Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Keine Nachtdienste - unkollegial?!



Seiten : 1 2 [3] 4 5 6

bipoka
26.08.2021, 10:27
Ist das so?
Gibt es viele Lokführer, die sich vom Nachtdienst befreien lassen?
Gibt es viele Krankenschwestern, die sich vom Nachtdienst befreien lassen?
Und die werden dafür von ihren Kollegen geschätzt?

Bei Lokführern weiß ich nicht.
In einer meiner alten Klinik war einiges Pflegepersonal und einige Fachärzte (schon älter 50+, möglicherweise mit gesundheilichen Einschränken) ausgenommen. Auch manchmal OÄ ohne direkt ersichtlichen Grund vom Hintergrunddienst. Chefs sowieso.
Wir habens einfach so hingenommen und nicht groß hinterfragt.

][truba][
26.08.2021, 10:48
Ich möchte kurz noch darauf eingehen, dass ich durchaus verstehen kann, dass man denkt man hält diese Dienste psychisch nicht aus. Ich würde mich in diesem Fall mit meinen Assistentenkollegen zusammensetzen, die Sache schildern und vorfühlen, wie die Kollegen dazu stehen. Sind sie damit komplett in Ordnung (schwer vorstellbar) kannst du es so besprechen. Sind sie eher nicht angetan, würde ich anbieten vielleicht mit einer geringen Anzahl anzufangen für ein paar Wochen. Wenn du merkst, es geht gar nicht, müsst ihr euch erneut treffen und die Situation besprechen. Ggf. ist es dann besser die Stelle frei zu machen oder die Kollegen sagen, dass du es versucht hast und sind dann damit ok, dass du keine Nächte aber dafür eventuell mehr Tagdienste machst.

LG

agouti_lilac
26.08.2021, 12:20
... Ich sehe für mich persönlich aber keinen Benefit durch die Nachtdienste, außer einem unglaublichen Stress. Und ich sehe auch nichts, was ich nicht tagsüber/Wochenende lernen könnte.

Diese Argumente könnte auch jeder einzelne deiner Kollegen aufführen, keine Nachtdienste zu machen.

aerztinwerden
26.08.2021, 12:31
Die Threaderstellerin schrieb von Nachtdiensten in der Inneren, nicht auf Intensiv. In den meisten Häusern wird die Intensivstation von einem separaten Diensthabenden betreut.


Anmaßend? Wann ist man denn dann Deiner Meinung nach bereit für Nachtdienste? Und mit welchem realistischen Konzept kann das umgesetzt werden?
Sie schrieb von Versorgung des Hauses, ZNA und Intensiv.

Feuerblick
26.08.2021, 12:40
Evil hat längst lang und breit ausgeführt, wie er das sieht.

Tigga
26.08.2021, 14:32
Ich denke jeder muss es für sich selbst entscheiden, wie zielführend Nachtdienste zu den herrschenden Arbeitsbedingungen und der dafür angebotenen Entlohnung sind.
Ich war selbst in einem kleinen Krankenhaus im PJ und habe für mich entschieden dass eine alleinige Betreuung von Ambulanz, alle Stationen, Intensivstation und Kreissaal wären für mich als Neu- Assistent zu viel Verantwortung. Es sind einige schwere Versorgungslücken passiert und ich habe mich spezifisch wegen dieser Situation entschieden nach Österreich zu gehen (wo der Facharzt eben im Haus schläft- Facharztstandard).

In meiner österreichischen Klinik gab es mehrere auch junge Ärzte, allerdings rein Fachärzte, die sich aus keinen ersichtlichen Gründen von allen Diensten, auch Tag-Wochenende, befreien lassen haben. Die wären sehr schwer ersetzbar gewesen, im Team gab es deshalb nur wenig böses Blut.
Wo einige Oberärzte richtig sauer waren, wenn eine frische Fachärztin schwanger geworden ist- fand ich ein Zeichen extremer Unkollegialität.

