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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berufsleben: zwischen Spaß an der Tätigkeit und Wunsch das der Tag vorbei ist



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Endoplasmatisches Reticulum
24.06.2022, 20:16
In einer benignen Abteilung entspannt mit dem Strom schwimmen ist dein Beispiel, wie man sich in einer malignen Abteilung verhalten sollte? So viel Zynismus hätte ich dir gar nicht zugetraut! :D

hebdo
24.06.2022, 21:39
Das ist jetzt der dritte aktuell aktive Thread wo ich mich frage ob hier wirklich erwachsene Menschen schreiben. Wo ist der Realismus, die Eigenverantwortung und die Eigeninitiative?

"Ich bin fast Medizinstudent und habe doch tatsächlich an dem generell beliebtesten Part, dem Pflegepraktikum, keine Freude. Die großen Schwestern ärgern mich und ich muss Nachttische wischen anstelle mich um Fäkalien, Erbrochenes, stinkende Wunden und ähnliches zu kümmern. Ich träume eigentlich auch lieber von Sonnenschein, saftigen Wiesen und zwitschernden Vögeln - in gut klimatisierten Räumen von netten Menschen umgeben"

"Man, ich habe jetzt zwei Wochen gearbeitet, ich bin noch nicht voll eingearbeitet, die anderen machen 10 Dienste und es haben doch tatsächlich Fachärzte gekündigt. Soll ich nicht lieber gleich auf den Ponyhof der plastischen oder Herzchirurgie wechseln, bevor ich anfangen muss richtig zu arbeiten? Da bin ich motiviert und halte einiges aus. Aber allein die Vorstellung den gleichen Sch.. in der ACh/ GCh zu machen ... no way"

"Hätte ich doch lieber in den USA studiert. Da würde ich mit einem sechstelligen Kreditbetrag in eine mindestens 80h-Woche starten. Ich bekomme dafür automatisch ohne Eigeninitiative eine hervorragende Weiterbildung in einem Krankenhaus der beliebten Midwest-Staaten und verdiene mindestens 300.000$ beim Herumsitzen in meiner Praxis. Es gibt eine tolle Awareness bei Rassismus und Gender-Themen. Und jeder hat sein eigenes Sturmgewehr. Hätte ich das nur vorher gewusst"

Ich finde die Empathie der Mitglieder bewundernswert. Es ist auch keinesfalls naiv, sich von fremden Personen in einem anonymen Forum eine Karriereberatung einzuholen. Als Transfusionsmediziner oder Mikrobiologie hat man ja schließlich eine objektive Sicht und kann die Karriereschritte eines Herzchirurgen am besten bewerten.

Und: das Medizinstudium ist eine Sackgasse. Keine Kohle, keine Entfaltungsmöglichkeiten, nichts.

Bonnerin
25.06.2022, 06:39
In einer benignen Abteilung entspannt mit dem Strom schwimmen ist dein Beispiel, wie man sich in einer malignen Abteilung verhalten sollte? So viel Zynismus hätte ich dir gar nicht zugetraut! :D

Süß. Und demonstriert wieder schön das Grundproblem. Die Abteilung war mitnichten "benigne". Aber ca. 2 Monate vor meinem PJ hat mal jemand der Assistenten entschieden, dass er Pause machen wird, no matter what. Und die anderen haben mitgezogen. Erst kam Gemaule auf, aber am Ende haben dann alle mitgemacht und festgestellt, dass in den 30 Minuten die Welt nicht untergeht.
Egal, wie "benigne" oder "maligne" eine Abteilung ist - wenn man sich sein Recht nicht nimmt, bekommt man es nicht.

Das gilt auch für den TE, falls er/sie sich nochmal melden sollte.

davo
25.06.2022, 09:13
Die meisten Beiträge in diesem Thread haben mit dem Problem des Threaderstellers nichts zu tun.

Der Threadersteller findet das Pflegepraktikum langweilig und unangenehm. Naja - so geht es wahrscheinlich 90% aller Medizinstudenten. Daraus abzuleiten wie man die Arbeit als Arzt finden wird, ist absolut unzulässig. Es ist halt ein Pflichtpraktikum, das wenig sinnvoll ist - man absolviert es, weil notwendig, und gut ists.

