Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie umgehen mit Demütigungen im Klinikalltag
ProximaCentauri
20.12.2022, 20:06
Ich habe dieses Jahr wegen wesentlich weniger schlechtem Umgang gekündigt, weil ich nicht bereit bin, so mit mir umgehen zu lassen. Vermutlich wird Ansprechen in dieser Situation wohl nicht viel bringen, man kann es aber versuchen (wenn man bereit ist, den Backlash zu ertragen). Andernfalls durchbeissen, und dann von der höheren Position aus versuchen etwas zu ändern.
Ob/wie man das macht hängt wohl von der persönlichen Toleranzschwelle ab, bei mir war sie viel früher erreicht, weil ich aber auch nicht allzu sehr nur am Job hänge.
RussianAngel
21.12.2022, 05:35
Habt ihr bereits als Ausländer in einer Abteilung gearbeitet? Da fragt fast jeder Patient: und woher kommen Sie denn? Wenn man jedes Mal austicken würde ist die "Karriere" wirklich nicht drin...Viele Sachen sind echt oft schnell gesagt in einer (chirurgischen) Stresssituation, wenn die Förderung stimmt ist das ja auch sehr sehr wichtig, je nach persönlichem Schwerpunkt...
Hoi!
In meinen Augen gibts es Grenzen. Egal ob rassistische Äußerungen oder persönliche Erniedrigungen jeder anderen Art, solche Aussagen sind für mich nicht zu tolerieren. So ein Verhalten richtet sich direkt gegen meine Person, und da ziehe ich persönlich den Strich. Hat jemand hingegen einen schlechten Tag und es fällt ein allgemeingültiger Kommentar, den man auf jeden münzen könnte, vielleicht sogar einen kleinen wahren Kern hat, nehm ichs hin, denn auch ich werde mal nicht mit meiner Schokoladenseite aufwachen.
Bei Angriffen erster Art halte ich es persönlich für fahrlässig, spätestens beim zweiten Mal nicht zu reagieren: Zum einen zeigst du deinem Gegenüber, dass du eine willkommene Spielwiese für seine psychopathologischen Auswüchse bist, zum anderen lässt du - dickes Fell hin oder her - jemanden anderen auf dein intimstes Selbstbild zugreifen. Über die Zeit wird es dich verändern, denn wo bitte projizierst du den aufgenommenen Frust hin? Schlussendlich ist der beste Weg geschaffen, dass auch du später deine aufgestauten Emotionen an anderen, vorzugsweise Untergebenen, freien Lauf lassen musst. Es ist nur eine Frage der Zeit. Frage dich, ob du später auch so ein fachlich geniales Chirurgengenie sein möchtest, der wie so viele zuvor von einem ausgeglichenen Menschen zum Psychopathen mutiert wurde.
Bist du "karrierebedingt" von dieser einen Person abhängig, würde ich die Stelle wechseln. Ist im Lebenslauf sicherlich alles andere als ein Minuspunkt - verschiedene Häuser, mehr Erfahrung. Ist diese Person jedoch nicht dieses eine Zentralgestirn, ist es höchste Zeit, dass du lernst, deine Person zu verteidigen. Es wäre naiv zu denken, dass du durch Hinnehmen der Situation fachlich hinzugewinnst ohne zu verlieren.
Aus meiner persönlichen Erfahrung, ähnliche Situation: Ich bin nach etwas Beobachten und 2, 3 Vorfällen ähnlicher Art konfrontativ auf die Person zugangen, sachliche Argumente standen dabei nicht ! auf oberster Priorität. Es war mir wichtig, emotional meinem Gegenüber zu zeigen, dass außer dem knechtbaren Assistenten noch eine andere, wehrbare Person vor ihm steht, die sich nicht als willkürliche Projektionsfläche seiner cholerischen Selbst zur Verfügung stellt. Gleichzeit Meldung an den Chef, mit dem Hinweis, dass ich dieses Verhalten ohne Konsequenzen (BR, rechtlich) nicht hinnehmen würde.
