Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie umgehen mit Demütigungen im Klinikalltag
Hallo an alle
Ich weiss, dass der Titel komisch ist, aber ich hätte gerne eure ehrliche Meinung - bin sonst ein stiller Beobachter dieses Forums, hätte aber dieses mal gerne Feedback :)
Ich arbeite in einer sehr grossen viszeralchirurgischen Abteilung in einer Uniklinik in der Schweiz. Insgesamt läuft es gut. Ich mache den Facharzt Chirurgie mit Schwerpunkt VCH und habe einen sehr guten Stand - sowohl akademisch als auch klinisch. Ich gehe auch gut mit konstruktiver Kritik um.
Was mich mental sehr belastet sind die psychischen Demütigungen, die wir oft ertragen, wenn aus dem Nichts aussagen kommen wie: " Du kannst nichts", "du bist ein faules Stück Dreck", "Du solltest einfach Müll austragen, und nicht Chirurg werden", "Wenn du mich hinterfragst, nehme ich dir alle Forschungsprojekte weg, und schick dich dahin wo du hergekommen bist" etc.
Bin selber vom Typ etwas dunkler (Mittlerer Osten) und einer meiner OAs (eigentlich einer der mich operativ fördert) ist ausgetickt und hat mich im OP "dummer Mulatto genannt".
Meine Arbeit wird hochgeschätzt in der Abteilung aufgrund meines Einsatzes in der Klinik, akademisch und der chirurgischen Fähigkeiten, aber leider bin ich teilweise von absoluten Psychopathen umzingelt.
Der Grundtenor der Abteilung : Ertrag die Demütigung bist du PD bist und OA. Aber irgendwann platzt alles raus.
Mein Chef selber sagt es mir auch so: Ertrag es und bald bist du OA etc.
Aber wie würdet ihr damit umgehen? Schaltet ihr es aus, oder spricht ihr es mal an?
LG
Dem OA mit der Eskalation solcher rassistischer Ausfälle (Öffentlichkeit, Compliance/HR o.ä.) zu drohen und das zum eigenen Vorteil zu nutzen, ist in der Schweiz keine Option?
Im ersten Moment klingt es btw nicht so als seist du ein hoch geschätzter Kollege.
Endoplasmatisches Reticulum
20.12.2022, 09:07
Man sucht sich die Wiese aus, auf der man ... grast. Sind es einzelne Individuen, kann eine Konfrontation gut tun. Manche Menschen dreschen so lange auf dich ein, bis du das Gegenfeuer eröffnest. Erst dann respektieren sie dich und es ist Ruhe. Bei anderen machst du es damit nur noch schlimmer und riskierst, dich als Sandkorn im Betriebe der Abteilung zu inszenieren. Das ist immer eine sehr individuelle Angelegenheit und da spielen auch viele persönliche Faktoren wie z.B. deine Bindung an diese Arbeitsstätte, deine Risikoaffinität/-aversion und eben die gesamte Personalstruktur in der Abteilung eine Rolle. Wenn du wirklich "von Psychopathen umgeben" bist, wirst du die kaum kollektiv umerziehen.
Mir persönlich haben solche Sprüche nie etwas ausgemacht. Ich habe aber auch nur sehr kurz in einer derartigen Abteilung gearbeitet, dann hatte ich die Schnauze voll. Kurz überlegen, ob auch unter Polemik versteckt eventuell eine echte und begründete Kritik steckt. Wenn nein, links rein und rechts raus. Als Arzt ist es leider insbesondere oft normal, bei 150 % Arbeitsleistung als angeblicher Underperformer vorgeführt zu werden. Öffentliche Erniedrigungen, z.B. vor Patienten, Angehörigen, der Pflege oder im OP-Saal gehen hingegen gar nicht.
Man sucht sich die Wiese aus, auf der man ... grast. Sind es einzelne Individuen, kann eine Konfrontation gut tun. Manche Menschen dreschen so lange auf dich ein, bis du das Gegenfeuer eröffnest. Erst dann respektieren sie dich und es ist Ruhe. Bei anderen machst du es damit nur noch schlimmer und riskierst, dich als Sandkorn im Betriebe der Abteilung zu inszenieren. Das ist immer eine sehr individuelle Angelegenheit und da spielen auch viele persönliche Faktoren wie z.B. deine Bindung an diese Arbeitsstätte, deine Risikoaffinität/-aversion und eben die gesamte Personalstruktur in der Abteilung eine Rolle. Wenn du wirklich "von Psychopathen umgeben" bist, wirst du die kaum kollektiv umerziehen.
