Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berufsleben: zwischen Spaß an der Tätigkeit und Wunsch das der Tag vorbei ist
Danke! Waren im Arztberuf nur 6 Jahre, aber insgesamt fast 10 Jahre Unimedizin (an drei Unikliniken btw.). ;-)
Und wie lange ist das jetzt her? Nicht nur die Assistenten sondern auch die Chefs haben sich geändert. Es gab (und gibt noch selten) Chefs der "alten Schule". Die haben klare Vorstellungen und machen klare Ansagen. Da weiß man wo man dran ist. Und denen kann man durchaus Kontra geben. Mittlerweile gibt es aber auch viele Chefs, die ganz anders sind. Durch Netzwerken und strategisches Verhalten sind sie an die Position gekommen an der sie nun stehen.
Feuerblick
29.06.2022, 19:45
Ich hatte keine Chefs der alten sondern der „neuen“ Schule. Sozialisiert mit „Spring!“ „Okay, wie hoch?“. Die alten Chefs waren vorher in Rente gegangen oder auf dem Absprung.
Auch Chefinnen dieser Schule. Drachen, denen niemand widersprechen wollte. Wo jeder zuckte, wenn jemand Widerwort gab. Jähzornig, verhaltensoriginell. Chefs, die mit netzwerken nach oben gekommen sind. Einen OA, der fachlich nichts konnte, aber gute Verbindungen hatte und richtig link war. Nee, das war „damals“ auch schon so. Das ist kein neues Phänomen.
Edit:
Hab mich mit Feuerblick überschnitten.
Tatsächlich hat Miss H nicht unrecht. Da ist mittlerweile wieder eine neue Generation Chefs gewachsen, die wieder ganz anders drauf ist. Die sind so in den letzten 5 Jahren auf ihre Posten gekommen. Und erleben deutlich mehr Druck aus der Teppichetage, den sie gerne direkt bis an die Assistenten weitergeben. Und zwar nicht in Form von Jähzorn, Wut, Geschrei etc. Die schubsen einen freundlich und verständnisvoll lächelnd in den Abgrund ohne jemals auch nur ein böses oder lautes Wort zu verlieren.
An meinem Klinikum gibt es deutliche Unterschiede zwischen „Altvertragchefs“ und der neuen Generation. Mein Chef ist auch noch von der alten Schule. In den Abteilungen mit den jungen Chefs gehts tatsächlich deutlich maligner zu.
Wobei ich auch gerade dabei bin, mal zu testen wie weit man in einer richtig malignen Abteilung so gehen kann bis es Probleme gibt. Allerdings hab ich da so oder so ein Ablaufdatum und will nichts, außer dass meine Zeit dort vorbei ist.
Feuerblick
29.06.2022, 19:48
Erfahrungsgemäß (siehe oben) kann man ziemlich weit gehen. ;-) Die Chefs der alten Schule waren mir auch lieber. Aber die hatte ich nicht.
ehem-user-12-07-2022-0938
29.06.2022, 20:26
Hört sich ja schlimm an was ihr von euren Chefs schreibt. Da kriegt man ja fast Angst vor dem Berufsanstieg. Mit jähzornigen Leuten kann ich so gar nicht. Ist für mich die schlimmste und schlechteste Charaktereigenschaft die man haben kann. Hoffe es gibt auch erträgliche Ausnahmen. Ich will auch nicht an eine Uniklinik
Feuerblick
29.06.2022, 20:50
Solche Typen kann es überall geben… muss aber nicht. Ist unangenehm, keine Frage. Wobei mir diejenigen, die einfach nur losbrüllen und danach ist die Sache vergessen, lieber sind als diejenigen, die Fehler wochenlang nachtragen und einen bei jeder Gelegenheit vorführen.
ehem-user-12-07-2022-0938
29.06.2022, 20:51
Und akademisch sozialisiert bin ich auch nicht.
RussianAngel
29.06.2022, 20:58
Insgesamt möchte ich sagen, dass mich alles auch etwas zornig und aber traurig macht...Können sich die Leute nicht bitte als erwachsene Akademiker verhalten und schauen, dass die Arbeit einfach erledigt wird? Danke schön :P
Endoplasmatisches Reticulum
29.06.2022, 21:24
Und erleben deutlich mehr Druck aus der Teppichetage, den sie gerne direkt bis an die Assistenten weitergeben. Und zwar nicht in Form von Jähzorn, Wut, Geschrei etc. Die schubsen einen freundlich und verständnisvoll lächelnd in den Abgrund ohne jemals auch nur ein böses oder lautes Wort zu verlieren.
An meinem Klinikum gibt es deutliche Unterschiede zwischen „Altvertragchefs“ und der neuen Generation. (...) In den Abteilungen mit den jungen Chefs gehts tatsächlich deutlich maligner zu.
