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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verklagen wg Mobbing am Arbeitsplatz



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rafiki
19.06.2022, 20:56
Ich persönlich habe die Psychiatrie als einen Bereich mit ziemlich guter Teamarbeit kennengelernt. Habe da auch nie Leute schreien hören.

In der Psychiatrie wird nicht geschrieen, nein. Da gibt es viel "feinere", perfidere Methoden, z. B. den Missbrauch von Teamsupervisionen, um ungeliebte Mitarbeiter zu demütigen.

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 21:02
Die haben ja zum Glück keinen Personalmangel und können sich die Mitarbeiter aussuchen :) Die Psychiatrie wird ja oft als Resterampe der Medizin bezeichnet, was ich definitiv anders sehe. Aber menschlichem Abschaum gibt es wohl überall

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 21:12
Ist es ratsam, sofort nach Approbation ins Ausland zu gehen um solchen Kreaturen zu entkommen, oder gibt es auch in Deutschland erträgliche Stellen? Ich lese in diesem Forum fast ausschließlich sehr sehr negative Dinge

Evidence based
19.06.2022, 21:23
Ist es ratsam, sofort nach Approbation ins Ausland zu gehen um solchen Kreaturen zu entkommen, oder gibt es auch in Deutschland erträgliche Stellen? Ich lese in diesem Forum fast ausschließlich sehr sehr negative Dinge

Gute Nachrichten verkaufen sich schlecht.

Viele meiner engeren Freunde sind in der Patientenversorgung trotzdem zufrieden. Ich denke, es ist sehr individuell, was man als vertrebare Arbeitsbedingen empfindet.

anignu
19.06.2022, 22:26
In der Psychiatrie wird nicht geschrieen, nein. Da gibt es viel "feinere", perfidere Methoden, z. B. den Missbrauch von Teamsupervisionen, um ungeliebte Mitarbeiter zu demütigen.
Nicht nur in der Psychiatrie...
Es gibt wirklich intelligente Wi..er die einem das Leben so sehr schwer machen können und denen man so schlecht habhaft wird. In der Chirurgie sowieso. Wenn einen der OA nicht ausbilden will, dann tut er es einfach nicht. Fertig. Und was willst dann machen? Und wenn andere Aufteilungen total fies sind und alle wissen es man kommt den Einteilern aber nicht richtig bei. Es gibt so einfache Methoden den Leuten das Leben so richtig schwer zu machen ohne dass es gleich Mobbing ist oder als dieses nachzuweisen. Skalpelle schmeißen oder Leute anschreien braucht es dazu wirklich nicht mehr...
Da ist mir der Chef lieber der mich einmal anschreit und danach isses wieder gut und ich kann mich ansonsten zu 100% auf seine Unterstützung verlassen. Statt dass man nie weiß woran man ist, ständig widersprüchliche Signale bekommt, keinerlei Unterstützung bei Problemen etc.

cartablanca
19.06.2022, 23:00
Die haben ja zum Glück keinen Personalmangel und können sich die Mitarbeiter aussuchen :) Die Psychiatrie wird ja oft als Resterampe der Medizin bezeichnet, was ich definitiv anders sehe. Aber menschlichem Abschaum gibt es wohl überall

Sorry, aber an dem Klischee, dass das hauptsächlich Leute machen, die aus bestimmten Gründen mehr über sich selbst erfahren wollen ist meiner Erfahrung nach was dran.

cartablanca
19.06.2022, 23:09
Wie stellst du dir das vor, den eigenen leitenden Oberarzt meisterhaft zurückzumobben?

Kann man nicht anonym die Justiz über Behandlungsfehler, falsche OP Indikationen informieren?

Ehem-User-20062022
19.06.2022, 23:13
Sorry, aber an dem Klischee, dass das hauptsächlich Leute machen, die aus bestimmten Gründen mehr über sich selbst erfahren wollen ist meiner Erfahrung nach was dran.

Ok, das kann natürlich sein. Kann ich selbst schlecht beurteilen. Allerdings habe schon den Eindruck, dass die Arbeitsbedingungen in der Psychiatrie schon etwas humaner sind als z.B. in der Inneren. Habe auch einige Ärzte/innen kennengelernt, die von anderen Fächern in die Psychiatrie gewechselt sind, weil dort die Vereinbarung mit Familienleben besser möglich war. Und mehr über sich selbst erfahren zu wollen ist ja auch nicht unbedingt ein Hindernis um gut im Beruf zu sein

nie
19.06.2022, 23:15
Kann man nicht anonym die Justiz über Behandlungsfehler, falsche OP Indikationen informieren?

