PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dauerhaft über 70 Stunden pro Woche..Wieviel habt Ihr?



Seiten : 1 [2] 3 4 5

nie
03.08.2022, 05:29
Ich bin froh, wenn ich pünktlich komme… ich glaub, ich war noch nie früher als nötig auf der Arbeit. :-oopss

In meiner aktuellen Klinik hieß es auch, dass man in Dienstkleidung in der Frühbesprechung sitzen soll. Hätte bedeutet, dass ich rund 15-20 Minute vor Dienstbeginn im Haus sein müsste (mein Spind ist weiiiit weg vom Konferenzraum). Sehe ich mal so gar nicht ein. Sitze dementsprechend immer in Privatkleidung in der Besprechung und bisher hat sich keiner daran gestört…

Lakemond
03.08.2022, 07:38
Hätte bedeutet, dass ich rund 15-20 Minute vor Dienstbeginn im Haus sein müsste (mein Spind ist weiiiit weg vom Konferenzraum). Sehe ich mal so gar nicht ein.

Wenn es aber so angeordnet ist, dann gilt diese Zeit als Arbeitszeit und mann soll jede Minute aufschreiben!
Bei 15 Minuten sind es ca. 7 zusätzliche Tage.
Bei 20 Minuten 9 Tage, also knapp zwei Wochen Urlaub!
Einfachere Lösung wäre natürlich die Übergabe 15 Minuten nach Dienstbeginn zu starten. Wird auch in vielen Kliniken praktiziert.

Heerestorte
03.08.2022, 08:47
Habe ich nie regelmäßig gemacht, um generelle organisatorische Defizite auszugleichen.
Höchstens selten mal, wenn ich weiß, dass an dem Tag viele meiner Patienten zu entlassen sind, die z.B. noch eine Blutentnahme mit ggfs. nötiger Reaktion auf die Laborwerte benötigen/ wirklich früh von einem Transportdienst abgeholt werden und ich den Brief am Tag vorher erst kurz vor knapp diktiert habe und ihn noch korrigieren oder letzte Dinge einfügen möchte. Also komme ich letztlich eigentlich nur dann mal früher, wenn ich weiß, dass noch Dinge zu erledigen sind, die ich mit besser Organisation am Vortag hätte erledigen können.
Aber Organisationsversagen der Abteilung dadurch abmildern, dass ich jeden Tag früher zur Arbeit komme, als ich laut Vertrag müsste??? Never!

Man kommt halt etwas früher um zu schauen, welche Patienten man in der Nacht evtl auf Station bekommen hat und/oder ob es über Nacht Katastrophen gab. Manche machen noch ne Vorvisite, das hab ich selbst aber noch nie gemacht.

Endoplasmatisches Reticulum
03.08.2022, 08:52
Die Spielchen kenne ich auch zur Genüge ...

Dienstbeginn um 7 Uhr, und um Punkt 7 Uhr startet die Visite.
Quasi tägliche Stationsarztwechsel, sodass man keinen Patienten kennt.
Keine PCs zur Visite, sodass man faktisch im Vorfeld die Labore durchschauen muss.

Zeit zum Umziehen wurde glaube ich nur in einer einzigen Klinik berücksichtigt. Da hat man täglich einige Minuten Arbeitszeit gutgeschrieben bekommen. Überall sonst wurde halt pauschal angenommen, dass man das in den 7.5 h Arbeitszeit macht; egal wie die einzelnen Abteilungen organisatorisch aufgestellt waren.

Klar, kann man alles einfach sein lassen. Aber es wird unterschwelliger Druck aufgebaut, das ist das Tückische. Man müsste oft einen offenen Konflikt lostreten, um sich gegen solche etablierten Unzulänglichkeiten zu wehren. Kann/will nicht jeder. Gerade in gefragten Fächern/Gebieten/als Neuling, wenn es sonst niemand macht.

nie
04.08.2022, 13:12
Man kommt halt etwas früher um zu schauen, welche Patienten man in der Nacht evtl auf Station bekommen hat und/oder ob es über Nacht Katastrophen gab. Manche machen noch ne Vorvisite, das hab ich selbst aber noch nie gemacht.

Hab ihr dafür keine Dienstübergabe
oder Frühbesprechung? Bei uns berichtet der Diensthabende genau solche Dinge in der Besprechung. Und was spricht dagegen, erst nach Dienstbeginn rauszufinden, wer in der Nacht kam oder ob es Katastrophen gab?


Einfachere Lösung wäre natürlich die Übergabe 15 Minuten nach Dienstbeginn zu starten. Wird auch in vielen Kliniken praktiziert.

In meiner eigentlichen Klinik zum Glück auch. Man kommt um 8 Uhr, verschafft sich einen kurzen Überblick, zieht sich um und um 8:15 Uhr ist Besprechung. Danach startet dann der Tag.

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2022, 13:21
Hab ihr dafür keine Dienstübergabe
oder Frühbesprechung? Bei uns berichtet der Diensthabende genau solche Dinge in der Besprechung. Und was spricht dagegen, erst nach Dienstbeginn rauszufinden, wer in der Nacht kam oder ob es Katastrophen gab?
Der Umstand, dass v.a. operative Fächer gerne die Visite schon vor der Frühbesprechung unmittelbar zu Dienstbeginn anfangen.