Um auf die Fragen des Threaderstellers einzugehen: Mir macht meine Arbeit sehr wohl Spaß, und ich empfinde sie auch als angenehm. Und ja, ganz grundsätzlich gehe ich gerne zur Arbeit. Dass sich das, wenn es Montag früh ist und man eine intensive Woche vor sich hat, manchmal anders anfühlt ist ja völlig normal. Arbeit ist eben Arbeit, und nicht Freizeit.

Es gibt meines Erachtens auch in Fächern der direkten Patientenversorgung genug Möglichkeiten, einen erträglichen Arbeitsalltag zu haben.

Endoplasmatisches Reticulum
25.06.2022, 09:34
Süß. Und demonstriert wieder schön das Grundproblem.

Erstmal hast du einen Selection Bias. Wäre das mit der Pause gescheitert, hättest du das als PJ nicht einmal mitbekommen. Dann ist es Hörensagen. Du berichtest von einem Ereignis, das Monate vor dir stattfand. Heldenmythen strahlen im Buschfunk. Zuletzt bleiben alle relevanten Fragen offen: Wer genau hat das mit der Pause beschlossen, wie genau sah der Widerstand aus, von wem kam der? Das ist nichts als Anekdotengepflücke. Ich kann von gegenteiligen Erfahrungen berichten, übrigens aus erster Hand. Beeindruckt niemanden.

Je nach persönlicher Situation ist das Rechtnehmen oft ein nicht tragbares Risiko. Ein Assistenzarzt im Alleingang revolutioniert keine gestandene Abteilungskultur – erstrecht nicht, wenn er frisch dabei ist. Eher positioniert er sich als Unruhestifter. Mit einem gewissen Standing kann man risikoaffiner werden, aber das muss man erstmal haben. Ansonsten ist der weitere Verlauf unberechenbar und damit ein denkbar schlechter Baustein im Fundament der Lebensplanung.

Das eigentliche Problem bleibt das System, das einen Großteil der Assistenten über eine Vielzahl an strategisch positionierten Hebeln erpressbar macht und für lange Zeit hält. Dass die fehlende Streitfreudigkeit des durchschnittlichen Arztes als negativer Verstärker wirkt, da sind wir uns glaube ich alle einig. Aber das ist nicht die Ursache. Ein Blame Shift zum AiW zielt am Hauptkonflikt vorbei.

„Süß“ finde ich, wenn Klinikflüchtlinge aus dem Laborexil heraus, Nischenoberärzte und Fachärzte in Niederlassung mantraartig aktiven Widerstand oder niedrigschwelligen Stellenwechsel im Monatsrhythmus als Lösung für sämtliche Assistenzarztprobleme im Klinik-Setting predigen. Jedem AiW in jeder Situation stumpf zu empfehlen, sich „einfach zu wehren“ oder „einfach zu kündigen“ ist kontextbefreiter, unreflektierter, unpassender, unempathischer und damit letztlich nutzloser Maschinensingsang. Am Ende des Tages ist nichts davon „einfach“. Und wenn es das für dich persönlich doch war, dann denk doch mal in einer stillen Minute darüber nach, inwieweit du hier vielleicht, nur gaaanz vielleicht, individuelles Privileg und/oder schnödes Glück verkennst.

davo
25.06.2022, 10:34
Dein Problem ist ganz einfach, dass du nicht akzeptieren kannst, dass nicht jeder alles so schrecklich und so ausweglos wie du findet.

cartablanca
25.06.2022, 10:38
Ich hab's schon in verschiedenen Threads gesagt. Es sind nicht "die" Pflegekräfte, die einen drangsalieren. Mach deine Praktika im Ausland und du erlebst ein Wunder. Es sind vor allem deutsche Pflegekräfte und Mitarbeiter die einen wie Scheiße behandeln. Ich kenn auch einen Kollegen den man dermaßen genervt hat, dass er das Pflegepraktikum am Ende abgebrochen und im Ausland absolviert hat. Frag dich mal rum. Habe inzwischen über 20 ausländische Ärzte und Pjler bis zur Oberarztebene gefragt und du kriegst von allen die gleiche Antwort. Fast 100 % aller zwischenmenschlichen Probleme hängen mit einer gewissen "Kultur" in diesem Land zusammen.
Anschreien, rumkomandieren, anschwärzen, "bin ich nicht zuständig", "das ist ärztliche Aufgabe", lästern, Beschwerden schreiben ...
Machen das Russen, machen das Türken oder Phillipiner? Seien wir doch mal ehrlich. Ne da hat man dann auch keinen Bock mehr zur Arbeit zu gehen - egal um welchen Job es sich handelt.