Seitdem hat sich einiges verändert: dumme Sprüche kamen kaum mehr, und wenn dann nur in äußerst moderater, allgeimener Formulierung. Und, man glaubt es kaum, die Lehre hat in keinster Weise darunter gelitten. Das läuft weiter, als wäre nichts gewesen.
Deshalb von meiner Seite: Trau dich, du wirst langfristig deutlich mehr gewinnen als verlieren!
clyde_frog
21.12.2022, 14:37
Habt ihr bereits als Ausländer in einer Abteilung gearbeitet? Da fragt fast jeder Patient: und woher kommen Sie denn?
Ja, habe ich. Wo liegt hier das Problem wenn jemand mich fragt woher ich komme?
Es geht in diese Thread um Erniedrigung durch Vorgesetzte, nicht um Patienten die kuriös über meine akcent sind
RussianAngel
23.12.2022, 07:42
Tja, Beleidigungen hinnehmen als Arzt vom eigenen Chefarzt? Super Welt, wo wir wohnen...Da würde jede Pflege wahrscheinlich dem "Chef" eine Ohrfeige geben und ins Gesicht spucken :D :D :D
Feuerblick
23.12.2022, 08:13
:-nix Wer als Preis für seine „Karriere“ die Selbstachtung abgibt, sich demütigen lässt und das auch noch für angemessen hält statt sich zu wehren, der muss da halt durch und sollte bittedanke aber auch niemandem die Ohren vollheulen. :-meinung
Philip_MHH
23.12.2022, 08:15
:-nix Wer als Preis für seine „Karriere“ die Selbstachtung abgibt, sich demütigen lässt und das auch noch für angemessen hält statt sich zu wehren, der muss da halt durch und sollte bittedanke aber auch niemandem die Ohren vollheulen. :-meinung
Volle Zustimmung. Zu Demütigungen und Beleidigungen gehören immer zwei. Einer der es tut und einer der es mit sich machen lässt.
Jeder muss halt die Grenzen für sich ziehen. Ich habe mir auch schon in der Jugend wenig aus verbalen Beleidigungen gemacht. Auch im Berufsleben konnte ich immer gut kontern und solche Versuche mich zu erniedrigen oder diskreditieren sind immer schnell im Sande verlaufen. Die Sozialisation in der Abteilung scheint ja zu einem gewissen Abstumpfen bzw. Toleranz geführt zu haben. Im Endeffekt spiegelt so ein Verhalten ja eine charakterliche/ persönliche Schwäche wieder. Gerade in der aktuellen Diskussion um Rassismus und Diskriminierung macht sich derjenige auch sehr angreifbar.
Um langfristige Karriereziele zu erreichen, kann es rein rational auch sinnvoll sein, so Übergriffe zu ertragen; wenn keine gesundheitlichen Folgen zu befürchten sind.
Und mit Forschungsprojekten einfach mal so die Stelle zu wechseln ist schwierig. Da ist man in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis. Mit einem ganzen Projekt zu wechseln ist sehr umständlich aber möglich. Forschungsgelder gerade aus der EU sind ja oft personen- und nicht institutsgebunden.
Feuerblick
23.12.2022, 11:49
Die Frage ist halt, was es einem wert ist… Ich würde, wenn Kontern zu Rauswurf und Jobverlust führen würde, lieber bei der Müllabfuhr arbeiten als mich so runtermachen zu lassen.
Coxy-Baby
23.12.2022, 12:17
Der Kollege ist doch bereits fest in's Borg-Kollektiv integriert, der Thread ist doch nur noch ein letztes emotionales Aufbäumen ......
:-nix Wer als Preis für seine „Karriere“ die Selbstachtung abgibt, sich demütigen lässt und das auch noch für angemessen hält statt sich zu wehren, der muss da halt durch und sollte bittedanke aber auch niemandem die Ohren vollheulen. :-meinung
Die Frage ist halt, was es einem wert ist… Ich würde, wenn Kontern zu Rauswurf und Jobverlust führen würde, lieber bei der Müllabfuhr arbeiten als mich so runtermachen zu lassen.