Das setzt aber voraus, dass diese wirklich vorliegen. Und wenn das der Fall ist, dann wäre es auch sinnvoll, das zu melden. Ist es nicht der Fall, steht man auf ganz dünnem Eis…


Ist es ratsam, sofort nach Approbation ins Ausland zu gehen um solchen Kreaturen zu entkommen, oder gibt es auch in Deutschland erträgliche Stellen? Ich lese in diesem Forum fast ausschließlich sehr sehr negative Dinge

Nun, auch im Ausland gibt es maligne Kreaturen. Mobbing ist ja kein rein deutsches Problem. Und umgekehrt ist auch in Deutschland nicht in jeder Klinik Mobbing an der Tagesordnung.

Moorhühnchen
19.06.2022, 23:20
Kann man nicht anonym die Justiz über Behandlungsfehler, falsche OP Indikationen informieren?
Meiner Meinung nach sehr dumme Idee!
Hat kürzlich ne Kollegin aus einer schneidenden Disziplin in meinem Haus gemacht (leider nicht anonym) - der Chef hat zurückgeschossen und sie bekam innerhalb kürzester Zeit 3 Abmahnungen aus banalsten Gründen.
Und da ging es um ne gestandene Oberärztin, die fachlich sehr gut war!

Ich wäre da auf ne andere Schiene gegangen, die sicher weitaus effektiver gewesen wäre (übergriffiges Verhalten gegenüber Kollegen anderer Disziplinen, für welches sie mehrere Zeugen gehabt hätte).
Aber es lief letztlich auf eine mehrmonatige bezahlte Freistellung hinaus.

rafiki
20.06.2022, 05:37
Und mehr über sich selbst erfahren zu wollen ist ja auch nicht unbedingt ein Hindernis um gut im Beruf zu sein

Das mit der Resterampe stimmt zum Teil sehr; dass das die Psychiatrie nicht verdient hat, ebenso.
Und natürlich wäre es gut, etwas über sich selbst zu erfahren, nicht nur für den Beruf, das Problem ist aber, dass die allermeisten genau das nicht tun und somit ihre eigenen Schwierigkeiten und die, die sie mit anderen haben, in die Patientenarbeit hineinbringen, was gelinde gesagt, nicht hilfreich ist.

RussianAngel
20.06.2022, 17:00
Es ist ein grosses Thema in der Medizin, ganz beachtlich finde ich das auch aufgrund der Rasse (auf Deutschland zum Bsp. bei ausländischen Kollegen übertragen)

Es kann doch wirklich nicht sein, dass jemand, der sein ganzes Leben extrem gut wissenschaftlich und fachlich war, ständig als inkompetent und retardiert abgestempelt wird...
Ganz gut hat mir der Satz von dem Artikel unten gefallen: auch wenn man der schlechteste Assistenzarzt der Welt sein sollte, hat man sich so ein Verhalten nicht verdient... Suizide unter Ärzten werden viel häufiger in den USA thematisiert als hierzulande in Europa...

https://www.statnews.com/2022/06/20/black-doctors-forced-out-of-training-programs-at-far-higher-rates-than-white-residents/

Even if you are the worst intern in the world, you don’t deserve to be treated like that: mein neues Lebensmotto :)

cartablanca
20.06.2022, 18:31
Das setzt aber voraus, dass diese wirklich vorliegen. Und wenn das der Fall ist, dann wäre es auch sinnvoll, das zu melden. Ist es nicht der Fall, steht man auf ganz dünnem Eis….

Was für Eis? Sie hat eh schon gekündigt. Meiner Erfahrung nach sind fehlerhafte Indikationen Alltag.

cartablanca
20.06.2022, 23:12
Es ist ein grosses Thema in der Medizin, ganz beachtlich finde ich das auch aufgrund der Rasse (auf Deutschland zum Bsp. bei ausländischen Kollegen übertragen)

Es kann doch wirklich nicht sein, dass jemand, der sein ganzes Leben extrem gut wissenschaftlich und fachlich war, ständig als inkompetent und retardiert abgestempelt wird...