Mir persönlich haben solche Sprüche nie etwas ausgemacht. Ich habe aber auch nur sehr kurz in einer derartigen Abteilung gearbeitet, dann hatte ich die Schnauze voll. Kurz überlegen, ob auch unter Polemik versteckt eventuell eine echte und begründete Kritik steckt. Wenn nein, links rein und rechts raus. Als Arzt ist es leider insbesondere oft normal, bei 150 % Arbeitsleistung als angeblicher Underperformer vorgeführt zu werden. Öffentliche Erniedrigungen, z.B. vor Patienten, Angehörigen, der Pflege oder im OP-Saal gehen hingegen gar nicht.
Gebe Dir da recht. Natürlich bin ich jemand, der auch zubeissen kann. Aber bei uns herrscht einfach ein sehr aggressiver Ton und Umgang. Auch rassistische "Rants" sind da mal normal.
Ich kriege im Gegenzug aber auch viel wieder: gute operative Ausbildung und der Weg zum PD ist in Sicht bei mir.
Feuerblick
20.12.2022, 09:15
Die Frage ist: Wie wichtig ist dir die Karriere? So wichtig, dass du dich dafür beleidigen und erniedrigen lassen möchtest? Dann Ohren zu und durch.
Falls dir Selbstachtung und Respekt wichtiger sind: Wehren! Frag den OA, ob hinter seiner rassistischen Beleidigung denn fachliche Kritik steckt. Falls nein, möge er derartiges unterlassen. Ähnliches würde ich auch bei anderen Kollegoiden durchziehen. Wenn zum OA oder PD dazugehört, dass man sich beleidigen lassen muss, dann wundert mich nicht, warum diese Menschen so sind wie sie sind. Sie haben es ja so gelernt. :-nix
RussianAngel
20.12.2022, 10:13
Hallo an alle
Ich weiss, dass der Titel komisch ist, aber ich hätte gerne eure ehrliche Meinung - bin sonst ein stiller Beobachter dieses Forums, hätte aber dieses mal gerne Feedback :)
Ich arbeite in einer sehr grossen viszeralchirurgischen Abteilung in einer Uniklinik in der Schweiz. Insgesamt läuft es gut. Ich mache den Facharzt Chirurgie mit Schwerpunkt VCH und habe einen sehr guten Stand - sowohl akademisch als auch klinisch. Ich gehe auch gut mit konstruktiver Kritik um.
Was mich mental sehr belastet sind die psychischen Demütigungen, die wir oft ertragen, wenn aus dem Nichts aussagen kommen wie: " Du kannst nichts", "du bist ein faules Stück Dreck", "Du solltest einfach Müll austragen, und nicht Chirurg werden", "Wenn du mich hinterfragst, nehme ich dir alle Forschungsprojekte weg, und schick dich dahin wo du hergekommen bist" etc.
Bin selber vom Typ etwas dunkler (Mittlerer Osten) und einer meiner OAs (eigentlich einer der mich operativ fördert) ist ausgetickt und hat mich im OP "dummer Mulatto genannt".
Meine Arbeit wird hochgeschätzt in der Abteilung aufgrund meines Einsatzes in der Klinik, akademisch und der chirurgischen Fähigkeiten, aber leider bin ich teilweise von absoluten Psychopathen umzingelt.
Der Grundtenor der Abteilung : Ertrag die Demütigung bist du PD bist und OA. Aber irgendwann platzt alles raus.
Mein Chef selber sagt es mir auch so: Ertrag es und bald bist du OA etc.
Aber wie würdet ihr damit umgehen? Schaltet ihr es aus, oder spricht ihr es mal an?
LG
Leider muss ich sagen, dass dies Alltag ist an vielen deutschen Unikliniken...Ich denke, wenn man sich wehrt, kann man wirklich alles verlieren in dieser Abteilung, von dem her muss man sich das gut überlegen wie genau und bei wem beschweren, sowie einfach nicht zu emotional reagieren, sondern strategisch. Eigentlich wäre sicher eine gute Option den PD zu machen, und dann das Leben des Rassisten zur Hölle zu machen :D:D:D Zum Beispiel die Aussagen aufnehmen und an die Bildzeitung schicken :P
Hi, ich habe in der Schweiz ähnliche rassistische Erfahrungen in der Famulatur und auch außerhalb der Klinik auf Reisen gemacht und möchte/werde die Schweiz freiwillig nicht mehr betreten. Einige Schweizer haben eine massiv menschenverachtende, rassistische und ungehobelte Attitüde verinnerlicht.
Respekt, dass du dir das freiwillig antust. Ich bin froh, dass Deutschland, trotz aller Vorurteile, in der Hinsicht um Welten weiter ist und die meisten Menschen eine dem Jahr 2022 angemessene Mentalität angenommen haben.