An SophiaL90s Stelle würde ich es ansprechen und zeitlich begrenzen- keine Nachtdienste für 6 Monate? Und dann ne neue Stelle suchen.
Irgendwann muss es sowieso zu einem Umdenken kommen wie man mit Krankenhauspersonal umgeht- siehe USA wo gerade in großem Stil gekündigt wird und Pfleger als "travel nurse" ein vielfaches verdienen- und teils an der vorherigen Klinik mit Honorarbedingungen wieder angestellt werden.

SophaL90
26.08.2021, 15:22
Und in den USA wird man als Arzt auch noch richtig gut bezahlt - und trotzdem kündigen viele.. das muss man sich mal vorstellen.

Deswegen vermisse ich Österreich auch :‘(. Meine KollegInnen kennen es eben nicht anders, aber es könnte auch besser sein. Ich habe mich sehr oft gewundert, was einfach so hingenommen wird hier. Das gäbe es in Ö (und vielleicht auch der Schweiz) so nicht.

Ich mag unser Team, ja. Aber das ist kein Grund für mich zu bleiben. Und wenn ich Nachtdienste machen muss, dann werde ich eh gehen.
Irgendwann werden sie überhaupt kein Personal mehr finden und dann können sie auch die Wochenenden nicht mehr besetzen, aber das ist mir ja egal. Vielleicht bemüht sich dann die Verwaltung auch mal, mehr Personal zu finden. Danke jedenfalls für eure Beiträge

Markian
26.08.2021, 17:14
Ich sehe ja eher das Problem, dass man auf die Dienste nicht adäquat vorbereitet wird. Klar muss man sich gewisse Dinge auch selber in seiner Freizeit aneignen, aber ich finde diese "Ja mach mal Einstellung" in Deutschland einfach beschissen. Vor allem, da zumindest in meiner derzeitigen Stelle wirkliche Weiterbildung nicht mal 5 Minuten am Tag gemacht wird. Wenn dann halt was zwangsläufig schiefgeht sind die Anschuldigungen groß. Ich kann das durchaus nachvollziehen was der TE hier beschreibt.
Ich finde auch das Dienste dazugehören, aber halt auch unter Bedingungen, die tragbar sind. Jeder muss halt seinen Beitrag leisten, ich glaube ich würde eher raushandeln, dass du bei 2-3 Diensten als 2. Person (und zwar bezahlt und regelhaft eingeplant, nicht als Hospitation) dabei bist vielleicht vergeht ja die Angst und du siehst der Stress ist nicht so hoch wie du dachtest.

Feuerblick
26.08.2021, 17:20
Aber wieso kümmert man sich nicht selbst ein wenig, wenn man weiß, dass man nach einem Jahr (was wirklich eine laaaange Schonfrist ist) Nachtdienste machen muss? Es klingt ja nicht so, als wollte die TE überhaupt nachtdienstfit werden. Sie sieht für sich keinen Benefit (echt jetz???) in Nachtdiensten und will deshalb einfach keine machen. Die Einarbeitung war bisher nicht das Thema.

@TE: Wieso bist du eigentlich aus Österreich hierher gekommen? Österreich scheint ja das gelobte Land zu sein. :-nix

Evil
26.08.2021, 17:32
In der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer steht im allgemeinen Teil unter §4 Absatz 5:
"Die Weiterbildung ist grundsätzlich ganztägig und in hauptberuflicher Stellung durchzuführen. Sie setzt die Beteiligung an sämtlichen ärztlichen Tätigkeiten in dem Bereich voraus, in dem die Weiterbildung erfolgt."

Und für den Facharzt Allgemeinmedizin explizit unter Inhalten: "Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst"

abcd
26.08.2021, 17:46
Ich mag unser Team, ja. Aber das ist kein Grund für mich zu bleiben. Und wenn ich Nachtdienste machen muss, dann werde ich eh gehen.

Warum stellst Du überhaup die Frage, ob es unkollegial ist und trittst hier eine Diskussion los, wenn Du die Nachtdienste für Dich ausgeschlossen hast und lieber die Klinik verlässt?
Meine Meinung:
I.d.R ist keiner scharf auf die Dienste und jeder ist froh, wenn sich die Dienste auf mehr Köpfe verteilen. Und wenn die Erwartung der Kollegen, dass bald ein Neuer in die Dienstriege aufgenommen wird, enttäuscht wird, kann man 1+1 zusammenzählen.

