Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dauerhaft über 70 Stunden pro Woche..Wieviel habt Ihr?
Mr. Pink online
25.08.2022, 06:49
Das OA bashing bringt gar nix. Wer keine 70h die Woche arbeiten will hat genug Werkzeuge zur Hand um sich dagegen zu wehren. Wir haben einen geltenden Tarifvertrag in dem Arbeitszeiten eindeutig geregelt sind. MB informieren, wenn PR und GF nicht handeln dann kommt als nächstes die Aufsichtsbehörde. Die will man als Chef nicht im Haus haben.
Zum Thema Reduktion: ich kann verstehen, dass da in der Klinik niemand zustimmen will. Reduktion geht eigentlich nur im Schichtdienst oder in der Funktion. Schichtdienst will der-/diejenige selbst meistens nicht machen und in die Funktion sollte jeder mal reinrotieren. Das hat mich persönlich immer gestört wie die Funktion zum Parkplatz für Schwangere und Erziehende wird.
Relaxometrie
21.09.2022, 20:21
Geplant hatte ich jetzt mehrfach 74Std pro Woche.
In welcher Funktion arbeitest Du denn? Wenn Du Examina und PJ noch vor Dir hast, wohl noch nicht als Ärztin.
Blaulicht86
21.09.2022, 22:01
Ich komme auf ca. 65 Std pro Woche. Weniger durch Überstunden unter der Woche, sondern durch die Dienste.
Dragonheart
22.09.2022, 10:33
Bei mir sind es laut Vertrag "40 Stunden / Woche"
Im realen Leben sind es, wenn nicht gerade ein Nachtdienstblock ansteht, 40 Stunden normale Stationsarbeit + an mindestens einem Tag langen Dienst in der Ambulanz (3 h an dem Tag länger) (ggf auch mal zwei in der Woche) + Überstunden um die man ja kaum drum rum kommt (je nach Station 0 bis 12 pro Woche, also sagen wir mal im Schnitt 6/Woche) + Wochenenddienste (im Zweifel 3 Wocheneden pro Monat je 12h, macht also umgerechnet pi mal Daumen 9/Woche)
--> sind wir bei Rund mindestens 58 h - 64/ Woche und wenn Kollegen nicht selten Krank werden natürlich mehr da man die Arbeit an Diensten ja noch auffangen muss
Ich bin mal gespannt wie sich diese Lage ändern wird wenn ich im nächsten Jahr die Klinik hin zur ambulanten Versorgung verlasse. Meine naive Hoffnung ist, dass es ja nur besser werden kann.
(aktuelle klassische stationäre Innere in Mittelgroßem Regelversorger vor den Toren einer Millionenstadt im 1 WBJ)
wie sieht es denn so allgemein mit der vergütung der überstunden aus?
kenne das noch von vor dem studium dass neue assis teilweise „heimlich“ länger da waren oder eher kamen um briefe zu schreiben usw (innere)
Vergütet wird, was dokumentiert wird. „Heimliche“ Überstunden werden natürlich nicht vergütet.
Das ist dann eigene Dummheit der entsprechenden Assistenten.
Nefazodon
23.09.2022, 10:36
kenne das noch von vor dem studium dass neue assis teilweise „heimlich“ länger da waren oder eher kamen um briefe zu schreiben usw (innere)
Tatsächlich ist das eine Unart, die ich ganz schlimm finde!
Durch die "heimlichen" Überstunden werden alle anderen unter Druck gesetzt, es genauso zu machen. Dann heißt es nämlich "Herr/Frau xy hat seine/ihre Briefe immer fertig, warum ist das bei Ihnen nicht so? Nehmen Sie sich ein Beispiel"
Man wird halt immer mit denen verglichen die es so machen.
So dumm, Verzeihung, "pflichtbewusst" heimliche Überstunden zu machen, sind auch nur Mediziner.
Bonnerin
23.09.2022, 11:05
Das ganze ist auch rechtlich heikel - nämlich wenn tatsächlich mal was passiert ist man nicht versichert.
Natürlich schön, wenn dann der Wegeunfall nicht anerkannt wird (Sie haben die Klinik doch 80 Minuten vorher verlassen!) oder die Haftpflichtversicherung nicht zahlt.
Habe da tatsächlich auch kein Mitleid mit den Kolleg:innen, sondern nur vollstes Unverständnis.
Endoplasmatisches Reticulum
23.09.2022, 11:07
Als ich in meiner ersten Stelle damals anfangen sollte, Dienste zu machen, wurde mir von Kollegen nahegelegt, unbedingt die Woche davor bis zum Abend mit dem Dienstarzt mitzulaufen, um sicherer zu werden. Freizeit, versteht sich. Habe ich dankend abgelehnt und meinte, dann muss es halt so gehen. Konnten die Assistenzarztkollegen nicht nachvollziehen. Hat ja schließlich jeder von denen so gemacht und da "echt von profitiert" ...
Man wird halt immer mit denen verglichen die es so machen.
