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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Muss man Dienste machen ohne opt out? Wenn ja, wie viele sind zulässig ?



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Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 10:43
Nein, Schneeflöckchen ist nicht belastbar oder kritikfähig sein, Schwafeln statt Anpacken, und bei Problemen Temper Tantrums schmeißen anstatt nach Lösungen zu suchen.

Nachtrag: Und natürlich bei jeder Gelegenheit die Diskriminierungskeule wegen Geschlecht, Aussehen, Knatteraffinität oder was auch immer auspacken.

Feuerblick
12.07.2022, 11:00
Joa, aber eben NICHTS TUN.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 11:07
Naja, doch! Schneeflöckchen sind oft sehr streit- und kampflustig, bloß gerichtet auf irrationale oder unsinnige Ziele.

Benutz das falsche Pronomen und wir können wetten, dass der Brief vom Anwalt kommt. :)

Feuerblick
12.07.2022, 11:13
Eigentlich ist der Begriff völlig egal. Es geht um die Tatsache, dass man den Assistenten nicht mehr einreden sollte, dass sich wehren (und zwar sinnvolles) immer ganz doll furchtbare Konsequenzen hat. Es sei denn, man möchte sie klein halten, weil man selbst ja auch all das dummerweise erduldet hat.

Und da geht es nicht um Opt-out.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 11:47
Stimmt. Aber die Negation von "immer" ist "nicht immer", nicht "nie". Sinnvolles Wehren kann auch bedeuten, nicht sofort "Nein!" ins Megaphon zu brüllen, wenn der Chef mit dem Güllekarren um die Ecke gebogen kommt, sondern die erstmal zu schlucken, sich parallel zu bewerben und auf die Pauke zu hauen, wenn ein Plan B auf festem Grund steht. Sowas einzuschätzen kann von Berufsanfängern schon viel verlangt sein, finde ich. Selbst erfahrene Ärzte dürften da gar nicht so selten straucheln.

Besonders knifflig wird es, wenn die Jungen unsicher, übereifrig und übermotiviert sind, aber gleichzeitig die Teamdynamik noch gar nicht richtig kennen; also auch nicht wissen, welchen Kollegen sie vertrauen können und welche Kollegen Ratten sind. Ich habe Assistenzärzte erlebt, die Frischlingen Arztzimmer genau diese "Ihr müsst euch wehren"-Mentalität gepredigt haben und dann zum Chef gerannt sind, um dem zu stecken, welche der Neulinge angeblich komplett überfordert und unfähig seien. Ich verstehe es, als Neuling im Zweifel erstmal zurückhaltend und vorsichtig zu sein und das Terrain zu sondieren, bevor man tollwütig ins Ungewisse schießt.

(Dass in Fächern wie Derma, Uro, HNO, PCH selbst in Größstädten deutschsprachige Bewerber "händeringend gesucht" würden, halte ich für absurd. Es gibt hier und da Ausschreibungen und man kann mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber unter "händerringend suchen" verstehe ich persönlich etwas anderes.)

Feuerblick
12.07.2022, 11:51
Ja und? Dann weiß man doch wenigstens, dass man in diesem Team nicht arbeiten möchte. :-nix

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 12:01
Aber man weiß es hinterher.

Thomas24
12.07.2022, 12:05
(Dass in Fächern wie Derma, Uro, HNO, PCH selbst in Größstädten deutschsprachige Bewerber "händeringend gesucht" würden, halte ich für absurd. Es gibt hier und da Ausschreibungen und man kann mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber unter "händerringend suchen" verstehe ich persönlich etwas anderes.)

Wenn sich der ein OA der Heidelberger Uni HNO (bekanntermaßen eine unattraktive Kleinstadt mit bedeutungsloser Universität, inmitten einer unattraktiven Metropolregion im Nirgendwo) darüber beklagt, dass er mit 3 ausländischen Berufsanfängern mit mäßigen Sprachkenntnissen die Ambulanz schmeißen soll, dann ist was im Bewerbergefüge deutlich aus dem Ruder gelaufen. "Händeringend gesucht" bedeutet nicht, dass dich der CA auf dem nach Hause weg stalkt und dir parfümierte Briefe nebst Obstkorb und Konzertkarten zukommen lässt, aber dass deine Bewerbung *sehr wohlwollend* betrachtet wird, auch ohne PJ und nahezu abgeschlossener Promotion im Fach.

