Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie viele Patienten pro Tag in der Praxis
Also die Abläufe und Taktungen sind bei uns in der PIA ähnlich wie von Rafiki beschrieben, das Arbeiten ist auch insgesamt eher entspannt. Wie man in einer PIA auf 130k Jahresgehalt kommen soll, erschließt sich mir aber nicht.
Josephine
10.06.2022, 11:45
Ist nicht in München, da hab ich studiert;-),aber eine bayerische 300 Betten Psychiatrie mit eher ländlichem Einzugsgebiet.
Wie man in einer PIA auf 130k Jahresgehalt kommen soll, erschließt sich mir aber nicht.
Durch Verhandlungsgeschick natürlich. Wer sich unter Wert verkauft, hat es wohl so verdient, warum auch immer.
In den psychiatrischen Kliniken in meiner Stadt sowie in den ambulanten Behandlungszentren, die PIA-Status haben, kann man als Angestellter in der PIA maximal eine, vielleicht auch zwei höhere „Altersstufen“ innerhalb ÄII aushandeln. Mehr Spielraum gibt es
nicht, Verhandlungsgeschick hin oder her. Dasselbe gilt für mehrere Berliner Kliniken, die ich kenne. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in Regionen mit höherem Fachärztemangel anders ist.
Durch Verhandlungsgeschick natürlich. Wer sich unter Wert verkauft, hat es wohl so verdient, warum auch immer.
Ich will dir ja deine Einbildung nicht nehmen, aber selbst im bevölkerungsreichsten Bundesland werfen sie dir in der Provinz Geld hinterher, wenn Du als Qualifikation nen Facharzt hast und deutsch sprichst, und bereit bist, da zu arbeiten. Selbst die KV fördert dort die Niederlassung bei dem derzeitigen Mangel. Da will halt aber auch keiner hin. In den Städten und Ballungsgebieten sieht das aber wieder ganz anders aus. Zu Mal inzwischen die Privatisierung und der Kostendruck auch in den PIAs angekommen ist. Und auch Investoren haben wenig Interesse daran gute Gehälter zu zahlen. Das ist nur eine Frage der Zeit bis die im ländlichen Bereich ankommen, nachdem sie die Städte abgegrast haben…
Eher im Gegenteil. Es wird darüber nachgedacht, einen Psycho-Bonus für alle, die diese Fächer ausüben (also auch Assistenten), zu etablieren, weil es die Gebiete sind, die neben der Geriatrie am stärksten wachsen, aber extrem unterbesetzt sind.
Eher im Gegenteil. Es wird darüber nachgedacht, einen Psycho-Bonus für alle, die diese Fächer ausüben (also auch Assistenten), zu etablieren, weil es die Gebiete sind, die neben der Geriatrie am stärksten wachsen, aber extrem unterbesetzt sind.
Wer denkt darüber nach? Wer soll diesen Bonus etablieren? Wie wird das finanziert? Was für ein Bonus soll das sein? Und die wichtigste Frage für meine berufliche Zukunftsplanung: bekommt man dann in der Gerontopsychiatrie einen doppelten Bonus?
Eher im Gegenteil. Es wird darüber nachgedacht, einen Psycho-Bonus für alle, die diese Fächer ausüben (also auch Assistenten), zu etablieren, weil es die Gebiete sind, die neben der Geriatrie am stärksten wachsen, aber extrem unterbesetzt sind.
Mag bei dir lokal so sein, dass die einen Bonus zahlen. Aber generell wird das nur sehr begrenzt angewendet werden und ist dann weiterhin ein Indikator dafür, dass es eher am lokalen Mangel liegt und weniger an deinem Verhandlungsgeschick.