Heerestorte
26.08.2021, 17:55
In der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer steht im allgemeinen Teil unter §4 Absatz 5:
"Die Weiterbildung ist grundsätzlich ganztägig und in hauptberuflicher Stellung durchzuführen. Sie setzt die Beteiligung an sämtlichen ärztlichen Tätigkeiten in dem Bereich voraus, in dem die Weiterbildung erfolgt."

Und für den Facharzt Allgemeinmedizin explizit unter Inhalten: "Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst"

Und was haben jetzt KV-Dienste mit der Arbeit in einer Klinik zu tun?
Also Arbeit in der ZINA, Intensiv etc?

Daraus geht hervor, dass man KV-Dienste machen muss, nicht aber Dienste in einer Klinik.
Das es sinnvoll ist, wissen wir alle, aber rein rechtlich gesehen...

Feuerblick
26.08.2021, 18:02
Also zumindest ICH musste für die FA-Anmeldung von meinen Chefs bestätigen lassen, dass ich Vollzeit gearbeitet und Dienste gemacht habe. Kann mit der neueren WBO natürlich inzwischen anders sein. :-nix

Heerestorte
26.08.2021, 18:04
Also zumindest ICH musste für die FA-Anmeldung von meinen Chefs bestätigen lassen, dass ich Vollzeit gearbeitet und Dienste gemacht habe. Kann mit der neueren WBO natürlich inzwischen anders sein. :-nix

Im FA ACH stehts in BaWü und Bayern weder in Logbuch noch in WBO.

_calendula_
26.08.2021, 18:43
In Deutschland sind Nachtdienste in der WBO nicht allgemein explizit verlangt, soweit ich nichts überlesen habe. Im Gegensatz zu Österreich.
Es gibt in beiden Ländern Vor- und Nachteile. Und bessere und weniger angenehme Kliniken und Abteilungen!

Allgemein finde ich die Dienst-Erfahrung aber sehr wertvoll.
Falls es dir an der Klinik zu riskant erscheint Dienste zu machen (sei es wegen gesamt zu dünner Besetzung; oder aufgrund des Ausbildungsstands + Verantwortung für die Intensiv), such dir eine Abteilung an der du Dienste machst.

Man muss nicht bis zur Pension Dienste machen. Nächte liegen nicht jedem gleich und sind mitunter ziemlich anstrengend (sagt sogar die Eule). Aber die Erfahrung ist wichtig.

In einem guten Team hat man in den ersten Nächten idR einen AA-Kollegen als inoffiziellen Hintergrund, den man sehr niederschwellig kontaktiert.

bipoka
26.08.2021, 19:36
Warum stellst Du überhaup die Frage, ob es unkollegial ist und trittst hier eine Diskussion los, wenn Du die Nachtdienste für Dich ausgeschlossen hast und lieber die Klinik verlässt?
Meine Meinung:
I.d.R ist keiner scharf auf die Dienste und jeder ist froh, wenn sich die Dienste auf mehr Köpfe verteilen. Und wenn die Erwartung der Kollegen, dass bald ein Neuer in die Dienstriege aufgenommen wird, enttäuscht wird, kann man 1+1 zusammenzählen.

Da kann man nur zustimmen. Die Frage kann man sich schon selbst beantworten. Nur in den wenigsten Abteilungen wird um Dienste gestritten. Sie sind in aller Regel unbeliebt. Die Diskussion ist unnötig.

Zilia
26.08.2021, 21:50
@SophiaL: Du kannst doch mal bei einem Nachtdienst bei einem/r ärztlichem Kollegen/in mitlaufen/assistieren, damit Du die "Angst" verlierst.
Ich wurde während der Corona-Hauptzeiten mehrere Wochen aus der Chirurgie an die Innere-RTS "verliehen" und hatte da auch NDs (aber nicht alleine, sondern eher zur Unterstützung des "Hauptamtlichen"). Selbst Leute am Ende der allgemeinmedizinischen Ausbildung hatten Respekt vor dem Innere-Nachtdienst. Aber man wächst da rein. Bei uns damals (Maximalversorger) gehörte eine IMC dazu und da waren auch immer die internistischen Intensivassistenzärzte anwesend, die einen bei Notfällen unterstützen konnten.