Lakemond
20.12.2022, 10:37
"Insgesamt läuft es gut"🙈
RussianAngel
20.12.2022, 10:40
Hi, ich habe in der Schweiz ähnliche rassistische Erfahrungen in der Famulatur und auch außerhalb der Klinik auf Reisen gemacht und möchte/werde die Schweiz freiwillig nicht mehr betreten. Einige Schweizer haben eine massiv menschenverachtende, rassistische und ungehobelte Attitüde verinnerlicht.
Respekt, dass du dir das freiwillig antust. Ich bin froh, dass Deutschland, trotz aller Vorurteile, in der Hinsicht um Welten weiter ist und die meisten Menschen eine dem Jahr 2022 angemessene Mentalität angenommen haben.
In der Schweiz sind an den Kliniken kaum Schweizer Ärzte...So wie in Deutschland an vielen Unikliniken kaum Deutsche sind muss man sagen, diese "Erleuchtung" habe ich erst vor paar Wochen gehabt...Die Schweiz ist halt bedeckter, so etwas direktes hörst Du hier so gut wie nie...Hat auch Nachteile, weil Du nicht weisst, was die Leute wirklich über Dich denken...
][truba][
20.12.2022, 11:05
Du hast schon gelesen, dass er in der Schweiz arbeitet und diese Aussagen auch dort getätigt wurden?
Ob es nun ein Oberarzt mit schweizer oder deutschen Wurzeln ist bleibt offen, ist aber auch gar nicht Gegenstand der Diskussion.
Ich persönlich würde dem Oberarzt in einer solchen Situation sagen, dass du das nicht angemessen findest und ob er fachliche Kritik hätte. Letztlich ist es ja so, dass du schon sehr differenziert wirkst und auch drauf zu pfeifen scheinst, was einen dieser Kollegen seinen unangemessen Ausbrüchen bringt. Wenn du mit der Ausbildung und der Forschung für dich zufrieden bist, bleib da. Wenn du wirklich geschätzt bist, wirst du einfach ruhig und sachlich bei solchen Ausbrüchen deinen Standpunkt vertreten können. Letztlich kommt so ein Verhalten ja immer aus dem "inneren" der Person. Das kann die diversesten Gründe haben und die wirst du nicht ändern. Und wenn es ein langjähriger "Kollege" dort ist, wirst du den da auch nicht wegbekommen.
Danke für eure Antworten :)
Alsoooo, natürlich gibt es solche und solche.
Aber erstmal zur Schweiz. Ja, es gibt in der Schweiz Rassismus, aber der zeigt sich nicht im Berufsleben. Beispiel: Ich steige im Schweizer System auf, werde akademisch extrem gefördert, bekomme meine gewünschten Fellowships, habe eine Stv OA stelle, und kann dann 2-3 Jahre in die USA HPB Fellowship. Und dabei bin ich Deutscher mit Wurzel im mittleren Osten (Muslim und äusserlich dunkler Hauttyp). Ich erfahre also keine Diskriminierung bei den Aufstiegschancen und so geht es vielen Ausländern. Es zählt die Leistung, die man bringt. Es wird viel eingefordert (meiner Meinung nach viel mehr als in Deutschland), aber ich kriege was wieder.
Im Privatleben ist es anders. Ich wohne in einem Vorort und wenn ich joggen gehe, werde ich schon angestarrt. Oder es kommen Bemerkungen. Mich tangiert das zumeist nicht, da ich ein dickes Fell habe. Mein Leben spielt sich eher auf der Arbeit ab und diese nimmt sicherlich 90% meines Lebens ein. Insgesamt kann man sagen, dass ich in der Blase Uniklinik bin.
Aber es gibt auf dem Land und im Alltag eine andere Lebenrealität.
Mein Team ist jedoch durchmischt. Es gibt Schweizer, Franzosen, Südafrikaner, Deutsche, Araber etc. Es sind alles sehr leistungsorientierte Menschen, aber wie erwähnt, ist der Grundtenor höchst aggressiv und es kommen oft rassistische Bemerkungen.
Ich denke nicht, dass ich daran was ändern kann. Leider
RussianAngel
20.12.2022, 12:15
Ja, wie ich das aus psychiatrischer Sicht ich das immer empfehle: Mach doch eine Pro und Contra liste von "Sich wehren" aber auch eine Pro und Contra Liste von "Sich Nicht wehren"...Schau Dir das mehrmals im Verlauf der Woche genau an...Dann wird sicher die Lösung klarer werden...Mit rassistischen Übergriffen sollte die Grenze schon überschritten sein, würde mal meinen, aber bei Sexismus und Rassismus kennen die "Kollegen" keine Grenzen...