Nichts desto trotz versuchen hier viele MVZ/Behandlungszentren den PIA Status zu erlangen, greifen die PIA Pauschalen ab, führen aber die Taktung weiter wie in einer Praxis. Dann wird der gut laufende Laden an Investoren verkauft und die optimieren den Laden wirtschaftlich weiter, bis er nach einigen Jahren wieder abgestoßen wird. Die kaufen auch den klammen Kliniken ihre PIAs ab. Noch sind die Städte dran, aber irgendwann wenn in der Stadt alles abgegrast ist, werden die auch in die ländlichen Gebiete vorrücken. Wenn die Politik dem nicht irgendwann einen Riegel vorschiebt, reden wir 10 Jahren noch mal weiter…
Und soviel Schmerzensgeld könnten die mir gar nicht zahlen, dass ich bereits bin unter den dort herrschenden Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Da siehst du dann auch gerne alle 3-5 Minuten einen neuen Patienten und kommst locker auf 70 Patienten pro Tag. Da komm ich als freiberuflich tätige Psychiaterin in einer BAG sowohl finanziell als auch von den Arbeitsbedingungen her, die ich ja auch aktiv selber mitgestalte, deutlich besser weg und bin in den inhaltlichen Entscheidungsfragen unabhängig. Und sollte das KV System sich irgendwann als nicht mehr ausreichend attaktiv zeigen, werde ich meine zusätzlichen Standbeine (Gutachten, Balintgruppe/Selbsterfahrung/Supervision, psychosoziale Beratung/Jobcoaching, Privatpatienten) einfach weiter intensivieren und meine KV Zulassung zurückgeben. Gerade im Mangelfach Psychiatrie gibt es da viele Optionen, wo man sich gar nicht von Institutionen abhängig machen muss und der Mangel spielt einem da sogar noch mehr in die Karten.
Ich würde niemals unter KV-Bedingungen arbeiten, mit 5 min pro Patient kann man überwiegend nichts nutzende bzw. schädigende Psycho"Medizin" betreiben. Wenn niedergelassen, dann nur privat.
Wer sagt dir denn, dass ich in 5min Medizin betreibe bzw. muss? Bei uns sind PT regulär 50min, Gruppentherapien mit 100min, psychoedukative/supportive Gruppen mit 50min, Ersttermine mit 45min und dann rein psychiatrische Folgetermin 15min (je nach Komplexität auch länger) geplant. Dazu kommen Fragebögen (Patienen werden eine Stunde früher einbestellt) und psychometrische Diagnostik (ca45min bis 1h). Zudem bekommt jeder Patient einen festen Behandler als Ansprechpartner. Ich glaube Du hast völlig falsche Vorstellungen was im KV System möglich ist…
Dass Gruppentherapien gut bezahlt werden, ist mir bekannt. Alles andere dürfte mit den Fallpauschalen nicht zufriedenstellend machbar sein für ein akzeptables Gehalt. Und ich möchte eben nicht sogenannte Verdünnerpatienten bedienen, denen ich 1x/Quartal ein Rezept ausstelle, ohne sie zu kennen. Ich habe selbst auch Erfahrung mit Praxisarbeit und weiß daher, wie es läuft.
Ich glaube Dir nicht, dass du da ernsthaft tiefer gehende Einblicke hattest. Als Angestellter bekommt man selten die realen wirtschaftlichen Verhältnisse einer Praxis mit. Ansonsten wüsstest Du, dass gerade die PT Leistungen als Einzelleistungen vergütet werden, weil sie eben nicht dem RLV/QZV unterliegen. Und selbst die Leistungen mit Kontingentierung sind so großzügig bemessen, dass man trotzdem gutes Geld damit verdient, um Patienten häufig und ausreichend lange zu sehen, wenn man es denn will. Als Angestellter sowohl in der Praxis als auch in der Klinik ist man finanziell immer gedeckelt und hat wenig bis kaum Möglichkeiten seine Einkünfte über einen gewissen Grad zu steigern. Selbst Chefarztgehälter sind ja bei weitem nicht mehr so lukrativ für die Arbeit, die erwartet wird. Deshalb kann ich nicht verstehen, warum sich so viele augenscheinlich die Selbstständigkeit schlecht reden. Es lohnt sich deutlich mehr als sich in der Klinik langfristig ausbeuten zu lassen. Und gute Medizin und genügend Geld schließt sich niedergelassenen Bereich nicht aus.
Oder um es mit den Worten einer Kollegin zu sagen: " Warum soll ich für den Porsche eines anderen arbeiten gehen, wenn ich für meinen eigenen arbeiten kann..."
Nicht das ich jemals einen fahren wollen würde, aber das trifft es ganz gut.