Evidence based
26.08.2021, 22:12
Ich glaube nicht, dass in Branchen mit Nachtdiensten solche Sonderregelungen
1. vollkommen üblich sind (wer bitte soll denn die Nachtdienste machen, wenn jeder Sonderregelungen hat?)
2. bei den Kollegen gut ankommen.
:-nix
Und ja, es ist in einem Beruf, in dem es nun einmal Nachtdienste gibt und geben muss, unkollegial, sich da ohne guten Grund rauszustehlen.
Es wäre deutlich kollegialer, wenn man sich stattdessen für bessere Bedingungen einsetzen würde (Schichtdienst o.ä.).
Ich habe nirgendwo gesagt, dass es in Branchen mit Nachdiensten üblich ist. Ich habe auch nicht gesagt, dass es bei Kollegen gut ankommt. Ich habe gesagt, dass Sonderkonditionen in vielen Bereichen mit Fachkräftemangel üblich sind.

Aber: 1. Wenn der AG sich darauf einlässt und es auch das ist, was ich will, dann ist mir der Rest völlig piepegal.
2. Wenn ich keine Dienste mache, werde ich auch für keine bezahlt. Das nehme ich willentlich in Kauf und kann bei dem geringen Grundgehalt finanziell auch keine großen Sprünge machen.
3. Wenn seit geraumer Zeit bereits 4 Vollzeitstellen ausgeschrieben sind und diese nicht besetzt werden können, wäre ich als Kollege froh, wenn der Chef zumindest dafür sorgt, dass es nicht bald 5 unbesetzte Stellen sind. Auch wenn das nur die Tagdienste betrifft.
4. Laut Tarifvertrag sind 4 Dienste pro Monat das Maximum. Mehr muss niemand machen, völlig unabhängig von der Personalsituation. Die Klinik muss dann halt Honorarärzte anheuern, wenn das eigene Personal nicht bereit ist mehr zu machen. Da hat der Assistenzarzt, der ausgehandelt hat keine Dienste zu machen, nichts mit zutun.

Aber ja, wer den Mist in diesem System nicht mitmacht, nicht bereit ist sich physisch und psychisch kaputt zu machen, der ist unkollegial. Hört endlich auf mit dieser Scheisse...

Evidence based
26.08.2021, 22:16
Ist das so?
Gibt es viele Lokführer, die sich vom Nachtdienst befreien lassen?
Gibt es viele Krankenschwestern, die sich vom Nachtdienst befreien lassen?
Und die werden dafür von ihren Kollegen geschätzt?

Fährt der Zugführer nachts auch ICE, S-Bahn und Regional-Express gleichzeitig?

escitalopram
26.08.2021, 22:30
Ich will kein HA werden und erst recht kein Internist (Gott bewahre), aber ich muss den meisten Usern im Thread zustimmen. Feuerblick hat es sehr schön zusammengefasst. Ganz abgesehen davon, ob Sonderkonditionen kollegial wären: Mir wäre es als HA später viel zu heiß, noch nie internistische Dienste gemacht zu haben. Wie willst du später Notfälle, die es durchaus mal in der Praxis geben kann, managen? Ich würde mir die Sache zumindest für ein paar Monate ansehen, gerade am Anfang lernt man in den Diensten sehr viel. Und wenn du dann siehst, dass es gar nicht geht, kannst du immer noch kündigen.


Ich sehe für mich persönlich aber keinen Benefit durch die Nachtdienste, außer einem unglaublichen Stress. Und ich sehe auch nichts, was ich nicht tagsüber/Wochenende lernen könnte.

Ich will dich nicht persönlich angreifen, aber: Das klingt patientengefährlich, sorry... Du arbeitest wirklich gerade in der Inneren und willst später HA werden? Kaum zu glauben.