Der Umstand, dass man dadurch in vielen Kliniken die Überstunden durch "vor Dienstbeginn für die Übergabe kommen" ersetzt durch Überstunden für "nach dem Dienst für die Übergabe bleiben".

Ist idiotisch, aber eben oft bewusst so organisiert. Klar kannst du dann einfach ohne Übergabe anfangen (Modell 1) oder nach dem Dienst abhauen, ohne den Kollegen eine Übergabe zu machen (Modell 2). Da sind wir halt wieder zurück am Anfang: Hast du die Eier und bist du in der Position, dich systmatisch bei allen vom Assistenzkollegen bis hin zum Chefarzt maximal unbeliebt zu machen?

Heerestorte
04.08.2022, 13:41
Hab ihr dafür keine Dienstübergabe
oder Frühbesprechung? Bei uns berichtet der Diensthabende genau solche Dinge in der Besprechung. Und was spricht dagegen, erst nach Dienstbeginn rauszufinden, wer in der Nacht kam oder ob es Katastrophen gab?



In meiner eigentlichen Klinik zum Glück auch. Man kommt um 8 Uhr, verschafft sich einen kurzen Überblick, zieht sich um und um 8:15 Uhr ist Besprechung. Danach startet dann der Tag.

Wie ER schon sagte, die Dienstbesprechung/Übergabe ist nach der Visite, bringt also nix. Und wenn man Pech hat, hat man dann zig Patienten bei Visite, von denen man noch nie gehört hat. Deshalb etwas früher da sein. Ist dumm, ist aber halt so.

Endoplasmatisches Reticulum
04.08.2022, 13:46
Man müsste den Dienstbeginn 30 min nach vorne verlagern.

Aber oh no! Der OP-Plan hat ja feste Zeiten. Da kann man nach hinten doch nichts wegknipsen, weil maximal erlösrelevant. Davon ab wäre regulärer Dienstbeginn täglich um 6:30 Uhr außerdem ... ein eher spezieller Genuss.

Hat schon alles System.

Miss_H
04.08.2022, 16:21
Da bin ich ja froh über unser System. Dienstbeginn um 7:30 mit der Übergabe. Dienstag und Freitag direkt anschließend die Chefarztvisite. Kollegen die in den OP müssen verschwinden währenddessen einfach (ist auch so vom Chef gewollt). An den anderen Tagen macht man alleine Visite/Entlassungen. Allerdings macht man am Nachmittag eine Visite mit OA/OÄ. Und das läuft leider häufig außerhalb der eigentlichen Arbeitzeit, da erst der OP und die Nachmittagsbesprechung abgeschlossen werden. Aber zum Glück hat man nicht so häufig Stationswoche.

koelnerchen
10.08.2022, 22:01
Neue Klinik, neues Glück oder eben Pech. Gerade Probezeit rum, also Schnitt über 6 Monate (24 Wochen zugrunde gelegt): schon geplant mit Diensten ("Bereitschaft" die keine ist, sondern oft Vollarbeit, davon abgesehen) in der Inneren (4. Jahr): 50 Stunden.
Dazu kommen noch die Überstunden.
Kollidiert leider ziemlich mit dem Arbeitszeitgesetz.
Aber irgendwo findet sich ganz sicher noch ein Schlupfloch, das das legal macht ("Bereitschaft").
Fazit: Überall derselbe Mist. Nur jetzt ist wenigstens der Arbeitsweg wesentlich kürzer, Überstunden fallen weniger an und werden jetzt wenigstens auch eingereicht und abgesegnet, ob FZA irgendwann mal möglich wird - mal sehen. Noch 1,5 Jahre ...
Edit: Aber der erste Monat des Berechnungszeitraums war auch fast ohne Dienste. Ende diesen Monats wird sich die Stundenzahl wohl noch etwas erhöhen, wenn alle Monate mit Diensten eingerechnet sind... Und das trotz 4 Wochen Urlaub die jetzt schon mit drin sind...

milz
11.08.2022, 06:47
Wie wäre es denn auf 80% zu reduzieren? WB dauert dann zwar etwas länger, aber dafür bessere Lebensqualität?

koelnerchen
12.08.2022, 06:52
Auf die Anfrage zur Reduktion, wo es wirklich nicht mehr zu leisten war, kam letztes Jahr (trotz minderjährigem Kind zu Hause) die Antwort, dass das leider nicht geht, weil zu wenig Personal da ist. Daraufhin folgte der Wechsel.
Jetzt ist noch weniger Personal da, an der alten wie der neuen Stelle 🤷
Aber es ist ja auch ziemlich krank in unserem Beruf, dass selbst mit einer Reduktion der Arbeitszeit man mit ner 75% Prozent Stelle trotzdem mehr als 40 Stunden die Woche im Schnitt arbeitet... Gibt's sonst auch nirgends.