Nicht einmal das: Es wird immer so ausgelegt, dass du der Dumme bist. Arbeitest du in einer Abteilung, wo alle anderen länger bleiben um ihre Briefe in den Griff zu kriegen, bist du der Depp, weil du es als einziger "nicht hinbekommst". Wenn du in einer Abteilung arbeitest, wo keiner seine Briefe im Griff hat, und du schaffst es aber irgendwie als einziger - dann kriegst du von oben einfach ausstehende Briefe von Kollegen zum Fertigmachen zusätzlich hingeklatscht. Weil Teamwork, ist voll wichtig als Arzt.
Das einzige, womit du dich nicht zum Vollhorst machst, ist stille Kündigung und unauffälliges Mitschwimmen. Nicht anecken und gerade soviel machen, dass du nicht negativ auffällst. Alles andere spuckt man dir noch nach Monaten vor die Füße (wenn negativ), oder es ist nach wenigen Tagen kollektiv vergessen und damit nie passiert (wenn positiv).
Mr. Pink online
23.09.2022, 12:12
Krankenhausmedizin ist leider nur bis zu einem gewissen Punkt planbar. Es wird immer wieder Mehrarbeit und Überstunden anfallen, das gehört dazu. Steht auch im Tarifvertrag. Dafür, dass Überstunden dokumentiert, ausgeglichen oder ausbezahlt werden ist jeder selbst verantwortlich. Und da würde ich mir auch nie im Leben von irgendjemandem etwas anderes vorschreiben lassen. Kennt ihr außer Ärzten irgendjemanden der im öffentlichen Dienst arbeitet und seine Überstunden nicht penibel dokumentiert?!
Bonnerin
23.09.2022, 13:34
Das kann ich so nicht unterschreiben. Es ist sehr wohl planbar - aber dafür muss man halt im Drei-Schichtsystem arbeiten. Und das wird widerum von den meisten abgelehnt. Die Wochenstundenzahl war auf ICU bei mir teilweise massiv höher - gerade, wenn man mal wieder 8 Tage ohne FZA o.ä. geackert hat. Aber die einzelnen Überstunden am Tag waren massiv weniger.
Es würde teilweise ja auch schon reichen, wenn es Personen mit leicht verlängerten Tagdiensten gibt (hatten wir im OP-Bereich), das hat die generelle Überstundenzahl auch in Grenzen gehalten. Man muss es als Klinik halt wollen um im Regelfall ist es schlichtweg nicht gewollt. Stattdessen hat man in der Verwaltung x Leute, die nix machen außer Kaffeepause und zwischen den Kaffeepausen halt Zigarettenpausen.
Sehr viele Überstunden lassen sich aber durch vernünftige Planung und gute Organisation vermeiden. Nur ein Bruchteil
meiner Überstunden auf der internistischen Normalstation wird durch akute Notfälle o.ä. generiert.
Klar, kann vorkommen und dann ist man auch mal länger da. Aber die täglichen 1-2 Überstunden kann man jetzt definitiv nicht mit schlechter Planbarkeit in der Medizin begründen.
Nefazodon
23.09.2022, 13:51
Krankenhausmedizin ist leider nur bis zu einem gewissen Punkt planbar. Es wird immer wieder Mehrarbeit und Überstunden anfallen, das gehört dazu. Steht auch im Tarifvertrag. Dafür, dass Überstunden dokumentiert, ausgeglichen oder ausbezahlt werden ist jeder selbst verantwortlich.
Ich kann dem auch nur bedingt zustimmen. Das Problem ist nicht, dass manchmal ungeplante Sachen passieren...
dass Problem ist, dass, entgegen besseren Wissens, mit Idealbedingungen geplant wird. Und selbst dafür ist der personalschlüssel dann noch auf Kante genäht.
Ist doch klar, dass das nicht klappen kann.
Was die Dokumentation von Überstunden angeht, so sehe ich den Arbeitgeber mindestens ebenso in der Pflicht. Wäre auch ganz einfach möglich mit elektronischer Zeiterfassung und ist in der Pflege vielerorts Standard.
Aber seien wir ehrlich: Die Arbeitgeber leben davon, dass die Ärzte unbezahlte Überstunden machen. Daher ist eine genaue Erfassung nicht gewünscht.
Die Leute, die „heimlich“ zum Briefe schreiben bleiben oder früher kommen würden sich dementsprechend natürlich auch nicht früher einstempeln oder stempeln sich zu Feierabend aus und arbeiten weiter. Wir haben elektronische Zeiterfassung und ich hab da schon die wildesten Sachen erlebt. Solange man noch aktiv Zeiten erfassen muss, sei es elektronisch oder händisch, wird man das System immer umgehen können.
Endoplasmatisches Reticulum
23.09.2022, 15:14
Das kann ich so nicht unterschreiben. Es ist sehr wohl planbar - aber dafür muss man halt im Drei-Schichtsystem arbeiten.
Nö. Man muss bloß einen adäquaten Personalschlüssel schaffen und aufhören, hochqualifiziertes Personal mit zeitfressenden Dumpingtätigkeiten zuzuschütten. Einen Schweigedruck mit Schichtandrohung aufzubauen, ist auch nur cleveres Taktieren eine Strategieebene weiter oben.