Wir haben nicht mehr die Berufsanfängerschwemme wie in den späten 90 ern. Und die Boomer Generation geht gerade massenweise in die Rente- die Perspektive für junge Kollegen verbessert sich immer mehr.

Feuerblick
12.07.2022, 12:07
Nun habe ich Kopfkino...

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 12:13
Wenn sich der ein OA der Heidelberger Uni HNO (bekanntermaßen eine unattraktive Kleinstadt mit bedeutungsloser Universität, inmitten einer unattraktiven Metropolregion im Nirgendwo) darüber beklagt, dass er mit 3 ausländischen Berufsanfängern mit mäßigen Sprachkenntnissen die Ambulanz schmeißen soll, dann ist was im Bewerbergefüge deutlich aus dem Ruder gelaufen.
Und was sagt das jetzt aus, abgesehen davon, dass da anscheinend eine konkrete Abteilung nicht den Absprung aus der Abwärtsspirale geschafft hat?


"Händeringend gesucht" bedeutet (...) dass deine Bewerbung *sehr wohlwollend* betrachtet wird, auch ohne PJ und nahezu abgeschlossener Promotion im Fach.
Sorry, aber das hat mit "händeringend gesucht" nun wirklich gar nichts zu tun.

dissection
12.07.2022, 12:33
Wenn sich der ein OA der Heidelberger Uni HNO (bekanntermaßen eine unattraktive Kleinstadt mit bedeutungsloser Universität, inmitten einer unattraktiven Metropolregion im Nirgendwo) darüber beklagt, dass er mit 3 ausländischen Berufsanfängern mit mäßigen Sprachkenntnissen die Ambulanz schmeißen soll, dann ist was im Bewerbergefüge deutlich aus dem Ruder gelaufen. "Händeringend gesucht" bedeutet nicht, dass dich der CA auf dem nach Hause weg stalkt und dir parfümierte Briefe nebst Obstkorb und Konzertkarten zukommen lässt, aber dass deine Bewerbung *sehr wohlwollend* betrachtet wird, auch ohne PJ und nahezu abgeschlossener Promotion im Fach.

Wir haben nicht mehr die Berufsanfängerschwemme wie in den späten 90 ern. Und die Boomer Generation geht gerade massenweise in die Rente- die Perspektive für junge Kollegen verbessert sich immer mehr.

Ich arbeite an so einer besagten Uniklinik in der beliebtesten Großstadt im Süden. Die Bewerbersituation hat hier einen Grund. Dennoch weicht man hier seitens Chef- und Oberarztriege nicht vom alten Kurs ab. Es findet weiter wenig Weiterbildung statt, Wertschätzung und Karriereentwicklung gibts nicht - weil war schon immer so. Ich weiss nun nicht wie ich von so einer desolaten Kliniksituation unmittelbar profitieren will. Konsens unter den Assistenten ist hier sich ein paar Rosinen in bestimmten Bereichen, Funktionen oder Forschung rauszupicken und dann abzuhauen (USA, Schweiz, ambulanter Bereich).

Unter einer sich stetig verbessernden Perspektive würde ich verstehen, dass ich als gut und universitär ausgebildeter Facharzt (i know das geht häufig nicht Hand in Hand oder schließt sich aus) längerfristig gute Opportunitäten im ambulanten und stationären Sektor habe. Im deutschen ambulanten Sektor werden meine Niederlassungsperspektiven durch institutionelle Investoren schlechter, im stationären Bereich dürfte ich mich dann mit den heutigen Problemen in deutlich aggravierter Form herumschlagen (siehe aktuelle patchwork-Lösungsansätze zur Behebung des GKV-Defizits, weitere demographische Entwicklung). Ein nicht zu finanzierendes Gesundheitssystem kann doch nur bedeuten dass mein zukünftiger Teil des Kuchens kleiner wird, egal wo ich Deutschland lande. Oder die allmächtige unsichtbare Hand und Gesetze von Angebot und Nachfrage lassen mich profitieren, weil meine internistische Ausbildung viele Mitstreiter aus o.g. Gründen abbrechen.
Wo sind die 70er Jahre für die Ärzte wenn man sie mal braucht und wenn wir schon den Ölpreisschock und die Stagflation dazu haben?

