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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verklagen wg Mobbing am Arbeitsplatz



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RussianAngel
17.06.2022, 12:02
Es ist halt ein krasses Beispiel, wie das eskalieren kann...Ich habe nicht genug zuverlässige Infos einzuschätzen, ob der entlassene Arzt gemobbt wurde...aber seine Reaktion deutet darauf hin, die Ehre hat im arabischen Sprachraum (oder in Japan usw.) einen viel grösseren Stellenwert als in Deutschland, wo man einem nazistischen Chef weiterhin den Arsch küssen würde...Mitunter ein Grund wieso der Nationalsozialismus in Deutschland möglich war und weniger in anderen Ländern...aber anderes Thema...
Mein Punkt war, dass so etwas in der Regel effektiver sein könnte als eine Mobbingklage...Ich habe nicht gesagt, man sollte das immer so machen...Und ja, die Tagessätze sind ja der "Preis" dafür halt...Dass er selber relativ narzistisch war, ist sicher Tatsache, wie die meisten Ärzte :-)

Gro?erDenker
17.06.2022, 12:11
klingt deutlich effektiver......

Feuerblick
17.06.2022, 12:12
Das ist an so vielen Ecken und Enden an den Haaren herbeigezogen…
Schon „Mobbing“ zu vermuten, weil ein Arzt aus dem arabischen Sprachraum wegen unangemessenen Verhaltens entlassen wurde, danach in Hungerstreik tritt und bei einer Mediationssitzung diffuse Drohungen ausstößt… echt jetz? Ich würde ja eher sagen, dass seine völlig irrationalen „Gegenmaßnahmen“ den Ansatz „Psychopath“ und „unangemessenes Verhalten“ eher stützen als entkräften. :-nix

RussianAngel
17.06.2022, 12:18
Ich weiss es wirklich nicht...aber von was man von diesem betroffenen Krankenhaus oft hört, kann ich es mir gut vorstellen, es gehört eindeutig zu den schwarzen Schafen, die laufend mit so Zeugs Schlagzeilen machen...Es ist wirklich schwer einzuschätzen, ob das eine Überreaktion war oder einfach Psychopathie oder ob er in die Verzweiflung gedrängt wurde...Aus meinem Freundeskreis kenne ich sicherlich einige Fälle, die eine solche Reaktion von Seiten des betroffenen Arztes erklären könnten, manchmal hat man einfach genug von Schicken, das ist ja auch die psychologische Grundlage von Amok...Manche Menschen ziehen halt Vergnügen davon, andere Menschen zu ruinieren und zu demütigen, siehe Games of Thrones :-) danach kann man sich teils echt nicht mehr an einem Amok erinnern oder vorstellen, so etwas gemacht zu haben...Mobbing ist einfach sehr vielschichtig...die allerbeste Reaktion ist natürlich einfach akzeptieren und gehen, aber der Mensch ist halt anders gestrickt und manchmal kann es eskalieren...Ein Gerichtsverfahren würde ich dann als eher deeskalativ betrachten: aber klar auch relativ belastend...Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, ob das Schlimmer als das Mobbing selber ist...

Holthusen
17.06.2022, 19:21
Mein Senf zum Thema:
In der Assi-Zeit oder nur wenige Jahre da: Auflösungsvertrag schließen mit Abfindung oder Versetzung in andere Abteilung. Das ist die professionelle Variante sich von Mitarbeitern zu trennen. Mobbing ist die unprofessionelle Variante. Grundsätzlich würde ich aber alle involvieren: Ärztekammer und Betriebsrat. Etwas bleibt immer hängen. Für den Seelenfrieden ist eine Einigung die bessere Variante. Es kostet soviel Energie und Kraft vor Gerichte zu ziehen und jeden Tag zur Arbeit zu gehen und dabei zu denken: Wie wollen sie mir heute schaden? Was wollen sie mir anhängen?


Seit 10+x Jahren am Haus, Oberarzt, Haus&Kinder vor Ort. Keine Jobalternative. Da kann bei guten Nerven ein "Dauerstreit" eine Möglichkeit sein. Der letzten OA, der mir bekannt war in einer solchen Situation, hat so seinen mobbenden Chef überlebt, der mobbende Chef ging in Rente. Inzwischen ist der Nachfolger da. Makaber: Der mobbende Chef ist nach Renteneintritt kurzfristig verstorben. Möglicherweise ist solches Verhalten in der Boomer Generation der Ärzte durchaus gesellschaftsfähig und er hat wahrscheinlich nie ein schlechtes Gewissen gehabt.

mbs
18.06.2022, 00:13
Marburger Bund? Die Mitgliedschaft ist mit überschaubaren Kosten verbunden, und im Bereich Arbeitsrecht stellen die im Falle von Konflikten wohl auch Anwälte zur Verfügung. Wäre sicher vor allem dann hilfreich, wenn man keine gute Rechtsschutzversicherung hat.