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Die Krönung war mal ein Chef, der sich für jedes negative Feedback ekstatisch bedankt hat und Vorträge gehalten hat, wie wichtig ihm so eine offene Kommunikationskultur sei und dass in anderen Abteilungen Chefs so etwas ja nie zu Ohren bekämen. Diejenigen, die ihm das Feedback übermittelt hatten, wurden dann so kurzfristig wie vertraglich möglich in der Probezeit und trotz maximal unzureichender Stellenbesetzung mit einem Lächeln im Gesicht gefeuert, um sie "zu beschützen", da aus ihrem Feedback ja ersichtlich gewesen sei, dass sie mit dem Alltagsstress des Berufes nicht zurecht kämen. Auf so etwas zu achten gehöre ja auch zum Chefsein dazu.
RussianAngel
29.06.2022, 21:28
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Die Krönung war mal ein Chef, der sich für jedes negative Feedback ekstatisch bedankt hat und Vorträge gehalten hat, wie wichtig ihm so eine offene Kommunikationskultur sei und dass in anderen Abteilungen Chefs so etwas ja nie zu Ohren bekämen. Diejenigen, die ihm das Feedback übermittelt hatten, wurden dann so kurzfristig wie vertraglich möglich in der Probezeit und trotz maximal unzureichender Stellenbesetzung mit einem Lächeln im Gesicht gefeuert, um sie "zu beschützen", da aus ihrem Feedback ja ersichtlich gewesen sei, dass sie mit dem Alltagsstress des Berufes nicht zurecht kämen. Auf so etwas zu achten gehöre ja auch zum Chefsein dazu.
OMG :) Das ist natürlich eine Kernaufgabe jeden Chefs: zu entscheiden, wer als Arzt arbeiten darf und wer nicht...Wozu gibt es denn die Approbation, sollte am besten der Chef selber immer verteilen :D
ehem-user-12-07-2022-0938
29.06.2022, 21:33
Es gibt doch sicherlich auch genug Kliniken, wo erträgliche oder sogar gute Chefs sind? Man muss ja eh nur 6 Jahre in der Klinik bleiben.
ehem-user-12-07-2022-0938
29.06.2022, 21:39
und anschreien vor Patienten wäre bei mir die rote Linie. Unter so einem Chef kann ich nicht arbeiten. Eine Stelle, wo ich jeden Tag mit Bauchschmerzen hingehen muss, muss man sich heute nicht mehr geben, v.a. wenn man nicht die super kompetitiven Fachrichtungen machen will.
Feuerblick
29.06.2022, 21:46
Da hast du völlig recht. ;-)
Endoplasmatisches Reticulum
29.06.2022, 23:12
Es gibt doch sicherlich auch genug Kliniken, wo erträgliche oder sogar gute Chefs sind? Man muss ja eh nur 6 Jahre in der Klinik bleiben.
Sicher. Problem ist halt die klassische Triade aus "Arbeitsbedingungen", "Standort" und "Fach". Gibt man zwei vor, muss man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beim dritten eklatante Abstrichen machen. Etwaige Uneinigkeit hier im Forum rührt m.E. oft hauptsächlich daher, dass die Vorstellungen darüber, welcher Punkt welche Priorität hat, auseinander klaffen.
ehem-user-12-07-2022-0938
29.06.2022, 23:26
Sicher. Problem ist halt die klassische Triade aus "Arbeitsbedingungen", "Standort" und "Fach". Gibt man zwei vor, muss man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beim dritten eklatante Abstrichen machen. Etwaige Uneinigkeit hier im Forum rührt m.E. oft hauptsächlich daher, dass die Vorstellungen darüber, welcher Punkt welche Priorität hat, auseinander klaffen.
Kann man die schlechten Arbeitsbedingungen auch am Fach festmachen? Was wären Fächer, wo TENDENTIELL eher schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und das Risiko enttäuscht zu werden sehr groß ist. Mir ist bewusst, dass es immer auch auf Standort und Klinik ankommt. Aber gibt es Fachrichtungen, wo das klagen tendenziell höher ist? Ich habe den Eindruck, die innere gehört dazu. Aber es gibt ja unendlich viele innere-AÄ, so dass die Wahrnehmung vielleicht auch verzerrt ist. Habe beispielsweise aus der Anästhesie deutlich weniger klagen gehört
RussianAngel
30.06.2022, 00:32
Ich würde sagen Innere, Neuro und Chirurgie, tendenziell besser sind Psychiatrie, Laborfächer und ggf. Radiologie (aber dies auch nicht überall, manchmal ist es wirklich eine Katastrophe)
cartablanca
30.06.2022, 16:17
Kann man die schlechten Arbeitsbedingungen auch am Fach festmachen? Was wären Fächer, wo TENDENTIELL eher schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und das Risiko enttäuscht zu werden sehr groß ist. Mir ist bewusst, dass es immer auch auf Standort und Klinik ankommt. Aber gibt es Fachrichtungen, wo das klagen tendenziell höher ist? Ich habe den Eindruck, die innere gehört dazu. Aber es gibt ja unendlich viele innere-AÄ, so dass die Wahrnehmung vielleicht auch verzerrt ist. Habe beispielsweise aus der Anästhesie deutlich weniger klagen gehört
Innere und Neuro sind die schlimmsten Fächer. Psychiatrie kann auch schlimm sein, wenn der Chef ne F Diagnose hat.
