer vor die Wahl gestellt wird bei zwei Bewerbern, die beide ähnlich sympathisch sind und ähnlich qualifiziert - wer entscheidet sich da für den Kandidaten, der weniger flexibel ist, wo mit mehr Ausfällen und höherer Belastung für einen selber zu rechnen ist? Würde da wirklich einer von euch mehr Dienste, mehr Arbeit, mehr einspringen, geringere Chancen, dass man selber das frei in den Schulferien/Kitaferien bekommt in Kauf nehmen ? Wie gesagt, gleiche Qualifikationen, gleiche Sympathien vorausgesetzt? Unsere letzten Einstellungen waren sowieso ehemaliger PJler und ehemaliger Kollege von derer Kollegin, also jemand der schon bekannt gewesen ist. Man weiß halt wenig über Bewerber. Die sprechen mit dem Chef und den OÄ, die hospitieren einen Tag oder auf Wunsch länger und laufen mit uns mit. Da hat man halt wenig Kriterien nach denen man entscheiden kann.

_calendula_
19.07.2021, 17:38
Ganz ehrlich: es gibt veraltete Kriterien die man ausblenden sollte, da man mit ihnen nicht nur veraltete Strukturen aufrecht erhält, sondern auch ziemlich daneben liegen kanm.

Günni Gürtelrose
19.07.2021, 20:10
Ich würde auch nichts sagen vor Einstellung und dann später nur, wenn es sich zufällig ergibt. Als chronisch Kranker neigt man ja dazu, ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber im Endeffekt hat man die gleiche Berechtigung wie alle anderen, am Leben teilzuhaben. Die Umstände, dass eigentlich nur junge, topfitte, gesunde, nicht schwanger werdende etc. Arbeitskräfte gewünscht sind, mögen zwar so sein, entsprechen aber nicht der Realität.
Auch schon angestellte Kollegen können chronisch krank werden. Und in meinem Kollegium sind einige ohne chronische Erkrankungen ständig krank gemeldet.

Colourful
19.07.2021, 20:23
@Cingulum
Spannend, schafft ihr das denn da nur männliche Bewerber ohne Familie einzustellen? Oder wie sieht das aus? Und sorry, ich kenne so viele Kolleg*innen, die sehr viel häufiger selbst krank sind, als ich jemals Kind krank war, das ist echt kein Argument. Und wenn man will, dann kann man auch als Mutter gut organisieren und auch "flexibel" einspringen, wenn alle etwas "mitmachen". Ich habe das sogar alleinerziehend als Dienstplanerin gemacht und nein, ich bin so überhaupt nicht Superwoman. Es geht ganz viel, wenn man denn möchte, auch als Abteilung.

Cingulum123
19.07.2021, 21:35
Es sind sehr selten Stellen bei uns frei. Die letzten Einstellungen waren die, die ich schon im letzten Beitrag genannt habe.

Es tut mir Leid, wenn sich irgendwer angegriffen fühlt. Vielleicht sind wir als Team da ja einfach sehr speziell.

Jule-Aline
20.07.2021, 09:17
Was seid Ihr denn für eine Fachrichtung?
Also ich war auch selten Kind krank, da gab es Kollegen, die viel öfter gefehlt haben.
Ich habe auch bei Hospitationen schon gefragt( natürlich nicht den Chef), ob das mit drei Kindern ein Problem ist .
Ansonsten würde ich mich da auch nicht bewerben.