Holthusen
18.06.2022, 11:45
Ich habe wegen einer Zeugnisangelegenheit schlechte Erfahrung mit dem Marburger Bund gemacht als Mitglied. Die Rechtsabteilung sagte, sie habe versucht mit meinem ehemaligen Arbeitgeber zu reden, meinte jedoch da wäre nix zu machen. Es wäre ein wichtiger Uniklinik Professor und man solle es einfach vergessen. Sie haben 20 Jahre Erfahrung in Zeugnisangelegenheiten.
Ein Brief vom Anwalt für Arbeitsrecht und das Zeugnis wurde unverzüglich korrigiert.
Das Zeugnis hätte eh korrigiert werden müssen, schon allein wegen falschem Datum (damals wusste ich das nicht).

Daher habe ich danach enttäuscht beim Marburger Bund gekündigt. Habe auch nochmals der Rechtsabteilung des MB eine entsprechende Rückmeldung gegeben.
Ich würde bei Mobbing auch nicht auf die zählen.

Reflex
18.06.2022, 12:46
Eine Mitgliedschaft kostet 216€ pro Jahr. Wenn es mir nur um den Rechtsschutz geht, kann ich, wenn ich alle 5 Jahre mal anwaltliche Unterstützung benötige, für 1000€ schon eine Menge anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen… und da kann ich mir den Anwalt dann aussuchen…nur mal so am Rande…

mbs
18.06.2022, 21:53
Danke für die Informationen. Ich bin auch kein Mitglied, aber ein Angehöriger versucht mir das ständig einzureden. Im Sinne von "man darf sich über die Verhältnisse nicht beklagen wenn man nicht zu einer Gewerkschaft geht".

Nefazodon
19.06.2022, 11:15
OT: @Reflex: Gerichtssachen können teuer sein. Schon eine anwaltliche Erstberatung kann 150 Euro kosten. Aber die Erstberatung ist gar nicht das Problem, sondern die weiteren Kosten....die können in der Erstinstanz bei Arbeitsgerichten schonmal bei 500-600 Euro liegen.
Von weiteren Instanzen reden wir gar nicht (man muss aber auch sagen dass die meisten Verfahren in denen es um Arbeitszeugnisse etc. geht, in der ersten Instanz enden. Bei Verfahren wegen Mobbing kann/wird das freilich anders sein).

Aber so oder so: Grund für eine Mitgliedschaft im Marburger Bund sollte nicht (nur) der Rechtsschutz sein. Und den Beitrag von 216 Euro zahlt man auch nicht zur Deckung einer Rechtsschutzversicherung, sondern für andere Sachen.

Wenn ich nur eine Rechtsschutzversicherung will, wähle ich eine Rechtsschutzversicherung. Wenn ich eine Gewerkschaft will, wähle ich den Marburger Bund.

Reflex
19.06.2022, 11:39
Wenn ich nur eine Rechtsschutzversicherung will, wähle ich eine Rechtsschutzversicherung. Wenn ich eine Gewerkschaft will, wähle ich den Marburger Bund.

Eine Gewerkschaft macht immer Sinn, wenn längerfristig als Angestellter tarifvertraglich arbeite. Eine Rechtschutzversicherung liegt in der Regel je nach Anbieter und Leistung zwischen 300 und 400€ pro Jahr. Wenn ich meine Gerichts- und Anwaltskosten der letzten 10 Jahre summiere, war es bis lang günstiger diese einfach selbst zu zahlen, obwohl da schon einiges zusammen gekommen ist.

Holthusen
19.06.2022, 14:31
Schade auch, dass dies im deutschen Gesundheitswesen nicht flächendeckend untersucht wird oder zumindest auf Länderebene oder durch die Ärztekammern. Mobbing ist relativ stark verbreitet, fast jeder hat es mal gesehen, aber es ist ein ziemliches Tabuthema, ähnlich wie psychische Erkrankungen à la Depression. Allein die Kosten, die durch Mobbing entstehen (Krankheitstage, fehlendes Personal, mehr Arbeitsbelastung, psychische Belastung und Therapie) dürften in die Mrd. gehen und dafür stehen am Ende wir mit Kassenbeiträgen ein. Eine berechtigte Frage, ob man sich dies im Gesundheitswesen leisten kann.