Endoplasmatisches Reticulum
25.06.2022, 11:11
Dein Problem ist ganz einfach, dass du nicht akzeptieren kannst, dass nicht jeder alles so schrecklich und so ausweglos wie du findet.
Aus welchen meiner Aussagen leitest du das ab? Ich bin ein ziemlich hoffnungsvolles Häufchen :')

Holthusen
27.06.2022, 15:32
Also ich würde sagen, dass dies eine überspitzte Darstellung ist. Nach einem Jobwechsel ins Ruhrgebiet war ich beispielsweise angenehm überrascht von der Pflege: mehr selbstständig, pragmatisch, kein Interesse an dauernden Konflikten, auch mal 5 gerade sein lassen, es war auch ein Großteil Ausländischer Herkunft, wie im Ruhrgebiet üblich.
An meinem alten Arbeitsort, ist und war die Pflege deutlich beschränkter und dogmatisch, schwieriger im Ungang.

RussianAngel
28.06.2022, 18:21
Ich würde den Schwerpunkt auf die ausländische Herkunft legen ;-) Spass beiseite: natürlich sind die Leute im Ruhrgebiet lockerer als in Bayern, hat beides Vor- und Nachteile...Das Allerwichtigste ist aber immer eins, das hat mir ein befreundeter Arzt schon im PJ gesagt: "Ich war so depressiv im ersten Jahr, dass ich Psychomotorisch verlangsamt war...Das Einzige, was zählt ist, dass Dich Dein Chef mögen muss" und eben nicht irgendwelche anderen Qualitäten und Charakterzüge...Simpel, aber wahr ...

nie
28.06.2022, 19:24
.Das Einzige, was zählt ist, dass Dich Dein Chef mögen muss" und eben nicht irgendwelche anderen Qualitäten und Charakterzüge...Simpel, aber wahr ...


Ist das so? Wo steht das denn? Das hat mir irgendwie keiner gesagt als ich meine erste Stelle angetreten habe. Mist… und was muss man so machen, dass der Chef einen mag. Vielleicht kann ich nach 3 Jahren doch noch was retten wenn ich jetzt alles richtig mache.

RussianAngel
28.06.2022, 19:29
Ist das so? Wo steht das denn? Das hat mir irgendwie keiner gesagt als ich meine erste Stelle angetreten habe. Mist… und was muss man so machen, dass der Chef einen mag. Vielleicht kann ich nach 3 Jahren doch noch was retten wenn ich jetzt alles richtig mache.

Es steht nirgendwo, aber dies zeigt mindestens meine Erfahrung und die von meinen befreundeten Kollegen...Leider geht der Weg nach oben durch AnschmeWenn jemand ein Fehler macht, den der Chef gut mag, heisst es: dafür ist die Ausbildung da, um zu lernen, wenn es einer ist, den man nicht so mag: er ist inkompetent...

Feuerblick
28.06.2022, 19:52
Pro-Tipp: Viele (gute) Chefs finden Schleimer total schrecklich und inkompetent. Chefs, die Schleimer mögen, sind keine Chefs, unter denen man arbeiten möchte.
@nie: Brauchst du nicht. Ich habe die gesamte Facharztzeit überstanden, ohne mir je Mühe gegeben zu haben, dass der Chef mich mag. Ich hab Widerworte gegeben, mit denen gestritten, Dinge verweigert, Dinge eingefordert, gezickt… Komischerweise mochten sie mich am Ende doch. ;-) Manchmal ist es sinnvoller, mit Leistung zu gefallen als mit angepasstem Verhalten.

RussianAngel
28.06.2022, 21:11
Meine Erfahrung an "Eliteunis" ist leider anders...Diskutieren wird da nicht gerne gesehen...Klar, man kann sagen: kein guter Chef...Allerdings schwer, wenn man sieht, dass Volldeppen, die kaum das Studium geschafft haben oder einen Studienplatz eingeklagt haben, Professoren werden, nur weil sie "nicht diskutieren"...
Dies ist wie gesagt meine Erfahrung, sicherlich gibt es auch andere Ansichten...Als Ausländer hat man es ehe doppelt schwer leider und es wird ehe generell alles in Frage gestellt...