Schön ausgedrückt. Kann ich auch nicht navollziehen wie man sowas noch relativieren kann. Ich meine, „du dummer Mullatto“ um die Ohren gehauen bekommen und dann nicht sämtliche Register ziehen… da kann was nicht ganz stimmen
cartablanca
24.12.2022, 11:56
Respekt, dass du dir das freiwillig antust. Ich bin froh, dass Deutschland, trotz aller Vorurteile, in der Hinsicht um Welten weiter ist und die meisten Menschen eine dem Jahr 2022 angemessene Mentalität angenommen haben.
Mit Sicherheitnicht. Hier sagen sie dir nur nicht warum sie dich anfeinden.
RussianAngel
24.12.2022, 20:29
Klinikalltag ist schon schlimm...Seitdem ich vor allem ambulant bin, ist alles sooooo viel besser :)
cartablanca
24.12.2022, 20:58
Ich kenn auch jemanden der jahrelang wie ein Fussabtreter behandelt wurde und dann NICHT Oberarzt wurde. Du sagst selbst das sind Psychopathen. Warum sollten die sich an ihr Wort halten? Man sollte immer einen Plan B haben.
Meinem Angehörigen hat man jahrelang eine Chefarztstelle in Aussicht gestellt, um dann zuletzt mitzuteilen, dass es mit dem christlichen Leitbild des Hauses nicht vereinbar wäre, wenn ein Muslim CA wird.
Meinem Angehörigen hat man jahrelang eine Chefarztstelle in Aussicht gestellt, um dann zuletzt mitzuteilen, dass es mit dem christlichen Leitbild des Hauses nicht vereinbar wäre, wenn ein Muslim CA wird.
Naja, wie kann man auch so naiv sein zu denken, dass das funktionieren sollte.
In eine solche Position schafft man es nicht mal als Christ, aber Nichtkirchenmitglied.
cartablanca
25.12.2022, 09:04
Das war ja nur exemplarisch. Ich wollte nur damit sagen, dass man generell auf mündliche Abmachungen keinen Pfifferling geben sollte. Da gibts noch ein anderes Beispiel. Jahrelang gedemütigt worden und am Ende doch nicht Oberarzt. Unfallchirurgie in dem Fall. Immer Plan B haben. Ist zwar schade, aber so isses halt.
manchmal scheinen ärzte/ärtzinnen wohl so in ihrer eigenen bubble zu leben dass sie wirklich glauben akademische titel oder höhere berufliche positionen müssen jemanden ehrfürchtig machen und es seien höhere menschen die diese tragen
Endoplasmatisches Reticulum
25.12.2022, 11:20
Klar. Seit ich den Dr. vorm Namen habe senken alle Pfleger ehrfürchtig das Haupt, wenn ich mit meiner Kittelschärpe vorbei schreite. Neulich hat ein Famulant mir einen Schrein auf dem Flur errichtet und eine schwangere Patientin wollte unbedingt meinen Vornamen wissen, um ihr Kind so zu nennen. Das fand ich dann schon etwas absonderlich. Aber nicht übel ...
manchmal scheinen ärzte/ärtzinnen wohl so in ihrer eigenen bubble zu leben dass sie wirklich glauben akademische titel oder höhere berufliche positionen müssen jemanden ehrfürchtig machen und es seien höhere menschen die diese tragen
Dafür gibts die Themenverfehlungsmedaille in Gold...
cartablanca
25.12.2022, 12:16
manchmal scheinen ärzte/ärtzinnen wohl so in ihrer eigenen bubble zu leben dass sie wirklich glauben akademische titel oder höhere berufliche positionen müssen jemanden ehrfürchtig machen und es seien höhere menschen die diese tragen
Jemand der jahrzehntelang Opfer bringt um gewisse Skills zu erlangen und darüber hinaus wissenschaftlich forscht hat Respekt und Ehrfurcht verdient, sollte aber auch nicht herablassend mit seinen Mitmenschen umgehen.
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