In Großbritannien hat man das mal untersucht und festgestellt, dass ca 20% der Ärzte Mobbing erfahren haben.
https://www.yorksandhumberdeanery.nhs.uk/sites/default/files/bullying_and_harassment_research_review_v7_web.pdf

RussianAngel
19.06.2022, 15:09
Ich muss leider eindeutig sagen, dass ich es einmal sehr schlimm am eigenen Leib erfahren hatte...konnte wirklich erst nach viel Therapie davon Distanz nehmen: wenn man eben so viel investiert und sich so viel Mühe gibt erwischt es einen echt unvorbereitet...eventuell könnte man erste inoffizielle Umfrage hier starten? In der Schweiz gibt es so etwas über sexuelle Belästigung, müsste da suchen, ob auch für Mobbing ...

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 18:25
Ich muss leider eindeutig sagen, dass ich es einmal sehr schlimm am eigenen Leib erfahren hatte...konnte wirklich erst nach viel Therapie davon Distanz nehmen: wenn man eben so viel investiert und sich so viel Mühe gibt erwischt es einen echt unvorbereitet...eventuell könnte man erste inoffizielle Umfrage hier starten? In der Schweiz gibt es so etwas über sexuelle Belästigung, müsste da suchen, ob auch für Mobbing ...

Bist du in der Psychiatrie gemobbt worden?

RussianAngel
19.06.2022, 19:33
Dafür sind ja Psychiater Spezialisten :P
Eine Umfrage wäre sicher sinnvoll...auch wenn die persönliche Grenze anderswo liegt und ich sicher eher Sensibelchen bin und ich aus beruflicher Erfahrung sagen muss, dass die Begriffe Mobbing und Trauma recht inflationär benutzt werden, gibt es sicherlich viele brenzlige Situationen...Ich denke eine grosse Rolle spielen wirklich Generationsuterschiede: wenn früher ein schreiender Chef und fliegender Skalpell als "toll, er will mich ausbilden" interpretiert wurden, kann man im späten Alter schwer Abstand davon nehmen ...
Wie bei allem ist eine psychische Stabilität mit Selbstvertrauen sehr sehr wichtig in der Medizin...Einfach zu sagen: es ist nicht persönlich ( weil es ist ja meist persönlich unter Ärzten) reicht nicht...Mir hat es geholfen zu verstehen, dass es einfach A***cher gibt und dass nicht jeder zu jedem passt...davor war ich sehr blauäugig und dachte, wenn ich mich arg anstrenge, wird das schon ... Ich weiss, dass das für die meisten recht basal klingt, aber bin relativ kindisch/altruistisch gestrickt...

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 20:10
Ja, es stimmt, dass sich die Generation von heute sehr von der früheren unterscheidet. Ein mir gegenüber verbal aggressiven Chef würde ich nicht akzeptieren. Da wäre ich sehr schnell weg und das mit dem Skalpell genau das gleiche. Mich zieht es aber eh nicht in den OP: Habe mal mitbekommen, wie ein Chef gegenüber einer PJlerin übergriffig wurde. Die hat das ganze dann dem Dekanat gemeldet und das wurde unangenehm für den Chef. Zum Glück gibt es ja auch genug Abteilungen, wo man gerne arbeitet und es erträglich ist

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 20:14
Es ist aber auch schwer, seine mit der Zeit entwickelte Persönlichkeit zu ändern. Ich meide privat toxische und hektische Leute und weiss auch, dass ich für den OP zu sensibel bin. Da ich mich nicht mehr um 180 Grad drehen kann, meide ich gewisse Fächer, obwohl die mich trotzdem interessieren. Die Mentalität ist aber ganz anders und wenn man dann zusammen arbeiten muss, wird es schwierig

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 20:32
Ich persönlich habe die Psychiatrie als einen Bereich mit ziemlich guter Teamarbeit kennengelernt. Habe da auch nie Leute schreien hören. Das kenne ich mehr aus der Chirurgie, und da nicht auch überall. Aber mag es auch wo anders geben, wenn auch seltner

RussianAngel
19.06.2022, 20:34
Eben, da fehlt auch der Wille dazu...Die Chefs haben ja bekanntlich keine Makel :)
Bis so ein institutionalisierter Missbrauch verändert wird, werden sicher Generationen vergehen wie bei der Abschaffung der Sklaverei und bei der Emanzipation der Frauen...
Wie überall im Leben: man muss den richtigen Ort für sich selber finden, in der Medizin ist das noch schwieriger...
Aber den gibt es, ich musste echt lange leiden, bis ich den gefunden habe :)

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 20:51
Eben, da fehlt auch der Wille dazu

Worauf bezieht sich das?