„Verdünnerpatienten“ sollten doch eigentlich eine Kernaufgabe der niedergelassenen KollegInnen sein. Das sind doch genau die Menschen, die vielleicht in Remission sind oder seit Jahren stabil, die aber weiter ihre Medikation brauchen und vielleicht einmal im Quartal einen kurzen Arztkontakt zur Verlaufskontrolle und einmal im Jahr Labor und EKG oder so. Also auch genau die PatientInnen, die man in der PIA abnabeln sollte. Ich mag „Verdünner“. Denen geht es oft gut und dann quatscht man halt mal zehn Minuten mit denen. Ist für mich eine schöne Abwechslung zu den oft schwer Kranken mit hohem Leidensdruck und frustranem Behandlungsverlauf.
Guter Punkt! Was aber auch nicht heißt, dass man diese Patienten nicht kennt und nicht schon in schlechten Zeiten intensiver betreut hat. Ich empfinde es auch als erfrischend nicht nur schwer kranke Patienten zu sehen, die deutlich mehr support brauchen. Sondern auch Patienten, denen es gut geht (Was ja auch in der Regel ein Erfolg der Behandlung ist) und dann ein bissel erzählen, wo sie gerade im Leben stehen und was sie umtreibt. Gerade wenn man über die Jahre eine Arzt-Patienten Beziehung schon aufgebaut hat, ist es total schön zu sehen, wie Menschen sich über die Zeit entwickelt haben.
Als Angestellte/r erzählen einem die Praxisinhaber/innen immer wie schlecht es ihnen finanziell geht. In den meisten Fällen entspricht das aber nicht der Wahrheit. (Fragt doch mal nach wie sie wohnen, welches Auto sie fahren und was für Urlaube sie machen. Welchen Champagner sie trinken oder welche Kleidung sie tragen, welche Privatschule oder Kita ihre Kinder besuchen oder welche Restaurants sie besuchen. Da wird einem schnell klar, dass sie ein bisschen Gewinn mit ihrer Praxis generieren.)
Es lohnt sich deutlich mehr als sich in der Klinik langfristig ausbeuten zu lassen.
Ausgebeutet fühle ich mich nicht bei einer 40-Stunden-Woche für derzeit 150k. Könnte mehr sein, aber dann müsste ich vielleicht wirklich mehr arbeiten. Kommt auf die Prioritäten an, die jeder für sich hat. Das ist doch gut, dass es für jeden einen Bereich gibt, in dem er einigermaßen zufrieden ist.
Züschata
11.06.2022, 16:54
Es lohnt sich deutlich mehr als sich in der Klinik langfristig ausbeuten zu lassen.
Bisschen verallgemeinert, meinst du nicht? Es gibt auch Kollegen die bewusst in der Klinik arbeiten, Spaß daran haben und die Vorteile zu schätzen wissen, darunter viele Sozialkontakte und Austausch, interessante Fälle, Jobsicherheit, bezahlten Urlaub und Fortbildungen und mehr.
Bisschen verallgemeinert, meinst du nicht? Es gibt auch Kollegen die bewusst in der Klinik arbeiten, Spaß daran haben und die Vorteile zu schätzen wissen, darunter viele Sozialkontakte und Austausch, interessante Fälle, Jobsicherheit, bezahlten Urlaub und Fortbildungen und mehr.
Wenn ich mir die Arbeitsbedingungen in den Kliniken über die letzten 10 Jahre anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass die Situation sich insgesamt verbessert hat. Im Gegenteil: Die Pandemie hat auf viele Bereiche wie ein Katalysator gewirkt. Es mag Kliniken geben, die erträglicher sind als andere. Dennoch hat man den Eindruck, dass gerade mit dem vorherrschenden Personalmangel das restliche Personal gnadenlos durch die Führungsetage verheizt wird und das Gehalt mehr Schmerzensgeld als Entlohnung darstellt. Nicht unsonst gibt es auch hier im Forum viele, die deshalb über Facharztwechsel oder gar Patientenferne Fächer nachdenken, um die Zeit in der Klinik so kurz wie möglich zu halten. Und deine genannten Vorteile findet man auch in vielfältigen Bereichen jenseits der Klinik. Aber es steht natürlich jedem frei dort zu arbeiten, wo er möchte.
Feuerblick
13.06.2022, 06:21
Solltest du sehr dringend, denn ich verwette meine Approbation, dass diese „arme“ Chefin im Falle eines Fehlers nur deshalb hinter dir steht, damit sie dir einen Tritt in den Hintern verpassen kann. „Weiterbildung“ ist das nicht!
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