Lakemond
12.08.2022, 08:20
Gibt's sonst auch nirgends.

Da nur Ärzte so dumm sind...

Nilani
13.08.2022, 10:23
ich durfte auf 90% reduzieren, mehr gibt der Stellenschlüssel nicht her, der bei mehr nicht erfüllt ist. Dürfte vermutlich vielen von uns so gehen

Holthusen
13.08.2022, 11:02
Da nur Ärzte so dumm sind...

Naja es sind Assis im Krankenhaus, die haben keine gut geölte Lobby und müssen ihre Weiterbildung durchbekommen. Schade und ungerecht. Aber nicht wirklich eine neue Erkenntnis.
Im ambulanten Bereich eher unüblich 70h pro Woche (weder Fachärzte noch Assis), auch weil es keine 24h Bereitschaft und Co gibt und in der Regel besser organisiert ist.

Bonnerin
13.08.2022, 12:19
Naja es sind Assis im Krankenhaus, die haben keine gut geölte Lobby und müssen ihre Weiterbildung durchbekommen. Schade und ungerecht. Aber nicht wirklich eine neue Erkenntnis.
Im ambulanten Bereich eher unüblich 70h pro Woche (weder Fachärzte noch Assis), auch weil es keine 24h Bereitschaft und Co gibt und in der Regel besser organisiert ist.

Lobby wäre aber auch egal, wenn geschlossen mal alle WBAs den entsprechenden OÄ, die Lobbyarbeit machen und selber AT verdienen den Mittelfinger zeigen und kündigen. Wenns hat kein Personal mehr gibt und die feinen MB-Hoheiten selbst mal wieder die Tätigkeiten des "Fußvolks" verrichten müssten sähe das alles anders aus...

Holthusen
13.08.2022, 13:35
Ja, das kommt sogar mal vor, dass mehrere Assis geschlossen kündigen, sucht die Abteilung einfach neue. Die Unis produzieren zum Einen dauernd neue Absolventen und zum anderen gibt es Einwanderung oder es gibt auch Assis, die eine neue Stelle suchen und so dann die Lücken füllen für eine Zeit. Fachärzten sind in allen Fachrichtungen seltener aufzufinden als Assis. Bedenke die größte Gruppe unter den Ärzten sind die ohne Facharzt laut Bundesärztekammerstatistik.
Leider ist man ohne Facharzt regelmäßig wenig wert in der Medizinberufswelt.

Miss_H
14.08.2022, 16:58
Lobby wäre aber auch egal, wenn geschlossen mal alle WBAs den entsprechenden OÄ, die Lobbyarbeit machen und selber AT verdienen den Mittelfinger zeigen und kündigen. Wenns hat kein Personal mehr gibt und die feinen MB-Hoheiten selbst mal wieder die Tätigkeiten des "Fußvolks" verrichten müssten sähe das alles anders aus...
Ganz ehrlich. Bullshit. Das würde überhaupt nix bewirken. Ich würde immer versuchen für mich und das Team Vorteile rauszuhandeln. Das System werden wir nicht durch Einzelaktionen ändern. Wohin willst du denn gehen wenn du kündigst? Ist doch überall scheiße. Mal mehr, mal weniger.

][truba][
14.08.2022, 17:30
Ja, ich glaub da ehrlich gesagt auch nicht dran. Ich hab bisher auch wenig Oberärzte erlebt, die nicht eigentlich auch scheiß Jobs haben. Gut, die müssen vielleicht nicht mehr so viel/oft Nachts ran oder am Wochenende aber trotzdem müssen sie es, teilweise noch mit über 50 (oder 60) und zusätzlich noch so viel anderen (patientenfernen) Kram machen. Chef sein ist glaub ich auch nicht so geil, auch wenn natürlich AT Verträge mit Bonuszahlungen für "Fallzahlsteigerungen" ein Teil des Problems sind. Letztlich wird die Politik gefragt sein.

MrCorcoran
24.08.2022, 21:03
[truba][;2239694']Ja, ich glaub da ehrlich gesagt auch nicht dran. Ich hab bisher auch wenig Oberärzte erlebt, die nicht eigentlich auch scheiß Jobs haben. Gut, die müssen vielleicht nicht mehr so viel/oft Nachts ran oder am Wochenende aber trotzdem müssen sie es, teilweise noch mit über 50 (oder 60) und zusätzlich noch so viel anderen (patientenfernen) Kram machen. Chef sein ist glaub ich auch nicht so geil, auch wenn natürlich AT Verträge mit Bonuszahlungen für "Fallzahlsteigerungen" ein Teil des Problems sind. Letztlich wird die Politik gefragt sein.
70-80 h kann und sollte man sich nicht dauerhaft antun. Als OA hängt es sehr von dem Fachgebiet und der Klinik ab. Reha-Klinik und Anästhesie am Maximalversorger sind verschiedene Welten.
AT-Verträge können, wenn schlecht verhandelt, auch bei Chefärzten zu einem Gehalt führen, welches unter einem OA / LOA-Gehalt nach Tarif liegt, wenn man alle Stunden, Rufdienste & Co korrekt berücksichtigt.