Anne1970
30.06.2022, 16:36
:grins:
Nefazodon
30.06.2022, 18:04
Innere und Neuro sind definitiv Fächer mit hohem Patientendurchsatz und hoher Arbeitslast.
Nur, das gilt für die Chirurgie doch auch?
Was die Psychiatrie angeht...nach meiner Erfahrung schätzen Aussenstehende die Belastung immer geringer ein als in den o.g Fächern, übersehen dabei aber, dass auch in der Psychiatrie oft Notfälle auftreten, die dann hoch akut sind. Oft kostet so ein Notfall dann sehr viel Zeit....
Und leider ist man ja auch in der Psychiatrie als Diensthabender i.d.R. alleine, und kann sich nicht zweiteilen. Und man darf den Druck, den andere dann aufbauen, wenn es z.B. um einen deliranten Patienten in einer somatischen Abteilung geht, den man aber nicht sofort sehen kann, da man gerade noch mit dem akut psychotischen Patienten, der gerade mit Polizeiaufgebot eingeliefert wird, beschäftigt ist, nicht unterschätzen.
Ich will nur sagen, dass auch psychiatrische Dienste sehr anstrengend sein können. Sollte man nicht unterschätzen.
Es hängt sehr vom Einzugsbereich der Klinik ab....
Ich würde z.B. nie freiwillig in der Psychiatrie einer Großstadt arbeiten, in deren Einzugsgebiet der Hauptbahnhof (oder andere Brennpunkte) liegt;-)
Also, ich möchte einfach nur davor warnen, pauschal die Arbeitsbedingungen in der Psychiatrie für besser zu halten.
ehem-user-12-07-2022-0938
30.06.2022, 19:16
Innere und Neuro sind definitiv Fächer mit hohem Patientendurchsatz und hoher Arbeitslast.
Nur, das gilt für die Chirurgie doch auch?
Was die Psychiatrie angeht...nach meiner Erfahrung schätzen Aussenstehende die Belastung immer geringer ein als in den o.g Fächern, übersehen dabei aber, dass auch in der Psychiatrie oft Notfälle auftreten, die dann hoch akut sind. Oft kostet so ein Notfall dann sehr viel Zeit....
Und leider ist man ja auch in der Psychiatrie als Diensthabender i.d.R. alleine, und kann sich nicht zweiteilen. Und man darf den Druck, den andere dann aufbauen, wenn es z.B. um einen deliranten Patienten in einer somatischen Abteilung geht, den man aber nicht sofort sehen kann, da man gerade noch mit dem akut psychotischen Patienten, der gerade mit Polizeiaufgebot eingeliefert wird, beschäftigt ist, nicht unterschätzen.
Ich will nur sagen, dass auch psychiatrische Dienste sehr anstrengend sein können. Sollte man nicht unterschätzen.
Es hängt sehr vom Einzugsbereich der Klinik ab....
Ich würde z.B. nie freiwillig in der Psychiatrie einer Großstadt arbeiten, in deren Einzugsgebiet der Hauptbahnhof (oder andere Brennpunkte) liegt;-)
Also, ich möchte einfach nur davor warnen, pauschal die Arbeitsbedingungen in der Psychiatrie für besser zu halten.
Ich bin mir sicher, dass das auch sehr stressig ist. Unsere Psychiatrie-Dozenten sagen immer man könne in der Psychiatrie im Vergleich zu anderen Fachrichtungen nur schwer "jemanden umbringen". Also dass ein Patient aufgrund falscher, unvollständiger Diagnose, falschen Schlüssen oder falscher Behandlung verstirbt.
Gibt es in Psychiatrien eigentlich Wachpersonal? Besonders auf geschlossenen Stationen oder in der Notaufnahme? Hochagressive oder psychotische Patienten aus dem Bahnhofsmillieu können ja unberechenbar sein und hohe Kräfte entwickeln. Was soll da eine 1,60 m große Assistenzärztin die nachts alleine ist gegen tun? Oder auch auf Station?
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.