Feuerblick
28.06.2022, 21:21
Selbst schuld, wenn man sich unbedingt eine „Eliteuni“ geben muss. Keine zehn Pferde hätten mich in so ein Etablissement gebracht. :-nix
Wer sich so einen Weg aussucht, muss halt mit seinem selbstgewählten Schicksal klarkommen. :-meinung

RussianAngel
28.06.2022, 21:28
Manche sind halt an der Unimedizin aufrichtig interessiert, sowie an Forschung ...klar, man kann auch auf dem Land arbeiten, aber das kommt nicht für jeden in Frage aus unterschiedlichen Gründen...und klar, muss man klarkommen, das stimmt, aber manchmal überschreitet es die humane Grenze (s. den Tread mit dem Mobbing vor kurzem)...Auch jemandem mit 20 Papers kann man das Leben schwer machen, es arbeiten dort Ellenbogenleute...da hilft es wenig, wenn man mit dem Chef schlecht klarkommt...

Bille11
29.06.2022, 18:55
Manche sind halt an der Unimedizin aufrichtig interessiert, sowie an Forschung ...klar, man kann auch auf dem Land arbeiten, aber das kommt nicht für jeden in Frage aus unterschiedlichen Gründen...und klar, muss man klarkommen, das stimmt, aber manchmal überschreitet es die humane Grenze (s. den Tread mit dem Mobbing vor kurzem)...Auch jemandem mit 20 Papers kann man das Leben schwer machen, es arbeiten dort Ellenbogenleute...da hilft es wenig, wenn man mit dem Chef schlecht klarkommt...

Dazu will ich Dir gerne erzählen, dass Feuerblick an mindestens 2 renommierten Unis gearbeitet hat, dies sicher > 8 Jahre lang.
Wisse, mit wem Du worüber diskutierst..

Feuerblick
29.06.2022, 19:09
Danke! Waren im Arztberuf nur 6 Jahre, aber insgesamt fast 10 Jahre Unimedizin (an drei Unikliniken btw.). ;-) Und einfache Chefs/Oberärzte hatte ich ganz sicher nicht.
Es hilft aber auch an der Uni, wenn man seinen Job gut und richtig macht und organisiert ist. Wenn der Chef und die OÄ sich auf dich und deine Arbeit verlassen können. Wenn du keinen Bockmist baust, fachlich was drauf hast. Dann muss man nicht schleimen und darf sogar ungeköpft seine Meinung sagen. :-))
Ist bestimmt für klassisch akademisch erzogene Menschen aus reinen Karriere-Arztfamilien kaum vorstellbar. Die wurden einfach anders sozialisiert. :-nix
Nochmal: Ich hätte mir für kein Geld der Welt die Unis geben wollen, die in unserem Fach „Elite“ sind. Aber selbst da hätte ich sicher weder den Mund gehalten noch geschleimt. Dafür bin ich nicht gebaut. Eher hätte ich den Job wieder hingeschmissen. NICHTS ist es wert, seine Seele dafür zu verkaufen. NICHTS!

nie
29.06.2022, 19:20
Es hilft aber auch an der Uni, wenn man seinen Job gut und richtig macht und organisiert ist. Wenn der Chef und die OÄ sich auf dich und deine Arbeit verlassen können. Wenn du keinen Bockmist baust, fachlich was drauf hast. Dann muss man nicht schleimen und darf sogar ungeköpft seine Meinung sagen. :-))
Ist bestimmt für klassisch akademisch erzogene Menschen aus reinen Karriere-Arztfamilien kaum vorstellbar. Die wurden einfach anders sozialisiert. :-nix

Diese Erfahrungen habe ich tatsächlich auch gemacht. Wurde aber halt auch nicht in einem
akademischen Umfeld erzogen. Mir hat einfach nie jemand beigebracht, wie man sich in einem akademischen Umfeld „richtig benimmt“ ;-) :-nix

Ich arbeite halt auch nur an der Uni weil die mir in der Uni eine Stelle angeboten haben und ich eben einen Job brauchte. Ich hätte mich proaktiv niemals da beworben wo ich jetzt arbeite… wenn mein Chef mich irgendwann doof findet, such ich mir halt einen neuen Job. Aber bisher findet er mich soweit ganz ok. Deshalb arbeite ich halt einfach weiter dort und freue mich, dass ich spannende Sachen sehen und machen kann, die ich außerhalb der Uni nie zu Gesicht kriegen würde.

Feuerblick
29.06.2022, 19:26
*unterschreibt*