Als ich in einer chirurgischen Universitäten Abteilung hospitiert habe, wurde mir von einem erfahrenen Kollegen gesagt, dass wenn alle Überstunden ausbezahlten würden, man weniger Stellen haben würde, aufgrund mangelnder Finanzierung, und deswegen wurden von den ÄiW und FÄ diese Umstände toleriert.
Ist das überhaupt nachvollziehbar? Für mich hört es sich nach einem Käse, der von der Verwaltung/CA Ebene propagiert wird.
Endoplasmatisches Reticulum
23.09.2022, 17:46
Ja, ist nachvollziehbar. Und ja, können sie tun.
In Kurzform: Ouroboros. Die Personalbedarfsberechnung legt die optimale Verteilung der Humanressourcen fest. Wie verteile ich die Arbeit derart, dass das Personal in Relation zum Arbeitsaufkommen ideal ausgelastet ist? Ideal heißt, es gibt kein Däumchendrehen. Ideal heißt aber auch: Das Personal springt nicht schreiend vom sinkenden Schiff. Denn das erzeugt wiederum Kosten durch Ressourcenbindung (Bestandspersonal muss ständig neue Kollegen einarbeiten), Verwaltung (HR muss Verträge aufsetzen etc.) und sonstigen Mehrausgaben (Beschaffung extrem teurer Zeitarbeit, Strafzahlungen für Überschreitung der tariflichen Diensthöchstgrenzen, etc.).
Du bist Arbeitgeber. Jetzt packst du die erwarteten Kosten aus Kollateralschäden im Falle einer Stellenreduktion auf die Waagschale gegenüber den erwarteten Kosten bei Bezahlung der Überstunden. Was dabei herauskommt entscheidet, ob aufmuckfreies Auszahlen der Überstunden oder aber Kastration der Teamstärke die gewinnmaximale Handlungsalternative ist.
Du bist Arbeitnehmer. Jetzt überlegst du dir, welche Berufsgruppe im Krankenhaus mit endloser Frustrationstoleranz und delirantem Berufsethos alles abarbeitet, was man ihr vor die Füße rotzt - und welchen Teil der Waagschale diese Attitüde in welche Richtung hin beeinflusst. Und dann überlegst du dir noch, was diese Berufsgruppe anders machen könnte, mit welcher Folge für die Waagschale, und ob du realistischerweise erwarten solltest, dass sie das auch tut.
Schon ist die intellektuelle Verwirrung aufgeklart, auch wenn Wut und individuelles Ohnmachtsgefühl eventuell gewachsen sind.
Vielen Dank für die Antwort, „the more you know“…
Am Ende des Tages ist es eine individuelle Überlegung, ob diese Bedingungen zu akzeptieren sind. Für mich unvorstellbar, aber für jemanden, der habilitieren will/Uni Karriere machen will, vielleicht.
FirebirdUSA
23.09.2022, 19:18
Da fehlt noch mehr, tatsächlich hat der CA üblicherweise einen Lohnteil der erfolgsabhängig ist. Für seine Personalkosten hat er Position X/Jahr zur Verfügung. Bleibt er druntet bekommt er ggf sogar mehr Lohn... tatsächlich zählen natürlich auch Überstunden zu X, in der Regrl sind Überstunden aber günstiger als neue Stellen (geringere Lohnnebenkosten, da man schon über DRV Schwelle ist). Aber wird eine Stelle länger nicht besetzt, streicht die Verwaltung diese gerne auch mal aus der Pauschale X (wurde ja nicht gebraucht), und das Hamsterrad fängt von vorne an... jetzt muss man ja die Zielvorgaben wieder erfüllen.
Mr. Pink online
24.09.2022, 07:57
Das kann ich so nicht unterschreiben. Es ist sehr wohl planbar - aber dafür muss man halt im Drei-Schichtsystem arbeiten. Und das wird widerum von den meisten abgelehnt. Die Wochenstundenzahl war auf ICU bei mir teilweise massiv höher - gerade, wenn man mal wieder 8 Tage ohne FZA o.ä. geackert hat. Aber die einzelnen Überstunden am Tag waren massiv weniger.
Und es ist eben doch nicht 100% planbar, wie du selbst schreibst. Auch im Schichtbetrieb wird mal einer krank oder es kündigen mehr als neu eingearbeitet werden können. Und dann? Man ist halt keine Behörde die man einfach ein paar Tage schließt, bis der Personalschlüssel wieder stimmt. Das Krankenhaus "muss" weiter laufen und in diesem Rahmen fällt für die übriggebliebenen Beschäftigten Mehrarbeit und Überstunden an. Dies ist auch im TV so vorgesehen. Du kannst das Prozessmanagement noch so perfektionieren und den Stellenschlüssel optimieren, es wird immer wieder zu Überstunden kommen.
Am Ende entscheidet man aber als Angestellter selbst darüber, in welchem Umfang es tolerabel ist und vor allem, wie mit den Überstunden umgegangen wird. Jeder, auch an der Uni, hat anrecht auf Ausgleich oder Auszahlung. Wer aus freien Stücken darauf verzichtet hat selbst Schuld und trägt außerdem noch dazu bei, dass sich ein schlechtes System erhält.
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