Endoplasmatisches Reticulum
20.12.2022, 12:21
Der Kollege beschreibt fünf exemplarische Sprüche, von denen einer rassistisch ist, und schon geht es seitenweise wieder nur noch darum, welche Nationen pauschal wie rassistisch sind.
Da lässt man einmal das Bingo-Brett zuhause ...
DrSkywalker
20.12.2022, 13:28
Kündigung. Das ist menschenverachtend und verhaltensgestört, mit solchen Menschen sollte man sich nicht umgeben.
RussianAngel
20.12.2022, 13:36
Kündigung. Das ist menschenverachtend und verhaltensgestört, mit solchen Menschen sollte man sich nicht umgeben.
Das kann man in den ersten 6-12 Monaten sicher machen, aber wenn man schon jahrelang seine Karriere in der Abteilung aufgebaut hat? Ist etwas kindisch und naiv...
Insgesamt bin ich aber bei den Kommentaren "Insgesamt läuft es gut" ist sicher etwas übertrieben...allerdings gerade in der Chirurgie sind viele solche Volli***oten unterwegs...
Das kann man in den ersten 6-12 Monaten sicher machen, aber wenn man schon jahrelang seine Karriere in der Abteilung aufgebaut hat? Ist etwas kindisch und naiv...
Insgesamt bin ich aber bei den Kommentaren "Insgesamt läuft es gut" ist sicher etwas übertrieben...allerdings gerade in der Chirurgie sind viele solche Volli***oten unterwegs...
Bezüglich Förderung läuft es sehr gut. Wenn man bereit ist alles zu erdulden, bekommt man viel zurück.
Die Chirurgie zieht leider viele solcher Leute an. Ich habe Genie-Chirurgen gesehen, die menschlich jedoch völlig gestört waren.
Gibt immer Ausnahmen, Fächer, wo es eher netter zu geht. Urologie, Gefässchirurgie, Handchirurgie sind eher adäquater im Umgang. Fächer wie Herzchirurgie, Plastische Chirurgie, Viszeral tummeln sich oft gestörte Persönlichkeiten, insbesondere in der Uniklinik ist es speziell.
DrSkywalker
20.12.2022, 17:56
Das kann man in den ersten 6-12 Monaten sicher machen, aber wenn man schon jahrelang seine Karriere in der Abteilung aufgebaut hat? Ist etwas kindisch und naiv...
Insgesamt bin ich aber bei den Kommentaren "Insgesamt läuft es gut" ist sicher etwas übertrieben...allerdings gerade in der Chirurgie sind viele solche Volli***oten unterwegs...
Kindisch und naiv ist es, sich sowas über Jahre hinweg bieten zu lassen in der Hoffnung, dass man ein toller Hecht wird.
und am Ende ist man genau so eine Wurst, die dann wiederum selbst assistenzärzte hat, die man beschimpfen kann. Die Opfer eines solchen Verhaltens haben ihren Anteil an der Situation, wenn sie sich so etwas länger bieten lassen.
Züschata
20.12.2022, 18:31
Ausgeglichene und gestörte Persönlichkeiten gibt es in allen Abteilungen auf allen Ebenen, alle anderen Behauptungen bleiben zu pauschal. Mich würde aber schon interessieren, wer denn überwiegend diese Äußerungen tätigt - sind das Oberärzte, andere Assistenten, Pflege? Erwiderst du denn etwas in diesen Situationen? Möchtest du etwas anders machen? Hast du ein Ventil um damit umzugehen? Auf jeden Fall viel Erfolg für deinen weiteren Weg.
clyde_frog
20.12.2022, 19:18
Das kann man in den ersten 6-12 Monaten sicher machen, aber wenn man schon jahrelang seine Karriere in der Abteilung aufgebaut hat? Ist etwas kindisch und naiv...
Insgesamt bin ich aber bei den Kommentaren "Insgesamt läuft es gut" ist sicher etwas übertrieben...allerdings gerade in der Chirurgie sind viele solche Volli***oten unterwegs...
Wohl kaum kindish wann man so eine Verhalten von vorgesetzte nicht duldet. Viel naiver ist es sich so eine Theater anzutun und sich seine Leben so zu vermiesen
clyde_frog
20.12.2022, 19:20
Hallo an alle
Aber wie würdet ihr damit umgehen? Schaltet ihr es aus, oder spricht ihr es mal an?
LG
Kündingen und neue job suchen. Und zwar schnell
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.