Schlimm ist auch, wenn so getan wird als ob es nicht existiert. Da zweifelt man an sich selbst. Eine Form von Gaslighting. Früher hab ich mir selbst den Schuh angezogen bis ich mich irgendwann mit ausländischen Ärzten unterhalten und von quasi allen Befragten die Erfahrungen bestätigt bekommen hab. Wie ich damit umgehen soll weiss ich noch nicht. Zumindest mach ich mir keine Selbstvorwürfe mehr.

RussianAngel
22.06.2022, 00:04
Ja, Selbstvorwürfe sind da nicht angebracht...Dann haben diese Leute ihr Ziel erreicht...Wer nicht verstanden hat, dass nicht alle blond gross und deutsch sein können, sollte bitte sich mit der Geschichte konsultieren und eine Petition zur Wiederherstellung des Dritten Reiches einreichen lol

anignu
22.06.2022, 23:44
Es kann doch wirklich nicht sein, dass jemand, der sein ganzes Leben extrem gut wissenschaftlich und fachlich war, ständig als inkompetent und retardiert abgestempelt wird...
Doch. Manchmal schon. Ist mir diese Woche passiert. Gab einen Vorfall in der Klinik bei dem man im Nachhinein sagen muss medizinisch ist alles absolut richtig und korrekt verlaufen, organisatorisch hätte man im Nachhinein die Sache wieder ganz genauso gemacht, da gabs auch nichts auszusetzen. Aber bei dem ganzen Fall ist es versäumt worden einen (zugegeben nicht unwichtigen) Kollegen ebenfalls zu informieren. Und der hat dann getobt dass man nichts gesagt hätte, was das für ein Saustall wäre usw. Nicht dass er medizinisch beteiligt worden wäre oder medizinisch eine andere Entscheidung getroffen hätte. Oder dass organisatorisch irgendwas anders gemacht worden wäre. Es ging einfach nur um dieses "Übergehen". Und ja, rein formal hat der Kollege recht, und ja, ist halt so gelaufen.

Aber das hat mir wieder klar gemacht dass es mitnichten darum geht medizinisch und organisatorisch alles perfekt gemacht zu haben. Wenn die Kommunikation nicht bis aufs Letzte passt, kann man im Nachhinein einen deutlich größeren Megaanschiss vor der ganzen Mannschaft kassieren weil man irgendjemanden in der Kommukationskette vergessen hat als dass man einen medizinischen Fehler gemacht hat.

Und nein, man kann sich letztlich nicht darauf zurückziehen dass medizinisch alles perfekt gelaufen ist. Wenn sich irgendwer in einer Kommunikation übergangen fühlt, kann dies als Respektlosigkeit oder Missachtung von "Vorgesetzten" bzw. Zuständigen interpretiert werden mit entsprechenden Misstönen.
Wir haben auch einen Kollegen der fachlich wirklich brilliant ist sich aber bzgl. der Kommunikation regelmäßig sowas von in die Nesseln setzt dass es ganz aus ist. Was soll ich da sagen, ist halt so. Wer glaubt dass man mit perfekter Arbeit alleine schon weiter kommt und auf seine Kommunikation nicht achten muss hat halt verloren. Da gibt es genug fachlich medizinisch deutlich schlechtere Leute die aufgrund ihrer Kommunikation einfach besser durch bzw. weiter kommen.

Endoplasmatisches Reticulum
23.06.2022, 07:29
Das formgerechte Umtanzen fragiler Ober- und Chefärztlichkeit ist entscheidender für die empfundene Qualität der Arbeit von Ärzten in Weiterbildung als die tatsächliche Leistung?

Du kannst dir mein überraschtes Gesicht kaum vorstellen.

davo
23.06.2022, 18:08
Bei manchen der Kommentare in diesem Thread wundert es mich überhaupt nicht, dass es da im Arbeitsalltag zu sozialen Problemen kommt - aber schuld dran sind natürlich immer die anderen :-))

RussianAngel
23.06.2022, 19:06
Klar lebt es sich einfacher, wenn man den Anderen die Schuld gibt...;-) allerdings arbeitet sich als AA so eigentlich gar nicht, weil man als AA eben immer die Schuld hat, egal was...bei Berufen mit wenig Gratifikation und keinem Spielraum für Freiheit winkt schon ab dem ersten Tag der Burn-out, das ist einfach lehrbuchmässig...

Kackbratze
23.06.2022, 20:10
Alles Opfer. Egal wo. Aber hier wird wenigstens zugehört. Soll ja auch helfen.