Btw cool dass du wieder vermehrt postest Thomas, deine Perspektive wird hier gewertschätzt. :-party

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 12:54
Ich arbeite an so einer besagten Uniklinik in der beliebtesten Großstadt im Süden. Die Bewerbersituation hat hier einen Grund.
Habt ihr keine Bewerber, oder unterschreibt bloß keiner?

Matzexc1
12.07.2022, 14:41
Btw cool dass du wieder vermehrt postest Thomas, deine Perspektive wird hier gewertschätzt. :-party

:-party:-meinung


Habt ihr keine Bewerber, oder unterschreibt bloß keiner?

Oder sie flüchten nachdem sie hospitiert haben

][truba][
12.07.2022, 16:05
Also Berlin und Uro findest du auf jeden Fall Stellen. Die will man halt nicht lange ertragen aber sie sind da und waren zumindest vor gut 3-4 Wochen auch noch ausgeschrieben. Das man aber eine gute Stelle findet, das ist glaub ich der Knackpunkt.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 16:32
Und diese Chefs "suchen händeringend"? Oder können sie sich diese hohe Fluktuation auf Grund gruseligster Arbeitsbedingungen nicht vielmehr gerade deshalb erlauben, weil sich immer jemand findet?

dissection
12.07.2022, 17:53
Habt ihr keine Bewerber, oder unterschreibt bloß keiner?

Zu hohe Personalfluktuation unter den Leuten die über 2 jahre Berufserfahrung haben und zu wenige Bewerbungen.

][truba][
12.07.2022, 19:33
Diesen Chefärzten ist es eigentlich egal wer (oder wie viele) die Arbeit machen. Sie soll(te) nur gemacht sein…

anelanna
12.07.2022, 19:55
Nun habe ich Kopfkino...

Also den Obstkorb und die Konzertkarten nehme ich gerne :P

Insgesamt vielen Dank für die interessante Diskussion:)! Ich habe gemerkt muss dann wohl selbst im Dienstplan Einspruch erheben, wenn ich in zwei Monaten weiterhin übermäßig auftauche.

Das Problem mit den Fluktuationen haben wir auch, viele Hospitanten, wenige Dienstfähige… hatten schon mehrere Leute die hier nur hergekommen sind, dass ne Klinik sie unter Vertrag hat, und nach bestandener Deutsch und evtl. Kenntnisprüfung (was in der Regel mehrere Monate dauert)- die Leute dürfen und können praktisch bis dahin kaum etwas- sich danach verduftet haben. Hier schön eingearbeitet, auch mit Blut abnehmen und viggo etc., was sehr viel Arbeit zusätzlich ist, und dann hast du nicht mal was davon, weil sie dann gehen :( Chef stellt trotzdem alles ein, was in weitestem Sinne als Arzt durchgewunken werden könnte.
Und Honorarärzte machen ja keine Dienste, nur die eigenen werden verheizt

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2022, 20:17
"Auch" mit Blutentnahmen und Braunülen?

Holthusen
12.07.2022, 20:21
Also als Assi ist man zwar gesucht, aber wenig respektiert. Selbst manche Schreibkraft fühlt sich darüber erhaben. "Die" müssen ja noch lernen. Außerdem Kommen und Gehen sie ständig, brechen die Weiterbildung ab oder wechseln das Fach. Falls Mal wer kündigt, ist das keine so große Sache. Findet sich schon jemand.

Grundsätzlich sollte man drauf bestehen, dass Überstunden gezahlt werden oder ein adäquates Dienstmodell bzgl der Arbeitsbelastung herrscht sowie Rotationen angeboten werden. Wenn der Chef sowas persönlich nimmt und zb Kontakt zum Betriebsrat nicht wünscht , passt man nicht besonders gut zusammen.
Natürlich ist er knausriger bei den Bescheinigung für die Weiterbildung bei unbequemen Leuten als bei den Ja und Amen Sager. Leider. Andererseits muss er ein Zeugnis ausstellen und das Logbuch ausfüllen. Man sollte also dokumentieren, was man alles geleistet hat. Problematisch ist sowas dann bei Untersuchungen oder OPs , die kaum mehr durchgeführt werden. Um es kurz und knapp zu sagen: Leider kommt man mit dem "arschkriechen " bequemer durch. Ein Spagat zwischen fairen Arbeitsbedingungen und Weiterbildung sowie es sich nicht mit dem Weiterbilder zu verscherzen. Weiterbildung ist nie einfach. Augen zu und durchziehen.